Alpengold 214 - Rosi Wallner - E-Book

Alpengold 214 E-Book

Rosi Wallner

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Beschreibung

Etwas reißt Beate im Morgengrauen aus dem Schlaf. Ein Käuzchen sitzt auf dem Fensterbrett und schreit. Sie springt aus dem Bett, läuft zum Fenster und verscheucht den Vogel. Unheil soll es bringen, das Käuzchen, sogar den Tod. Und das zwei Tage vor ihrer Hochzeit!

"Scher dich weg", murmelt sie verstört, und es schaudert sie. Da fällt ihr Blick auf das weiße Kleid, das am Schrank hängt, ihr Brautkleid, und wie um sich zu trösten und zu beruhigen, streicht sie über den kostbaren Stoff und nimmt es vom Kleiderhaken, um es sich vor dem Spiegel anzuhalten. Aber es bleibt hängen, und entsetzt hört Beate das Reißen von Stoff. Der Schaden ist nur gering, mit wenigen Stichen zu beheben, und doch überläuft es Beate wie ein seltsames Kältegefühl. Erst das Käuzchen, jetzt dieser Riss - ein zweites böses Omen?

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Seitenzahl: 101

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Cover

Impressum

Wozu brauch' ich ein Hochzeitskleid?

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Michael Wolf / Bastei Verlag

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-2647-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Wozu brauch’ ich ein Hochzeitskleid?

Als für Beate alles Glück verloren schien

Von Rosi Wallner

Etwas reißt Beate im Morgengrauen aus dem Schlaf. Ein Käuzchen sitzt auf dem Fensterbrett und schreit. Sie springt aus dem Bett, läuft zum Fenster und verscheucht den Vogel. Unheil soll es bringen, das Käuzchen, sogar den Tod. Und das zwei Tage vor ihrer Hochzeit!

»Scher dich weg«, murmelt sie verstört, und es schaudert sie. Da fällt ihr Blick auf das weiße Kleid, das am Schrank hängt, ihr Brautkleid, und wie um sich zu trösten und zu beruhigen, streicht sie über den kostbaren Stoff und nimmt es vom Kleiderhaken, um es sich vor dem Spiegel anzuhalten. Aber es bleibt hängen, und entsetzt hört Beate das Reißen von Stoff. Der Schaden ist nur gering, mit wenigen Stichen zu beheben, und doch überläuft es Beate wie ein seltsames Kältegefühl. Erst das Käuzchen, jetzt dieser Riss – ein zweites böses Omen?

»Schön schaust du aus! Wie eine Prinzessin! So ein herrliches Brautkleid hab ich noch nie gesehen!«, entfuhr es Rosi Berghofer neidlos. Sie konnte den Blick gar nicht von ihrer Freundin wenden.

Beate Steinert drehte sich lächelnd im Kreis herum, dass der Rock des langen Kleides aufschwang und sie in eine Wolke von weißer Seide zu hüllen schien.

Selbstgefällig betrachtete sie sich dann im Spiegel, der ihr ein bezauberndes Bild bot: ein schlankes schönes Mädchen mit ebenmäßigen Zügen und üppigem dunkelblondem Haar, das ihr bis über die Schultern fiel.

»Darin wirst du dem Michael gefallen! Augen wird der machen!«, meinte Rosi und seufzte ein wenig.

»Das soll er auch! So ein Tag muss unvergesslich bleiben. Schlimm genug, dass später so viele Männer vergessen, was sie am Altar versprochen haben«, entgegnete Beate und nestelte am Ausschnitt des Kleides, der mit aufwendigen seidenen Rosen verziert war.

»Aber dein Michael ist net so einer. Auf den kannst du bauen. Noch nie hat er einem anderen Madel schöne Augen gemacht«, sagte Rosi beinahe heftig.

»Das würd ich ihm auch net raten! Dann wär’s sofort aus mit uns. Ich bin keine, die sich das gefallen lässt.« Beate warf den Kopf zurück, und ihre schönen Augen funkelten. »Aber was reden wir denn da! Wir wollen den Teufel doch net an die Wand malen!« Sie lachte auf, und ihre Freundin stimmte nach kurzem Zögern mit ein.

