Afrika - Kontinent der Chancen - Torsten Dennin - E-Book

Afrika - Kontinent der Chancen E-Book

Torsten Dennin

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Beschreibung

Während Mark Mobius mit "Emerging Markets für Anleger" die Grundlagen darstellt, greift Dr. Torsten Dennin einen Kontinent heraus und präsentiert Afrika und seine Chancen. Afrika ist reich an Rohstoffen. Und insbesondere China hat in den vergangenen Jahren einen enormen Rohstoffhunger entwickelt. Rohstoff für Rohstoff und Land für Land nimmt Dr. Dennin den Leser mit auf eine Reise kreuz und quer durch den Kontinent. Er präsentiert Zahlen, Fakten und Akteure und weist auf kulturelle, militärische und politische Eigenheiten und Gefahren hin. So entsteht eine Investment-Landkarte des Schwarzen Kontinents und seiner Rohstoffe, die dem interessierten Investor als Orientierung dient.

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Copyright der deutschen Ausgabe 2013:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

Gestaltung Cover: Johanna Wack, Börsenmedien AG

Gestaltung, Satz und Herstellung: Martina Köhler, Börsenmedien AG

Lektorat: Claus Rosenkranz

Druck: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm

ISBN 978-3-86470-100-9eISBN 978-3-86470-107-8

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Postfach 1449 • 95305 Kulmbach

Tel: +49 9221 9051-0 • Fax: +49 9221 9051-4444

E-Mail: [email protected]

www.boersenbuchverlag.de

http://www.facebook.com/boersenbuchverlag

„He declared he would shoot me unless I gave him the ivory.“

Joseph Conrad, Heart of Darkness (1899)

„This is Africa.“

Leonardo DiCaprio, Blood Diamond (2006)

Stimmen zum Buch

„Der Autor nimmt seine Leser mit auf einen Streifzug durch einen rohstoffreichen Kontinent.“

– Frank Doll, Wirtschaftswoche

„Dr. Dennin zeigt sehr nachvollziehbar, detail- und pointenreich die Gründe für ein Investment auf dem Schwarzen Kontinent auf. Dem Leser wird anschaulich vermittelt, warum die Story aus Rohstoffen und Afrika eine Erfolg versprechende ist. Als Standardwerk für Investoren geeignet, die anhand der Fakten Entscheidungen fällen, über den Tellerrand hinausschauen und den Schwarzen Kontinent als Chance begreifen.“

– Alexander Heftrich, Finanzwelt

„In seinem neuen Buch zeigt Dr. Torsten Dennin auf, welche Investmentmöglichkeiten der Schwarze Kontinent bietet, und vermittelt gleichzeitig einen sehr guten Überblick über die politischen Situationen und Entwicklungen der einzelnen Staaten in den vergangenen Jahren. Afrika ist nicht gleich Afrika und wer sich als Anleger im Rohstoff-Eldorado Afrika engagieren will, kommt an diesem Buch kaum vorbei.“

– Hannes Huster, Der Goldreport

„Dr. Dennin zeigt anhand zahlreicher Details, warum dies nicht nur für chinesische Investoren gilt und welche Unternehmen am besten auf diesem wilden Kontinent bestehen.“

– Christoph Schmuck, Morgan Stanley

„Endlich ein Buch, welches drei der spannendsten globalen Wachstumsthemen (China, Rohstoffe und Afrika) zusammenbringt und Anlagechancen für die Zukunft aufzeigt.“

– Leif Millarg, Deutsche Bank

„Die Welt braucht Afrikas Ressourcen … Chinas steigender Rohstoffhunger ist ein weiterer Beweis für die globale Bedeutung des Schwarzen Kontinents. Der Autor befasst sich detailliert mit diesem spannenden Markt und zeigt Möglichkeiten auf, wie der Anleger davon profitieren kann.“

– Alexander Dinev, Barclays Capital

„Der Schwarze Kontinent und die neue gelbe Gefahr! – Wie kann ein Anleger heute und zukünftig von der Rohstoffkammer Afrika profitieren? Der Rohstoffexperte Dr. Dennin schafft Verständnis und zeigt nachvollziehbare und risikobalancierte Lösungen.“

– Philipp Mercker, Hauck & Aufhäuser

„Rohstoffe und Afrika … der Autor zeigt Fluch und Segen des Rohstoffreichtums auf und welche Chancen, auch für Anleger, damit verbunden sind.“

– Matthias Hanske, Commerzbank

„In seinem dritten Buch gibt Dr. Torsten Dennin einmal mehr hochinteressante Einblicke in die Rohstoffwelt – diesmal mit Fokus Afrika.“

– Peter Boesenberg, Société Générale

„Afrika und seine Rohstoffe, eine der letzten realen Investitionschancen, die der Autor offenzulegen versteht.“

– Timo Bartell, BNP Paribas

„Entwicklungen zu erkennen und zu analysieren, ist eine Kunst. Die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und davon zu profitieren, eine andere. Dr. Dennin beweist mit diesem Werk, dass er beides beherrscht.“

– Markus Rohn, Rothschild Wealth Management

„Sehr anschaulich beleuchtet der Autor dieses hochaktuelle Thema aus verschiedenen Sichtweisen.“

– Hergen Vollmers, Steubing Wertpapierhandel

„Bei der Rohstoffsuche kann man derzeit viele Fehler machen. Der Autor hilft diese zu vermeiden und erfolgreiche Trends am Beispiel von Afrika zu identifizieren.“

– Daniel Friedmann, ABG Sundal Collier

„Afrika besitzt alle Rohstoffe dieser Welt, die in einer Zeit steigender weltweiter Destabilisierungen alternativlos sind. Dieses Buch beschreibt die Facetten des Kontinents und gibt einen tief greifenden Einblick in die Welt der natürlichen Ressourcen.“

– Markus Geisbüsch, Macquarie Capital

INHALT

Vorwort

Einführung

Kapitel 1

Afrika – Kontinent der Chancen?

