Alpengold 367 - Andreas Seefelder - E-Book

Alpengold 367 E-Book

Andreas Seefelder

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Beschreibung

Hannes Seibl beugt sich vor, und seine braunen Augen beginnen zu funkeln.
"Einmal musst du es doch erfahren. Ich mag dich, Hilde. Ja, ich hab dich gern." Seine Stimme ist zum Flüstern herabgesunken. "Immer warst du für mich so etwas wie ein heller Stern, zu dem ich aufschauen muss. Seit die Liesa tot ist, bin ich einsam. Mich freut das Leben net mehr. Nur du machst mir Mut, Hilde. Nur du!"
Er schweigt, sein Atem geht laut und heftig. Hilde weiß keine Antwort. Der jähe Ausbruch, das Geständnis seiner Liebe verwirren sie, machen sie beinahe unglücklich.
"Hannes", mahnt sie den Nachbarn weich, "verrenn dich net in etwas, was nie sein darf. Mach net auch du mir noch Sorgen, ich könnt‘s net durchstehen."

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Seitenzahl: 109

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Liebe in Nachbars Garten

Vorschau

Impressum

Liebe in Nachbars Garten

Erliegt die Bäuerin ihrer Versuchung?

Von Andreas Seefelder

Hannes Seibl beugt sich vor, und seine braunen Augen beginnen zu funkeln.

»Einmal musst du es doch erfahren. Ich mag dich, Hilde. Ja, ich hab dich gern.« Seine Stimme ist zum Flüstern herabgesunken. »Immer warst du für mich so etwas wie ein heller Stern, zu dem ich aufschauen muss. Seit die Liesa tot ist, bin ich einsam. Mich freut das Leben net mehr. Nur du machst mir Mut, Hilde. Nur du!«

Er schweigt, sein Atem geht laut und heftig. Hilde weiß keine Antwort. Der jähe Ausbruch, das Geständnis seiner Liebe verwirren sie, machen sie beinahe unglücklich.

»Hannes«, mahnt sie den Nachbarn weich, »verrenn dich net in etwas, was nie sein darf. Mach net auch du mir noch Sorgen, ich könnt's net durchstehen.«

Die beiden Männer hatten den gleichen Heimweg, da ihre Höfe nur auf Rufweite auseinanderlagen. Es waren der Kendl-Hof und der Hof des Hannes Seibl, dem vor vier Jahren die Frau gestorben war. Sie war schon lange herzkrank gewesen und eines Tages beim Melken vom Melkschemel gefallen.

»Hannes, mir wird schlecht!«, hatte sie gerufen und war kurz darauf gestorben.

Ein schwerer Schlag war das für den rotblonden, schnurrbärtigen, ruhigen Hannes gewesen, der noch seine alten Eltern durch seine Hände Arbeit ernähren und für sie sorgen musste.

Der baumlange Martin Kendl, der den Gamsbarthut weit aus der Stirn und die Hände tief in die Hosentaschen gesteckt hatte, schwankte merklich. Sechs Halbe und zwei Schnäpse hatte er nach dem Hauptgottesdienst beim »Unterwirt« getrunken, sein langjähriger Freund und Nachbar hingegen nur zwei Gläser. Darum war dessen Gang auch aufrecht und schnurgerade.

»Mich ärgert, dass sich der Kindler allweil darüber das Maul zerreißt, dass ich noch keinen Hoferben hab«, nuschelte Martin vor sich hin. »Möchte nur wissen, was das den Hammel angeht! Er soll sich doch lieber drum kümmern, dass seine Älteste, die Anna, net mit kurzen Röcken und geschneckelten Haaren auf Männerfang geht!«

Martin blieb stehen, worauf sein Freund ebenfalls stehen blieb.

»Mir ist's gewiss net egal, dass mir die Hilde nach achtjährigem Ehestand noch kein Kind gebracht hat, aber das muss doch kein Stammtischgespräch sein!«, fuhr der Martin fort. »Nächstens hau ich jedem aufs Maul, der darüber redet.«

»Du kennst doch die Leute, Martin«, beschwichtigte Hannes ihn. »Das ist einfach nur Stammtischgeschwätz. Lass die Lästermäuler doch reden!«

»Was bleibt mir auch schon anderes übrig«, erwiderte Martin und schaukelte weiter des Weges. Geradeaus tauchte sein Hof auf, ein schöner großer Hof mit blumengeschmückten Balkonen und angrenzendem Stallgebäude, darüber der Heustadl.

