Achtung! Jetzt wird's bunt! - Daniela Noitz - E-Book

Achtung! Jetzt wird's bunt! E-Book

Daniela Noitz

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Beschreibung

Willkommen in einer Welt, in der Fröhlichkeit als Krankheit gilt, Ordnung das kreative Chaos bedroht und ein Knurx dringend ins Universallexikon aufgenommen gehört. Daniela Noitz seziert mit spitzer Feder und liebevollem Spott die Absurditäten unseres Alltags: Revolutionen scheitern an der falschen Tomate, Hausarbeit wird zur Sisyphusqual und selbst der Hund muss manchmal ein Stofftier sein, Allergiker und gesellschaftliche Konventionen lassen grüßen. Hier wird gelächelt, bis die U-Bahn zum Hochsicherheitsbereich erklärt wird, und die Frage, ob Wasser ein Menschenrecht ist, entscheidet sich am Kassenstand. Wer nach Moral sucht, findet sie vielleicht im Kaffee und Kuchen der wohltätigen Damen oder auch nicht. Denn eines ist sicher: Das Leben ist zu ernst, um es nicht satirisch zu nehmen. Ein Buch für alle, die wissen: Traditionen sind dazu da, hinterfragt zu werden, und das Menschliche blitzt oft genau dort auf, wo man es am wenigsten erwartet, manchmal sogar zwischen Paradeisern und Kakerlaken.

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

FKK – eine neue Seuche bedroht die Welt

Nach menschlichem Ermessen

Ordnung ist das halbe Leben

Lieber Sisyphus!

Artgerechte Haltung menschlichenNachwuchses

Achtung! Ansteckungsgefahr!

Der Himmel auf Erden

Nichts tun

Was alles keine Arbeit ist

Was zum Teufel ist ein Knurx?

Ihre Empfehlung, Frau Pospischil

Das Sein und das Nichts oder der Welpe und die Kakerlake

Schlumpumpen

Darf ich Ihr Hund sein?

Die Lintschi und die Franzosen

Eine missglückte Entführung

Die Frau meiner Träume

Mordsphantasien

Der Vernissagebesuch

Revolutionen gehen nur mit Paradeiser

Kurzgefasst

Wohltätige Damen

In mich gegangen

Die Nacktaffen kommen

Wasser ist kein Menschenrecht oder Eine Geschichte ohne Moral

Die ganz natürliche Angst des zivilisierten Menschen vor der Natur des Natürlichen

Weil es schon immer so war

Weitere Bücher der Autorin:

Die Autorin

FKK – eine neue Seuche bedroht die Welt

Aufgrund der prekären Lage haben sich alle Regierungschefs der Welt, also alle Leiter globaler Konzerne, zu einem Treffen eingefunden. Weitab der Öffentlichkeit wurde zu diesem Behufe mitten in den unzugänglichen Weiten der sibirischen Tundra ein exquisites Hotel erbaut. So viel Zeit muss sein, auch, oder vielleicht gerade, weil der Untergang knapp bevorsteht. Kein Wort erging an die Presse, und selbst wenn sich eines dorthin verirrt hätte, würde das Hotel nicht gefunden werden. Sämtliche Teilnehmer des Krisengipfels wurden mit ihren Privatjets eingeflogen und die Koordinaten des Ziels erst bei Abflug an die Kapitäne durchgegeben. Äußerste Geheimhaltung war oberste Priorität, denn wenn auch nur ein Wort an die Öffentlichkeit gedrungen wäre, hätten sich die Teilnehmer eine ungeheure Blöße gegeben, da sie am Ende ihrer Weisheit waren. Jeder hoffte auf den anderen, dass dieser ein Mittel zur Hand hätte oder auch nur eine Idee wie man der Lage Herr werden könnte. Man wäre wohl auch schon mit dem Anflug eines Gedankens zufrieden gewesen.

