Zwischen Herz und Verstand - Ina Sembt - E-Book

Zwischen Herz und Verstand E-Book

Ina Sembt

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Beschreibung

Nach 25 Jahren treffen Solveig und Eva sich auf einem Kongress wieder, und sofort flammen alte Gefühle auf. Doch während Solveig offen lesbisch lebt, hat sich Eva bislang nie dazu bekannt. Und so soll es auch bleiben, womit sich Solveig nicht abfinden kann. Einerseits möchte sie nicht mit einer Schranklesbe zusammen sein, andererseits liebt sie Eva ... und weil die beiden Frauen es nicht auf die Reihe kriegen, kommt Evas Sohn zu Hilfe und schmiedet einen Plan ...

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Seitenzahl: 364

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Ina Sembt

ZWISCHEN HERZ UND VERSTAND

Roman

© 2014édition el!es

www.elles.de [email protected]

Alle Rechte vorbehalten.

ISBN 978-3-95609-006-3

Coverfoto: © Sandra Cunningham – Fotolia.com

1

Solveig Steffens nahm noch einmal den Ordner mit den Tagungsunterlagen zur Hand und blätterte im Flyer. Eva Werner. Konnte das wirklich die Eva Werner sein? Der Name hatte Herzklopfen in ihr ausgelöst, als sie letzte Woche in den Unterlagen unvermutet darauf gestoßen war. Auch jetzt beschleunigte sich ihr Puls wieder. Dabei war das nun wirklich kein besonders ausgefallener Name. Am wahrscheinlichsten war, dass es sich um jemand ganz anderen handelte.

So lange hatte sie nicht mehr an die Zeit in England gedacht. Fünfundzwanzig Jahre war es jetzt her . . . Verträumt sah Solveig aus dem Zugfenster und schob die Kopfhörer ihres MP3-Players zurecht.

Sie war auf dem Weg nach Berlin, um dort auf einer interdisziplinären Tagung zum Thema Gewalt einen Vortrag zu halten. Da sie aus Erfahrung wusste, dass es im Großraumabteil des ICE geschäftig zuging und zuweilen laut sein konnte, hatte sie die Vorbereitung bereits vor ein paar Tagen abgeschlossen und konnte nun mit ihrer Lieblingsmusik noch ein wenig entspannen. Vor ihrem vierzigsten Geburtstag vor zwei Jahren hatte sie sich diese Playlist zusammengestellt, die sie »40+« genannt hatte: nicht nur deshalb, weil sie vierzig geworden war, sondern weil die Liste etwas über vierzig Titel enthielt, die sie im Laufe der Jahre begleitet hatten. Bei der Auswahl der Songs hatte sie festgestellt, dass sie fast alle aus den Siebzigern stammten. Kein Wunder – sie selbst war ein Kind dieses Jahrzehnts. Gerade erklang You’ve Got A Friend von Carole King, ihrer Lieblingssängerin in ihrer Teenagerzeit.

Eine tolle Stimme. Ein fantastisches Lied. Solveig schloss die Augen. Sofort tauchte ein Bild von damals auf. Sie und Eva waren zusammen durch London gezogen und in den schier endlosen Gängen der Tube auf zwei Musikerinnen gestoßen, die genau dieses Lied spielten. Die eine begleitete ihren Gesang auf der Gitarre, während die andere zwischendurch ein Saxophonsolo einlegte. Eva hatte damals hinter Solveig gestanden und sie umarmt. Solveigs Hände hatten auf Evas Armen geruht, Evas Wange hatte an ihrer gelegen. Und am Ende hatte sie das Gefühl gehabt, Eva hätte sie vorsichtig auf die Wange geküsst – aber sie war sich nicht ganz sicher gewesen, ob das vielleicht doch nur Wunschdenken war.

Jetzt, fünfundzwanzig Jahre später, ließ dieser intime Moment ihr Herz erneut höher schlagen. Im Geiste spürte Solveig Evas Umarmung nach, während sie stumm den Refrain mitsang: »Du rufst nur meinen Namen, und, egal wo ich bin, ich komme zu dir, um dich wiederzusehen. Winter, Frühling, Sommer oder Herbst – du brauchst nur anzurufen, und ich werde da sein, ganz bestimmt! Du hast eine Freundin.«

In den folgenden Jahren war Solveig dieses Lied immer wieder begegnet. Jedes Mal hatten sie schon die ersten Klänge in diese Umarmung mit Eva zurückversetzt und in das Gefühl, das damals ihren Körper durchströmt hatte: Wärme und Vertrauen. Geborgenheit und Nähe. Viel Nähe. Und jedes Mal hatte sie sich gewünscht, Eva würde tatsächlich vor ihr stehen, wenn sie ihren Namen riefe. Eva würde sie in die Arme nehmen, und alles wäre gut. Aber schließlich hatte die Zeit alles überdeckt, und der Song war viele Jahre in Vergessenheit geraten – bis zu ihrem runden Geburtstag.

Auch die Szene in dem U-Bahn-Gang war irgendwann allmählich aus ihrem Bewusstsein verschwunden. Anfangs hatte sie oft davon geträumt. Kurz nach den Ferien, in denen sie Eva kennengelernt hatte, hatte sie diesen Traum fast jede Nacht gehabt. Irgendwann hatte er sich verselbständigt: Solveig hatte sich umgedreht und Eva tief in die Augen geschaut, und Eva hatte sich über sie gebeugt, um sie zu küssen. Nur ihre Zungenspitzen hatten sich berührt. Und als das Lied zu Ende war, hatten sie sich umgedreht und waren Hand in Hand in den langen, halbdunklen Gängen verschwunden. In Wirklichkeit hatte es zu dem Zeitpunkt keinen Kuss gegeben – noch nicht.

Ein lautes »Entschuldigung!« schreckte sie auf. Es war der Schaffner, der ihre Fahrkarte sehen wollte. Verwirrt blickte Solveig sich um. Sie hatte tatsächlich geschlafen – und geträumt. Bestimmt zwanzig Jahre hatte sie diesen Traum nicht mehr gehabt. Wie konnte es sein, dass er gerade jetzt wieder auftauchte? Sie brauchte einen Moment, um wieder in der Gegenwart anzukommen.

Verwundert schüttelte sie den Kopf. Verrückt, dachte sie. Das ist doch alles so lange her, dass es schon gar nicht mehr wahr ist. Und wenn sie es wirklich sein sollte, wird es keinen Grund für Nostalgie oder Melancholie geben. Wir werden über den Zufall lachen und vielleicht ein bisschen über alte Zeiten reden, und damit hat es sich. Noch einmal schüttelte sie den Kopf und reichte dem Schaffner die Fahrkarte.

2

In Berlin nahm Solveig ein Taxi zum Tagungshotel. Eigentlich hätte sie für das Einchecken im Hotel mehr als genug Zeit gehabt, aber wegen einer technischen Panne bei der Bahn war sie mit über einer Stunde Verspätung angekommen. Dadurch erschien sie so gerade eben noch vor dem ersten Vortrag im Tagungssaal, nachdem sie das Auspacken im Zimmer auf später verschoben und ihren Trolley einfach an der Rezeption abgestellt hatte.