»So kurz vor der Hochzeit kommt man halt auf die absonderlichsten Gedanken«, meinte Rosi. »Dass doch net alles gut gehen könnt …

»Ach, warum denn?«, erwiderte Beate leichthin. »Der Michael und ich kennen uns schon von Kind an. Das ist vielleicht net so romantisch, aber ich finde, da weiß man wenigstens, wie man mit dem anderen dran ist. Geheiratet wird auf der Erde, net im Himmel.«

»Du bist halt vernünftig und stehst mit beiden Beinen auf dem Boden, Beate. Viele würden net so denken, das kannst du mir glauben.«

»Und manche hat’s dann auch gereut, denn die Ehe ist halt nichts Romantisches.« Beate trat näher an den Wandspiegel in ihrem geräumigen Zimmer, um den Faltenwurf des Kleides zu begutachten, wobei sie kritisch den Kopf schief legte.

»Ich hab ja nur gemeint, dass …«, begann Rosi.

»Ist ja schon gut!«, unterbrach Beate sie ungeduldig. »Meinst du net auch, dass das Mieder ein bisserl lose sitzt? Es schlägt sogar Falten!«

»Ja, das stimmt. Weißt, wie man das früher genannt hatte? Die Brautdürre! Weil sich die Madeln vor der Hochzeit so aufgeregt haben, dass sie nimmer richtig essen konnten.«

Beate musste trotz ihrer Verärgerung kichern und zupfte an der deutlich sichtbaren Falte.

»Hoffentlich reg ich mich net noch so auf, dass die Schneiderin ein neues Kleid nähen muss«, meinte sie trocken und ließ sich von der Freundin ein paar Stecknadeln reichen.

Unter übertriebenem Gelächter und Gestöhne gelang es Beate schließlich herauszuschlüpfen, ohne sich an den Nadeln zu stechen.

Vorsichtig verstauten die beiden Mädchen das Kleid im Schrank und setzten sich noch ein wenig zusammen, um zu plaudern, wie es ihnen seit Langem eine lieb gewordene Gewohnheit war. Sie empfanden eine gewisse Wehmut; es war das letzte Mal, dass sie so in Beates Zimmer saßen und ihre Kümmernisse und Freuden, aber auch ihre Geheimnisse teilten.

Sie waren seit der Schulzeit unzertrennliche Freundinnen, obwohl man sich kaum größere Gegensätze als die beiden Mädchen hätte vorstellen können. Das galt schon für Herkunft und Familie. Während Beate die Tochter eines reichen Sägewerkbesitzers war, besaßen Rosis Eltern nur ein kleines Anwesen außerhalb des Dorfes, dem man nur das Lebensnotwendigste abringen konnte. Und hätte Rosis Vater nicht bei Waldarbeiten Geld dazuverdient, wäre der kleine Hof längst nicht mehr in ihrem Besitz gewesen.

Auch äußerlich, vor allem aber wesensmäßig, unterschieden sich die Freundinnen voneinander. Beate stand im Mittelpunkt eines jeden Dorffestes, und ihre strahlende Schönheit verdrehte den Burschen den Kopf, sodass sie viele Verehrer hatte.

Rosis bescheidene Reize verblassten daneben völlig. Sie war drall und rundlich und hatte ein herzförmiges Gesicht mit warmen honigfarbenen Augen und braunem lockigem Haar. Sie war kein Mensch, der Aufsehen erregte, aber man fühlte sich in ihrer Gegenwart sofort wohl. Dazu trugen ihre Freundlichkeit und ihr herzerfrischender Humor bei – Eigenschaften, die Beate oftmals recht hochfahrendem Verhalten Einhalt geboten.

Beate hatte keine andere Freundin außer Rosi, denn sie, die »alles hatte« und nun auch noch den begehrtesten jungen Mann im Dorf bekam, erweckte in den meisten Mädchen eine gewisse Feindseligkeit, zumindest aber Neid. Doch Rosi missgönnte der Freundin nichts und hielt treu zu ihr, und das schmiedete die Mädchen fest zusammen.

»Versprichst du, dass du mich oft auf dem Hof besuchst, Rosi?«, sagte Beate, und in ihren schönen Augen schimmerten Tränen.

