6 Punkte zum Glück? - Elfi Loth - E-Book

6 Punkte zum Glück? E-Book

Elfi Loth

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Beschreibung

Ina, 24 Jahre, Fleischereifachverkäuferin mit wenig Selbstbewußtsein und faulen Freund, möchte ihr Leben und ihre Einstellung zu sich selbst ändern. Sie erstellt eine "Liste zum neuen Ich", welche sie mit ihrer Schwester Moni, Punkt für Punkt abarbeiten will. Dabei geht nicht immer alles mit rechten Dingen zu. Ina erlebt einige Sachen, mit denen sie nicht gerechnet hätte. Wird sie glücklich werden? Und wenn ja, mit wem?

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Seitenzahl: 262

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Elfi Loth

6 Punkte zum Glück?

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

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Danke,

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Impressum neobooks

Vorwort

Glücklich wird nur wer vergisst, was nun mal nicht zu ändern ist.

1

An einem herrlichen Sommertag saß ich auf dem Balkon meiner kleinen Zweiraumwohnung und schaute den vorbeiziehenden Schäfchenwolken hinterher. Vor dem Haus hatte jemand den Rasen gemäht. Der Duft nach frisch geschnittenem Gras lag in der Luft. Es war Mittagszeit und die Stille ringsumher verbreitete eine angenehme Ruhe.

Endlich Wochenende. Endlich einfach mal ausschlafen und faul herumsitzen ohne Peter die liegen gelassenen Sachen hinterher räumen zu müssen. Endlich mal die Seele baumeln lassen.

Nach solchen friedlichen Momenten sehnte ich mich schon seit Wochen.

Als ob die Arbeit in der Fleischerei nicht schon anstrengend genug wäre, hatte ich in letzter Zeit immer öfter Ärger mit Peter. Seit vier Jahren sind Peter und ich ein Paar. Je länger die Beziehung andauerte, umso mehr veränderte er sich. Aus dem einst einfühlsamen schlanken, attraktiven Studenten mit den langen, dunklen Haaren wurde ein langweiliger Stubenhocker. Von Körperpflege hielt er im Moment nicht viel. Er roch nicht nur wie tagelang nicht gewaschen, er war es auch. Es schien ihm zu gefallen sich von mir „durchfüttern“ zu lassen. Zum Studieren hatte er keine Lust mehr. „Kreative Schaffenspause“, nannte er es immer, wenn ich mich mal wieder beschwerte, dass mit ihm nichts mehr anzufangen sei. Von früh bis spät lag er auf dem Sofa, auf meinem Sofa, schaute Fernsehen und trank Bier. Er ließ sich total gehen. Ich erkannte ihn nicht wieder. Fettige Haare, Schweißgeruch, Bauch- ja sogar Brustansatz konnte er sein Eigen nennen.

Wenn ich, nach einem anstrengenden Tag, von der Arbeit nach Hause kam und der gnädige Herr wollte dann auch noch bedient werden, platzte mir immer öfter der Kragen. Glaubte eigentlich jeder, man könne mich herumschubsen, wie es ihm gefällt?

Aber ich kannte es ja nicht anders. Das war schon in der Schule so. Britta passte mich jeden Morgen auf dem Schulweg ab, damit ich ihr die Schultasche bis an ihren Tisch trage, und in der Fleischerei war es dasselbe.

Die Arbeit als Verkäuferin gefiel mir, aber wenn der Chef schlechte Laune hatte, konnte es vorkommen, dass man jede Trottelarbeit machen musste, die ihm gerade einfiel. Ich musste schon in seiner Wohnung, die im gleichen Haus wie das Geschäft ist, staubsaugen! Dabei bezahlte er eine Putzfrau. Das war die reinste Schikane. Ich machte es trotzdem, ich brauchte den Job. Arbeitslose gab es genug und ich wollte nicht dazugehören.

Warum ließ ich mir nur immer alles gefallen? Erstens: weil ich kein Selbstbewusstsein hatte, zweitens: wollte ich es jedem Recht machen, es sollte ja keiner böse auf mich sein und drittens: war ich harmoniesüchtig. Ich hasste mich dafür, dass ich mich nicht wehrte. Doch damit war jetzt Schluss!

Ich hatte beschlossen, ein ganz neuer Mensch zu werden. Einer, der sich nichts mehr gefallen lässt und dem die Meinung der Anderen egal sein kann. Auf meinem Laptop befand sich eine von mir erstellte Liste mit dem Titel „Auf dem Weg zu meinem neuen Ich“. Da hatte ich Punkt für Punkt aufgeschrieben, wie ich mein Ziel erreichen wollte.

Punkt eins:

Selbstbewusstsein! Jeden Tag genau in den Spiegel sehen und mir sagen, dass ich doch nicht so hässlich bin, wie mir von Kindheit auf eingetrichtert wurde. Ganzkörperanalyse nackt. Neue Klamotten kaufen (etwas Flippiges). Frisör.

