Zu zweit träumt es sich besser - Roxanne St. Claire - E-Book

Zu zweit träumt es sich besser E-Book

Roxanne St. Claire

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Beschreibung

Eine neue Novella zur beliebten Barfuß-Reihe von Roxanne St. Claire! Nathaniel Ivory, Sohn einer der reichsten Familien der USA, ist in den Medien vor allem als skandalumwitterter Playboy bekannt. Fest entschlossen, sein Leben zu wenden, nimmt er den Posten als Manager eines kleinen Baseball-Teams an. Gerade als sein Image sich langsam zu bessern scheint, trifft er auf Liza Lemanski, die ihn augenblicklich fasziniert. Die junge Frau kümmert sich aufopferungsvoll um den Sohn ihrer verstorbenen besten Freundin - und bringt Nates Welt gehörig ins Wanken, als sie ihm verkündet, dass er der Vater des kleinen Jungen ist ... (ca. 200 Seiten)

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Seitenzahl: 228

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Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

Anmerkung der Autorin

Widmung

1

2

3

4

5

6

7

8

9

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13

Die Autorin

Die Romane von Roxanne St. Claire bei LYX

Impressum

ROXANNE ST. CLAIRE

Zu zweit träumt es sich besser

Ins Deutsche übertragen von

Barbara Müller

Zu diesem Buch

Nathaniel Ivory, Sohn einer der reichsten Familien der USA, ist in den Medien vor allem als skandalumwitterter Playboy bekannt. Fest entschlossen, sein Leben zu wenden, nimmt er den Posten als Manager eines kleinen Baseball-Teams an. Gerade als sein Image sich langsam zu bessern scheint, trifft er auf Liza Lemanski, die ihn augenblicklich fasziniert. Die junge Frau kümmert sich aufopferungsvoll um den Sohn ihrer verstorbenen besten Freundin – und bringt Nates Welt gehörig ins Wanken, als sie ihm verkündet, dass er der Vater des kleinen Jungen ist …

 

Anmerkung der Autorin

Ein weiterer Strand, ein weiterer Milliardär, eine weitere unerwartete Chance auf die Liebe eines Lebens! Ich freue mich, Sie wieder an der Barefoot Bay willkommen zu heißen, wo alle eingeladen sind, die Schuhe abzustreifen und sich zu verlieben. Es ist an der Zeit, jenen Mann kennenzulernen, der von der Regenbogenpresse nur »Naughty Nate« genannt wird – Nathaniel Ivory, Milliardär, Bad Boy und Abkömmling einer amerikanischen Dynastie. Nate hat alle Hände voll damit zu tun, seiner Familie zu beweisen, dass es keinen Ärger, keine Schlagzeilen und keine Skandale mehr geben wird. Bis er der Frau begegnet, die all das und noch viel mehr verspricht.

Liza Lemanski braucht nur eine einfache Sache von Nate … seine Unterschrift auf einem Blatt Papier, um ihr Seelenfrieden zu geben. Aber das ist nicht ganz so leicht, wie sie gehofft hatte, und ehe sie es sich versieht, wird sie mit einem Lebensstil konfrontiert, den man bloß als Traum bezeichnen kann, mit einem Mann, der absolut perfekt zu sein scheint. Doch Perfektion ist nur Fassade und aus jedem Traum wacht man einmal auf … oder etwa nicht?

Über Nates und Lizas Reise zu dem Glück bis ans Ende ihrer Tage zu schreiben hat mir ungeheuer viel Spaß gemacht. Also gehen Sie an Bord der N’Vidrio (mein Dank für die Namensgebung von Nates Jacht gilt meinen wunderbaren Facebook-Freunden!) und verlieben Sie sich!

Roxanne St. Claire

Dieses Buch ist meiner lieben Freundin Ramona »Mon« Kekstadt gewidmet, die sich als treue Leserin und begeisterter Fan ihren eigenen Sonnenschirm am Strand von Barefoot Bay verdient hat.

1

Es lag an ihren Augen. Kaum hatte Nate auch nur einen Blick auf diese faszinierende Farbe geworfen, irgendwie meerblau und flaschengrün zugleich, musste er diese Frau ansprechen und hörte deshalb aufmerksam zu, als sie einem seiner Freunde vorgestellt wurde.

»Erinnerst du dich an Liza Lemanski, die Frau, die bürokratische Fallstricke auf wundersame Weise entwirrt?«

Er zögerte keine Sekunde und schob sich näher heran, wobei er den Hauch eines Zitrusduftes wahrnahm. »Ich mag Frauen, die entwirren können«, sagte er und zwinkerte ihr zu.

