Amrum ist gut fürs Herz - Vol. 5 - Sissi Kaipurgay - E-Book

Amrum ist gut fürs Herz - Vol. 5 E-Book

Sissi Kaipurgay

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Beschreibung

Rüdiger Wuttke, Polizeibeamter in Hamburg, hat den Zuschlag für die Stelle als Saison-Bulle auf Amrum erhalten. Für ihn eine super Gelegenheit, mal aus dem anstrengenden Drei-Schicht-System rauszukommen. Außerdem gefällt ihm die Insel ausnehmend gut. Weniger gut gefällt ihm der Idiot, der die Polizei wegen Kinkerlitzchen ruft. Auf den zweiten Blick ist Balthasar Gregor Süden aber gar nicht so übel.

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Inhaltsverzeichnis

Amrum ist gut fürs Herz - Vol. 5

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

Epilog - ein Jahr später

Amrum ist gut fürs Herz - Vol. 5

Sämtliche Personen, Orte und Begebenheiten sind frei erfunden, Ähnlichkeiten rein zufällig. Der Inhalt dieses Buches sagt nichts über die sexuelle Orientierung des Covermodels aus. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder eine andere Verwertung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin.

Texte: Sissi Kaipurgay/Kaiserlos

Korrekturen: Aschure, Dankeschön!

Foto Cover: shutterstock_179129984, Leuchtturm, Insel: Sissis Malkünste

Kontakt:http://www.bookrix.de/-sissisuchtkaiser/, https://www.sissikaipurgay.de/

Sissi Kaiserlos/Kaipurgay

c/o Karin Rogmann

Kohlmeisenstieg 19

22399 Hamburg

Amrum ist gut fürs Herz - Vol. 5

Rüdiger Wuttke, Polizeibeamter in Hamburg, hat den Zuschlag für die Stelle als Saison-Bulle auf Amrum erhalten. Für ihn eine super Gelegenheit, mal aus dem anstrengenden Drei-Schicht-System rauszukommen. Außerdem gefällt ihm die Insel ausnehmend gut. Weniger gut gefällt ihm der Idiot, der die Polizei wegen Kinkerlitzchen ruft. Auf den zweiten Blick ist Balthasar Gregor Süden aber gar nicht so übel.

1.

Gelangweilt schaute sich Rüdiger im Goldenen Hirsch um. Es gab zwar einige potentielle Kandidaten, doch keiner konnte ihn reizen. Er war eindeutig übersättigt. Oder trauerte er immer noch Sascha hinterher? Sein letzter Bettgefährte hatte ihn stärker beeindruckt, als er zugeben wollte.

Was für ein Glück, dass er Montag in eine andere Dienststelle wechselte, und zwar nach Amrum. Seine Bewerbung als Saisonbulle war angenommen worden. Vielleicht hatte es geholfen, in den höchsten Tönen von der Insel zu schwärmen. Eigentlich war sowas nicht Rüdigers Ding, aber er wollte die Stelle unbedingt haben. In solchem Fall musste man eben über seinen Schatten springen. Jedenfalls freute er sich sehr auf den Tapetenwechsel.

„Hi Großer“, sprach ihn plötzlich jemand von der Seite an.

Ein ziemlich süßer Typ grinste frech zu ihm hoch. Wenn er sich recht erinnerte, waren sie vor etlichen Monaten mal zusammen im Darkroom gewesen. Leider winkte sein Schwanz desinteressiert ab. Den konnte kaum noch jemand aus der Reserve locken.

„Hi Kleiner“, erwiderte er.

„Wie sieht’s aus?“ Das Kerlchen guckte vielsagend rüber, in Richtung Darkroom.

„Bin nicht in Stimmung.“

„Schade“, murmelte der Typ, schenkte ihm ein bedauerndes Lächeln und schlenderte davon.

Wieso hing er überhaupt hier rum, wenn er doch nicht ficken wollte? Weil du das letzte Mal Großstadtluft schnuppern wolltest, antwortete er sich selbst. Zweifelsohne würde er auf Amrum eine Durststrecke erleben. Zumindest so lange, bis die Touristen wie Heuschrecken über die Insel herfielen.

Sein Schwanz ließ sich dadurch nicht motivieren. Weich kuschelte sich das Ding in seine Pants und pennte, außer es wollte pissen. Nagte der Zahn des Alters an ihm? Schließlich wurde Rüdiger bald vierzig. Inkontinenz und Impotenz rückten damit in greifbare Nähe.

