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Um das Potenzial und die Dynamik des afrikanischen Marktes zu verstehen, ist eine Erkundungsreise von großer Bedeutung: Persönlich die Realität des Kontinents sehen und spüren, Menschen treffen, sich austauschen, Entscheider in der Wirtschaft und Politik kennenlernen, Unternehmer in ihren Firmen und auch privat besuchen, wichtige Kontakte knüpfen, Märkte ansehen, den Reichtum der Natur bestaunen … Es gibt auch ein Afrika abseits der Berichterstattung, voller Geschäftschancen und Inspiration. Wir zeigen Ihnen ein realistisches Bild von Afrika und lenken Ihren Fokus gezielt auf die unendlichen Möglichkeiten und die offensichtliche Schönheit dieses Kontinents. Diese erstklassigen Reisen werden als Workshop konzipiert unter Mitwirkung von hauseigenen und fremden Experten: Sie bekommen einen tiefen Einblick in die afrikanische Wirtschaft und Fakten aus erster Hand. Sie können auch branchenspezifisch unser Angebot in Anspruch nehmen: Vorträge, Beratung und Begleitung, Markteinstieg, Kontaktvermittlung. Entdecken Sie Afrika als Wirtschaftsstandort, als jungen dynamischen Absatz- und Arbeitsmarkt und zukünftigen Wirtschaftsmotor der Welt!
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Seitenzahl: 162
Veröffentlichungsjahr: 2023
Chouatat Dantse Rostand
Afriropa
Starkes Afrika: Starkes Europa!
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Afriropa
Über den Autor und seine Motivation zum Buch
Vorwort Stefan Liebing [Honorarkonsul der Republik Kamerun]
Danksagung
Kapitel 1 - Afriropa
Kapitel 2 - Geschichte bewältigen
Kapitel 3 - Drei Mögliche Szenarien: Zwei Besorgniserregende und ein Glückliches
Kapitel 4 - Notwendigkeit eines gemeinsamen Verhandlungstisches und einer Geopolitik
Kapitel 5 - Direktinvestitionen statt Entwicklungshilfen und Infrastrukturfinanzierungen
Kapitel 6 - Beseitigung einiger hartnäckiger, falscher Mythen über Afrika
Kapitel 7 - Europäische Zivilisation anstatt Ideologie- und Kulturmissionierung
Kapitel 8 - TO-DOs und Not-TO-DOs für die Entwicklung von Afrika
Kapitel 9 - Afrika wartet auf Europa - Europa braucht Afrika
Kapitel 10 - Rumba und Walzer fusionieren
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2. Auflage Juni 2023
© indayi edition
Diltheyweg 5
64287 Darmstadt
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Gesamtleitung, End-Lektorat, Umschlaggestaltung: Dinah Jacobi
Lektorat: Andrea Minnich, Christina Engehausen
Satz: Dinah Jacobi, Christina Engehausen
Chouatat Dantse Rostand
Ein starkes Europa wird es ohne Afrika nicht geben
Neue Perspektiven und Lösungen für eine gelungene schicksalhafte Wirtschaftskooperation zwischen Afrika und Europa
Rostand Chouatat Dantse ist Experte in afro-europäischer Wirtschaft, Wirtschaftsgeschichte und Kultur. Er ist auch Inhaber der Firma Business Eaglewings to Africa, die gegründet wurde, um die Geschäftswelt der beiden Kontinente beratend zu verbinden.
Vielen seiner afrikanischen Kunden, erfolgreichen und jungen Unternehmen, ist Europa fremd, und für europäische Geschäftsleute und Investment-Unternehmen, bis auf wenige Ausnahmen, ist Afrika ein dunkler Fleck auf der Weltkarte der Wirtschaft.
