Alpengold 199 - Rosi Wallner - E-Book

Alpengold 199 E-Book

Rosi Wallner

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Beschreibung

Es treibt ihn um, den Andreas Meringer. Das arbeitsame bäuerliche Leben passt ihm nicht, die Leute im Dorf sind ihm zu spießig und engstirnig, und nicht einmal die Tatsache, dass er der hübscheste Bursch im Tal und der Schwarm aller Mädchen ist, macht ihm noch irgendwie Freude. Hochmut, Angeberei und falscher Stolz kennzeichnen sein Verhalten. Er will nur fort aus dem engen Tal, so schnell wie möglich, will das Leben genießen, die Welt sehen und sich vergnügen. Noch fehlt ihm allerdings das nötige Geld ...

Da macht ihn eine unverhoffte Erbschaft quasi über Nacht zum reichen Mann. Jetzt kann ihn niemand mehr zurückhalten. Voller Verachtung und Hohn für die Mahnungen und Warnungen des Vaters verlässt Andreas im Streit den Hof. Endlich kann er sich das leisten, endlich ist er reich genug! Doch was er für das wahre Glück hält, wendet sich schon bald gegen ihn ...

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Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

Cover

Impressum

Heimat und Glück — für immer verloren?

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Michael Wolf / Bastei Verlag

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-1672-8

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Heimat und Glück – für immer verloren?

Hochmut und Stolz werden einem Mann zum Schicksal

Von Rosi Wallner

Es treibt ihn um, den Andreas Meringer. Das arbeitsame bäuerliche Leben passt ihm nicht, die Leute im Dorf sind ihm zu spießig und engstirnig, und nicht einmal die Tatsache, dass er der hübscheste Bursch im Tal und der Schwarm aller Mädchen ist, macht ihm noch irgendwie Freude. Hochmut, Angeberei und falscher Stolz kennzeichnen sein Verhalten. Er will nur fort aus dem engen Tal, so schnell wie möglich, will das Leben genießen, die Welt sehen und sich vergnügen. Noch fehlt ihm allerdings das nötige Geld …

Da macht ihn eine unverhoffte Erbschaft quasi über Nacht zum reichen Mann. Jetzt kann ihn niemand mehr zurückhalten. Voller Verachtung und Hohn für die Mahnungen und Warnungen des Vaters verlässt Andreas im Streit den Hof. Endlich kann er sich das leisten, endlich ist er reich genug! Doch was er für das wahre Glück hält, wendet sich schon bald gegen ihn …

»Sag mal, hast du das Gatter immer noch net fertig? Oder soll ich wieder die ganze Arbeit allein machen!«, rief Beat Meringer seinem Sohn zu und näherte sich ihm mit weit ausholenden Schritten.

»Das geht net so leicht. Als ich die Latten zusammennageln wollt, ist der Schaden nur noch größer geworden«, gab Andreas unwirsch zur Antwort.

»Möcht nur wissen, wer da reingerammt ist mit dem Traktor! Und dann einfach wegzufahren, als wär nichts geschehen! Net zu fassen, wie unverschämt manche Leut sind!« Mit zusammengekniffenen Augen betrachtete Meringer die Bresche im Zaun, die unmissverständlich Zeugnis von einem missglückten Wendemanöver ablegte.

»Ist ja doch morsch, das ganze Geraffel«, murrte Andreas und versetzte den unteren Latten einen Tritt, sodass sie knirschend brachen.

»Davon wird’s bestimmt besser! Im Schuppen liegt genug Holz, du hättest schon längst etwas Passendes zurechtsägen können. Aber das ist wohl zu viel verlangt! Wie dir ja alles zu viel ist!«, schrie Beat aufgebracht. Er maß seinen Sohn mit einem Blick, in dem sich alles andere als väterliches Wohlwollen widerspiegelte. Ein Blick, der Ausdruck war für die Enttäuschungen, die ihm sein Sohn seit Jahren schon bereitete.

