Ab ins Bett! - Susann Rehlein - E-Book

Ab ins Bett! E-Book

Susann Rehlein

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Beschreibung

Unseren Sex haben wir in der Pubertät gelernt, die allermeisten durch Trial-and-Error und Rumgestümper. Und später im Leben? Machen wir es weiter so, wie wir es halt immer gemacht haben – ahnen jedoch, dass da Luft nach oben ist. Und hier kommt Susann Rehleins Sexuelle Späterziehung ins Spiel, ein Buch für alle, die ich nicht damit abfinden wollen, dass es das jetzt schon gewesen sein soll. Superkomisch, erschütternd offen und detailliert beschreibt Susann Rehlein Techniken und Strategien, mit denen jede(r) zum Sex seines Lebens finden kann: verbindend, geil, lustvoll und beglückend.

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Seitenzahl: 193

Veröffentlichungsjahr: 2025

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© Verlag Voland & Quist GmbH,

Berlin und Dresden 2025

Lektorat: Helge Pfannenschmidt

Korrektorat: Karina Fenner

Umschlaggestaltung: HawaiiF3

Satz: Kosmos Design

Druck und Bindung: BALTO print, Litauen

ISBN 978-3-86391-439-4

eISBN 978-3-86391-450-9

Verlag Voland & Quist GmbH

Gleditschstr. 66

D-10781 Berlin

[email protected]

www.voland-quist.de

Life shrinks or expands in proportion to one’s courage. Anaïs Nin

Was grade noch undenkbar war, ist ab sofort verhandelbar. Wir müssen uns bewegen. Fortuna Ehrenfeld

Vorbemerkung

Der Weg zu Superdupersex

Sei toll

Tanze Tango

Mach dein verdammtes Herz auf!

Geh ohne Erwartungen in die Begegnung

Heilig hilft

Die Körperwahrnehmung schärfen

Verführung rehabilitiert

Fantasien ausschlachten

Vorspiel? Sex!

Das Hirn ist das größte Sexualorgan

Leb dich aus

… und die Hindernisse auf dem Weg

Sabotage auf höchster Ebene

Macht es nicht!

Macht es!

Zurück auf Los

30, Jungfrau, Single, sucht

Hol dir Hilfe, Mann!

Lass es dir machen, Frau!

Schauen, was da ist, und damit arbeiten

Schweigen ist Kacke, Reden ist Gold

Das Schwert Gottes

Die will nur spielen

Die Sache mit dem Geben und Nehmen

Schlüsselbeinorgasmen? Her damit!

Basics

Was passiert im Körper, wenn wir’s tun?

Ficken ist gesund

Sexkompass

Spiel die Veränderung

Use it or lose it

Solosex

Solosex für Frauen

Por-NO oder doch -YES?

Solosex für Männer

Ihr freundlicher Leck- und Blasservice

Eat me, Baby

Blowjobs

Deep Throat

Sixty-nine is a waste of time

Eating cake

Sag, was du brauchst, alles andere ist Quatsch

Handjobs

Gegen Matratzenbrand

Pussymassage

Penismassage

Edging

Drei Superkräfte, damit Sex gut wird

1. Entspannung

2. Bewegung

3. Atem und Stimme

Dann kommt er aber nicht … Na und?

Sex ist ein Teamsport

Den Sex pimpen – mehr Wagnis, mehr Tiefe

Mehr Wagnis: Toy-Fuhrpark, Sexpartys und Rollenspiele

Mehr Tiefe: Verbundenheitssex und Spürsex

Sexmagic

Kosmische Orgasmen

Slow Sex

Einstöpseln

Profikondome

Für ein gutes Miteinander

Ladet den Nachbarn ein

Macht es entspannt

Lassen wir uns nicht gegeneinander ausspielen!

Consent

Gesunder Egoismus

Pro-Tipp für Singles

Lasst uns voneinander lernen

Ausreden, Ausreden …

Das utopische Potenzial von Superdupersex

Was sonst noch bedenkenswert ist

Keine Stellungen?

Brust raus, Bauch raus!

Orgastische Manschette

Beckenboden

Aufklärung

Sexy Selfies

Die Faultierstrategie

Push don’t pull

Strategische Inkompetenz

Sex als Schule fürs Leben

Elektrik – Energiefluss beim Sex

Circlusion

Ein Lob der Penopause!