Punkt zwei:

Von unnötigem Ballast befreien, der einem nur die Zeit stiehlt.

Punkt drei:

Mit neuem Selbstbewusstsein und meiner Schwester Moni ausgehen, um meinen Marktwert zu testen.

Punkt vier:

Männer abchecken.

Irgendwo musste doch ein meinen Vorstellungen entsprechendes männliches Exemplar zu finden sein.

Punkt fünf:

Erfahrungen sammeln. Dringend nötig! Ich wollte ja nicht am Ende meines Lebens vor der Himmelstüre stehen und zugeben müssen, nur zwei Männer im Leben gehabt zu haben.

Punkt sechs:

Mit dem richtigen Mann und dem bis dahin, hoffentlich vorhandenen Selbstwertgefühl glücklich sein.

Gott sei Dank musste ich mir nicht auch noch wegen meiner Figur Gedanken machen. Ich bin 164cm groß und wiege nur 52kg. Das einzig Positive an meinem Körper.

2

Unmittelbar danach fing ich mit meiner „Verwandlung“ an.

Punkt eins meiner Liste wollte ich so schnell und so gut wie möglich positiv abschließen.

Beim Frisör wartete ich trotz Termin noch eine Stunde, bevor man sich meiner annahm. Haare waschen, die Kopfmassage war so entspannend, das ich fast eingeschlafen wäre und das Shampoo roch himmlisch. Dann die Frage der Friseuse

„Was haben Sie sich denn vorgestellt?“

Oh je, darüber hatte ich mir leider keine genauen Gedanken gemacht. Ich wollte nur hübscher wieder raus gehen, auf jeden Fall anders, als ich hereingekommen war.

„Ich möchte eine Typveränderung. Von klein und nichts sagend zu groß und attraktiv. Ich wünsche mir den Wow- Effekt, wenn ich nachher in den Spiegel schaue“, versuchte ich zu erklären.

„Aha, ein Umstyling sozusagen.“, die Frisörin schaute mich an und nickte verständnisvoll.

„Ja so ungefähr. Überraschen Sie mich.“ Ich schielte auf ihr Namensschildchen, Anita.

Daraufhin hing die nette Anita den Spiegel zu und meinte mit einem Augenzwinkern in meine Richtung „Größer kann ich Sie leider nicht machen, wir zaubern hier nur mit den Haaren oder mit Make-up, aber ich tu mein Bestes. Lassen Sie sich überraschen.“

Na, das war doch mal eine Ansage. Ich machte es mir auf dem Stuhl bequem und sah ein paar Zentimeter meiner langen, blondierten, dünnen Fusselhaare zu Boden fallen.

Hoffentlich weiß sie was sie tut, und hoffentlich sehe ich nachher nicht wie eine Vogelscheuche aus. Naja, es kann nicht schlimmer werden, als es vorher war, versuchte ich mich zu beruhigen. Überraschen lassen, wenn es um die eigene Frisur geht, war wirklich nicht so einfach. Hätte ich mir doch nur Gedanken gemacht.

Ich versuchte ihre Arbeitsschritte zu verfolgen, was ohne einen Blick in den Spiegel werfen zu können, nicht einfach war. Schade, dass ich hinten keine Augen habe. Dabei verfüge ich über ein größeres Blickfeld als „normale“ Menschen. Ich kam mit einem Augenfehler zur Welt. Auch nach zwei Operationen sieht man ihn noch. Wenigstens schielte ich nicht mehr so schlimm, wie in meiner Kindheit, aber ich hatte immer noch einen „Silberblick“. Schon sehr früh musste ich feststellen, dass meine Mutter mir all ihre schlechten Eigenschaften vererbt hatte. Augenfehler, blasse Hautfarbe, Hexennase und die dünnen, kraftlosen „blonden“ Haare. Früher waren die mal richtig blond, aber das Altern sah man leider auch meinen Haaren an. Sie wechselten ihre Farbe von weizenblond zu straßenköterblond, sodass ich sie mir immer färben musste. Wer wollte schon die gleiche Haarfarbe wie das Fell von Nachbars Struppi. Ich jedenfalls nicht!

Meine Schwester Moni hatte da mehr Glück, viel mehr Glück. Sie hatte, vier Jahre vor meiner Geburt, die guten Gene unseres Vaters geerbt. Schönes dichtes schwarzes Haar, athletische Figur, karamellbraune Augen und eine makellose Haut. Sie brauchte nur von einem Sonnenstrahl gestreift werden und wurde knusprig braun. Wie ich sie um ihr Aussehen beneidete! Und das Beste, egal was sie anstellte, sie blieb als Septembergeborene immer Jungfrau.

Anita tupfte etwas Nasses auf meinen Haaransatz. Farbe? Ich versuchte mich zu entspannen und ließ meine Friseuse ihre Arbeit machen.