Im Laufe der Tätigkeiten und Recherchen hat er festgestellt, dass die beiden Kontinente sich zwar seit vielen Jahrhunderten kennen, ja sogar mögen, aber nicht miteinander kommunizieren. Europa weiß viel über Afrika, aber sehr wenig über die afrikanischen Menschen selbst. Die afrikanischen Menschen begegnen den Menschen Europas seit vielen Jahrhunderten, aber verstehen ihre Denkweisen und Leitmotive immer noch nicht. Dies überträgt sich exponentiell auf die Wirtschaft.
Der durch die Medien gestreute Pessimismus, die unvorteilhafte Berichterstattung und Statistiken von vielen Weltorganisationen scheinen auf den Westen und seinen Wirtschaftsmittelstand seine volle Wirkung zu entfalten.Die Global Players dagegen sind, und waren immer schon, in Afrika präsent und der Zuzug der asiatischen, arabischen, russischen Geschäftswelt auf dem Kontinent belegt eine ganz andere Realität voller traumhafter Möglichkeiten. Etwas ist sicher: Afrika wird sich entwickeln, mit oder ohne Europa, aber angesichts der geopolitischen Fakten (z.B. Flüchtlingsansturm aus Afrika), die er hier erläutert, ist es besser für Afrika und Europa und letztendlich auch für die ganze Welt, wenn eine Wirtschaftsehe endlich gelingen würde. Afriropa ist keine Utopie, sondern eine logische Konsequenz der Geschichte (auch der Geografie) und wird in der nächsten Zukunft die wichtigste Herausforderung des Jahrhunderts sein!
Dieses Buch, das ein Ergebnis seiner Vorträge, Beratungen und Untersuchungen und daraus resultierender Expertise ist, wird den Lesenden neue Perspektiven eröffnen und deren Fokus aus der Fixierung der mittlerweile salonfähig gewordenen Vor- und Fehlurteile befreien. Ziel ist eine neue Welle von europäischen Pionnier:innen, Investor:innen, Geschäftsleuten auf dem Kontinent der unendlichen Möglichkeiten, Inspirationen, neuen Eindrücke, und ja, auch Abenteuer. Frei vom dunklen Staub über diesem reichen Kontinent wird die Weltkarte einen im Grunde völlig unbekannt gebliebenen Erdteil offenbaren und ab jetzt die Neugier erwecken: Afrika lädt die europäische Geschäftswelt auf neue Entdeckungsreisen nach Afrika ein, auf völlig neue Wege mit unvoreingenommener Aufmerksamkeit.
Auf nach Afrika!
Ihr afro-europäischer Wirtschaftsexperte und Business-Scout
Rostand Chouatat Dantse
Novalisweg 15
22303 Hamburg
E-Mail: [email protected]
Ein Feuerwerk neuer Ideen und Perspektiven zur Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika brennt Rostand Chouatat Dantse mit seinem neuen Buch „Afriropa“ ab.
Gemeinsam ist all diesen Ideen die Erkenntnis, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa auf Augenhöhe notwendig ist, wenn wir globale Herausforderungen lösen wollen.
Ob Migration, Innovation oder Klimaschutz: Afrika und Europa müssen gemeinsam gedacht werden. So ist es auch nur folgerichtig, von „Afriropa“ zu sprechen.
Man muss nicht alle Meinungen des Autors teilen, eine Auseinandersetzung lohnt aber allemal. Denn Rostand Chouatat Dantse vereint eine genaue Kenntnis beider Kontinente in seiner Lebensgeschichte.
Tief verwurzelt in seinem Herkunftsland Kamerun und in Deutschland nach erfolgreichem Studium als Geschäftsmann tätig, kennt er beide Seiten. Sich mit der Perspektive der oftmals ausgesprochen gut ausgebildeten und in Deutschland häufig gut integrierten Vertreter der Diaspora näher zu befassen und deren Anregungen für eine verbesserte und wirkungsvollere Afrikapolitik aufzugreifen, das sollten sich Politiker, Unternehmer und die Zivilgesellschaft hierzulande zur gemeinsamen Aufgabe machen.
