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Die bildhübsche Gerdi Baumgartner kann sich zwar vor Verehrern kaum retten, doch die wahre Liebe hat sie noch nie kennengelernt. Immer wieder fällt sie auf Burschen herein, für die Treue ein Fremdwort ist. Ihre Verlobung mit Tobias Hirnacker ging deswegen in die Brüche, und kürzlich hat sie Matthias Gruber in flagranti mit einer anderen erwischt.
Nun hat Gerdi von Männern endgültig die Nase voll! Doch es scheint, als ob ihre kühle Unnahbarkeit den Jagdtrieb der Burschen, die sie als Freiwild betrachten, nur noch mehr anstachelt ...
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Impressum
Gerdi hat die Männer satt
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: shutterstock / rekaphoto
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-2564-5
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Gerdi hat die Männer satt
Warum ein bildschönes Madel von der Liebe nichts mehr wissen will
Von Sissi Merz
Die bildhübsche Gerdi Baumgartner kann sich zwar vor Verehrern kaum retten, doch die wahre Liebe hat sie noch nie kennengelernt. Immer wieder fällt sie auf Burschen herein, für die Treue ein Fremdwort ist. Ihre Verlobung mit Tobias Hirnacker ging deswegen in die Brüche, und kürzlich hat sie Matthias Gruber in flagranti mit einer anderen erwischt.
Nun hat Gerdi von Männern endgültig die Nase voll! Doch es scheint, als ob ihre kühle Unnahbarkeit den Jagdtrieb der Burschen, die sie als Freiwild betrachten, nur noch mehr anstachelt …
»Da schau, Schatzerl, genau über der Spitze vom Wendelstein blinkt ein ganz besonders heller Stern. Ich glaub, das könnte unser Glücksstern sein. Magst du dir nix wünschen?«
Gerdi Baumgartner schmiegte sich an ihren Liebsten und schüttelte den Kopf.
»Das brauch ich net. Ich hab ja schon alles, was man sich wünschen kann«, verriet sie ihm leise.
Matthias Gruber schenkte dem bildsauberen, blonden Dirndl mit den klaren blauen Augen ein inniges Busserl, das kaum ein Ende nehmen wollte. Ganz selbstvergessen und eng aneinandergeschmiegt stand das junge Paar vor Gerdis Kammerfenster und betrachtete die Sterne am samtdunklen Winterhimmel.
Als der Bursche sein Madel nun freigab, strahlte Gerdi pure Seligkeit aus den schönen Augen. Sie war so verliebt in Matthias! Das Glück, das er ihr schenkte, schien perfekt. Dabei hatte sie noch vor Kurzem nicht recht gewusst, ob sie ihm tatsächlich über den Weg trauen konnte.
»Es ist spät«, stellte der hochgewachsene, sportliche Bursche mit dem braunen Lockenkopf und den eisblauen Augen nun bekümmert fest. »Ich muss mich langsam auf den Heimweg machen. Mei, Liebes, ich wünschte, ich müsste dich jetzt net allein lassen.«
»Wir sehen uns doch morgen schon wieder«, tröstete sie ihn und auch ein wenig sich selbst.
»Die Zeit ohne dich wird mir lang.« Er stahl ihr noch ein Busserl und schaute ihr tief in die Augen. »Ich sehn den Tag herbei, wenn wir immer beisammen sind und unser Leben teilen.«
»Ja, darauf freu ich mich auch«, versicherte sie ihm mit einem seligen Lächeln. Dass er es tatsächlich ernst meinte … Selbst jetzt wunderte Gerdi sich im Stillen noch darüber.
»Im Frühling wird geheiratet«, bestimmte Matthias spontan. »Ich mag einfach nimmer länger warten.«
»Aber zuerst müssen wir mal Verlobung feiern«, erinnerte das Madel ihn, und es war, als fiele ein Schatten auf sein schönes Gesicht.
