Alpengold 195 - Rosi Wallner - E-Book

Alpengold 195 E-Book

Rosi Wallner

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Beschreibung

Abendfriede liegt über dem Bergdorf St. Zyprian, und Elias Mang ist es, als zögen auch in sein Herz endlich wieder Ruhe und Frieden ein. Nach einer schweren Enttäuschung hat der junge Organist im Pfarrhaus des abgeschiedenen Dorfes ein neues Zuhause gefunden, und die schwärende Wunde, die Blankas Verrat ihm geschlagen hat, scheint sich allmählich zu schließen. Dennoch ist Elias fest entschlossen, niemals wieder einer Frau sein Herz zu öffnen und stattdessen sein Leben allein seiner Musik und seiner Kunst zu weihen ...

Doch sein Entschluss gerät ins Wanken, als die hübsche Bernadette, die Nichte der Pfarrhaushälterin, für die Semesterferien ins Pfarrhaus kommt. Schon bald rührt etwas an diesem Madel eine Saite in Elias an, die für immer schweigen sollte. Aber gerade, als er erkennt, dass auch Bernadette ihn innig liebt, macht in St. Zyprian ein böses Gerücht die Runde: Elias soll sich einem seiner Orgelschüler in unsittlicher Weise genähert haben ...

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

Cover

Impressum

Der Organist von St. Zyprian

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-1171-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Der Organist von St. Zyprian

In einem kleinen Bergdorf sucht er Vergessen und gerät in einen schlimmen Verdacht

Von Rosi Wallner

Abendfriede liegt über dem Bergdorf St. Zyprian, und Elias Mang ist es, als zögen auch in sein Herz endlich wieder Ruhe und Frieden ein. Nach einer schweren Enttäuschung hat der junge Organist im Pfarrhaus des abgeschiedenen Dorfes ein neues Zuhause gefunden, und die schwärende Wunde, die Blankas Verrat ihm geschlagen hat, scheint sich allmählich zu schließen. Dennoch ist Elias fest entschlossen, niemals wieder einer Frau sein Herz zu öffnen und stattdessen sein Leben allein seiner Musik und seiner Kunst zu weihen …

Doch sein Entschluss gerät ins Wanken, als die hübsche Bernadette, die Nichte der Pfarrhaushälterin, für die Semesterferien ins Pfarrhaus kommt. Schon bald rührt etwas an diesem Madel eine Saite in Elias an, die für immer schweigen sollte. Aber gerade, als er erkennt, dass auch Bernadette ihn innig liebt, macht in St. Zyprian ein böses Gerücht die Runde: Elias soll sich einem seiner Orgelschüler in unsittlicher Weise genähert haben …

Als Elias Mang die Dorfkirche St. Zyprian betrat, hob sich sein Herz. Helles Licht flutete in den Innenraum und ließ ihn viel größer erscheinen, als das Gebäude von außen vermuten ließ. Das holzgeschnitzte alte Kirchengestühl leuchtete honigbraun auf, und die Farben des Altarbildes, unter dem eine Vase mit einem prächtigen Frühlingsstrauß stand, traten hervor und ließen die Madonna seltsam lebendig erscheinen.

Dann sah Elias zu der Empore hoch, und er verspürte noch größeres Erstaunen. Sie wurde fast völlig von einer mächtigen Orgel eingenommen, die höchst ungewöhnlich für eine so kleine Dorfkirche war.

„Unsere Orgel ist schon etwas ganz Besonderes“, erklang hinter ihm eine tiefe Stimme, und Elias, der ganz in Betrachtung der hoch aufragenden Pfeifen versunken war, schrak unwillkürlich zusammen.

Er wandte sich um und erblickte einen hochgewachsenen, massigen Mann mittleren Alters, dessen Gewand ihn als den Dorfpfarrer auswies. Ein freundliches Lächeln lag auf seinem breitflächigen Gesicht, was aber den forschenden Blick seiner erfahrenen Augen nicht verbergen konnte.

„Albin Brandl“, stellte er sich vor, „ich bin hier der Pfarrer, was unschwer zu erkennen ist. Die Leute nennen mich nur Hochwürden, und die meisten duzen mich sogar, weil ich mit ihnen in die Schule gegangen bin oder weil sie meine Eltern – Gott hab sie selig – gut gekannt haben. Das ist sicher kein Nachteil, denn ich weiß, was meine Leut hier so denken und was sonst noch in ihnen vor sich geht.“ Brandl lachte kurz auf.

