Zwischen Licht und Leben - JMR Antonini - E-Book

Zwischen Licht und Leben E-Book

JMR Antonini

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Beschreibung

Auf der Suche nach dem wahren "Ich" Warum bin ich überhaupt auf dieser Welt? Was ist meine Aufgabe? Was soll ich aus diesem Leben lernen? Ein Weg voller innerer Kämpfe, Nächte stiller Tränen, aber auch ein Weg, der mich stärker und bewusster gemacht hat. Und genau deshalb schreibe ich dieses Buch, weil ich gelernt habe, dass es nie zu spät ist, sich selbst wiederzufinden. Heute bin ich glücklich, zufrieden und genieße jeden einzelnen Tag. Der Weg war lang und steinig, oft schmerzhaft, aber, es hat sich gelohnt. Und genau das wünsche ich jedem Menschen, der dieses Buch in seinen Händen hält.

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Seitenzahl: 161

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Anfang eines Kampfes

Gefangen in einem emotionalen Wirbelsturm

Zwischen Leben und Tod

Schulzeit und Berufswahl

Sehnsucht nach Liebe

Zeichen des Glücks

Umschulung

Der zerbrochene Traum

Am Abgrund

Ein Albtraum

Der Moment, in dem alles stillstand

Operation

Dank an meine Tochter

Im Sturm der Liebe

Der Preis der Selbständigkeit

Kampf ums Überleben

Zwischen Liebe und Loslassen

Unerwartete Hilfe

Neue Arbeit, neues Glück

Endlich auf der Überholspur

Wenn Loslassen weh tut

Ein rettendes Geschenk

Neustart mit über 50

Und plötzlich war es still

Das kleine Wunder

Ein Wiedersehen mit Folgen

Ein kleines Stück Himmel

Adoption von Lio und Bami

Das Ende einer innigen Liebe

Leise Stunde des Abschieds

Hand in Hand auf dem letzten Weg

Ein Tag in meinen Erinnerungen

Wohnung Tessin

Meine innere Wahrheit

Lio’s Krankheit

Leise Warnung

Bami’s Zusammenbruch

Schritt für Schritt zur Seele

Zurück in die Wirklichkeit

Das Unaufhaltsame

Neues Leben

Gemalt in stillen Momenten

Danksagung

Vorwort

Warum schreibe ich dieses Buch?

Schon immer habe ich mich gefragt: Warum bin ich überhaupt auf dieser Welt? Was ist meine Aufgabe? Was soll ich aus diesem Leben lernen?

Lange blieb die Antwort verborgen. Ich suchte, zweifelte, hoffte, doch nichts ergab wirklich Sinn. Ich ging durch Höhen und Tiefen, stolperte, fiel und stand immer wieder auf. Mal voller Mut, mal völlig erschöpft, mit nichts als einem kleinen Funken Hoffnung in mir, der nie ganz erlosch. Jetzt, nach all den Jahren, glaube ich, die Antwort gefunden zu haben. Nicht auf einmal, nicht in einem Moment brillanter Klarheit, sondern Stück für Stück, schmerzhaft und langsam.

Es war ein Weg voller innerer Kämpfe, Nächte stiller Tränen, aber auch ein Weg, der mich stärker und bewusster gemacht hat. Und genau deshalb schreibe ich dieses Buch, weil ich gelernt habe, dass es nie zu spät ist, sich selbst wiederzufinden.

Mein Kampf war nicht umsonst. Ich befreite mich aus dem endlosen Strudel aus Angst, Zweifeln und dem Gefühl, mich ständig selbst aufgeben zu müssen. Und wenn meine Geschichte auch nur einem Menschen hilft, in einer dunklen Stunde wieder Hoffnung zu finden, dann hat sich alles gelohnt. Wenn ich es schaffe, jemanden zu ermutigen, bevor die Verzweiflung überhandnimmt, wäre das für mich das grösste Geschenk.