Die Krise war überall spürbar. Vor allem zeigte sie sich bei den Umsatzzahlen, die rapide in den Keller rasselten. Natürlich begann man reflexartig darüber zu jammern, dass Arbeitsplätze in Gefahr wären, doch die Hungerlöhne, die der Markt kreierte, die zahlte man mittlerweile aus der Portokassa. Faszinierend eigentlich, dass sich die Menschen immer noch mit dem Wohl der Firma gängeln ließen, wo doch jeder, der lesen konnte mittlerweile wissen müsste, dass es um nichts weiter ging die Aktionäre bei Laune zu halten und ihnen eine saftige Dividende zu zahlen. Sie bangten um ihr eigenes Saläre – und der 10.000-fache Stundenlohn gegenüber dem geringst Verdienenden im Unternehmen, war wohl das Mindeste, was man erwarten konnte, bei der Arbeitsbelastung und der Verantwortung. Nur mehr das 9.000fache? Das wäre ein Kompromiss, aber ein ziemlich fauler. Wenn aber die Menschen nun aufhörten zu kaufen, dann war es vollends aus. Nicht einmal die Werbung zog mehr, weil die Menschen immer weniger Werbung konsumierten. Sie schienen den Konsum nicht mehr zu benötigen, um sich gut zu fühlen. Sie hatten aufgehört sich mit den Nachbarn, den Kollegen, den Freunden zu messen, indem sie mit dem dickeren Auto oder der andersfarbigen Kreditkarte protzten. Das alles schien nicht mehr relevant zu sein. Kurzgesagt, das Schlimmste, was passieren konnte, war tatsächlich eingetreten. Ein wahres Horrorszenario!

Der Urheber dieser Verseuchung der Menschen war rasch gefunden. Es handelte sich um einen kleinen Wurm. Knapp zwei Millimeter groß konnte er sich in allen Lebensmitteln verstecken. Dank seiner Geschmacksneutralität fiel es niemandem auf, wenn man ihn hinunterschluckte. Doch nicht nur Menschen, auch Tiere wurden befallen, wobei man sich um die nicht kümmern musste, weil sie als Konsumenten sowieso noch nie eine Rolle gespielt hatten. Mit rasender Geschwindigkeit verbreitete er sich über den gesamten Erdkreis, nistete sich irgendwo im Körper des Lebewesens ein, das er befallen hatte und nahm sich gerade so viel, wie er zum Leben brauchte. Es handelte sich also um keinen Parasiten, da er mit seinem Wirt eine erfreuliche Symbiose bildete, denn die Ausscheidungsprodukte, die der Wurm im Körper des Wirtes von sich gab, waren der Grund für gute Laune und Wohlbefinden. Und so klein und unbedeutend dieser Wurm auch zu sein schien, die Auswirkungen waren katastrophal.

Fröhlich, kontaktfreudig, konsumunwillig wurden die davon betroffenen Menschen. Deshalb wurde die daraus resultierende Krankheit kurz FKK genannt. Die Fröhlichkeit, die allgemeine Heiterkeit, die Freude am Leben an sich führten dazu, dass sich die Menschen wieder mehr miteinander unterhielten, ihre vier Wände für Besucher öffneten und Besuche machten. Ein reges Leben allerorts, und Fremde wurden nicht mehr schief angesehen, sondern herzlich willkommen geheißen. Doch vor allem, und das war das Schlimmste, hatten die Menschen keine Lust und keine Zeit mehr für den ständigen Konsum. Schnell wurde von Novartis ein Gegenmittel ersonnen und auf den Markt geschmissen, doch die Menschen weigerten sich schlichtweg es zu nehmen. Sie wollten lieber krank sein. So weit war es gekommen, und keine Rettung in Sicht.

Nach menschlichem Ermessen

Es gibt so etwas, was wir als „menschliches Ermessen“ bezeichnen. „Nach menschlichem Ermessen dürfte so etwas nicht passieren“, heißt es da zum Beispiel. Dies beinhaltet zweierlei. Erstens, dass wir von unserem menschlichen, anthropozentrischen Blickwinkel ausgehen. Natürlich tun wir das immer, weil wir keinen anderen haben, aber hier wird es benannt und eingestanden. Zweitens wird damit bekundet, dass diese Wahrnehmung und diese Art der Ab- und Einschätzung offensichtlich begrenzt ist. Dürfte es nicht passieren und es passiert dennoch, so gibt es keine Parallelen und war nicht vorhersehbar.