Elias stand einem Mann gegenüber, der aus bäuerlichem Geblüt stammte, wie schon sein Äußeres verriet, und der sein Amt mit Freude, aber auch mit gesundem Menschenverstand versah. Er besaß Humor, wie die Lachfältchen um seine hellen Augen bewiesen, und wirkte lebensfroh, aber auch willensstark.

Der Pfarrer seinerseits musterte den jungen Mann, der befangen vor ihm stand, ziemlich unverhohlen, wie es seine Art war. Er sah ein schönes Gesicht mit regelmäßigen Zügen vor sich, beherrscht von einem empfindsamen Mund und eigenartig hellgrauen Augen, deren Blick in die Ferne gerichtet schien. Sie bildeten einen eigenartigen Gegensatz zu den lockigen dunklen Haaren, die ihm in die Stirn fielen.

Albin Brandl seufzte innerlich auf, aber er ließ sich nichts anmerken.

„Sicher wundern Sie sich darüber, wie unser kleines Dorf zu so einer prächtigen Orgel gekommen ist. Sie geht auf eine Stiftung nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Die drei größten Bauern im Tal haben geschworen, für eine Orgel zu spenden, wenn ihre Söhne und Erben den Krieg überleben und in ihr Heimatdorf zurückkehren würden. Alle blieben am Leben, waren wenigstens äußerlich unversehrt, und die Bauern machten ihr Versprechen wahr. So sind wir zu dieser Orgel gekommen, einem Meisterwerk der Orgelbaukunst.“

„Eine schöne Geschichte“, sagte Elias sichtlich bewegt.

„Ja. Inzwischen ist das Instrument von einer holländischen Firma überholt worden. Wie Sie sehen, ist die Orgel aus Eiche gefertigt, wie man es nur noch selten findet. Namhafte Künstler haben hier Konzerte gegeben … Dennoch ist es uns nicht gelungen, einen Organisten auf Dauer zu verpflichten. Die Gegend ist halt gar zu abgelegen, und die langen, kalten Winterabende erträgt nicht jeder, vor allem, wenn er in der Stadt aufgewachsen ist.“

„Das ist mir nur recht. Ich vertrage die Hektik in der Stadt nicht“, sagte Elias, und für einen Augenblick verdüsterte sich sein Gesicht.

„Umso besser. Zwischenzeitlich ist die Holler-Anna eingesprungen, unsere frühere Dorflehrerin, die auch Klavierstunden gegeben hat. Aber das ist halt schon ein Unterschied, und zuletzt ist ihre Arthrose immer schlimmer geworden. Das war oft ein seltsames Gelärme im Gottesdienst, auch wenn niemand etwas gesagt hat.“ Der Pfarrer lachte gutmütig. „Daher bin ich von Herzen froh, dass wir wieder einen richtigen Organisten haben, und ich heiße Sie im Namen der Gemeinde herzlich willkommen.“

„Danke, danke“, stammelte Elias, „auch ich bin froh, hier zu sein.“ Erleichterung durchströmte ihn, denn er spürte, dass Hochwürden ihm gewogen war. Denn dass der Dorfpfarrer ihm keine Steine in den Weg legte, war eine wichtige Voraussetzung für sein Wirken.

„Sonst ist die Kirche ja eher schmucklos außer dem Altarbild. So, jetzt gehen wir nach hinten ins Pfarrhaus und bereden alles“, schlug Brandl vor.

Das Pfarrhaus erwies sich als ein lang gestrecktes Gebäude mit einem direkten Verbindungsweg zu der Kirche. Dahinter erstreckte sich ein weitläufiger Garten, der von Hecken und hohem Gebüsch umgeben war.

