Alpengold 219 - Rosi Wallner - E-Book

Alpengold 219 E-Book

Rosi Wallner

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Beschreibung

Das zünftige Landgasthaus Nonnenhof, das sich wunderbar in die herrliche Berglandschaft einfügt, ist ein Anziehungspunkt für Jung und Alt, für Vereine, Wanderer und Ausflügler. Doch über die bildschöne Wirtin Laura Ullmer wird im ganzen Ort getuschelt.

"Man sollte doch glauben, dass so ein bildschönes Madel längst verheiratet wär", spricht einer der Freunde des Stammtisches aus, was alle denken. Einige unken sogar, dass sie als alte Jungfer enden wird.

Aber dann taucht plötzlich das Gerücht auf, dass Laura einen heimlichen Geliebten haben könnte. Einen, von dem aus gutem Grund niemand etwas erfahren darf ...

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Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Cover

Impressum

Laura – die letzte Erbin vom Nonnenhof

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Michael Wolf / Bastei Verlag

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-2895-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Laura – die letzte Erbin vom Nonnenhof

Warum das bildschöne Madel so unglücklich ist

Von Rosi Wallner

Das zünftige Landgasthaus Nonnenhof, das sich wunderbar in die herrliche Berglandschaft einfügt, ist ein Anziehungspunkt für Jung und Alt, für Vereine, Wanderer und Ausflügler. Doch über die bildschöne Wirtin Laura Ullmer wird im ganzen Ort getuschelt.

»Man sollte doch glauben, dass so ein bildschönes Madel längst verheiratet wär«, spricht einer der Freunde des Stammtisches aus, was alle denken. Einige unken sogar, dass sie als alte Jungfer enden wird.

Aber dann taucht plötzlich das Gerücht auf, dass Laura einen heimlichen Geliebten haben könnte. Einen, von dem aus gutem Grund niemand etwas erfahren darf …

Von dem kleinen Bergdorf Wiesenau aus führte die Landstraße zu einer fruchtbaren Talsenke, deren Felder und Almen bis zu dem dichten dunklen Bergwald heranreichten, hinter dem die schroffen Felsen des Gebirgsmassivs emporwuchsen, die das Hochtal begrenzten. Die Dorfchronik berichtete, dass hier einst ein Nonnenkloster gestanden hatte, das in mittelalterlichen Schriften mehrmals lobend erwähnt worden war. Denn die fleißigen Nonnen hatten die Felder bebaut, einen Garten mit Heilkräutern angelegt und sich aufopfernd um Alte und Kranke gekümmert.

Auch Waisenkinder, von denen es in unruhigen Zeiten nur allzu viele gab, hatten dort Schutz und Aufnahme gefunden. Kein Wanderer oder Heimatloser hatte das Kloster wieder verlassen, ohne eine Stärkung empfangen zu haben.

Dann war der große Krieg auch in das abgelegene Gebirgstal eingebrochen und hatte Angst und Verderben verbreitet. Die wilden Söldnerhorden hatten alles verwüstet, was die Frauen in mühsamer Arbeit geschaffen hatten, und schließlich hatten sie das Kloster niedergebrannt. Die Nonnen, selbst die Äbtissin, hatten einen grausamen Tod gefunden.

Keine hatte entkommen können.

Heute noch zeugten altes Mauerwerk und die Überreste eines Gewölbekellers von dem einst prächtigen Bau. Diese Ruine war nun größtenteils von der Natur zurückerobert worden und von dornigen Ranken überwuchert. Doch das Kloster und die wohltätigen Nonnen waren bis heute nicht aus dem Gedächtnis der Gebirgler verschwunden.

Viele Sagen woben sich um das Nonnenkloster. Wanderer, die dort vorbeikamen, berichteten von seltsamen Erscheinungen, die sie nicht näher beschreiben konnten. Neugierige Dorfkinder, die den unheimlichen Ort erkunden wollten, kehrten verstört zurück und mieden die Gegend von da an.

Wenn es stürmte und die alten Bäume ächzten, glaubte man, das Wehgeschrei und das Stöhnen der gequälten Nonnen zu hören. Vor allem aber fürchteten die abergläubischen Dörfler die Rote Äbtissin, eine dunkle Gestalt, die vom Feuerschein umlodert war. Ihr Erscheinen kündigte kommendes Unglück an.

