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Meine erste Granny-Reise führte mich 2015 zu einer Familie nach San Francisco. Über dieses Abenteuer habe ich ein Buch geschrieben, dass sowohl Reiseführer als auch Erlebnisbericht ist: Als Granny-AuPair in San Francisco. 4 Jahre später war die Sehnsucht nach fremden Ländern und Familienabenteuer wieder da. Der Kontakt nach Hanoi kam im November 2018 zustande, im Februar 2019 fuhr ich los. Ich erzähle in diesem Buch von meinem ganz persönlichen Blick auf Hanoi und seine Bewohner. Den Blick einer 65jährigen, die vorher noch nie in Asien war. Meine Beschreibungen umfassen natürlich auch meinen Alltag als Granny. In Hanoi hatte ich mein Zuhause in einer deutschen Familie, die dort seit 5 Jahren lebt. In einem Land für eine Zeit zu leben ist anders als Tourismus, da man sich mit anderen Dingen beschäftigen muss und will. Alles, was ich schreibe, gilt nur für Hanoi. Vielleicht machen die Menschen im Süden einiges anders, sie haben ja eine andere Geschichte. Meine Erzählungen basieren in erste Linie auf eigenen Beobachtungen, in zweiter auf Nachfragen bei Anna und Rainer und erst in dritter Linie auf Internetrecherchen.
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Seitenzahl: 85
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Marion Hein
Februar bis März 2019
© 2020 Marion Hein
1. Auflage Herausgeber: Neopubli GmbH Autor: Marion Hein Umschlaggestaltung, Illustration: Marion Hein Lektorat, Korrektorat: Marion Hein
Verlag & Druck: Neopubli GmbH, Köpenicker Straße 154a, 10997 Berlin ISBN: eBook
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Inhalt
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Meine erste Granny-Reise führte mich 2015 zu einer Familie nach San Francisco. Über dieses Abenteuer habe ich ein Buch geschrieben, dass sowohl Reiseführer als auch Erlebnisbericht ist: Als Granny-AuPair in San Francisco.
4 Jahre später will ich wieder los. Die Sehnsucht nach fremden Ländern und Familienabenteuer ist wieder da. Der Kontakt nach Hanoi kommt im November 2018 zustande, die Familie möchte eine Granny ab Februar 2019. Bereits nach dem ersten Skypen bin ich recht sicher, dass wir gut zusammenpassen. Gott sei Dank sieht die Familie das auch so. Nach einer Bedenkzeit von 2 Wochen machen wir Nägel mit Köpfen. Die Familie besorgt mir Visum und Flugticket. Das ist nicht selbstverständlich.
Ich erzähle in diesem Buch von meinem ganz persönlichen Blick auf Hanoi und seine Bewohner. Den Blick einer 65jährigen, die vorher noch nie in Asien war. Meine Beschreibungen umfassen natürlich auch meinen Alltag als Granny. In Hanoi habe ich mein Zuhause in einer deutschen Familie, die dort seit 5 Jahren lebt. In einem Land für eine Zeit zu leben ist anders als Tourismus, da man sich mit anderen Dingen beschäftigen muss und will. Alles, was ich schreibe, gilt nur für Hanoi. Vielleicht machen die Menschen im Süden einiges anders, sie haben ja eine andere Geschichte. Meine Erzählungen basieren in erste Linie auf eigenen Beobachtungen, in zweiter auf Nachfragen bei Anna und Rainer und erst in dritter Linie auf Internetrecherchen.
Wie schon bei meinem ersten Abenteuer in San Francisco habe ich auch diesmal einen Blog veröffentlicht, der zusammengefasst zum Inhalt dieses Buches wurde. Die Fotos habe ich bis auf eines alle selbst gemacht. Der Blog enthält mehr Fotos als das vorliegende Buch. Dafür ist das Buch besser sortiert.
Die Blogadresse für San Francisco ist http://marioninsanfran.blogspot.com/ und für Hanoi https://marioninhanoi.video.blog/.
Marion Hein im Juli 2020
Dass mich mein nächstes Abenteuer nach Hanoi führt, habe ich nicht vorausgeahnt. Aber da meine Devise Hauptsache nicht Europa ist, gibt es natürlich Platz für jede Menge Überraschungen.
Wenn ich erzähle, dass ich nach Hanoi fahre, gibt es überwiegend 2 Reaktionen. Wer noch nie in dieser Gegend war, sagt: „Du bist aber mutig!“. Empfinde ich nicht so, weil ich ja keine Angst habe. Alle, die schon mal da waren, versorgen mich augenblicklich mit Informationen, was ich in Vietnam unbedingt besuchen muss, wenn du doch schon mal da bist. Das ist total nett, geht aber an dem vorbei, weswegen ich reise. Ich suche eher Tiefe als Menge. Aber natürlich schaue ich mir einige Touristenattraktionen an und nehme alle guten Tipps mit.