»Ja!« Rosi schluchzte vor Rührung auf. »Es soll sich nichts ändern zwischen uns, das wünsch ich mir. Schau, ich werd nie einen finden, dem ich gefalle. Ich bin net hübsch und bring auch nichts mit. Wer will so eine schon haben? Und wenn ich dann auch noch meine beste Freundin verliere …« Sie konnte nicht mehr weitersprechen.

»Tschapperl! Der Mann, der dich bekommt, kann von Glück sagen! Du darfst dein Licht net immer unter den Scheffel stellen. Aber eins ist abgemacht – unsere Freundschaft bleibt bestehen, auch wenn ich Pernegger-Bäuerin bin. Weißt du noch, wie wir uns damals ewige Freundschaft geschworen haben?«

»Das könnt ich nie vergessen!«

Rosi musste bei der Erinnerung unwillkürlich lächeln, und die beiden Mädchen reichten sich die Hände. Feierlich wiederholten sie den Schwur, der damals so leicht von den Kinderlippen gegangen war, sich aber in den folgenden Jahren bewährt hatte.

»Jesses! Jetzt muss ich aber gehen. Ich bin doch bei den Perneggers zum Abendbrot eingeladen. Es gibt noch so viel zu bereden.«

Beate sprang auf, und Rosi folgte ihrem Beispiel. Auch sie stellte fest, dass sie sich versäumt hatte.

»Ein Stückerl können wir ja noch miteinander gehen und plauschen«, meinte Beate und warf sich mit einer anmutigen Bewegung ein Umschlagtuch über die Schultern.

Mit raschen Schritten ließen sie das Bergdorf hinter sich und stiegen einen gewundenen Bergpfad hinauf. Sie waren so in ihr Gespräch vertieft, dass sie der Schönheit des Frühlingsabends keine Beachtung schenkten.

Sie blieben auch nicht – wie viele Wanderer – stehen, um sich an der Aussicht zu erfreuen. Die Abendsonne ließ die Felsen rot aufglühen, und ein heller Strahlenkranz legte sich um die Berggipfel.

»Ich wünsch dir einen schönen Abend mit den Perneggers, grüß sie von mir«, sagte Rosi in ihrer freundlichen Art, als sie sich an der Wegabzweigung trennten.

»Ja, pfiat di, Rosi, und grüß deine Eltern. Und vielen Dank noch!«

Beate eilte, ohne zurückzuschauen, davon, während Rosi der schlanken Gestalt nachsah, bis sie ihren Blicken entschwunden war. Unwillkürlich entschlüpfte ihr ein Seufzer.

»Ich weiß net, was ist. Ich hab so ein ungutes Gefühl. Das geht alles zu glatt und selbstverständlich ab, aber ich seh sicher nur Gespenster. Abergläubisch war ich schon immer«, murmelte sie vor sich hin.

Dann verbannte sie alle Gedanken an die bevorstehende Hochzeit ihrer Freundin und beeilte sich, nach Hause zu kommen.

***

Als Beate auf der Anhöhe angelangt war, von der aus der Pernegger-Hof am besten zu überblicken war, blieb sie stehen und schöpfte tief Atem.

Die Heirat mit dem Erben des Pernegger-Hofes bedeutete für sie die Erfüllung all ihrer Wünsche. Schon als sie, ein Kind noch, den Pernegger-Hof zum ersten Mal gesehen hatte, als sie mir ihrer Mutter einen Besuch abstattete, wurde sie von dem sehnsüchtigen Verlangen erfasst, ihr späteres Leben dort zubringen zu können.

Damals bereits freundete sie sich mit Michael Pernegger an, und selbst die Zeit des Heranwachsens, die sich so oft trennend auswirkt, hatte die Verbindung nicht zerreißen lassen. Und nun war es bald so weit. Sie würde auf dem Pernegger-Hof Einzug halten!

Voller Stolz umfasste Beate das vertraute Bild, den behäbigen, breitgelagerten Bau mit dem tief herabgezogenen Dach und den Balustraden aus dunklem Holz an der Vorderseite, die einen Kontrast zu den weißgekalkten Mauern bildeten. Kein Wanderer ging vorbei, ohne die kunstvoll ausgeführte Lüftlmalerei über der schweren holzgeschnitzten Haustür zu bewundern. Die Perneggers trugen auch Sorge dafür, dass sie immer wieder erneuert wurde.

