Aellins muntere Jagd - Aaron Bloodwing - E-Book

Aellins muntere Jagd E-Book

Aaron Bloodwing

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Beschreibung

Dunkle Vampir-Erotik und Old-School-Horror mit einer Prise Humor. Aellin ist satt. Hoch über Bamberg zieht sie ihre Kreise. Da erspäht sie in den nächtlichen Gassen einen attraktiven Mann. Um sich die Zeit zu vertreiben, jagt sie ihn. Bis er weder vor noch zurück kann. Mittels ihrer unsagbaren Kraft unterwirft sie ihn. Bis sie ihre Lust gestillt hat. Dann dackelt sie hüftschwingend von dannen. Tage später trifft sie unerkannt den reifen Mann wieder. Auf dem Bett ihrer jungen Kommilitonin Mara. Nicht verknusen kann Aellin, dass Mara diesem Mann, der sich damit brüstet, Vampire aus Bamberg vertrieben zu haben, schöne Augen macht. So wartet sie sehnsüchtig, bis sich die passende Gelegenheit bietet. Bis dahin kostet sie von der unkonventionellen Hingabe ihrer Mitstudentin. Maras samtweiche Lippen und zärtliche Fingernägel bringen dabei das Blut der Vampirin zum Kochen. Bis diese explodiert und für nichts mehr garantieren kann. Aaron Bloodwing verbindet in diesen eBook düstere Erotik mit klassischen Horrorelementen, die an die alten Draculafilme angelehnt sind. Dabei darf es an der einen oder anderen Stelle ruhig einmal humorvoll werden. Da das Buch viele explizite Beschreibungen erotischer Szenen enthält, ist es für Personen unter 18 Jahren nicht geeignet.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 120

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Aaron Bloodwing

Aellins muntere Jagd

Horror & düstere Erotik

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Der Blutvater

Nächtliche Jagd

Überraschender Besuch

Das Gewitter in der Geistervilla

Die Verführung der Mutter

Das vielschichtige Aroma eines schönen Mannes

Das Blut des Vaters

Weiteres Werk des Autors

Leseprobe aus „Maria in die Dornen ging“

Impressum neobooks

Der Blutvater

Bamberg. Ende Januar 2019.

Aellin stößt einen entsetzlichen Schrei aus. Er endet mit dem Knallen der alten Kutscherpeitsche. Noch ist ihr Körper nicht getroffen. Der gefährliche Krach in der Luft ist entstanden, als das dünne Ende des an der Peitsche befestigten Lederbandes blitzschnell in die Gegenrichtung davongezogen wurde. Raija, die blonde Frau in der schwarzen Reizwäsche aus Leder und den hohen Lederstiefeln weiß dieses Werkzeug perfekt zu handhaben. Nicht nur beim Antreiben der Pferde vor der Kutsche. Wenn sie auf dem Bock sitzt und das lange Leder über die schwitzenden Tierleiber treibt, ohne deren Fell zu berühren.

Aber Aellin ist weder ein Pferd noch hat sie Fell. Splitternackt jagt sie durchs Zimmer. Über Sessel und Tische, von einer Ecke in die andere. Stets den Blick gehetzt über die Schulter geworfen. Sie weiß, lange wird es nicht mehr dauern, dann wird der Lederriemen nicht mehr in der Luft knallen. Bei diesem Gedanken wallt eine unerklärliche Hitze durch ihren Körper.

In Raija schnellt das Adrenalin hoch. Das dürre, nackte Mädchen aus dem Walde durchs Zimmer zu treiben, ist ein erregender Genuss. Ob es Strafe verdient hat oder nicht, steht nicht zur Debatte. Es ist nichts weiter als eine Sklavin, an der die Herrin ihre Launen ausleben darf. Um sich an der Angst und Wehrlosigkeit der Fliehenden zu ergötzen; um sich an ihrem schutzlosen Körper und der Vorstellung, was sie mit diesem unberührten Weiß alles gleich machen wird, grenzenlos zu weiden. Ja, Aellin ist wie geschaffen, die animalischen Triebe in einem zu bedienen. Da hat Alois, der alte Vampir, der Blutvater der jungen blonden Frau mit der Peitsche, genau das richtige Versuchskaninchen aufgetischt.