Er leerte sein Glas, nickte dem Barkeeper zum Abschied zu und verließ den Club. Draußen erwartete ihn kühler Nieselregen. Mittags hatte noch die Sonne vom Himmel gestrahlt, nun machte der April einen auf Winter. Was für ein Scheiß-Monat! Viel lieber würde er seinen Dienst auf Amrum im Mai antreten, doch das Leben war nun mal kein Wunschkonzert.

Rüdiger schlug den Kragen seiner Lederjacke hoch und stiefelte los. Seine Wohnung lag nur drei Straßen entfernt. Für die Strecke lohnte kein Taxi, zumal er es ohnehin nicht eilig hatte.

Ungefähr auf der Hälfte des Weges begegnete ihm eine Gruppe Jugendlicher. Ihren unsicheren Schritten zufolge, hatten sie ordentlich getankt. Als sie aneinander vorbeigingen, rempelte ihn einer der Jungs absichtlich an.

Er stoppte, drehte sich um und bellte: „Hey, Pickelfresse! Was soll der Scheiß?“

Die vier Jugendlichen hielten ebenfalls an und wandten sich ihm zu. Der Typ, der ihn angerempelt hatte, schnaubte verächtlich. „Das schreit ja förmlich nach Schlägen.“

Rüdiger begab sich in Kampfposition. Er hatte bloß einen Drink intus und dazu noch eine Karatekarriere hinter sich. Mit den besoffenen, halben Portionen wurde er locker fertig.

Drohend kamen die vier auf ihn zu. Einem verpasste er einen Tritt in den Solarplexus, frei nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Dem nächsten rammte er seinen Ellbogen ins Gesicht. Der dritte landete einen Glückstreffer, für den sich Rüdiger mit einem linken Haken revanchierte und der vierte versuchte es gar nicht erst, sondern ergriff gleich die Flucht. Die anderen torkelten ihm hinterher.

Rüdiger betastete sein lädiertes Auge. Es schwoll bereits zu. Ein fairer Preis dafür, sein Mütchen an diesen Hirnis abkühlen zu dürfen. Trotz des Veilchens fühlte er sich viel besser als beim Verlassen des Clubs. Er überlegte sogar umzukehren, um das süße Früchtchen durchzuknallen, entschied sich jedoch dagegen. Vordringlich brauchte sein Matschauge Kühlung.

Beschwingten Schrittes setzte er seinen Heimweg fort.

In seiner Wohnung sah es ungemütlich aus. Da er sie untervermietet hatte, war seine persönliche Habe in den Keller gewandert. Es wirkte ein bisschen wie eine Ferienwohnung, mit den zeitlosen Kunstdrucken - allesamt Landschaftsmotive - und in schlichten Farben gehaltenen Möbeln.

Vorher hatte überall etwas rumgelegen oder gestanden. Zeitschriften, Notizen, Bücher, DVDs, eine alte Uhr von seinem Großvater und einige Topfpflanzen. Letztere waren zur Nachbarin gewandert, die die armen Pflänzchen bis zum Herbst versorgen würde. Sie kümmerte sich auch um seine Post.

Im Eisfach befand sich ein Kühlaggregat, das er für sein lädiertes Auge hervorholte. Mit einer Flasche Bier ließ er sich im Wohnzimmer auf der Couch nieder, wobei er das Aggregat auf sein Veilchen presste. Viel würde es ohnehin nicht helfen. Das wurde ja ein toller Einstieg auf Amrum, wenn der Saisonbulle mit Kampfspuren im Gesicht auftauchte. Egal. Dann vermittelte er eben gleich den richtigen Eindruck.

Am nächsten Morgen klingelte sein Wecker um acht. Gähnend streckte Rüdiger den Arm aus, brachte das Mistding zum Schweigen und überlegte, welcher Tag war. Ach ja, Sonntag. Durch die verdammten Schichtdienste kam er ständig durcheinander.

Bevor er unter die Dusche stieg, setzte er in der Küche die Kaffeemaschine in Betrieb. Um neun wollte sein Untermieter erscheinen, weshalb etwas Eile geboten war. Bis dahin musste er seinen restlichen Kram im Auto verstaut haben und abreisefertig sein.

Pünktlich zur verabredeten Zeit ertönte die Türglocke. Rüdiger betätigte den Öffner und warf einen Blick in den Garderobenspiegel. Das Veilchen verlieh ihm einen verwegenen Touch. Er grinste sich zu, wodurch sich die Haut schmerzhaft spannte. Eine grimmige Miene tat weniger weh, aber damit wollte er den Mieter - es handelte sich um einen neuen Kollegen - nicht empfangen.

