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Die scheinbaren Grenzen der Realität überwinden und eine ganz neue Ebene des Manifestierens entdecken ...
Erschaffe deine Realität – bewusst, kreativ und selbstbestimmt: Stell dir einen Raum vor, in dem Zeit keine Rolle spielt. Einen Ort, an dem alte Wunden heilen, Wünsche Form annehmen und die Zukunft in Harmonie mit deinem wahren Selbst entsteht. Genau dorthin führt dich Oliver Tappe – Forscher und Experte für Astralreisen und Bewusstseinsebenen, die den meisten Menschen verborgen bleiben. Basierend auf eigenen Erfahrungen zeigt er, wie du mit seiner Manifestations-Methode gezielt erschaffst, was du dir wirklich wünschst – jenseits von oberflächlichen Techniken und mit tiefem Verständnis für die universellen Prinzipien des Lebens.
Ein faszinierender Weg der Selbsterkenntnis, der dein Realitätsverständnis weitet und dich inspiriert, das Leben deiner Träume zu gestalten – intuitiv und im Einklang mit den Schöpfungsgesetzen.
Mit zahlreichen praktischen Übungen und binauralen Frequenzen – kostenlos abrufbar per QR-Code.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 343
Veröffentlichungsjahr: 2025
Oliver Tappe
Manifestation und Heilung jenseits
von Zeit und Raum
Mit Binaural-Beats-Meditationen zum Download
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Copyright © 2025 by Ansata Verlag, München,
in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München
Alle Rechte sind vorbehalten. Printed in Germany.
Redaktion: Ralf Lay, Mönchengladbach
Covergestaltung: Guter Punkt, München
Covermotiv: © Jitendra Jadhav / iStock / Getty Images Plus (Kreis), © Shaiith / iStock / Getty Images Plus (Landschaft), © vvvita / iStock / Getty Images Plus (Wasser Vordergrund)
Abbildungen Seelenbaum: © Oliver Tappe
Schmuckelement Kapitelaufmacher: © Adobe Stock/GraphicZone
Satz und E-Book-Konvertierung: GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN 978-3-641-33335-5V002
www.Integral-Lotos-Ansata.de
Vorwort: Die Geschichte, die du dir selbst erzählst
Kapitel 1Zwischen Sturm und Stille: Der Tag, an dem mein Vater ging
Kapitel 2Außerkörperliche Erfahrungen: Das Tor in die Unendlichkeit
Kapitel 3Der Mensch, das multidimensionale Wesen
Kapitel 4Die Kraft der Akzeptanz, des Selbstwertes und der Selbstliebe
Kapitel 5Die vier Fesseln der Schöpferkraft: Eine tief verwobene Matrix
Kapitel 6Die Illusion des Mangels: Wie unser Denken die Fülle blockiert
Kapitel 7Schuldbewusstsein: Der Schatten auf dem Weg zur Selbstliebe
Kapitel 8Die Brücke ins Unbekannte: Mut zur Veränderung
Kapitel 9Manifestation im Raum ohne Zeit
Kapitel 10Vorbestimmte Pfade: Inkarnationsverträge und ihre Konsequenzen
Kapitel 11Die verborgenen Narben der Kindheit: Heilung im Raum ohne Zeit
Kapitel 12Zurück aus der Tiefe: Wenn Seelenfragmente heimkehren
Kapitel 13Die innere Stimme verstehen: Authentische Sehnsüchte versus egoistische Begierden
Kapitel 14Reisen auf höchstem Niveau: Wie ich einen Traumjob manifestierte
Kapitel 15Der Neurobaum: Mein Zugang zu kreativer Energie und Schöpfungskraft
Kapitel 16Die Manifestation: Vom inneren Impuls zur gelebten Realität
Kapitel 17Wenn das große Bewusstsein andere Pläne hat
Kapitel 18Abschied ist Ankunft: Manifestation für das Leben nach dem Leben
EpilogScanne, klicke, erlebe
Die Geschichte, die du dir selbst erzählst
Warum gibt es Menschen, denen scheinbar alles gelingt – und andere, die immer wieder scheitern, obwohl sie sich ebenso anstrengen? Ist es Talent? Disziplin? Glück? Oder steckt etwas Tieferes dahinter?
Ich glaube, der Unterschied liegt in der inneren Erlaubnis: In dem Maß, in dem wir uns erlauben, erfolgreich zu sein – ganz gleich, wie wir Erfolg für uns definieren –, in genau diesem Maß entfaltet sich unser Leben. Denn Erfolg ist nichts, was von außen kommt. Erfolg ist der Ausdruck deiner inneren Ausrichtung. Es ist der Moment, in dem du in Resonanz mit deiner tiefsten Wahrheit trittst. Wenn du beginnst, dich selbst nicht mehr zu sabotieren. Wenn du erkennst, dass deine Geschichte nicht festgeschrieben ist, sondern dass du der Autor bist.
Denn eines ist klar: Wenn du nicht selbst die Zügel deines Lebens in die Hand nimmst, werden andere sie übernehmen. Dann ist unser Alltag ein Produkt fremder Manifestationen – von Meinungen, Medien, gesellschaftlichen Erwartungen. Wahre Schöpferkraft beginnt dort, wo du in dir selbst Verantwortung übernimmst.
Dafür braucht es innere Klarheit, Mut und das Wissen, wie Energie geformt wird. Manifestation ist keine Magie, sondern ein schöpferischer Prozess: Du gibst der Energie durch deine Vision eine Richtung – und durch dein Gefühl eine Kraft. Nur wenn beides zusammenkommt, kann sich dein Wunschfeld entfalten.
Und hier beginnt die eigentliche Reise. Denn das, was wir über uns selbst glauben, was wir uns über unser Leben erzählen, ist das Fundament unserer Realität. Wir erschaffen die Welt – nicht durch äußere Umstände, sondern durch unsere innere Erzählung. Sie ist wie ein Drehbuch, das sich unbewusst stets wiederholt. Manchmal schreiben wir darin die Rolle des ewigen Kämpfers, der nie ganz ankommt. Manchmal die Rolle des Vergessenen, des Underdogs. Und manchmal, wenn wir mutig sind, die Rolle des Erwachenden.
Stell dir vor, wir treffen uns in einem Jahr wieder. Und du erzählst mir deine Geschichte. Was würdest du gern berichten über dein Leben? Über deine Beziehung zu dir selbst und zu anderen? Über deinen Körper, deine Gesundheit, deine Lebenskraft? Über deine Berufung, deine Arbeit, deinen Platz im großen Ganzen?
Dieses Buch lädt dich ein, genau diese Geschichte zu gestalten – bewusst, liebevoll, kraftvoll. Es zeigt dir, wie du Schritt für Schritt zurück zu deiner inneren Klarheit findest. Wie du multidimensionale Blockaden löst, alte Muster hinter dir lässt, dich wieder mit deinem Schöpfungspotenzial verbindest. Und wie du beginnst, dich als das zu erleben, was du in Wahrheit bist: ein multidimensionales und schöpferisches Wesen mit Zugang zu unendlicher Intelligenz.