In die Suppe spucken

Rehleins Vision

Little spoon, big spoon

Bettikette

So safe wie möglich

Keine Machtspielchen

Geh besser nicht davon aus, dass du verstanden wurdest

Tantra und Tantramassage

Lustige Spiele und schweißtreibende Übungen für Aaah und Oooh im Bett oder wo

Ja, nein, vielleicht

Das Dreiminutenspiel

Mach den Schmetterling

Fuck like birds

Rumgeiern und abblitzen lassen

Fantasien erkunden

Hand-Challenge

Netflix schauen

Mapping

Orgasmic Meditation

Orgasmic Yoga

Ölaktion

Bettgeschichte mit tiefer Einsicht

Nachbemerkung

Buchempfehlungen, verwendete Literatur

Lustvolle Links

Vorbemerkung

Titel und Untertitel des Buches suggerieren vielleicht, dass wir nachsitzen in der Schule des Lebens, weil wir es im Gegensatz zu allen anderen mal wieder nicht gerafft haben. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich sage: Wer sich zur sexuellen Späterziehung anmeldet, Bücher zum Thema liest (keiner in meinem Freundeskreis tut das), mit seinem Gegenüber redet und Lehrfilme guckt, hat klar die Nase vorn. Meine Erfahrung ist, dass kaum jemand auf dem Feld lernen und sich weiterbilden will. Man macht es, wie man es halt macht – bloß nicht den fragilen Status quo infrage stellen. Der Punkt ist aber: Die meisten haben es nie richtig gelernt.

Wo denn auch, von wem denn auch?

Ich zeige euch in diesem Buch, wie ihr eure eigene und eure Paarsexualität pimpen könnt für noch mehr Lust und Verbindung im Bett.

Gerade in meinem Alter (Frauen sagen da tatsächlich gerne mal: Ich hatte so lange keinen Sex, ich glaube, ich bin schon zugewachsen) halten viele Sex für überbewertet. Vielleicht als Abwehrreaktion darauf, dass er als Thema über Medien und Werbung nervig allgegenwärtig ist, was Druck erzeugt, dem man sich entziehen möchte.

Für mich ist die Allgegenwärtigkeit aber ein Zeichen dafür, dass in dem Feld Handlungsbedarf besteht. Es ist, als würde jemand mit einer blutenden Kopfwunde durch die Stadt laufen, der Verband ist schon durchgesuppt, und sich empören, dass alle zehn Meter jemand mit ihm über Kopfwunden reden will.

Das Thema ist wichtig, weil es buchstäblich mit unserer ureigenen Wurzel zu tun hat und Sex eine Menge Heilungs- und Entwicklungspotenzial bietet. Auf einer basalen Ebene ist Sex gesund für das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem, von den schönen Hormonen, die dabei ausgeschüttet werden, ganz zu schweigen. In Studien wurde bei Männern und Frauen mit niedriger sexueller Aktivität eine deutlich erhöhte Sterblichkeit festgestellt. Wir sollten also tunlichst unseren Sex und unsere Sinnlichkeit ausleben. Dass sehr viele das irgendwann bleiben lassen, hat mit Dynamiken monogamer Beziehungen zu tun – und sicher auch damit, dass Sex durch eine rigide oder nicht vorhandene Sexualerziehung und durch Trauma und ungute Gewohnheiten verschattet ist. So viel verdruckstes Schweigen, so viel Unsicherheit und schlechte Laune! Dabei soll Sex doch tatsächlich nur, nur, nur Spaß machen und uns beleben. Die gute Nachricht: Wenn wir ein paar Sachen weglassen und ein paar wenige Sachen hinzufügen, macht er uns glücklicher – garantiert.

Wenn wir besseren Sex wollen, und das tun wir, sonst hätte ich das Buch nicht geschrieben, und ihr würdet es nicht lesen, sollten wir den Sex, wie wir ihn kennen und können, durch etwas ergänzen, das nährender und befriedigender ist. Im Großen und Ganzen wird es darum gehen, erstens eine geeignete Masturbationspraxis zu finden und zweitens zumindest hin und wieder den orgasmusorientierten und stark auf die Genitalien bezogenen Sex durch ziellose, ganzkörperliche Freuden zu ersetzen, die nicht irgendwie zu sein haben und kaum Anforderungen an uns stellen.