Kurz vor dem Kendl-Hof zweigte ein zweispuriger Fahrweg zum Seibl-Hof ab. Dort stand ein uraltes Marterl, das an den Tod der frommen Maria Kendl, einer Urgroßmutter vom Martin, erinnerte. Sie war auf dem Heimweg von der Kirche vom Herztod ereilt worden. Ein Schutzengel mit riesigen Flügeln hielt eine menschliche Gestalt in den Armen, darüber stand die Bittschrift: Betet für die arme Seele ein Vaterunser. Aber die beiden Männer taten es nicht.

Das Mittagsläuten klang vom Kirchturm herüber. Martin reichte dem Freund die Hand.

»Schau halt wieder mal bei uns rein, wenn dir's passt«, sagte er mit schwerer Zunge.

»Werde ich tun«, versprach Hannes. Dann sah er den Freund ernst und ermahnend an. »Dass du mir net wieder mit der Hilde Streit anfängst!«

»Wie kommst du denn darauf?«, gab Martin mit unschuldiger Miene zurück.

»Ich weiß«, sagte Hannes, »dass du im rauschigen Zustand oft Streit mit ihr anfängst und sie dann heftig angehst! Man beleidigt net den Menschen, mit dem man sein Leben teilt. Die Hilde verdient es net, dass sie schlecht behandelt wird, wenn du mit einem Rauschkopf heimkommst und Streit suchst!«

Martin wischte sich mit einer fahrigen Handbewegung übers Gesicht. Kein anderer hätte sich diese Kritik erlauben dürfen. Aber sie waren schon als Schulbuben beisammen gewesen, hatten Unsinn getrieben, waren schließlich erwachsen geworden und hatten geheiratet.

Die Nachbarschaft war für beide etwas Wertvolles, was nicht so leicht zu stören oder gar zu zerstören war! Als die Frau vom Hannes gestorben war, hatte Martin fast ebenso tief wie der Freund selber getrauert. Er konnte es auch nicht begreifen, dass eine gute Ehe so schnell ein Ende haben konnte!

»Hannes, ich suche doch keinen Streit«, behauptete Martin. »Du weißt doch, dass ich die Hilde gernhab und dass wir uns gut verstehen. Aber sie bringt mir kein Kind! Wir warten seit acht Jahren auf den Nachwuchs. Ich muss doch mal einen Buben haben! Das ist der Angelpunkt, weshalb es manchmal ein bisserl Krach und Eheverdruss gibt!«

»Es muss doch net immer der Kindersegen sein, der Mann und Frau zusammenhält«, philosophierte Hannes. »Meine Liesa, Gott hab sie selig, hat mir auch keinen Erben hinterlassen. Deswegen haben wir uns aber nie gestritten.«

»Du hast heut wieder mal deinen Predigertag«, witzelte Martin und schlug dem Freund kräftig auf die Schulter. »Ich nehme mir ja auch allweil an dir ein Beispiel. Die Hilde sagt immer wieder: ›Schau dir den Hannes an, was ist das für ein braver und ordentlicher Mensch! Mit so einem Mann kann eine Frau viel Freude haben!‹« Er lachte. »Ich bereite ihr halt anderweitig Freude«, fügte er zweideutig hinzu, grüßte und ging auf seinen Hof.

Das Mittagsläuten verstummte. Hannes Seibl sah dem Freund nachdenklich hinterher, schüttelte schließlich den Kopf und seufzte.

»Er verdient sie manchmal net. Sie hätte was Besseres verdient«, murmelte er dann im Weitergehen.

***

Die Frau, die den Mittagstisch für zwei Personen gedeckt hatte, war schlank und hatte strohblondes Haar, das sie immer straff nach hinten gekämmt und im Nacken zu einem großen Knoten verschlungen trug. Ihre braunen Augen kontrastierten stark zu dem hellen Blond, Augen, in denen ein paar dunkle Pünktchen waren und die, wenn sie ins Sonnenlicht schauten, grün schimmerten.

Hilde Kendl war eine hübsche Person. Heute am Sonntag trug sie ein buntes Dirndl mit braunem Samtmieder und gefälliger Kettchenschnürung. Etliche Male schon hatte sie beim Herrichten des Mittagstisches durchs Fenster auf den Weg geschaut. Sie mochte es nicht, dass der Martin sie mit dem Mittagessen warten ließ. Nicht selten kam es vor, dass er erst zur Stallzeit heimkam und so rauschig war, dass er kaum auf den Beinen stehen konnte.