Wenn du bereit bist, dir selbst eine neue Geschichte zu erzählen – eine, die dich aufrichtet, heilt und inspiriert –, dann halte inne. Atme. Und begib dich gemeinsam mit mir auf den Weg. Denn nichts ist machtvoller als ein Mensch, der seine Wahrheit lebt.
Zwischen Sturm und Stille: Der Tag, an dem mein Vater ging
Am Vormittag des 9. Februar 2024 fahre ich auf der A7, aus dem Norden kommend, in Richtung Kassel. Ungefähr 130 Kilometer entfernt, in einer Kleinstadt in Ostwestfalen-Lippe, fällt ein Schuss – ein Moment, der mein Leben für immer verändern wird.
Nur wenige Minuten später ertönt die Türglocke eines alten Fachwerkhauses am Ortsrand. Im Badezimmer steht eine 85-jährige demenzkranke Frau im Nachthemd vor dem Spiegel.
Mit der linken Hand stützt sie sich am Waschbecken ab, während sie sich mit den Fingern der rechten Hand ihre Lieblingscreme auf das faltige Gesicht aufträgt. Erst einen Tag zuvor hat sie ihren Geburtstag gefeiert – nur eine Woche nach ihrem sechzigsten Hochzeitstag.
Das Läuten der Türglocke lässt die Dame erschrecken. Misstrauisch öffnet sie die Badezimmertür und späht den Flur entlang. Hat ihr Mann vielleicht seinen Haustürschlüssel vergessen? Noch vor wenigen Minuten hatten sie miteinander gesprochen. Er hatte nicht erwähnt, dass er das Haus verlassen wollte. Oder hat sie es schon wieder vergessen?
Ihr Gedächtnis spielt ihr oft einen Streich. Die Ereignisse aus ferner Vergangenheit sind klar, doch das Heute verschwindet im Nebel. Welches Jahr schreiben wir? Oder wo haben wir gestern zu Mittag gegessen? Auf diese Fragen würde sie mit einem Schulterzucken reagieren.
Vor der Haustür steht eine Kirchenvertreterin. Sie ist gekommen, um einen verspäteten Geburtstagsgruß zu überbringen. Doch was sie an diesem Vormittag auf dem Parkplatz vor dem Fachwerkhaus erwartet, lässt sie erschauern: Vor ihr liegt ein bewusstloser, blutender Mann.
Dann überschlagen sich die Ereignisse: Sirenen heulen, der Notarzt trifft ein, die Polizei folgt. Bei nur acht Grad über null steht die demenzkranke Dame fassungslos im Nachthemd neben der Garage. Vor ihren Augen kämpft der Notarzt um das Leben ihres Mannes.
Diese Frau ist meine Mutter. Der Mann – mein Vater.
Von alldem bekomme ich nichts mit. Ich sitze am Steuer meines Mietwagens auf der A7, den Fuß fest auf dem Gaspedal, nicht ahnend, dass heute der Tag ist, den ich schon vor acht Jahren habe kommen sehen.
»Sag so etwas nicht«, hatte meine Frau damals gesagt, als ich diese dunkle Vorahnung äußerte. »Das würde er niemals tun. Dein Vater ist so ein lebensfroher Mensch.«
Aber ich kenne meinen Vater. Ich weiß, wie er tickt. Und der Gedanke, er könnte es tatsächlich tun, begleitete mich über die Jahre – wie eine Mücke im Schlafzimmer, die man einfach nicht loswird.
Dann dringt der Anruf meines Bruders zu mir durch, seine Worte scharf wie Pfeile.
»Papa wird reanimiert! Mehr weiß ich nicht. Ich fahre jetzt zum Elternhaus.«
Kaum ist unser Gespräch beendet, erscheint ein Bild vor meinem geistigen Auge: mein vor mehr als 40 Jahren verstorbener Opa, der meinem Vater die Hand reicht – so, wie es Staatsmänner tun, um für die Presse zu posieren. In diesem Augenblick wird mir klar: Papa ist tot. Er hat bereits die Seiten gewechselt.
Am Morgen, kurz bevor ich aufbrach, hatte ich noch mit ihm telefoniert. Er klang aufgeregt und wollte unbedingt meine Telefonnummer aufschreiben. Ich verstand nicht, warum; sie war ja in seinem Handy gespeichert.
»Du musst nur auf meinen Namen drücken«, erklärte ich ihm. »So, wie du es jetzt gerade getan hast, um mich anzurufen.«
Seine Verwirrtheit machte mir Sorgen. In den vergangenen Tagen hatte mein Vater über Schlaflosigkeit und innere Nervosität geklagt. Es war für mich offensichtlich, dass er mit der Pflege meiner kranken Mutter überfordert war. Immer wieder hatte ich ihm angeboten, einen Pflegedienst einzuschalten. Bereits vor drei Jahren war meiner Mutter Pflegestufe 4 zugesprochen worden. Doch trotz ihrer zunehmenden gesundheitlichen Probleme weigerten sich die Eltern strikt, fremde Hilfe anzunehmen.
»Es kommt niemand ins Haus«, hieß es immer wieder. »Wir schaffen das allein.«
Ich war erst vier Tage zuvor aus meiner Wahlheimat Kalifornien angereist, um eine Serie von Workshops zu leiten. An diesem Tag sollte der erste Kurs im Taunus beginnen. Vier- oder fünfmal pro Jahr fliege ich um die halbe Erde und kann so meine Arbeit mit Besuchen bei Familie und Freunden verbinden.
Inzwischen komme ich gern in die alte Heimat. Je älter ich werde, desto wohler fühle ich mich in Deutschland. Als junger Mann zog es mich mit großer Dringlichkeit in die Welt hinaus. Heute weiß ich, es war eine Flucht aus den Fängen meiner Kindheit und Jugend. Jahre, in denen ich sehr gelitten und mich als Opfer einer dysfunktionalen Familie wahrgenommen hatte.
Reisen bedeutete für mich Freiheit. Schon als Jugendlicher ergriff ich jede Gelegenheit, meiner Heimatstadt den Rücken zuzukehren, wenn auch nur für wenige Tage oder Wochen. So war es nicht verwunderlich, dass ich nach meiner Ausbildung im Hotelfach ins Ausland zog. Zunächst jobbte ich für einige Jahre in verschiedenen europäischen Ländern, bis es mich im Alter von 25 Jahren an die amerikanische Westküste verschlug.
Ein riesiger Ozean und ein ganzer Kontinent lagen zwischen mir und meiner Familie, in der ich mich stets als Fremdkörper gefühlt hatte. Schon mit acht oder neun Jahren wünschte ich mir nichts sehnlicher, als herauszufinden, dass ich adoptiert sei. In meiner Fantasie hatten meine wahren Eltern ihre Suche nach mir längst aufgenommen.