Zwei Stunden später war ich fertig. Anita hatte mich sogar noch geschminkt und mir ein paar Tipps gegeben, wie ich das Beste aus meinem Typ herausholen könnte. Dass ich nicht lache, hatte ich alles schon versucht. Sie trat an den Spiegel heran und lächelte.

„Na bereit?“

Noch ehe ich antworten konnte, zog sie mit einem Ruck den Stoff herunter und ich blickte in den Spiegel. Doch wer schaute mir da so skeptisch entgegen? Ich drehte mich um und sah hinter mich. Da war niemand. Sollte das wirklich ich im Spiegel sein? Meine Haare waren wieder so weizenblond, wie in meiner Kindheit. Sie sahen voluminöser aus und fielen mir in sanften Wellen über meine Schultern. Wow! Und meine Augen, meine blauen Augen strahlten ja richtig. Was man mit Schminke alles machen kann! Wow! Auf meinen Lippen glänzte zartrosa Lipgloss und in meinem Gesicht war, dank eines Hauches Make-up, nicht ein Mitesser oder Pickelchen zu sehen. Ich kam mir vor, als wäre ich eben einem Versandhauskatalog entstiegen. Noch mal wow!

Ich war völlig sprachlos und konnte mich an diesem Spiegelbild nicht sattsehen. Wo war mein unscheinbares, hässliches Ich geblieben?

Die können hier wirklich zaubern, dachte ich, als ich wie auf Wolken zum Bezahlen schwebte.

„Hundertfünfundvierzig Euro bitte“, hörte ich Anita sagen und war mit einem Schlag wieder in der harten Realität. Was? Ich musste mich verhört haben!

„Wie viel?“, fragte ich noch einmal nach.

„Hundertfünfundvierzig Euro bitte, Schönheit hat ihren Preis“, erklärte Anita und lächelte mich vielsagend an.

War ich zufällig bei einem Promifrisör gelandet? So viel Geld hatte ich nicht bei mir. Wie konnte ich auch ahnen, dass meine Verwandlung so teuer sein würde.

Ich zahlte mit meiner EC-Karte, warf einen letzten Blick in den Spiegel, und verließ den Laden. Wenigstens hielt mein neues Aussehen der harten Wirklichkeit stand. Ob ich mir diesen Laden noch einmal leisten könnte?

3

Eigentlich wollte ich heute noch neue Klamotten kaufen, aber nun hatte ich mein Konto geplündert und musste warten, bis das nächste Gehalt überwiesen würde.

Ich machte mich auf den Heimweg und überlegte, was Peter wohl zu meiner neuen Frisur sagen würde. Ob der mich überhaupt erkannte? Wenn ich nicht wüsste, dass ich es war, ich würde mich ja selber nicht erkennen.

Ein Liedchen vor mich her summend, schloss ich die Wohnungstür auf und stolperte über Peters Klamotten. Was machte der Kerl nur den ganzen Tag? Warum konnte er nicht einmal seine schmutzigen Kleidungsstücke in den Wäschepuff schmeißen? Alle zwei Meter hob ich ein Teil vom Boden auf. Stinkende Socken, ein schmutziges T-Shirt, sogar seine Boxershorts, die er gestern anhatte, begegneten mir am Garderobenhaken. Das konnte doch nicht wahr sein!

Auf dem Weg ins Wohnzimmer fand ich noch eine leere Packung Fleischsalat, zwei leere Joghurtbecher und ein paar Bierflaschen, die einsam auf dem Boden lagen.

Jetzt reichte es mir! Ich hatte die Schnauze gestrichen voll.

Peter lag wie immer mit strähnigen Haaren auf meinem Sofa und sah fern, natürlich mit einem Bier in der Hand. Ich konnte seinen Anblick einfach nicht mehr ertragen. Schon, wenn ich ihm beim Essen zusah, wurde mir schlecht. Er aß nicht, er fraß und schaufelte alles in sich hinein, egal wie lange ich für die Zubereitung gebraucht hatte. Dabei schmatzte er ekelerregend vor sich hin, sodass ich mir genau vorstellen konnte, wie das Essen in seinem Mund, vom Speichel durchtränkt, zerkleinert wurde. Wenn ich nur dran dachte, grauste es mir.

Ich warf ihm seine Klamotten hin und schrie ihn an.

„Sag mal geht’s noch? Was machst du den ganzen Tag?“

„Na siehste doch, ich sehe fern“, gab er mir pampig, ohne überhaupt in meine Richtung zu sehen, zur Antwort. „Ich hab ja sonst nichts zu tun.“

Der Typ brachte mich auf die Palme.

„Nichts zu tun? Wie das hier aussieht, schlimmer als bei Hempels unterm Sofa. Der Müll versucht auch schon von alleine in den Mülleimer zu kriechen oder warum liegt das da alles rum?“

Was sollte ich nur tun? Ich war kurz vorm Explodieren.

„Steh auf, du hast was zu tun“, schnauzte ich ihn an. Ich war auf 180!