Kapitel 2

Vom „Wettlauf um Afrika“ zum erneuten Wettlauf um die Rohstoffe des Schwarzen Kontinents

Kapitel 3

Afrikas steigende Bedeutung im weltweiten Geschäft mit Rohöl Nigeria, Angola, Algerien, Libyen und Offshore West- und Ostafrika

Kapitel 4

Die Gier nach Gold Südafrika, Ghana, Mali, Tansania, Ägypten und Demokratische Republik Kongo

Kapitel 5

Platin, das Gold des reichen Mannes Südafrika und Simbabwe

Kapitel 6

Blutige Geschäfte mit Diamanten Südafrika, Angola und Botswana

Kapitel 7

Uran als Garant einer strahlenden Zukunft? Namibia, Niger, Malawi und Südafrika

Kapitel 8

„Feeding the Dragon“: China hungert nach Eisenerz Sierra Leone, Guinea, Liberia, Gabon, Kamerun und die Republik Kongo

Kapitel 9

Der afrikanische Kupfergürtel. Kupfer, Kobalt und Coltan in Zentralafrika Demokratische Republik Kongo und Sambia

Kapitel 10

Bauxit und Aluminium – Wachstum in Afrika Guinea, Ghana und Kamerun

Kapitel 11

Sonne, Strand und Meer – Der Abbau von Mineralsanden Südafrika, Madagaskar, Mosambik, Senegal, Sierra Leone und Kenia

Kapitel 12

Plantagenwirtschaft und Landnahmen – Die dunkle Seite der Landwirtschaft in Afrika Äthiopien, Südsudan und Madagaskar

Kapitel 13

Quo vadis, Afrika? Investmentchancen für den Anleger

Anhang

Anmerkungen

Über den Autor

VORWORT

Auf welchem Kontinent liegt das bis 2050 wohl am stärksten wachsende Land der Erde? Welche Weltregion bietet für Banken und Finanzdienstleister künftig das größte Potenzial? Wo werden Konsumgüterhersteller auf einige der vielversprechendsten Absatzmärkte stoßen? Auf diese Fragen haben viele groß angelegte Studien der vergangenen Monate und Jahre eine klare Antwort: Afrika! Auf dem ehemals verlorenen Kontinent herrscht Aufbruchsstimmung. Ausgangspunkt der beginnenden Erfolgsgeschichte war ein vielerorts immenser Reichtum an Rohstoffen, der dann den Stein des wirtschaftlichen Aufschwungs ins Rollen gebracht hat. Die Entwicklung nimmt zügig Fahrt auf und immer mehr Unternehmen und Investoren drängen nach Afrika, um ihre Chance auf Pioniergewinne zu nutzen.

Als ich 2006 begann, mich schwerpunktmäßig mit Investitionen in Afrika zu beschäftigen, war ich überrascht von der Hartnäckigkeit der Vorurteile gegenüber dem von vielen so genannten „verlorenen“ Kontinent. Sogar professionelle Investoren waren teils nur schwer von den Argumenten, die für Afrika sprechen, zu überzeugen. Zugegeben, damals steckte der wirtschaftliche Erfolg vieler afrikanischer Länder noch in den Kinderschuhen. In der Zwischenzeit haben jedoch viele Nationen sogar optimistische Erwartungen übertroffen. Das gilt ganz besonders für die Förderung von Rohstoffen. Damals hätte wohl niemand gedacht, dass Ghana und Uganda heute Öl fördern; oder dass vor der Küste Mosambiks riesige Erdgasvorkommen liegen. Ähnliches zeigt sich bei Eisenerz, das rund um den Globus, aber insbesondere von China dringend benötigt wird: Bis zu 20 Prozent der weltweiten Produktion des Erzes könnten westafrikanische Länder bis zum Jahr 2020 erzeugen – gegenüber nur einem Prozent im Jahr 2006. Zu den vielversprechendsten neuen Produktionsländern gehören Sierra Leone, Kamerun, Guinea oder der Kongo.

Viel getan hat sich in den vergangenen Jahren auch im Hinblick auf die politische Stabilität in Afrika. So schreitet beispielsweise die Demokratisierung voran, wie zuletzt der Arabische Frühling oder das einst verloren geglaubte Liberia, das heute von einer Nobelpreisträgerin als Präsidentin regiert wird, gezeigt haben. Damit einher geht eine steigende Rechtssicherheit und oft auch eine voranschreitende Privatisierung von Staatsbetrieben, was wiederum in verbesserten Investitionsbedingungen resultiert. Auch bei den Unternehmen haben zunehmend westliche Qualitätsstandards bei der Unternehmensführung sowie bei Transparenz- und Reporting-Standards Einzug gehalten. Zweifelsohne gibt es noch immer eine ganze Reihe von Herausforderungen, die gemeistert werden wollen. Doch die Zahl und die Deutlichkeit der Argumente für ein wirtschaftliches Engagement in Afrika sind für Investoren und Unternehmen stetig gestiegen. Ein Beleg: Nachdem ich 2008 den ersten Publikumsfonds für afrikanische Aktien in Deutschland mit zwei Millionen Euro aufgelegt hatte, vertrauten mir Investoren Ende 2010 knapp 400 Millionen Euro an. Investoren stimmen mit den Füßen ab und die Abstimmung fällt zunehmend zugunsten von Afrika aus!