Zehn Minuten später war die Übergabe erledigt. Ortwin Maier stammte aus München und war überaus dankbar, erstmal eine bezahlbare Bleibe gefunden zu haben. Sie verabschiedeten sich mit Handschlag und wünschten einander einen guten Neustart.

Sein erstes Ziel war sein Elternhaus. Es lag auf dem Weg zur Autobahn, sonst hätte er den Besuch am Vortag erledigt.

Es erwarteten ihn nicht nur seine Eltern, sondern auch seine Geschwister nebst Anhang, also Ehegatten, Neffen und Nichten. Kerstin und Moritz, Zwillinge, hatten synchron Nachwuchs gezeugt. Zum Glück trugen die Kinder Namen mit den Anfangsbuchstaben seiner Schwester und seines Bruders, sonst würde er durcheinander kommen. Marie und Mark stammten von Moritz, Kasim und Kiki von Kerstin, jeweils drei und fünf Jahre alt. Onkel Rüdiger betrachteten sie stets mit großen Augen und wahrten Abstand, lediglich Kasim kannte keinerlei Hemmungen und hängte sich immer an sein Bein, sobald er auftauchte.

„Ongel Rüdi!“, krähte Kasim, stürmte auf ihn zu und umarmte seinen Unterschenkel, als er ins Esszimmer trat.

Der Kleine widersetzte sich seinem Versuch, ihn hochzuheben, daher schleppte Rüdiger ihn rund um den Tisch, um seine Familie zu begrüßen. Kerstin erlöste ihn schließlich von der Beinfessel, was Gejammer auslöste. Kasim wollte partout zu Ongel Rüdi. Er erbarmte sich daher, platzierte den Quälgeist auf seinem Schoß und schon war Ruhe.

„Das Veilchen steht dir.“ Sein Schwager Olaf grinste ihn an. „Das Kind übrigens auch.“

Seine Familie war es gewohnt, dass er gelegentlich lädiert aussah, daher nahm niemand großartig Notiz von seinem Matschauge.

„Vergiss es“, winkte er ab. „Ich bin heilfroh, dass ich mich mit sowas nicht rumplagen muss.“

„Wer weiß? Vielleicht findest du einen Mann mit Anhang“, sinnierte seine Schwester.

„Um sowas mache ich einen großen Bogen.“

„Erzähl doch mal von deiner neuen Stelle“, bat sein Bruder Moritz.

„Genaues weiß ich auch noch nicht, nur, dass ich keine drei Schichten mehr schieben muss.“

„Das ist doch eine 1.000 prozentige Verbesserung“, fand seine Mutter.

„Allerdings. Derjenige, der sich dieses System ausgedacht hat, gehört gekocht und gevierteilt“, stimmte Rüdiger zu.

„Bestimmt ein Schreibtischhengst“, mutmaßte seine Schwester.

Um elf brach Rüdiger auf, da er für die 13-Uhr-Fähre einen PKW-Stellplatz gebucht hatte. Kasims Gejaule hallte ihm noch eine Weile in den Ohren. Dem Kleinen hatte es überhaupt nicht gefallen, den Platz auf Ongel Rüdis Schoß wieder aufzugeben.

Hinter Rendsburg begann es zu regnen. Seine gute Laune beeinträchtigte das nicht. Er fühlte sich, als ob ein neues Leben begann. Das erste Mal kam er für längere Zeit raus aus der Stadt und durfte dort arbeiten, wo andere Urlaub machten. Eigentlich ein blöder Slogan, weil der Anblick faulenzender Leute garantiert Neid weckte, aber vielleicht gab es so wenig zu tun, dass er sich ebenfalls auf die faule Haut legen konnte. Was sollte auf der winzigen Insel verbrechenstechnisch schon los sein?

Bis zur Ausfahrt Harrislee arbeiteten die Scheibenwischer auf Hochtouren. Dann, genauso plötzlich, wie es losgegangen war, hörte der Regen auf; so, als hätte Gott die Dusche an und wieder abgedreht.

Auf der restlichen Strecke bis Dagebüll passierte Rüdiger etliche Dörfer, in denen er nicht tot übern Zaun hängen wollte. Traurige Kaffs ohne Einkaufsmöglichkeiten. Dazwischen Felder, so weit das Auge reichte.

Überpünktlich erreichte er den Fähranleger. Außer ihm stand nur ein Wagen in der ausgewiesenen Spur. Er verließ sein Auto und sog genießerisch die salzige Luft in seine Lunge. In der Ferne drehten sich Windräder. Ob das eine Bereicherung oder Verschandelung der Landschaft war, darüber ließ sich streiten.