Gerdi war nämlich schon einmal verlobt gewesen. Sie hatte an die Liebe geglaubt, an das Glück fürs Leben, von dem Tobias Hirnacker so oft gesprochen hatte. Der Jungbauer aus dem Nachbarort Niedertal hatte fleißig Zukunftspläne mit ihr geschmiedet und ebenso fleißig des Nachts die Jungmägde auf dem elterlichen Hof besucht. Als sie ihm auf die Schliche gekommen war, war es aus gewesen zwischen ihnen. Nichts war für Gerdi ärger als ein untreuer Bursche.
Matthias, der fesche Hofsohn, hatte ebenfalls einen Ruf als Schürzenjäger. Er sah gut aus, war bei der Bergwacht und hatte schon manchen aus einer Bergnot gerettet. Zudem war er der heimliche Star bei den jährlichen lokalen Skimeisterschaften und stets von sauberen Madeln umgeben, die ihn anhimmelten. Mit seiner athletischen Figur brachte er die Dirndln reihenweise um den Verstand.
Doch seit er Gerdi liebte, schaute er keine andere mehr an, das hatte er ihr geschworen. Er wusste ja schließlich, wie sie über Untreue dachte und dass es aus war, wenn er auf Abwege geriet.
Dass sie zögerte, sich fest an ihn zu binden, konnte er verstehen. Hinnehmen wollte er das jedoch nicht.
»Wir feiern bald Verlobung. Aber von mir aus können wir auch gleich heiraten, Hauptsache, wir sind beisammen.«
Sie lächelte nachsichtig.
»Verlobung müssen wir schon feiern, das gehört sich so. Die Eltern und alle anderen erwarten das schließlich.«
»Und darauf gibst du etwas, mein kleiner Wildfang?«, wunderte er sich. Gerdi war tatsächlich ein Madel mit Ecken und Kanten. Sie fuhr gern Motorrad und hatte ihre Freiheit sehr geschätzt. Für Matthias hatte sie diese aufgegeben, denn er bedeutete ihr mehr als alles andere auf der Welt. Und dass sie nun durchaus auch etwas auf die Konventionen gab, bewies ihre Antwort.
»Freilich. Man lebt ja net auf seinem eigenen Planeten und muss auch danach fragen, was die anderen sagen.«
»Soso.« Matthias grinste. »Nur gut, dass du nix auf das Gerede über mich gegeben hast. Sonst hätten wir zwei gewiss net unser Glück gefunden.«
»Ich hab mir halt meine eigene Meinung über dich gebildet.«
»Und wie schaut die aus? Magst du sie mir verraten?«
Das Madel lächelte verschmitzt.
»Du gehst wohl auf Komplimente aus. Aber ich sag’s dir lieber, wie es ist, damit du auf dem Boden der Tatsachen bleibst. Am Wochenende werde ich ein wachsames Auge auf deine weiblichen Verehrerinnen haben. Und wehe, eine kommt dir zu nah …«
»Keine Sorge«, versicherte Matthias lachend. »Ich werde damit beschäftigt sein, meinen Titel zu verteidigen. Die Konkurrenz ist in diesem Jahr recht stark beim Abfahrtslauf.«
»Ich drück dir die Daumen. Außerdem ist keiner so schnell wie du. Du bist der beste Skiläufer im Tal von Langenbach.«
»Doch noch ein Kompliment, wie schön«, freute er sich. »In den nächsten Tagen muss ich noch ein bisserl trainieren. Wenn du magst, komm doch an die Strecke und schau mir zu. Deine Anwesenheit beflügelt mich bestimmt.«
»Mal sehen, ob ich es einrichten kann.«
Sie verließen Hand in Hand Gerdis Kammer und gingen über die Stiege hinunter ins Erdgeschoss des großen Bauernhauses. Die Familie Baumgartner bewirtschaftete den Erbhof zu Füßen des Wendelsteins nahe dem oberbayerischen Bayrischzell schon seit vielen Generationen. Man war alteingesessen und bodenständig, wie es in diesem Landstrich von jeher der Sitte entsprach.