Die Familie besorgt mir die Flugtickets und kümmert sich um das Visum. Das ist unglaublich toll und nicht selbstverständlich. Alles ist sehr unkompliziert, viel einfacher als bei meiner Reise in die USA. Die Reise rückt näher, ich fahre nach Hanoi. Ich war noch nie in Asien und möchte wissen, was andere mit dem Wort Kulturschock meinen und ob ich davon auch betroffen bin. Kulturschock klingt schließlich wie eine Krankheit.
Ich schaue jeden Tag, wie die Temperaturen in Hanoi sind und freue mich, dass es dort wärmer ist als hier. Aber es regnet auch viel.
Ich lasse mir von Anna die letzten Packtipps geben. Es gibt Dinge, auf die kommt man nicht. Durch die geringere Körpergröße und den schmaleren Körperbau der Vietnamesinnen ist es z.B. schwierig, passende Unterwäsche zu finden. Dem kann ich vorbeugen. Auch Körperpflegeprodukte soll ich besser selbst mitbringen. Ich spüre förmlich, wie das Gewicht meines Koffers ansteigt. Ich habe so gar keine Vorstellung vom Leben in Vietnam. Das Bezahlen wird anders als gewohnt, da überwiegend nur Bargeld akzeptiert wird. 1 Million Dong sind übrigens 38 Euro, ich werde also statt eines Portemonnaies einen Geldsack brauchen.
Vietnam Airlines kann ich nur empfehlen. Der Check-In verläuft reibungslos, der Flug startet pünktlich um 13.55 Uhr, das Flugzeug ist modern. Mehr Platz hat man aber trotzdem nicht. Ich habe einen netten Sitznachbarn und in der Reihe vor mir man unterhält man sich auf schwäbisch, ob man mit Stäbli wirklich essen kann. Die erste Mahlzeit um 14.30 Uhr ist deutsch: Rouladen mit Wirsing und Kartoffelbrei. Sie wird von Stewardessen in langen Kleidern serviert und ist in einer für Flugzeugverhältnisse ausgezeichneten Qualität. Allerdings ist ihr Englisch rudimentär, was bei meinem Sitznachbarn zu einem Missverständnis führt. Er möchte ein Glas Wein und fragt: „Is it cold?“ „Oh, you want a wine with Coke. No problem!“ Nach einigem Hin und Her trinkt er den Wein in der vorhandenen Temperatur.
Ich hatte zu Hause überlegt, wie die Flugroute ist, aber wenn man die Erdkrümmung nicht berücksichtigt, liegt man oft falsch. Wir fliegen über Rumänien, das Schwarze Meer, Aserbaidschan, Afghanistan, Indien, Nepal und Myanmar, um nur einige Länder zu nennen.
Gegen 16.00 Uhr wird es drinnen und draußen dunkel. Bis auf einige Turbulenzen und ein Luftloch ist alles in Ordnung. Es ist ein beängstigendes Gefühl, wenn das Flugzeug plötzlich absackt und einige Schreie zu hören sind. Ich brauche ein bisschen, bis sich mein Herzschlag wieder normalisiert. Die Sonne geht auf, als wir kurz vor Hanoi sind. Beim Landeanflug hätten wir auch in Frankfurt sein können, unter uns eine Autobahn, links und rechts grüne Felder und kleine Orte. Ich lande um 6.00 Uhr Ortszeit, für mich ist es allerdings Mitternacht.
Am Visum-Schalter geht es schnell. Ernste Gestalten in Militäruniform, die meinen Reisepass fotografieren, bekleben und 25 Dollar kassieren. Nochmal ein Scan am Einreiseschalter, dann den Koffer holen und ich bin draußen. Rainer und Felix warten schon. Es ist schwülwarm.
Ich wohne in einem wunderschönen Haus im französischen Kolonialstil. Das Eingangstor ist mit einem Vorhängeschloss versperrt. Es gibt zwar so gut wie keine Einbrüche, aber es kam schon vor, dass jemand ungefragt den Hof fegt und dann dafür entlohnt werden will. Wenn man reinkommt, ist man gleich richtig drin, es gibt keinen Flur. Das Haus hat drei Stockwerke und vier Badezimmer und eins davon ist für mich. Mein Zimmer liegt im ersten Stock. Obwohl ich einen kleinen Balkon habe, macht man die Fenster meistens nicht auf. Abgesehen davon, dass die Fenstervorrichtungen klemmen, ist die Luft draußen schwüler als drinnen und würde keine Erleichterung verschaffen. Dafür läuft die Klimaanlage auf angenehmen 26 Grad und der Luftentfeuchter sammelt das Wasser ein. Ich merke jetzt schon, dass meine Haut sich anders anfühlt.