„Du packst jetzt deine Klamotten und verschwindest, auf der Stelle!“, schrie ich vor Wut.

Ganz verdattert stand Peter auf. So was war er von mir nicht gewöhnt. Er sah mich mit offenem Mund an, als wäre ich eine andere Person, flüchtete in den Flur und knallte die Wohnungstür hinter sich zu. Seinen Wohnungsschlüssel hatte er in der Eile am Schlüsselbrett vergessen. Das kam mir sehr gelegen. Ich ging ins Schlafzimmer, riss die Türen meines Kleiderschrankes weit auf und zerrte alle seine Klamotten raus. Aus dem Schuhschrank fischte ich noch seine zwei Paar müffelnden Käselatschen, ging mit dem ganzen Kram auf den Balkon, und ließ es Klamotten und Schuhe regnen. Fasziniert sah ich den zu Boden segelnden Kleidungsstücken hinterher und mit jedem Stück, das ich flattern ließ, verflog auch ein Teil meiner angestauten Wut. Danach ging es mir besser. Ich fühlte mich befreit und konnte endlich wieder durchatmen, während ich meine Wohnung aufräumte und putzte, um die letzten Spuren von Peter zu beseitigen. Das war schon lange fällig gewesen. Irgendwie war ich stolz auf mich, diesen Schritt endlich gemacht zu haben. Ich stellte die Klingel aus und zog den Telefonstecker. Der Typ nervte mich heute nicht mehr!

Da hatte ich doch glatt Punkt zwei, mich von unnötigem Ballast zu befreien, der einem nur die Zeit raubt, schon hinter mich gebracht! Dabei war Punkt eins noch gar nicht vollständig erledigt. So schnell konnte es gehen und ich war froh diesen Schmarotzer endlich los zu sein. Es hatte noch nicht einmal wehgetan! Ich war wieder frei.

4

Am Abend kam Moni mit einer Flasche Sekt zu Besuch. Als ich die Tür öffnete, fragte sie nach mir. Mit einem Lächeln hielt ich ihr die Tür weit auf.

„Hey Moni, ich bin`s doch. Erkennst du deine eigene Schwester nicht? Komm rein, wir haben was zu feiern“, begrüßte ich meine große Schwester.

„Ach ja? Was denn? Was hast du mit meiner Schwester gemacht und warum sieht es heute hier so ordentlich aus?“

Sie staunte über meine Verwandlung und machte gleich ein Foto von mir. Wenigstens bewunderte mich heute doch noch jemand.

„Wo ist Peter der Stinker?“ Suchend sah sie sich um.

„Hast du den im Schrank versteckt?“

Bei dem Gedanken musste ich lächeln.

„Nein, viel besser“, ich zerrte sie zum Balkon und zeigte nach unten.

„Ich habe ihn heute rausgeschmissen, gleich, als ich vom Frisör nach Hause gekommen bin“, erklärte ich stolz.

„Ina, da unten liegt ein ganzer Haufen Klamotten. Du hast doch nicht ...?“

„Doch, genau das habe ich. Das da unten sind Peters Klamotten. Als ich ihm sagte, er soll packen und ausziehen, ist er geflüchtet. Ich glaube, der hat mich nicht mal richtig angesehen, so erschrocken war er. Zum Glück hat er den Wohnungsschlüssel dagelassen, sonst hätte ich noch ein neues Schloss einbauen müssen.“

„Na du traust dich was. Hut ab! Was ist denn mit dir passiert? So kenne ich dich gar nicht. Hab mich sowieso schon gewundert, dass du es so lange mit ihm ausgehalten hast.“

„Haha, das sagt die Richtige! Wer ist denn seit 8 Jahren mit einem Loser verheiratet?“

Moni sah zwar Top aus, aber bei der Auswahl ihres Ehemannes, hatte sie wirklich ordentlich daneben gegriffen. Das Sprichwort „Liebe macht blind, traf bei ihr zu 100 Prozent zu. Ich höre sie heute noch sagen: „Der Steffen, das ist der Richtige, der ist gut im Bett. Das kannst du dir nicht vorstellen, und der liebt mich wirklich.“ Nach der zweiten Woche war Moni schon schwanger und nach 4 Monaten hat sie ihren Steffen geheiratet. Mit zwanzig ist man eben noch sehr naiv und glaubt an die große Liebe. Da wollte man die Warnungen der Anderen nicht hören. Bloß nicht mal über den Rand der rosaroten Wolke blicken. Was nützt einem gutes Aussehen, und Steffen sah mindestens so gut aus wie Moni, wenn der Kerl auch nur leere Versprechungen machte und nichts so wurde, wie sie es geplant hatten. Nach acht Jahren Ehe hatten die nicht mal mehr Sex miteinander.

