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Kennen Sie das? Sie wollen Ihren Apfelbaum schneiden, wissen aber nicht wie? Dieses handliche Buch vermittelt Ihnen die Grundlagen für den richtigen Obstbaumschnitt und erläutert für jede Gehölzform das passende Vorgehen. Aussagekräftige Zeichnungen helfen Bild für Bild, die einzelnen Schritte beim Schnitt von Obstbäumen und Beerensträuchern besser zu verstehen und erfolgreich umzusetzen. Beurteilen Sie bereits vor dem Schnitt, wie die Pflanze auf bestimmte Eingriffe reagieren wird und sorgen Sie mit gezieltem Schnitt Ihres Apfel-, Kirsch- oder Birnbaumes für gesundes Wachstum und eine leckere Ernte. Neu: Nützliche Hinweise für robuste Obstbäume trotz Klimastress.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Rolf Heinzelmann Manfred Nuber
1×1 DES
OBSTBAUM-SCHNITTS
Robuste Bäume trotz Klimastress
Vorwort
Welches Obstgehölz passt in Ihren Garten?
Standort- und Pflanzenauswahl
Unterlagen
Pflanzung
Standortüberlegungen
Robuste Bäume trotz Klimastress>
Boden & Düngung
Optimierte Pflanzung
Jungbaumpflege
Auswahl von Arten und Sorten
Künftige Unterlagen
Schnittmaßnahmen
Krankheiten und Schädlinge
Wachstumsgesetze
Spitzenförderung
Oberseitenförderung
Scheitelpunktförderung
Basisförderung
Verhältnis zwischen Krone und Wurzel
Schnittgesetze
Warum Obstbäume schneiden?
Schnittwerkzeuge
Scheren
Sägen
Messer
Schnitttechniken
Wundbehandlung
Wunden vermeiden
Lieber kleinere Wunden als größere
Stammwunden vermeiden
Richtige Schnittführung
Wundränder säubern
Versorgung großflächiger Wunden
Schnittzeitpunkt
Pflegemaßnahmen im belaubten Zustand
Schnitt im unbelaubten Zustand
Baumformen
Pyramidenform
Pflanzschnitt
Erziehungsschnitt
Erhaltungsschnitt
Erneuerungsschnitt
Spindelerziehung
Pflanzschnitt
Erziehungsschnitt
Erhaltungsschnitt
Spaliererziehung
Pflanzschnitt
Erziehungsschnitt
Erhaltungsschnitt
Apfelbäume mit Säulenwuchs
Schnitt
Schnittbesonderheiten bei Sauerkirsche und Pfirsich
Sauerkirsche
Pflanzschnitt
Erziehungsschnitt
Erhaltungsschnitt
Peitschentriebe
Pfirsich
Pflanzschnitt
Erziehungsschnitt
Erhaltungsschnitt
Beerenobstschnitt
Dreiasthecke bei Johannis- und Stachelbeeren
Pflanzschnitt
Erhaltungsschnitt
Straucherziehung bei Johannisbeeren
Pflanzschnitt
Erhaltungsschnitt
Hochstammerziehung bei Stachelbeeren
Pflanzschnitt
Erhaltungsschnitt
Himbeeren
Schnitt bei Sommerhimbeeren
Schnitt bei Herbsthimbeeren
Brombeeren
Tafeltrauben und Kiwi
Schnitt von Tafeltrauben
Schnitt von Kiwi
Service
Typische Fehler
Zum Weiterlesen und -klicken
Literaturempfehlungen
Empfehlenswerte Links
Fachbegriffe
Impressum
Kennen Sie das? Sie stehen mal wieder vor Ihrem Obstgehölz und fragen sich, welcher Ast nun abgeschnitten werden sollte und welcher verbleiben darf?
In diesem Buch werden wir die grundlegenden Fragen zum Obstgehölzschnitt aufzeigen und beantworten. Der erfolgreiche Obstanbau im eigenen Garten funktioniert dann am besten, wenn Sie auf das richtige Fachwissen zurückgreifen können. Gute Kenntnisse über Wachstum und Entwicklung, Standortansprüche, die Pflege Ihres Obstgehölzes sowie zu Ertragsbildung und Fruchtqualität sind dazu notwendig.
Das Wichtigste ist dabei, dass Sie bereits vor dem Schnitt beurteilen können, wie der Baum auf bestimmte Eingriffe reagieren wird. Nur so können Sie Schnittmaßnahmen ganz gezielt durchführen. Das vorliegende Taschenbuch vermittelt dafür die Grundlagen und will durch viele, aussagekräftige Abbildungen eine Hilfe sein, Schnitteingriffe besser zu verstehen und in der Praxis erfolgreich umzusetzen.