Doch ein Blick in den Spiegel genügte, um meine Illusion zu zerstören. Ich war und bin auch heute noch das physische Ebenbild meines Vaters. Diese Tatsache machte es mir besonders schwer, mich selbst zu mögen – geschweige denn zu lieben.
Als Teenager empfand ich eine tiefe Abscheu diesem Mann gegenüber. Er war ein Trinker, der kaum eine Gelegenheit ausließ, sein Glas zu füllen, um es umgehend wieder zu leeren. Da es ihm als selbstständigem Gastronomen an Gelegenheiten dazu nicht mangelte, blieb der Bierhahn nie lange zu. Solange mein Vater nur Bier trank, war er ein geselliger Typ, stets zu Späßen aufgelegt. Doch schon ein einziger Schnaps reichte aus, um seine Stimmung ins Gegenteil kippen zu lassen. Dann suchte er Streit – meistens mit meiner Mutter, die ihn allein durch ihre Anwesenheit zu triggern schien.
Nacht für Nacht mussten wir Kinder mit anhören, wie sich unsere Eltern lautstark stritten. Nicht selten kam es dabei auch zu Handgreiflichkeiten. Da es in dem Kleinstadthotel, das unsere Eltern gemeinsam führten, keine abgeschlossene Wohnung gab, lebten wir mitten unter den Gästen in verschiedenen Hotelzimmern. So wurden die nächtlichen Auseinandersetzungen der Eltern zu einem öffentlichen Spektakel.
Im Gegensatz zu meinem Vater trank meine Mutter niemals Alkohol, keinen einzigen Tropfen. Dennoch war sie für ihre unkontrollierten Wutausbrüche bekannt, vor denen auch wir Kinder nicht sicher waren. Oft brauchte es nur ein unaufgeräumtes Zimmer oder eine vergeigte Klassenarbeit, um ihr Fass zum Überlaufen zu bringen.
Was heute für die meisten Menschen undenkbar ist, galt in den 1970er-Jahren als akzeptable Erziehungsmethode. »Eine Tracht Prügel hat noch keinem Kind geschadet«, lautete die damals verbreitete Devise. Und an diese hielt sich meine Mutter.
Das Opferbewusstsein in mir war bereits in jungen Jahren sehr ausgeprägt. Gut genährt durch die äußeren Umstände, die ein normales Familienleben unmöglich machten, hatte es sich im Laufe der Jahre gefestigt und mein Leben fortan gesteuert. Erst durch eine besondere Art der Schattenarbeit, auf die ich in Kapitel 5 näher eingehen werde, konnte ich eine neue Perspektive auf meine Rolle in diesem Leben gewinnen und das Ruder selbst in die Hand nehmen.
Es hat viele Jahre gedauert, bis ich inneren Frieden mit meiner Familie schließen konnte. Dank außerkörperlicher Erfahrungen wurden mir die tieferen Zusammenhänge meiner Inkarnation klar. Auf diesem Weg war es mir schließlich möglich, Heilung zu erfahren und meine Eltern als das zu sehen und zu lieben, was sie in ihrer Essenz waren: multidimensionale Wesen, verkörpert aus einer Seele, von der auch ich ein Teil bin.
Wie könnte ich sie nicht lieben, wenn ich mich selbst lieben will?
Das morgendliche Telefonat mit meinem Vater hatte mich derart beunruhigt, dass ich meinen Bruder umgehend über das merkwürdige Gespräch informierte.
»Ich werde gleich mal bei den Eltern anrufen«, versicherte er mir. »Da stimmt etwas nicht.«
Zu diesem Zeitpunkt hatte mein Vater bereits seine Abschiedszeilen geschrieben und seine Waffe geladen. Den Schuss hörte niemand – weder meine Mutter noch die Mieter im Haus, auch die Nachbarn nicht.
Ich setzte meine Fahrt auf der A7 fort. Eigentlich hätte ich sofort umkehren sollen, doch ich hatte bereits mehr als die Hälfte der Strecke zum Seminarhaus zurückgelegt. Das Fahren versetzte mich in einen Zustand tiefer Ruhe, und mit dieser Ruhe kam Klarheit.
Ich mäßigte mein Tempo und ordnete mich auf der rechten Fahrspur ein. Die physischen Augen auf den Verkehr gerichtet, sah ich vor meinem inneren Auge wiederholt meinen Großvater, der mir freundlich zunickte. Er hatte sich in einer abwartenden Haltung schräg hinter meinem Vater positioniert. Seine Stimme drang deutlich in meine Gedanken: »Sorge dich nicht. Ich bin hier für meinen Sohn.«
Ich wusste intuitiv, dass es tatsächlich seine Worte waren und nicht etwa eine Wunschvorstellung von mir. Das Erscheinen meines Großvaters geschah so unverhofft. Bereits einige Jahre vor seinem Ableben im Jahr 1979 hatte er den Kontakt zu meinem Vater nach einem Familienstreit abgebrochen.
Zwar durften mein Bruder und ich die Großeltern weiterhin besuchen, was aber nur zu besonderen Anlässen geschah. Mir schien, dass wir dem Opa eher eine Last als eine Freude waren. Viel Aufmerksamkeit schenkte er uns nicht, und von Herzlichkeit war keine Spur.
Umso überraschter war ich, dass ausgerechnet er sich in diesen schweren Momenten in meine Wahrnehmung schlich. Gleichzeitig beruhigte mich der Gedanke, dass mein Vater nach seinem Übergang nicht allein war und jemand ein Auge auf ihn hatte.
Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, woran mein Vater so plötzlich gestorben war. Ich war schlicht von akutem Herzversagen ausgegangen, ohne diesen Gedanken zu hinterfragen. In den Tagen vor seinem Tod hatte er mehrfach über Herzrasen und über allgemeine Schwäche geklagt.
Als ich am Seminarhaus vorfuhr, erreichte mich der Anruf meiner Frau. Der Klang ihrer Stimme ließ darauf deuten, dass sie mir etwas Schlimmes mitzuteilen hatte.
»Du weißt, wie dein Vater gestorben ist?«, fragte sie vorsichtig.
Erst in diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass ich mit meiner Annahme, er sei einem massiven Herzinfarkt erlegen, womöglich falschgelegen hatte.
»Nein«, erwiderte ich. »Was ist passiert?«
»Es tut mir leid. Es tut mir leid … Dein Vater hat sich erschossen.«
Ich war fassungslos. Alles in mir sträubte sich, diese Worte anzunehmen. Es konnte nicht wahr sein, ganz sicher nicht. Was, um alles in der Welt, war nur in ihn gefahren? Mich ergriff pures Entsetzen.
»Mein Vater hat sich erschossen«, hörte ich mich selbst wieder und wieder sagen, nachdem ich das Gespräch mit Anna beendet hatte.