„Das Haus ist viel zu groß für einen Pfarrer und seine Wirtschafterin“, bemerkte Hochwürden, als sie hinüberschritten. „Wir haben zurzeit keinen Kaplan und die Gästezimmer werden auch nicht genutzt. Schauen Sie sich das Ganze einmal an. Aber zuerst möchte ich Ihnen den Garten zeigen.“

Elias nickte zum Einverständnis, und nachdem sie einen Torgang durchquert hatten, traten sie in einen wunderbar angelegten Rosengarten. Die Beete waren mit Buchskugeln umgeben, Kies knirschte unter ihren Schritten, selbst an der rückwärtigen Hausmauer rankten sich Kletterrosen empor.

„Das ist eine englische Rose, sie heißt Constance Spry. Eine der ersten Züchtungen ihrer Art. Sie blüht zwar nur einmal im Jahr, dafür aber lang anhaltend und üppig. Die Mauern einer englischen Abtei sind völlig bedeckt von ihr. Es ist allerdings recht schwierig, sie über den Winter zu bringen, einmal ist sie teilweise erfroren, hat sich aber wieder erholt. Wenigstens steht sie hier ziemlich geschützt“, erläuterte der Pfarrer mit leuchtenden Augen.

Sie wanderten von Beet zu Beet, und Albin Brandl erklärte dem jungen Mann die besonderen Eigenschaften seiner Lieblinge. Elias war aufrichtig beeindruckt, was den Pfarrer sehr zufriedenstellte.

„Ich freue mich schon jetzt darauf, wenn die Rosen anfangen zu blühen“, meinte Elias.

Albins Stirn runzelte sich sorgenvoll. „Wenn nur die Eisheiligen und die Kalte Sophie keinen größeren Schaden anrichten“, gab er zu bedenken.

Elias hatte darauf nichts zu sagen, und Hochwürden deutete auf den hintern Teil der Gartenanlage, die durch eine Hecke vom Rosengarten getrennt war. Eine überwucherte Pforte führte hinein.

„Und das ist Magdalenas Reich – Magdalena Veith, meine Haushälterin. Sie hat einen wunderbaren Gemüsegarten angelegt, dazu ein Kräuterbeet und Spalierobst. Wir können uns fast aus dem Garten ernähren“, erklärte Albin nicht ohne Stolz.

Hochwürden öffnete das Törchen, und Elias bewunderte die akkurat angelegten Beete, in denen es keinem Unkraut gestattet war, Wurzeln zu schlagen. Genauso akkurat stand das Spalierobst in Reih und Glied, Magdalena Veith war augenscheinlich eine Frau, bei der alles seine Ordnung haben musste.

„Jetzt schauen wir, wo wir Sie unterbringen können. Wo ist eigentlich Ihr Gepäck?“

„Noch am Bahnhof. Meine Noten lasse ich nachschicken, das wäre sonst zu viel gewesen“, erwiderte Elias.

Sie gingen ins Haus und schritten durch hohe Gänge, die irgendwie an ein Schulgebäude erinnerten. Doch alles wirkte freundlich, und angenehme Gerüche nach hausgemachtem Essen durchzogen die Luft.

Hochwürden hob den Kopf und sog die Düfte in sich ein. „Die Magdalena hat Ihnen zu Ehren etwas Gutes gekocht“, sagte Albin anerkennend und lächelte genießerisch. „Und danach gibt es noch ein gutes Tröpfchen aus unserem Weinkeller, Sie werden staunen.“

Auch seine Leibesmitte verriet, welche irdischen Freuden der Pfarrer besonders schätzte, und plötzlich verspürte Elias heftigen Hunger. Er hatte seit einem hastig hinuntergeschlungenen Frühstück nichts mehr zu sich genommen, allerdings würde er sich noch eine Weile gedulden müssen.

Am Ende des Ganges, im Erdgeschoss, öffnete Hochwürden schwungvoll eine Tür, und sie traten in ein überaus geräumiges Zimmer ein. Trotz der schweren dunklen Möbel, die kürzlich erst poliert worden waren, wirkte es sehr hell und einladend. Das lag an den breiten Terrassentüren, die zum Rosengarten hinausgingen. Dazwischen stand ein breiter Schreibtisch, und Elias ging durch den Sinn, dass das der ideale Arbeitsplatz für ihn sei.

Lange weiße Gardinen bauschten sich an beiden Seiten der Türen, und in einem altmodischen Alkoven lud ein breites Bett zur Nachtruhe ein. Eigentlich war dieses bequeme Bett für zwei gedacht, doch Elias verbot sich sofort diesen Gedanken.