Mit einem erschöpften Aufseufzen ließ sie sich auf einen der letzten Plätze in den hinteren Reihen fallen und ihren Blick über das Publikum vor ihr gleiten. Unter den Anwesenden entdeckte sie die eine oder andere Bekannte, die sie nach dem laufenden Beitrag begrüßen würde. Plötzlich freute sie sich darauf, zu plaudern und alte Kontakte aufzufrischen.

Aber zunächst wollte sie sich auf den Einführungsvortrag konzentrieren. Sie blätterte in ihren Unterlagen. Gemäß dem Tagungsprogramm hätte eine Wissenschaftlerin vortragen sollen, die Solveig gut kannte, aber offenbar hatte es eine Umstellung gegeben. Die Stimme, die jetzt durch das Mikrofon klang, war nicht die, die Solveig erwartete – aber sie war ihr auch keineswegs unbekannt.

Solveig erstarrte. Ihr Herz schlug bis zum Hals.

Tatsächlich: Am Pult stand Eva Werner. Die Eva Werner, mit der sie vor fünfundzwanzig Jahren ihre Ferien verbracht hatte.

Was soll denn das?, rief sich Solveig zur Vernunft. Dieses Herzklopfen . . . das ist doch völlig unangebracht. Aber wahrscheinlich ist es nur die Eile. Ja, das muss es sein. Bei der ganzen Hektik mit der Verspätung muss man ja außer Atem geraten.

In diesem Moment sagte Evas rauchige, fast erotische Stimme: »Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich etwas wünschen . . .«

Solveig schloss die Augen. Fast dasselbe hatte Eva damals auch gesagt, an ihrem letzten Abend in Weymouth, als sie Solveig zu einem nächtlichen Wettschwimmen überredet hatte. Solveig schloss die Augen, ließ sich in den Klang dieser elektrisierenden Stimme fallen und gab sich ihrem Tagtraum hin, der sie fünfundzwanzig Jahre zurückkatapultierte.

»Wer gewinnt, darf sich etwas wünschen, ja?«, hatte Eva gerufen und sich blitzschnell im Wasser am Strand von Weymouth umgedreht, um so schnell wie möglich zu dem weißen Boot zu schwimmen. Das war das einzig sinnvolle Ziel, weil es in der Dunkelheit gut zu erkennen war. Kurz bevor sie mit kraftvollen Zügen loskraulte, hatte sie noch gerufen: »Auf die Plätze, fertig, los!« Dann war sie Solveig davongeschwommen. Doch lange hatte es nicht gedauert, bis Solveig ihr dicht auf den Fersen war. Schließlich betrieb sie Schwimmen damals als Leistungssport.

Es war spät gewesen, als sich Eva und Solveig nach dem Abschiedsfest für die Sprachschülerinnen und -schüler auf den Heimweg begeben hatten. Den Weg nach Hause hatten sie allerdings noch nicht eingeschlagen. Solveig hatte ihren Gasteltern sicherheitshalber angekündigt, dass es vielleicht sehr spät werden würde – vielleicht hatte sie schon geahnt, dass sie nicht von Eva würde lassen wollen. Und wie sie bald erfuhr, hatte Eva ihren Gasteltern dieselbe Auskunft gegeben. Obwohl es schon nach Mitternacht gewesen war, konnten die beiden also noch ein wenig spazieren gehen in der herrlich milden, sternenklaren Nacht, ohne dass jemand nach ihnen suchen oder sich Sorgen um sie machen würde.

Was genau es war, das es Solveig so schwer machte, sich von Eva zu trennen, hätte sie nicht sagen können. Noch nie hatte sie sich einem Menschen so nah gefühlt. Und sie hatte sich gewünscht, ihr so lange wie möglich nah zu sein. Eva schien es ganz ähnlich zu gehen, denn sie machte keine Anstalten, sich zu verabschieden.

Wie automatisch waren sie zu der kleinen Bucht am Castle Cove spaziert, wo sie in den letzten drei Wochen einen großen Teil ihrer Freizeit zusammen verbracht hatten. Dort waren sie gesegelt, hatten miteinander gelacht und auch ernsthafte Gespräche geführt. Etwa über sich und ihre Probleme mit Jungen. Darüber, dass sie eigentlich keine Lust hatten, mit einem Jungen zu schlafen, obwohl alle ihre Klassenkameradinnen sich seit einiger Zeit mit ihren Erlebnissen vom ersten Mal brüsteten und sich über die Pille oder die beste Sorte von Kondomen austauschten. Solveig und Eva stimmten darin überein, dass sie später einmal unabhängig sein wollten und sich auf keinen Fall vorschreiben lassen wollten, was sie zu tun und zu lassen hatten.

Aber oft alberten sie auch einfach nur miteinander herum. Ausgelassen und unbefangen, so, als hätten sie sich schon viel länger gekannt als nur drei Wochen. Solveig fühlte sich rundum wohl mit Eva, aber was da eigentlich genau in ihr vorging, hätte sie nicht benennen können. Oder besser: nicht benennen wollen. Sie fürchtete sich vor dem, was dabei herausgekommen wäre. Aber an ihrem letzten Abend spielten die Befürchtungen keine Rolle mehr, sie genoss einfach die Nähe zu Eva. Und Eva schien ähnlich zu empfinden.

Eigentlich unterschieden sich Solveig und Eva kaum von anderen siebzehnjährigen jungen Frauen. Kennengelernt hatten sie sich in der Sprachschule zu Beginn ihres Englischkurses. Das hatten Solveigs Eltern, die ihr den Aufenthalt finanzierten, zur Bedingung gemacht: Um nach England fahren und dort die Ferien mit ihrer Clique verbringen zu dürfen, sollte sie einen Intensivkurs besuchen und ihre Englischkenntnisse aufbessern. Wenn der Unterricht beendet war, konnten sie tun und lassen, was sie wollten. Und Zeit genug blieb ihnen für die angenehmen Aktivitäten des Sommers durchaus.

Eva hatte sich schnell mit Solveigs Clique angefreundet. Sie war allein hergekommen und schien froh zu sein, dass sie sich Solveig und ihren Freunden anschließen konnte. Schließlich hatte Solveig gemerkt, dass sie ihnen nicht mehr von der Seite wich. Sie machte alles mit, was die Gruppe unternahm, und gehörte ganz selbstverständlich dazu.

Eines Abends, als sie in einer Kneipe saßen, hatte Eva mitten in der Unterhaltung zu weinen begonnen. Schließlich war sie nach draußen geflüchtet. Solveig war ihr gefolgt. Inzwischen schluchzte Eva ganz furchtbar, und Solveig näherte sich ihr behutsam und umarmte sie. Als hätte Eva nur darauf gewartet, klammerte sie sich geradezu verzweifelt an sie und schluchzte so heftig, dass es sie schüttelte.