Dann kam mir meine eigene Prophezeiung wieder in den Sinn. Hatte ich meine Befürchtung nicht schon Jahre zuvor meiner Frau gegenüber geäußert? Hätte ich diese Tat womöglich verhindern können?
Ich war zutiefst schockiert, aber nicht überrascht. Als begeisterter Jäger war mein Vater sehr geübt im Umgang mit Waffen. Er besaß mehrere Gewehre und, wie ich einige Stunden später erfuhr, auch einen Revolver.
Wie betäubt stand ich vor dem Seminarhaus – mit der Nachricht, dass mein Vater sich das Leben genommen hatte. Zugleich warteten 24 Menschen auf mich, die aus verschiedenen Ländern angereist waren, um an meinem viertägigen Workshop teilzunehmen.
Die Situation überforderte mich hoffnungslos.
Seit nunmehr 25 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Tod – durch meine eigenen außerkörperlichen Erfahrungen und die vielen Menschen, die in meinen Kursen Antworten auf ihre drängendsten Fragen suchen. Oft geht es darum, eine Verbindung zu geliebten Verstorbenen herzustellen oder die Angst vor der eigenen Sterblichkeit zu konfrontieren.
Die mediale Arbeit ist mein Alltag. Und ich war seit Jahren mental und spirituell darauf vorbereitet, meine Eltern zu verabschieden. Doch in diesem Moment drohte mir der Boden unter den Füßen zu weichen. Ich wusste nicht, wie ich die nächsten Stunden überstehen sollte.
Einerseits verspürte ich den dringenden Wunsch, zu meiner Familie zurückzukehren, andererseits hatten 24 Menschen diesem Workshop entgegengefiebert und nicht zuletzt auch dafür bezahlt. Ich konnte das Programm unmöglich absagen.
In meiner Not kontaktierte ich meine Co-Trainerin Sabine. Ohne zu zögern, bot sie an, ihre eigenen Termine zu stornieren, und stand innerhalb von zwei Stunden bereit, die Leitung des Workshops zu übernehmen.
Da ich mich psychisch nicht in der Lage fühlte, die vierstündige Fahrt im Dunkeln zurückzulegen, beschloss ich, die Nacht im Seminarhotel zu verbringen und erst am frühen Vormittag abzureisen.
Rückblickend weiß ich nicht, woher ich die Kraft nahm, vor die Gruppe zu treten und meine Situation zu erklären. Meine Erinnerung an diesen Moment liegt wie hinter einem feinen Schleier, greifbar und doch entrückt.
Trotz meiner deutlichen Erschöpfung fand ich in dieser Nacht kaum Schlaf. Ich stand unter Schock und konnte nicht aufhören, mir Sorgen um meine demenzkranke Mutter zu machen. Mit dem Tod meines Vaters hatte sie ihren Halt im Leben verloren. Jahrelang war er für sie da und hatte sich unermüdlich um sie gekümmert. Ohne fremde Hilfe würde meine Mutter allein nicht zurechtkommen.
Während ich mit offenen Augen im Dunkeln an die Zimmerdecke starrte, wurde das Gedankenkarussell in meinem Kopf immer schneller. Die Panik kroch in mir hoch wie eine Schlange, die sich um meinen Hals legte und mir die Luft zum Atmen nahm.
Es traf mich plötzlich mit voller Wucht, dass sich mein Leben radikal ändern würde. Ich konnte unmöglich wieder in die USA zurückkehren und meine Mutter ihrem Schicksal überlassen.
Wie verzweifelt musste mein Vater gewesen sein, um diesen Ausweg zu wählen? Wie lange, fragte ich mich, hatte er seinen Suizid schon geplant?
Ich fühlte mich von ihm und vom Leben betrogen. Ich fühlte mich betrogen, weil ich eine genaue Vorstellung davon hatte, wie ich ihn an seinem letzten Tag begleiten wollte. Wie ich an seinem Sterbebett gesessen und seine Hand gehalten hätte, um dann gemeinsam mit ihm bis weit hinaus in die astralen Welten zu fliegen.
Unzählige Male hatte ich diese Reise schon allein in meinen außerkörperlichen Erfahrungen unternommen, war ins Jenseits gereist und hatte die Pfade erkundet.
Es hätte alles so friedlich sein können.
Würde ich jemals die Chance bekommen, meinen Vater auf einer Astralreise wiederzusehen? Ihn zu umarmen und zu sagen, dass ich ihm nichts nachtrage und ihn liebe? Vielleicht kann er mir sagen, wie das Leben nun weitergehen soll.
In dieser Nacht ahnte ich noch nicht, dass meine Mutter ihm nur vier Monate später folgen würde.
Außerkörperliche Erfahrungen: Das Tor in die Unendlichkeit
Mein Interesse für außerkörperliche Erfahrungen wurde im Jahr 1991 geweckt. Auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen, beladen mit zwei großen Koffern und einer Reisetasche, verabschiedete ich mich von guten Freunden in Offenbach. Ich hatte mich dazu entschlossen, für 18 Monate in die USA zu gehen, um dort ein Traineeprogramm in einer Reiseagentur zu beginnen. Während ich durch die Fußgängerzone von Offenbach ging, fiel mir an einem Buchladen ein drehbarer Taschenbuchständer ins Auge. Da ich keine Reiseliteratur im Gepäck hatte, griff ich spontan nach einem Exemplar, dessen Titel mich ansprach und von dem ich annahm, dass es ein Roman sei: Der Mann mit den zwei Leben von Robert A. Monroe. Ein Name, der mich bis heute eng begleitet.
Erst im Flugzeug bemerkte ich, dass es sich bei diesem Buch nicht um einen Roman handelte, sondern um die Erfahrungsberichte eines Bewusstseinsforschers – eine Literaturgattung, die mich normalerweise nicht ansprach. Mangels Alternativen begann ich nach dem Start zu lesen. Zu meinem Erstaunen klang das, was Monroe in seinem Buch beschrieb, eher nach Science-Fiction als nach einer wissenschaftlichen Abhandlung.
Der Autor behauptete, seinen Körper verlassen und fremde Welten erkunden zu können. Seine Beschreibungen waren in der Tat sehr fesselnd und weckten mein Interesse. Gleichzeitig erschienen sie mir aber völlig absurd. Obwohl ich mich in meiner Jugend bereits mit okkulten Themen befasst hatte, waren außerkörperliche Erfahrungen, kurz AKE, ein bis dato unbekanntes Phänomen für mich.
Ich las während des Flugs etwa die Hälfte des Buches, bevor es wieder in meiner Tasche und damit auch für die kommenden neun Jahre aus meiner Erinnerung verschwand. Immerhin erwartete mich in Kalifornien ein neuer und sicherlich spannender Lebensabschnitt. Und als 25-jähriger junger Mann hatte ich andere Dinge im Kopf als die Berichte eines exzentrischen alten Mannes.
