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Zärtlich schmiegt die hübsche Angerer-Marlene sich an Christians breite Brust, denn sie weiß es längst: Sie ist ihm gut! Seit der junge Förster bei ihr im Forsthaus lebt, um ihren kranken Vater im Forst von Oberbach zu vertreten, jubelt und singt ihr Herz in einem fort! Und auch wenn Sepp Angerer am Wochenende aus der Klinik kommt, will Christian im Tal von Oberbach bleiben - als Forstbeamter und Marlenes Ehemann!
Die beiden Frischverliebten, die an diesem milden Sommerabend eifrig Zukunftspläne schmieden, ahnen nichts von der dunklen Gestalt, die draußen am offenen Stubenfenster steht. Als dem heimlichen Lauscher klar wird, dass ein anderer Bursch das Herz der schönen Marlene errungen hat, sinnt er nach Rache! Und die Gelegenheit, den verhassten Rivalen aus dem Weg zu räumen, bietet sich ihm schon allzu bald ...
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Impressum
Einsam im Försterhaus
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Anne von Sarosdy / Bastei Verlag
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-2648-2
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Einsam im Försterhaus
Als Marlenes Sehnsucht zu groß wurde, fasste sie einen Entschluss
Von Sissi Merz
Zärtlich schmiegt die hübsche Angerer-Marlene sich an Christians breite Brust, denn sie weiß es längst: Sie ist ihm gut! Seit der junge Förster bei ihr im Forsthaus lebt, um ihren kranken Vater im Forst von Oberbach zu vertreten, jubelt und singt ihr Herz in einem fort! Und auch wenn Sepp Angerer am Wochenende aus der Klinik kommt, will Christian im Tal von Oberbach bleiben – als Forstbeamter und Marlenes Ehemann!
Die beiden Frischverliebten, die an diesem milden Sommerabend eifrig Zukunftspläne schmieden, ahnen nichts von der dunklen Gestalt, die draußen am offenen Stubenfenster steht. Als dem heimlichen Lauscher klar wird, dass ein anderer Bursch das Herz der schönen Marlene errungen hat, sinnt er nach Rache! Und die Gelegenheit, den verhassten Rivalen aus dem Weg zu räumen, bietet sich ihm schon allzu bald …
»Also, Lenerl, deine Pfannkücherln sind wieder einmal ein Gedicht.« Sepp Angerer, der langjährige Revierförster von Oberbach bei Bayrischzell, schloss genießerisch die Augen, während er sich den letzten Rest seines Frühstücks auf der Zunge zergehen ließ.
Seine Tochter Marlene, die seit einer Weile im Forsthaus die Wirtschaft führte, lächelte nachsichtig und legte dem Vater noch einen der goldbraunen Pfannkuchen auf den Teller.
»Aber das geht doch net«, protestierte der halbherzig. »Eigentlich steht der ja dir zu, mein Engerl. Und eine Hauserin, die vor Entkräftung umfällt, ist kein schöner Anblick.«
Das bildhübsche Madel mit dem glänzenden blonden Haar und den klaren, himmelblauen Augen lachte.
»Keine Sorge, Vater, so arg wird es gewiss net kommen. Ich halt mich eh lieber an die frischen Semmeln.«
»Ja, ja, dein Vater ist ein Schleckermaul, das magst damit gewiss sagen, gelt? Und ich kann es net abstreiten.« Auch der letzte Pfannkuchen wurde mit ausgiebigem Lob bedacht, bevor Sepp Angerer den leeren Teller von sich schob, seinen feschen Schnauz zwirbelte und sich den Rest des Kaffees schmecken ließ.
»Was hast du denn heut vor, Vater?«, fragte Marlene. »Steht was Besonderes an?«
Der Förster warf einen Blick nach draußen, wo die Sonne von einem wolkenlosen Frühlingshimmel strahlte. Durch den Spaltbreit, den das Fenster geöffnet war, wehte ein laues Lüftchen. Frische Düfte nach Kiefernadeln, feuchtem Moos, Baumrinde und den ersten frühen Blüten des Jahres lagen darin. Und ein fröhliches Singen und Klingen und Tirilieren, mit dem die Vogelschar im Forst den Frühlingsmorgen ausgiebig zu begrüßen schien. Nach einem langen, kalten Winter atmete die Natur spürbar auf. Jetzt, Ende März, zeigte sich der erste, frisch grüne Laubaustrieb, und überall regte sich neues Leben.