So standen die beiden lange Zeit da, und Solveig versuchte, all ihr Mitgefühl für Eva in die Umarmung zu legen. Sie spürte Evas Wärme, die Weichheit ihrer Haut, und konnte sich nicht erinnern, je zuvor eine so intensive Nähe erlebt zu haben. Sie fühlte sich Eva nicht nur gedanklich nahe, sondern auch körperlich. Und es machte sie glücklich, obwohl sie gleichzeitig unendliches Mitleid mit Eva hatte.

Entsetzt hatte sie gedacht: Aber sie ist doch ein Mädchen. Doch darum ging es jetzt gar nicht. Sie musste Eva Trost spenden, und das ging vielleicht nur über diese körperliche Verbundenheit.

Als Eva schon längst aufgehört hatte zu weinen, standen sie immer noch eng umfangen an derselben Stelle. Die anderen hatten sich bereits einige Zeit vorher verabschiedet. Sie hatten Solveig fragend angeschaut, doch die konnte nur die Schultern vorsichtig heben, um zu signalisieren, dass sie auch nicht wusste, was passiert war.

Schließlich erklärte Eva mit einem Zittern in der Stimme: »Ich habe heute von meiner Mutter erfahren, dass meine beste Freundin sich das Leben genommen hat.«

Solveig zuckte zusammen. Das war das Schlimmste, was sie sich vorstellen konnte. Sie löste die Umarmung ein wenig und sah in Evas Gesicht, das vom vielen Weinen ganz verquollen war. Gern hätte sie etwas gesagt, irgendetwas, was Eva vielleicht helfen könnte, aber ihr Hirn schien wie gelähmt. Also schlang sie nur ihre Arme erneut um Eva und hielt sie so fest, wie sie konnte, bevor sie schweigend den Heimweg antraten. Vor dem Haus von Evas Gastfamilie umarmte sie sie noch einmal. Geredet hatten sie beide nicht.

Den ganzen Weg über hatte sich Solveig den Kopf darüber zerbrochen, wie sie Eva trösten könnte, aber ihr war nichts eingefallen. Wenn sie selbst schon regelrecht unter Schock stand, obwohl sie das Mädchen, das sich umgebracht hatte, nicht einmal kannte – wie musste das erst für Eva sein, wenn es ihre beste Freundin gewesen war? Leise, zaghaft, aber voller Mitgefühl fragte sie: »Kann ich etwas tun?«

»Nein.« Nun lächelte Eva zum ersten Mal wieder ein wenig. »Du hast schon das Richtige getan. Danke!« Sie drückte Solveig einen Kuss auf die Wange, drehte sich um und verschwand in der Doppelhaushälfte, die ihre Gasteltern bewohnten.

Das war der Zeitpunkt, von dem an Solveig nur noch mit Eva unterwegs war. Die beiden waren nahezu unzertrennlich. Jede freie Minute verbrachten sie miteinander, redeten ausgiebig über das Leben, den Tod und die Liebe.

In einem dieser tiefgründigen Gespräche sagte Solveig: »Ich glaube, die Liebe kann alles überwinden.« Das war ihre feste Überzeugung. Die Liebe war stärker als alles, sogar stärker als der Tod. Warum sonst gab es so viele Romane, Theaterstücke und Opern, die davon handelten, dass Liebende einander in den Tod folgten oder dass die Liebe auch nach dem Tod der oder des Geliebten weiter bestand?

Doch Eva antwortete nachdenklich: »Ich glaube das nicht mehr.«

Seit dem Tod ihrer Freundin, dachte Solveig. Welche Rolle hat sie für Eva gespielt? Sie sah Eva tief in die Augen, bis sie glaubte, darin zu versinken. Bis sie sich so ruhig fühlte, so stark, als könne ihr nichts und niemand auf der Welt etwas anhaben. Gleichzeitig begann ihr Herz rascher zu schlagen, wie so häufig in Evas Gegenwart.

Einerseits war das ein schönes Gefühl. Andererseits machte es ihr Angst.

Solveig konnte Eva dazu ermuntern, sich ihre Angst und ihre Schuldgefühle von der Seele zu reden, und ein paar Tage später lachten sie schon wieder viel miteinander. Später konnte sich Solveig nicht daran erinnern, jemals vorher so viel gelacht zu haben. Und so sorglos. Manchmal hatte sie sogar Muskelkater in den Bauchmuskeln.

Eva hatte ihr allerdings nicht viel über Ursula verraten, die Freundin, die nicht mehr hatte leben wollen. Oder über ihre Beziehung zueinander. Und Solveig hatte nicht gewagt zu fragen. Sie hoffte, Eva ein ähnliches Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln wie sie selbst es mit Eva hatte, damit sie mit ihrer Trauer wenigstens nicht allein war. Aber was Ursula für Eva gewesen war, das erfuhr sie nie.

Es war nur folgerichtig, dass sie auch den letzten Abend zusammen verbrachten, der schließlich zu ihrem Wettschwimmen im Meer führte. Es war ein sehr heißer Tag gewesen. Die Brandung traf sanft auf den Strand und verursachte ein leises, an- und abschwellendes Rauschen. Es war nahezu windstill. Sie waren schweigend nebeneinander hergegangen. Immer wenn sich ihre Hände unwillkürlich berührt hatten, fuhr ein Stromstoß durch Solveigs Körper, und ihr Puls raste. Sie fragte sich, ob es Eva genauso ging. Und einen Moment lang war sie traurig darüber, dass ihre gemeinsame Zeit bald zu Ende sein würde. Aber nur für einen Moment. Dann nahm Evas Gegenwart sie wieder gefangen.

Als sie an der Bucht angelangt waren, war es Eva, die zuerst sprach. »Lass uns eine Runde schwimmen«, hatte sie vorgeschlagen.

Solveig hatte verlegen erwidert: »Ich hab doch meinen Badeanzug nicht dabei.«

»Ist doch egal. Uns sieht doch hier niemand.«

»Ich weiß nicht . . .«

»Genierst du dich etwa?«, fragte Eva.

Damit hatte sie den Nagel auf den Kopf getroffen, aber das hätte Solveig nie zugegeben. »Nein, aber . . .« Während sie noch Argumente gegen das nächtliche Schwimmen suchte, begann Eva schon, sich auszuziehen. Ordentlich legte sie ihre Sachen zusammen und lief ins Wasser.

»Das ist herrlich«, rief sie halblaut. »Nun komm schon rein.«

Solveig blieb nichts anderes übrig, als sich ebenfalls ihrer Kleidung zu entledigen. Dann rannte auch sie ins Meer. Es war noch warm von der Sonne und gleichzeitig angenehm kühl auf der Haut. »Du hast recht«, stimmte sie zu. »Es ist großartig.«

»Nackt schwimmen gefällt mir am besten«, sagte Eva. »Es ist ein bisschen erotisch, findest du nicht?«

Solveig konnte ihre Befangenheit nicht ganz ablegen. Sie hatte noch nie nackt gebadet außer in der Badewanne. Ob sich das erotisch anfühlte, darüber hatte sie noch nie nachgedacht. Schwimmen war für sie immer mit Leistung verbunden – und auf alle Fälle mit einem Badeanzug. Außerdem war sie noch nie zusammen mit einer Freundin nackt im Wasser gewesen. »Ich . . . weiß . . . nicht«, sagte sie unsicher.