„Ja, du hast ja Recht“, pflichtete Moni mir bei, „aber was soll ich denn machen? Um Lukas kümmert Steffen sich gut, da kann man nichts sagen. Lukas hängt an seinem Vater.“

„Den nimmt ihm ja auch keiner weg. Steffen wird immer Lukas Vater sein, aber dir ginge es bestimmt besser ohne ihn. Sieh mich an, seit ich Peter den Laufpass gegeben habe, fühle ich mich befreit.“

Und das war erst ein paar Stunden her!

Ich stellte meinen Laptop auf den Tisch und zeigte meiner Schwester, die Liste zu meinem neuen Ich.

Moni las aufmerksam.

„Punkt drei, vier, und fünf machen wir gemeinsam, aber willst du dir Punkt sechs wirklich antun?“

„Nicht sofort, aber irgendwann schon. Der steht nicht umsonst an letzter Stelle. Wichtiger ist mir im Moment mein Selbstwertgefühl. Kommst du mit mir Klamotten einkaufen?“

„Na klar. Morgen Nachmittag? Komm bei mir im Laden vorbei. Wir haben gestern eine neue Lieferung mit wirklich heißen Teilen bekommen.“

„Okay, so machen wir es, Prost.“ Unsere Gläser klirrten leise, als sie aneinander stießen. „Auf Peter und seine Flucht, auf Anita die Friseuse, die zaubern kann und auf uns.“

Heute gefiel ich mir zum ersten Mal so, wie ich war, na gut, der Jogginganzug, den ich zu Hause immer anhatte, konnte auch mal ein Neuer werden. Was soll’s, so sah mich ja keiner und Moni war den Anblick gewöhnt. Ich saß hier mit meiner einzigen Lieblingsschwester, trank Sekt und fühlte mich sauwohl.

Monis Handy klingelte. Ich hörte schon am Klingelton - ein bekannter Titel von Tic Tac Toe - dass es Steffen war. Was wollte der denn? Konnte man nicht mal in aller Ruhe mit seiner Schwester ein Glas Sekt trinken? Die Flasche war noch nicht leer!

Moni sprang auf, schnappte sich ihre Jacke und sah mich entschuldigend an.

„Sorry Süße, Steffen hat Hunger, ich muss heim.“

„Kann der sich nicht mal selber ein Brot schmieren? Putzt du ihm auch den Hintern ab?“ Steffen gehörte zu den Männern, die vor einem gefüllten Kühlschrank verhungern würden, wenn ihnen keiner was zu essen machte.

„Tut mir wirklich leid Süße, bis morgen Nachmittag bei mir im Laden. Tschüss.“ Moni drückte mich kurz an sich, gab mir ein Küsschen auf die Wange und schon war sie verschwunden.

Warum ließ sie sich von Steffen nur so behandeln? Moni fehlte es doch noch nie an Selbstbewusstsein. Sie wusste schon immer, wie sie auf andere wirkte. Ich glaube, sie versucht aus der Situation das Beste zu machen, damit Steffen keinen Grund findet, sie am Wochenende nicht mit mir ausgehen zu lassen. Mit diesem Mann würde ich durchdrehen, aber zum Glück spielte sie Tennis, um sich so richtig auszupowern und sich vom trüben Ehealltag abzulenken.

Was mache ich mit der halbvollen Sektflasche? Zum Wegschütten war der gute Asti einfach zu schade. Ich warf einen Blick auf meine Liste zum neuen Ich. Punkt eins musste noch abgearbeitet werden. Fehlten noch die Ganzkörperanalyse und der tägliche Blick in den Spiegel.

Ich schnappte mir die Sektflasche und ging ins Schlafzimmer. Vor meinem Kleiderschrank zog ich den Jogginganzug aus, nahm noch einen kräftigen Schluck Blubberwasser aus der Flasche und betrachtete mich kritisch im Spiegel meines großen, jetzt fast leeren Schrankes. Peter fehlte mir kein bisschen. Ich hätte ihn schon viel eher raus werfen sollen, dachte ich und betrachtete mich eingehend von allen Seiten. Hm, die Frisur passte, das Make-up war auch noch intakt, meine Augen strahlten immer noch, aber das konnte auch vom Sekt kommen. Soweit, so gut. Ich schaute tiefer. Meine Brüste, auch okay. Die Schwerkraft konnte ihnen noch nichts anhaben. Bauch, Beine, Po, alles gut, bis auf die Cellulite am Oberschenkel. Ich trank noch einen Schluck und kam zu dem Schluss, dass ich doch eigentlich gar nicht so übel aussah. Aber für Komplimente an mich selbst, war ich heute eindeutig zu müde und langsam auch zu beschwipst. Ich hätte nicht gedacht, dass man sich selbst schön trinken kann, aber es schien zu funktionieren. Zum Abschminken war ich zu beschwipst. In der Hoffnung, morgen noch genauso attraktiv auszusehen, schlief ich ein.