Muss man dafür ins Bett, wie der Titel behauptet? Nee, nee, nee. Ich liege einfach gern weich, hab aber auch einen sexgeeigneten Tisch. Ab auf den Tisch! hätte nur keiner verstanden. Der Nachsatz meiner Mutter, wenn sie meine große Schwester und mich mit „Ab ins Bett“ des Wohnzimmers verwiesen hatte, lautete: „Und ich will keinen Mucks mehr hören!“ Dieser Aufforderung werden wir höchstens an öffentlichen Orten Folge leisten, ansonsten stöhnen, grunzen, schreien wir, was das Zeug hält, weil Geräusche und Bewegung key für guten Sex sind – zumindest irgendwas davon.

Vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen gaben im Rahmen einer neueren Studie an, es gern im Kino, Theater oder Museum zu tun. Orte der Inspiration und Entgrenzung befördern Handlungen der Entgrenzung, das wundert mich gar nicht. Das Ganze, nur ohne Museumswächter, gibt es quer durch Deutschland auch auf großstädtischen Orgien und Bacchanalen. Aber erst kommt die Pflicht und dann die Kür. Ab ins Bett also, ab ins Rabbithole der sexuellen Späterziehung. Wir sehen uns auf der anderen Seite.

Ach, eins noch: Natürlich hab ich recherchiert wie irre und schreibe radikal persönlich auf Basis meiner Erfahrungen als mittelalte Cis-Frau, die mit Cis-Männern Sex hat, über diesen speziellen Sex. Aber die Weisheit mit Löffeln gefressen hab ich nicht. Sex ist so vielfältig wie wir acht Milliarden Menschen auf dieser Welt, wenn etwas, was ich schreibe, auf euch nicht passt oder nicht von Interesse ist, springt zum nächsten Kapitel oder zu irgendeinem, dessen Überschrift euch inspiriert. Das Buch muss nicht chronologisch gelesen werden. Benutzt es im besten Fall als Spielanregung, aber achtet erstens auf eure Grenzen, euer Wohlbefinden und eure persönliche Situation. Und zweitens, wenn ihr keinen Bock habt, als Vogel zu ficken (Seite 235), dann macht ihr das natürlich einfach nicht. Wer bin ich denn, euch was vorzuschreiben. Affen haben auch Sex. Oder Löwen. Tische, Sessel. Oder eben Menschen.

Der Weg zu Superdupersex

Sei toll

Ich war vor ein paar Jahren ziemlich bedröppelt, als die Paartherapeutin Michaela Boehm in einem Podcast gesagt hat, auf Partnersuche befindlich, solle man sich mal kurz fragen, ob man jemanden wie sich selbst daten würde. Mich? Miesepetrig, kontrolliert, arbeitssüchtig, schlecht angezogen? Bitte nicht. Das war für mich ein regelrechter Arschtritt in Richtung Selbstfürsorge.

Ob nun erstes Date oder Langzeitbeziehung – sei die beste Version deiner selbst und regele deine Bedürftigkeiten selbstständig. Dafür ist dein Gegenüber nicht zuständig.

Vielleicht musst du Therapie machen, vielleicht musst du nur ins Gym. Vielleicht brauchst du einmal die Woche einen Abend mit deinen Buddys. Kümmere dich gut um dich und bleib in Bewegung. Deine Lebendigkeit wird sich positiv auf deine Libido auswirken und macht dich zudem attraktiv für andere Menschen. Sich Abend für Abend vor Netflix im eigenen Saft zu marinieren, könnte als gelungenes Leben etwas lahm sein.

Tanze Tango

Der folgende Ratschlag schließt sich an den vorherigen an und passt auf Leute in Beziehungen genauso wie auf Singles: Überleg dir immer wieder etwas, das dein Gegenüber amüsieren könnte, hör nie auf, Esprit zu haben, zugewandt und neugierig zu sein. Bring ein Minipräsent mit, das muss nicht teuer sein (die originellsten Präsente, die ich beim zweiten, dritten Date bekommen habe, waren eine Chilischote, Kostenpunkt zirka 19 Cent, und eine selbst gezogene kleine Pflanze), plane etwas für euch, sei unterhaltsam.

Ich weiß nicht, ob Frauen auch so sind, aber siebzig Prozent der Männer, die ich kennenlerne, texten mich beim ersten Date regelrecht zu und brüsten sich mit Erfolgen oder Wohlstand, palavern von ihrem Job, ihrer Plattensammlung und ihren Verstärkern, als wäre das für mich irgendwie interessant.