Es fiel ihm auf, dass in diesem Raum bestimmt kein Staubkörnchen zu finden war, die Dielen glänzten, und es roch angenehm nach Lavendel. In einer Ecke gab es ein Sofa mit einem Tisch davor, auf dem ein Narzissenstrauß in einem Krug stand.

Sicher ein Willkommensgruß von der Haushälterin, vermutete Elias, und er hatte das Empfinden, dass er sich hier zu Hause fühlen würde.

„Gefällt es Ihnen? Hier können Sie vorübergehend oder auf Dauer wohnen“, sagte der Pfarrer zuvorkommend.

„Auf Dauer – wenn es Ihnen und Ihrer Haushälterin nicht zu viele Umstände macht“, entfuhr es Elias spontan.

„Wir sind von Herzen froh, wenn wir endlich einmal wieder jemanden im Haus haben, der jung ist“, sagte Hochwürden erfreut. „Wir werden es gleich der Magdalena mitteilen. Und machen Sie sich nichts daraus, wenn sie ein wenig herb ist, das ist ihre Art.“

Sie gingen den anregenden Düften nach, und Elias fand sich gleich darauf in einer großen Wohnküche wieder, wo eine Frau bedächtig am Herd hantierte und so in ihre Arbeit vertieft war, dass sie ihnen zunächst keine Beachtung schenkte.

Magdalena Veith war eine große, derb wirkende Frau, die deutlich älter als Hochwürden war. Aber vielleicht kam es Elias auch nur so vor, weil sie zu jenen Frauen gehörte, die nichts auf ihr Äußeres gaben und Eitelkeit offensichtlich für eine schwere Sünde hielten. Sie trug einen sauberen, sorgfältig geplätteten grauen Kittel, der jedoch unvorteilhaft um ihre unförmige Gestalt wallte.

Ihr Gesicht war großflächig, was noch durch die gelbgrauen Haare, die sie streng nach hinten gezerrt und zu einem kleinen Knoten zusammengesteckt hatte, betont wurde. Aus ihren wasserhellen kleinen Augen sah sie Elias scharf an, und der junge Mann fühlte sich unter diesem Blick sehr unbehaglich.

„Vielen Dank für den schönen Strauß, den Sie in mein Zimmer gestellt haben“, sagte Elias höflich.

„Er möchte dort wohnen, es scheint ihm zu gefallen“, warf Hochwürden ein.

Magdalena gehört offensichtlich zu den seltenen Frauen, die wortkarg waren. Sie nickte nur kurz auf diese Eröffnung hin, und Elias glaubte, nur einen flüchtigen Schimmer von Genugtuung auf ihren unschönen Zügen wahrzunehmen.

„Was gibt es denn Gutes heut, Magdalena?“, fragte Hochwürden.

Er reckte den Hals, als wollte er in ihre Töpfe spähen, aber Magdalena verhinderte mit einer schnellen Bewegung, die ihn zurückweichen ließ, die Sicht darauf.

„Wirst schon sehen“, murmelte sie undeutlich.

Albin lachte, und die beiden ungleichen Männer gingen hinüber in das Esszimmer, das wie ein angrenzender kleiner Empfangsraum, der für Besucher gedacht war, auf den Garten hinausführte. Der Tisch war sorgfältig gedeckt; eine bestickte Leinendecke, wie man sie heute kaum noch sah, schönes Geschirr und geschliffene Gläser boten einen festlichen Anblick. Auch hier schmückte ein Narzissenstrauß in einer Kristallvase die Tischmitte, offensichtlich liebte auch Magdalena Blumen nicht weniger als Hochwürden.

Als die Wirtschafterin mit einer großen Suppenterrine den Raum betrat, hatten Albin und Elias schon Platz genommen, und nachdem sie sie vorsichtig abgesetzt hatte, ließ auch sie sich nieder. Die leichte Gemüsebrühe schmeckte köstlich, denn sie war auf eine Weise gewürzt, die Elias unbekannt war. Danach gab es einen Kalbsbraten mit einer schmackhaften Soße, locker pürierte Kartoffeln und gratinierten Blumenkohl.

„So gut hab ich noch nie gegessen“, gestand Elias ein.