Die Erinnerung an jenes Kloster hatte sich jedoch auch auf wesentlich angenehmere Weise niedergeschlagen. So gab es das Nonnenbräu, das nicht nur von der männlichen Bevölkerung weit über das Gebirgstal hinaus wegen seiner Nachhaltigkeit sehr geschätzt wurde.

Und dieses Bier wurde auch im Nonnenhof ausgeschenkt, einem Gasthaus, das an der Landstraße unweit des einstigen Klosters stand, dem es auch seinen Namen verdankte. Früher mochte es wohl eine Poststelle gewesen sein, wo die Kutschen haltmachten und die erschöpften Reisenden sich endlich ein gutes Essen und eine kurze Rast gönnen durften.

Doch diese Zeiten lagen lang zurück. Der Nonnenhof war nun ein stattlicher Landgasthof, der nicht nur von den Dörflern gerne besucht wurde, sondern auch von Wanderern und Bergkletterern, denn von dort aus führten etliche Pfade hinauf ins Gebirge. Selbst in der kalten Jahreszeit waren die Gästezimmer im Obergeschoss immer belegt, da der Nonnenhof für die Wintersportler als Ausgangspunkt genutzt wurde.

Seit Generationen war der Landgasthof im Besitz der Familie Ullmer. Und da diese immer mit reicher Nachkommenschaft gesegnet war, wurde der Nonnenhof als Familienbetrieb geführt. Doch die letzten Ullmers blieben lange ohne Kinder, erst spät bekamen sie, als sie alle Hoffnung aufgegeben hatten, eine Tochter. Sie hieß Laura.

Für das Mädchen war der Gasthof der Lebensmittelpunkt, bereits als Kind hielt Laura sich zum Entzücken der Gäste gern im Gastraum auf und half ein wenig beim Bedienen. Nach der Schule besuchte sie eine Hotelfachschule und machte zusätzlich eine Ausbildung als Köchin, sodass sie bestens für ihre künftige Aufgabe gerüstet war.

Und diese Kenntnisse erwiesen sich bald als dringend notwendig, denn ihre Eltern starben in rascher Folge hintereinander, und Laura war auf sich allein gestellt. Sie übernahm den Nonnenhof, als sie noch nicht einmal Mitte zwanzig war, und trotz aller Unkenrufe gelang es ihr, dem guten Ruf des Landgasthauses mehr als gerecht zu werden.

Laura Ullmer war die erste Wirtin des Nonnenhofs.

Nach einiger Zeit ließ sie einige Modernisierungen vornehmen, vor allem im Gästebereich. Der Wirtsraum aber mit seiner alten Wandvertäfelung und den rustikalen Tischen und Stühlen blieb unverändert. Ein Kamin wurde hochgemauert, das Dach erneuert, und ein großzügiger Wintergarten bot nun mehr Platz für die Gäste. Die historische Vorderfront allerdings wurde nicht angetastet.

Stattdessen wurde das schlichte Fachwerk durch blühende Geranien auf den Fenstersimsen und durch Pflanzkübel zu beiden Seiten des Eingangs aufgelockert. Hinter dem Gebäude ragten zwei riesige Kastanienbäume auf, die den Biergarten im Hochsommer angenehm überschatteten.

Linker Hand befand sich ein kleiner Bauerngarten, den schon das Ahndl angelegt hatte und der liebevoll weitergepflegt wurde. Darin zog Laura ihr Gemüse und die Kräuter für die Küche, was mit ein Geheimnis ihrer weithin geschätzten Kochkünste war. An den Biergarten schloss sich eine weitläufige Streuobstwiese an, auf der die Kinder der Gäste herumtollen konnten.

Mit den Almwiesen und dem gewaltigen Gebirgspanorama im Hintergrund war der Nonnenhof ein beliebtes Ausflugsziel. Und ein Besitz, auf den die Ullmers stolz waren.

Und dieser Stolz erfüllte auch das Herz der jungen Nonnenhofwirtin, als sie zu einem morgendlichen Rundgang aufgebrochen war. Harmonisch fügte sich das Bauwerk des Gasthofs in die Landschaft ein, die ausladenden Kastanien trugen Kerzen, und die alten Bäume auf der Wiese schienen sich unter ihrer weißen Blütenlast zu krümmen. Und bald würden auch die alten Rosenstöcke an der Rückwand, die den kalten Bergwintern beharrlich trotzten, zu blühen beginnen.

Und dennoch entfloh ein Seufzer den Lippen der jungen Frau.