Die in diesem Buch zum Ausdruck gebrachte Meinung, wonach Entwicklung in Afrika nur dann nachhaltig geschehen kann, wenn die Menschen Arbeitsplätze finden, und dass es deshalb zentral ist, auch ausländische Investitionen in neue Jobs politisch zu unterstützen und zu begleiten, teile ich voll und ganz. Diese Sicht auf die Dinge sollte zum neuen entwicklungspolitischen Imperativ werden. Und wenn die Menschen vor Ort ein stabiles Einkommen haben, Wertschätzung erfahren und in ihrem Beruf gebraucht werden, wenn mehr Afrikanerinnen und Afrikaner sich (bescheidenen) Wohlstand erarbeiten können, dann wird der Migrationsdruck nach Europa nachlassen, dann wird der Markt dafür sorgen, dass Gesundheits- und Bildungsinfrastruktur entsteht, dann wird die erstarkte Kaufkraft für bessere Versorgung mit Strom und Wasser sorgen. Wir sollten dabei nicht immer nur darauf warten, dass sich die Rahmenbedingungen verbessern. Die meisten der durchaus bestehenden afrikanischen Erfolgsgeschichten entstehen umgekehrt: Durch Unternehmer, die bereit sind, Risiken einzugehen und die mit den aktuellen Gegebenheiten arbeiten. Durch unternehmerisches Engagement (auch) aus Europa wird sich die Lage in Afrika weiter verbessern, davon bin ich zutiefst überzeugt. Je mehr Menschen diese Erkenntnis teilen, desto leichter wird es sein, die großen Herausforderungen unserer Zeit im Zusammenspiel zu lösen. Afriropäisch eben.
Stefan Liebing
Hamburg, im Dezember 2021
Dieses Buch ist erst vollständig mit dem Ausdruck meiner Dankbarkeit an Dantse Dantse, der mir persönnlich mit den tiefgreifenden Gesprächen und Ideen sehr geholfen hat.
Ohne seinen Einsatz als Verleger wäre dieses Buch nicht zu Stande gekommen. Vielen Dank für die Ermutigungen, authentisch zu bleiben und nicht abzuweichen von meinen Gedanken, auch wenn sie der etablierten Ökonomie teilweise widersprechen!
Vielen Dank an das Team von Indayi Edition, besonders an Dinah Jacobi, die Lektorin und Organisatorin. Dinah, ich danke dir für deine Geduld und deine Vorschläge!
Vielen Dank an Herrn Prof. Dr. Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, Konsul von Kamerun in Hamburg und profunder Kenner der afrikansichen Wirtschaft, für sein anregendes Vorwort und seinen Einsatz für Afrika!
Elke Jünemann, Marion Ackermann, ich danke euch für die Freundschaft und aufmerksamen und ermutigenden Gespräche.
Bei meinen vergleichenden Recherchen hat das Buch von meinem Freund Erik S. Steiner „Warum manche Länder reich und andere arm sind“, die Werke von Joseph Alois Schumpeter und die Denkansätze der deutschen ökonomischen Tradition viel Bestätigung gebracht: Dafür bin ich sehr dankbar.
Rostand Chouatat Dantse Hamburg, April 2022
1950 hat einer der Väter Europas, Maurice Schumann, erklärt: »Europa wird die Erfüllung einer seiner wesentlichen Pflichten verfolgen können: Die Entwicklung des afrikanischen Kontinents.«
Ein großer Afrikaner, Leopold Senghor, hat von »Eurafrika« gesprochen, als der gemeinsamen Bestimmung der beiden Kontinente.