Es war schon ein Kreuz mit ihm! Manchmal fragte sich Hilde, warum sie dieses grobe, oftmals sogar widerwärtige Mannsbild gernhatte. Damals, als sie ihn beim Feuerwehrball kennengelernt hatte, war es Liebe auf den ersten Blick gewesen. Ostern hatten sie schon geheiratet, und damit hatte auch die Hoffnung auf ein Kind begonnen. Doch bisher vergeblich.

Keiner wusste, woran es lag. Beide waren kerngesund, waren auch schon beim Doktor gewesen und hatten ihm ihr Leid geklagt. Er meinte, dass man Geduld haben und den richtigen Zeitpunkt erwischen müsse. Auf Hildes Frage, was das für ein Zeitpunkt sei, hatte sie eine Antwort bekommen, die sie rot bis an den Haaransatz werden ließ.

»Probieren wir halt mal den richtigen Zeitpunkt!«, spöttelte Martin seither manchmal. Oder er war echt vergrämt und raunzte: »Schon wieder net den richtigen Zeitpunkt erwischt! Himmelkruzineser!«

Es tat Hilde weh, wenn er dann manchmal auch noch fluchte.

Sie sah die beiden Männer vom Küchenfenster aus und erkannte an Martins schaukelndem Gang, dass er wieder einen Rausch heimbrachte. Was hatten sie sich eigentlich noch zu sagen?

Hilde beobachtete gespannt, wie Hannes ernst auf Martin einredete und wie dann Martin etwas erwiderte. Aber dann schlug er dem Freund auf die Schulter, und sie gingen freundschaftlich auseinander.

Wenn Hilde an Hannes Seibl dachte, wurde ihr das Herz warm. Er war ein guter Mensch, hatte Mitgefühl und ließ sie spüren, dass er ihr helfen wollte. Aber wie sollte er das? Er konnte nichts anderes tun, als dem Martin dann und wann ins Gewissen zu reden! Dies hatte er auch schon oft getan, aber es nützte wenig!

Polternd trat Martin ein, grüßte mit hörbarem Zungenschlag, legte den schönen Gamsbarthut vorsichtig auf die Küchenkredenz, ging zu Hilde und umarmte sie derb.

»Ein Busserl her!«, verlangte er herrisch. »Ohne ein Busserl schmeckt mir der Schweinsbraten net, den ich schon rieche!«

Sie ließ sich küssen, roch die Alkoholfahne und kämpfte das aufsteigende Übelkeitsgefühl nieder. Jetzt nur kein falsches Wort sagen! Aus dem tollpatschigen Bären konnte im Nu ein wütender Stier werden!

Dann setzten sie sich zum Mittagessen hin. Martin betete, und als er sich bekreuzigt und nachdem auch Hilde das Amen gesagt hatte, begann er auf den Kindler zu schimpfen, der am Stammtisch gefrotzelt hatte.

»Weißt du, was er vor allen gesagt hat, der miserable Stänkerer? Ob ich ein dürrer Baum sei oder ob es an dir liege? Ich wollte schon aufstehen und den Kerl in die Erde schlagen, aber der Hannes und noch ein paar haben mich daran gehindert.«

Seine Frau antwortete ihm nicht. Sie löffelte langsam die Suppe und warf einen Blick auf Martin, der tief über seinem Teller hing und laut schlürfte.

Hilde wusste, dass am Stammtisch oft über ihr Eheproblem gesprochen oder gelästert wurde. Zwar redeten auch die Freundinnen und Nachbarinnen über den ausbleibenden Kindersegen auf dem Kendl-Hof, aber das war weiter nicht schlimm. Frauen hatten zu diesem Thema eine andere Einstellung als die Männer.

»Dann geh halt net mehr zum Stammtisch«, sagte sie zu Martin. »Jedes Mal, wenn du heimkommst, erzählst du mir von einem anderen Verdruss. Ihr Mannsbilder seid viel geschwätziger als wir Frauen, das steht fest!«

»Ohne euch Weiberleut wäre die Welt leer wie ein Kuhstall im Hochsommer«, erwiderte Martin und grinste belustigt.