»Fein.« Als sie sich ihm zuwandte, lag in ihrem türkisfarbenen Blick nichts als Ernsthaftigkeit. »Ich bin nämlich hergekommen, um einiges zu entwirren.«

Sein Freund verpasste ihm zum Abschied einen Klaps auf die Schulter und erinnerte Nate daran, dass er als Dritter in dem Freundschafts-Baseballspiel an der Reihe war, das in Kürze beginnen sollte. Doch Nates ganze Aufmerksamkeit galt der Schönheit vor ihm. »Und, wer wird hier entwirrt, Blue Eyes?«, fragte er.

»Sie.«

Nett. »Ich mag Frauen, die nicht lange um den heißen Brei herumreden.«

»Ach ja?« Sie lächelte immer noch nicht, sodass er sich fragte, ob dieser Kommentar als Flirt gemeint war oder nicht. »Wir müssen reden, Mr Ivory.«

Also eher nicht. Kannte er sie und hatte diese unglaublichen Augen vergessen? Möglich war alles. Jedenfalls, was ihn betraf. Zumindest in der Vergangenheit.

Wie lange würden ihn die Fehler seiner Vergangenheit noch verfolgen? Würde er jetzt zu hören bekommen, dass er Versprechen nicht eingehalten oder erbetene Telefonnummern nie angerufen hatte oder … noch schlimmer? Schlimmer ging immer. Sofort ließ er sein Schutzgitter wie Barrieren aus Titanium herunter, während er automatisch nach der Sonnenbrille in seiner Brusttasche griff.

»Klar doch, lassen Sie uns nach dem Spiel reden.« Während er die Brille aufsetzte, tilgte er jeglichen Humor aus seiner Stimme und machte einen Schritt in die entgegengesetzte Richtung.

Sie folgte ihm und schüttelte ihr langes, dunkles Haar über die Schulter nach hinten, um ihm zu zeigen, dass sie es ernst meinte. »Lassen Sie uns jetzt reden.«

»Es dauert bloß drei Innings, und danach gibt es eine Cocktailparty am Strand. Da können wir alles entwirren, was Sie wollen.« Er hob die Hand zu einem halbherzigen Abschiedsgruß.

»Jetzt wäre mir lieber.«

Verdammt! Er schaute sich auf der großen Terrasse um, wo er gerade eine Pressekonferenz zu seinem Vorhaben, ein Minor-League-Baseballteam in Barefoot Bay zu gründen, beendet hatte. Aber niemand kam ihm zu Hilfe. Seine Geschäftspartner waren bereits auf dem Weg zum Strand zu dem Baseballspiel, das sie zur Abrundung der Presseveranstaltung organisiert hatten.

»Tut mir leid, aber ich muss jetzt los. Ich verpasse sonst den Abschlag.«

»Allerdings. Gerade in diesem Moment. Und zwar bei mir.«

Ganz schön energisch, die Kleine. Abgeschirmt durch die verspiegelten Gläser seiner Sonnenbrille, ließ er den Blick über sie schweifen, verweilte auf feinen Wangenknochen und vollen Lippen, die ihm bisher noch kein echtes Lächeln geschenkt hatten. Weiter unten wurde die Sache sogar noch besser, mit einem vollen Busen hinter einem tiefen V-Ausschnitt, einer schmalen Taille und sanften Rundungen unter ihren Jeans. Sie konnte kaum größer als eins fünfundsechzig sein und wog im Evakostüm bestimmt keine fünfzig Kilo.

»Worum geht es?«, fragte er. Inzwischen hatte er so eine Vermutung, dass es auch nicht darum ging, sie im Evakostüm zu sehen.

»Ich brauche Ihre Unterschrift.«

»Oh!« Erleichterung überkam ihn, als er den Atem ausstieß, den er angehalten hatte, seit er die Anspannung in ihrer Stimme bemerkt hatte. »Sie wollen ein Autogramm?«

»Nein, ich will Ihre Unterschrift.«

Die Sache gefiel ihm nicht. »Hören Sie zu, Süße. Ich muss jetzt Baseball spielen. Später passt es mir besser.« Später wäre er von den Mitgliedern seines Amateur-Baseballteams und einigen Profispielern umgeben, er wäre geschützt vor allen Vorhaltungen, Vorwürfen und traurigen Geschichten, mit denen sie ihm kommen mochte.

»Da hinten.« Sie deutete auf einen Tisch, den die Kellner des Casa Blanca Resort & Spa bereits abgeräumt hatten. Alle waren hinunter zum Strand gegangen, um das Spiel zu sehen.