Alois Baumgartner, Gerdis Vater, stand heuer im sechzigsten Lebensjahr. Er hatte seit einer Weile Probleme mit dem Herzen, die ihn dazu zwangen, kürzerzutreten. Deshalb hatte der Altbauer den Hof bereits an Gerdis Zwillingsbruder Hans übergeben, der ihn seit drei Jahren bewirtschaftete.
Hans war ein umsichtiger und fleißiger Mensch, der immer auf das Urteil des Vaters Wert legte und diesen nach wie vor an allen wichtigen Entscheidungen beteiligte. Alois wusste das sehr zu schätzen, so fühlte er sich noch nicht ganz dem alten Eisen zugehörig. Der Bauer war seit Langem verwitwet, denn seine Frau Katharina, die große Liebe seines Lebens, war bei der Geburt der Zwillinge an Komplikationen und zu hohem Blutverlust gestorben.
Lange hatte Alois unter dem Verlust gelitten, und er vermisste seine Frau auch heute, fünfundzwanzig Jahre später, wie am ersten Tag. Deshalb hatte er sich nicht mehr gebunden.
Hans und Gerdi waren damals von einer Amme genährt und von der Hauserin Lina aufgezogen worden. Die beiden hingen noch immer mit inniger Liebe an der herzensguten Lina und waren, wie das bei Zwillingen oft der Fall ist, ein Herz und eine Seele.
Gerdi begleitete Matthias noch zur Haustür, wo er sich mit einem langen, zärtlichen Busserl von ihr verabschiedete.
»Dann bis morgen, mein Engerl. Träum von mir«, flüsterte er ihr ins Ohr und schaute ihr dabei tief in die Augen.
»Das muss ich mir erst noch überlegen«, scherzte das Madel. Rasch schloss Gerdi die schwere Holztür hinter ihrem Liebsten, denn draußen war es bitterkalt.
Der Februar hatte so angefangen, wie der Januar aufgehört hatte: mit klaren Tagen voller Sonnenschein, der die tief verschneite Landschaft rund um den Wendelstein wie Diamantstaub funkeln ließ, und eisigen Nächten.
Gerdi ging in die Küche, wo ihre Schwägerin noch aufräumte. Vor drei Jahren hatte Hans die hübsche und kluge Tochter des Ochsenwirts, Marianne Zerbacher, heimgeführt. Die patente Jungbäuerin verstand sich gut mit Schwiegervater und Schwägerin und wirtschaftete reibungslos mit Gerdi zusammen.
»Kann ich noch was helfen?«, fragte das Madel.
»Nein. Setz dich her, wir trinken ein Haferl Kaffee, und du erzählst mir, was es Neues gibt im Paradies der Verliebten«, erwiderte Marianne.
Gerdi musste schmunzeln.
»Wo ist denn der Hans?«
»Er ist noch mal rüber in den Stall und schaut nach der Kuh, die den ganzen Tag gefiebert hat. Du kennst ihn doch. Wenn er weiß, dass es einem von den Viechern net gut geht, findet er keine Ruhe.«
»Und der Vater ist gewiss auch dabei«, vermutete Gerdi.
»Freilich.« Marianne stellte zwei Haferln mit Kaffee auf den Tisch und setzte sich zu ihrer Schwägerin auf die Eckbank. Hier brannte im Herrgottswinkel stets ein ewiges Licht vor dem Bild der verstorbenen Bäuerin. Katharina Baumgartner war eine sehr schöne Frau gewesen, und Gerdi hatte die Schönheit von ihrer Mutter geerbt.
Marianne verblasste daneben ein wenig, auch wenn ihr kastanienbraunes Haar seidig schimmerte und ihre rehbraunen Augen einen warmen Glanz hatten.
»Also, wann wird Verlobung gefeiert?«, fragte die Bäuerin.