Sepp Angerer, der mit Leib und Seele Förster war, liebte diese Jahreszeit ganz besonders. Nichts hielt ihn da im Haus, er musste einfach ins Freie und die herrliche Umgebung zu Füßen des Stocker im Oberbayerischen mit allen Sinnen genießen.
Früher hatte der Förster fast alle Arbeiten im Revier zu Fuß erledigt und war am Wochenende mit seiner geliebten Frau Ursula auf lange Bergwanderungen gegangen. Leider war Ursula aber schon vor zehn Jahren verstorben, und seither hatte sich im Leben des aktiven Mannes einiges geändert.
Sepp hatte lange und schwer an dem Verlust getragen. Einzig Marlene, damals gerade erst dreizehn Jahre alt, hatte ihm neuen Lebensmut gegeben. Ohne seine tapfere Tochter wäre er wohl völlig verzweifelt, aber das kluge, einfühlsame Madel hatte ihn immer wieder aufgerichtet, wenn die Trauer zu viel für ihn wurde und wie eine schwarze Woge, die alles verschlang, über ihm zusammenschlug.
Diese dunkle Zeit war glücklicherweise vorbei. Marlene hatte nach dem Schulabschluss die Hauswirtschaftsschule in Bayrischzell mit gutem Erfolg besucht und führte dem Vater, der allmählich auf die Pensionierung zuging, den Haushalt. Die beiden verstanden sich gut, die Zeit der gemeinsam durchgestandenen Trauer hatte sie einander sehr nahegebracht.
Sepp Angerer trank nun seinen Kaffee aus, stellte das Haferl auf den rustikalen Holztisch, den eine zart bestickte Überdecke zierte, und ließ seine Tochter wissen: »Ich fahr heut ins Nessler Tal rüber und schaue dort mal nach dem Rechten. Der Niederwald müsste wohl wieder ausgelichtet werden, es ist schon an die zehn Jahre her, dass dort was gemacht worden ist.«
»Bist du zum Mittagsmahl daheim?«
»Ich denk schon.« Der Förster blickte auf, als die Tür zum Esszimmer langsam aufschwang und sich über die Bodendielen vier Hundepfoten näherten. Gleich darauf setzte sich Zamperl, der treue Setter von Sepp Angerer, neben sein Herrchen und legte die Leine, die er im Maul getragen hatte, auf den Flickenteppich unter dem Esstisch. Der Förster lachte.
»Zamperl, du kommst wie immer aufs Stichwort«, lobte er. »Magst gern mit ins Nessler Tal, gelt?«
Der Hund fiepte leise wie ein Welpe und seine glänzenden, tiefbraunen Augen schienen zu sagen: »Freilich! Was denn sonst?«
Marlene reichte dem Vater ein Stück Wurst, das dieser gleich weitergab. Selig schmatzte Zamperl beim Kauen dieses unerwarteten Geschenks.
»Unser Lenerl ist heut großzügig«, stellte der Vater schmunzelnd fest. »Erst verwöhnt sie mich mit den feinsten Pfannkücherln, die man sich denken kann, und nun bekommst du auch noch deine heißgeliebte Wurst. Was meinst, Zamperl, sollen wir diesen Zustand ein bisserl ausnutzen?«
Marlene musste lachen, denn sie wusste schon, was nun kam.