Ich wohne im Stadtteil Tay Ho, dem West Lake District. Das Old Quarter, in dem sich die meisten Touristen aufhalten, liegt 6 km weiter südlich. Der District hat 24 km² und 130.000 Einwohner und man kann sich ganz prima verlaufen. Das Viertel ist kosmopolitisch, da hier sehr viele Expats wohnen. Als Expats bezeichnet man Menschen, die von einem international tätigen Unternehmen an eine ausländische Zweigstelle entsandt werden. Auch wenn es internationale Restaurants und Geschäfte gibt, ist das Viertel nicht mit einer europäischen Großstadt vergleichbar. Ich weiß gar nicht, mit was es vergleichbar wäre. So findet man z.B. nur selten einen Bürgersteig. Besonders fehlt er da, wo viel Verkehr ist. Ich laufe am Straßenrand und werde umspült von Mopeds und Autos. Mopeds sind eindeutig das bevorzugte Fortbewegungsmittel.
Neben Autostraßen gibt es in Tay Ho am laufenden Band Gassen und Verbindungswege. Da beginnt mein Orientierungssinn zu versagen. Ich lande irgendwann in einer Sackgasse, die von einem Mann bewacht wird. Dienstleistung wird groß geschrieben. Hin und wieder geht eine Gasse nach einer Hauseinfahrt weiter. Originell.
Quasi um die Ecke liegt der West Lake (http://www.vietnam-guide.com/hanoi/west-lake.htm). Eigentlich lebe ich gerne an einem See, aber es ist oft so diesig, dass der See seinen Charme verliert. Es gibt eine schmale Uferpromenade, auf der man an vielen Stellen nicht gut laufen kann, weil alle paar Meter ein Baum eingepflanzt wurde. Der größte See von Hanoi hat einen Umfang von 18,6 km. An meinem Ankunftstag fahre ich mit Rainer und Felix auf dem Moped am See entlang, das ist meine Hanoi-Feuertaufe. 3 Menschen auf einem Moped sind nicht ungewöhnlich, es werden auch gerne Babys oder Tiere so transportiert.
Der Stadtteil Truc Bach liegt am südöstlichen Ende des Sees. Hier ist der See am schönsten. Früher waren hier viele Schiffsrestaurants, aber vor ein paar Jahren gab es eine Umweltkatastrophe und viele Fische starben. Um die Touristen zu beruhigen, wurden die Restaurants als Schuldige identifiziert und auf die andere Seite des Sees verlegt. Dort liegen die Wracks noch heute und rosten vor sich hin. Ob damit das Problem gelöst wurde, möchte ich bezweifeln. Ich sehe am Ufer überall Angler, aber ich esse keinen Fisch aus diesem See.
Am See gibt es außerdem einen Freizeitpark, einen Spielplatz und immer wieder Menschen, die Sport treiben. Tai Chi ist bei den Hanoiern sehr beliebt, joggen eher bei Ausländern. Eine wahre Augenweide an der Nordseite des Sees ist eine riesige Blumengärtnerei. Einfach wunderschön anzuschauen.
Zu meinem Erstaunen ist die Elektrizität im Haus sehr stabil. Die Spannung entspricht unserer, so dass ich alle meine Geräte problemlos und einfach über die Steckdose anschließen kann. Ist aber wohl in Vietnam nicht überall so. Das Internet funktioniert überwiegend einwandfrei. Hin und wieder gibt es Schwankungen und dann geht kurzfristig nichts. Jedes Café/Restaurant und viele öffentliche Plätze haben kostenloses WiFi (= WLAN). Es ist viel mehr verbreitet als bei uns. Vietnam ist im Informationszeitalter angekommen.
Jeder hat ein Smartphone und benutzt es ausdauernd. Man muss sich vorstellen, dass erst Ende der 1990er Jahre das Festnetz in Vietnam installiert wurde. Dann kam schon das Handy und das Festnetz wurde quasi über Nacht überflüssig und wird heute kaum genutzt. Das Telefonverhalten ist anders als bei uns. Wenn es klingelt, geht man ran, egal, ob man gerade eine Prüfung abnimmt, in einer Konferenz sitzt oder in der Oper. Alles andere gilt als unhöflich.
Die Familie lebt seit 5 Jahren in Vietnam. Die Kinder Lea (fast 3 Jahre) und Felix (7 Jahre) fühlen sich hier zu Hause. Ich bin als Granny für Felix zuständig
