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In dem Glauben, seine Eltern seien bei einem Zugunglück ums Leben gekommen, ist Stefan Lindacher bei Verwandten aufgewachsen. Doch dann bekommt er durch einen unglücklichen Zufall mit, wie sein Onkel ihn als Mörderbrut bezeichnet. Jetzt weiß Stefan: Sein Vater ist nicht tot, sondern er sitzt, zu lebenslanger Haft verurteilt, im Gefängnis, weil er seine Frau, die wunderschöne Rosa, getötet haben soll.
Stefan ist zutiefst erschüttert. Zum ersten Mal besucht er, inzwischen ein fescher junger Mann, seinen Vater im Gefängnis, und dieser beteuert seine Unschuld. Stefan glaubt ihm, und um seine Unschuld zu beweisen, kehrt er in seinen Geburtsort zurück und nimmt die Dörfler genau unter die Lupe. Wer von ihnen ist der Mörder seiner Mutter?
Stefan will nicht eher ruhen, bis er die Ehre seines Vaters wiederhergestellt hat! Doch es ist ein Wettlauf mit der Zeit, denn sein Vater ist todkrank ...
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
Es fällt so schwer, dir zu verzeihen
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Michael Wolf / Bastei Verlag
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-4585-8
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Es fällt so schwer, dir zu verzeihen
Dramatischer Roman um eine schwere Schuld
Von Rosi Wallner
In dem Glauben, seine Eltern seien bei einem Zugunglück ums Leben gekommen, ist Stefan Lindacher bei Verwandten aufgewachsen. Doch dann bekommt er durch einen unglücklichen Zufall mit, wie sein Onkel ihn alsMörderbrutbezeichnet. Jetzt weiß Stefan: Sein Vater ist nicht tot, sondern er sitzt, zu lebenslanger Haft verurteilt, im Gefängnis, weil er seine Frau, die wunderschöne Rosa, getötet haben soll.
Stefan ist zutiefst erschüttert. Zum ersten Mal besucht er, inzwischen ein fescher junger Mann, seinen Vater im Gefängnis, und dieser beteuert seine Unschuld. Stefan glaubt ihm, und um seine Unschuld zu beweisen, kehrt er in seinen Geburtsort zurück und nimmt die Dörfler genau unter die Lupe. Wer von ihnen ist der Mörder seiner Mutter?
Stefan will nicht eher ruhen, bis er die Ehre seines Vaters wiederhergestellt hat! Doch es ist ein Wettlauf mit der Zeit, denn sein Vater ist todkrank …
Stefan Lindacher wandte sich kein einziges Mal mehr um, nachdem er den Leitnerhof verlassen hatte und den schmalen Pfad bergan stieg. Erst als das Anwesen nach einer Wegkrümmung außer Sichtweite war, blieb er stehen und schöpfte tief Atem.
Eigentlich hätte er jetzt niedergeschlagen und verzagt sein müssen, weil ihn der Leitnerbauer buchstäblich vom Hof gejagt hatte und er nun ohne Verdienst dastand, doch Stefan fühlte sich nur unendlich erleichtert.
Stefan, der nach dem frühen Tod seiner Eltern bei Verwandten aufgewachsen war, die ihn nur widerwillig aufgenommen hatten, war es auf dem Leitnerhof noch schlechter ergangen. Sein Onkel hatte ihn sofort nach Beendigung der Schulzeit bei dem Großbauern untergebracht, obwohl jeder im Dorf wusste, wie es auf dem Hof zuging.
Leitner war ein geiziger, bösartiger Mensch, der seine Leute ausnutzte und keine Widerworte duldete. Auf Stefan hatte er es von Anfang an abgesehen.
Fast vier Jahre hatte Stefan es ertragen, dass er schlecht behandelt wurde und für ein geringes Entgelt schwere Arbeit tun musste. Trotz seines Reichtums war bei dem Leitner Schmalhans Küchenmeister, und Stefan war mehr als einmal hungrig zu Bett gegangen. Es hielt sich sogar das Gerücht im Dorf, dass sich noch nicht einmal die Bäuerin satt essen konnte, denn Leitner hätte auch den Schlüssel zur Speisekammer in seinem Gewahrsam.
Vier Winter hatte Stefan allen Schikanen getrotzt und sich durch die harte Arbeit gemüht. Doch in dieser Zeit war er erwachsen geworden und wirkte weit über sein Alter hinaus gereift.
In seinem scharf geschnittenen Gesicht mit den ebenmäßigen Zügen fielen die dunklen Augen auf, deren nachdenklicher und zugleich ironischer Ausdruck andere leicht verunsicherte.