Verzweifelt rüttelt das Opfer an der Zimmertür. Vielleicht ist das Ding ja heute zufällig offen, mag sie denken. Hinter ihr dagegen nähert sich das Grauen, die Zerstörung jeglicher Hoffnung.

Raija ist entzückt, wie die schwarzbraunen, geflochtenen Zöpfe gleich Schlangen über den weißen, glatten Rücken der an der Tür Zerrenden gleiten. So weich. So unversehrt. So unschuldig. Und so maßlos dazu angetan, genau das zu verändern. Kraftvoll holt Raija aus.

Das Fleisch zuckt, als das Leder den ersten Striemen setzt. Von den Wänden rollt das Echo eines irrsinnigen Schreies in den Raum. Es geht unter in einem erneuten Knall.

Wie von Sinnen flitz die für diese Spiele von dem Blutvater Eingekaufte durch das Zimmer. Doch anders als bei ihrer ersten Runde, trifft jetzt die beißende Zunge in Schwarz. Auf ihren Rücken, ihren Hintern, ihre Oberschenkel.

Die Striemen zwiebeln auf ihrem Körper, wann die Peinigerin von ihr, Aellin, ablassen wird, ist nicht abzusehen. Hoffentlich nicht so schnell, fordert eine selbstgefällige Stimme in ihrem Inneren. In derselben Art, wie ihre Mutter sie rügte, voreilig zur Suppenschüssel zu greifen. Zuerst kamen immer die Männer in der Holzfällerfamilie dran, dann das Haupt der Küche. Erst zum Schluss durfte der Nichtsnutz mit den Zöpfen sehen, ob was übrig gelassen wurde.

Damals reagierten der hungrige Körper und der nach nur einem ganz kleinen Stück Anerkennung lechzende Geist mit Zorn auf diese Arroganz und Ignoranz. Heute wallt in dem Mädchen aus dem Walde Lust auf. Die Süße des Schmerzes. Das ist der Unterschied. Ein gravierender.

Raija treibt ihr Wild zu der zweiten Tür in diesem Zimmer. Wie erwartet, rüttelt die Verzweifelte daran. Die Tür öffnet sich, das Mädchen mit den Zöpfen flitzt hindurch. Laut kracht das alte Holz zu.

„Dummerchen“, schmunzelt Raija. Sie legt das Ohr an der Tür an. Aus der Kammer hört sie ein Wimmern und Schluchzen. Welch wonnebringende Geräusche. Der blonden Jägerin ist, als würde in ihrem Schoß sich ein Wespenvolk zum Aufbruch bereit machen. Vorsichtig öffnet die Frau mit der Peitsche die Tür, die keinen Schlüssel hat.

Dahinter befindet sich ein Kämmerlein. Zwei Meter in der Länge, einen in der Breite. Ausgelegt mit selbstgenähten Matratzen aus rauem Stoff. Wohltuend duftet es nach frischen Heu und Blumen. Es betört Raijas Duftsinne auf angenehme Weise. Noch stärker hingegen wird ihr sexuelles Verlangen angesprochen. Durch das in der Ecke kauernde Mädchen. Gerade mal achtzehn. So mager, dass sich die Rippen durch die Haut drücken. Sie ergeben ein kunstvolles Muster mit den roten Striemen, die die armselige, junge Frau zieren. Kein Wunder, dass Alois, der Blutvater Raijas, dieses klägliche Geschöpf mit Leichtigkeit den Eltern abkaufen konnte. Für nur einen Zweck: Seiner Ziehtochter zu dienen, bis diese sich an dem Blut der Hageren nährt.

Aellin hat sich in der Ecke klein gemacht. Ein in die Falle gegangener Fuchs hockt ängstlich in der Ecke. Bloß eine winzige Kleinigkeit stört. In den kastanienbraunen Augen des Opfers lodert eine der Situation ungebührender Erwartungshaltung. Diese mag der Grund sein, dass die junge Frau nicht aufschreit, als eine Hand in ihr schwarzes Halsband aus Leder greift. Willenlos lässt sie sich hochziehen.