Wir wundern uns darüber, fügen es zu unseren Erfahrungen hinzu und machen weiter. Wieder haben wir ein menschliches Ermessen, das auf weitere Fälle anwendbar ist, bis wir wieder eines Besseren belehrt werden, und immer so weiter. So ist es legitim anzunehmen, nach menschlichem Ermessen, dass wir noch sieben Jahrzehnte leben, wenn wir die Flammen von zehn Geburtstagskerzen auf der Torte ausblasen. Wenn wir es noch behaupten, wenn es drei Mal zehn Kerzen sind, dann wird dies wohl mit einem Kopfschütteln quittiert. Das ist nach menschlichem Ermessen eher abwegig.

Gute Dienste zur Auffrischung des menschlichen Ermessens leistet uns eine wissenschaftliche Disziplin, die sich Statistik nennt und sich der Aufgabe verschrieben hat all das, was vage und ohne jegliche Grundlage an Beweisen in das menschliche Bemessen eingegangen ist, zu katalogisieren, zu nummerieren, zu klassifizieren, um daraus die hübschen Tabellen zu basteln, aus denen klar und deutlich hervorgeht, welche Spannbreite das menschliche Ermessen umfassen sollte, weil es sich in einer Vielzahl der Fälle bewahrheiten wird. Ausreißer werden achselzuckend zur Kenntnis genommen und wandern in die Kategorie „Unerwartetes“.

Doch diese Klassifizierung macht nicht halt bei Dingen und Ereignissen, sondern hat sich auch des Menschen selbst bemächtigt.

Alterspyramiden sagen uns wie lange wir im Durchschnitt zu leben haben, spezifiziert allenfalls nach Geschlecht oder sozialer Stellung oder schlechten wie guten Gewohnheiten. Die höchste Lebenserwartung müsste demnach eine reiche, in einem Land der ersten Welt lebende, unverheiratete Frau ohne Kinder haben. Da liegt es im Bereich des menschlichen Ermessens, dass sie das 85. Lebensjahr ohne größere Probleme erreicht. Wird man zufällig als Mädchen in Indien gezeugt, ist es nach menschlichem Ermessen durchaus sinnvoll anzunehmen, dass man nicht einmal den Uterus lebend verlassen darf.

So werden Menschen in Statistiken gezwängt, Fakten zusammengetragen, die dann irgendwo brach und träge herumliegen, und die Tendenz zeigen, sich zu verselbständigen, indem wir allzu schnell bereit sind das, was als Durchschnittswert festgestellt wurde, als unabänderlich zu sehen. Es nimmt die Ausmaße eines Naturgesetzes an. Man kann nichts dagegen machen. Nach menschlichem Ermessen kann daran nichts geändert werden. Dass weibliche Föten abgetrieben werden, daran lässt sich nichts ändern. Dass Mädchen auf der ganzen Welt bestialisch verstümmelt werden, daran lässt sich nichts ändern. Dass reiche Menschen in der Ersten Welt Zugang zu erstklassiger Bildung, gesundheitlicher Versorgung und all den anderen Einrichtungen haben, die anderen verwehrt werden, das ist eben so. Fast schon neigen wir dazu zu sagen, dass das immer schon so war und immer so sein wird. Der Mensch ändert sich nicht. So wäre es wohl auch meine Aufgabe danach zu streben reich, schön und beliebt zu sein, während ich auf der Karriereleiter ganz nach oben steige. Nach menschlichem Ermessen sind das die Ziele, die ich haben sollte.

Es gehört dazu, dass ich mich durch Nichtigkeiten von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens ablenken lasse, die Dinge, die zählen, weil sie glücklich zu machen vermögen. Wie Deine Hand in meiner. Wie Dein Lächeln. Wie Dein Kuss. Das ist nicht mehr Sache der Statistik. Und auch nicht des menschlichen Ermessens. Aber das ist etwas für das Erwachen der Menschlichkeit und der Lebendigkeit. Und wenn es der Vereinnahmung durch das menschliche Ermessens entgeht, so gib gut acht, dass es nicht verschwindet, sondern Du es bewahrst und in Dir trägst. Und wenn Du es tust, so ist es nach menschlichem Ermessen sehr wahrscheinlich, dass Du glücklich wirst.