Als Talk unter Männern würde das vielleicht sogar funktionieren, aber Frauen gegenüber ist das Ergebnis katastrophal: Sofort ist keine Augenhöhe mehr da, ich höre mir das an, wie eine Mama sich die Geschichten ihres kleinen Sohnes anhört, und hab aber so gar keine Lust auf den Typen.

Das heißt ja nicht, dass du nichts erzählen sollst, aber erzähle doch bitte etwas, das dein Gegenüber interessieren könnte, und ansonsten: Stell Fragen und interessiere dich für den anderen, die andere, zeig durch Nachfragen, dass du hörst, was er oder sie sagt.

Geh in Vorleistung, lass dein Gegenüber sich gut fühlen, mach Komplimente. Auch wenn es das millionste Bumble-Date ist, entwickle Spaß daran, diesem anderen Menschen gegenüberzusitzen, den du kennenlernen darfst.

Man kann sich das als Tanz vorstellen. Paartanz wie Tango oder Salsa erfordert eine bestimmte Haltung und Körperspannung und Aufmerksamkeit und auch das Einnehmen von Rollen, damit man sich nicht gegenseitig auf die Füße latscht. Das Ergebnis ist hochgradig elegant, und Spaß macht es auch noch. Wie können für diese Stunde eure Rollen sein? Gib etwas vor, und schau, wie dein Gegenüber reagiert, dann tariere das aus oder wähle einen anderen Move, ein anderes Thema. Wenn du jetzt einwendest, du willst dich nicht verstellen, sage ich dir: Du hast so viele Facetten, von denen du etliche nicht auslebst, hol halt eine davon raus. Verstellen sollst du dich nicht, nur eine interessantere Version von dir sein als dein Alltags-Ich, das zu viel arbeitet, zu viel isst, zu viel glotzt und nicht daran glaubt, einen Partner, eine Partnerin zu finden.

Für Beziehungen stimmt das auch, finde ich. Muckelt euch nicht zu sehr ein miteinander. Ich bin zum Beispiel keine Freundin von Wohlfühlklamotten. Seid aufmerksam und charmant und hört nicht damit auf, euch für euer Gegenüber zu interessieren. Seid nicht immer gleich, zieht alle paar Tage Facetten aus eurer Persönlichkeits-Mottenkiste, die eure Beziehung bereichern können, und ja nicht nur die Beziehung, sondern euch selbst. Wenn ich immer die introvertierte, beherrschte Susann Rehlein sein müsste, würde ich mich erschießen.

Mach dein verdammtes Herz auf!

Das klingt ein bisschen esoterisch, funktioniert aber auch ohne Räucherstäbchen und gehört für mich zu den Basics von schönem Sex. Stell den Blick weich und öffne dein Herz für die Person, mit der du Sex haben willst, ganz gleich, ob ihr seit zehn Jahren das Bett teilt oder das erste Mal nackt miteinander seid. Atme tief, atme in den Brustraum und sei von Herzen dankbar für ihre/seine derzeitige Anwesenheit in deinem Leben. Das gilt selbst für eingefleischte S/M-ler: Die Guten sind wahnsinnig warmherzig und aufmerksam, finde ich zumindest, aber ich war auch nie ein besonders böses Mädchen.

Warmherzigkeit macht den Sex nicht weniger geil, wie manche befürchten. Im Gegenteil, dein Gegenüber hat weniger Performance-Stress, wenn es mit deinem Wohlwollen rechnen kann, und öffnet sich noch weiter, traut sich noch mehr, wagt sich an seine Grenzen und darüber hinaus. Sicherheit ist eine grundlegende Zutat für guten Sex. Deshalb müsst ihr ja nicht wie Brüderchen und Schwesterchen Händchen halten und Wangenküsse tauschen, du kannst einer/einem völlig Fremden in Liebe begegnen und trotzdem stark das Andersartige, aufregend Fremde an ihr/ihm begehren.

Geh ohne Erwartungen in die Begegnung

Lass dich von dem überraschen, was ihr erleben werdet, und sei neugierig und offen. Weißt du schon vorher, was passieren wird, bringst du dich um ein Abenteuer, weil wahrscheinlich genau das eintrifft, was du erwartest. Das stimmt für ersten Sex genauso wie für Nächte in Langzeitbeziehungen.