Ehe Stefan den Rucksack mit seinen wenigen Habseligkeiten aufhob, reckte und streckte er seine schlanke, hochgewachsene Gestalt und fuhr sich durch das dichte braun gelockte Haar. Er fühlte sich von neuer Kraft durchdrungen, als wäre er nach einer langen qualvollen Krankheit endlich genesen.
Der schöne Frühlingstag war ganz dazu angetan, dieses Gefühl der Befreiung in ihm zu verstärken. Tiefblau spannte sich der Himmel über das Tal, und die blütenbeladenen Bäume schienen sich unter ihrer Pracht zu beugen.
Obwohl Stefan dieses Bild begierig in sich aufnahm, hinderte es ihn nicht daran, gleichzeitig zu überlegen, wie seine Zukunft aussehen sollte.
Zunächst würde er bei seinen Verwandten leben, obwohl er wusste, dass er seinem Onkel nicht willkommen war.
Er war sich noch nicht sicher, was er nun anfangen sollte, wahrscheinlich würde er sich auf einem der Höfe im Nachbardorf umsehen. Andererseits drängte der Pfarrer seines Heimatortes ihn dazu, in die Stadt zu gehen, um dort die Abendschule zu besuchen. Doch Stefan konnte es sich nicht vorstellen, dort zu leben, denn er liebte seine Heimat und die bäuerliche Arbeit.
Wenn er einen eigenen Hof hätte …
»Kommst du schon wieder ins Träumen?«, schalt er sich laut. »Du wirst niemals einen Hof haben, denn du bist ein armer Schlucker, und dabei bleibt es halt. Aber wer weiß …«
Er musste unwillkürlich über sich selbst lachen. Übermütig drehte er sich mit seinem Rucksack im Kreis herum und stieß einen Jauchzer aus. Trotz aller Sorgen und Kümmernisse verlieh ihm seine Jugend die Gabe, sich seines Lebens zu freuen.
Dann jedoch beeilte er sich, seinen Weg fortzusetzen, und bald schon tauchte das Anwesen der Lindachers vor ihm auf.
Als er vor dem Haus anlangte, drangen durch die angelehnte Tür erregte Stimmen. Offensichtlich stritten Lindacher und seine Frau wieder einmal miteinander. Er blieb stehen, als er seinen Namen hörte, obwohl es nicht seine Art war, heimlich zu lauschen.
»So, das erfahr ich jetzt erst, dass dein sauberer Neffe davongejagt worden ist und sich wieder bei uns einnisten will«, schrie Alois Lindacher aufgebracht. »Als hätten wir ihn net die ganzen Jahre über durchgefüttert für nichts und wieder nichts, obwohl wir selbst net genug zum Beißen haben. Das hat man von seiner Gutmütigkeit! Und jetzt soll das wohl immer so weitergehen mit diesem Nichtsnutz, aber da hat er sich verrechnet!«
»Du und Gutmütigkeit, dass ich net lach!«, stieß Anna Lindacher erbittert hervor, und ihr Ton verriet, wie sehr sie ihren Mann verachtete. »Er wird net umsonst hier wohnen. Von seinem Ersparten gibt er uns ein Kostgeld, das wir gut gebrauchen können. Außerdem wird er dir auf dem Feld helfen, unsere Buben wollen halt lieber in der Stadt ihr Geld verdienen …«
»Ich schaff das schon allein, ich hab es ja immer allein schaffen müssen«, erwiderte er zornig.
»Was hast du eigentlich gegen den Stefan? Er hat dir doch fei nichts getan.«
Lindacher lachte böse auf. »Das fragst du noch? Ich will einfach net mit dem Sohn eines Zuchthäuslers unter einem Dach leben! Wie mir das zuwider war, diese Mörderbrut um mich zu haben! Sogar meinen ehrlichen Namen hat er bekommen, damit er net vorbelastet war …«
Er brach ab, als die Tür heftig aufgestoßen wurde und Stefan hereinstürzte. Das Gesicht des Jungen war totenblass und so verzerrt, dass seine Tante zurückzuckte.
»Was hast du da eben gesagt? Mein Vater war ein Zuchthäusler und Mörder? War es das, was ihr mir die ganzen Jahre über verschwiegen habt, war es das?«
Alois Lindacher war zurückgewichen. Der jähzornige, rücksichtslose Mann empfand plötzlich Angst vor Stefan.
»Sag mir die Wahrheit!«, herrschte Stefan ihn an, und seine Augen brannten vor Zorn.
»Scher dich zum Teufel! Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig, verschwind!«
Lindacher versetzte seinem Neffen einen Stoß vor die Brust, und als Stefan zurücktaumelte, nutzte er die Gelegenheit, den Raum zu verlassen. Hart schlug die Tür hinter ihm zu.
Anna Lindacher hatte beide Hände auf den Tisch gestützt und stand da, als hätte sie einen schweren Schlag erhalten, der sie aller Kraft beraubt hatte.