Zuerst plantschten die beiden herum, kraulten ein bisschen, ließen sich vom Wasser tragen und zeigten sich gegenseitig die Sternbilder. Auf dem Rücken treibend sagte Eva: »Schau, da ist der Große Wagen!« oder »Sieh nur: der Polarstern!«

Solveig blickte allerdings lieber in Evas Richtung als in den Himmel. Im Mondlicht sah sie Evas Brüste aus dem Wasser ragen. Die Nippel reckten sich erregt gen Himmel. Sie konnte sich kaum von dem Anblick lösen. Das ist erotisch, dachte sie – und erschrak im nächsten Moment bis ins Mark. Hitze stieg in ihr auf. Solche Gedanken waren ihr bisher völlig fremd gewesen, zumindest im Zusammenhang mit einer anderen Person.

Zum Glück kam Eva dann auf die Idee mit dem kleinen Wettschwimmen. Sie kämpften sich Kopf an Kopf in Richtung des Bootes vor, denn auch Eva war eine gute Schwimmerin. Am Ende hatte sie die Nase knapp vorn.

»Jetzt hab ich einen Wunsch frei«, rief sie triumphierend.

»Okay. Was wünschst du dir?«, fragte Solveig atemlos.

Auch Evas Atem ging noch schwer von der Anstrengung. »Ich würde es gern tun und nicht so viel darüber reden«, meinte sie.

»Was hindert dich?«

»Na ja, es hat etwas mit dir zu tun, und ich will dich auf keinen Fall erschrecken.«

Solveig grinste. »Willst du etwa mit mir ›Essen raten‹ spielen? So wie früher als Kind auf Geburtstagsfeiern? Man musste mit verbundenen Augen erraten, wo man gerade hineinbiss. Und wenn es Seife war, schnitt man eine Grimasse, weil es so eklig war.« Was konnte wohl an Evas Wunsch so heikel sein, dass die nicht sofort damit herausrückte?

»Nicht ganz«, antwortete Eva. »Zumindest hoffe ich, dass mein Wunsch nicht diese Wirkung auf dich hat.«

Solveig sah Evas Gesicht langsam näher kommen. Sie spürte Evas Lippen an ihrer Wange, kaum wahrnehmbar, wie ein Hauch. Dann flüsterte Eva ihr, nun wieder schneller atmend, ins Ohr: »Wenn du es nicht magst, musst du es sofort sagen, ja?«

»Ich tue, was ich kann«, flüsterte Solveig und spürte Evas warmen Atem auf ihrer Wange. Evas hauchzarte Berührung hatte ihr eine Gänsehaut über den ganzen Körper gejagt. Nun streifte Eva ihre Lippen mit den ihren, ganz leicht nur. Unwillkürlich öffnete Solveig den Mund und fühlte Evas Zunge sanft auf ihren Lippen spazieren gehen. Plötzlich schien Eva ihr so nahe wie noch nie. Ihre nackten Brüste drückten sacht gegen ihre eigenen.

Solveig meinte, ganz Weymouth müsste ihren Herzschlag hören, so heftig hämmerte es in ihrem Innern. Langsam erwiderte sie Evas Berührung und strich nun ihrerseits mit ihrer Zunge über Evas Lippen. Sie hörte, wie Evas Atem sich noch mehr beschleunigte. Dabei hätten sie sich inzwischen beide längst von der Anstrengung des Wettschwimmens erholt haben müssen.

Solveig empfing Evas Zunge in ihrem Mund. Die Begegnung entfachte ein heißes, erregtes Kribbeln in ihrem ganzen Körper, das sie nie zuvor erlebt hatte. Ihre Zungen massierten einander vorsichtig, dann wurden die Bewegungen immer wilder und leidenschaftlicher. Evas Hände wanderten auf Solveigs Rücken auf und ab und hinterließen ein prickelndes Feuer. Irgendwann klang der Kuss so langsam und vorsichtig aus wie er begonnen hatte. Sie hielten sich wortlos in den Armen, während ihr Atem sich langsam beruhigte.

Solveig wagte nicht zu glauben, dass dieser Kuss gerade wirklich passiert war. Das Glücksgefühl, das Evas Berührungen in ihr ausgelöst hatten, war fast zu überwältigend, zu fantastisch, um wahr zu sein. Aber als sie ihre Stimme wiederfand, fragte sie kühn: »Habe ich als zweite Siegerin auch einen Wunsch frei?«

»Ja. Und der wäre?« Ein Leuchten erhellte Evas Augen.

Solveig grinste frech. »Das würde ich gern tun und nicht darüber sprechen.«

Erneut näherten sich ihre Lippen einander. Eva ahnte wohl schon, was Solveig vorhatte. Dieser Kuss wurde sanfter, denn Solveig gab diesmal den Rhythmus vor. Der Tanz der Zungen war kontrollierter, aber nicht weniger sinnlich als beim ersten Kuss. Es war ein gegenseitiges Geben und Nehmen, das jede Faser ihrer Körper einbezog. So unglaublich intensiv hätte Solveig sich Nähe bisher nie vorstellen können. Das war wirklich erotisch.

Wieder hielten sie sich atemlos, nachdem ihre Lippen und Zungen sich voneinander gelöst hatten, bis sich die Kühle des Wassers bemerkbar machte. Langsam schwammen sie wieder an den Strand zurück.

Solveig hatte nicht zum ersten Mal geküsst. Aber dieser Kuss war vollkommen anders gewesen als die, die sie bisher mit Jungen ausgetauscht hatte. Mit Eva hatte sie etwas gespürt, das sie sonst immer vermisst hatte: Erregung, Leidenschaft und Zärtlichkeit. Die Lust auf mehr, das Sich-Fallenlassen-Wollen, die Sehnsucht danach, einen anderen Körper als den eigenen zu fühlen. Begehren. Sie konnte Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen spüren, die sie sonst nur kannte, wenn sie sich selbst berührte.

Schweigend zogen sie sich an. Es schien, als wage keine von ihnen, die fast magische Stimmung zu zerstören. Solveig durchbrach die Stille als Erste.

»Ich möchte noch nicht nach Hause«, flüsterte sie.

»Ich auch nicht«, antwortete Eva ebenso leise. »Komm, wir setzen uns hierher. Wenn wir nah beieinander sind, können wir uns gegenseitig wärmen.« Sie deutete auf ein umgedrehtes Boot, das am Strand lag. Dann ließ sie sich auf den Sand sinken, lehnte sich mit dem Rücken gegen das Boot und bedeutete Solveig, sich vor sie zu setzen. Solveig gehorchte gern. Evas Arme, die sich um sie schlossen, wärmten sie und vermittelten Geborgenheit.