Auch wenn man versucht ist zu sagen, für Langzeitpartner ist es schwerer, sich noch gegenseitig zu überraschen, als für Leute, die einander gerade erst entdecken, stimmt das nicht so ganz: In Langzeitbeziehungen ist man freier, Versagensängste fallen weg, man kann unverkrampfter rumsexen und fühlt sich sicher genug, das eine oder andere auszuprobieren. Bei ersten Begegnungen dagegen fällt es einem leichter, sich für sein Gegenüber zu begeistern, man hat wahnsinnig viel Energie, aber eben auch jede Menge Ängste im Gepäck, die einen veranlassen können, zur Sicherheit das zu machen, was garantiert funktioniert, aber halt weder verbindend noch premium-ekstatisch ist.

Heilig hilft

Falls ihr mal in eine Gruppe mit einem tantrischen Ritual geratet, werdet ihr zu Beginn vielleicht aufgefordert, eure Ressentiments und Ängste und Anhaftungen an eure persönliche Geschichte – Trauma, Stress und Pipapo – dem Feuer, das da in einer kleinen Schale brennt, zu überantworten. So könnt ihr eurem Ritualpartner, eurer -partnerin komplett frei, in eurer Essenz gewissermaßen, gegenübertreten.

So weit müsst ihr es ja nicht treiben, aber nach meiner Erfahrung helfen kleine Rituale, aus dem Alltagstrott und in eine Stimmung zu kommen, die dem Besonderen, Magischen, Geilen angemessen ist, das ihr gleich kreieren wollt. Die meisten machen das ja schon unbewusst: Kerzen anzünden, eine Flasche Wein kalt stellen, den Raum schön warm machen, vielleicht Duft versprühen. Ihr könntet auch ganz bewusst mit euch selbst oder mit eurem Mitspieler, eurer Mitspielerin einchecken, bevor es losgeht, und irgendwas Ritualisiertes machen. Rituale steigern die Intensität des Erlebens, helfen dabei, uns von überkommenen Glaubenssätzen zu lösen, und wirken verbindend, um nur mal die grundlegendsten Pros für ein kleines vorsexliches Ritual zu nennen. Ein gemeinsamer Tanz, bei dem ihr euch in die Augen blickt, fällt mir als Erstes ein, aber vielleicht habt ihr bessere Ideen.

Sex (auch ein Quickie) kann ein ekstatisches Fest sein oder einfach nur ein Sich-Kratzen, weil es gerade juckt, ihr entscheidet das mit eurer Haltung und euren Handlungen.

Die Körperwahrnehmung schärfen

Noch vor wenigen Jahren hab ich diese Leute regelrecht gehasst, die unablässig von Achtsamkeit geredet und den Schaum auf ihrem Matcha Latte bepustet haben, als handele es sich um das Schamhaar ihres Lovers. Okay, ich hasse sie immer noch. Frei nach Shirin David: „Übe Yoga und sprich achtsam, mach daraus eine Show.“ Die schlechte Nachricht: Um eine anständige tägliche Praxis kommen wir kaum herum. Die gute Nachricht: Wir suchen uns aus, was zu uns passt, und dürfen auch einfach die Kresse halten, statt anderen damit auf die Eier zu gehen, dass wir im herabschauenden Hund eine Vision hatten, seit der kein Stein mehr auf dem anderen ist in unserem Leben.

Wieso brauchen wir eine Praxis?

Weil unser Gehirn, siehe oben, uns dazu bringen will, den Tag über so viel wie möglich automatisch zu absolvieren, damit es sich auf lebenswichtige Funktionen konzentrieren kann. Automatisch zu funktionieren, bedeutet allerdings, dass man WEITAUS weniger fühlt, als wenn man ganz präsent ist. Gefühl und Wachheit sollen aber dauerhaft bei uns installiert werden und in letzter Konsequenz unseren Sex stärken, ach was: revolutionieren. Automatisch funktionieren ist super, wenn man in einem Meeting sitzt oder Korrespondenz abarbeitet, aber es wäre schön, wenn man bewusst entscheiden könnte, ob man gerade auf Autopilot ist oder mit allen Sinnen und aller Leidenschaft krass am Geschehen beteiligt. Die meisten Menschen wissen aber die meiste Zeit gar nicht, dass sie nicht ganz da sind. Klar, das Gehirn stellt diesen Zustand her, es wäre ja verrückt, einen daran zu erinnern, dass man gerade nichts mitkriegt.