Der langsame positive Sinneswandel von professionellen und privaten Investoren zeigt aber auch, dass es eine verständliche Aufklärung über die Chancen – und Risiken – eines Engagements in Afrika braucht. In den Fokus der Betrachtung gehören dabei insbesondere die zum Teil enormen Rohstoffvorkommen des Kontinents. Denn sie haben vielerorts das am Anfang stehende Wirtschaftswunder Afrikas erst möglich gemacht. Umso höher ist der Beitrag einzuschätzen, den Dr. Dennin mit seinem neuen Buch leistet. In unserer gemeinsamen Zeit bei der VCH Vermögensverwaltung habe ich seine langjährige Erfahrung und seine tiefe Kenntnis der Rohstoffmärkte sehr schätzen gelernt. Für viele Investitionsentscheidungen in Afrika war sein Hintergrundwissen eine wertvolle Unterstützung. Denn in vielen afrikanischen Ländern tragen Rohstoffe nicht nur zu einem großen Teil der Wirtschaftsleistung bei, sondern stehen meist auch für den Großteil der Staatseinnahmen. Mit den Erträgen aus der Rohstoffförderung kann in die oft desolate Infrastruktur investiert werden, dessen Erneuerung zu den größten Herausforderungen des Kontinents zählt. Die logische Konsequenz: Wer sich mit Afrika beschäftigt, kommt an Rohstoffen nicht vorbei.

Der Autor beleuchtet mit seinem neuen Buch also einige der wichtigsten Faktoren für das Erstarken des afrikanischen Kontinents. Dabei untersucht er nicht nur die gigantischen Chancen, sondern auch die zu beachtenden Risiken. Wer sich intensiver mit der Wirtschaft Afrikas auseinandersetzen will, sollte dieses Buch lesen. Meine persönliche Hoffnung ist, dass die Argumente auch einen Beitrag dazu leisten können, Vorurteile gegenüber dem „Kontinent der Chancen“ abzubauen.

Jens Schleuniger,

Afrika-Experte und Fondsmanager des VCH Africa, im November 2012

EINLEITUNG

„In Africa today, we recognise that trade and investment, and not aid, are pillars of development.“

– Paul Kagame, Präsident von Ruanda

Die öffentliche Meinung in der entwickelten Welt zeichnet meistens ein negatives Bild von Afrika. Schon beinahe klischeehaft wird in vielen Medien das Image der Dritten Welt gepflegt.

Gewalt, Armut und Hungerkatastrophen sind an der Tagesordnung und die ihr Leben in Elend fristenden Eingeborenen, im Fernsehen oft bemalt mit Speer und Lendenschurz dargestellt, sind auf Spenden aus der entwickelten Welt für den täglichen Kampf ums Überleben angewiesen. Tatsächlich sind in Afrika über 1.000 internationale Hilfsorganisationen tätig und bewirken Gutes und doch kommt es immer wieder zu schrecklichen Hungerkatastrophen wie zuletzt 2011 in Ostafrika.

Wenn Europäer nach Afrika kommen, dann meist als Touristen der großen Safariparks und auf der Jagd nach Fotomotiven der Big Five – Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Nur selten sind es Unternehmer auf der Suche nach attraktiven Geschäftsmöglichkeiten. Doch gibt es diese in Afrika öfter, als man denkt. Denn was bei der Diskussion über den afrikanischen Kontinent oft unter den Tisch fällt:

Afrika ist nicht gleich Afrika!

Zusammengenommen sprechen wir über mehr als eine Milliarde Menschen und über 50 verschiedene Länder, die unterschiedlicher kaum sein können. Demokratischen Musterländern wie Botswana, Ghana und Südafrika stehen gescheiterte Staaten oder totalitäre Regime wie der Sudan, Algerien oder Simbabwe gegenüber.

Und auch wenn Armut, Gewalt, Korruption und soziale Ungerechtigkeit in vielen Ländern Afrikas noch immer ein Problem darstellen, so haben sich doch die wirtschaftlichen und politischen Rahmendaten in nur wenigen Jahren in der Summe deutlich verbessert. Organisationen wie Transparency International und Freedomhouse bescheinigen vielen afrikanischen Ländern in Bezug auf gesellschaftliche Freiheit und die Bekämpfung von Korruption enorme Fortschritte. Neben Asien zählt Afrika seit einigen Jahren zu den wachstumsstärksten Regionen der Welt.

Das Wirtschaftswachstum vieler afrikanischer Länder lässt sich auf einen gemeinsamen Nenner bringen: Rohstoffe und China.

Afrika ist reich an Rohstoffen. Die enormen Bodenschätze des Schwarzen Kontinents weckten nicht nur im Zeitalter des Kolonialismus Begehrlichkeiten: Seit einigen Jahren sind es insbesondere die Chinesen, die weltweit auf Einkaufstour sind, um sich den Zugang zu wichtigen Rohstoffen zu sichern. Das rasante Wachstumstempo der chinesischen Wirtschaft seit der Jahrtausendwende hat dazu geführt, dass sich die Preise wichtiger Rohstoffe im Durchschnitt verfünffacht haben. Der Preis für ein Fass Rohöl stieg innerhalb von zehn Jahren von weniger als 25 US-Dollar auf mehr als 120 US-Dollar, eine Tonne Kupfer verteuerte sich von unter 2.000 US-Dollar auf fast 10.000 US-Dollar und die Feinunze Gold war 2001 noch für weniger als 300 US-Dollar zu haben. Heute liegt der Goldpreis bei mehr als 1.600 US-Dollar. Diese Entwicklungen haben an den internationalen Rohstoffmärkten bereits zu spürbaren Verwerfungen geführt.