Nach dem Essen legte er sich gewöhnlich in der Stube aufs Sofa, um sein ein- oder zweistündiges Sonntagsschläfchen zu halten. Aber heute hörte Hilde, die mit dem Abwasch beschäftigt war, dass er in die Schlafstube ging.

Sie ahnte auch, was er dort trieb! Sein Wilderergewehr, das er unter dem Strohsack versteckt hielt, wurde hervorgeholt und überprüft. Wildern war auch so eine ungute Leidenschaft, an die sich Hilde im Laufe der achtjährigen Ehe nie hatte gewöhnen können.

Ab und zu zog es Martin auf den Berg, immer dann, wenn Vollmond war. Wie eine Krankheit war das, gegen die es kein Heilmittel gab! Erbgut! Sein Vater war in seiner Jugend dreimal wegen Wilderei eingesperrt gewesen.

Hilde seufzte schwer. Der Martin machte ihr das Leben nicht gerade leicht. Als sie in die Schlafstube hinüberging, ertappte sie ihn tatsächlich dabei, dass er seinen Wildererstutzen putzte.

»Ich schau heut mal auf die Gottesalm rauf«, sagte er zu Hilde. »Hab droben einen kapitalen Rehbock ausgemacht. Jeden Abend kommt er pünktlich um sieben aus dem Jungwald.«

In den acht Ehejahren hatte Hilde sich eine Lammsgeduld angeeignet. Sie wusste längst, dass sie mit harten Worten bei Martin nichts ausrichten konnte und er dann nur noch seinen Kopf durchsetzen wollte. Auch jetzt blieb sie ruhig.

»Muss das denn sein, Martin?«, fragte sie dennoch. »Wann hörst du denn endlich auf, so einen leichtsinnigen Unsinn zu treiben? Denk doch an deinen Vater!«

Martin wischte bedachtsam den Gewehrlauf ab und sah dann hindurch.

»Es ist meine einzige Freude!«, murmelte er dabei. »Wenn ich schon sonst nix hab, will ich mir wenigstens diesen Spaß leisten!«

»Du nennst es Spaß«, schalt Hilde sanft, »es ist aber streng Verbotenes, was du zum Spaß treibst! Das Wildern hat schon viel Unglück gebracht!«

Er legte den Stutzen zur Seite, sah Hilde an und streckte ihr mit bittender Miene die Hand entgegen.

»Komm, setz dich zu mir, Schatzl! Red mir halt ein bisserl gut zu, dass ich daheimbleiben soll.«

Hilde ließ sich von ihm aufs Bett ziehen und zärtlich drücken. Es war immer wieder dasselbe, was geschah: Sie fügte sich und schenkte ihm ihre Liebe. Und als er ihren Kopf nun zurückbog und sie sein erregtes Gesicht so nah vor sich sah, da erkannte sie wieder, dass sie ihn liebte und dass sie ihm immer wieder verzeihen wollte.

An diesem Sonntag blieb er daheim, war lieb zu ihr, und es herrschte ein Ehefrieden wie schon lange nicht mehr.

***

Den Ordnungssinn vom Hannes Seibl sah man auch dem Hof an, den er seit dem Tod seiner Frau mit dem knorrigen Vater und der sanftmütigen Mutter bewirtschaftete.

Nicht, dass sich Hannes aus lauter Trauer und Verzweiflung nur in Arbeit und bäuerlichen Fleiß gestürzt oder sich gar dem Trunk ergeben hätte, was ja oft vorkommt, wenn der Mann plötzlich die Frau verliert. Nein, so war es nicht. Er nahm es als Schicksalsschlag hin, trauerte im Stillen, so wie es seine Art war und wie auch sein Alltag verlief.

Zwischen ihm und den Eltern, die noch tüchtig mit anpackten, herrschte Harmonie, nie gab es ein böses Wort.

Auf dem Seibl-Hof wäre alles gut gewesen, wäre Hannes nicht einer Liebe verfallen, die sich nie erfüllen würde, die er sich aber auch nicht aus dem Herzen reißen konnte.

Als Martin vor acht Jahren zu ihm gekommen war und ihm freudig mitgeteilt hatte, er habe jetzt die hübscheste und die beste Bäuerin gefunden, die es weit und breit gab, und als Hannes dann diese Hilde zum ersten Male gesehen hatte, war sofort Neid auf den Freund in ihm aufgestiegen. Der Funke der Liebe war ihm ins Herz geflogen und hatte einen Schwelbrand verursacht, der niemals ganz gelöscht werden konnte.