Raija befestigt den in das Halsband eingearbeiteten Ring an einen Haken in der Wand. Anschließend schiebt sie mit ihren schwarzen, glänzenden Lederstiefeln die nackten Füße der jungen Frau auseinander. Bis die um die Fesseln gelegten Bänder aus Leder vor weiteren Haken in der Wand zum Stehen kommen. Ein kurzes Hinknien der Herrin, schon sind die Füße an der Wand fixiert. Zum Schluss werden die breiten Armbänder ebenfalls in Vorrichtungen eingehängt.

Dieses vollbracht, stellt sich Raija in die Tür. Der Anblick dieses zu einem X aufgespannten Mädchens kurbelt ihre Sinne an.

„Du hast selber schuld, Aellin. Warum musst du mich mit deinem verführerischen Hinterteil so reizen. Hättest du dich nicht anders herum an die Wand stellen können?“ Voller Vorfreude schlägt Raija die aufgerollte Kutscherpeitsche in ihre offene Hand.

„Herrin. Gnade. Ich hab weder ein Brot gestohlen noch mit eurem Schmuck gespielt.“ Mit einem fieberhaften Leuchten in den Augen verfolgt die an die Wand Gekettete, wie ihre Peinigerin die lange Lederpeitsche mit einer Reitgerte austauscht. Kurz darauf beginnt die Stunde der Sucht.

Hiebe prasseln auf den Körper der jungen Frau nieder; eine feuchte, warme Zunge leckt die Linien der Qual ab; sanfte Hände streicheln ihren gepeinigten Körper, nur um sie vorzubereiten. Für die nächsten Rufe der Strafe. Eine Peinigung, die nur einen Grund hat, Sklavin sowie Herrin in den Garten der Lust zu hieven.

„Aellin, du Schlampe. Du läufst ja aus wie ein Wasserschlauch, der ein Loch bekommen hat.“ Unnachgiebige Strenge liegt in der Stimme der blonden Frau, die gerade einmal fünf Jahre älter ist als ihre Dienerin. Pietätlos legt sie den Knauf der Peitsche in den Schritt der zu einem X Aufgespannten.

„Nennst du das sittsam?“ Drohend hält Raija den vor Nässe glänzenden Peitschenstiel ihrer Freundin unter die Nase.

„Verzeiht, Herrin. Für das unerlaubte Ausbrechen meiner Lust habe ich Züchtigung verdient.“ Kastanienbraune Geilheit wandert zwischen dem Griff der Peitsche und den stahlgrauen Augen der Frau in dem erotischen Lederdress hin und her.

„So nimm sie in dir auf.“ Ohne zu zögern, schiebt die Blonde der Frau mit den Zöpfen den Knauf des Schlagwerkzeuges in die feuchten Falten hinein. Sekunden später rollt eine wunderbare Flüssigkeit an den Beinen der Gefesselten abwärts.

„Das gefällt meinem Mädchen, nicht wahr? So verludert. So verdorben. So unersättlich.“

Geschickt manövriert die Frau mit dem blonden Haar die Hagere zu einem Orgasmus. Selber pulsiert die Lust in ihrem Schoß. Es bedarf nicht mehr viel, um ebenfalls einen Höhepunkt zu erleben. Auf der Bergfahrt dahin will Raija noch viel mitnehmen. So geht sie zu Boden, um mit ihrer Zunge von den Fersen an am Körper der Gepeinigten hochzufahren. Auf den Beinen vermischt sich Schweiß mit dem Sekret, das unaufhörlich aus der übervollen Muschel läuft. Noch immer oder schon wieder.

Von den Oberschenkeln über den Po geht die Route entlang der Wirbelsäule. Die leicht gesetzten Striemen bluten nicht. Raija ist erfahren genug, den Körper ihrer Geliebten nicht zu zerstören. Es ist ihre hohe Kunst, Aellins Haut zum Brennen zu bringen. Zuerst mit dem Schlagwerkzeug, jetzt mit ihrem Körper, den sie sündig am Rücken der Gefesselten reibt. Dabei knetet sie mit ihren Händen von hinten die kleinen Brüste des Zopfmädchens und schmiegt zärtlich ihre Wange gegen die der Anderen.