DEUTSCHLAND

Hauptstadt

Berlin

Fläche (km2)

357.022

Einwohnerzahl (Millionen)

81,5

Bruttoinlandsprodukt (BIP), in Mrd. USD

3.316

BIP pro Einwohner, in USD

40.702

Human Development Index (HDI)

9/187

Quelle: UNDP, CIA World Factbook, Auswärtiges Amt 2012

Doch schauen wir ins Frühjahr 2012: Es ist Anfang Februar, Hochsommer im südafrikanischen Kapstadt und die Temperaturen sind auf über 25° C gestiegen. Die Strände sind wegen der vielen Touristen und der südafrikanischen Sommerferien regelrecht überfüllt. In der zweiten Februarwoche tummeln sich von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt im International Convention Center mehr als 6.000 Vertreter von über 1.000 Unternehmen, finanzstarke Investoren und Abgeordnete von über 40 Regierungsdelegationen. Es ist die jährliche wichtigste Zusammenkunft von Entscheidungsträgern rund um die Bergbauindustrie Afrikas, der mit Abstand wichtigsten Branche des gesamten Kontinents: Mining Indabe.

Abseits der Vorträge werden beim Networking Lunch, Galadiner oder dem jährlichen Golfturnier Kontakte geknüpft, Neuigkeiten ausgetauscht, Geschäfte abgeschlossen und die Zukunftschancen der Bergbauindustrie diskutiert.

Das Branchentreffen hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen, spätestens der China-Afrika-Gipfel 2006 war ein nicht zu überhörender Weckruf für die Branche. Die Vertreter von 48 afrikanischen Ländern reisten nach Peking, der chinesische Staatspräsident Hu Jintao erklärte 2006 zum „Jahr Afrikas“, erließ Schulden, sagte für die nächsten drei Jahre Kredite von rund fünf Milliarden US-Dollar zu und stellte für den gleichen Zeitraum eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe in Aussicht. 2010 hat China mehr in Afrika investiert als die Weltbank. Der überwiegende Teil des Kapitals floss dabei in die Sektoren Bergbau, Energie und Infrastruktur. Die Wochenzeitung Die Zeit titelte: „China erobert Afrika. Es geht um Öl und Bodenschätze. Auch afrikanische Diktatoren sind willkommene Geschäftspartner.“

Die Aktivitäten Chinas in Afrika seit der Jahrtausendwende sind ein Vorstoß in ein politisches und ökonomisches Machtvakuum, das die Europäer nach der Dekolonisierung und die Amerikaner und Russen nach dem Ende des Kalten Krieges hinterlassen haben. Für das seit Jahren dynamisch wachsende chinesische Riesenreich ist Afrika ein wahrer „Kontinent der Chancen“: eine riesige Landmasse, unermessliche Bodenschätze, ein potenzieller Markt mit fast einer Milliarde Konsumenten und einer Armee billiger Arbeitskräfte. In Bezug auf den Rohstoffreichtum Afrikas agieren die Chinesen als die neuen Kolonialherren. Amerikaner und Europäer haben gleichermaßen den Startschuss für den Wettlauf um die Rohstoffe des Schwarzen Kontinents verschlafen. Bei der dreitägigen Afrika-Reise der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juli 2011 nach Kenia, Angola und Nigeria standen demzufolge Wirtschaftsinteressen nicht im Vordergrund. Währenddessen stammen bereits über 25 Prozent der Ölimporte Chinas aus Afrika, schon 2006 löste Angola Saudi-Arabien als größter Öl-Lieferant von China ab. Auch die großen, multinationalen Energie- und Bergbaukonzerne sind mit von der Partie – alle wollen vom Rohstoffhunger Chinas profitieren.

Und genau an diesem Punkt setzt „Afrika – Kontinent der Chancen“ an. Wer profitiert von diesem immensen Ressourcenreichtum, nachdem Bodenschätze in Afrika oft der Anlass für gewalttätige Auseinandersetzungen waren?

Allzu oft häuften Despoten und Diktatoren, Glücksritter und Spekulanten unglaubliche Reichtümer an und schafften diese außer Landes, während der überwiegende Teil der Bevölkerung weiter in Armut und Elend lebte.

Rohöl, Eisenerz, Kupfer, Bauxit, Kobalt, Coltan und Uran sind neben Gold, Platin und Diamanten international begehrte Rohstoffe und kommen gehäuft in einigen afrikanischen Ländern vor. Um die Hintergründe der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung zu verstehen, wird ein Bogen gespannt, der für dieses Thema wichtige Aspekte der afrikanischen Geschichte aufgreift. Besonderes Gewicht fällt dem „Wettlauf um Afrika“ im Zeitalter des Imperialismus und Kolonialismus sowie dem aktuellen Wettlauf um die Ressourcen des Schwarzen Kontinents zu.

Im Fokus dieses Buches stehen die Bodenschätze Afrikas, die unterschiedlichen Akteure, die sie suchen und erschließen, sowie die Folgen dieses Handelns für die Menschen und die Umwelt. Daneben werden viele Beispiele angeführt und Möglichkeiten aufgezeigt, wie der interessierte Anleger an den Finanzmärkten von dieser strukturellen Entwicklung profitieren und dabei die wirtschaftliche Entwicklung in den jeweiligen Ländern unterstützen kann.