Sie blickte Stefan nicht an.
»Sag mir die Wahrheit, Tante«, brachte Stefan keuchend hervor. »Habt ihr mir net die ganzen Jahre über erzählt, dass meine Eltern bei einem Eisenbahnunglück ums Leben gekommen wären? Belogen habt ihr mich, belogen! Aber ich hab gefühlt, dass es net gestimmt hat. Und jetzt bist du es mir schuldig, mir zu sagen, was wirklich mit meinen Eltern geschehen ist.«
»Ich hab deinem Vater damals geschworen, dir niemals die Wahrheit zu sagen«, sagte Anna nach einem langen Moment des Schweigens tonlos.
»Hat das jetzt noch einen Sinn? Jetzt weiß ich doch, dass er ein Mörder ist.«
Er hatte seine Tante unwillkürlich ergriffen, und sie sah gequält zu ihm auf.
»Du hättest nie davon erfahren dürfen, einen heiligen Eid hab ich darauf geschworen. Ich werde es dem Alois nie verzeihen, dass er net seinen Mund halten konnte. Stefan, du …«, sie stockte und suchte nach Worten.
»Was ist mit meinem Vater? Lebt er noch?«
»Ja, er lebt noch. Im Gefängnis, er hat lebenslänglich, krank ist er auch«, brachte sie stockend hervor.
»Ein Mörder ist er also, mein Vater. Wen hat er getötet?«, drang Stefan unnachgiebig in sie.
Anna senkte den Kopf und schwieg. Totenstill war es in dem Raum, als seien sie von der übrigen Welt abgeschnitten.
Hart und fordernd klang Stefans Stimme an ihr Ohr.
»Sag es mir!«
Sie setzte sich müde, als sei sie um Jahre gealtert, an den Tisch und stützte den Kopf in beide Hände.
»Wen hat mein Vater getötet?«, wiederholte er.
»Deine Mutter«, kam es wie ein Hauch von ihren Lippen.
»Nein, nein«, stöhnte der junge Mann auf und suchte taumelnd nach einem Halt.
»Du hättest es net wissen sollen, solang du noch so jung bist. Dein Vater hat gewollt, dass du unbeschwert aufwächst. Erst, wenn es an der Zeit wär …«
»Ich bin alt genug«, wurde sie von Stefan heftig unterbrochen. »Was ist damals geschehen? Wie konnt mein Vater nur so etwas tun?«
»Die Rosa, die meine Schwester war …«
Anna Lindacher bekreuzigte sich und seufzte schmerzerfüllt, ehe sie weitersprach.
»Die Rosa war ein bildschönes Madl. Du siehst ihr gleich, hast ihre dunklen Augen. Allen Burschen hat sie den Kopf verdreht, schon als sie noch blutjung war. Aber gern hat sie nur einen gehabt, deinen Vater. Das konnt ein jeder sehen, der Augen im Kopf hatte. Und dein Vater hat sie auch über alles geliebt, auch als sie schon länger verheiratet waren. Ich hab sie ja nur selten besucht, weil sie so weit weg wohnten, aber immer hab ich sie um ihr Glück beneidet. Doch dann ist das geschehen, was ich bis auf den heutigen Tag net begreifen kann.«
Anna hielt inne, als ob ihr das Sprechen Schwierigkeiten bereite.
»Die Rosa soll ein Gspusi mit einem Großbauern angefangen haben, der sich sogar wegen ihr scheiden hat lassen wollen. Der konnt ihr halt mehr bieten als dein Vater, der rechtschaffen, aber arm war. Aus Eifersucht hat sich dein Vater vergessen.«
Sie verstummte wieder kurz und fuhr sich mit der Hand abwesend über ihr Gesicht.
»Er wurde wegen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Noch net amal mildernde Umstände hat man ihm gewährt. Wahrscheinlich hat er alle gegen sich aufgebracht, weil er sich geweigert hat, ein Geständnis abzulegen. Ich war bei der Verhandlung dabei. Dein Vater hat ausgesehen wie einer, der mit dem Leben abgeschlossen hat. Nur um dich hat er sich noch gesorgt, außer sich war er darüber, dass du in ein Waisenhaus kommen solltest. Wir haben dich dann aufgenommen, und du trägst auch unseren Namen, damit dich niemand mit deinem Vater in Zusammenhang bringt. Eigentlich heißt du Stefan Kastner.«
»Er hat also immer behauptet, unschuldig zu sein?«, fragte Stefan begierig.
»Ja, aber niemand hat ihm geglaubt«, erwiderte Anna. »Die Beweise waren erdrückend, und wer hätte denn sonst einen Grund gehabt, meiner Schwester etwas anzutun?«
»Wo ist mein Vater eingesperrt?«, fragte Stefan.
Seine Tante nannte zögernd die Stadt, in der Gregor Kastner inhaftiert war.