Heute verstehe ich auch, warum mich mein ganzes Leben lang dieses tiefe Bedürfnis begleitete, für andere da zu sein. Selbst, wenn ich kaum noch konnte, versuchte ich so gut es ging, anderen zu helfen. Es war ein Teil von mir, und ist es bis heute geblieben. Aber ich habe auch gelernt, Grenzen zu setzen. Früher habe ich mich immer an letzte Stelle gesetzt. Ich dachte, das wäre das Richtige. Ich glaubte, dass mein Wert davon abhing, wie viel ich für andere tat und wie wenig ich für mich selbst verlangte. Heute weiss ich: Auch ich bin wichtig. Und das ist kein Egoismus, es ist Selbstfürsorge. Zuerst aber kommen meine Kinder, dann ich und dann die anderen. Das ist mein überlebenswichtiger Kompass geworden.

Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, sehe ich Fehler, viele sogar. Aber ich sehe auch Wachstum. Ich sehe Stärke. Ich sehe eine Frau, die immer wieder aufgestanden ist und die gelernt hat, sich selbst nicht mehr zu übersehen. Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages genau das sagen würde:

«Heute bin ich glücklich, zufrieden und geniesse jeden einzelnen Tag. Der Weg war lang und steinig, oft schmerzhaft, aber es hat sich gelohnt. Und genau das wünsche ich jedem, der dieses Buch in den Händen hält.»

Glaube an dich!

Aufgrund meiner wirren Gedanken geriet mein Leben oftmals ins Wanken.

Manchmal wusste ich nicht ein noch aus, so mancher Tag war für mich ein Graus.

Ich glaubte, das Glück hätte mich verlassen, dabei gab es keinen Grund, diese Zeit zu hassen.

Denn genau wie auf Wolke sieben zu schweben gehören auch Kummer und Sorgen zum Leben.

Auch so, wie es dunkel wird in der Nacht, wird es wieder hell, wenn der Tag erwacht.

Niemand kann dem Schicksal entfliehen, so lass dich auch nicht von ihm niederziehen.

Anfang eines Kampfes

Die meisten Babys kommen zum Glück gesund auf die Welt. Ich war auch so ein glücklicher Säugling bis kurz nach der Geburt. Dann befiel mich der Milchschorf, eine Hauterkrankung in Form einer schuppigen, gelblich-braunen Kruste, die sich am Kopf, Gesicht und manchmal auch an anderen Körperstellen äussert. Die genauen Ursachen der Krankheit sind immer noch unklar, aber es wird angenommen, das genetische und umweltbedingte Faktoren dafür verantwortlich sind.

So begann mein Kampf gegen äussere Einflüsse schon sehr früh. Denn bei mir war es mehr als nur ein kleiner Ausschlag. Mein ganzer, kleiner Körper war davon befallen. Alles war wund, offen und empfindlich, als wäre meine Haut ein Glühofen. Meine Mutter musste täglich mit mir zum Arzt, damit er mir eine Spritze gegen das Brennen und Jucken geben konnte. Sie sagte mir einmal: «Der Arzt wusste nicht mehr, wo er stechen sollte.», denn mein kleiner Po war voller Einstichstellen.

Natürlich erinnere ich mich nicht daran, aber ich glaube, dass meine Seele eine gewisse Erinnerung daran bewahrt hat, das Schöne wie das Leidige, das Gute wie das Böse. Irgendwie bleibt uns jede Kleinigkeit, egal wie unbedeutend sie auch sein mag, irgendwie hängen, leider auch solche, die wir nicht selbst verursacht haben.

Für mich als kleines Wesen begann ein Kampf, nicht ums Überleben, sondern ein Kampf um ein schönes, wertvolles Leben. Dieser Kampf zog wie ein roter Faden bis ins hohe Alter durch, ein Kampf, den ich jedoch nie aufgegeben habe. Heute bin ich stolz, dass ich so manche Hürde genommen habe. Und eines weiss ich, was auch immer kommen mag, ich werde niemals aufgeben.

*******************

Schreibt das Leben noch so harte Bände,

dem Inhalt gibst nur Du die Wende.

Das Leben zu bejahen ist dann wichtig, so

machst Du alle Sorgen nichtig.

Mag die Not kaum zu ertragen sein,

immer wieder strahlt der Sonnenschein.