Manche Leute steuern gegen, indem sie sich im Telefon einen Timer setzen, der alle paar Stunden losgongt. Sie nehmen einen tiefen Atemzug, schauen, wo sie gerade sind, spüren, was es zu spüren gibt, und weiter im Text.

Laut einer Studie der Ohio State University denken Männer den Tag über vierunddreißig Mal an Sex, Frauen neunzehn Mal. Die Bandbreite lag bei Männern zwischen einem und 388 Sexgedanken pro Tag, bei Frauen zwischen einem und 140. Warum nicht diese Gelegenheiten nutzen, um einmal tief zu atmen, den Körper leicht zu bewegen, so leicht, dass das in der Kantine keiner mitkriegt natürlich, und ein bisschen zu genießen, dass man geil und am Leben ist, sich in der Hose was regt, die Bluse nett über den Unterarm schabt, whatever. Bitte nicht nur im Kopf bleiben, das wäre Verschwendung.

Erspüre, wie Lust sich in deinem Körper anfühlt, sei genau. Spürst du es nur in den Genitalien oder auch im Nacken? Sammelt sich Speichel in deinem Mund? Und so weiter.

Nein, das ist kein Verrat am geliebten Partner, der geliebten Partnerin, so weit ist das alles nur Biologie, der Körper schüttet schöne Chemie aus, wir fühlen uns lebendig und kraftvoll. Schwierig wird es erst, wenn man sich von den Sensationen im eigenen Körper abwendet, um einer anderen Person in der Kantine auch welche anzutragen. Das hieße, die Wartungs- und Kontrollvorgänge im Körper fehlzuinterpretieren als Handlungsanweisungen. Ist man Single beziehungsweise sehr jung, liegt das nahe, aber jedes Mal Sex haben zu wollen, wenn man an Sex denkt, ist … ja was eigentlich? Eine Utopie, ein Märchen oder der Stoff, aus dem Albträume sind?

Auf jeden Fall könnte es wichtig sein, ganz bewusst tiefer zu atmen, sobald man das Büro verlassen hat, bis in den Bauch, bis in die Füße. Zwischen Büro und Zuhause einen Besuch im Gym zu installieren, um den Körper, der unter Umständen den ganzen Tag nicht so richtig beansprucht und bewegt wurde, ins Schwitzen zu bringen. Dann duschen. Wasser auf der Haut! Wie fühlt sich das an? Oder man fährt mit dem Rad heim. Auch dabei atmet man tiefer als sitzend im Büro, die Zellen werden mit Sauerstoff versorgt, Schlacken werden abtransportiert, der Damm kriegt eine kleine Massage. Einen Körper, der nicht bewegt wird – und sei es durch Armkreisen oder Arschwackeln, nicht jeder will zu Olympia –, kann man sich als brackigen Tümpel vorstellen, der vielleicht nicht demnächst, aber wahrscheinlich irgendwann kippen wird.

Mache ich nix und komme mit flachem Atem, in Gedanken noch im Büro, heim und entscheide mich für Rambazamba mit meinem Schatz, läuft es auf Entlastungssex hinaus. Die ganze Anspannung und den Stress des Tages, eventuell auch Ärger, den ich unterdrückt habe und der mir im System steckt, haue ich in einem eher kurzen Akt raus und fühle mich danach wohlig entspannt. Kann man machen, funktioniert. Wobei ich gerade Frauen zu Masturbation raten würde. Für die Vagina ist Penetration ohne Vorgeplänkel Gift. Dazu kommen wir noch.

Habt ihr dagegen eure Körper beim Sport aufgewärmt und euch, als bei den Squats die Unterhose so schön die Genitalien massierte, schon mal mit euren Sinnen und Gedanken auf Sex eingestellt, fangt ihr auf einem ganz anderen Level an und müsst euch nicht mit vorgeschobenem Unterkiefer und steifen Hüften den Stress aus dem Körper hämmern oder steif wie ein Brett und mit hochgebogenen Zehen daliegen und verzweifelt versuchen, genug Energie für einen Orgasmus zusammenzukratzen.

Nutze den Heimweg aus dem Büro, um deinen Beckenboden aufzuwärmen, Po und Muschi zusammenkneifen und loslassen, wackele mit den Hüften, rekele die Schultern, schnuppere in die Luft und freu dich aktiv darauf, gleich deine Partnerin, deinen Partner zu erschnuppern.