»Kaiserschmarren zum Mittagsmahl?«
»Madel, du bist ein Engerl«, versetzte der Förster, erhob sich und drückte seiner Tochter zum Abschied ein Busserl aufs Haar. »Ich versprech dir auch, ganz pünktlich heimzukommen!«
»Ich nehm dich beim Wort«, meinte sie und begleitete den Vater noch zur Haustür. Draußen warteten bereits die Forstarbeiter auf ihre Arbeitsanweisungen. Sepp Angerer bedeutete ihnen, in seinen Jeep zu steigen. »Die können mir beim Markieren der Stämme helfen, die gefällt werden müssen«, sagte er zu Marlene, die Zamperl über den Kopf strich. Der Hund genoss diese Zuwendung mit geschlossenen Augen. »Na los, Zamperl, alter Genießer«, forderte sein Herrchen. »Auf geht’s zur Arbeit!«
Das ließ der treue Vierbeiner sich nicht zweimal sagen. Sogleich sprang er ins Auto und rollte sich im Fußraum des Beifahrersitzes zusammen. Sepp stieg ebenfalls ein, winkte seiner Tochter kurz zu und fuhr dann los.
Als Marlene allein war, ging sie hinüber zum Hühnerstall, um das Federvieh zu füttern und einige Eier für den Kaiserschmarren zu holen. Danach schnappte sie sich ihre Einkaufsliste und den Korb und machte sich auf den Weg zum Kramladen im Dorf.
Einmal in der Woche fuhr Marlene nach Bayrischzell zum Einkaufen. Für den täglichen Bedarf reichte aber auch Afra Hurzingers Gemischtwarenhandel am Kirchplatz. Vom Forsthaus aus war dies ein Weg von etwa einer Viertelstunde.
Das junge Madel genoss diesen Gang durch die Luft, denn es war ein herrlicher Frühlingsmorgen. Die Sonne fühlte sich bereits angenehm warm auf der Haut an, ein leichter Wind raschelte im ersten, zartgrünen Buchenlaub, und zwischen welken Blättern vom Vorjahr und frischem Moos leuchteten die Blütensterne von Arnika, Lerchensporn und Gänseblümchen. Bergfinken zwitscherten in den Ästen; Meisen, Amseln und Rotkehlchen stimmten mit ein in dieses Konzert, das nur die Natur so schön komponieren konnte.
Nachdem Marlene den Waldweg hinter sich gelassen hatte, folgte sie ein Stück der Landstraße nach Oberbach. Sie hatte den Ort gerade erreicht, als ein Auto neben ihr hielt.
»Grüß dich, Lene«, sagte Jutta Hirzer, ihre beste Freundin seit Schultagen. »Gehst du einkaufen?«
»Ja, zur Afra. Und du?«
»Ich komm grad von der Arbeit.« Das aparte, dunkelhaarige Madel gähnte verhalten. »Hab die ganze Woche Nachtdienst.« Jutta war Krankenschwester im Spital in Bayrischzell.
»Dann willst du bestimmt so schnell wie möglich ins Bett.«
»Schon, aber ich wollte dich noch was fragen. Hast du heut Nachmittag Zeit? Ich würde gerne mal wieder vorbeikommen und ein bisserl quatschen.«
»Gern, ich tät mich freuen«, versicherte Marlene.
»Ich hab dir was Interessantes zu erzählen, das dich gewiss erstaunen wird«, ließ Jutta anklingen.
»Habt ihr einen Termin festgelegt, der Jörg und du?«
Jörg Gruber, ein Jungbauer aus dem Nachbarort Unterau, war Juttas Verlobter.
»Das auch. Aber mir ist’s um was anderes bestellt.« Jutta kniff ein Auge zusammen. »Du wirst dich wundern …«
»Jetzt hast mich neugierig gemacht. Magst du mir net schon verraten, worum es geht?«
Die Freundin lachte verschmitzt. »Du musst noch ein bisserl schmoren. Also, bis später!«
»Süße Träume«, wünschte Marlene. Während sie dann den Rest ihres Weges zurücklegte, dachte sie über Jutta Hirzer und deren Familie nach. Der Name Hirzer hatte in Oberbach nämlich keinen sonderlich guten Klang …
Gabriel Hirzer hatte ihrem Vater vom ersten Tag an Ärger und Scherereien gemacht. Die Familie lebte in einem Häuschen am Dorfrand, ihr einziger Reichtum war seinerzeit die zahlreiche Kinderschar gewesen. Jutta hatte nämlich neun Geschwister.