Das verlangende Stöhnen der Gefangenen treibt die Herrin voran. Ihre saugenden Küsse wandern vom Nacken auf der Schulter entlang, kommen zurück.

Lippen legen sich an den Hals. Sie spüren das pulsierende Blut in den Adern der Tochter des Holzfällers. Was für eine Lust. Dieses Kribbeln auf den Lippen; der sich ihr entgegen drückende Körper, an dem sich Raija ihre Brüste und ihren Schoß reibt; das sündige Stöhnen aus den frivolen Lippen der jungen Frau. Es ist zu viel für die Ziehtochter des Blutvaters. Als sie von ihrem Orgasmus überrollt wird, beißt sie zu. Trinken. Nur trinken. Und trinken.

„Du musst trinken, mein Kind, willst du eine echte Jägerin der Nacht werden“, hört sie den wohlgemeinten Rat des alten Alois noch einmal. Trinken. Nur trinken. Und trinken.

Damit sie, Raija, eine Gefährtin wird. Um vom großen Vampir in ihre Zeit zurückgeschickt zu werden. Mit der holden Aufgabe betraut, eine neue Sippe aufzubauen. Weit in der Zukunft des alten Vampirs. In der Sicherheit, die derzeit nicht über Bamberg liegt.

Erst als Aellin wie ein leerer Sack an der Wand hängt, beendet die Blutsaugerin ihr schmatzendes Schlürfen. Mit dem Handrücken wischt sie sich den Mund sauber, als sie zurück in das große Zimmer geht. Gerade will sie sich in ihr Himmelbett legen, da klingelt der Wecker.

Es ist noch relativ dunkel. Eine erste Amsel begrüßt den Morgen. Die Ziehtochter des alten Alois sitzt auf den Schindeln kurz vor der Dachrinne. Bis hinter dem Fenster ein von einem Albtraum gezeichnetes Gesicht erscheint, umrahmt von Haaren, die in alle Himmelsrichtungen abstehen. Dieses Gespenst ist dem Vogel nicht geheuer. Mit einem Warnruf hebt er sich in die Lüfte.

Verlaufen in den Schlingen zwischen Traum und Wirklichkeit tapst Raija zurück zum Bett. Sie schlägt die zweite Zudecke hoch. Aellin ist nicht da. Warum hat sie Kissen unter ihre Decke gelegt, dass es aussähe, als läge ein Körper darunter? Wieso geht sie als junge Frau alleine in die Stadt – mitten in der Nacht? Aber vor allem, warum dieser Traum?

Alois, ihr Blutvater, erwarb zwar wirklich die junge Frau bei einer Familie im Walde, doch Raija weigerte sich bis zum Schluss, an diesem Opfer ihren Ritterschlag zu bekommen. Schicksalsbedrohlich war dieser Entschluss nicht, der alte Vampir schickte Raija trotzdem zurück in ihre Zeit, Sekunden bevor der Pfeil eines Jägers ihn ins Bein traf und er sich fliehend in die Lüfte hob.

Nächtliche Jagd

Die eisige Luft des Winters schneidet Felix Gernbart tief in die Lunge. Ein trockener Husten entfährt seiner Kehle. Er macht ihm die Unvollkommenheit und Zerbrechlichkeit der menschlichen Natur bewusst. Hier unten auf der Aussichtsterrasse der Unteren Brücke. Ganz nah am Hochzeitshaus, des von einem Sandsteinstier bewachten Alten Schlachthofes sowie im Schatten des Alten Rathauses.

Neben ihm rauschen die Stromschnellen der Regnitz. Gespenstig schimmern ihre Gischtkämme in der schwarzen Nacht. Wo das Licht der Laternen nicht hinfällt, scheint sich die Wasseroberfläche mit der Finsternis des Himmels zu verschmelzen. Gerade heute ist die Nacht besonders düster. Die tiefhängenden Wolken scheinen nach dem Mann ausgreifen zu wollen. Jeden Moment wähnt Felix Gernbart, eine Hand würde aus dem Schwarz auftauchen, ihn in den Nacken packen und in das All ziehen. Jene grenzenlose, lebensfeindliche Welt. Absolute Kälte, ohne Sauerstoff – kein Domizil für Organismen jeglicher Colour.