»Steht noch net fest.« Gerdi seufzte. »Ehrlich gesagt würde ich gern noch ein bisserl warten. Der Matthias drängt mich zwar, aber ich glaub, es ist besser, nix zu überstürzen. Schließlich hab ich aus meinen Fehlern gelernt.«
»Der Hans hat mir erzählt, dass du früher nur über die Burschen gelacht hast, die dir nachgestellt haben. Stimmt das?«
»Ja, schon«, meinte Gerdi schmunzelnd. Wenn sie an ihre »wilde Phase« dachte, kam es ihr manchmal so vor, als ob sie das gar nicht selbst gewesen wäre.
»Der Hans war schon als Bub vernünftig. Er hat sich allerweil für die Landwirtschaft interessiert und wusste immer genau, was er wollte. Das war bei mir net der Fall. Ich hab vieles ausprobiert, bis mir klar wurde, dass ich für mein Leben gern koche und backe und im Haus wirtschafte. Die Lina hat mir das alles nähergebracht. Aber bis ich mich entschlossen hatte, die Haushaltsschule zu besuchen und auch Köchin zu lernen, das war ein weiter Weg. Der Vater hatte Geduld, er hat mich net gedrängt. Dafür bin ich ihm im Nachhinein dankbar. Denn bis vor ein paar Jahren war ich schon eine rechte Rebellin und wollte mit dem Kopf durch die Wand.«
»Und wann hat sich das geändert?«
»Es mag seltsam klingen, aber das war, als du auf unseren Hof gekommen bist. Ich hab gesehen, wie glücklich ihr zwei miteinander seid, der Hans und du. Und als euer kleiner Stopferl auf die Welt kam, da wusste ich plötzlich, dass ich eine eigene Familie haben will. Mei, ihr seid sozusagen meine Vorbilder.«
»Und mit dem Matthias magst du diese Familie gründen?« Das klang ein klein wenig skeptisch, wie Gerdi feststellte.
»Er redet ständig davon. Ich glaub, er hat sich geändert, ist erwachsen geworden. Die anderen Madeln reizen ihn nimmer, er mag sich sein Leben jetzt einrichten. So wie ich.«
»Das klingt net schlecht«, erwiderte Marianne und nickte. »Ich denk mir aber, du hast recht, wenn du es langsam angehst. Ob sich ein Mensch wirklich so grundlegend ändern kann, da bin ich mir nämlich net ganz sicher. Aber ich wünsche es dir.« Marianne erhob sich, denn ihr einjähriger Sohn meldete in diesem Moment Hunger an.
»Dann gute Nacht und bis morgen, Gerdi«, sagte sie und schenkte ihrer Schwägerin ein liebes Lächeln.
»Schlaf gut«, murmelte diese versonnen. Mariannes Worte hatten Gerdi nachdenklich gemacht. Sie saß noch eine Weile in der Küche und grübelte darüber nach, ob sie tatsächlich das Richtige tat. Sie hatte Matthias lieb und er sie auch. War das nicht das Wichtigste? Im Grunde schon. Doch ein letzter Zweifel blieb …
***
Golden stieg die Wintersonne am nächsten Morgen über den Gipfel des Wendelsteins und verwandelte das Tal von Langenbach in ein wahres Postkartenidyll.
Die kleine, kaum hundert Seelen zählende Gemeinde nördlich von Bayrischzell schimmerte im feinsten Winterweiß unter dem klaren Blau des wolkenlosen Himmels. Eine schmale Landstraße, die von Süden kommend die Dörfer und Weiler des Tals verband, führte durch eine Landschaft von seltenem Reiz. Im Norden erhoben sich der Kleine Traithen und der Seeberg, gegenüber der Stocker mit seinen schrundigen Karen, der Hausberg von Langenbach. Daneben, hinter dem Wendelstein, fanden sich Geitau und Niedertal.
Klare, von Gletscherwasser gespeiste Seen wechselten sich mit Weiden, Wiesen und landwirtschaftlichen Flächen ab.
