An einem heißen Nachmittag im August - Norma Banzi - E-Book

An einem heißen Nachmittag im August E-Book

Norma Banzi

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Beschreibung

An einem heißen Nachmittag im August: Als der Flammendämon Roderik an einem heißen Nachmittag im August in New York in einem Fahrstuhl stecken bleibt, vertreibt er sich die Zeit mit seinem Assistenten Maurice.

Der Geliebte des Dämons: Als Geliebter eines arroganten Dämons gerät Maurice mehr als einmal in eine brenzlige Situation.

Tolliver: Der jüngere Bruder des Dämons Roderik mischt sich in dessen Leben ein. Ob das wohl gut geht?

Küss mich, Kätzchen!: Dem Dämon Roderik läuft ein ganz besonderes Haustier zu, das ihn von seiner Sehnsucht nach Maurice ablenkt.

In diesem humorvollen Buch mit düsteren Untertönen werden vier thematisch zusammenhängende Kurzgeschichten um die beiden dämonischen Brüder Roderik und Tolliver präsentiert.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Norma Banzi

An einem heißen Nachmittag im August

Edition Banzini

Inhaltsverzeichnis

An einem heißen Nachmittag im August

Der Geliebte des Dämons

Tolliver

Küss mich, Kätzchen!

Social Media

AN EINEM HEISSEN NACHMITTAG IM AUGUST © Norma Banzi 1. Auflage: April 2014 2. Auflage: März 2024Bildquellen:Geschäftsmann: © dashek, Depositphotos Flammenrahmen: © Misha, FotoliaGestaltung des Covers:Norma Banzi Edition Banzini Kurvenstraße 25 22043 Hamburgwww.banzini.de

An einem heißen Nachmittag im August

Roderik Smith ertappte sich dabei, wie er leise die Melodie eines Songs mitsummte, der aus dem Lautsprecher des Fahrstuhls erklang. Sofort verstummte er. Konnte er doch die Musikuntermalung in Aufzügen, die angeblich der Besänftigung der Insassen dienen, nicht ausstehen. Außerdem geziemte es sich nicht für einen Dämon, fröhlich ein Liedchen zu trällern. Aber heute war wirklich ein guter Tag gewesen. Roderik war es gelungen, einen der reichsten Männer Amerikas als Mandanten für seine Rechtsanwaltskanzlei zu gewinnen, den New Yorker Zwergenkönig Sarel Boak. Natürlich tauchte das Vermögen dieses Geschäftsmanns in keiner menschlichen Statistik auf. Manager- und Wirtschaftsmagazine hatten sich noch niemals mit Sarel befasst, ganz einfach deshalb, weil ihre Redaktionen nicht wussten, dass Sarel überhaupt existierte. Zwerge hielten sich vor den Menschen verborgen. Wenn sie doch einmal mit ihnen zu tun hatten, gaben sie sich als Kleinwüchsige aus. Sarel regierte sein riesiges Firmenimperium diskret von dem Büro seiner New Yorker Holding aus. Er war keine Person, die im öffentlichen Bewusstsein bekannt war, wie beispielsweise Bill Gates oder die Rockefellers.

Natürlich hatte Sarels Holding eine eigene, hochkarätige Rechtsabteilung. Dennoch beauftragte der Zwerg aus taktischen Gründen dann und wann auch größere und mittlere Rechtsanwaltskanzleien. Dass er sich für Hoffman, Tucci & Partner entschieden hatte, lag allein an Roderik. Dämonen waren unter den magischen Wesenheiten dafür bekannt, hervorragende, gewissenlose Rechtsanwälte zu sein. Seit einigen Jahrzehnten eroberten sie sich zwei Betätigungsfelder, das Finanzwesen und die Juristerei. Roderik hatte beide miteinander verbunden, er arbeitete als Wirtschaftsjurist. Bei Hoffman, Tucci & Partner war er der einzige Dämon. Seit einem Jahr war er Partner. Noch wurde er nicht namentlich im Firmenlogo und im Briefkopf erwähnt, aber als Moneymaker des Unternehmens erwartete er eine baldige Anpassung in seinem Sinne. Bald würden die Seniorpartner nicht umhinkönnen, ihn aus dem anonymen Sammelbegriff Partner herauszunehmen und seinen Namen vor das "&" zu setzen. Obwohl sie ihn alle nicht ausstehen konnten und sogar ein wenig Angst vor ihm hatten. Selbstverständlich wusste niemand in der Firma, dass Roderik ein Dämon war. Die Aversionen seiner Kollegen auf seine Gegenwart waren eine instinktive Reaktion auf seine dämonische Natur. Roderik war in der Firma die am meisten gehasste Person, und er genoss es.