Andrea Riccardi, Reden wir von Eurafrika. Interview in Zeit online
Der Name Afrika wird selten genannt, ohne von einem Tsunami an Emotionen begleitet zu werden. Da sind Umweltschützer, die Alarm schlagen, weil die Lunge der Welt bald versagen würde, obwohl Afrika nur stolze 0,2 % zum CO²-Ausstoß beiträgt. Zudem sind da engagierte Menschenrechtler:innen, die zutiefst besorgt sind über den Stand der Demokratie, der unbedingt westlich sein muss, um gut zu sein, und zwar sofort. Und es sind da Politiker:innen, die Informationen von ihren Schnittstellen in Afrika bekommen und die Zuckerbrot-Peitsche-Strategie verfolgen, um ihre Amtskolleg:innen in Afrika zur Vernunft zu bringen. Die normalen Bürger:innen, die überhaupt nicht verstehen können, was für ein Kontinent das ist, der sich nicht entwickeln kann, trotz der ganzen Mühe und der ganzen finanziellen Unterstützung. Es sind da die afrikanischen Menschen, die Europa die Schuld für ihre Misere zuschieben. Sie wollen sich einerseits autonom entwickeln, sich von der Vormundschaft des Westens lösen und keine Einmischung akzeptieren. Andererseits wollen sie aber auch sehr gerne Hilfsgelder entgegennehmen und die westliche Demokratie willkommen heißen, jedoch ohne selbst Demokrat:innen werden zu wollen.
Es gibt sehr viel Afro-Pessimismus und mindestens genauso viele Afro-Optimismus.
Die Regierungen in Afrika lösen sich voneinander und machen dennoch dieselbe Politik. Man bezichtigt die Regierung der Vetternwirtschaft, solange man noch nicht an der Macht ist. Aber sobald man dort angelangt ist, versteht man, warum man sich mit seinem Clan umgeben muss.
Die Stimmen der Afro-Objektiven, die ruhig und differenziert sprechen, werden überhört, denn in Afrika muss immer alles schnell gehen und Unmögliches ausprobiert werden. Wenn es um Afrika geht, darf man nicht rational denken! Das Rennen um die Rohstoffe, das „Problem“ des Bevölkerungswachstums, die Gier der Wirtschaftsmächte und die tickende Zeitbombe des inner-afrikanischen Rassismus, der sich hier und dort in ethnisch organisierten, politischen Unruhen entlädt, erträgt offensichtlich keine Objektivität. Afrika ist der Kontinent der Flucht nach vorne: immer mehr Hilfe, immer mehr Demokratie und immer mehr Einmischungen und Maßnahmen! Es ist, als würde man ein schräges Gebäude auf einem schwachen Fundament bauen und versuchen, mit einem weiteren Stockwerk in einer anderen Richtung ein Gleichgewicht zu erschaffen – ein unendlicher Balanceakt. Solch einer wird in und um Afrika seit Jahren betrieben, besonders seit dessen Unabhängigkeit.
Was aber fehlt, ist die Basis, das Fundament, ja die grundsätzliche Voraussetzung für Entwicklung und Modernisierung. Dieses Fundament können niemals Menschenrechte, Demokratie, Pressefreiheit, eine hohe Alphabetisierungsrate, Vollbeschäftigung, Naturschutz etc. bilden. Eher umgekehrt: Erst die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas wird es möglich machen, dass alle diese anderen Wünsche erfüllt werden können. Was nützt es afrikanischen Menschen, wenn sie lesen können, aber keine Bücher haben? Welche Hilfe ist es für eine Frau, eine, für ihre Eltern und das Land teure Schulbildung genossen zu haben, wenn die Wirtschaftstruktur ihr keine Chancen bietet, ihr Wissen auch zu praktizieren? Ihre fast sichere Arbeitslosigkeit, je höher ihr Schulabschluss ist, wird sogar den Effekt haben, dass die Eltern sich bald entmutigt fühlen, Frauen in die teuren Schulen zu schicken!