Leider können wir Ihnen keine generell anwendbaren „Rezepte“ liefern, denn jedes Gehölz ist ein Individuum. Bei jedem Schnitteingriff, den Sie an Ihrem Baum durchführen wollen, sollten Sie versuchen, die Folgen Ihres Eingriffes im Voraus zu durchdenken und von Fall zu Fall entscheiden. Dabei bieten die bei allen Obstgehölzen gleichermaßen geltenden Wachstumsgesetze die notwendige Orientierung.
In diesem Buch haben wir den Aufbau von Pyramidenkrone, Spindel und Obstspalier beschrieben. Diese Kronenformen kommen bei Apfel, Birne, Zwetschge, Kirsche oder Quitte zur Anwendung. Die besonderen Schnittmaßnahmen bei Sauerkirsche, Pfirsich, Strauchbeerenobst, Kiwi und Tafeltrauben haben wir ebenfalls in diesem Buch für Sie zusammengestellt. Besonders herausstellen möchten wir die Erziehung von Johannis- und Stachelbeeren zu einer Dreiasthecke am Drahtgerüst. Diese Erziehung des Beerenobstes ist besonders in kleineren Gärten oder für ältere Hobbyobstanbauer sinnvoll, denn die meisten Arbeiten können im Stehen und ohne Bücken absolviert werden.
Viel Erfolg wünschen Rolf Heinzelmann und Manfred Nuber
Überlegen Sie vorab, wie viel Platz Sie Ihrem Strauch oder Baum im Garten zur Verfügung stellen können. Je nach Wuchsstärke des Gehölzes ergibt sich der benötigte Platzbedarf. Bedenken Sie dabei auch den notwendigen Grenzabstand, der durch das Nachbarrecht für jedes Bundesland geregelt wird.
Für eine erfolgreiche Obsternte muss Ihr Baum von allen Seiten gut belichtet werden. Das mindert auch das Auftreten von Krankheiten und Schädlingen, denn rasch abtrocknende Blätter haben weniger Pilzbefall. Wenn der zur Verfügung stehende Raum begrenzt ist, sollten Sie Bäume auf schwachen Unterlagen pflanzen (siehe Seite 6) und die schmale Spindelerziehung (siehe Seite 50) wählen. Bei großen Gärten und auf der Obstwiese sind stark wachsende Wurzelunterlagen mit breiteren Pyramidenkronen sinnvoller (siehe Seite 33). Bereits durch die Pflanzung einer bestimmten Wurzel- und Sortenkombination und den Pflanzschnitt legen Sie dauerhaft die spätere Größe und Form des Gehölzes fest.
Baum oder Strauch sollen von guter Qualität sein. In anerkannten Baumschulen erhalten Sie sortenechte und gesunde Pflanzen. Achten Sie darauf, dass die Baumschule, aus der die Jungbäume bezogen werden, in einer ähnlichen Klimaregion wie Ihr Garten mit vergleichbaren Bodenverhältnissen liegt. Dann ist ein optimales Anwachsen Ihrer Pflanze im Garten gewährleistet.
Die Jungpflanzen sollten schon geeignete Ansätze für das von Ihnen angestrebte Erziehungssystem zeigen. Bei Spindeln etwa sollten einjährige Veredelungen mit zahlreichen, flach abgehenden Verzweigungen bevorzugt werden. Bei sogenannter wurzelnackter Ware ist auf einen hohen Feinwurzelanteil zu achten.
Entscheidend ist die Wahl der richtigen Sorte mit möglichst geringer Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen sowie regelmäßiger und schmackhafter Ernte.
Lehr- und Versuchsanstalten, obstbauliche Fachverbände und Beratungsstellen für Obst- und Gartenbau geben Ihnen Auskunft über empfehlenswerte und standortgerechte Obstsorten (siehe Seite 91).
Überlegungen zu Platz- sowie Standortverhältnissen und Erntewünsche ergeben die passende Erziehungsform bzw. Obstart für Ihren Garten.
Die meisten Obstarten sind bei einer Vermehrung über Samen (generative Vermehrung) nicht sortenecht. Demzufolge ist eine vegetative Vermehrung (über Pflanzenteile) notwendig. Dies geschieht durch Veredelung auf geeignete Unterlagen. Wichtig ist der unterschiedliche Einfluss, den die Unterlage auf den jeweils veredelten Pfropfpartner ausübt. Wuchsstärke, aber auch Reifeverlauf und Fruchtqualität werden beeinflusst. Die ungefähre Baumgröße kann durch die Unterlagenwahl mitbestimmt werden. Durch jahrzehntelange Züchtung und Auslese wurden viele verschiedene Unterlagen gefunden, die enormen Einfluss auf das Wachstum und die zu erwartende Endgröße des Baumes haben. So kommt für stark wachsende Unterlagen die Pyramidenkrone in Frage, während die Spindel überwiegend auf einer schwachen Unterlage steht.