Gabriels Frau Christel war ein warmherziger, bescheidener Mensch gewesen. Sie hatte die Familie zusammengehalten und dafür gesorgt, dass die Kinder nicht negativ aufgefallen waren. Mit dem wenigen Geld, das ihr Mann als Forstarbeiter heimgebracht hatte, war kaum auszukommen gewesen. Doch sie hatte jeden Tag eine anständige Mahlzeit auf den Tisch gebracht und lieber selbst auf einen gefüllten Teller verzichtet, eh eines der Kinder zu kurz gekommen wäre.
Gabriel hatte seine Frau nicht zu schätzen gewusst. Hätte er sonst sein Geld ins Wirtshaus getragen und in seiner Freizeit Schnaps gebrannt oder der Wilderei gefrönt? Immer wieder war er deswegen in Schwierigkeiten gekommen. Und als der Suff ihn mit Anfang fünfzig arbeitsunfähig gemacht hatte, hatte er sich nur noch aufs Wildern verlegt.
Für Christels schwaches Herz waren die vielen Sorgen irgendwann zum Todesstoß geworden. Ihr Jüngster hatte noch den Kindergarten besucht, als sie eines Tages plötzlich tot umgefallen war.
Nach dem Tod seiner Frau hatte Gabriel sich völlig gehen lassen. Die Familie war auseinandergebrochen. Einige der jüngeren Geschwister lebten inzwischen in Heimen oder Pflegefamilien, zwei der Älteren saßen bereits ein.
Nur Jutta und ihr um zwei Jahre älterer Bruder Thomas hatten es zu etwas gebracht. Das patente Madel würde in absehbarer Zeit auf den angesehenen Gruber-Hof einheiraten. Und Thomas hatte eine Ausbildung zum Automechaniker absolviert und arbeitete in der Werkstatt im Ort. Marlene kannte den Burschen von Kindesbeinen an und mochte ihn ebenso gern wie Jutta.
Was diese ihr wohl zu erzählen hatte? Sie war schon recht gespannt auf den Besuch der Freundin am Nachmittag. Als sie mit Schwung die Tür des Kramladens öffnete und das vertraute Bimmeln erklang, beschloss Marlene, einen frischen Strudel zu backen, denn sie wusste, dass Jutta den besonders gern mochte.
***
Während Marlene ihre Einkäufe erledigte, hatte Sepp Angerer zusammen mit den beiden Forstarbeitern das Nessler Tal erreicht. Hier breitete sich ein dichter Bestand an Föhren aus, unterbrochen von einem gesunden Mischwald. Die Bäume waren von klein auf immer wieder »auf Stock« gesetzt worden, sodass ein sogenannter Niederwald entstanden war. Diese besondere Form der Holzwirtschaft schuf einen Lebensraum, der für viele seltene Tier- und Pflanzenarten ein Refugium darstellte.
Bald blühten zwischen den noch laublosen Bäumen wieder der Seidelbast und der heimische Himmelsschlüssel. Im Gebüsch brüteten Goldhähnchen und Lerche, und auf sonnenbeschienenen Hängen fand sich die Mauereidechse ein.
Der Förster verließ seinen Jeep und schaute sich um. Eine wahre Idylle tat sich da vor ihm auf. Weit im Norden erhoben sich die himmelhohen Gipfel von Vogelsang und Wendelstein. Sie bildeten eine natürliche Barriere gegen die kalten Winde und sorgten dafür, dass das Klima im Tal von Oberbach gemäßigt war.
In entgegengesetzter Richtung lag Bayrischzell, östlich fand sich der Stocker, der Hausberg von Oberbach, dahinter die Nessler Klamm, ein steiler Felsabbruch von gut hundert Metern. Folgte man in westlicher Richtung der Landstraße, so gelangte man zu den Nachbardörfern Unterau und Geitau.
Sepp wandte sich an die beiden Forstarbeiter.