Bei diesen Gedanken stellen sich seine Nackenhaare auf. Instinktiv zieht er sich seinen Schal über Mund und Nase. Heftig ruckt er mit dem Kopf. Schnee fällt aus seinem Haar. Mit ihm die brutalen Bilder des Todes, die sich in sein Hirn schmuggeln wollen. Hätte er nur gelernt, auf seine Intuition zu hören, hätte er erkannt, dass das Grauen nicht von der vermeintlichen Wolkenhand herrührt, sondern von dem Wesen, das über den Wolken seine Kreise zieht. Hungrig bis ins Mark und tausendmal treffsicherer als eine Killerdrohne. Mitnichten ist der Äther unbevölkert.

Der mittelgroße Mann mit dem Dreitagebart sowie dem fülligen, schwarzen Haar, das er links gescheitelt hat und welches ihm bis über die Ohren fällt, schaut gedankenverloren auf den großen Bronzeplastik des Centurione I von Igor Mitoraj. Der Kopf eines jungen Mannes. Ernst und nachdenklich. Jedoch fehlen ihm Stirn, Hinterkopf und Augen. Eine Deformation der Wahrnehmung und des Urteilvermögens. Das Rechenzentrum fehlt.

Felix Gernbart erkennt in diesen Sekunden nicht, wie ähnlich er der Statue ist. Er kneift seine dunkelbraunen Augen zusammen und macht kehrt. Runter zum Fußweg am Alten Kanal.

Der Schneefall ist stärker geworden. Die feinen Kristalle prickeln auf seinen Wangenknochen und seiner Stirn. Im gelben Licht der alten Laternen segeln hauchfeine Stacheln in der Dunkelheit. Zu seiner Rechten liegt der Alte Kanal. Undurchdringlich schwarz sein Wasser, trügerisch schwach seine Strömung, unergründlich seine Tiefe. Die Häuser an seiner linken Seite wirken unbewohnt. Kaum ein Fenster ist erleuchtet. Es geht auf Mitternacht zu, hat der Spaziergänger eine Erklärung parat, die ihm weniger die Umstände der Situation beschreiben sollen als vielmehr das rätselhafte Gefühl der Furcht. Die kleine, menschenleere Gasse – nur ein Geländer trennt ihn von dem eiskalten, tödlichen Wasser. Käme jetzt eine Horde angetrunkener Jugendlicher, Freiwild wäre er geworden. In diesem Moment zerschneidet ein markerschütternder Schrei die Nacht. Vor Schreck liegt der Wanderer einen Lidschlag später wie ein Maikäfer auf dem Rücken. Mit Beinen und Armen rudert er in der Luft. Allmählich erlangt er die Gewalt über seine Nerven zurück. Umständlich dreht er sich auf den Bauch. Seine Arme und Beine zittern so sehr, dass er sich nicht aufrappeln kann. Da hört er ein pfeilschnelles Rauschen über sich.

Der Mann krümmt den Nacken, kneift die Augen zusammen. Unfähig, sich zu wehren, harrt er seinem Schicksal. Vor seinen verwirrten Augen sieht er sich schon in den Fängen eines Flugsauriers. Doch das Unheil zischt über ihn hinweg.

Wie von der Tarantel gestochen hechtet Felix Gernbart vor. Die frostige Luft beißt in seine Lunge. Egal, der Fluchtinstinkt ist endlich geweckt. Viele Menschen sind Raubtiere, dieser Gattung gehört er nicht an.

Der Mann mit Todesangst rennt. Und rennt. Und rennt.

Über die Fußgängerbrücke auf die Mühleninsel. Rot glühen die Fußstapfen der Hexen im rostigen Braun. Eine untilgbare Schuld Bamberger Ratsherren. Der Rasende hat keine Zeit, im Schatten von Schloss Geyerswörth über Verbrechen und Gerechtigkeit nachzudenken. Abermals senkt sich das Grauen aus der kalten Nacht herab.