Die sogenannten Sämlingsunterlagen werden aus Saatgut gezogen. Ihr Vorteil liegt in einer reichlich verzweigten Wurzel und damit einer guten Standfestigkeit. Zudem sind sie, was den Standort betrifft, anspruchslos. Charakteristisch ist der starke Wuchs, wodurch ein großer Baum entsteht, aber leider auch der Ertragsbeginn verzögert wird. Sämlingsunterlagen finden aufgrund ihrer Wuchsstärke bei Hoch- und Halbstammbäumen in Obstwiesen und großen Gärten Verwendung.
Alle schwach wachsenden Unterlagen werden vegetativ vermehrt. Triebe der Mutterpflanzen werden durch Anhäufeln bewurzelt und als Abrisslinge weiter vermehrt. Die Jungpflanzen haben exakt die gleichen Eigenschaften wie die Mutterpflanze. Schwach wachsende Unterlagen bewirken ein deutlich reduziertes Kronenwachstum. Sie haben eine geringere Wurzelverzweigung, was eine geringere Standfestigkeit zur Folge hat. Sie benötigen über die ganze Lebenszeit einen Stützpfahl. Sie sind anspruchsvoller an den Standort und häufig frostempfindlicher.
Johannis- und Stachelbeeren wachsen normalerweise auf eigener Wurzel. Aufgrund des Zierwertes und der leichteren Ernte werden aber auch Hochstämmchen herangezogen, für die stammbildende Unterlagen (z.B. Goldjohannisbeere oder Josta) erforderlich sind.
Unterlagen, wie hier am Beispiel Apfel, beeinflussen die Obstgehölze in ihrer Wuchsstärke und Standfestigkeit, haben aber auch Einfluss auf Reifezeit, Fruchtqualität und Frosthärte.Schwachwachsende Unterlage für Kirschen ist Gisela 5, bei Birnen werden Quittenunterlagen (z.B. BA 29) verwendet.
Wavit oder Waxwa sind gängige Zwetschgenunterlagen.
Achten Sie beim Pflanzen darauf, dass die Veredelungsstelle über dem Boden bleibt. Sie sollte etwa eine Handbreit, also etwa 10 cm, über der späteren Erdoberfläche liegen. Verschwindet die Veredelungsstelle im Boden, können sich „sorteneigene Wurzeln“ bilden, welche ein unkontrolliertes Wachstum des Baumes verursachen. Diese Wurzeln sind immer stark wachsend und würden das Wuchsverhalten etwa einer schwachen Unterlage überlagern.
Bei der Pflanzung soll das Wurzelvolumen dem Kronenvolumen eines Baumes entsprechen und die Veredlungsstelle darf nicht im Boden verschwinden.
Für ein sicheres Anwachsen der Obstbäume gilt die Regel: Wurzelvolumen entspricht dem Kronenvolumen. Beide müssen sich in der Ausdehnung einigermaßen entsprechen, um ein ausgewogenes Wachstum zu gewährleisten. Aus diesem Grund ist es notwendig, nach der Pflanzung die Krone zu reduzieren und dem geringeren Wurzelvolumen der Pflanze anzupassen.
Bei Wühlmausproblemen ist es ratsam, in das Pflanzloch einen Drahtkorb zu legen. Er muss nach dem Pflanzen oben dicht an den Stamm angelegt werden und mit dem Verbissschutz überlappen, um ein Eindringen der Mäuse von oben zu verhindern. Achten Sie darauf, dass der Drahtkorb groß genug ist, damit die Wurzeln ihn nicht zu schnell durchwachsen.
Durch die globale Erderwärmung werden in den letzten Jahren die Wintermonate und die erste Frühlingshälfte immer wärmer und trockener. Außerdem haben Trockenperioden im Frühsommer an Häufigkeit und Intensität zugenommen. Der Grundwasserspiegel sinkt weiter ab.
Austrieb und Obstblüte erscheinen oft deutlich früher im Jahr, was die Gefahr durch Spätfrostschäden erhöht. Wassermangel im Frühjahr und Sommer führt immer öfter dazu, dass das Wachstum vorzeitig stockt. Die Intensität der Sonneneinstrahlung während Hitzeperioden steigt kontinuierlich und südexponierte Lagen mit hoher Strahlungsintensität bedeuten Stress für viele Pflanzen.