»Schaut aus, als ob hier wieder mal was gemacht werden müsste. Die Bäume stehen zu dicht, das ist net gut.« Er langte ins Auto und nahm zwei Dosen mit Sprühfarbe heraus. »Ihr könnt markieren gehen. Aber denkt dran, immer den schwächeren Baum, verstanden?«
Matti, ein hoch aufgeschossener Bursche mit strohblondem Haar, wollte wissen: »Sollen wir auch nach Fallen Ausschau halten?«
»Ihr sollt vor allem net hineintreten, denn das kann schmerzhaft werden. Ich werde mich mal umschauen. In einer Stund treffen wir uns wieder am Jeep, verstanden?«
Die Burschen nickten und zogen mit ihren Farbdosen ab.
Sepp leinte Zamperl an, dann machte auch er sich auf den Weg. Sein Hund war darauf trainiert, Wildfallen aufzuspüren. Er fing auf ein knappes Kommando sogleich mit der Suche an.
Der Förster folgte einem schmalen Weg durch den Föhrenwald und ließ Zamperl etwas Leine, damit der suchen konnte. Dabei dachte Sepp mit grimmiger Miene an Gabriel Hirzer. Dem hatte er nämlich diesen ganzen Schlamassel zu verdanken.
Im Grunde genommen war der Hirzer gar kein so schlechter Kerl. Als er seinerzeit noch im Forst gearbeitet hatte, war er für Sepp sogar wichtig gewesen, denn keiner hatte sich dort so gut ausgekannt wie Gabriel, der von Kindesbeinen an jeden Winkel im Wald erkundet hatte. Doch schon damals hatte er diesen fatalen Hang zum Wildern gehabt. Nach und nach hatte er das gesamte Revier mit selbst konstruierten Fallen überzogen, von denen noch unzählige im feuchten Moos vor sich hin rosteten.
Sepp hatte mit Zamperls Hilfe schon eine stattliche Anzahl der gefährlichen Dinger gefunden und unschädlich gemacht. Doch niemand konnte sagen, wie viele dieser Zeitbomben noch im Forst schlummerten. Niemand, nicht mal der Hirzer selbst, dessen stets vom Alkohol umnebeltes Hirn vermutlich längst die meisten Standorte vergessen hatte.
Der Förster blieb stehen, als sein Hund Laut gab. Zamperl stand nur gut zwei Meter vom Weg entfernt und bellte wedelnd den Boden an. Ein sicheres Zeichen, dass er fündig geworden war.
Sepp folgte ihm, nahm einen armdicken Ast vom Boden auf und begann, dort, wo Zamperl stand, damit auf den Waldboden einzustechen. Es dauerte nicht lange, bis ein satter Schnappton anzeigte, dass Sepps Suche erfolgreich gewesen war. Er hob den Ast, an dem eine rostige, gefährlich gezackte Schnappfalle hing.
Mit finsterer Miene betrachtete er das Teil, das nun keinem mehr schaden konnte. Dann lobte er Zamperl ausgiebig und spendierte auch ein Leckerli, das der Hund begeistert knackte. Gleich darauf ging es weiter.
Als Sepp schließlich zur verabredeten Zeit wieder den Jeep erreichte, trug er drei rostige Schnappfallen bei sich.
Matti und Fred machten große Augen. Der Förster warf die Teile in den Kofferraum, dann schaute er sich noch an, was die beiden geschafft hatten. Schon von Weitem war zu erkennen, dass die Burschen nicht mit der Farbe gegeizt hatten. Alles sah ordnungsgemäß aus, sodass der Förster beschloss: »Wir fahren zum Wildkogel, dort könnt ihr euch um den Weg kümmern, den der Holzlaster letzte Woch aufgerissen hat.«
»Sag mal, Chef, was meinst du, wie viele von den Saudingern hat der Hirzer wohl noch im Forst versteckt?«, fragte Fred ihn.
Sepp Angerer lächelte schmal. »Ich fürchte, das weiß nur der liebe Herrgott im Himmel.«
Matti gluckste. »Und der wird uns net beim Suchen helfen.«
Der Förster bedachte ihn im Rückspiegel mit einem strengen Blick, denn lästerliche Reden mochte er nicht.
»Man müsste den Hirzer mal ins strenge Verhör nehmen«, sinnierte Fred. »Und hernach sollte er dann alles wieder selbst einsammeln, das wäre die gerechte Strafe für den Saubazi!«