Während er das Stück Butterkuchen, das seine Mutter ihm eingepackt hatte, verspeiste, beobachtete er das Treiben auf dem Anleger. Ein Fahrzeug trudelte ein, das eine Familie ausspuckte. Vater, Mutter, zwei Kinder. Die vier gingen zum Fahrkartenschalter. Rüdiger hatte sein Ticket zu Hause ausgedruckt, deshalb blieb ihm das erspart.

Eine Möwe landete einige Meter entfernt und beäugte etwas, das auf dem Boden lag. Anscheinend hatte sie darin etwas Essbares entdeckt, denn sie begann, daran herumzupicken. Eine zweite gesellte sich dazu, woraufhin die erste ihre Flügel ausbreitete und kreischte. In der freien Wildbahn hatte man es echt nicht leicht. Kaum hatte man Futter gefunden, kreuzten Neider auf.

Er wischte sich die Finger mit einem Papiertaschentuch ab und trank einen Schluck Eistee, auch aus dem Fundus seiner Mutter. Die Familie kehrte zurück. Eines der Kinder, der Junge, zeigte auf Rüdiger und rief: „Guck mal! Der Mann hat ein kaputtes Auge!“

Was für ein gescheiter Bube.

„Kon-stan-tin!“, schimpfte die Mutter. „Man zeigt nicht mit dem Finger auf fremde Menschen.“

Womit dann?

„Aber der Mann...“, widersprach Konstantin. „Guck woanders hin!“, fuhr die Mutter dem Kind über den Mund.

Armes Bürschchen. Rüdiger wollte nicht tauschen. Seine Mutter hätte ihm ausführlich erklärt wie ein Veilchen entstand, anstatt ihn zu maßregeln.

Inzwischen befand sich die Fähre, vorher ein Punkt in der Ferne, in Sichtweite. Er beobachtete, wie sie rasch näher kam und zum Anlegemanöver ansetzte. Als die ersten Wagen von Bord fuhren, schwang er sich wieder hinters Lenkrad.

2.

Vor Rüdiger stand ein Becher Kaffee. Er guckte aus dem Fenster und überlegte, wie seine Unterkunft aussah. Man hatte ihm mitgeteilt, dass er eine Wohnung im Dienstgebäude beziehen würde. Dieses lag in Nebel, nahe dem Strunwai, den er vom letzten Besuch auf der Insel kannte, umringt von Häusern mit Ferienwohnungen. Allerdings dürfte das für fast jedes Gebäude des Eilands gelten.

Am Horizont hingen graue Wolken, ansonsten war der Himmel blau. Im Fahrgastraum herrschte wenig Betrieb. Die Familie von vorhin hatte sich auf die andere Seite des Saals verzogen, was Rüdiger sehr entgegenkam. Der Kleine war süß, aber ständig angestarrt zu werden, zerrte selbst einem hartgesottenen Typen wie ihm an den Nerven.

Auf Föhr verließ die Familie das Schiff. Nun war nur noch eine Handvoll Passagiere übrig. Rüdiger begab sich nach draußen und zog den Reißverschluss seiner Jacke bis oben zu. Vorsorglich hatte er reichlich warme Kleidung eingepackt. Bis Ende Mai konnte es laut Karsten, dem Kerl, mit dem Sascha liiert war, noch recht kühl sein.

Er lehnte sich an die Reling und beobachtete, wie die Fähre ablegte. Auf Föhr war er mal als Kind gewesen, woran er sich kaum erinnerte; leider aber genau daran, dass er beim Abschied von seiner Mutter wie ein Schlosshund geheult hatte. Damals war er sieben oder acht gewesen.

Eine ganze Weile hielt er sich auf dem Oberdeck auf, obwohl ihm der Wind tüchtig um die Ohren pfiff. Als er in den Fahrgastraum zurückkehrte, war die Wärme wohltuend. Er orderte einen weiteren Becher Kaffee, mit dem er sich erneut am Fenster niederließ.

Rund eine halbe Stunde später begab er sich zum Fahrzeugdeck, um in seinen Wagen zu steigen. Kurz darauf durfte er losfahren. Langsam rollte er über die Brücke auf den Anleger und fuhr die Inselstraße entlang. Erinnerungen keimten auf. In einem der Läden hatte er mit Sascha im vergangenen Sommer Strandspielzeug gekauft, um eine Burg zu bauen.

---ENDE DER LESEPROBE---