Jetzt wäre die Gelegenheit gewesen, über ihre Gefühle zu sprechen. Vielleicht hätten sie sich dann später nicht so schnell aus den Augen verloren. Solveig öffnete ein paarmal den Mund, um etwas über die Küsse zu sagen, darüber, was sie empfunden hatte – aber dann verließ sie jedes Mal der Mut. Und auch Eva erwähnte das, was vor wenigen Minuten passiert war, mit keinem Wort. Als sie endlich etwas sagte, war es irgendetwas Belangloses.

Doch ab und zu verirrte sich eine Hand in Richtung der Hand der anderen. Dann schossen jedes Mal kleine elektrische Impulse durch Solveigs Arm. Minutenlang streichelten sich die Hände gegenseitig, und Solveigs Herz klopfte bis zum Hals. Am liebsten hätte sie Evas Hand nie wieder losgelassen.

Als der Himmel schon hell geworden war, hatten sie sich endlich auf den Weg nach Hause gemacht, um vor der langen Heimfahrt am nächsten Tag wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf zu erhaschen. Vor dem Haus von Solveigs Gasteltern hatten sie sich ein letztes Mal umarmt – lange, voller Gefühl, das sich aber nur in den Gesten ausdrückte und nicht in Worten. Sie hatten sich zugeflüstert, dass sie sich schreiben würden. Aber obwohl Solveig später oft daran dachte, hatte sie nie einen Brief zustande bekommen. Und auch von Eva hatte sie nie wieder etwas gehört.

Da treffe ich sie also wieder, dachte Solveig, als lauter Applaus sie aus ihren Träumen riss. Nach genau fünfundzwanzig Jahren.

3

Der Applaus nach Eva Werners Vortrag war lang und wohlwollend. Sie vermochte es, einen theoretischen Inhalt sehr anschaulich darzustellen, hielt pausenlos Kontakt mit ihrem Publikum und machte witzige Anmerkungen, wenn es angemessen war. Ihre Studierenden werden sie lieben, dachte Solveig anerkennend. Sie hatte zwar große Teile des Vortrags nicht mitbekommen, aber doch immerhin genug, um das beurteilen zu können.

Anschließend wurde eine Pause eingeläutet. Hungrig und durstig nach der langen Reise und der Hektik bei der Ankunft besorgte sich Solveig im Foyer, wo einige Stehtische aufgebaut waren, ein Wasser und eine Laugenbrezel. Erst nachdem sie einige Schlucke getrunken hatte, gestattete sie sich, daran zu denken, dass sie nun nach fünfundzwanzig Jahren die Frau wiedertreffen würde, mit der sie ihren ersten Kuss getauscht hatte. Ihren ersten richtigen Kuss. Ob Eva sie überhaupt wiedererkennen würde?

Und warum schlug ihr Herz plötzlich so schnell? Was soll denn das, Solveig?, schalt sie sich. Hier treffen sich zwei Frauen, die sich kennen, sich aber lange nicht gesehen haben. Das mit dem Kuss, das ist längst vorbei. Wir waren fast noch Kinder. Es gibt überhaupt keinen Grund zur Aufregung.

Da steuerte Eva auch schon auf ihren Tisch zu. Sie stellte ihren Teller und ihr Wasserglas ab und stellte fest: »Ich glaube, wir kennen uns.«

»Das tun wir!«

Nach fünfundzwanzig Jahren sah Solveig nun wieder in diese hellbraunen, bernsteinfarben leuchtenden Augen, in denen man versinken konnte wie in einem bräunlich-grün schimmernden Meer oder einem exotischen Gewitterhimmel. Sie konnte ihr eigenes Spiegelbild darin sehen. Eva lächelte Solveig an, und auf ihren Wangen wurden diese tiefen Grübchen sichtbar, die Solveig damals – neben so vielem anderen – endlos fasziniert hatten. Sie waren einfach umwerfend. Wahrscheinlich hatte sie sich zuerst in diese Grübchen verliebt . . . und dann in dieses erfrischende Lachen, das einen sofort ansteckte.

Was heißt hier verliebt? Von Verliebtsein kann doch gar keine Rede sein. Die Grübchen waren einfach nur süß. Und verliebt war ich damals allerhöchstens ein kleines bisschen. Wir kannten uns doch gar nicht lange genug, um uns wirklich zu verlieben. Und das ist immerhin schon Jahrhunderte her.

Solveig verscheuchte die Gedanken. Aber mit einem Mal war sie ganz begierig darauf, Eva lachen zu sehen. Ob sie noch immer so lachte wie damals? Während ihres Vortrags hatte sie sich mit Lachanfällen dezent zurückgehalten.

»Damals, ähm . . .«, Eva schien nach den passenden Worten zu suchen, »damals haben wir du zueinander gesagt. Bleibt es dabei?«

»Ich finde, es spricht nichts dagegen, dass wir uns auch heute noch duzen«, gab Solveig zurück. Sie konnte sich einfach nicht von Evas Augen losreißen. In Gedanken fügte sie hinzu: Immerhin haben wir uns geküsst. Erinnerst du dich nicht mehr daran?

»Solveig, ich freue mich wirklich, dich zu sehen. Ich habe im Programm deinen Namen gelesen, war mir aber nicht sicher, ob du es wirklich bist. Aber so viele Solveigs gibt’s wohl nicht.«

Solveig hatte den Blick die ganze Zeit nicht von Evas Augen abgewandt. Eva strahlte über das ganze Gesicht, und wie von selbst lächelte Solveig ebenfalls. Das war ihr schon damals so gegangen. Evas Lächeln hatte sie stets angesteckt, unabhängig davon, ob ihr nach Lächeln zumute war oder nicht. Damals hatte sie es im Geheimen »Evas Zauberlächeln« genannt. Offenbar hatte es nichts von seiner Kraft verloren.

Solveig merkte, dass ihr warm wurde. Am liebsten hätte sie ihre Jacke ausgezogen. Stattdessen zog sie sie vor der Brust enger zusammen, weil ihr plötzlich bewusst wurde, dass ihre Brustwarzen sich aufrichteten.

»Du hast noch immer dieses Lächeln«, sagte sie, ohne den Blick von Evas Augen zu lösen. Um sie herum hatte sich das Foyer mit anderen Tagungsteilnehmerinnen gefüllt, doch trotz des regen Treibens kam niemand an ihren Tisch. Es schien, als halte ihre Zweisamkeit die anderen fern. »Und heute bist du in München Richterin und Professorin gleichzeitig.«

Das war mehr eine Feststellung als eine Frage. Solveig hatte diese Information im Programm gelesen. Doch Eva nickte.

»Wie bekommt man beide Fulltime-Jobs unter einen Hut?«, fragte Solveig interessiert nach – froh über ein Thema, das keine Gefahren barg. Im selben Moment fragte eine innere Stimme alarmiert: Welche Gefahren?