Für ein vollständiges und repräsentatives Bild der Anlagechancen der unterschiedlichen afrikanischen Wirtschaftsräume greift die Fokussierung auf Rohstoffe natürlich zu kurz. Denn Afrika und die afrikanischen Kapitalmärkte bieten auch jenseits des Rohstoffsektors langfristig attraktive Anlagechancen. Der Bedarf an Infrastruktur und eine steigende Konsumnachfrage sind hierbei nur zwei gewichtige Beispiele.

Durch die gesellschaftlichen Veränderungen des „Arabischen Frühlings“ befinden sich außerdem viele Länder, befindet sich vielleicht der ganze Kontinent im Umbruch. Somit ist die aktuelle Frage, ob der Rohstoffreichtum Afrikas die Chance auf mehr Demokratie, Wachstum und Entwicklung in sich trägt, berechtigter denn je. Oder führen der Rohstoffreichtum sowie die Aktivitäten der Chinesen und der multinationalen Konzerne im Gegenteil zu einer Zunahme der wirtschaftlichen, politischen, sozialen und ökologischen Spannungen, an denen sich nur eine kleine Minderheit bereichern kann?

Für wen ist Afrika ein Kontinent der Chancen? Für die afrikanische Bevölkerung? Für die politische und wirtschaftliche Elite der jeweiligen Länder? Für die multinationalen Bergbau- und Energiekonzerne oder für China? Und kann der Anleger, der diese fundamentale Entwicklung und die Zeichen der Zeit erkannt hat, hiervon profitieren?

Wer hält die Trümpfe in diesem Spiel in der Hand?

KAPITEL 1

Afrika – Kontinent der Chancen?

„There are as many Africas as there are books about Africa.“

– Beryl Markham, Buschpilotin und Autorin

Der afrikanische Kontinent gilt als „Wiege der Menschheit“, als Ort, an dem die Entwicklung zum modernen Menschen ihren Anfang nahm und von wo die Verbreitung des Menschen über die ganze Welt begann.

Nach einer sehr wechselvollen Geschichte, von der Entstehung einer der frühesten Hochkulturen der Menschheit im Alten Ägypten über die Entstehung verschiedener Großreiche auf dem afrikanischen Kontinent, unter anderem in Westafrika und Simbabwe, sowie die spätere Kolonisierung durch Europa, bildeten sich die weitgehend bis heute gültigen Staatsgrenzen. Da diese von den ehemaligen Kolonialmächten zumeist willkürlich ohne Rücksicht auf die Siedlungsgebiete der oft sehr heterogenen Völker Afrikas gezogen wurden, trug dies zu den zahlreichen blutigen Auseinandersetzungen, Bürgerkriegen und der politischen Instabilität auf dem Kontinent bei. Diese Faktoren prägen bis heute das Bild, das sich die westliche Welt von den Ländern des afrikanischen Kontinents macht.

Bei den vielen Pauschalurteilen über Afrika wird häufig vergessen, das Afrika aus über 50 zum Teil sehr unterschiedlichen Ländern mit zusammen mehr als einer Milliarde Einwohnern besteht, deren ethnischer und kultureller Hintergrund sich zum Teil stark unterscheidet. Auch bestehen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung beträchtliche regionale Unterschiede.

Regionale Unterschiede in Afrika – über eine Milliarde Menschen in über 50 Ländern!

Die wohlhabendsten Regionen liegen nördlich der Sahara und im Süden des Kontinents. Nordafrika, wo hauptsächlich Berber und Araber leben, ist schon lange mit den Wirtschaftsräumen Europa und Naher Osten verbunden. Im Süden sind Südafrika und Botswana die wirtschaftlich am höchsten entwickelten Staaten des Kontinents, deren wirtschaftliche Stärke auch die der Nachbarstaaten beeinflusst. Daneben begünstigt der Ölreichtum einiger Länder wie Angola, Gabun und Äquatorialguinea deren wirtschaftliche Entwicklung.

Der Sudan, Algerien und die Demokratische Republik Kongo sind in dieser Reihenfolge die flächengrößten Länder in Afrika. Nigeria mit knapp 150 Millionen, Äthiopien mit 85 Millionen und Ägypten mit 83 Millionen Einwohnern sind die bevölkerungsreichsten Staaten. Die größte Stadt Afrikas ist Kairo in Ägypten mit knapp 16 Millionen Einwohnern, gefolgt von Lagos in Nigeria mit über elf Millionen Menschen. Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo ist mit rund acht Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt auf dem afrikanischen Kontinent und mehr als doppelt so groß wie Berlin.

In vielen afrikanischen Ländern herrschen noch immer Autokraten und trotz des leichten wirtschaftlichen Aufschwungs der letzten Jahre grassieren an vielen Orten noch immer Hunger und Armut. Die Hungerkatastrophe 2011 in Ostafrika ist dabei lediglich das jüngste Beispiel. Afrika südlich der Sahara ist zudem die weltweit am schwersten von der AIDS/HIV-Epidemie betroffene Region der Welt. Rund zwei Drittel der weltweit mit AIDS/HIV infizierten Menschen leben in Afrika, in einigen Ländern wie Botswana, Namibia oder Südafrika liegt die Ansteckungsquote bei über 20 Prozent der Bevölkerung.