Erschnupperst du sie/ihn, küss sie/ihn, schau sie/ihn an wie was Aufregendes, Neues. Esst ihr zusammen, setzt euch vielleicht nicht aufrecht am Tisch gegenüber, aufrecht ist dem Büro vorbehalten. Jetzt seid ihr sinnlich, fläzt und lümmelt auf dem Teppich, zwischen euch ein Tablett mit Speisen, die ihr zusammengestellt oder gar gemeinsam gekocht habt. Genießt, riecht, schmeckt, schaut, leckt euch die Finger ab. Verboten sind Gespräche über euren Arbeitstag. „Sag ich …/sagt mein Chef …/sag ich …/sagt mein Chef …“ ist der Todesstoß für jegliche Erotik. Du kannst deinen Bürokram wirklich in Abgeschiedenheit verdauen und auskacken. Sprecht über Dinge, die euch berührt oder zum Nachdenken gebracht haben, macht Pläne, tüftelt was aus, seid neugierig aufeinander.

Der Unterschied ist dann, dass du mit deinem ganzen Sein anwesend bist und vielleicht Lust auf sie oder ihn hast und nicht einfach bumsen willst, damit du hinterher besser einschlafen kannst, das spürt dein Gegenüber. Selbst wenn es später nur einen Mittwochsquickie vor Netflix gibt, wird der sich deutlich anders anfühlen als schnöder Entlastungssex. Die Sinne wollen mitmachen, lecken, schmecken, riechen, tasten – das ganze Programm.

Wie kann denn eine tägliche Praxis aussehen, die mich in den Körper bringt? Spiel rum, finde es heraus, aber geh besser nicht davon aus, dass dein Hirn es dir leichtmacht. Wie gesagt, das Hirn liebt ausgelatschte Pfade und würde immer Handyglotzen statt Kniebeugen wählen.

Ich mache morgens nach dem Aufstehen eine kleine Session mit Dehn- und Kraftübungen, ich tanze einen, zwei Songs, dusche kalt und beklopfe vielleicht meinen Körper mit den Handflächen. Ich arbeite zu Hause und gehe irgendwann im Laufe des Tages aufs Trampolin, tanze vielleicht zwischendurch noch mal kurz. Immer wenn ich ins Internet will, Hundeadoptionsvideos schauen, weiß ich, dass ich eine Pause brauche, und nutze die Pause, um mich an meinen Körper zu erinnern, der mir heute Abend Lust schenken soll, weshalb ich ihm was Gutes tue, mich ein bisschen rekele und strecke oder ein paar Übungen mache.

Verführung rehabilitiert

Verführung ist als Wort ziemlich aus der Mode, glaube ich, man denkt eher an Anna Karenina oder die Bovary dabei. Beim Ausmisten patriarchaler Strukturen ist die Verführung wahrscheinlich mit aus der Tür gefegt worden, wegen hierarchisch, veraltete Rollenmuster, heteronormativ und so weiter.

Aber ich bin eine große Freundin des Spielens und traue uns allen zu, tagsüber ebenbürtig und feministisch zu sein, und am Abend mit Polaritäten zu spielen. Maskulin/feminin, hart/weich, dominant/devot, lenkend/hingebungsvoll, penetrierend/aufnehmend. Wer von uns dabei jeweils welche Rolle einnimmt, kann ja wechseln, und schon sind wir wieder auf Linie mit den gegenwärtigen Diskursen.

Die These, dass der Sex umso feuriger ist, je größer die Polarität zwischen zwei Liebenden, je weiter sie also im Spektrum von männlich und weiblich voneinander entfernt sind, ist auch nicht unumstritten. Ich will sie trotzdem als Spielidee einbringen, weil sie mir schlüssig erscheint und ich nicht über jedes Stöckchen springe, das man mir hinhält, sondern teste, ob sich etwas bewährt oder nicht, ehe ich es verdamme. Und ich sage euch: Stellt ihr Polaritäten her, macht ihr es euch leichter. Es ist gewissermaßen, als würde man einen riesigen Stein (den Sex) entweder eine waagerechte Straße lang rollen oder den Berg runter, wobei es schnell wird, unkontrollierbar sogar. Klar ist nur, es ist jede Menge Wumms da, der bei einer Bewegung die Straße lang fehlt.

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