Eva erklärte: »Sie ergänzen einander. Und es ist nichts Ungewöhnliches, dass Richterinnen auch an der Uni lehren, um ihre Erfahrungen aus der Praxis weiterzugeben. Genau genommen ist es sogar wünschenswert – Theorie und Praxis sind so geradezu ideal verbunden.«

»Das hört sich sehr nach einem vollen Arbeitsalltag an. Bist du ein Workaholic?«

»Manchmal«, erwiderte Eva wortkarg und biss in ihre Brezel. »Und du, was machst du? Im Programm heißt es nur, dass du Psychologin bist.«

»Das ist alles. Ich beschäftige mich mit der Verarbeitung von Gewaltverbrechen, mit dem Spezialgebiet Amoklauf. Ich begleite Opfer und deren Angehörige sowie die Rettungskräfte als Soforthilfe vor Ort, aber auch als Therapeutin nach der Tat. Manchmal fungiere ich auch als Gutachterin bei Gerichtsprozessen.«

Eva nickte anerkennend, dann erkundigte sie sich: »Du hast einen Doktortitel. Warum bist du nicht an der Uni geblieben?«

»Das hat mehrere Gründe. Aber der wichtigste war, dass ich die Arbeit mit den Menschen vor Ort der Beschäftigung mit Theorien vorgezogen habe.«

Streng genommen war das nur die halbe Wahrheit. Aber sie wollte nicht daran denken, dass sie sich durchaus hätte vorstellen können, weiterhin an der Uni zu arbeiten – wäre nicht Heike Radgen damals, vor dreizehn Jahren, gerade Professorin an der Fakultät geworden, an der sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig gewesen war. Sie hatte Heike auf einem der Frauenschwofs im Ruhrgebiet kennengelernt und eine kurze, aber heftige Liaison mit ihr gehabt. Heike war damals Dozentin an der Uni in Düsseldorf gewesen, bevor sie den Ruf an Solveigs Uni im Ruhrgebiet bekam.

Das Ende ihrer ultrakurzen Affäre mit Heike war mit Schmerzen verbunden gewesen, und als Heike ihre Professorinnenstelle antrat, hatte sie Solveig deutlich zu verstehen gegeben, dass sie nicht sehr scharf auf deren Mitarbeit am Institut war. Das hatte Solveig so verletzt, dass auch ihr eine solche Zusammenarbeit schwergefallen wäre. Glücklicherweise hatte sie während ihrer Promotion bereits die Ausbildung als Psychologin begonnen und konnte so nach dem Erlangen der Doktorwürde problemlos einen anderen Weg als den wissenschaftlichen einschlagen. Und sie hatte es nicht bereut. Ihre Arbeit mit Gewaltopfern und in der psychologischen Praxis, die sie nebenher in Teilzeit führte, bot viel Abwechslung und erfüllte sie ganz. Dass sie dieselbe Befriedigung auch an der Uni empfunden hätte, bezweifelte sie sehr. Deshalb, sagte sie sich, war ihre Antwort nicht wirklich gelogen.

Unvermittelt sagte Eva: »Ich habe heute Abend noch eine wichtige Besprechung mit dem Rektor der Humboldt-Uni.«

Solveig grinste. »Wechselgedanken?«

»Nein, nein.« Eva schüttelte den Kopf und lächelte wieder. Ihre Augen funkelten dabei wie Sterne. »Wir planen ein gemeinsames Projekt – seine und meine Uni. Ich weiß nicht genau, wie lange es dauern wird, aber . . . ich würde dich gern allein treffen. Am liebsten sofort, aber das geht wohl nicht.« Ihr Lächeln vertiefte sich.

Solveig brauchte eine Weile, um das gerade Gehörte zu verarbeiten. Treffen? Allein? Und was bedeutete dieses Glitzern in Evas Augen? Sie musste den Blick senken, damit Eva ihre Unsicherheit nicht bemerkte. Und vor allem, um sich nicht vollständig in diesen betörend leuchtenden Augen zu verlieren. »Ja«, brachte sie schließlich mühsam heraus.

Verdammt, warum schafft sie es nach all den Jahren immer noch, mich aus der Ruhe zu bringen? Dieses Lächeln. Diese Augen. Der helle Wahnsinn. Dafür bräuchte sie eigentlich einen Waffenschein.

Eva sah sie fragend an. Wirklich eindeutig war Solveigs Antwort nicht gewesen. »Ja – das heißt, du wärst bereit, mich heute Abend zu treffen?«, hakte sie nach. »Auf Abruf sozusagen?«

Erneut presste Solveig ein gehauchtes »Ja« hervor. Sie fühlte sich plötzlich wehrlos. Es war nicht mehr zu leugnen, was hier passierte: Sie war Evas Charme erneut erlegen. Ihr Herz pochte wie rasend, und ihr ganzer Körper kribbelte. In ihrem Unterleib machte sich ein Ziehen bemerkbar.

»Wo erreiche ich dich?«, wollte Eva wissen.

Es gelang Solveig, ihre Stimme normal klingen zu lassen. »Ich arbeite auf meinem Zimmer hier im Hotel. Zimmer 301. Du kannst mich vom Portier anrufen lassen. Ich komme dann in die Bar.«

»Gut. So machen wir es. Ich freue mich sehr.« Dieses unglaubliche Lächeln strahlte noch eine Spur heller auf Evas Gesicht.

»Ich mich auch.«

Sicher war es am besten, das Herzrasen und all die anderen körperlichen Anzeichen von Erregung so gut es ging zu ignorieren. Eva ging es bestimmt nur um ein nettes Gespräch, um eine unverbindliche Erinnerung an alte Zeiten, vielleicht sogar um eine berufliche Beziehung. Und sie selbst war schließlich zum Arbeiten hier, nicht um alte Lieben aufzufrischen, die noch dazu unerfüllt geblieben waren.

Alte Lieben? Unerfüllt?! Hast du jetzt völlig den Verstand verloren?

Für den Rest des Nachmittags war es allerdings vorbei mit Solveigs Konzentration. Evas unvergessliches Lächeln wollte einfach nicht aus ihren Gedanken weichen. Aber sie würde sich nicht verlieben. Diese Schwärmerei hatte schon damals zu nichts geführt.

Genau, und mehr als eine Schwärmerei ist es ohnehin nicht gewesen. Und heute sind wir einfach nur alte Bekannte.

Schon als Solveig nach der Pause wieder ihren Platz im Saal eingenommen hatte, weit entfernt von Evas, hatte sie nicht mehr viel von der Tagung mitbekommen. Wie schon zuvor tauchte unvermittelt die siebzehnjährige Eva vor ihrem inneren Auge auf. Es war der letzte Abend in Weymouth. Die Sprachschule hatte einen Tanzabend organisiert. Eva und Solveig tanzten ununterbrochen miteinander. Zuerst wurde ein Rock’n’Roll-Song nach dem anderen gespielt. Sie waren umeinander gewirbelt, hatten gelacht und sich immer wieder tief in die Augen geschaut, bis sie beide nassgeschwitzt waren. Als dann ein Blues erklang, dachte keine von ihnen daran, diesen Tanz auszulassen. Sie näherten sich einander ein wenig zaghaft und hielten sich dann aneinander fest. Ihre Augen versanken ineinander. I’m Not In Love wurde gespielt, aber das nahm Solveig kaum mehr wahr. Sie schloss die Augen, schmiegte sich gegen Evas Wange und spürte Evas Hände über ihren Rücken streichen, während ihre eigenen Hände auf Evas Schultern ruhten. So tanzten sie eng umschlungen, ihre Körper fest miteinander verbunden. Als sie sich voneinander lösten, wurden längst wieder Rocksongs gespielt. Es war, als seien sie für eine Weile in ihre eigene Zeit gefallen.