Ordnung ist das halbe Leben

„Was suchst Du denn jetzt schon wieder?“, fragst Du, die Hände distinguiert in die Hüften gestemmt.

„Eigentlich hast Du die Hände nicht in die Hüften, sondern in die Taille gestemmt, und überhaupt, wieso in, wenn dann auf. In würde stimmen, wenn Du 150 kg hättest, und Deine Hände beim Stemmen so in den Speckfalten verschwinden, aber dann wären sie immer noch auf und nicht in. Es geht also nicht“, merke ich nachdenklich an.

„Du stellst Dir aber jetzt nicht wirklich vor wie ich aussähe, wenn ich 150 kg hätte?“, unterbrichst Du mich unflätig.

„Aber woher denn, das würde mir nicht im Traum einfallen, so mit Speckröllchen und Doppelkinn und faltenlosen Gesicht und ...“, gebe ich zurück.

„Es reicht! Was suchst Du?“, wirst Du zusehends unwirscher.

„Ich suche? Ach ja, ich suche, meinen Bleistift“, antworte ich.

„Aber dort drüben in der Stiftebox sind mindestens fünf Bleistifte“, gibst Du zurück.

„Da sieht man, Du verstehst nichts von Bleistiften. Ich suche einen ganz bestimmten, und der ist nicht dort. Du verwendest ja auch nicht für alles denselben Topf“, gebe ich kopfschüttelnd zurück.

„Du willst doch nicht wirklich einen Topf mit einem Bleistift vergleichen?“, fragst Du erstaunt.

„Nein, ich will nicht vergleichen, ich will finden“, entgegne ich kurz.

„Dann solltest Du ihn dort zu den anderen geben, überhaupt alles an den Platz, an den des gehört, dann müsstest Du nicht ständig danach suchen. Das kommt davon, weil Du so schlampig bist. Es heißt nicht umsonst, Ordnung ist das halbe Leben“, belehrst Du mich umgehend.

„Ja, weil man die Hälfte des Lebens damit vertut sie ständig zu halten. Ordnung halten ist mühsam und kostet Zeit, viel mehr als ich fürs Suchen brauche. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Ordnung um der Ordnung willen gehalten wird, und nicht, weil es einem dienen soll. Nein, da bleibe ich lieber bei meinem System. Mitten im kreativen Chaos entstehen auch die herrlichsten Gedanken. Ohne das Chaos wäre manche Geschichte nicht entstanden, wenn Dinge beisammen liegen, die gar nichts miteinander zu tun haben. Ordnung zerstört das Kreative, weil dort wo nur Dinge zusammenkommen, die zusammengehören, kann kein neuer Gedanke entstehen, und es sind doch großartige Momente, wenn man unvermittelt etwas findet, wo man es gar nicht vermutet hätte. Halt es Du wie Du willst, ich lasse mir meine Kreativität nicht nehmen“, sage ich überzeugt.

„Und dennoch, alles, was Du sagst, ist ein Herumreden um die Tatsache, dass Du einfach zu faul bist Ordnung zu halten, nichts weiter. Ich kann mir auf jeden Fall nicht vorstellen, dass Du Dich in Deinem Chaos wohl fühlst.

Ordnung mag jeder“, behauptest Du unumwunden.

„Wieso weißt Du das? Hast Du jeden gefragt?“, gebe ich schnippisch zurück, „Du schließt schon wieder unheimlich schlüssig von Dir auf andere.

Aber ich weiß mit absoluter Gewissheit, ich hätte vieles nicht gefunden, wenn ich es nicht gesucht hätte.“

„Klar, wenn Du nicht suchst, kannst du nicht finden“, erwiderst Du trocken.

„Weißt Du was, wir genießen jetzt mal den anderen Teil des Lebens und machen einen Ausflug“, schlage ich vor, und ohne eine Antwort abzuwarten, nehme ich Dich an der Hand und mit, während die andere einen Bleistift, den sie die längste Zeit hielt, gedankenlos hinters Ohr stecke.

Lieber Sisyphus!