Wo er mit einem Mal auch nur zu gerne gewesen wäre.

»Worum auch immer es geht – machen Sie schnell.« Bewusst tilgte er jeglichen Humor aus seiner Stimme. Sie war scharf, daran bestand kein Zweifel, doch aus irgendeinem Grund witterte er großen Ärger hinter diesem hübschen kleinen Paket.

Als Reaktion darauf zog sie einen Stuhl kreischend über den Holzboden und stellte ihm ihn hin. Er blieb, wo er war, während sie sich auf den anderen Stuhl setzte und eine große Handtasche öffnete.

»Okay … Liza.« Er ließ sich ihren Namen auf der Zunge zergehen, genoss seinen frechen und sexy Klang und wünschte, sie wäre ein bisschen mehr von beidem.

»Ich glaube wirklich, dass Sie sich hierfür besser hinsetzen sollten«, sagte sie.

»Was haben Sie da?« Verärgerung stieg in ihm auf beim eisigen Ton ihrer Stimme. Verärgerung und Sorge. Er hatte bei seinem Leben geschworen, dass es keine Skandale mehr geben würde, keine Schlagzeilen, keine anzüglichen Bemerkungen in Perez Hiltons Blog. Oh, das war eine schlimme Woche gewesen. Der Colonel war nicht erfreut gewesen.

Sie knallte einen großen braunen Briefumschlag auf den Tisch.

»Fotos?«, riet er und schnaubte freudlos. »Wie originell.« Jede miese Erpresserin in einem Nachtclub hatte ihre heimlichen Handyfotos. Weshalb er den Clubs und dem ganzen ausschweifenden Gesellschaftsleben abgeschworen hatte.

Als sie nicht antwortete, wagte er sich näher heran. »Oh, bitte sagen Sie mir nicht, TMZ habe Ihnen eine fünfstellige Summe angeboten.« Er konnte sich vorstellen, was sie da hatte. »Lassen Sie mich raten. Sie haben ein Foto von ›Naughty Nate‹ mit nacktem Arsch in Vegas oder Cabo, in der einen Hand einen Joint und in der anderen einen Wodka. Die Frau irgendeines Dot-Com-Milliardärs packt ihn an den Eiern, während sie mit vier weiteren Blondinen in einen Jacuzzi fallen.«

Ekelhaft, dass er diese Situation derart detailliert beschreiben konnte. Voller Abscheu vor sich selbst sah er ihr dabei zu, wie sie einen Stapel Papier und ein Ringbuch auf den Tisch legte.

Was zum Teufel …

»Nate! Du bist dran!«

Er ignorierte die vom Strand herübergebrüllte Aufforderung und ließ sich stattdessen in den Stuhl neben ihr fallen.

»Also, wie viel?«, wollte er wissen. Sein sechster Sinn verriet ihm bereits, was hier vor sich ging. Die Frage widersprach allem, was er als Mitglied einer Familie gelernt hatte, die ironischerweise das ikonenhafte »Ivory – Elfenbein« zum Nachnamen hatte. Eine Familie, die alles andere als rein war und ihren sämtlichen Mitgliedern beigebracht hatte, dass der erste Scheck nichts anderes als genau das war … der erste. Ein Erpresser hörte niemals von allein auf.

Aber er wollte unter keinen Umständen noch einmal in irgendeinen öffentlichen Skandal verwickelt werden, und wenn er sie bezahlen musste, um sie loszuwerden, dann würde er das tun. Oder was auch immer nötig war, um zu beweisen, dass er den Familiennamen zu Recht trug, und … um diese tiefe Missbilligung aus dem Blick seines Großvaters zu tilgen.

»Ich will kein Geld«, sagte sie schließlich.

Was dann? Zugang zu den Hollywood-Studios, die sein Bruder betrieb? Ein Treffen mit seinem anderen Bruder, dem Senator? Vielleicht Insiderwissen von seinem Cousin an der Wall Street?

»Jeder will irgendwas, Liza«, sagte er seufzend. Vor allem von einem Ivory.

Zum ersten Mal erschien so etwas wie ein freundlicher Ausdruck auf ihrem hübschen Gesicht. Ihre Lippen verzogen sich zu dem Anflug eines Lächelns. Dunkle Augenbrauen entspannten sich, und ein Hauch von Pink legte sich auf ihren cremeweißen Teint.