„Ein Hoch auf die Köchin!“, rief Hochwürden gut gelaunt und hob das Glas mit dem leichten Tischwein in Magdalenas Richtung.

Wenn Magdalena von diesem überschwänglichen Lob beeindruckt war, so zeigte sie es jedenfalls nicht. „Es gibt noch einen Nachtisch“, bemerkte sie knapp.

Die Mahlzeit verlief in gelöster, ja heiterer Stimmung. Auch wenn Magdalena schweigsam war, so war doch Albin überaus wortgewandt und ein geistreicher Erzähler. Bald hatte auch Elias seine Scheu abgestreift, und eine angeregte Unterhaltung entspann sich zwischen den beiden, die keineswegs auf theologische Themen hinauslief. Hochwürden war ein weltoffener, vielseitig interessierter Mann, der auch die schönen Künste liebte.

Auch das Dessert – eine Schokoladenmousse mit zimtigem Nachgeschmack – erfreute den Gaumen, und Elias machte Magdalena erneut ein Kompliment. Sie nahm es mit unbewegter Miene zur Kenntnis und verschwand in der Küche, nachdem sie den Tisch abgeräumt hatte. Elias’ Angebot, ihr dabei zu helfen, hatte sie beinahe beleidigt abgelehnt.

Ziemlich nachdrücklich, wie Elias fand, hatte sie dann die Küchentür hinter sich zugezogen und Hochwürden und Elias sich selbst überlassen.

„Ja, meine Magdalena ist ein wahres Juwel, was die Koch- und Backkünste anbelangt. Allerdings wird man nicht recht klug aus ihr – aber ist schon je ein Mann ganz klug aus den Frauen geworden?“

Das war nicht abschätzig gemeint, sondern scherzhaft hingeworfen und klang beinahe liebevoll. Doch Elias reagierte nicht darauf, und Hochwürden stellte mit einem raschen Seitenblick fest, dass sich das Gesicht des jungen Mannes verschlossen hatte.

Eine verletzte Seele, dachte der Pfarrer voller Bedauern bei sich, vielleicht ist das der Grund, warum er sich hierher in die Bergeinsamkeit geflüchtet hat.

„Ich schlage vor, dass Sie erst am Sonntag offiziell anfangen, Sie müssen sich ja erst an die Orgel gewöhnen und sich einüben. Und die Gegend sollten Sie auch erkunden, es gibt hier schöne Wanderwege in völliger Ungestörtheit. Glücklicherweise ist unser Tal noch nicht von den Touristen entdeckt worden.“

Das nahm Elias als Zeichen zum Aufbruch, er erhob sich und bedankte sich noch einmal für das Festessen. Auch Albin stand auf und berührte Elias kurz am Arm.

„Ich werde jetzt in mein Studierzimmer gehen und an meiner nächsten Predigt feilen“, erklärte der Pfarrer.

Die „Studierstube“, wie er sein Arbeitszimmer nannte, war Albins Zufluchtsort. Noch nicht einmal Magdalena durfte ihn dort stören, was ihr sowieso nie in den Sinn gekommen wäre. In einer Ecke befand sich ein kleines Sofa, auf dem sich Albin gern von Magdalenas Mahlzeiten, bei denen er sich viel zu wenig Zurückhaltung auferlegte, ausruhte.

Doch das war sein kleines Geheimnis, wenngleich er manchmal das Gefühl hatte, dass seine Haushälterin ganz genau Bescheid wusste.

„Und ich werde mich um mein Gepäck kümmern“, erwiderte Elias.

„Dann schauen Sie sich auch gleich unser Dorf an bei der Gelegenheit“, schlug Hochwürden ihm vor.

***

Und so schlenderte Elias langsam durch die Dorfstraße, die vom hellen Licht der Frühlingssonne übergossen war. Der Ortskern war noch völlig in seiner Ursprünglichkeit erhalten geblieben, und Elias bewunderte die alten Häuser, deren Vorderfront teilweise mit Lüftlmalerei verziert war. Es gab auch aufwendige Schindelverkleidung und holzgeschnitzte Balkone, auf denen Blumenkästen mit Hängegeranien standen, die bald zu leuchtender Pracht erblühen würden.