Es gab einen über zweihundert Jahre alten Forst, in dessen gesunder Mischkultur sich mächtige Eichen, schlanke Buchen, Bergkiefern und auch himmelhohe Föhren fanden. Der Wildbestand war gesund, neben Hirsch und Wildschwein lebten auf den weitläufigen Waldflächen, die sich zum Teil auch an der Westseite des Wendelsteins bis zur Baumgrenze zogen, sogar wieder Luchse und Wildkatzen. Und ab und an streifte ein brummiger Braunbär auf seiner Wanderung gen Süden durch das Revier.
Die Menschen in Langenbach lebten hauptsächlich von der Landwirtschaft, das freie Bauerntum hatte hier Tradition. Es gab aber auch zwei Fremdenpensionen, und man konnte auf einigen Höfen seinen Urlaub verbringen.
Langenbach war zu abgelegen für große Touristenströme. Die einzige Skiabfahrt war nur über einen langen Steig zu erreichen, einen Lift suchte man vergeblich. Bürgermeister und Gemeinderat legten Wert darauf, die Schönheiten ihrer Bergwelt möglichst ursprünglich zu erhalten. Man war hier der Meinung, dass es nicht unbedingt von besonderer Weisheit zeugte, jeden Trend mitzumachen oder jeder Neuheit hinterherzurennen.
Auch auf dem Erbhof der Familie Baumgartner war diese Philosophie lebendiger Bestandteil des täglichen Lebens. Seit Alois sich in den Austrag zurückgezogen hatte, ging es ihm gesundheitlich wieder besser. Das Herz machte ihm kaum noch Probleme, er brauchte auch keine Medikamente mehr. Nach wie vor war der Altbauer das Oberhaupt der Familie, und Hans behandelte seinen Vater mit Respekt. Etwas anderes wäre ihm nie in den Sinn gekommen.
An diesem klaren Wintermorgen hielten Vater und Sohn sich noch vor dem Frühstück im Stall auf. Am Vorabend hatte der Jungbauer eine kranke Kuh mit einem homöopathischen Mittel behandelt, was sein Vater eher kritisch sah. Alois verließ sich lieber auf die Medikamente, die der Tierarzt verschrieb. Doch er stellte nun fest, dass es dem Tier besser ging. Die Temperatur war wieder normal, und die Kuh fraß gierig ihr Heu.
»Ich geb zu, du hattest recht«, gestand Alois seinem Sohn zu und klopfte ihm auf die Schulter. Die beiden Mannsbilder waren ungefähr gleich groß, mit breitem Kreuz und Händen, die zupacken konnten. Hans hatte das blonde Haar der Mutter geerbt, es war widerspenstig und ließ sich kaum bändigen. Sein Vater war mittlerweile ergraut, doch in der Jugend hatte er den Madeln mit seinem dunklen Haar und den tiefblauen Augen gut gefallen.
Noch immer hielt Alois sich gerade. Manchmal bedauerte er, nicht mehr so zupacken zu können wie früher, denn die körperliche Arbeit hatte ihm stets Spaß gemacht. Nun musste er diese den Jungen überlassen. Doch er wusste den Hof bei Hans in den besten Händen, und das tröstete ihn ein wenig.
»Dass diese Mittel etwas bewirken, ist mir allerdings immer noch ein Rätsel. Ich mein, im Grunde ist ja gar nix mehr drin von dem Wirkstoff, net wahr?«
»Ja, das stimmt schon. Aber einen Nutzen haben diese Mittel, sonst ginge es der Kuh jetzt net besser.« Hans lächelte verhalten. »Sie lässt sich nix einreden wie wir Menschen.«
»Stimmt auch wieder. Ich hab was dazugelernt.« Alois erwiderte das Lächeln seines Sohnes. »Gut gemacht.«
»Ich dank dir für das Lob, Vater. Aber ich wollt dich noch was anderes fragen. Der Matthias war doch gestern wieder bei der Gerdi. Was hältst du von der Sache? Die Marianne sagt, es sei den beiden ernst. Wenn du mich fragst, macht die Gerdi gerade wieder den gleichen Fehler wie mit dem Tobias.«