Immer noch trauerte sie um den Verlust ihrer Eltern, die so früh hatten gehen müssen. Sie vermisste die Zuwendung ihrer Mutter und das praktische Wissen ihres Vaters. Beide waren mit Leib und Seele Gastwirte gewesen und hatten unermüdlich hinter der Theke gestanden. Ihnen war es vor allen Dingen zu verdanken, dass der Nonnenhof weit über das Tal hinaus Bekanntheit gewonnen hatte.

Doch die Arbeit wartete, und es war jetzt nicht an der Zeit, sich weiter wehmütigen Gedanken hinzugeben.

Laura pflückte noch einige Kräuter, die sie für das Mittagessen brauchte, und betrat dann mit einem Körbchen Eier durch den Hintereingang den Gasthof. Denn sie hielt auch ein paar freilaufende Hühner, die ihr die frischen Eier bescherten, die die Frühstücksgäste so zu schätzen wussten.

In der Küche fand sie Albina Hutschinger vor, eine Frau unbestimmbaren Alters, deren gedrungene Gestalt in ein hochgeschlossenes dunkles Dirndl gehüllt war. Ihre eisengrauen Haare waren streng zurückgekämmt und am Hinterkopf zu einem festen Knoten zusammengefasst, aus dem sich niemals ein Härchen zu lösen schien. Schwarze klobige Schuhe und dunkle Wollstrümpfe vervollständigten ihren Aufzug, an dem sie auch bei besonderen Anlässen unerbittlich festhielt.

Eigentlich hatte Albina keine unschönen Züge, doch der Ausdruck mürrischer Verdrossenheit, der auf ihnen lag, ließ sie so erscheinen. Albinas ständige Übellaunigkeit wurde nur von ihrer Tüchtigkeit übertroffen, daher war sie für Laura in ihrem Arbeitseifer und ihrer Zuverlässigkeit zu einer unentbehrlichen Hilfe geworden.

Sie war eine entfernte Verwandte, Laura wusste gar nicht genau, um wie viele Ecken herum, die nach einer gescheiterten Ehe auf dem Nonnenhof gestrandet war. Und da Lauras Mutter ein mitleidiges Herz gehabt hatte, nahmen die Ullmers sie auf und hatten es noch nie zu bereuen gehabt. Albina gehörte trotz ihres schwierigen Wesens bald zur Familie und bewohnte eine gemütliche Kammer unter dem Dach. Augenscheinlich hatte sie keine Kinder, auch über den Ehemann, der inzwischen verstorben war, verlor sie nie ein Wort.

»Wird ja allmählich Zeit, dass du mit den Eiern ankommst. Du hast wieder die Zeit draußen vertrödelt«, wurde sie von Albina mürrisch begrüßt.

Laura küsste sie auf die Wange, was Albina ein Knurren entlockte, das Missbilligung, aber auch Zuneigung ausdrücken konnte. Darüber machte sich Laura keine Gedanken, sie hatte Albina einfach gern und ließ sich darin auch nicht von deren Launen beirren.

»Es ist ja noch früh am Tag, Tante Albina«, gab Laura zur Antwort und half ihr dabei, die Frühstücksgedecke zusammenzustellen.

Sie nannte Albina grundsätzlich Tante, teils aus einem Bedürfnis heraus, teils aber auch, um ihr den Umgang mit den Gästen zu erleichtern. Denn Albina war sehr empfindlich und leicht kränkbar, und als Verwandte der Ullmers hatte sie einfach einen besseren Stand.

Der Tag verging wie im Flug, denn obwohl es mitten in der Woche war, hatten sich eine Wandergruppe und Mitglieder eines Betriebsausflugs eingefunden.

»Der Tagesausflug des Finanzamts der Kreisstadt«, hatte Albina der jungen Wirtin besorgt zugeflüstert.

Laura lachte unwillkürlich auf.

»Mein Gewissen ist rein. Jedenfalls was meine Steuerabrechnung angeht«, beruhigte sie die Tante.

Und so stand sie lange in der Küche, bereitete ein deftiges Mittagessen, aber auch einige Schmankerln zu, die ihre Gäste in gute Laune versetzten. Besonders die Finanzbeamten sprachen auch lebhaft dem Nonnenbräu zu, sodass im Biergarten bald fröhliches Gelärme herrschte.

»Ich hätt ja net gedacht, dass die Leut vom Finanzamt so munter sind. Wahrscheinlich sind sie halt besser ausgeruht als andere«, fügte Albina boshaft hinzu.