Afrika heute – der K-Kontinent? Kriege, Konflikte, Katastrophen, Krankheiten, Korruption und Kriminalität

Auch ist Afrika im internationalen Vergleich bei Weitem der ärmste Kontinent: Gemäß des jährlich aktualisierten Human Development Index der Vereinten Nationen liegen von den 24 Ländern mit dem niedrigsten Entwicklungsstand 22 in Afrika. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Länder, in denen das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf unter 1.000 US-Dollar liegt und so viele Menschen von umgerechnet weniger als einem US-Dollar pro Tag leben müssen, wie in Afrika. Die Folgen der Armut, wie Krankheiten, eine geringe Lebenserwartung, Gewalt, Korruption und politische Instabilität, haben sich in den letzten Jahrzehnten als ein Bremsklotz in der wirtschaftlichen Entwicklung vieler afrikanischer Länder erwiesen.

Dies sind die Faktoren, die die westliche Vorstellung von Afrika als Abbild der Dritten Welt prägen: der verlorene Kontinent, auf dem Kriege und Konflikte an der Tagesordnung sind, der von Katastrophen und Krankheiten heimgesucht und der von Korruption und Kriminalität beherrscht wird.

Seit dem Demokratisierungsschub der 1990er-Jahre in Afrika haben sich die politischen Verhältnisse sehr stark auseinanderentwickelt. Die Anzahl der diktatorischen Regime ist zwar deutlich zurückgegangen, aber die Zulassung von Mehrparteiensystemen hat sich nicht als Garant einer demokratischen Entwicklung herausgestellt. Mitte der 1990er-Jahre kam es zum Beispiel in Ruanda zum Völkermord der Hutus an den Tutsis. Staatsführer wie Joseph Kabila im Kongo, Omar al-Baschir im Sudan, Paul Biya in Kamerun oder Robert Mugabe in Simbabwe verfestigten das Klischeebild vom afrikanischen Gewaltherrscher. Auf keinem anderen Kontinent betrügen die politischen Führer ihre Wähler so schamlos und unverblümt wie in Afrika. Jüngstes Beispiel ist die Elfenbeinküste, wo sich der ehemalige Präsident Laurent Gbagbo weigert, seinen Posten in Abidjan zu räumen. Der 1980 aus den ersten freien Wahlen in Simbabwe als Sieger hervorgegangene Robert Mugabe hat sich zu einem der schlimmsten afrikanischen Despoten gewandelt und die Wahlen 2008 massiv manipuliert. Durch internationalen Druck gestand Mugabe nachträglich dem Wahlsieger den rangniederen Posten des Premierministers zu. In Kenia führte die Wahl Ende 2007 zu einem Blutvergießen, als sich der unterlegene Präsident Mwai Kibaki noch vor dem Abschluss der Auszählung der Stimmen für eine weitere Amtszeit vereidigen ließ.

Der Arabische Frühling und das Diktatoren-Sterben auf dem afrikanischen Kontinent – Umbruch und positiver Katalysator für die zukünftige Entwicklung

Dieses Bild lässt außen vor, dass es auch positive Beispiele gibt. Das jüngste Beispiel ist Ghana. Das westafrikanische Land hielt im Januar 2009 friedliche Wahlen ab, es kam zu einem ganz normalen Regierungswechsel wie in jedem europäischen Land. In Mali hat sich Präsident Amadou Touré einen Namen als Demokrat und Friedensstifter gemacht. Botswana, das wirtschaftliche Vorzeigeland Afrikas, wird von Ian Khama umsichtig regiert. Tansanias Staatschef Jakaya Kikwete, derzeit Vorsitzender der Afrikanischen Union, ist ein international angesehener Staatsmann. In Namibia hat der besonnene Hifikepunye Pohamba den Autokraten Sam Nujoma abgelöst. In Liberia kämpft die resolute Ellen Johnson-Sirleaf um eine bessere Zukunft für die von einem Bürgerkrieg traumatisierten Menschen. In Sierra Leone arbeitet Präsident Ahmad Tejan Kabbah am Wiederaufbau seines zerstörten Landes. Und selbst im scheinbar unregierbaren Nigeria versucht Präsident Umaru Yar’Adua die Demokratie zu stabilisieren.

Als nach westlichen Standards freiheitlich und demokratisch können auf dem afrikanischen Kontinent derzeit elf von über 50 Ländern angesehen werden: Benin, Botswana, Ghana, Kap Verde, Lesotho, Mali, Mauritius, Namibia, Namibia, São Tomé & Príncipe, Senegal und Südafrika. Die als „Arabischer Frühling“ seit Dezember 2010 begonnene Serie von Protesten und Aufständen in der arabischen Welt, welche sich, ausgehend von der Revolution in Tunesien, in etlichen Staaten im Nahen Osten und in Nordafrika gegen die dort autoritär herrschenden Regime und die politischen und sozialen Strukturen dieser Länder richtet, könnte sich als ein positiver Katalysator für die politische Landschaft in Afrika erweisen. Tunesiens Ben Ali und Ägyptens Husni Mubarak wichen bereits dem Druck der Demonstranten. Libyens Despot Gaddafi klammerte sich an die Macht, führte Krieg gegen sein eigenes Land und fand ein gewaltsames Ende. Diese Entwicklung trägt den Keim zu einer positiven Veränderung der gesellschaftlichen Ordnungen in sich und eröffnet vielen Afrikanern die Chance, an der positiven Entwicklung zu mehr Wachstum, Demokratie und Wohlstand zu partizipieren.