»Ja, jeder will irgendwas«, sagte sie leise. »Und ich möchte, dass Sie dieses Dokument unterzeichnen.« Sie schob ihm das Blatt hin. »Und dann werde ich gehen und Sie können Baseball spielen und mit den Frauen anderer Typen in Cabo saufen und meinetwegen Cocktails unter Wasser trinken.« Ihr todernster Blick war geradezu niederschmetternd. »Unterschreiben Sie, und ich verspreche, Sie werden mich nie wieder zu Gesicht bekommen oder von mir hören.«

Er musste die Sonnenbrille abnehmen, um das Dokument zu lesen. Blinzelnd warf er einen Blick auf den im Juristenjargon abgefassten Text, seinen sauber in die Lücke eingefügten Namen. Und … Dylan Cassidy, vier Jahre alt.

»Wer ist Dylan?«

»Ihr Sohn.«

Die Worte trafen ihn wie ein Boxhieb an der Schläfe, und einen Augenblick lang sah er tatsächlich Sterne. Ein Kind? Er war immer so vorsichtig gewesen. Sein ganzes Leben war er so verdammt vorsichtig gewesen. Nur sehr langsam hob er den Blick von dem Blatt Papier zu ihrem Gesicht, grub wie ein Hund im Dreck nach irgendeiner Erinnerung an diese Frau, an ein Date, eine Nacht, eine Begegnung, einen verdammten Quicky im Hinterzimmer auf irgendeiner Party.

Nichts.

»Ich erinnere mich nicht einmal an Sie«, sagte er. Die Worte klangen so erschüttert, wie er sich fühlte. Wie kaputt musste er gewesen sein, um eine Frau wie sie zu vergessen?

»Natürlich erinnern Sie sich nicht an mich«, sagte sie. »Ich bin Ihnen nie begegnet.«

»Aber … das hier …« Er versuchte sich wieder auf das Dokument zu konzentrieren, aber Entsetzen breitete sich allmählich wie ein Feuer in seiner Magengrube aus und erfasste seinen Brustkorb, während die Wörter aufhörten, vor seinen Augen zu verschwimmen. Freiwillige Abtretung elterlicher Rechte. »Das ist keine Vaterschaftsklage?«

»Nein. Das ist die Garantie für mich, dass ich in absolutem Frieden und ohne ein Damoklesschwert über meinem Kopf leben kann.«

Was zum Teufel sollte das? »Ich verstehe nicht ganz. Würde es Ihnen etwas ausmachen, mir zu erklären, wovon Sie da sprechen?«

»Ich möchte, dass Sie das hier unterschreiben, damit ich nicht eines Morgens aufwache und feststellen muss, dass die Familie Ivory mir Dylan wegnehmen will.«

»Sie sagten doch, er … wir …« Er stieß frustriert die Luft aus. »Ich kapiere das alles nicht. Wenn ich die Rechte an Ihrem Kind abtreten soll, wie können wir uns dann nie begegnet sein?«

»Ich bin nicht seine leibliche Mutter.« Sie schob das Dokument ein wenig näher zu ihm hin. »Nicht, dass sie Ihnen etwas bedeutete oder Sie sich die Mühe gemacht hätten, sich nach ihr zu erkundigen, aber seine Mutter ist tot, und ich bin sein Vormund. Und alles, was Sie tun müssen, ist genau hier zu unterschreiben, und ich kümmere mich um den restlichen Papierkram. Wie Sie gehört haben, kann ich das gut.«

Tot? Wollte sie damit sagen, dieser Junge wäre eine Waise? Eine weitere Kaskade ungewohnter Gefühle presste ihm die Luft aus der Lunge, doch er zwang sich zu atmen und sich auf die Fakten zu konzentrieren, wobei er mit dem Naheliegenden begann. »Wer ist seine Mutter?«

Aus ihrem Gesicht sprach pure Überraschung, gefolgt von einem resignierten Schulterzucken. »Vermutlich haben Sie in Ihrem Leben von mehr als einer Frau zu hören bekommen, sie wäre von Ihnen schwanger. Ihr Name war Carrie Cassidy.«

Nachdenklich schüttelte er den Kopf. Diesen Namen hatte er noch nie im Leben gehört. »Was ist mit ihr passiert?« Vielleicht würde das seinem Erinnerungsvermögen auf die Sprünge helfen.

»Sie ist vor einem Jahr bei einem Autounfall ums Leben gekommen.« Sie hielt ihm den Stift hin. »Bitte. Machen Sie es uns allen leicht.«

Leicht? Nichts an diesem Gespräch war leicht.