»Da sollten wir net drüber klagen«, erwiderte Laura ungerührt.

»Ob sie die Kosten für den Ausflug wohl von der Steuer absetzen?«, fragte Albina nach einer Weile nachdenklich.

»Jetzt gib aber Ruh! Und kein Wort zu den Gästen, hast du gehört?«

Albina zog nur die Brauen finster zusammen, ein schlechtes Zeichen.

Es gab so viel zu tun, dass Laura selbst kaum zum Essen kam, und so löffelte sie hastig eine leichte Gemüsesuppe, während Albina draußen bediente. Als sie durch das geöffnete Küchenfenster laute Stimmen hörte, ließ sie ihre karge Mahlzeit stehen und eilte in den Biergarten.

Sie hatte sich nicht getäuscht. Zwischen Albina und einigen Stammgästen aus dem Dorf war es einmal wieder zu Feindseligkeiten gekommen.

»Und das will ein richtiges Mannsbild sein? Deine Goschen kannst net halten und den Löffel schon gar net«, keifte Albina aufgebracht.

Ihre Stimme hatte sich zu einem schrillen Diskant hochgeschraubt, und auf ihren Wangen zeigten sich rote Flecken.

Laura erfasste die Situation sofort. Dem jungen Lindinger war der Löffel auf den Boden gefallen, und Albina hielt es für unter ihrer Würde, ihm einen neuen aus der Gaststube zu bringen. Vermutlich hatte er seine Bitte unglücklich formuliert.

Als der Sohn des Dorfarztes Laura erblickte, ging ein Strahlen über sein gut geschnittenes Gesicht.

»Frau Wirtin! Ich bin hier männerverachtenden Anwürfen ausgesetzt«, rief er theatralisch und setzte eine leidende Miene auf.

Dominik war Mitglied einer Laienspielgruppe und zögerte nicht, auch außerhalb der Bühne alle an seinen schauspielerischen Darbietungen teilhaben zu lassen. Überdies war er ein Spottvogel, der sich schon mehr als einmal in die Nesseln gesetzt hatte.

»Ach so? Vielleicht liegt das da dran, dass du zu schwach bist, den Löffel aufzuheben. Ein richtiges Mannsbild stell ich mir auch anders vor«, erwiderte sie spöttisch.

»Oh, ich sehe schon! Das ist der Einfluss dieser …«

Als er endlich den passenden Ausdruck gefunden hatte, wagte er es nicht, ihn auszusprechen, denn der Blick, mit dem Albina ihn maß, ließ ihn zusammenzucken.

Albina murmelte etwas vor sich hin, was glücklicherweise unverständlich war, wandte sich abrupt ab und verschwand im Haus. Dominik blieb nichts anderes übrig, als den Löffel aufzuheben, doch Laura nahm ihn nicht entgegen.

»Du kannst dir drinnen einen holen«, sagte sie honigsüß. »Brauchst du sonst noch irgendwas zu deinem Glück?«

»Da tät mir schon was einfallen …«

Doch Laura war schon zu dem nächsten Tisch gegangen, um sich nach den Wünschen ihrer Gäste zu erkundigen.

Dominik sah ihr sehnsüchtig nach und bewunderte ihren anmutigen Gang. Aber sie war halt gar zu spröde, die junge Nonnenhofwirtin.

»Seltsam find ich das ja schon mit unserer Wirtin«, bemerkte Franzl Kufinger, der eigentlich Franz-Josef hieß, und ließ die Gabel sinken, die sich gerade in ein wunderbares Kümmelkraut gegraben hatte.

»Wie meinst du das jetzt?«

»Die Nonnenhofwirtin ist doch so ein sauberes Weiberleut, das schönste Madel weit und breit. Und trotzdem hat sie noch nie einen Schatz gehabt. Wer weiß wie viele haben ihr schon den Hof gemacht, aber sie hat einem jeden nur einen Korb gegeben. Mir ist es sogar so vorgekommen, als ob sie mich am liebsten ausgelacht hätt«, schloss er betrübt.

Dominik musste ebenfalls ein Lachen unterdrücken. Franzl, der unmäßig aß, war schon in jungen Jahren wie ein Hefekloß auseinandergegangen und entsprach so gar nicht den romantischen Vorstellungen einer jungen Frau. Außerdem hatte er immer große Mühe, seine Gedanken in Worte zu fassen.