*******************

Gefangen in einem emotionalen Wirbelsturm

Es gibt wohl kaum jemanden, der das Gefühl der Unsicherheit nicht kennt, sei es im privaten Umfeld oder im Beruf. Manchmal überkommt es einen plötzlich, wie aus dem Nichts. Vielleicht war sie schon lange in dir versteckt, nur gut verdrängt und wird durch ein scheinbar kleines Ereignis plötzlich ausgelöst. Manchmal genügt ein einziges falsches Wort, eine beiläufige Geste, und die Unsicherheit lässt dich nicht mehr los. Es spielt keine Rolle, wie sie entstanden ist. Wenn sie einmal da ist, kann sie dich jahrelang begleiten. Sie kann Angst auslösen, was zu Fehlern führt, und solche wiederum verstärken die Unsicherheit.

Ein Teufelskreis beginnt. Du steckst fest in einem Labyrinth aus Gedanken und Gefühlen und findest den Weg nicht mehr hinaus. Die Folgen?

Unzufriedenheit, innerer Rückzug, und irgendwann eine Negativität, die sich in alles hineinfrisst. Es ist wie ein Kreislauf, der sich unaufhörlich dreht. Du kannst nicht mehr schlafen, bist müde, gereizt, unkonzentriert. Und du weisst nicht mehr, wie du da wieder herauskommen sollst. So entsteht ein emotionaler Wirbelsturm:

Er beginnt ganz harmlos, wie ein kleiner Windstoss. Doch während er kreist, sammelt er alles auf, was ihm begegnet: Zweifel, Schmerzen, alte Erfahrungen. Und irgendwann wird daraus ein Orkan, der dich mitreisst, ein Sturm, der dich innerlich zerfetzt, bis du nicht mehr weisst, wo oben und unten ist. Doch warum geraten wir überhaupt in diese Spirale? Und viel wichtiger, wie können wir sie durchbrechen?

Meine eigene Reise begann früh. Ich war gerade mal acht Jahre alt, als ein einziges Erlebnis mein Leben für immer veränderte. Damals verstand ich nicht, was geschehen war. Aber ich spürte, dass etwas in mir zerbrochen war. Mein inneres Sicherheitsgefühl, mein Vertrauen in die Welt, hatte tiefe Risse bekommen. Ich versuchte, es zu ignorieren. Ich wollte nicht, dass es wahr ist. Also tat ich einfach das, was man von mir erwartete: Ich lächelte, obwohl mir zum Weinen war. Ich sagte Ja, obwohl mein Herz Nein schrie.

Doch dieses Verbiegen hinterliess Spuren, tiefe seelische Narben. Und diese Narben begleiteten mich durch mein ganzes Leben. Die Unzufriedenheit wuchs mit der Zeit immer mehr, aber ich verbarg meine Gefühle. Ich versuchte, es allen recht zu machen. Doch auch das funktionierte selten. Also zog ich mich zurück und wurde zur Einzelgängerin.

In dieser Zeit entwickelte ich eine besondere Feinfühligkeit, und ich spürte schnell, wenn sich Ärger anbahnte oder Gefahr drohte. Ich baute mir einen inneren Schutzmantel, um mit der Welt irgendwie klarzukommen. Aber genau das liess mich noch sensibler werden. Und das war nicht immer leicht. Ich spürte, dass etwas vor sich ging, aber ich konnte es nicht erklären. Das ist bis heute so. Es gibt Tage, an denen ich mich einfach unwohl fühle - nervös, kribbelig, ohne einen plausiblen Grund. Ein Gefühl der Hilflosigkeit breitet sich aus, die erst dann nachlässt, wenn ich endlich begreife, worum es wirklich geht.