Sie beugte sich vor und spießte ihn mit ihrem juwelenfarbenen Blick geradezu auf. »Ihre detaillierten Schilderungen darüber, wie Sie sie schwanger und ohne einen Penny abserviert haben, genügen, um eine ganze Ausgabe des National Enquirer damit zu füllen. Stellen Sie sich nur die Schlagzeile vor: Nathaniel Ivory – Kein Unterhalt für unehelichen Sohn.«

Man brauchte nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, wie gut sich diese Ausgabe verkaufen würde.

Mit einem hatte sie recht – zu unterschreiben wäre leicht. Zwei Kritzel mit diesem Stift, und er könnte gehen und Baseball spielen und Scotch trinken und sein Leben leben. Kein Skandal, keine Probleme, kein …

Auf gar keinen Fall.

»Ich unterschreibe gar nichts.«

So nah. Sie war so nah dran, dass jede Zelle in Lizas Körper zitterte, doch irgendwie gelang es ihr, weiterhin cool zu wirken. Nachdem sie elf Monate darauf hingearbeitet hatte stand sie endlich Nathaniel Ivory gegenüber, und sie würde ihn niemals wissen lassen, dass sie innerlich ein Wrack war und ihr Herz gegen ihre Rippen hämmerte und zu explodieren drohte und sie sich vor Nervosität fast übergab. Sie durfte ihn nicht wissen lassen, wie viel ihr das alles bedeutete oder dass die Sache mit dem Enquirer nichts als ein Bluff war, denn … nicht im Traum würde sie daran denken, Dylan so durch den Dreck zu ziehen.

Sie machte das hier für Dylan, der ihr ein und alles war.

»Was steht in dem Notizbuch?«, fragte Nate und versuchte danach zu greifen, doch sie zog es ihm weg.

»Nein, das bekommen Sie nicht.«

»Ich wusste, dass Sie lügen.« Voller Abscheu spie er die Anschuldigung aus.

»Ich lüge nicht!« Sie drückte das Buch an ihre Brust. »Sie könnten es sich nehmen und damit abhauen. Ich lasse nicht zu, dass Sie es bekommen.«

»Abhauen? Wohin? An den Strand? Wer ist diese Tote und was für eine Märchengeschichte hat sie in dieses Buch geschrieben? Welche Beweise haben Sie? Haben Sie schon mal von DNA-Tests gehört? Glauben Sie wirklich, ich würde irgendetwas unterschreiben, ohne darauf eine Antwort zu bekommen? Glauben Sie, ich hätte nicht gemerkt, dass die Sache aus einer Meile Entfernung nach Betrug riecht?« Die Fragen trafen sie wie Kugeln aus einem Maschinengewehr und schlugen in ihre Kehle, ihre Brust und ihren Bauch ein. »Vergessen Sie die angebliche Mutter und das untergeschobene Kind. Was wollen Sie von mir, Liza Lemanski?«

Oh, sie war so nah dran gewesen. Sie hatte den Augenblick erkannt, da er geschwankt und das Dokument beinahe unterschrieben hätte. Sie hatte es fast geschafft … wie alles in ihrem Leben. Und jetzt hielt er sie für eine Betrügerin. Toll.

»Ich will, dass Sie dieses Formular unterschreiben.« Immer schön sachlich bleiben. Lass dich nicht von ihm irre machen.

»Warum jetzt?«, fragte er. »Sagten Sie nicht, sie wäre vor einem Jahr gestorben? Und dieser angebliche Sohn ist vier? Warum haben Sie sich so lange Zeit gelassen, um Ihr Geld einzutreiben?«

»Ich will kein …« Sie schüttelte den Kopf. »Sie haben ihr gesagt, Sie würden ihr nicht helfen, und ich erfuhr erst, dass Sie der Vater sind, als sie gestorben war und ich zum Vormund ihres Kindes ernannt wurde. Im Gegensatz zu ihr habe ich keine Angst vor Ihrer Familie.« Eine Lüge, aber sie musste stark erscheinen. »Ich will einen klaren Schnitt, wenn das offizielle Adoptionsverfahren eingeleitet wird, deshalb bitte ich Sie nochmals …« Sie deutete auf das Formular. »… hier zu unterschreiben, und damit wäre alles erledigt.«

»Und damit kommen Sie am Ende einer Pressekonferenz an und überfallen mich damit?«

»Ich habe der Lokalpresse entnommen, dass Sie heute Morgen hier sein würden, und habe …« Mich krank gemeldet, die Formulare geschnappt, die ich bereits vorbereitet hatte – in der Bezirksverwaltung zu arbeiten hatte seine Vorteile –, und meinen Plan in die Tat umgesetzt.