Sein junger Assistent, Maurice Fuller, der gerade erst die Uni abgeschlossen hatte, litt besonders in Roderiks Nähe. Maurice war teilweise ein Elf, wovon er allerdings keine Ahnung hatte. Roderik hatte ihn aus reinem Sadismus aus einer Gruppe von hundert Bewerbern ausgesucht. Wenn sich Maurice mit seinem Chef in einem Zimmer aufhielt, machte sich ständig sein Fluchtreflex bemerkbar. Sein Körper schüttete Adrenalin aus und er wusste nicht, weshalb. Roderik kannte die Antwort. Die ererbten Elfensinne des jungen Mannes warnten ihn vor dem Dämon.

Der Fahrstuhl war ziemlich voll, wenn auch nicht so eng besetzt, dass man sich schon quetschen musste. Nach der Vertragsunterschrift in Roderiks Büro hatten er und Sarel beschlossen, zur Feier des Tages Essen zu gehen. Aus einer Laune heraus hatte Roderik seinen Assistenten ebenfalls dazu eingeladen, obwohl er genau spürte, dass Maurice lieber verhungert wäre, als mit ihm ein Restaurant zu besuchen. Da immer wieder Leute zustiegen, wurde Maurice näher und näher zu Roderik geschoben. Schweißperlen standen auf der Stirn des jungen Mannes.

Oh, wie sehr Roderik die seelische Konfusion des Assistenten genoss.

Er fing einen amüsierten Blick Sarels auf.

‚Du bist ein gemeiner Hund, den armen Maurice so zu quälen‘, vermittelte der Zwerg dem Dämon in Gedanken.

‚Vielen Dank!‘, freute sich Roderik. ‚Niemand zwingt ihn, für mich zu arbeiten, er ...‘

Jäh wurde der Dämon von etwas getroffen, das ihn gegen die Fahrstuhlwand schleuderte. "Bei allen Höllenhunden!", schrie er. Seine mentale Abschirmung wurde von einer mächtigen Welle fortgerissen. In seinen Ohren klingelte es. Sein Herz pumpte rasend schnell. Sein Schwanz stand prall in seiner Hose. Eine Geilheit noch nie erfahrenen Ausmaßes schüttelte seinen Körper. Roderik verlor sich im Rausch, gab sein Ich auf, wurde eins mit dem Universum ...

‚RODERIK!’, drang jemand in sein Paradies ein.

Der Dämon knurrte.

‚R O D E R I K !’

Ein eisernes Band legte sich um Roderiks Seele und holte sie in die Gegenwart zurück. Wütend heulte er auf, wollte um sich schlagen, sich befreien. Doch er konnte sich nicht bewegen.

‚LASS MICH!’

‚Du bist eben von einer Überdosis menschlicher Angst getroffen worden’, vermittelte ihm Sarel.

‚LASS MICH FREI!’

‚Wenn ich dich freilasse, könntest du sterben.’

‚SO SCHNELL STIRBT EIN DÄMON NICHT! DIESER STOFF IST DER REINE WAHNSINN! ICH WILL MEHR DAVON! UND WENN ES MICH TÖTET, STERBE ICH EBEN!’

‚Nix da! Ich habe dich gerade als Anwalt engagiert. Ich lasse nicht zu, dass du dich in Gefahr bringst.’

‚Widerlicher Zwergenabschaum!’

‚Beschimpfe mich ruhig, Roddy.’

Der Dämon tobte noch eine Weile in den unsichtbaren, magischen Fesseln des Zwerges, dann setzte sich die Vernunft durch. ‚Du kannst mich jetzt loslassen.‘

Langsam und vorsichtig zog Sarel seine Gedankenausläufer von Roderik zurück, jederzeit darauf bedacht, sofort wieder einzugreifen, sollte sich der Dämon erneut dem Rausch ergeben. Doch dessen Abschirmung hielt.