Zwischen Leben und Tod

Es war ein ganz gewöhnlicher Schultag. Wie jeden Morgen gingen meine Klassenkameraden und ich vor dem Unterricht zur Kirche. Während die anderen Kinder den Gebeten lauschten, sprach ich heimlich mit einer Engelsstatue: „Ich werde dich so lange ansehen, bis du mir ein Zeichen gibst.“

Ein kindlicher Wunsch. Naiv. Spielerisch. Doch was dann geschah, hätte ich niemals erwartet. Plötzlich riss mich eine unsichtbare Kraft aus der Realität. Es geschah etwas Unerklärliches: Ich sah mich selbst von oben. Mein Körper lag regungslos zwischen den Kirchenbänken. Ich spürte nichts. Ich war einfach da, befreit von jeder Angst und ohne Schmerzen.

Ich sah nach unten. Dort standen meine Mutter und eine Nonne. Sie wirkten verzweifelt. Ich spürte, was in ihnen vorging, aber es berührte mich nicht mehr. Ich war in einer anderen Welt angekommen. An einem Ort, von dem eine unendliche Ruhe und Stille ausging. Und da sah ich es: ein Licht. So etwas Wunderschönes hatte ich noch nie gesehen. Es war riesengross und doch blendete es nicht. Es umhüllte mich mit einem Gefühl von Frieden und Geborgenheit. Ich wurde regelrecht in seinen Bann gezogen.

So etwas Schönes kann man eigentlich gar nicht beschreiben. Wenn das der Vorhimmel war, wie unvorstellbar schön musste es dann hinter diesem Licht sein?

Ich spürte meinen Körper nicht mehr, aber stattdessen fühlte ich eine nie zuvor gekannte innere Sicherheit, eine Geborgenheit, wie ich sie noch nie erlebt hatte. War ich in diesem Moment noch fähig zu denken? Ich weiss es nicht.

Aber ich fühlte, dass ich eigentlich noch zu jung war, um zu sterben. Ich hätte gerne noch ein wenig gelebt, denn ich war ja erst acht Jahre alt. Und in genau diesem Moment spürte ich wieder diese mächtige Kraft. Sie zog mich zurück, zurück in meinen kleinen Körper, der immer noch zwischen den Kirchenbänken lag. Ich war wieder da; keine Schmerzen, nur unzählige Fragen, die in meinem Kopf wirbelten wie ein Sturm.

Meine drei berühmten W-W-W:

Wie war das?

Weshalb ich?

Warum jetzt?

Ich suchte Trost bei meiner Mutter. Ich wollte ihr alles erzählen, was ich erlebt hatte, vom Licht und diesem unbeschreiblichen Gefühl von Frieden. Ich wollte gehört werden.

Doch anstatt Verständnis zu finden, hörte sie mir nicht einmal richtig zu. Sie war damit beschäftigt, Tee aufzugiessen. Ihre Antwort klingt bis heute in meinen Ohren:

„Das war nur ein Traum. Erzähl niemandem davon, sonst halten dich die Leute für verrückt.“

Dann drückte sie mir die dampfende Tasse in die Hand und schickte mich wieder zur Schule, so, als wäre nichts geschehen, als hätte ich nicht gerade den Tod gesehen. Sie zeigte sich gegenüber meiner Situation gleichgültig. Es entstand der erste Riss in meinem Vertrauen, und in diesem Moment wurde etwas in mir gesät. Etwas, das ich nicht benennen konnte. Aber es liess mich nicht mehr los. Und mit der Zeit wurde daraus eine Unsicherheit, die immer grösser wurde.

Meine Verunsicherung liess mich glauben, dass meine Gefühle und Gedanken falsch waren, dass ich nicht so sein sollte, wie ich bin, dass ein Mensch überhaupt nicht so fühlen sollte. Und so begann mein innerer Wettlauf.

Ich wollte so sein, wie alle mich haben wollten. Also begann ich mich anzupassen, tat, was von mir erwartet wurde, und dachte so, wie andere es von mir erwarteten, nur damit ich akzeptiert würde.

Ich suchte in Beziehungen, im beruflichen Erfolg, in der Anerkennung anderer nach dem, was mir so fehlte, dem Gefühl, geliebt und verstanden zu sein.

Doch eine Frage begleitete mich über all die Jahre:

Was hätte ich tun sollen?