Worauf will ich hinaus? Ich möchte hier nur die Sichtweise eines Afrikaners darstellen und zu einem ruhigeren Umgang mit dem Thema „Afrika“ einladen. Ich habe hier in Europa sehr viel Engagement für Afrika wahrgenommen und auch sehr viel Expertise und fundiertes Wissen festgestellt. Die Literatur über Afrika ist hauptsächlich von europäischen Autor:innen. Europa weiß mehr über Afrika als die afrikanischen Menschen selbst und das ist ein Problem. Die beiden Perspektiven müssen kommunizieren, und zwar fern von der Geber-Nehmer-Dialektik, sondern in dem Bewusstsein eines gemeinsamen Schicksals. Europa und Afrika sind schicksalsverwandt: Afriropa (um der alphabetischen Abfolge der Anfangsbuchstaben zu folgen) ist die unweigerliche Zukunft der beiden Kontinente und eine Conditio-sine–qua–non für eine friedliche Weltgemeinschaft. Ich meine, wenn die Ehe Afriropa nicht vollbracht wird, ist die Zukunft der Welt extrem düster. Wir werden zu einer Welt der Hightech-Barbarei mutieren und alle zivilisatorischen Errungenschaften werden in einem bloßen Überlebenskampf der Interessensblöcke entledigt werden.
In einer Schicksalsnachbarschaft und -Verwandtschaft sind Geschwister unabhängig von ihrer jeweiligen Größe und Macht, ihrem Reichtum, ihren Bedürfnissen und Schwächen etc. direkt aufeinander angewiesen.
Afrika muss sich modernisieren und entwickeln. Die Krankheit, die Afrika befallen hat, ist auch schon latent im Herzen von Europa vorhanden. Die beiden Kontinente stecken sich einander an, solange sie sich nicht gemeinsam impfen! Beide haben die gleichen Probleme und müssen sie zusammen bewältigen. Europa wird eine zentrale Rolle in der Industriali-sierung von Afrika spielen, aber nicht als Helfer, sondern als Geschäftspartner zum Wohle der beiden Kontinente.
Afrika hat auch vieles zu bieten, wenn auch nur in roher Form (was in der Wirtschaft oft als minderwertig eingestuft wird), aber genau das braucht Europa. Die Rohstoffe; die große und junge Bevölkerung, die einen Job und eine Chance in Afrika haben müssen, um nicht auszuwandern (nur wenige afrikanische Menschen verlassen ihren Kontinent aus Abenteuerlust); einen Innovationsmarkt wie kaum ein anderer in der Welt zurzeit; die geographische und kulturelle Nähe zu Europa (Afrika bleib trotzt allem europafreundlich); 1,3 Milliarden Menschen, die arbeiten können. Ein Absatzmarkt direkt vor der Tür von Europa.
Was hat Europa zu bieten? Die Reife und Erfahrung einer sehr langen, dokumentierten Geschichte, die eine Orientierung für alle Völker der Welt sein kann. Ein Kontinent, in dem Geld zu Minuszinsen geliehen wird, steht Afrika gegenüber, wo extremer Durst nach Kapital und Investitionen herrscht. Das Know-how in Europa wird bald in die Museen wandern, weil kaum noch Möglichkeiten zu Innovationen bestehen. Der Kontinent stagniert seit Jahren, und das bei extremem Reichtum. Die Chinesen und die Inder und der ganze Osten, die Europa immer noch so märchenhaft faszinieren, haben schon alles kopiert und brauchen Europa de facto nicht mehr! Europa hat auch eine Zivilisation zu bieten, auf deren Basis die Demokratie und der Reichtum aufgebaut ist.