»Wozu denn die ganze Mühe? Es geht doch eh alles den Bach hinunter! Der Hof ist veraltet und unrentabel, und zum Modernisieren fehlt uns das Geld. Du willst die Wahrheit nur net wissen! Aber dafür racker ich mich net ab«, gab Andreas zurück und hob die Werkzeuge auf.

»Seit Generationen ist der Hof in unserer Familie …«

»Ach, immer das alte Lied. Die Zeiten haben sich aber geändert«, unterbrach ihn sein Sohn missmutig und trat erneut nach dem Zaun.

»Seit Generationen«, wiederholte Meringer unbeirrt, »und schlechte Zeiten hat’s früher auch schon gegeben. Aber alle haben sich da durchgekämpft und den Hof für die Nachkommenschaft erhalten. Nur du hast kein Durchhaltevermögen! Und wenn der Hof tatsächlich verloren geht, dann liegt das nur an dir!«

Wie Feinde standen sie sich gegenüber, und einem Beobachter wäre aufgefallen, wie ähnlich und doch verschieden Vater und Sohn waren.

Sie glichen sich in Statur und Körperhaltung – beide waren hochgewachsene, breitschultrige Männer – und Andreas hatte die dunklen lockigen Haare und die blauen Augen seines Vaters geerbt. Während die Züge Beat Meringers hart und kantig waren und verrieten, dass sein Leben von Arbeit und Entbehrungen geprägt war, wirkte das Gesicht seines Sohnes dagegen unfertig und unreif.

Trotzdem galt Andreas als der hübscheste Bursche im Tal, und er wusste diesen Eindruck noch durch recht anspruchsvolle Kleidung zu unterstreichen. Da er zudem – teils aus Freundlichkeit, teils aus Geltungsbedürfnis – im Dorfwirtshaus gern eine Runde ausgab, genügte ihm das Geld, das ihm zur Verfügung stand, nie, und er machte heimlich immer mehr Schulden bei Freunden und Geschäftsleuten.

Sein Vater ahnte davon, und dieser Umstand trug noch zu der Verbitterung bei, die er für seinen Sohn empfand, der so völlig aus der Art geschlagen schien. Nur noch selten dachte er mit Wehmut daran, wie glücklich er einst über die Geburt dieses Sohnes gewesen war.

Jahrelang hatten er und seine arme Anni vergeblich auf ein Kind gehofft, und dann, ganz unerwartet, als Anni schon vierzig war, erfüllte sich ihr sehnlichster Wunsch, und sie schenkte einem gesunden Sohn und Erben das Leben.

Doch die schwere Geburt hatte die einst kräftige und lebensfrohe Frau so geschwächt, dass sie zu kränkeln begann und starb, noch ehe Andreas den Kinderschuhen entwachsen war …

»Also schau zu, dass das in Ordnung kommt«, sagte Meringer schließlich nur, da Andreas verstockt schwieg. Mit einer mutlosen Geste wandte er sich um und ging quer über den Hof auf das breit hingelagerte Wohnhaus zu.

Der Meringer-Hof war mit seinen Holzbalustraden und der Lüftlmalerei, die immer sorgfältig erneuert wurde, eine rechte Augenweide. Mancher Wanderer, den sein Weg vorbei an dem Anwesen führte, hielt inne und bewunderte das ländliche Idyll, ohne zu ahnen, dass es vom Niedergang bedroht war.

Andreas starrte mit zusammengekniffenen Augen dem Vater nach. Meringers Gang war in der letzten Zeit schleppend geworden, und er trug den Kopf nicht mehr so hoch sie wie früher.

Der junge Mann empfand jähe Gewissensbisse, und mit einer halblauten Verwünschung steuerte er auf den Schuppen zu, um der Anweisung seines Vaters Folge zu leisten.

Drinnen im Haus goss sich Beat an der Kredenz einen Obstler ein und leerte das Glas in einem Zug.

Wie immer, wenn er niedergeschlagen war, schweiften seine Gedanken in die Vergangenheit; immer lebendiger schienen die Bilder in ihm emporzusteigen.

»Er ist wie der Quirin, den hat es auch so umhergetrieben«, murmelte er vor sich hin.