Wenige Stunden später würden sie sich nach dem Wettschwimmen zum ersten Mal küssen.

I’m Not In Love, dachte Solveig jetzt. Genau das, was unsere Bekanntschaft ausmachte. Eva war eine gute Freundin. Mehr nicht. Auf keinen Fall mehr.

Eine zweite innere Stimme schaltete sich ein: Ich kenne dich! Wenn du dir da mal nicht in die Tasche lügst.

Wieder riss Applaus Solveig aus ihrem Tagtraum. Sie hatte nicht die leiseste Ahnung, wovon der gerade beendete Vortrag gehandelt hatte.

Am liebsten hätte ich sie schon beim Tanzen geküsst, ging es ihr durch den Kopf, und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

Das ist doch kompletter Unsinn, zeterte die andere innere Stimme.

4

Nach dem Abendessen zog Solveig sich auf ihr Zimmer zurück. Für morgen stand ihr eigener Vortrag auf dem Plan, und sie wollte ihn noch ein letztes Mal durchgehen. Doch zwischendurch schweiften ihre Gedanken immer wieder ab und ihre Blicke zur Armbanduhr. Bald würde sie sich mit Eva treffen. Wann sie sich wohl melden würde? Wie würde es sich anfühlen, mit ihr allein zu sein, nach immerhin fünfundzwanzig Jahren? Woran konnten sie anknüpfen . . . und woran vielleicht besser nicht?

In die aufgeregte Vorfreude mischten sich immer öfter auch ängstliche Gedanken. Schließlich hatten sie beide ihre Leben gelebt und ihre Erfahrungen gemacht . . . Was, wenn Eva in einer festen Beziehung war – vielleicht gar mit einem Mann? Wenn ihre Geschichte damals nur eine Phase für sie gewesen war?

Und wie sollte sie selbst sich überhaupt verhalten? Je länger Solveig darüber nachdachte, desto mehr wuchs ihre Verwirrung. Einerseits war sie sich nur allzu deutlich bewusst, was Evas Gegenwart in ihr ausgelöst hatte: Herzklopfen, Schweißausbrüche, ein Kribbeln am ganzen Körper. Andererseits wollte sie um jeden Preis Distanz wahren. Im Grunde war Eva, die heutige Eva, ihr vollkommen fremd. Da waren die Gefühle von damals völlig fehl am Platz. Es wäre falsch und unvernünftig, sich von ihnen leiten zu lassen.

Genau. Nicht zu nah heranlassen. Nicht emotional und schon gar nicht körperlich . . .

Körperlich? Spinnst du jetzt komplett?

Solveig räusperte sich, kreiste ein paarmal mit den Schultern und schüttelte energisch den Kopf. Außerdem bin ich doch noch gar nicht richtig über Petra hinweg. Warum denke ich überhaupt darüber nach, ob Eva lesbisch ist oder nicht? Das spielt doch gar keine Rolle. Wir werden nett über alte Zeiten plaudern und zusammen lachen. Danach gehen wir wieder unserer Wege.

Sie rief sich das Klassentreffen in Erinnerung, das sie vor ein paar Jahren beim 20. Jahrestag ihres Abiturs besucht hatte. Vorher war sie sehr aufgeregt gewesen und sehr gespannt. Als Teenager hatte sie sich ihren Schulkameradinnen näher gefühlt als ihren Eltern, und irgendwie hatte sie angenommen, dass diese Nähe auch zwanzig Jahre später noch vorhanden sein würde. Sie hatte sogar mit dem Gedanken gespielt, sich vor ihren ehemaligen Mitschülerinnen zu outen. Aber tatsächlich hatte sie den ganzen Abend über nur oberflächliche, banale Gespräche geführt und war bitter enttäuscht nach Hause gefahren.

Mit Eva würde es wahrscheinlich genauso laufen. Immerhin hatte sie mit ihr damals sogar noch wesentlich weniger Zeit verbracht als mit ihren Klassenkameradinnen. Auf Tiefgang zu hoffen oder auf Nähe, wäre einfach nur unsinnig. Das mit Eva, was immer es sein konnte, würde keine Zukunft haben.

Die Vorstellung, dass es ihr beim Wiedersehen mit Eva ebenso gehen würde wie beim Klassentreffen, machte ihr plötzlich Angst. Dass sie sich nichts mehr zu sagen hatten, dass Eva bloß eine oberflächliche Verbindung zu ihr wollte, dass all das Sehnen, das sie kurz nach ihrem Kennenlernen mit siebzehn immer wieder gefühlt hatte, völlig ins Leere laufen würde, dass ihre Verbindung zu Eva nichtssagend wäre – es kam ihr mit einem Mal vor, als könnte es keinen schlimmeren Verlust geben.

Das ist wirklich komplett verrückt, rief sie sich zur Ordnung. Als ob es heute noch ein Sehnen gäbe. Ich könnte nicht weiter vom »Sehnen« entfernt sein als im Moment. Und damals, ja, damals war es allenfalls eine Schwärmerei. Ihr Herz begann schon wieder heftig zu klopfen, aber sie ignorierte es einfach.

Das Klingeln des Telefons ließ sie zusammenfahren. Sie hob ab. »Ja?«

»Hier spricht der Portier, Frau Dr. Steffens. Frau Professor Werner lässt ausrichten, dass sie in der Bar auf Sie wartet.«

»Vielen Dank«, erwiderte Solveig und hängte ein.

Ihr Herz hämmerte jetzt wie wild. Wie konnte es sein, dass das nach all der Zeit noch immer passierte? Sie versuchte, nicht weiter darüber nachzudenken, atmete tief durch und machte sich auf den Weg in die Bar.

Dort herrschte gedämpftes Licht, so dass Solveig Eva nicht sofort entdeckte. Als sie sie dann allerdings sah, fiel sie fast in Ohnmacht, und ihr Herz jagte noch schneller – falls das überhaupt möglich war. Eva sah einfach umwerfend aus. Sie trug einen perfekt geschnittenen Hosenanzug mit einem Dekolleté, das an der Grenze der Schicklichkeit ausgeschnitten war und keine Zweifel über die darunter befindlichen Köstlichkeiten zuließ. Offenbar hatte sie auf einen BH verzichtet. Langsam und mit weichen Knien ging Solveig auf diese unglaubliche Erscheinung an der Bar zu und versuchte ruhig zu atmen. Hoffentlich war ihr beschleunigter Puls nicht an ihrem Hals sichtbar.

»Hallo!«, war alles, was sie gefahrlos herausbrachte. Eva raubte ihr den Atem, vielleicht sogar den Verstand . . .

Unsinn! Steigere dich da bloß in nichts hinein!