5

Shoppen bei Moni im Laden machte mir immer riesigen Spaß. Meine große Schwester arbeitete in einem Klamottenladen. Sie drückte mir ein paar Teile, die sie schon mal für mich ausgesucht hatte, in den Arm und ich verschwand in der Umkleidekabine. Ich probierte mich durch Kleider, Overalls und jede Menge Oberteile. Alles voll im Trend, die neueste Mode sozusagen. Ich konnte Klamotten anprobieren, die noch nicht mal im Laden hingen. Das gefiel mir und ich lief nicht Gefahr, morgen, an unserem Samstag, jemand mit dem gleichen Outfit zu begegnen. Das hasste ich am meisten. Passiert war mir das leider auch schon. Ich wusste, wie sich das anfühlte.

Da stand ich nichts ahnend an der Bushaltestelle und wartete auf den Bus, als doch tatsächlich ein Mädchen mit den gleichen Klamotten um die Ecke bog. Sie hatte nicht nur dieselbe Hose und dieselbe Jacke. Nein, sogar die weißen Turnschuhe waren genau dieselben, die ich anhatte. Danach war mir der Bus egal. Ich ging nach Hause und zog mich um, bevor ich mich mit anderen Klamotten wieder an die Bushaltestelle begab und auf den nächsten Bus wartete.

Moni würde die neue Lieferung heute nicht mehr in den Laden hängen, und damit lief ich auch nicht Gefahr, mich noch einmal so einer peinlichen Situation aussetzen zu müssen. Das passierte mir nicht mehr!

Die Sachen, die meine Schwester für mich ausgesucht hatte, waren toll, aber nicht toll genug. Für Samstag brauchte ich was richtig Elegantes. Schließlich wollte ich ja meinen derzeitigen Marktwert testen. Jedes Teil, das ich anprobierte, musste ich Moni vorführen. Ich hatte schon langsam keine Lust mehr mich durch die Klamottenberge zu wühlen, als ich mit einem engen, figurbetonten, feuerroten Kleid aus der Kabine trat, mich vor Moni im Kreis drehte und wieder ihr Kopfschütteln sah.

„Das geht auf keinen Fall. Da fehlt nur noch die rote Handtasche und die Männer stecken dir Geld zu.“

Geld konnte man ja immer gebrauchen, aber auf diese Art und Weise wollte ich dann lieber doch nicht reich werden. Außerdem musste ich in diesem Kleid auf jede Bewegung aufpassen. Ich hatte das Gefühl, dass der Stoff bei der kleinsten falschen Bewegung über meinem Hintern reißen würde. Eindeutig zu eng.

„Ach Moni, das ist doch hoffnungslos. Hast du nicht was Anderes? Was Schwarzes, Edles, Langes?“

Hoffnungsvoll sah ich meine Schwester an. Sie überlegte kurz, verschwand hinten im Lager und kam mit einem schwarzen Overall über dem Arm wieder.

„Der gehört auch zur neuen Kollektion, aber eigentlich wollte ich den für mich. Probiere ihn halt an und wenn er passt, kannst du ihn morgen anziehen. Aber nur morgen verstanden?“ Was machte die denn plötzlich für ein Theater wegen eines Overalls? Moni hatte den ganzen Schrank voll toller Sachen, ich nicht! Sie bekam sie ja auch billiger und sogar in ihrem Arbeitsvertrag stand, dass sie bei der Arbeit, nur die Klamotten aus dem Laden anzuziehen hatte. Das war Verkaufspolitik. So sah die Kundin gleich, wie ein Oberteil oder eine Hose, bei entsprechender Figur, aussehen könnte. Toller Job, den hätte ich auch gerne. Stattdessen stank ich jeden Tag nach Wurst und Fleisch.

Wenn Moni den Overall für sich wollte, konnte er nur was Besonderes sein.

Ich verschwand mit dem schwarzen Overall in der Umkleidekabine und betrachtete das Schmuckstück eingehend. Das Oberteil war ärmellos mit V Ausschnitt und wurde vorne mit ein paar zarten kleinen Knöpfchen geschlossen. Die Taille war eng anliegend, aber hinten mit einem Band zu regulieren. Die Hosenbeine waren kurz, aber von der Taille abwärts war hauchdünner, durchsichtiger Tüll angenäht, der bis zum Boden reichte. Am rechten Bein war er geschlitzt. Ehrfürchtig zog ich den Overall an. Es überraschte mich, wie gut er sich an meinen Körper schmiegte. Der elastische Stoff erleichterte das Anziehen. Dieses Teil war wie für mich gemacht. Ja, den wollte ich morgen tragen. Ich trat strahlend aus der Kabine heraus und Moni sah mich erstaunt an.

„Mensch Süße, der passt dir ja wie angegossen!“

Sie schien wirklich überrascht zu sein und ich drehte mich noch einmal um die eigene Achse.

„Aber denk dran, nur für morgen.“

Da hatte ich endlich mal etwas an, in dem ich mir schön vorkam, sogar ein tolles Dekolleté hatte ich, und meine Schwester wollte es mir morgen wieder wegnehmen?