‚Was ist passiert?’, fragte Roderik und öffnete einen Knopf seines Sakkos, weil er sich davon eingeengt fühlte.

‚Stromausfall’, antwortete Sarel knapp.

‚Na und?! Ein Stromausfall in diesem Gebäude würde kaum dazu führen, mich mit den Ängsten der Menschen zu überlasten.’

‚In ganz New York’, entgegnete der Zwerg und seine telepathische Stimme klang ironisch.

‚Wow ...’

Langsam wurde Roderik darauf aufmerksam, wie es den anderen Personen in dem steckengebliebenen Fahrstuhl ging. Es war stockdunkel, was weder den Dämon störte, der auch im Dunkeln sehen konnte, noch den Zwerg, der sich mittels seiner Zauberkraft einen Überblick verschaffen konnte. Die Menschen redeten wild durcheinander, manche hatten klaustrophobische Attacken, die sie immer mehr an den Rand der Hysterie brachten. Ausnahmsweise empfand Roderik so etwas wie Mitleid mit ihnen. Er war ja ausreichend gesättigt.

Besonders schlimm stand es um Maurice. Der junge Mann atmete unregelmäßig. Panik umnebelte seinen Geist. Aus einer Eingebung heraus zog Roderik ihn in die Arme und flüsterte ihm beruhigende Worte ins Ohr. Der Dämon ertappte sich dabei, dass es ihm zwar Spaß macht, Maurice einzuschüchtern, doch richtig leiden sehen, wollte er ihn nun auch wieder nicht. In seiner Not schmiegte sich Maurice an seinen Chef. Roderiks Schwanz, der sich noch in Habacht-Stellung befand, witterte augenblicklich seine Chance und richtete sich erneut zu voller Größe auf. Der Dämon rieb seinen Unterleib an Maurice. Sacht fasste er ihn ans Kinn und drückte Maurices Kopf zu sich nach oben. Die Lippen der Männer fanden sich zu einem Kuss. Maurice reagierte mit süßer Hingabe.

‚RODERIK!’, brachte Sarel den Dämon wieder zur Besinnung. ‚Nicht hier und jetzt.’

‚Ich muss mich abreagieren’, fauchte Roderik, doch der lästige Sarel zerrte telekinetisch an Roderiks Haaren. Dieser musste den Kopf heben und seine Lippen trennten sich von Maurices weichem Mund. Roderik knurrte unwirsch und einige Frauen im Lift kreischten ängstlich auf, während sich Maurice weiter an Roderik klammerte.

‚Später!’, beschied ihm Sarel.

‚Ach was! Ich verschwinde jetzt einfach mit Maurice.’

‚Du kannst vor Zeugen keinen Ortswechsel-Zauber vornehmen.’

‚Es ist dunkel! Niemand hier drin wird es bemerken.’

‚Und wie willst du den Ortswechsel Maurice erklären?’

‚Der ist sowieso halb weggetreten vor Panik.’

‚Also planst du, ihn von hier zu entführen und dann zu vergewaltigen?’

‚Verdammt, Sarel! Spiel dich nicht als mein Gewissen auf.’

‚Dein Liebesleben geht mich nichts an, aber es geht mich etwas an, wenn du leichtfertig mit unserem Inkognito umgehst.’

‚Schon gut. Mach wenigstens etwas Licht, damit die Menschen sich beruhigen. Ihre Panik nervt.’

‚Seit wann genießt ein Dämon wie du menschliche Angst nicht?‘, konterte Sarel mit ironischer Stimme.

‚Sehr witzig‘, grummelte Roderik.

Einige Lampen im Fahrstuhl flammten auf und lieferten ein Minimum an Licht. Sie wirkten wie eine Notbeleuchtung, waren aber magischen Ursprungs.

Die menschlichen Insassen des Lifts klatschten erleichtert in die Hände.

"Kann jemand Mal den Sicherheitsdienst rufen und fragen, wann es weitergeht?

---ENDE DER LESEPROBE---