Ebenso gut instand gehalten waren die angrenzenden Stallungen; der Garten, der seitlich um das Wohnhaus herumführte, war liebevoll angelegt. Im Hof plätscherte ein Brunnen aus Sandstein, der breite Rand war wie die Balustrade mit Blumenkästen geschmückt, in denen später im Jahr rote Geranien blühen würden.

Für Beate war der Pernegger-Hof eine in sich geschlossene Welt; ein Ort, von dem Ruhe und Geborgenheit ausging. Seit Jahrzehnten, ja, in den letzten hundert Jahren war hier das Leben nach einer festen Ordnung, nach festen Regeln verlaufen. Und Beate ersehnte sich nichts mehr, als an diesem Leben teilhaben zu dürfen und dazu beizutragen, dass altbewährte Traditionen erhalten blieben.

Als sie ihren Weg fortsetzte, sah sie, wie die Tür aufging und ein hochgewachsener junger Mann auf die Schwelle trat – Michael Pernegger, dessen Frau sie bald sein würde. Und erneut stieg freudiger Triumph in ihr empor, denn keiner im Tal glich ihrem zukünftigen Ehemann.

Gutaussehend, wie er mit seinem vollen dunklen Haar und den markanten Zügen war, schwärmten viele Dorfmädchen für ihn – nicht nur, weil er der Erbe des größten Hofes war. Neben seinem beeindruckenden Äußeren hatte Michael auch ein angenehmes Wesen, er neigte nicht zum Hochmut und Großtuerei wie manch andere Großbauernsöhne, sondern er bestach durch Humor und Ausgeglichenheit. Dass er überdies noch einen tüchtigen Hofbauer abgeben würde, daran zweifelte niemand, der ihn kannte.

Michaels braune Augen leuchteten auf, als er Beate erblickte, und der ging ihr schnell entgegen.

»Schatzerl, ich hab gedacht, heut kommst du gar nimmer hoch«, begrüßte er sie.

»Tut mir leid, Michael, dass ich mich verspätet hab«, sagte sie entschuldigend und hängte sich bei ihm ein, nachdem sie ihn flüchtig auf die Wange geküsst hatte.

»Hast bestimmt wieder mit der Rosi zusammengegluckt. Oder hast dich net von deinem Spiegelbild losreißen können?«, neckte Michael sie übermütig.

Beate lachte auf. »Beides! Ich hab das Hochzeitskleid noch mal anprobiert, es passt halt noch immer net recht!«

»Womöglich können wir net heiraten, weil dein Gewand nie fertig wird«, meinte er schmunzelnd.

»So kommst mir net aus, du Schlawiner!«, fiel ihm Beate lachend ins Wort.

Arm in Arm betrat das junge Paar die Wohnstube, wo die Perneggers und die übrigen Hofleute schon am reich gedeckten Abendbrottisch versammelt waren.

»Da seid ihr ja!« Ruth Pernegger ließ Beate wegen ihrer Verspätung erst gar nicht zu Wort kommen, sondern umarmte sie und küsste sie herzhaft auf beide Wangen, war ihr doch das junge Mädchen immer lieb wie eine eigene Tochter gewesen, die ihr das Schicksal vorenthalten hatte.

Zum ersten Mal wurde sich Beate der Tatsache bewusst, dass sie auch dafür dankbar sein musste. Wie viele junge Frauen heirateten in Familien ein, von denen sie nicht mit offenen Armen empfangen wurden. Doch ihre zukünftigen Schwiegereltern liebten und schätzten sie und würden es auch tun, wenn sie aus einer weniger begüterten Familie stammen würde.

Sie sind glücklich miteinander, dachte Ruth Pernegger, und wusste selbst nicht, warum diese Feststellung sie mit einer solchen Erleichterung erfüllte, denn alle waren doch der Meinung, dass Michael und Beate füreinander bestimmt waren.

Ruth schob diese seltsame Anwandlung auf die Anspannung der Hochzeitsvorbereitungen und auch darauf, dass auf sie, Ruth, ein neuer Lebensabschnitt zukommen würde.