„Ach Moni, komm schon, so was Schönes hatte ich noch nie. Überlasse es mir, bitte“, bettelte ich meine Schwester an, doch sie war nicht zu erweichen.

„Nur für morgen!“

Schmollend verschwand ich wieder in der Umkleidekabine. Da würde ich mir etwas einfallen lassen müssen, um Moni umzustimmen. Ich wollte den Overall nicht mehr hergeben, da war ich mir sicher.

6

Samstagabend. Ich stand gerade unter der Dusche, als es heftig an der Wohnungstür klopfte. Mist, wer sollte das denn jetzt sein? Mit meiner Kuhflecken Duschhaube auf dem Kopf stieg ich eilig aus der Wanne, wickelte mir ein Handtuch um meinen nassen Körper und öffnete die Tür. Eigentlich erwartete ich heute nur Moni, die mich zu unserem Discobesuch abholen wollte. Umso erstaunter war ich, als Peter vor der Tür stand. Ich wollte die Tür wieder zudrücken, doch er hatte bereits seinen Fuß in den Flur geschoben.

„Was willst du?“, fragte ich ihn unhöflich.

„Was ich will? Das war doch vorgestern nicht dein Ernst, Ina. Ich dachte, wenn ich mich zwei Tage nicht bei dir melde, merkst du schon, dass du mich brauchst.“

Der Typ hatte Nerven! Ich wollte heute ausgehen und musste mir noch die Beine rasieren, und da steht der da und meint, ich brauche ihn? Nee mein Lieber, der Zug ist abgefahren.

„Peter, das war mein voller Ernst. Es ist aus, ich ertrage dich und deine stinkenden Klamotten nicht mehr. Verschwinde.“

Ich öffnete die Wohnungstür weiter und versuchte ihn in Richtung der offenen Tür zu dirigieren.

„Ach, packen brauchst du auch nicht mehr. Das habe ich schon für dich erledigt.“ Kampfeslustig funkelte ich ihn an, aber er machte keine Anstalten zu gehen.

„Dann gib mir meine Sachen. Ich werde ein paar Tage bei meinen Eltern wohnen. Ruf mich an, wenn du dich wieder beruhigt hast.“

„Ich bin ganz ruhig und deine Sachen liegen hinten unter dem Balkon auf der Wiese.“

Jetzt schaute Peter mich ungläubig an und wedelte mit seiner Hand vor seinem Gesicht.

„Spinnst du? Bist du jetzt total durchgeknallt?“, fragte er, bevor er sich auf die Suche nach seinen Klamotten machte und somit endlich, ziemlich aufgebracht, meine Wohnung verließ. Mensch, der war ja richtig wütend, dabei hatte ich geglaubt, den könnte nichts aus der Ruhe bringen.

Schadenfroh verschwand ich wieder in meinem Bad, um mir endlich die Beine zu rasieren. Ich hatte noch so viel zu tun und musste mich ohnehin sehr beeilen. Wenn Moni kam, um mich abzuholen, wollte ich fertig sein.

Frisch rasiert, am ganzen Körper eingecremt und fertig geschminkt, zog ich das Schmuckstück von Overall an. Fantastisch, wie der sich auf meiner Haut anfühlt, dachte ich und schlüpfte in hochhackige, schwarze Pumps. Ich trat vor meinen Spiegel und sah mich von allen Seiten ganz genau an. Eine tolle Frau lachte mir entgegen, kein Vergleich zu der farblosen Person, die mir noch vor zwei Wochen aus meinem Spiegel entgegen sah. Ich hatte wirklich meinen Typ verändert und Anitas Schminktipps waren Gold wert. Zwar brauchte ich jetzt viel länger als vorher im Bad, um mich aufzuhübschen, aber das war es mir wert. Wer schön sein will, braucht Zeit … und Geld!

„Ina, du siehst toll aus. Heute ist dein Tag“, sagte ich zu mir, um mir Mut zuzusprechen und fühlte mich großartig.

Kurze Zeit später hupte Moni vor dem Haus. Als sie mich sah, fiel ihr die Kinnlade herunter.

„Ina? Mensch du siehst Klasse aus“, sagte sie mit staunendem Gesichtsausdruck zu mir. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen.

„Moni, der Overall ist total unbequem, aber ich finde auch, ich sehe gut darin aus.“ Augenzwinkernd stieg ich in ihr Auto ein.

„Ach ja? Na dann stört es dich ja nicht, dass du ihn mir morgen wieder zurückgibst, wenn er so unbequem ist“, meinte sie nur und zwinkerte in meine Richtung zurück, bevor sie losfuhr. Verdammt, Eigentor!

Ich würde mir was anderes einfallen lassen müssen, das war schon mal nichts.