Die Erinnerung an seinen jüngeren Bruder schmerzte noch immer, obwohl seit jenen Ereignissen so viele Jahre verflossen waren.

Ursprünglich war Quirin Anni, Beats späterer Frau, versprochen gewesen. Er hatte das schöne Mädchen leidenschaftlich geliebt, ohne zu ahnen, dass sein Bruder genauso für Anni empfand. Beat verzehrte sich in der Rolle des Rivalen, der seine Liebe verheimlichen musste – bis eine jähe Wende eintrat.

Anni, die Quirins Unrast und seine Unzufriedenheit mit dem Leben immer mehr als quälend und wesensfremd empfand, wandte sich allmählich Beat zu. Der teilte ihre Meinungen, vor allem ihre Gebundenheit an ihre Heimat, was dazu führte, dass sie seine Zuneigung zu erwidern begann.

Sie trennte sich von Quirin, der sich mit dem Verlust nicht abfinden wollte. Sein Traum war es gewesen, mit Anni an seiner Seite auszuwandern und mit ihr gemeinsam eine neue Existenz zu gründen. Es kam zu einer furchtbaren Auseinandersetzung zwischen den beiden Brüdern; Quirin gab dem Älteren die Schuld, dass Anni ihn verlassen hatte. Mit den Fäusten drang er auf Beat ein, jähzornig wie er war, und fügte ihm schwere Verletzungen zu. Am Tag darauf war Quirin verschwunden, und es gab nie wieder ein Lebenszeichen von ihm.

Beat litt sehr darunter, denn er hatte den Bruder trotz allem sehr geliebt. Auf unbestimmte Weise fühlte er sich mitschuldig am Schmerz seiner Eltern, die rasch hintereinander wegstarben.

Das alles überschattete den Beginn seiner jungen Ehe, die dennoch ausnehmend glücklich wurde und ihn für alle Entbehrungen reich entschädigte.

Annis vorzeitigen Tod hatte er nie verwinden können, und es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, noch einmal zu heiraten.

Sein Gemüt verdüsterte sich danach immer mehr, vor allem aber, seitdem sich das Verhältnis zu seinem Sohn verschlechterte.

Schließlich riss sich Meringer von seinen wehmütigen Gedanken los, es wartete noch zu viel Arbeit auf ihn, um sich fruchtlosen Grübeleien zu überlassen.

Als er aus dem Haus trat, hörte er vom Schuppen her, wie sein Sohn offensichtlich Holzlatten zersägte, um die leidige Arbeit doch noch zufriedenstellend auszuführen.

Beats Stimmung hellte sich auf; wahrscheinlich neigte er dazu, das Verhalten seines Sohnes zu streng zu beurteilen.

»Es steckt halt doch ein guter Kern in ihm«, murmelte er vor sich hin und ging mit energischen Schritten auf die Stallungen zu.

***

»Pass doch auf! Musst du immer so ungeschickt sein!«, fuhr Andreas Katrin ungehalten an.

Das junge Mädchen hatte, als sie ihm auflegte, etwas von der Suppe verschüttet, da in seiner Nähe ihre Hände zu zittern begannen.

»Es tut mir leid«, flüsterte sie kaum hörbar und senkte errötend den Kopf.

»Das ist doch net so schlimm«, versuchte Meringer zu begütigen, dem Katrins offenkundige Verlegenheit auffiel. Ihre Scheu gegenüber Andreas stimmte ihn nachdenklich und erregte sein Mitgefühl.

»Wirst aber auch immer trampliger! Ich seh schon, dass du als alte Jungfer bei uns heroben versauerst!«, fügte Andreas daraufhin gereizt hinzu, denn es erboste ihn jedes Mal, wenn sich sein Vater auf die Seite des jungen Mädchens stellte.

Katrin hatte Mühe, ihre Tränen zurückzuhalten, Andreas’ herzlose Worte hatten sie so getroffen, dass sie am liebsten aus der Stube gerannt wäre.

Das Abendessen, das reichlich und schmackhaft zubereitet worden war, wurde wie meistens schweigend eingenommen. Katrin beruhigte sich allmählich wieder, brachte aber kaum einen Bissen hinunter.