Meine Eltern liebten mich sicherlich auf ihre Weise, doch sie kamen mit meinem Wesen nicht zurecht. Ich war anders. Als Krebs-Geborene war ich sehr sensibel, tiefgründig, launisch, manchmal sogar aggressiv – doch gleichzeitig voller Liebe und Leidenschaft. In mir war ein Feuer aus Emotionen, das nach Ausdruck suchte. Meine Eltern hingegen waren bodenständig und sehr religiös. Gefühle zeigte man nicht. Für sie war ich oft einfach nur «ein schwieriges Kind».

Sie waren überfordert, dass ich die Welt intensiver und anders sah als sie. Und so entwickelte sich in mir ein Gefühl der Unsicherheit, die quälende Angst, niemals richtig zu sein, niemals gut genug zu sein.

Was bleibt,

ist ein Moment des Alleinseins,

der Wunsch nach ein wenig Verständnis.

Schulzeit und Berufswahl

Im Schulunterricht war ich immer aufmerksam, fleissig und zielstrebig. Wenigstens hier wollte ich Anerkennung bekommen. Ich wollte die Beste sein und war jedes Mal tief enttäuscht, wenn ich es nicht schaffte.

In der Schule hatte ich die gleichen Sorgen wie viele andere Kinder auch. Doch zu Hause war alles anders.

Meine beiden Brüder hatten ganz andere Interessen als ich. Ich war das Mädchen, das immer irgendwie allein war. Zwar hatte ich ein paar Schulkameradinnen, doch auch damals wurde ich oft enttäuscht. Bemerkungen über mich von Lehrpersonen oder Mitschülerinnen trafen mich tief. Manche ihrer Worte begleiten mich bis heute noch. Trotzdem überstand ich die Schulzeit ohne grössere Zwischenfälle.

Und dann kam die Berufswahl. Ich hatte keine Ahnung, was ich werden wollte geschweige denn, welche Berufe es überhaupt gab. Wenn ich doch einmal eine Idee äusserte, kam sofort ein Kontra, noch bevor ich meinen Satz zu Ende sprechen konnte:

Dafür bist du nicht geeignet.

Dafür musst du mehr lesen.

Du hast gar keine Interessen.

Du bist nicht gescheit genug.

Auch hier keine Hilfe. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto grösser wurde das Chaos in meinem Kopf. Am Ende musste ich gar nichts mehr entscheiden.

Eines Tages beim Abendessen sagte mein Vater nur:

„Du kannst nicht ewig zu Hause bleiben und nichts tun. Nächsten Montag fängst du die Lehre in der Drogerie an. Ich habe schon alles geregelt.“

Keine Frage. Kein „Was denkst du? “ Kein „Wärst du interessiert? “ Es war ein Befehl, eine Tatsache, und daran gab es nichts zu rütteln. Ich hatte zu folgen.

Am ersten Tag brachte mich mein Vater noch zur Arbeit. Danach fuhr ich jeden Tag alleine mit dem Zug. Zum Glück wusste ich damals nicht, was mir in den nächsten Jahren bevorstand. Weder die Berufsschule noch die Arbeit machten mir Freude. Ich ging jeden Tag hin, aber glücklich war ich dabei nie. Gleichzeitig wusste ich aber auch, dass ich keine andere Wahl hatte. Ich musste gehorchen.

Zwei Jahre lang kämpfte ich mich durch. Jeden Morgen ging ich weinend zur Arbeit. Schliesslich nahm ich all meinen Mut zusammen und sprach mit meinen Eltern. Was ich nie für möglich gehalten hätte, geschah: Ich durfte die Lehre abbrechen. Aber nicht ohne Ersatz. Mein Vater hatte bereits einen neuen Plan. Doch dieser riss mich aus meiner vertrauten Umgebung. Ich musste nach Zürich gehen, um den Beruf der Friseurin zu erlernen, nicht mein Traumjob, aber besser als die Drogerie. Aus Angst, wieder etwas Falsches zu tun oder zu sagen, begann ich, meine Gefühle in mich hineinzufressen. Ich lernte, meine Tränen und Sorgen zu verstecken.