Im Jahr 1993, zeitgleich mit dem Ablauf meines Arbeitsvisums, gewann ich völlig unerwartet in der legendären Greencard-Lotterie. Mit diesem Gewinn erhielt ich eine permanente Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung für die USA – eine Möglichkeit, die mein Leben in eine völlig neue Richtung lenken sollte. Damals deutete ich diesen Erfolg als schicksalhaftes Zeichen. Fest entschlossen nahm ich das als Anlass, mir ein neues Leben in Kalifornien aufzubauen, erfüllt von der Hoffnung und dem Glauben, dass alles seinen tieferen Sinn hatte.
1997 wechselte ich durch eine Reihe von scheinbar zufälligen Ereignissen von der Touristikbranche in die Medienwelt. Ohne jegliche Qualifikation gründete ich gemeinsam mit einer ehemaligen Kollegin eine TV-Produktionsfirma. Was zu dieser Zeit in Deutschland nahezu undenkbar gewesen wäre, ließ sich in den USA überraschend unkompliziert umsetzen. Nicht ohne Grund gelten die Vereinigten Staaten als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten: ein Ort, an dem Mut und Entschlossenheit oft mehr zählen als ein perfekter Lebenslauf.
Der Hauptteil meiner neuen Tätigkeit bestand darin, Interviews mit Hollywoodstars wie Sandra Bullock, Mel Gibson und Pamela Anderson im Auftrag deutscher TV-Sender zu führen. Darüber hinaus produzierte ich kuriose Kurzbeiträge aus allen Teilen der USA für diverse Boulevardmagazine. Eigentlich ein Traumjob, um den mich viele Menschen beneideten. Ich genoss das Privileg, auf großartige Events und Partys in Los Angeles eingeladen zu werden und hinter die Kulissen der Filmmetropole blicken zu dürfen. Dennoch trug ich in diesen Jahren eine Leere in mir, die ich nicht auszufüllen wusste.
Im April 2000 erhielt ich eine E-Mail von der leitenden Redakteurin einer bekannten TV-Sendung, die ihr Interesse an einem Beitrag über das Monroe Institute in Virginia bekundete. Da mir der Name zunächst nicht geläufig war, setzte ich mich unverzüglich an die Recherche.
Ich darf an dieser Stelle betonen, dass es im Zeitalter des analogen Internets mehrere Minuten dauerte, bis sich eine Webseite geladen hatte. Anders als heute zeigten die wenigsten Unternehmen eine Präsenz im Internet, und soziale Medien waren noch leise Zukunftsmusik. Oft blieb uns nichts anderes übrig, als eine externe Agentur zu beauftragen, die sich auf die Informationsbeschaffung für Journalisten spezialisiert hatte.
Doch an jenem Tag hatte ich Glück. Das Monroe Institute verfügte tatsächlich über eine digitale Visitenkarte. Aber erst als sich die Webseite schleppend darzustellen begann, kam auch die Erinnerung an das von mir nur halb gelesene Buch von Robert Monroe wieder zurück.
In freudiger Aufregung zog ich noch am selben Abend meine verstaubte Bücherkiste unter dem Bett hervor. Der Mann mit den zwei Leben bekam eine zweite Chance. Diesmal legte ich das Buch nicht mehr aus der Hand. Vieles von dem, was ich Jahre zuvor nicht verstanden hatte, ergab plötzlich einen Sinn.
Wie sich in einem ersten Telefonat mit einer Mitarbeiterin des Instituts herausstellte, war Robert Monroe bereits 1995 verstorben. Die Leitung oblag nun seiner Tochter Laurie, die sich, wie mir ausdrücklich zugesichert wurde, baldmöglichst bei mir melden würde.
Telefonate und Verhandlungen mit potenziellen Protagonisten gehörten zu meinen täglichen Aufgaben, die ich mit einer gewissen Routine erledigte. Da das Internet im Jahr 2000 noch eine untergeordnete Rolle im Spektrum der Medien spielte, waren TV-Auftritte damals sehr begehrt und erforderten wenig Überredungskunst. Immerhin boten sie den Menschen, Unternehmen und Institutionen die Möglichkeit, sich einem breiten Publikum zu präsentieren.
Ich erinnere mich noch gut an die nervöse Spannung, die sich in den folgenden Tagen in mir aufbaute. Ich fieberte dem Gespräch mit Monroes Tochter regelrecht entgegen. Würde ich tatsächlich die Gelegenheit bekommen, nach Virginia zu reisen und Robert Monroes legendäres Labor zu besuchen? Den Ort, an dem sich aus meiner Perspektive unbegreifliche Phänomene ereignet hatten?
Als es schließlich so weit war und ich Lauries rauchige Stimme am anderen Ende der Leitung hörte, erreichte meine Aufregung ihren Zenit.
»Ich weiß euer Interesse sehr zu schätzen«, erklärte sie mir bestimmt, »aber was hier bei uns geschieht, lässt sich nicht mit einer Fernsehkamera einfangen. Zudem haben wir in der Vergangenheit leider negative Erfahrungen mit Reportern gemacht, die unsere Arbeit in ihren Publikationen zerrissen und uns als esoterische Spinner dargestellt haben.«
Lauries Argumente waren deutlich und bedurften keiner weiteren Ausführungen. Ich war jedoch fest entschlossen, nicht aufzugeben, und versuchte, sie davon zu überzeugen, dass so ein Fernsehbeitrag dem Institut auch sehr viel Nutzen bringen könnte. Doch meine Worte schienen sie nicht zu beeindrucken.
»Vielleicht kommst du einfach mal zu uns und nimmst am Gateway-Voyage-Programm teil«, bot sie mir abschließend an. »Ich würde mich jedenfalls freuen, dich hier bei uns begrüßen zu dürfen.«
Meine Enttäuschung war groß. Zu gern hätte ich diesen Beitrag produziert, denn das Thema interessierte mich inzwischen brennend. Der Gedanke, selbst eine außerkörperliche Erfahrung machen zu können, ließ mich in den folgenden Wochen nicht mehr los. Ich war hin- und hergerissen. Einerseits konnte ich mir nichts Faszinierenderes vorstellen, als körperlos durch die Lüfte zu fliegen. Andererseits befürchtete ich, dass sich das Monroe Institute an so naiven Menschen wie mir womöglich nur bereichern wollte. Immerhin betrug allein die Kursgebühr schon 1450 Dollar, Reisekosten nicht inbegriffen. Ein Betrag, der für damalige Verhältnisse sehr hoch schien. Schlussendlich war es meine Geschäftspartnerin, die mich dazu ermutigte, meine Zweifel beiseitezuschieben und mich auf das Abenteuer einzulassen.
Es dauerte knapp sieben Monate, bis ich über die Warteliste einen der begehrten Plätze für die »Gateway Voyage« ergattern konnte. Am 10. November 2000 trat ich schließlich die Reise in die Blue Ridge Mountains nach Virginia an.