Das Konzept von Afriropa, auch als Eurafrika bekannt, ist nicht neu. Schon bei der Teilung von Afrika in Berlin 1884 war dem Westen bekannt, wie wichtig der Kontinent Afrika ist. Die Notwendigkeit, eine Art Gemeinschaft mit Afrika zu bilden, war auch die maßgebliche Grundlage der Europäischen Union. Europa ist der Versuchung stets verfallen, die Abhängigkeit nur einseitig zu erklären und zu gestalten und die Schwächen von Afrika zu nutzen, anstatt die oberflächige Asymmetrie der beiden Kontinente zu transzendieren. Die für sie selbst lebensnotwendige Kooperation mit Afrika öffentlich einzugestehen und sie auch gegenüber den afrikanischen Menschen zuzugeben, die ihrerseits indoktriniert wurden zu glauben, Afrika wäre wertlos, geschichtslos, zivilisationslos etc. Mit dem Ergebnis, dass Afrikaner:innen jetzt extrem abhängig von den Europäer:innen sind. Von ihnen haben sie auch die ausbeuterischen, wirtschaftlichen Theorien verinnerlicht. Es ist kein Zufall, dass es keine Industrie in Afrika gibt! Die kleine Geschichte ist bekannt.
Auch wenn es sich vor 500 Jahren bei der ersten Kolonialisierung eines afrikanischen Gebietes oder bei der willkürlichen Teilung von Afrika in 1884 oder auch bei der künstlichen Unabhängigkeit von den jungen afrikanischen Ländern in den 60er-Jahren um schlaue geopolitische Schachzüge von Europa handelte, ist das heute nur noch grotesk und veraltet und sogar menschenfeindlich. Afrika ist heute DER geopolitische Partner von Europa. Jetzt, wo Europa sein ganzes Wissen und viel Kapital (auch mit sehr vielen Verlusten) nach Asien gebracht hat und somit, wie General de Gaulle 1966 prophezeite, sich selbst große Konkurrenz gezüchtet hat, ist Afrika heute für Europa wichtiger denn je. Wenn auch nicht auf Augenhöhe (das ist kaum möglich), aber auf beidseitigem Überlebenswillen und auf Abhängigkeit voneinander.
Der Diskurs zwischen Europa und Afrika muss eindeutiger werden. Afriropa ist eine beidseitige Notwendigkeit. Es darf keine Wortspielerei mehr geben und keine diplomatischen Knobeleien oder eine undurchsichtige Geopolitik. Das Leben von Afrikaner:innen und Europäer:innen und schlussendlich auch der Frieden der Welt stehen auf dem Spiel.
Die afrikanischen Menschen haben auch ihre Hausaufgaben zu machen, die zuerst darin bestehen, zu verstehen, dass Afrika heute ein Konstrukt von Europa ist, und dass Europa sowohl einen Anteil an Afrikas Niederlage als auch an Afrikas Erfolg hat, je nachdem, wie Europa sich entscheidet. Es ist auch so, dass ein Konzept auf gleicher Augenhöhe zwar gut klingt, aber dennoch nicht hilfreich ist. Die Asymmetrie ist einfach da und wird aber als Basis für die zukünftige Kooperation dienen. Was die eine Partei zu wenig hat, darüber verfügt die andere im Überfluss und umgekehrt. Afrika muss auf dem Weg in die Moderne von Europa lernen und muss erkennen, dass Europa Afrika nicht mit Waffen und auch nicht mit Religion erobert hat, wie viele Eiferer es meinen, sondern mit Waren und sehr nachvollziehbaren und wohl dokumentierten Wirtschaftskonzepten. Afrika muss eine umfangreiche Selbstkritik üben, um endlich seiner Opferolle zu entkommen oder dieser Rolle rentabel zu spielen. Erst dann kann Afrika Europa endlich richtig verstehen, mit ihm handeln und ihm dabei helfen, eingebrannte Mechanismen zu überholen oder aus dem Weg zu räumen.