Nach und nach wurde mir klar: Ich muss meine Probleme alleine lösen. Das machte mich stark, aber auch unendlich einsam. Ich wurde früh selbstständig, weil ich keine andere Wahl hatte. Aber die Wunden tief in meiner Seele heilten nicht. Und dann geriet ich in eine Spirale. Die Angst, Fehler zu machen, liess mich innerlich immer stiller werden.

Je stiller ich wurde, desto einsamer fühlte ich mich. Und je einsamer ich mich fühlte, desto grösser wurde die Angst.

Die Macht der Unsicherheit hatte gesiegt.

Sehnsucht nach Liebe

Die Angst, nicht geliebt zu werden, dieses Gefühl nahm ich mit auf die grosse Reise meines Lebens. Und je älter ich wurde, desto mehr wurde dieses Muster ein Teil von mir. In mir wuchs ein tiefer Wunsch nach Liebe und Geborgenheit. Die Suche danach wurde immer intensiver. Ich klammerte mich an alles, was auch nur den Anschein hatte, da könntest du vielleicht ein wenig Zuspruch bekommen.

Dafür hätte ich fast alles getan. Nur ein bisschen Anerkennung, ein einziges Mal ein: „Super, das hast du gut gemacht!“ Das wäre so schön gewesen. Aber solche Worte kamen von nirgends her. Überall wurde nur gefordert, und es schien, als wolle man mich gar nicht sehen oder hören. Ich hatte immer öfter das Gefühl, dass es nur noch Kritik hagelte. Und ich bemerkte, wie mein Denken und Fühlen sich mehr und mehr in eine ungute Richtung bewegten. Ich dachte:

Warum soll ich mich überhaupt noch anstrengen? Ich kann es ja sowieso niemandem recht machen.

Mir war damals nicht klar, dass ich mit einem solchen Denken genau das anzog, wovor ich mich innerlich so sehr fürchtete. Und damit besiegelte ich selbst mein eigenes Scheitern. Ich entfernte mich immer weiter von dem, was meine Seele sich so sehr wünschte:

Liebe und Geborgenheit.

Stattdessen wurde Angst zu meiner ständigen Begleiterin. Eine, die alles in sich aufsog, was mit Unzufriedenheit zu tun hatte. Ich war mitten in einer Abwärtsspirale. Ich spürte, wenn sich nichts veränderte, würde es ewig so weitergehen. Doch um etwas zu verändern, braucht es Mut. Und den hatte ich damals nicht.

Ich habe nicht gesehen, dass ich mir selbst im Weg stand. Ich glaubte, die Hilfe, die ich so dringend brauchte, müsse von aussen kommen. Aber das war ein Irrtum. Es interessierte niemanden, wie es mir ging. Jeder war mit sich selbst beschäftigt und für ein trauriges, unzufriedenes Wesen blieb da kein Platz.

Also begann ich, die Menschen um mich herum zu beobachten. Was machen sie anders als ich? Aber ich fand keine Antwort. Nur eines fiel mir auf: Kaum jemand stand so ganz alleine da wie ich. Dann kam ein Gedanke, ein kleiner Funken Hoffnung: Wenn du dich beliebt machst und anderen Freude schenkst, wirst du bestimmt auch geliebt. Dann bist du nicht mehr allein.

Ich gab mir Mühe, jeden Wunsch in den Augen der anderen zu sehen und tat alles, um ihn zu erfüllen. Ich passte mich den Menschen an wie ein Chamäleon seiner Umgebung. Das hatte zur Folge, dass sie nur mit mir zusammen waren, weil sie von mir profitieren konnten. Diese Erkenntnis liess den kleinen Funken Hoffnung, der in mir glühte, augenblicklich erlöschen. Und für einen kurzen Moment verlor ich mich. Um mich herum war nur noch Dunkelheit.

Was sollte ich jetzt tun? Zumindest hatte ich erkannt, dass ich mich auf niemanden verlassen konnte. Wenn sich etwas ändern sollte, musste ich es selbst schaffen.

Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

Liebe bekommt man nicht,

nur weil man geliebt werden will.

Liebe entsteht dort, wo man so sein darf,

wie man ist.

Zeichen des Glücks