»Hallo«, sagte Eva, rutschte mit einer eleganten, fließenden Bewegung von ihrem Barhocker und erwiderte Solveigs bemüht festen Blick mit ihrem hinreißenden Lächeln. »Schön, dass du noch Zeit für mich hast.«

Ich werde dir jetzt nicht auf die Nase binden, dass ich sowieso nicht hätte schlafen können und dass ich den ganzen Abend auf diesen Moment gewartet habe. Und an Arbeiten war auch in keiner Sekunde zu denken . . .

Solveig erschrak über ihre eigenen Gedanken. Hatte sie sich nicht die ganze Zeit über gesagt, dass keine Gefühle im Spiel waren? Anziehung vielleicht. Ja, Anziehung. Ich stehe schließlich auf Frauen. Und Eva sieht verdammt gut aus, und ihr Dekolleté ist wirklich vielversprechend. Sie bedeutete dem Ober, dass sie ein Wasser trinken wollte.

»Du siehst toll aus«, sagte Eva, als der Barkeeper sich wieder entfernt hatte.

»Na, und du erst.« Solveig registrierte mit Erleichterung, dass die kurze Unterbrechung ihre Fassung wiederhergestellt hatte. »Warst du so beim Treffen mit dem Rektor gekleidet? Da hat er dir sicher alle deine Wünsche aus dem Dekolleté gelesen.« Die kleine Spitze konnte sie sich nicht verkneifen.

Eva war sichtlich amüsiert. »Nein! Dieses Outfit ist ausschließlich Rendezvous mit schönen Frauen vorbehalten. Beim Rektor hatte ich züchtige Kleidung an, die angemessen hochgeschlossen war.« Als Solveig lächelte, fuhr sie fort: »Ich habe mich vorhin noch schnell umgezogen. Dabei habe ich festgestellt, dass unsere Zimmer nicht weit voneinander entfernt sind. Fast hätte ich bei dir geklopft.«

Gott sei Dank hast du es nicht getan, dachte Solveig. Ich weiß nicht, wie lange ich dir in diesem Aufzug hätte widerstehen können. Oder den Verheißungen deines Dekolletés.

Der Gedanke erschreckte sie erneut. Die Anziehungskraft von vor fünfundzwanzig Jahren war also immer noch da, so stark wie damals. Oder war sie neu entflammt? Und empfand Eva genauso? Dass sie ihr schärfstes Outfit gewählt hatte, sprach schon sehr dafür. Und auf Frauen schien sie immer noch zu stehen. Hatte sie vorhin nicht so etwas erwähnt, dass sie diese Garderobe den Rendezvous mit Frauen vorbehielt?

Die Frage war nur, was Eva sich erhoffte. Was sie mit dieser fast schon unverschämt sexy Aufmachung erreichen wollte.

Sie flirtet, dachte Solveig, das ist offensichtlich. Will sie mit mir ins Bett? Und falls ja . . . will ich mit ihr ins Bett? Nein, natürlich nicht! . . .

Aber vielleicht . . .?

. . . Ja, doch! Ich will!

Sie schluckte kräftig. Was war bloß mit ihr los? Sie war doch gar nicht der Typ für einen One-Night-Stand. Und auf etwas anderes könnte das mit Eva hier kaum hinauslaufen – nicht nach der vielen Zeit, die vergangen war. Es mochte Frauen geben, für die das einfach dazugehörte, die auf Dienstreisen immer eine Frau fürs Bett fanden. Solveig konnte das nicht nachvollziehen. Sex ohne Nähe, reine körperliche Befriedigung – nein, das war nichts für sie. Es würde die Einsamkeit und das Gefühl der Unerfülltheit letztendlich nur vergrößern.

Solveig spürte, wie Evas Hand ihre eigene zur Begrüßung umschloss. Augenblicklich zuckte ein Stromstoß durch ihren Arm, genau wie damals mit siebzehn. Das Ziehen in ihrer Magengegend wollte gar nicht mehr aufhören, auch als Eva schon längst wieder losgelassen hatte. Ob es ihr wohl ähnlich ging? Solveig spürte ihren schlüpfrigen Slip, als sie sich auf den Barhocker setzte.

Was soll denn das? Wir haben uns gerade erst getroffen, da kannst du doch noch gar nicht auf sie reagiert haben.

Aber sexy ist sie schon. Da gibt es nichts zu diskutieren.

Vielleicht war der Moment gekommen, es nun doch einmal zu probieren, das mit der Frau für eine Nacht? Solveig war sich nicht sicher. Ihr Körper sandte ihr eindeutige Signale, und die Anziehungskraft, die von Eva ausging, war enorm. Aber sie wusste eben nicht, ob es Eva umgekehrt auch so ging. Auch über Evas jetziges Leben wusste sie nichts. Würde die Person, die Eva heute war, noch der Eva entsprechen, in die sie sich damals in England verliebt hatte? Würde Solveig noch hinter dem stehen können, was Eva sagte und tat? Wäre es richtig, sich nach fünfundzwanzig Jahren nun endlich diesen einen, langgehegten Wunsch zu erfüllen, der immer wieder durch ihre Träume gegeistert war – und der dann hoffentlich ein für allemal verschwinden würde?

Du willst doch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, mit ihr zu schlafen. So nötig hast du es nicht. Oder?

Solveig bemühte sich, die innere Stimme links liegen zu lassen. Aber natürlich war ihr klar, dass es ernüchternd sein konnte, sich langgehegte Wünsche zu erfüllen. In der Regel hatte die Wirklichkeit mit der Wunschvorstellung nicht viel gemein. Würde eine Nacht mit Eva wirklich so phänomenal sein, wie sie es sich nach den Ferien damals immer wieder sehnsüchtig erträumt hatte? Wäre es nicht am besten, diesen Traum für immer unerfüllt bleiben zu lassen, damit seine Schönheit und Makellosigkeit nicht durch die Realität entzaubert wurde?

Na, geht doch. Endlich kommst du zur Vernunft.

»Solveig?« Erst jetzt drang Evas Stimme zu ihr durch. Sie klang besorgt.

Solveig brauchte einen Augenblick, um wieder in die Gegenwart zu finden. »Ja?«, fragte sie verwirrt.

»Alles in Ordnung?«

»Was . . . was war denn los?«

»Ich habe dir eine Frage gestellt, sogar mehrmals, aber du hast nicht geantwortet. Als wärst du in deiner eigenen Welt gewesen.« Evas Blick ruhte forschend auf Solveigs Gesicht.

»Ich war nur in meine Gedanken versunken. Entschuldige bitte«, versuchte Solveig ihre geistige Abwesenheit zu erklären, aber es klang wohl nicht sehr überzeugend. Ein Lächeln misslang ihr. Und dann hörte sie sich selbst plötzlich sagen: »Ich möchte mit dir schlafen.«

Wie bitte? Was? Das ist doch absurd. Jetzt hast du wohl endgültig den Verstand verloren.

Ach, halt die Klappe!

Eva schaute sie perplex an und sagte nichts. Damit schien sie nicht gerechnet zu haben.

Oh Gott, hoffentlich habe ich mich jetzt nicht vollends lächerlich gemacht.