Die negativ geprägte Berichterstattung in den Medien täuscht ebenfalls darüber hinweg, dass sich die wirtschaftlichen Rahmendaten Afrikas seit mehreren Jahren verbessern. Die durchschnittliche Wirtschaftsleistung pro Einwohner liegt mittlerweile bei fast 1.000 US-Dollar und seit rund zehn Jahren weist der Kontinent ein jährliches Wirtschaftswachstum von über fünf Prozent auf. Damit zählt Afrika neben Asien zu den derzeit wachstumsstärksten Regionen der Welt. Auch ist dank des Wirtschaftswachstums die Staatsverschuldung seit Jahren rückläufig und liegt deutlich unter dem Niveau der USA oder von Europa.

Vom Schatten in das Licht – neue Chancen durch die Entwicklung der vergangenen Jahre

Die mangelnde politische Stabilität vieler afrikanischer Länder ist ein immer wieder gern angeführter Faktor, doch täuscht dieses Pauschalurteil über die in den letzten Jahren erreichten Fortschritte hinweg. Führte zuerst die Demokratisierungswelle der 1990er-Jahre zu einer deutlichen Ausweitung der Mehrparteiensysteme auf dem afrikanischen Kontinent, so hat sich die Anzahl der freiheitlich-liberalen Gesellschaften laut der Organisation Freedomhouse seitdem verdoppelt. Und einige afrikanische Musterländer wie Botswana, Mauritius und Südafrika rangieren laut der Organisation Transparency International, die zuletzt selbst Deutschland wegen der Affäre Wulff rügte, in Bezug auf Korruption noch vor Ländern wie Italien.

Auch wenn Korruption, Armut, Gewalt und soziale Ungerechtigkeit in vielen Ländern Afrikas noch immer ein Problem darstellen, so ist doch die wirtschaftliche Situation auf dem afrikanischen Kontinent besser als der ihr anhaftende Ruf.

Viele der Chancen, die sich für Länder des afrikanischen Kontinents in den vergangenen Jahren aufgetan haben, liegen im Rohstoffreichtum der entsprechenden Länder begründet. Dieser Zusammenhang und die sich hieraus ergebenden Folgen stehen im Zentrum dieses Buches. Für ein vollständiges und repräsentatives Abbild der afrikanischen Wirtschaftsräume ist dies natürlich zu kurz gegriffen, denn Afrika ist bereits jetzt mehr als der günstige Lieferant von Rohstoffen für die Weltmärkte.

Die im Durchschnitt sehr junge Bevölkerungsstruktur wird in den nächsten Jahren zu einer deutlichen Zunahme der arbeitsfähigen Bevölkerung führen. Dies wiederum führt zwangsläufig zu einer stark steigenden Konsumnachfrage und ausgehend von einer niedrigen Basis zu hohen Produktivitätsfortschritten. Derzeit beträgt der Anteil Afrikas an der weltweiten Wirtschaftskraft weniger als fünf Prozent, mit stark steigender Tendenz für die kommenden Jahre. Gleiches gilt für die lokalen afrikanischen Aktienmärkte, die derzeit weniger als ein Prozent zu der weltweiten Börsenkapitalisierung beitragen. Neben dem Rohstoffsektor, also Bergbau und Energie, bestehen enorme Wachstumspotenziale in den Sektoren Infrastruktur, Konsum und Banken.

Doch für viele afrikanische Länder sind die Einnahmen aus der Förderung und dem Verkauf von Bodenschätzen wie Öl und Gas, Metalle oder im erweiterten Sinne Agrarerzeugnisse nicht wegzudenken. Beispielsweise für Länder wie Botswana, Ghana und Namibia sind Rohstoffe die größte Quelle der gesamten Deviseneinnahmen. Für Angola, Algerien, Nigeria, Libyen und Malawi machen Rohstoffe sogar über 90 Prozent der gesamten Exporterlöse aus. Die gestiegenen Einnahmen aufgrund der Verteuerung vieler Rohstoffe in den vergangenen Jahren eröffnen lukrative Chancen für alle Beteiligten. Wie diese Chancen ergriffen und zum Wohl der Menschen in den jeweiligen Ländern umgesetzt werden, ist von vielen Faktoren abhängig. Für das Verständnis der aktuellen Situation in den jeweiligen afrikanischen Ländern ist ein Blick in die Vergangenheit der Region hilfreich. Denn Rohstoffe in der einen oder anderen Form spielten schon immer eine wichtige Rolle für Afrika. China ist für Afrika zwar ein neuer Akteur auf der politischen Weltbühne, doch gibt es auch einige Gemeinsamkeiten mit dem Zeitalter der europäischen Expansion nach Afrika. Lediglich die Methoden haben sich geändert.

KAPITEL 2

Vom „Wettlauf um Afrika“ zum erneuten Wettlauf um die Rohstoffe des Schwarzen Kontinents

„Colonialism is an idea born in the West that drives Western countries – like France, Italy, Belgium, Great Britain – to occupy countries outside of Europe.“

– Ahmed Ben Bella, ehemaliger Präsident von Algerien

„China is not in Africa for altruistic reasons. China is in Africa primarily for China.“

– Johnnie Carson, US Assistant Secretary for African Affairs

Die Entdeckungsfahrten der Portugiesen und Spanier im 15. Jahrhundert markieren den Beginn der Neuzeit. Sie läuten das Zeitalter der europäischen Expansion, des Kolonialismus und Imperialismus ein, das erst mit dem Ersten Weltkrieg sein Ende findet. Die portugiesischen Seefahrer und Entdecker des 15. Jahrhunderts waren überzeugt, irgendwo an der westafrikanischen Küste den Rio d’Oro, den Goldfluss, zu finden. Beruhte doch die Macht der westafrikanischen Königreiche von Ghana, Mali, Songhai und später auch des Ashanti-Reiches auf dem begehrten Edelmetall. Die Bezeichnung „Goldküste“ für Ghana hielt sich bis zur Unabhängigkeit des Landes Mitte des 20. Jahrhunderts. Ein weiteres Indiz für den Goldreichtum der Region ist die zwischen 1663 und 1816 geprägte britische Goldmünze Guinee, die ihren Namen der Herkunft des zur Prägung verwendeten Goldes aus dem südlichen Westafrika verdankt.