»Warum haben Sie mich nicht über einen Anwalt kontaktiert? So werden solche Dinge normalerweise geregelt.«

»Ich dachte, es wäre …«

»… leichter, an mein Geld zu kommen.«

»Ich will kein Geld!« Sie ballte die Faust und schlug auf den Tisch. »Und Sie wissen, dass Sie kein Kind wollen.«

»Wie kommen Sie auf die Idee, irgendetwas über mich zu wissen?«

Sie hielt das grelle Notizbuch in der Hand und zupfte an dem halb abgelösten Preisaufkleber auf der Rückseite herum. »Es steht alles hier drin. Wie Sie heißen, wie Sie sind, was Sie zu ihr gesagt haben. Aber wenn Sie das hier lesen wollen, muss ich die Gewissheit haben, dass das Buch geschützt ist. Es ist alles, was ich an Beweisen habe.«

»Dann haben Sie vielleicht gar keine Beweise.«

»Oh, doch, die habe ich. Und ich habe ein Kind, das …« Ihnen wie aus dem Gesicht geschnitten ist. »… das ich behalten möchte, ohne Angst haben zu müssen, dass irgendwer es mir irgendwann streitig macht.«

»Das haben Sie bereits gesagt.« Er beugte sich vor. Eine Locke kastanienbraunen Haars fiel ihm in die Stirn und lenkte den Blick auf die goldbraunen Augen, die so sehr aussahen wie … wie die von Dylan. »Was wollen Sie wirklich, Schätzchen, denn ich glaube Ihnen kein Wort von dem, was Sie sagen?«

Winzige Schweißperlen traten ihr auf die Stirn, und sie verlor mit jeder Minute, die sie ihm gegenübersaß, mehr die Beherrschung. »Ich will das Kind. Ich will ihn sicher bei mir wissen und ihn beschützen.«

Etwas flackerte in seinen Augen auf, das so schnell wieder vorüber war, dass sie sich nicht sicher war, ob sie es überhaupt gesehen hatte, doch sie wusste, dass sie irgendeinen wunden Punkt getroffen hatte.

»Und Sie wollen das nicht«, fügte sie hinzu. Doch was wäre, wenn das der Punkt war, den sie getroffen hatte? Was, wenn er ein Kind wollte? »Das steht alles hier drin.« Sie tippte auf Carries Tagebuch, vielleicht ein wenig heftiger als nötig. »Hier stehen eine Menge Dinge über Sie, die Sie sicherlich nicht veröffentlicht wissen wollen, nehme ich an.«

Natürlich war das eine lahme Drohung, doch nichtsdestotrotz spielte sie diese Trumpfkarte noch einmal aus, in der Hoffnung, dass es funktionierte. Bestimmt wollte ein Mann mit seinem Lebensstil, seinem Vermögen und seiner berühmt-berüchtigten Beziehungsunfähigkeit kein Kind, das er vor fast fünf Jahren gezeugt hatte.

Oder doch?

»Hey, Nate!«

Beim Klang der Männerstimme zuckte Liza zusammen und drehte sich um. Zeke Nicholas, einer der anderen Männer, die an der heutigen Pressekonferenz teilgenommen hatten, kam mit ungeduldiger Miene über die Terrasse auf sie zugelaufen. »Du hast deinen ersten Einsatz als Batter verpasst. Komm jetzt!«

Nate hob die Hand und schüttelte den Kopf.

»Entschuldigen Sie bitte«, sagte Zeke zu Liza, als er an den Tisch trat. »Aber ich muss Ihnen unseren Schwarm für einen Augenblick …«

»Halt die Klappe, Zeke!« Zorn brannte in Nates Augen, doch er wandte den Blick nicht von Liza ab, sodass sie keinen Zweifel daran hatte, dass seine Wut sich nicht gegen seinen Freund richtete.

Zeke blieb abrupt stehen. »Alles okay hier?«

»Ja, alles okay«, ergriff Liza die Gelegenheit. »Ich lasse mir ein Autogramm von Mr Ivory geben.« Nicht, dass sie noch irgendeine Hoffnung hatte, dass er unterschreiben würde, aber vielleicht würde er in Anwesenheit seines Freundes ja doch noch nachgeben. Einen Versuch war es wert. »Genau hier, Sir. Und dann schaffen Sie es zum zweiten Inning.«

Seine Nasenflügel bebten, als er langsam einatmete und den Kopf schüttelte. »Ihr müsst ohne mich spielen, Zeke.« Plötzlich stand er auf und raffte schwungvoll die Papiere und den Umschlag an sich. »Liza und ich suchen uns ein Plätzchen, wo wir ungestört sind.«