Vor drei Jahren hatte Meringer sie auf den Hof geholt, als sie, erst siebzehnjährig, Vollwaise geworden war. Sie war weitläufig mit den Meringers verwandt – noch nicht einmal blutsverwandt –, doch Meringer hatte sich wie ein Vater um sie gekümmert, wofür sie ihm unendlich dankbar war.

Sie hatte sich rasch auf dem Hof eingewöhnt, und er war ihr zum Zuhause geworden. Unter der Obhut von Leni, einer alten Magd, die seit dem Tod der Bäuerin die Wirtschaft führte, erlernte sie rasch die notwendigen Fertigkeiten.

Leni war des Lobes voll über Katrin, die nicht nur tüchtig und anstellig war, sondern auch keine der Neigungen zeigte, die man jungen Mädchen oft nachsagte.

»Das ist ein ernsthaftes, ordentliches Madl. Net so leichtsinnig und vergnügungssüchtig wie die aufgeputzten jungen Dinger, die nur den Tanzboden im Kopf haben. Und die Mannsbilder hat’s auch net im Sinn, sondern nur ihre Arbeit. Ich wüsste überhaupt nimmer, was ich ohne sie anfangen tät«, pflegte Leni immer zu sagen, sobald sie mit Meringer allein war, und der nickte zufrieden dazu.

Auch ihm war das junge Mädchen ans Herz gewachsen, und er bereute nicht, sie auf den Hof geholt zu haben.

»Das war ja ein richtiges Festessen«, meinte er, nachdem er seinen Teller zurückgeschoben hatte. Er wusste, dass Katrin die Mahlzeit zubereitet hatte, und er wollte sie ermutigen und gleichzeitig die Kränkung, die sie durch seinen Sohn erlitten hatte, wiedergutmachen.

»Sie kocht schon viel besser als ich zu meiner Zeit«, erklärte Leni neidlos; sie war auf ihren Schützling sehr stolz.

Katrin hätte gern etwas erwidert, doch in der Gegenwart des jungen Meringer war sie wie üblich viel zu befangen. Andreas fand kein Wort des Lobes; er sprang so ungestüm vom Tisch auf, als wäre er einer lästigen Pflicht entronnen.

»Na, heut hast’s aber besonders eilig! Geht’s wieder hinunter ins Wirtshaus?«, erkundigte sich sein Vater.

Andreas warf ihm nur einen ungehaltenen Blick zu und eilte dann in seine Kammer hinauf, um sich umzukleiden.

Ganz gewiss hat er wieder ein Gspusi! Wegen seiner Spezis tät er net so viel hermachen, und das würde auch seine Launen erklären!, dachte Leni. Sie hütete sich aber, ein Wort davon verlauten zu lassen, sondern half, soweit es ihr die gichtigen Hände erlaubten, Katrin, den Tisch abzuräumen.

Beat Meringer seufzte hörbar auf, als er durch das Stubenfenster blickte; sein Sohn ging – sonntäglich gekleidet – auf das Hoftor zu. Wie ein Stadtfrack kommt er daher, auch wenn er einen Lodenjanker trägt. Wenn das seine Mutter, Gott hab sie selig, noch erlebt hätt, dachte er düster und zog unwillig die Brauen zusammen.

Auch Katrin, die noch einmal in die Stube zurückgekehrt war, folgte Andreas mit den Blicken, doch in ihren Augen lag ein ganz anderer Ausdruck.

***

»Schlaf gut, Katrin, und träum etwas Schönes«, erwiderte Meringer freundlich den Gutenachtgruß des Mädchens, und Katrin lächelte, als sie die Stube verließ. Sie hatte noch eine Weile mit ihm und Leni in der Stube zusammengesessen, und während Meringer über seinen Rechnungsbüchern brütete, hatten sie, den Flickkorb zwischen sich, gelacht und geschwatzt.

Katrin liebte diese Stunde. Sie fühlte sich dann sicher und geborgen in ihrer kleinen Welt – ein Gefühl, das beim Tod ihrer Eltern so nachhaltig erschüttert worden war.