Du meinst Du hast es schwer? Ewig einen Stein hinaufrollen, und knapp bevor Du das Ziel erreicht hast, rollt er wieder hinunter, das nennst Du eine Herausforderung? Wofür Du diese Strafe erhalten hast, darüber scheiden sich die Geister. Über eines kann man sich wohl einig sein, dass Du – nach den Erzählungen des Homer – wohl ein gewaltiges Schlitzohr warst. Allerdings verdient Deine Dreistigkeit auch einigen Respekt. Du hast dem Todesgott Thanatos getrotzt und ihn ziemlich dumm dastehen lassen. Da bleibt nur die Frage offen, ob dies gelang, weil der Gott in seiner Machtfülle eine derartige Überheblichkeit an den Tag legte, dass er nicht im Traum daran dachte, dass Du es wagst ihn hinters Licht zu führen, oder ob es wirklich nur Deiner Schlauheit zu verdanken war. Vielleicht war es auch eine Mischung aus beidem, ein wenig. Fakt bleibt, es gab etwas wofür Du der Strafe würdig wurdest, zumindest aus dem Bild, das man von den griechischen Göttern zeichnete. Sie in ihrer Ehre zu kränken war wohl eines der größten Vergehen, würdig dafür in den Tartaros, in den tiefsten, dunkelsten Teil der Unterwelt, verbannt zu werden. Doch zumindest gibt es einen Anhaltspunkt, etwas, das diese Form der ewigen Bestrafung rechtfertigte.

Du meinst Du hast es schwer? Lange Zeit dachte ich das auch, seit dem Moment, als ich Deine Geschichte zum ersten Mal hörte. Es gibt wohl kaum etwas Schrecklicheres als eine Aufgabe zu haben, und man meint schon, jetzt habe ich es geschafft, aber mit einem Schlag wird alles zunichte gemacht und man muss nochmals von vorne anfangen, ganz von vorne, und das immer und immer wieder. Als ich meine erste Diplomarbeit schrieb, die plötzlich verschwunden war, als ich sie fast beendet hatte, da dachte ich an Dich, denn so musstest Du Dich fühlen, Tag für Tag für Tag. Überhaupt waren diese griechischen Götter sehr findig beim Ersinnen von Strafen. Kunststück, sie hatten auch nicht viel zu tun. Tantalos in einen Teich zu stellen, und das Wasser zurückweichen zu lassen, wenn er trinken wollte, die feinsten Früchte vor seine Nase zu hängen, und die Äste zurückweichen zu lassen, sobald der danach griff, das nenne ich doch mal eine perfide Strafe. Aber den eigenen Sohn zu töten und ihn den Göttern zum Essen vorzusetzen, nur um diese auf die Probe zu stellen, das ist auch ein starkes Stück. Dennoch war ich bereit mitzuleiden, zumindest mit Sisyphus.

Du meinst Du hast es schwer? Mittlerweile hat sich an meinen Lebensumständen einiges geändert. In der pubertären Mitleidsphase wohnte ich im Hotel Mama, doch nun, mit eigenem Haus, Kindern und Familie gesegnet, nun weiß ich, nein, mein lieber Sisyphus, ich habe es schwer. Es gilt dazu zu sagen, dass ich nie eine begnadete Hausfrau war und sich das auch niemals ändern wird. Vielerorts habe ich mir dafür schon Schelte eingefangen, da es doch etwas Erhebendes sein sollte, das Nest fein und reinzuhalten, oder das meditative Element beim Bügeln zu entdecken. Ich werde mich weiter schelten lassen müssen, doch die Hausarbeit, das ist die wahre Sisyphusarbeit. Kaum hat man an einem Ende aufgehört, kann man schon wieder von vorne beginnen, immer wieder, jeden Tag, bis in alle Ewigkeit, wie mir scheint. Doch es ist nicht nur das, dass einem der Stein jedes Mal herunterrollt und man wieder von vorne anfangen muss, sondern auch, dass man nach den Früchten der Anerkennung greift, und sie einem sofort entzogen werden, mit dem Hinweis, was man doch nicht übersehen hat in seinem Staubentfernungswahn. Und schon entschwinden sie in weite Ferne. Vielleicht kann man noch einen Schluck des Lobes trinken, aber auch das Wasser zieht sich zurück, und man steht im Trockenen der Anweisung, dass es nun mal wieder höchste Zeit wäre Fenster zu putzen.