Stumm saßen sie dann beisammen. Stefan sah die weiße Strähne im Haar Anna Lindachers und ihren gekrümmten Nacken, und er dachte daran, was sie seinetwegen auszustehen gehabt hatte.
Mitleid überwältigte ihn, und er strich sanft über ihren Handrücken. Anna zog ihre Rechte so schnell zurück, als habe die Berührung ihr Schmerz zugefügt.
***
»Agnes!«
Das junge Mädchen, das wartend vor einem Marterl an der Wegkreuzung stand, fuhr erschrocken herum.
»Aber ich bin es doch, Madl, hast du mich net gehört?«
Stefan wollte sie in die Arme nehmen, wie er es immer tat, wenn er seine Tante besuchte, aber etwas hielt ihn davon ab. Sie kam ihm verändert vor, so als habe sie über Nacht alles Kindliche von sich abgestreift.
Agnes Thaler war der einzige Mensch, für den Stefan eine tiefe Zuneigung empfand, eine Zuneigung, die von dem Mädchen rückhaltlos erwidert wurde. Sie war schon als Kleinkind zu den Lindachers in Pflege gegeben worden. Ihre Mutter, für die die unehelich geborene Tochter nur ein Hindernis bedeutete, war nach München gegangen. Ihr schien es dort nicht gerade schlecht zu gehen, denn sie schickte regelmäßig einen ansehnlichen Geldbetrag, lehnte es aber ab, die Tochter zu besuchen.
Stefan und die etwas jüngere Agnes wuchsen wie Geschwister miteinander auf. Sie waren eine eingeschworene Gemeinschaft, denn nur so konnten sie sich gegen die Bösartigkeit der beiden Lindacher-Buben zur Wehr setzen, die ganz nach ihrem Vater geraten waren.
Stefan musterte sie forschend, und Agnes errötete tief unter seinem Blick.
Schön war sie geworden, die Agnes, mit ihrem zarten, regelmäßigen Gesicht und den dunkelblauen Augen. Das silberblonde Haar, das sich an den Schläfen lockte, hatte sie hochgesteckt, was ihren schön geschwungenen Hals zur Geltung brachte. Sie trug nur ein einfaches Dirndl mit einer selbst gestrickten Weste darüber, doch es unterstrich vorteilhaft ihre schlanke Gestalt.
»Wir wollten uns doch bei der Tante treffen«, sagte sie beunruhigt. Stefan schüttelte den Kopf.
»Hör mir jetzt gut zu, Agnes. Ich kann mich ja darauf verlassen, dass du kein Wort von dem, was du jetzt erfährst, weitersagst.«
Er fasste in knappen Sätzen zusammen, was ihm seine Tante eröffnet hatte.
»Du kannst jetzt sicher verstehen, dass ich net eher Ruh finde, bis ich mit meinem Vater gesprochen hab, das musst du einsehen«, fuhr er fort. »Hierher will ich auch nimmer zurückkehren. Aber auf dich hab ich gewartet, denn ich will net fort, ohne dir Lebwohl gesagt zu haben.«
»Du willst von hier weg, und ich werd dich nimmer wiedersehen?«, stammelte Agnes, und ihre Augen füllten sich mit Tränen.
»Agnes, Herzerl! Ich schreib dir und der Tante, und wir können uns auch treffen, schließlich bin ich net aus der Welt«, versuchte er sie zu trösten.
Sein Blick fiel auf ihre roten, zerschundenen Hände, die sie vergebens vor ihm zu verbergen suchte. Eine zornige Falte kerbte sich auf seiner Stirn ein.
»Hat dich die Schneiderin net nur den Laden, sondern wieder amal das ganze Haus putzen lassen, anstatt dir das Nähen beizubringen, die Giftwurzen?«
Er hob ihre kleine Hand empor, doch das junge Mädchen entzog sie ihm hastig.
»Wenn ich Arbeit gefunden hab und vielleicht auch zu Geld gekommen bin, werd ich dich von hier wegholen. Du wirst eh nur ausgenutzt«, versprach er.
Agnes hatte im Dorf eine Schneiderlehre begonnen, denn sie war ungemein geschickt beim Nähen, doch die Schneiderin ließ sie hauptsächlich Hilfsarbeiten verrichten. Vermutlich befürchtete sie, sich in Agnes eine zukünftige Konkurrentin heranzuziehen.
Stefan umarmte das Mädchen und küsste es auf das schimmernde helle Haar.
»Ich hab dich immer lieb gehabt, Agnes. Ohne dich hätt ich es net ausgehalten bei meinen Verwandten. Ich werd mich immer um dich kümmern wie um eine Schwester.«
Das Mädchen riss sich los und rannte aufweinend davon.
***
»Kommen Sie bitte mit!«