Die Portugiesen gründeten Stützpunkte entlang der westafrikanischen Küste, die als Handelszentren für Gewürze, Elfenbein, Gold und Sklaven dienten. Von Westen nach Osten waren dies die Pfefferküste, die Elfenbeinküste, die Goldküste und die Sklavenküste. Dieser Handel erwies sich für Portugal als sehr lukrativ, die Einnahmen des Landes verdoppelten sich in dieser Periode auf einen Schlag.

Im Zuge der europäischen Expansion gerieten die meisten Reiche des Schwarzen Kontinents in die Abhängigkeit von europäischen Kolonisten, verloren an Bedeutung, zerfielen oder gingen ganz unter. Vom nordafrikanischen Ägypten, der klassischen Hochkultur des Altertums, abgesehen wird die Existenz afrikanischer Staatsgebilde und Kulturen vor dem Eintreffen der Europäer von der westlichen Welt nur allzu oft vollständig ignoriert. Viele dieser Reiche begründeten ihre Macht durch den Handel mit Sklaven und Rohstoffen wie Gold, Elfenbein und Gewürzen.

Im Nildelta in Nordafrika entstand um 3.000 v. Chr. mit dem Alten Ägypten noch vor den Griechen und den Römern eine der ersten Hochkulturen der alten Welt. Die ägyptische Kultur durchlebte mit dem Alten, Mittleren und Neuen Reich drei Hochphasen und war vor allem im Gebiet des Nahen Ostens von großer Bedeutung, bevor nach dem Tod des Pharaos Ramses III. um 1.150 v. Chr. der Niedergang des Großreiches einsetzte und Ägypten bis zum Ende der Besetzung durch Großbritannien im 20. Jahrhundert unter die Kontrolle wechselnder fremder Machthaber fiel.

Hochkulturen und Königreiche in Afrika vor den Europäern

Auf dem Staatsgebiet des heutigen Sudan kam es mit dem nubischen Königreich von Kerma beziehungsweise dem Reich von Kusch ab circa 2.000 v. Chr. zur frühesten bekannten Gründung eines schwarzafrikanischen Staates, der aus der wesentlich älteren Kerma-Kultur hervorging. Das Land mit seiner wechselvollen Geschichte – nubische Könige herrschten um 700 v. Chr. über Ägypten – nimmt bis heute mehr noch als Ägypten eine wichtige Schnittstelle zwischen dem europäisch geprägten Mittelmeerraum und dem eigentlichen Schwarzafrika ein.

Bis ins 16. Jahrhundert herrschte eine große wirtschaftliche, politische und kulturelle Vielfalt von afrikanischen Gesellschaften in vielen Großreichen des Kontinents. Zu den Großreichen im Westen Afrikas gehörte das „Land des Goldes“, das Königreich von Ghana (8. bis 13. Jahrhundert) im Senegal-Niger-Gebiet. Die Herrscher des Ghana-Reiches kontrollierten, wie auch später die Herrscher des Mali-Reiches, den lukrativen transsaharischen Gold- und Sklavenhandel. Westlich des Ghana-Reiches am Bogen des mittleren Niger befand sich zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert das Reich von Songhai. Quelle dessen Reichtums und Macht waren der Salz-, Gold- und Sklavenhandel. Nach dem Zerfall des großen Ghana-Reiches kam es in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts am Oberlauf des Niger zur Bildung des größten westafrikanischen Reiches, des Mali-Reiches (13. bis 15. Jahrhundert). Wichtigste Einkommensquelle dieses Reiches war ebenfalls der Goldhandel. Als die portugiesischen Entdecker eintrafen, befand sich das Reich jedoch schon im Niedergang.

Das Ashanti-Reich (17. bis 19. Jahrhundert) im Westen Afrikas auf dem Staatsgebiet des heutigen Ghana, Togo und der Elfenbeinküste war eine der wenigen Nationen in Afrika, die den europäischen Invasoren ernsthaften Widerstand leistete. Die Macht und der Wohlstand des Reiches lagen im Gold- und Sklavenhandel begründet und die Europäer waren im 18. und 19. Jahrhundert wichtige Handelspartner. Über 70 Jahre führte Großbritannien Krieg gegen die Ashanti und erst 1900 mussten sich diese endgültig geschlagen geben. Trotz der britischen Kolonisierung existieren die Traditionen des Ashanti-Königtums im modernen Ghana weiter. Und das in Ghana und Südafrika tätige Unternehmen AngloGold-Ashanti ist noch heute eine der größten Goldminengesellschaften der Welt.

Im Osten des afrikanischen Kontinents war das Königreich von Aksum eine bedeutende Handelsmacht am Horn von Afrika. In der Hochzeit erreichte das Reich von Aksum eine Ausdehnung von über einer Million Quadratkilometern und kontrollierte das heutige Äthiopien, Eritrea, Dschibuti, das westliche Somalia, den Jemen und das südliche Saudi-Arabien. Mit der Ausbreitung des Islam zerfiel das Reich allmählich. Aus den Nachfolgereichen ging das heutige Äthiopien hervor.