Wenn der lang ersehnte Regen endlich kommt, dann häufig in sintflutartigen Mengen. Der Wechsel aus Bodentrockenheit und Starkregen stresst nicht nur die Pflanzen, sondern durch das Abschwemmen der Humusauflage und Verschlämmung auch die Bodenstruktur, die einen wichtigen Standortfaktor darstellt. Noch schlimmer sind häufigere Hagelereignisse, die auf einen Schlag die Assimilationsfläche der Blätter reduzieren und insbesondere an Jungbäumen schwerwiegende Trieb- und Stammverletzungen verursachen. Diese sind Eintrittspforten für verschiedene Krankheiten. Wie kann man diesen Herausforderungen bestmöglich begegnen?
Südhänge sind für viele Obstarten zunehmend ungeeignet. Bereits um 1900 hat man für Obstbäume auch leicht geneigte Nordhänge ausgewählt, da „bessere“ Lagen dem Acker- und Weinbau vorbehalten waren. Wenn man die Baumabstände etwas großzügiger wählt und genügend Abstand zu Waldsäumen einhält, sind solche Lagen überlegenswert. Obstarten wie Walnuss oder Esskastanie, die mit der Sonneneinstrahlung besser klarkommen, können in die Obstwiese als Schattenspender eingestreut werden. Auch nicht zu sehr windexponierte, östliche Hanglagen sind möglich. Als Windschutz sind Feldhecken aus heimischen Gehölzen denkbar. Sie beeinflussen das Mikroklima positiv und schützen vor zusätzlicher Austrocknung. Berücksichtigen Sie bei der Standortsuche jedoch, dass Hecken die Kaltluft am Abfließen hindern können. Bereits in historischer Obstbaufachliteratur wird das Thema Frostlagen ausführlich behandelt. Senken, in denen die talwärts strömende kalte Luft nicht abfließen kann, sondern Kaltluftseen bildet, sind unbedingt zu vermeiden.
Gute, tiefgründige Böden sorgen für vitalere Bäume, die mit Stress besser umgehen können, bei schlechteren Böden ist Humusaufbau eine wichtige Maßnahme. Bei Neuanlagen empfiehlt sich eine vorausgehende Gründüngung z.B. mit Phacelia und Ölrettich. Typische Magerstandorte mit sehr geringer Humusauflage sind weniger geeignet.
Fruchtbare Böden speichern nicht nur besser Nährstoffe, sondern besitzen auch eine höhere Wasserspeicherkapazität, was immer wichtiger wird. Eine gute Nährstoffversorgung und damit eine bessere Vitalität der Bäume, sorgt für eine höhere Resistenz gegenüber Schädlingen, Krankheiten und Witterungsextremen. Eine optische Beurteilung Ihrer Gehölze (Blattfarbe, Triebzuwachs, etc.) und regelmäßige Bodenuntersuchungen sind sinnvoll, um nötigenfalls rechtzeitig und gezielt Maßnahmen zu ergreifen.
Gelegentliches Mulchen des zweiten Grünlands-Schnittes statt dem Abtransport des Grünguts bei der klassischen Mahd, kann den Boden vor zusätzlicher Austrocknung schützen und besonders an kargen Standorten zum Humusaufbau beitragen. Auch das Thema Düngung in Streuobstwiesen ist kein Tabu mehr. Insbesondere bei der klassischen Mahd ist eine maßvolle Düngung im Bereich der Baumkrone sinnvoll. Zur Orientierung dient die Bodenprobe, denn eine Überdüngung ist aber unbedingt zu vermeiden.
Pflanzen Sie junge Bäume wurzelnackt, denn sie sind besser in der Lage eine starke Pfahlwurzel auszubilden. In der Baumschule mehrmals verpflanzte, ältere oder in Töpfen gezogene Bäume tun sich damit schwerer. Wenn Sie im Herbst oder Frühwinter pflanzen, können die Bäume anwachsen, bevor es im kommenden Jahr heiß und trocken wird.
Bei Neupflanzungen sollten Sie auf die Wasserversorgung des Jungbaumes achten. Insbesondere am Hang hilft talseitig ein Gießrand, der nicht nur beim Wässern der Bäume, sondern auch bei Starkregen einen größeren Teil des Wassers am Abfließen hindert und zur Versickerung vor Ort zurückhält. Damit keine Konkurrenz ums Wasser entsteht, sollten Sie die Baumscheiben über mehrere Jahre durch Hacken oder Mulchen unbedingt frei von Bewuchs halten.
Starkregen fließt oberflächlich schnell ab, nur geringe Durchfeuchtung des Wurzelraumes.Waagerechte Baumscheibe hemmt den Abfluss und fördert die Versickerung.