Sie bewegte sich nicht, sondern sah Zeke an, der genauso überrascht schien wie sie. »Dann treffen wir uns später zur Cocktailparty auf der Jacht?«

Nate schüttelte den Kopf. »Sorry, aber die Party findet nicht statt. Komm, Liza.« Er griff nach ihrer Hand, und als sie sie ihm verweigerte, schloss er die Finger um ihr Handgelenk und zog sie sanft hoch. »Ich kann keine Minute länger erwarten, endlich allein mit dir zu sein.«

Zeke blickte vielsagend gen Himmel. »So viel zum ›neuen Nate‹.«

»Geh und spiel Baseball«, sagte er mit zusammengepressten Zähnen. »Ich muss mich um Wichtigeres kümmern.«

Mit einem steifen Nicken verabschiedete sich Zeke, doch Liza rührte sich nicht vom Fleck. »Ich gehe nirgendwo mit Ihnen hin.«

»Wir werden nicht hier darüber sprechen, im Freien, wo das Personal ständig um uns herumläuft. Jeder von ihnen könnte unser Gespräch mit seinem Handy aufnehmen.«

Sie schaute den Hilfskellner an, der Nate unverwandt anstarrte, während er bewusst langsamer an ihrem Tisch vorbeiging. Natürlich hatte er recht. Jeder interessierte sich für seine Angelegenheiten.

»Jetzt passen Sie mal auf.« Er beugte sich zu ihr, und der leise Tenor seiner Stimme brachte die Luft zwischen ihnen zum Vibrieren. »Ich kenne weder Sie noch dieses Kind oder diese Carrie. Aber wenn Sie glauben, ich würde meinen Namen unter irgendetwas setzen, ohne dass Sie vorher Daten und Fakten und juristische, wissenschaftlich fundierte Beweise vorlegen, haben Sie nicht mehr alle Tassen im Schrank. Gehen wir.«

Sie drückte das Notizbuch an ihr Herz, ein schäbiger Vier-Dollar-Schild gegen den Angriff seiner Milliarden. »Das habe ich alles. Und an der Vaterschaft besteht kein Zweifel.«

Er versuchte sie von dem Tisch wegzuführen. »Oh, es gibt mehr als begründete Zweifel. Ich bin nicht dumm. Und ich mache keine Fehler, wenn ich es mit Fremden zu tun habe.«

»Sie nennen sie eine Fremde? Ihre Geliebte über fast zwei Monate, bis Sie herausgefunden haben, dass sie schwanger war, und Sie sie sitzengelassen haben?«

Er riss die Augen auf, dann schüttelte er mit einem sarkastischen Lachen den Kopf. »Ich habe in meinem Leben schon einige einfallsreiche Schwindeleien gehört, Schätzchen, wirklich. Aber eines muss ich Ihnen lassen. Das hier ist gut. Clever, ausgefeilt und ganz schön unverfroren.« Er besaß die Nerven, sie anzüglich anzugrinsen und sie unverfroren von Kopf bis Fuß zu mustern, was einen völlig unerwünschten Schauer durch ihren Körper jagte. »Und das alles in einer hübschen, heißen Verpackung mit den Augen eines Betthäschens und genau mein Typ. Das ist gut, Schätzchen. Wirklich gut.«

Betthäschen? Schätzchen? Genau sein Typ?

Was hatte Carrie sich dabei gedacht, als sie auf diesen Idioten hereingefallen war? »Nichts von all dem ist clever oder unverfroren, und ehrlich gesagt ist die Geschichte auch nicht allzu ausgefeilt. Ich kann es Ihnen gern auseinanderlegen.«

»Nicht hier.«

»Genau hier und jetzt.«

Ein weiterer Kellner ging an ihnen vorbei, verlangsamte seinen Schritt und blickte in ihre Richtung.

»Okay, okay«, gab sie schließlich nach und ging mit ihm von der Terrasse zum Strand hinunter in die entgegengesetzte Richtung von dort, wo gerade das Baseballspiel in vollem Gang war. Als sie außerhalb jeglicher Hörweite waren, atmete sie tief die salzhaltige Luft ein und sammelte Kraft für ihr Plädoyer. Doch ihre Sandalen versanken im weichen Sand und verschafften ihm noch mehr Größenvorteil.

Sie weigerte sich, vor ihm den Kopf einzuziehen.