In meinem Buch (UN)SICHTBAR.Außerkörperliche Erfahrungen und Jenseitserkundung mit der Monroe-Methode habe ich die Details meines Aufenthalts am Monroe Institute und die Folgen meiner ersten Erfahrungen ausführlich dokumentiert. Daher möchte ich an dieser Stelle nicht erneut auf die Einzelheiten eingehen. Es sei aber so viel gesagt, dass meine erste außerkörperliche Erfahrung nicht mit dem zu vergleichen war, was Monroe in seinen Büchern beschrieben hatte.
Für mich war es eher ein vorsichtiges Herantasten an ein Phänomen, das meine fest verankerten bewussten und unbewussten Glaubenssätze in nur wenigen Tagen zu sprengen vermochte.
Verwirrt, aber gleichzeitig inspiriert und mit mehr Fragen als zuvor trat ich nach einer knappen Woche meine Rückreise nach Los Angeles an. Am letzten Tag unseres Aufenthalts am Institut wurde allen Teilnehmern dringend angeraten, in den folgenden 30 Tagen keine lebensverändernden Entscheidungen zu treffen. Auch dann nicht, wenn der Impuls deutlich scheint.
»Lass dich nicht scheiden und heirate nicht«, hieß es. »Kauf dir kein Haus, aber verkaufe auch keine Immobilie. Kündige auf keinen Fall deinen Job und wandere in kein Land der Erde aus.«
Für mich stand jedoch schon am Abreisetag fest, dass ich nicht in mein altes Leben zurückkehren konnte, selbst wenn ich es gewollt hätte. Die Erfahrungen der vergangenen Tage hatten sich wie eine mächtige Welle über mich ergossen, hatten mich fortgerissen aus dem sicheren Ufer meines Alltags – und mir jenen Boden unter den Füßen weggezogen, den ich bis dahin für selbstverständlich gehalten hatte. Alles, was ich bis dahin mit meinem Leben angefangen hatte, schien mir plötzlich trivial. Insbesondere meine Arbeit als Boulevardjournalist.
Die Menschen in meinem Umfeld in L. A. reagierten großenteils mit Unverständnis auf meine Erlebnisse und die daraus resultierenden Erkenntnisse. Außerkörperliche Erfahrungen waren selbst im Freidenkerstaat Kalifornien noch kein Thema, über das offen gesprochen werden konnte. Ich begriff sehr schnell, dass ich mich mit meinen Ausführungen zurückhalten musste, um nicht für verrückt erklärt zu werden.
Auch wenn mir eine klassische Astralreise verwehrt blieb, erkannte ich während meines Aufenthalts am Monroe Institute mit eindrücklicher Klarheit, dass ich weit mehr bin als mein physischer Körper – und dass sich zwischen Himmel und Erde Räume eröffnen, die jenseits aller sinnlichen Wahrnehmung liegen.
Ich verspürte den starken inneren Drang nach einer radikalen Veränderung in meinem Leben. Ich wollte raus aus der Alltagsmühle, raus aus Hollywood, weg vom Fernsehgeschäft und von der Scheinwelt, die wir täglich in die Wohnzimmer der Zuschauer projizierten. Ich würde ab sofort keine Stunde meines kostbaren Lebens mehr damit verschwenden, an roten Teppichen zu stehen und die Selbstverherrlichung derjenigen, die über diese Teppiche laufen, noch weiter zu propagieren.
Tief in meinem Inneren brach ein Verlangen nach Wissen auf und nach neuen Erfahrungen. Zudem wollte das, was ich in Virginia erlebt hatte, integriert werden. All dies konnte nicht allein über das Lesen von Büchern geschehen. Immer wieder erinnerte ich mich an einen Satz von Monroe, der auch am Institut mehrfach zitiert wurde: »Glaube nicht, was ich dir erzähle, sondern geh selbst hinaus und überzeuge dich!«
Mit diesem Leitsatz stehe ich auch heute noch in tiefer Resonanz. Denn nur die direkte persönliche Erfahrung bringt echtes Wissen. Alles andere bleibt Glaubenssache, und davon hatte ich genug in meinem Leben. Ich wusste, dass ich einen Schnitt machen und mein altes Leben zurücklassen musste, um Wachstum zu erfahren.
Ich nutzte die mir auferlegten 30 Tage nach der Gateway Voyage, um das Erlebte anhand meiner Tagebuchaufzeichnungen noch einmal ganz in Ruhe zu reflektieren. Dabei wurde mir bewusst, dass ich mich während meiner Zeit am Institut mehrfach jenseits der physischen Realität bewegt hatte. Meine Wahrnehmungen gingen weit über alles hinaus, was ich bisher aus meinen Träumen kannte.
Für die Dauer unseres Aufenthalts waren alle Teilnehmer in sogenannten Check Units untergebracht. Dabei handelt es sich um Holzverschläge, ausgestattet mit einer Matratze und Kopfhörern, die über Kabel mit einer Sendestation im Untergeschoss des Gebäudes verbunden sind. So ist es den Trainern möglich, die Übungen und Meditationen zentral zu steuern. In diesen Check Units hielten wir uns nicht nur während der eigentlichen Sessions auf, sie dienten auch als Nachtlager. Damit die Teilnehmer verschiedene Zustände des erweiterten Bewusstseins erfahren konnten, wurden über die Kopfhörer Tonfrequenzen eingespielt, die im Gehirn binaurale Schwingungen erzeugten.
Binaurale Schwingungen sind ein faszinierendes akustisches Phänomen, das unser Gehirn auf subtile und doch tiefgreifende Weise beeinflussen kann. Sie entstehen, wenn zwei leicht unterschiedliche Frequenzen – etwa 100 Hertz (Hz) auf dem einen Ohr und 104 Hz auf dem anderen – über Kopfhörer getrennt eingespeist werden. Unser Gehör allein nimmt diese Differenz nicht bewusst wahr. Es ist das Gehirn selbst, das diese Abweichung registriert und daraus einen dritten, inneren Ton erzeugt: einen sogenannten »stummen Ton«, die Differenzfrequenz, in diesem Fall 4 Hz. Dieser stumme Ton wird nicht als physischer Laut gehört, sondern als ein rhythmisches Pulsieren oder Vibrieren wahrgenommen, erzeugt durch die neuronale Aktivität im Gehirn.
Dieser Vorgang wird als »Hemisphären-Synchronisation« bezeichnet, ein Zustand, in dem die beiden Gehirnhälften, die normalerweise unterschiedliche Aufgabenbereiche bedienen, beginnen, harmonisch zusammenzuwirken. Logik und Intuition, Analyse und Vorstellungskraft – sie begegnen sich auf Augenhöhe und verschmelzen zu einem kohärenten Bewusstseinsfeld. In diesem synchronisierten Zustand öffnet sich ein innerer Raum, in dem Gedanken klarer fließen, Emotionen weicher schwingen und das Bewusstsein sich weitet. Je nach Frequenzrezeptur kann dieser Zustand tiefe Entspannung fördern, die Kreativität beflügeln oder sogar den Zugang zu erweiterten Bewusstseinsdimensionen erleichtern.