»Mich hat sie auch abblitzen lassen, wenn dich das tröstet.«

»Na, das tut es net.«

»Aber recht hast du schon. Man sollte doch glauben, dass so ein schönes Madel schon längst verheiratet wär.«

»Das liegt vielleicht daran, dass sie mit diesem alten Drachen zusammenlebt. Und Nonnenhof klingt ja auch net grad vielversprechend«, hatte Kilian Oberhofer zu bemerken.

»Vielleicht ist sie auch nur zu wählerisch«, meinte Franzl und mampfte sich gierig durch sein Kartoffelpüree. »Und am End bleibt sie als alte Jungfer übrig und wird genauso grantig wie ihre Tante.«

»Das kann ich mir zwar net vorstellen, aber es mag was Wahres dran sein. Anscheinend ist ihr halt keiner gut genug, und sie wartet auf eine Lichtgestalt aus der Stadt. So einer mit handgenähten Schuhen, der jede Weinsorte kennt«, fügte Dominik düster hinzu und nahm einen tiefen Zug von seinem Weißen.

»Wo ist eigentlich der Roland? Er wollte doch auch zu unserem Treffen kommen, oder?«, fragte Kilian dazwischen.

»Ja, aber anscheinend hat er sich doch net losreißen können. Das Ehejoch lastet schwer auf ihm«, fügte Dominik spöttisch hinzu.

»Immerhin wird er auch bald Vater«, glaubte Franzl erklären zu müssen und schnitt sich energisch ein ordentliches Stück von seinem Rindsbraten ab, das er dann mit verklärtem Blick zum Mund führte.

»Jesses«, murmelte Kilian.

Roland Einhofer war der Einzige aus der Gruppe, der bereits verheiratet war. Er arbeitete bei der Gemeindeverwaltung, und da er schon von Amts wegen keine Unordnung duldete, war es für ihn selbstverständlich gewesen, auch sein Privatleben zu ordnen. Und entgegen der Mutmaßungen seiner Freunde schien ihm das Familienleben durchaus zu gefallen.

Außer Roland fehlte noch Korbinian Moser bei der Runde, doch er machte gerade ein Praktikum im Ausland, sodass er nicht dem Treffen der Freunde beiwohnen konnte. Für Franzl, der sehr bodenständig war und im väterlichen Sägewerk arbeitete, war es unvorstellbar, für längere Zeit die Heimat zu verlassen.

Das Gespräch wandte sich nun anderen Themen zu. Dominik und Kilian studierten beide in München, Dominik Medizin, denn er wollte unbedingt die Praxis seines Vaters übernehmen, Kilian Rechtswissenschaft. Beide standen nun vor dem Examen und hatten sich entschlossen, sich in dem stillen Bergdorf für die Prüfungen vorzubereiten. Dennoch hielt sie das nicht davon ab, sich nach alter Tradition mit ihren Spezln zu treffen.

Dominik gab nun einige Anekdoten zum Besten, die Franzl und Kilian in lautes Gelächter ausbrechen ließen, allein schon sein Vortrag war eine schauspielerische Leistung.

»Jesses, Dominik, ohne dich wär alles nur ein halber Spaß«, japste Franzl, der sich vor Lachen so verschluckt hatte, dass die Freunde ihm kräftig auf den Rücken klopfen mussten.

Auch Kilian hatte einiges Skurrile beizusteuern, und da manches ziemlich an der Grenze war, verstummte er jedes Mal, wenn die Nonnenhofwirtin durch den Biergarten eilte. Welch ein Hüftschwung die junge Frau hatte …

Laura achtete nicht mehr auf die Freunde, die an ihrem Lieblingstisch in der Ecke nun ganz mit sich selbst beschäftigt waren. Dominiks sehnsüchtige Blicke ignorierte sie, da sie an dergleichen gewöhnt war.

Allmählich lichtete sich der Biergarten, und Laura kam wieder zu Atem. Die Wandergruppe war zuerst aufgebrochen. Sie hatten noch den Aufstieg zu einer hochgelegenen Almhütte vor sich, wo sie übernachten wollten, ehe der nächste Abschnitt ihrer Wanderung begann, der der schwierigste insgesamt war.

Die Leute vom Finanzamt lösten sich widerwillig von ihren Plätzen. Es war ihnen anzumerken, dass sie am liebsten den Rest des Ausflugs gemütlich im Schatten der Kastanienbäume verbracht hätten. Doch das war nicht vorgesehen, und so steuerten sie einen nicht allzu anstrengenden Wanderweg an.