»Hören Sie mir zu«, sagte sie. »Sie können das hier abstreiten, so viel Sie wollen, oder so tun, als hätten Sie nie von ihr gehört, oder behaupten, Sie wären zu schlau, einen Fehler zu machen. Aber Fakt ist nun mal: Carrie hat Ihr Kind bekommen, nachdem Sie ihr mehr als deutlich zu verstehen gegeben haben, dass sie kein Interesse an dem Kind haben, und sie hat drei Jahre lang Angst davor gehabt, dass Sie sie finden und Anspruch auf das Kind erheben könnten. Sie hat mit mir zusammengewohnt, seit sie schwanger und ohne Job in Florida ankam, und wurde meine beste Freundin. Vor einem Jahr wurde sie bei einem Unfall von einem betrunkenen Autofahrer auf der I-75 getötet und mir wurde die Vormundschaft für ihren Sohn übertragen, den ich adoptieren und großziehen will. Das geht jedoch nur dann, wenn ich absolut sicher sein kann, dass Sie niemals versuchen werden, ihn mir wegzunehmen. Was ist daran bitteschön unverfroren?«

»An welcher Stelle kommt das Geld ins Spiel?«, fragte er, ohne zu zögern.

»Ich will kein Geld«, wiederholte sie und seufzte genervt. War das so schwer zu begreifen? »Ich will Freiheit und meinen Seelenfrieden und meinen … das heißt … Dylan.« Sie schluckte, als sie seinen Namen nannte. »Ich will Dylan.« Sicher, in meiner Nähe, glücklich. Das war es, was sie wollte. »Ehrlich, er ist alles, was ich will, seit jenem Tag, als ein Polizist vor meiner Tür auftauchte und mir mitteilte, dass Carrie tot sei.«

Er besaß den Anstand wenigstens so zu tun, als empfinde er Mitgefühl. »Das tut mir leid, aber …« Er griff nach dem Notizbuch und nahm es ihr aus den Händen. »Lassen Sie mich einen Blick hineinwerfen. Lassen Sie …«

Etwas rutschte zwischen den Seiten heraus und flatterte in den Sand. Er bückte sich und wollte es aufheben, während sie das Gleiche tat und ihre Köpfe sich leicht berührten. Er bekam das Foto vor ihr zu fassen, aber Liza hatte noch Gelegenheit zu erkennen, dass es Dylans Foto war, das sie hinten in das Tagebuch gesteckt hatte.

Sie streckte die Hand danach aus, wollte ihn beschützen, sogar sein Foto. »Das …«

»… bin ich«, beendete er ihren Satz, während er, noch immer im Sand hockend, auf das Foto starrte.

»Nein, ich habe es gemacht …« Ihre Stimme versagte, als ihr aufging, was er da gerade gesagt hatte. »Ja, er sieht Ihnen ähnlich. So viel zu dem cleveren, ausgefeilten Schwindel, um an Ihr Geld zu kommen, hm?«

Mit dem Foto in den Händen ließ er sich in den Sand plumpsen. »Er ist ein Ivory«, flüsterte er. Ehrfurcht, Fassungslosigkeit und Erkenntnis raubten ihm die Stimme.

Sie ließ sich neben ihn in den Sand sinken. »Was habe ich Ihnen denn die ganze Zeit gesagt?«

»Das ändert alles.«

Das Herz rutschte ihr in die Hose. »Inwiefern?«

»Ich muss ihn …« Er rang mit seinen Worten, und ihr Gehirn überschlug sich mit möglichen Fortsetzungen dieses Satzes. Treffen? Nehmen? Für mich beanspruchen? Was musste er tun, was er vor Jahren, als Carrie ihm gesagt hatte, sie sei schwanger, nicht tun wollte?

Er atmete aus. »Ich muss das Tagebuch lesen. An einem absolut ungestörten Ort.«

»Wir können am Strand entlang gehen.«

Er schüttelte den Kopf und deutete mit dem Daumen auf das Baseballspiel hinter ihnen. »Sie würden hinter mir herlaufen. Wo wohnen Sie?«

»Das ist zu weit weg und …« Sie wollte ihn dort nicht haben. »Nein, lassen Sie uns reingehen und uns an einen Tisch setzen oder uns einen Platz in der Lobby suchen.«

Er sah sie seltsam an, schüttelte langsam den Kopf, während er aufstand und immer noch das Foto betrachtete. »Sie verstehen nicht. Das geht nicht. Die Leute kennen mich. Sie machen Fotos. Sprechen mich an. Lassen Sie uns einfach …« Er gab ihr mit einer Geste zu verstehen, dass sie ihm folgen solle. »Ich habe eine Idee.«