Das menschliche Gehirn arbeitet in einem faszinierenden Spektrum aus elektrischer Aktivität – Schwingungen, die in verschiedenen Frequenzbereichen verlaufen und als »Gehirnwellen« bezeichnet werden. Diese Wellen sind wie feine Resonanzfelder, die den inneren Zustand unseres Bewusstseins widerspiegeln:
Delta-Wellen (0,1 bis <4 Hz): Diese langsamen Gehirnwellen sind vor allem im Tiefschlaf oder in sehr tiefen Entspannungs- und Heilungszuständen aktiv. Binaurale Schwingungen in diesem Frequenzbereich können tiefe Entspannung und Regeneration fördern. Theta-Wellen (4 bis <8 Hz): Theta-Wellen treten typischerweise während einer tieferen Meditation, in Traumphasen (REM-Schlaf) und in Trancezuständen auf. Sie sind auch für kreative und imaginative Prozesse wichtig. Binaurale Schwingungen in diesem Bereich sollen die meditative, introspektive und kreative Erfahrung verstärken. Alpha-Wellen (8 bis <13 Hz): Alpha-Wellen stehen für einen halb wachen Zustand, wie er beim Tagträumen, in entspannter Aufmerksamkeit oder während einer leichten Meditation auftritt. Binaurale Schwingungen in diesem Bereich werden oft zur Förderung von Entspannung und Stressabbau verwendet. Beta-Wellen (13 bis circa 30 Hz): Diese schnelleren Wellen sind mit Konzentration, Fokus und Wachsamkeit verbunden. Beta-Wellen treten auf, wenn das Gehirn aktiv ist, zum Beispiel bei Problemlösungen, beim Denken und bei intensiver Konzentration. Binaurale Schwingungen in diesem Bereich können die geistige Wachheit und kognitive Leistung verbessern. Gamma-Wellen (30 bis 100 Hz): Gamma-Wellen sind die schnellsten Gehirnwellen und stehen für hochgradige geistige Aktivität, wie sie bei intensiver Konzentration, Lernprozessen, Problemlösungen und bei Zuständen der Inspiration auftreten. Ein besonders interessantes Merkmal von Gamma-Wellen ist ihre Assoziation mit spirituellen Erfahrungen. Gamma-Wellen liegen außerhalb des optimalen Bereichs für binaurale Schwingungen. Dennoch könnten binaurale Schwingungen in niedrigeren Frequenzen indirekt Zustände fördern, die eine Gamma-Aktivität begünstigen (zum Beispiel durch Entspannung oder Fokussierung).Robert Monroe erforschte die Wirkung von binauralen Schwingungen über mehrere Jahrzehnte und entwickelte in diesem Rahmen die sogenannte Hemi-Sync®-Audiotechnologie. Sie beruht auf komplexen Frequenzrezepturen, die so präzise wirken, dass sie den Anwender in sehr spezifische Bewusstseinszustände leiten kann. Selbst Menschen ohne Meditationserfahrung können durch diese Unterstützung eine erweiterte Wahrnehmung erlangen.
Ich empfand die Wirkung der Audiotechnologie als bahnbrechend. Vor meinem Besuch am Monroe Institute war ich nicht in der Lage, auch nur fünf Minuten lang still zu sitzen, geschweige denn zu meditieren. Dank der Frequenzen öffnete sich mir eine neue Welt – im wahrsten Sinne des Wortes.
Am zweiten Tag der Gateway Voyage hatte ich meine erste sehr konkrete Erfahrung. Nach einer Meditation wollte ich den Lichtschalter in der Check Unit betätigen. Doch zu meinem Erstaunen war dieser so weit oben an der Innenwand angebracht, dass ich ihn kaum erreichen konnte.
Also streckte ich meinen rechten Arm nach oben aus, um das Licht anzuknipsen. Doch anstatt den Schalter zu berühren, spürte ich plötzlich, wie sich Hand und Unterarm durch die Holzwand der Check Unit bewegten. Für einen kurzen Moment konnte ich das gesamte Innenleben der hohlen Wand wahrnehmen – die Füllstoffe, Kabel, Holzsplitter und sogar Spinnweben. Dieses unerwartete Ereignis erschreckte mich derart, dass ich reflexartig den Kopf hob und die Augen öffnete.
Zu meinem großen Erstaunen befand sich mein Arm jedoch nicht in der Wand, sondern noch immer genau dort, wo ich ihn vor der Meditation abgelegt hatte: unter der Bettdecke, an meiner Körperseite.
Dieses Erlebnis, das im Kontext von außerkörperlichen Erfahrungen (AKE) als »Teilprojektion« bezeichnet wird, war so intensiv und verwirrend, dass es mich völlig aus der Bahn warf. Aber es geschahen auch noch andere für meinen Verstand unerklärliche Dinge in dieser Woche, die für mich ebenso spektakulär waren. In ihrer Summe ließen sie bei mir keinen Zweifel offen, dass ich nicht nur Mensch, sondern ein multidimensionales Wesen bin.
Das Warten auf den 30. Tag fiel mir von Tag zu Tag schwerer. Ich wusste längst, dass es sich bei meinem tiefen Verlangen nach Veränderung nicht um eine vorübergehende Laune handelte. Die Stimme in mir, die nach Veränderung rief, würde nicht mehr verstummen.
Ich war Anfang 30, Single, und die Welt stand mir mit all ihren Möglichkeiten offen. Finanziell war ich in der Lage, mich eine Zeit lang über Wasser zu halten. Es war der perfekte Moment, um eine Auszeit zu nehmen und den wirklich wichtigen Fragen des Lebens auf den Grund zu gehen: »Wer bin ich? Wo komme ich her? Und wohin gehe ich, wenn bei diesem Theaterstück, das wir ›Leben‹ nennen, irgendwann der Vorhang fällt?«
Am Morgen des 17. Dezember 2000 offenbarte ich meiner Geschäftspartnerin, dass ich mich entschieden hatte, einen neuen Weg einzuschlagen – einen Weg, auf dem für Boulevardfernsehen kein Platz mehr sein würde. Nur wenige Wochen später saß ich in einem Flugzeug nach Australien. Ich hatte mich entschieden, eine einjährige Ausbildung zum Yogalehrer zu absolvieren.
Dies markierte den Beginn eines völlig neuen Lebens. Statt Hollywoodstars zu interviewen und auf Partys zu gehen, verbrachte ich nun täglich mehrere Stunden auf meiner Yogamatte. Ich las Bücher über Anatomie und ganzheitliche Ernährung, vertiefte mich in Yoga-Philosophie und Ayurveda.