Dieses Buch ist ein Versuch, aus dem klassischen Verständnis von Afrika und seiner Beziehung zu Europa auszuscheren und neue Perspektiven zu schaffen sowie neue Fragen und neue Methoden aufkommen zu lassen. Was für ein Kontinent ist das, wo nichts zu funktionieren scheint? Oder anders gefragt: Warum erreichen die besten Theorien, das ganze Wissen über Afrika und die vielen Maßnahmen in Afrika keine guten Ergebnisse? So ist es Zeit, diese guten und richtigen Theorien ein bisschen zur Seite zu legen und neue pragmatische oder ungemütliche und mutigeGedanken zuzulassen.
Afriropa ist eine Herausforderung an Europa, eine ernste Überprüfung seines Humanismus und der Werte, die es vertritt. An Afrika wird entschieden, ob Europa sich neu erfindet und weiterentwickelt oder sich sogar bis in die alten Ordnungen vor der Europäischen Union zurückbildet. Es ist aber auch eine einmalige Chance für Afrika, sich der Weltgemeinschaft aktiv und verbindlich anzuschließen und sich aktiv aus der kulturellen Statik zu befreien, indem Traditionen, Bräuche und Weltanschauungen auf ihreNützlichkeit für die Menschheit geprüft werden. Wir Afrikaner:innen dürfen nicht davor zurückschrecken, uns von absurd gewordenen Bestandteilen der Kultur zu entledigen und Museen zu errichten (auch zwecks weiterer Studien), wo gelagert wird, was nicht mehr genutzt oder nicht mehr verstanden wird. Ein anderer Blick auf das Leben, auf das Universum und die Natur kann helfen zu verstehen, warum ein Reichtum an natürlichen Ressourcen unter Umständen nachteilig oder gar ein Fluch sein kann.
Afriropa ist mehr eine wirtschaftliche als eine politische Angelegenheit und ruft eher Pragmatiker als Theoretiker auf den Plan. Erst wenn es mit der Wirtschaft klappt und Afrika sich entwickelt, könnte Afrika vielleicht die kulturellen und politischen Normen von Europa verstehen und anwenden. Es dürfen also nicht im Vorfeld dieser Vernunftsehe, die für die beiden Parteien lebensnotwendig ist, so viele Auflagen, Bedingungen, Belehrungen und Anmahnungen oder einseitige Erwartungen geäußert werden. Europa muss diesen Oberlehrstuhl opfern und Vertrauen in die Zivilisation haben, die im Grunde nicht im Widerspruch zu afrikanischen Werten steht. Ferner muss von den beiden Parteien ein bewusstes Geben und Nehmen mit klaren Regeln stattfinden. Nichts ist umsonst in einer aufrechten Beziehung! All das hat seinen Preis. Keine der beiden Vernunftsschwestern darf also puren Altruismus erwarten oder anbieten. Genauso ist eine Beziehung auf gleicher Augenhöhe nur ein Ergebnis einer langen Ausgleichsarbeit.
La mise en place de toute politique de développement passe par la compréhension du phénomène et des causes du sous-développement. On distingue habituellement les causes proprement économiques, de toutes les autres: historiques, géographiques, socioculturelles.[Jacques Brasseul, Cecile Levrard-Meyer, Economie du devellopement]
Die Geschichte ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Ökonomie. Die Unterentwicklung von Afrika und der Reichtum von Europa stehen enger miteinander in Verbindung, als heute allgemein bewusst ist. Ich möchte hiermit nicht sagen, dass Europa sich nicht entwickelt hätte, wenn es Afrika nicht ausgebeutet hätte. Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Um so mehr ist es zu bedauern, dass die Geschichte sich so zugetragen hat, dass in der Tat Afrika ausgebeutet und zerstört wurde, um einen wichtigen Beitrag zu Europas Wohlstand beizutragen.
Es ist auch zu bedauern, dass eine arabisch-muslimische Razzia über 1500 Jahre auf diesem Kontinent gewütet und somit eine tiefe Erschütterung in der afrikanischen Gesellschaft bewirkt hat, die so lange anhalten wird, bis die Vergangenheit bewältigt ist.