„Und bis wann hast du heute Ausgang?“, fragte ich meine große Schwester. Steffen nannte immer eine genaue Uhrzeit, wann Moni zu Hause zu sein hatte und ich behielt den ganzen Abend die Uhr im Auge. Er blieb so lange wach, bis sie da war, nur um sie über den Abend auszufragen. Das konnte ganz schön nerven, zumal sie meistens zu spät kam und sich dann mitten in der Nacht Vorhaltungen anhören durfte wie: „Wo kommst du jetzt erst her?“, oder „Beim nächsten Mal stehen deine Koffer vor der Tür.“

„Heute soll ich spätestens um zwei da sein. Aber der kann mich mal. Ich bleibe, solange ich will", meinte Moni und konzentrierte sich wieder auf die Straße.

Ich hatte immer Angst um meine Schwester. Steffen hatte sie zwar noch nie geschlagen, oder ihre Klamotten vor die Tür gestellt, aber angedroht hatte er es ihr schon öfter und ich war mir fast sicher, irgendwann rastet er mal so richtig aus.

„Hoffentlich kommen wir heute durch die Gesichtskontrolle“, versuchte ich die angespannte Atmosphäre etwas aufzulockern.

„Mit dir sicher, du siehst rattenscharf aus. Was ist mit deiner Liste?“

„Na heute ist Punkt drei dran, Marktwert testen“, antwortete ich lachend und erzählte ihr von Peters Besuch und seiner Reaktion, als ich ihm sagte, wo sich seine Klamotten befinden.

„Ich hoffe, der hat geschnallt, dass es aus ist.“

„Das hoffe ich auch für dich Ina. Glaub mir, solche Typen können unberechenbar sein. Wenn der dich heute so gesehen hätte, der hätte dich eingesperrt.“

Das traute ich Peter nicht zu. Jedes Mal, wenn ich mit Moni ausgehen wollte und mir was Hübscheres, als Jeans und T-Shirt anzog, sagte Peter zu mir: “Du brauchst dir nichts einbilden. Guck dich doch mal an. Sei froh, dass du mich hast. Hübsch bist du nicht gerade. Du kriegst sowieso keinen Anderen mehr.“ Das hatte mir sehr wehgetan. In meiner Kindheit hörte ich das auch ständig von meiner Mutter. „Du bist hässlich, du bekommst nie einen Freund!“ Das war mir jahrelang eingetrichtert worden und irgendwann glaubte ich es.

Aber darüber wollte ich jetzt nicht weiter nachdenken. Ich strich Peter aus meinen Gedanken und damit war das Thema für diesen Tag erledigt.

Eine lange Menschenschlange hatte sich bereits vor der Disco versammelt und hoffte eingelassen zu werden. Nachdem wir endlich einen Parkplatz gefunden hatten, stellten wir uns hinten an und hielten Ausschau nach bekannten Gesichtern.

Nur langsam rückte die Schlange vorwärts und ich fing an zu frösteln. Ich wusste, dass auch Sommernächte kalt sein können, aber an eine Jacke hatte ich nicht gedacht. Nach einer gefühlten Ewigkeit standen wir endlich vor der Tür. Wir würden die Nächsten sein, wenn man uns denn einließe. Wir kamen zwar alle zwei Wochen her, um zu tanzen, aber manchmal mussten wir unverrichteter Dinge wieder abziehen. Es kam immer darauf an, wer an der Tür stand. Die Tür öffnete sich und ein glatzköpfiger, bulliger Türsteher, groß und breit wie ein Schrank, schaute uns abschätzend an. Oh nein, nicht der. Der hatte mich schon einmal nicht rein gelassen, weil ich keinen Ausweis mithatte und er mir nicht glauben wollte, dass ich schon 24 Jahre, und damit schon erwachsen war. Damals mussten wir wieder gehen.

Der bullige Türsteher öffnete die Tür weiter und ließ uns ein. Etwas erstaunt bezahlte ich den Eintritt für Moni und mich. Was eine Typveränderung ausmachte und Kleider machten wirklich Leute!

Wir bahnten uns einen Weg, durch die reichlich gefüllte Disco, bis zur Bar. Die Barkeeperin erkannte mich nicht gleich, aber dann stellte sie zwei Martini auf den Tresen.

„Ein Martini weiß und ein Martini rot, für SchneeweißchenundRosenrot“, sagte sie und lächelte uns an. „Schneeweißchen, du siehst super aus.“

Wir waren völlig perplex. Das waren genau die Getränke, die wir hier immer bestellten, aber von unseren Spitznamen hatten wir bisher keine Ahnung. Moni bezahlte die Getränke und fragte die Barkeeperin, ob wir unser Geld, bei ihr unter der Theke lassen könnten.

„Na klar könnt ihr. Ich passe drauf auf“, meinte die junge Frau und wir verstauten unsere Portemonnaies.

„Die war ja nett, zu der gehen wir jetzt immer“, sagte Moni und wollte mich auf die Tanzfläche ziehen.