In meiner knapp bemessenen Freizeit widmete ich mich weiterhin dem Üben außerkörperlicher Erfahrungen. Rückblickend verstehe ich, warum meine Fortschritte begrenzt blieben. Das übermäßige Wollen stand mir im Weg. Ich war zu stark in meinem Ego verhaftet und geprägt von einem Mangelbewusstsein, dessen Existenz mir damals noch nicht einmal bewusst war. Zudem hatte ich nur ein sehr eingeschränktes Verständnis davon, was eine AKE in ihrer Essenz tatsächlich ist und wie sie sich definiert.
Ich übte mit der Prämisse, dass ich mich aus meinem physischen Körper schälen muss, um den Zustand der Außerkörperlichkeit erleben zu können. Dabei blieb eine wichtige Frage auf der Strecke: Wer oder was ist das Ich, das glaubt, es müsse sich vom physischen Körper trennen? Anders als heute gab es um die Jahrtausendwende nur wenig konkrete Literatur zu diesem Thema. Kaum jemand in meinem Umfeld hatte je von außerkörperlichen Erfahrungen gehört.
Ich fühlte mich oft allein mit meinen Erlebnissen. Es gab Phasen, in denen ich mich fragte, ob ich vielleicht den Verstand verliere. Damals steckte das Internet ja noch in den Kinderschuhen, und Onlineforen, in denen ich Gleichgesinnte hätte finden können, existierten noch nicht. Diese Isolation machte mir bewusst, wie einsam das Üben von außerkörperlichen Erfahrungen sein kann – vor allem ohne ein unterstützendes Feedbacksystem.
Umso dankbarer bin ich, dass es heute aufgrund der globalen Vernetzung möglich ist, sich jederzeit mit anderen Menschen zu verbinden, auszutauschen und Erfahrungen zu teilen. In einer Welt, die zunehmend von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Technologien dominiert wird, haben spirituelle Erlebnisse wie AKE eine besondere Faszination und Bedeutung.
Aber was genau sind außerkörperliche Erfahrungen? In der modernen Forschung werden AKE häufig in Zusammenhang mit Nahtoderfahrungen gebracht. Menschen, die klinisch tot waren und wiederbelebt wurden, berichten oft von ähnlichen Erlebnissen: dem Verlassen des Körpers, dem Schweben über der Szene, dem Eintritt in ein helles Licht oder eine andere Dimension sowie von der Begegnung und Kommunikation mit geliebten Verstorbenen. Diese Berichte deuten darauf hin, dass AKE nicht nur ein subjektives Phänomen sind, sondern tiefere Einsichten in die Natur des Bewusstseins und des Lebens nach dem Tod bieten können.
Während die klassische Wissenschaft versucht, das Phänomen der Nahtoderfahrung auf eine neurologische, psychologische oder psychiatrische Symptomatik zu reduzieren, gibt es international renommierte Nahtodforscher, die zu dem Schluss gekommen sind, dass das Bewusstsein unabhängig vom Gehirn existiert und somit den Tod überdauert. Zu ihnen zählen der Psychologe Raymond A. Moody und die Autorin P. M. H. Atwater aus den USA sowie der niederländische Kardiologe Dr. Pim van Lommel. Ihrer Unnachgiebigkeit verdanken wir die Tatsache, dass Nahtoderfahrungen heutzutage nicht mehr als Hirngespinste abgetan werden.
Menschen, die eine Nahtoderfahrung gemacht haben, berichten häufig von einem Zustand unbeschreiblicher Liebe, Frieden und Klarheit, der sie glauben lässt, dass das Leben nach dem Tod nicht endet, sondern sich in eine andere Dimension des Seins transformiert. Häufig wird in diesem Zustand auch eine Art Lebensrückschau erlebt, bei der das eigene Leben aus einer höheren Perspektive betrachtet wird. Diese Rückschau offenbart, wie die eigenen Handlungen andere beeinflusst haben, und stärkt das Bewusstsein für die Bedeutung von Liebe und Mitgefühl.
Viele erleben nach ihrer Rückkehr ins Leben eine tiefgreifende Veränderung ihrer Werte und Prioritäten. Materielle Dinge verlieren an Bedeutung, während spirituelle Ziele wie Liebe, Achtsamkeit und die Suche nach einer tieferen Verbindung zur Welt in den Vordergrund treten.
Außerkörperliche Wahrnehmungen beschränken sich aber nicht auf Nahtoderfahrungen. Viele Menschen berichten von spontanen Erlebnissen, bei denen sie sich in einem Zustand der Außerkörperlichkeit wahrgenommen haben. Oft, aber nicht ausschließlich ereignen sich spontane AKE während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden, unter Anästhesie während einer Operation oder auch beim Meditieren.
Diese Art von AKE laufen in der Regel völlig unkontrolliert ab, da den Betroffenen die Fähigkeit fehlt, die Erfahrung bewusst zu steuern. Ein Moment der Panik, der als natürlicher Überlebensreflex dient, ist häufig der Grund dafür, dass spontane Erfahrungen meist nur Sekunden andauern.
Darüber hinaus gibt es die bewusst induzierte AKE, die sich dadurch auszeichnet, dass ihr eine klare Absicht, intensives Üben oder der Konsum psychedelischer Substanzen vorausgeht.
Menschen, die bewusst oder unbewusst dissoziieren, können ebenfalls außerkörperliche Erfahrungen machen. Dissoziation ist die Abspaltung psychischer Funktionen, die normalerweise zusammenarbeiten, wozu Bewusstsein, Wahrnehmung und Gedächtnis gehören. Sie kann insbesondere in Situationen auftreten, in denen das Bewusstsein Schutz sucht, etwa bei Missbrauchserfahrungen. Dies ist häufig bei Kindern der Fall.
AKE werden auch als »Astralreisen« bezeichnet, was grundsätzlich nicht falsch ist. Jede Astralreise ist auch eine AKE, aber nicht jede AKE ist zwangsläufig eine Astralreise. Der Begriff »astral« wird allgemein mit Sternen und dem Himmel assoziiert, bezeichnet in spirituellen Kontexten jedoch die sogenannte »Astralebene« – eine feinstoffliche Dimension, die zwischen der physischen Welt und höheren, spirituellen Bewusstseinsfeldern liegt.
Genau hier sehe ich einen wichtigen Unterschied: Bei einer AKE können wir nicht nur die Astralebene erkunden, sondern auch Umgebungen wahrnehmen, die darüber hinausgehen. Diese Unterscheidung soll verdeutlichen, dass der Begriff »Astralreise« zwar oft verwendet wird, aber nicht die gesamte Bandbreite außerkörperlicher Erfahrungen abdeckt.
Ein weiteres Phänomen, das ich im erweiterten Kontext als außerkörperliche Erfahrung einordnen würde, ist die Bilokation. Dabei erleben Betroffene das Gefühl, gleichzeitig an zwei unterschiedlichen Orten präsent zu sein. Eine mögliche Erklärung dafür wäre, dass ein Teil des Bewusstseins im Astralkörper unabhängig vom physischen Körper agiert und somit einen separaten Datenstrom generiert.
