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Antonio Congo, Häuptlingssohn und getaufter Christ aus dem afrikanischen Dorf Guimbata in der Nähe des unteren Kongo, spricht neben seiner Muttersprache portugiesisch und sogar etwas Latein, kann Lesen und Schreiben. Dies aber nützt ihm gar nichts, als er mit acht Jahren von Sklavenjägern geraubt wird und in die Fänge des brutalen deutschen Sklavenhändlers Barthel gerät. Doch Antonio hat Glück im Unglück. Der honorige hanseatische Kaufmann Schlüter nimmt ihn in Brasilien an Sohnes statt zu sich. Aus familiären Gründen muss Schlüter jedoch bald nach Hamburg zurückkehren. Antonio verlässt mit seinem Ziehvater Brasilien und wächst im Kaufmannshaus Schlüter auf. Er erlernt später den von ihm gewünschten Beruf eines Tischlers und findet auch sein privates Glück, aber das, was ihm wie vielen anderen Afrikanern angetan wurde, kann er nicht vergessen. Antonio geht auf die Suche nach dem Sklavenhändler Barthel. Mit ihm hat er noch eine Rechnung zu begleichen ...
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Seitenzahl: 328
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Christa Langer-Löw
Sein Weg von Afrika über Brasiliennach Hamburg und ins Weserbergland
Roman auf der Grundlageeiner historisch wahren Geschichte
Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation inder Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografischeDaten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2009 by R.G.Fischer VerlagOrber Str. 30, D-60386 Frankfurt/MainAlle Rechte vorbehaltenSchriftart: New Century 11°Herstellung: SatzAtelier Cavlar / NLISBN 978-3-8301-1247-1
Für Rahel und …
Im gleißenden Licht der Nachmittagssonne strahlte das Meer in der Allerheiligenbucht vor Bahia wie ein Leuchtfeuerteppich aus Milliarden funkelnder Diamanten. Weit draußen in der Bucht ankerten Handelsschiffe aus aller Welt und einige ihrer Beiboote schaukelten ohne den geringsten Hauch einer Windströmung gemächlich im Auf und Ab der kurzen Wellen am Kai. Die Fischerboote waren an Land gezogen. Der sonst so quirlige Hafen schien heute zu ruhen und auch die schmale Hafenstraße, in der sich die Handels- und Lagerhäuser vor der steil aufsteigenden Felswand dicht an dicht reihten, war menschenleer. In flirrender Hitze lag die Unterstadt Bahias genau so ausgestorben wie das Anwesen von Afonso Arrende auf einer weit in die Allerheiligenbucht ragenden Landzunge vor der Stadt.
Das große Tor an der Auffahrt zum Grundstück war fest verschlossen. Im Casa Mare, dem Herrenhaus, befanden sich außer dem Hamburger Kaufmann Carl Ferdinand Schlüter nur die Köchin Benta und die schwangere Küchenhilfe Kisa. Alle anderen Bewohner des Herrenhauses sowie der angrenzenden Sklavenhäuschen vergnügten sich heute, dem letzten Sonntag vor der Fastenzeit, beim Entrudo in der Oberstadt. Das für Schlüters Empfindungen überschwängliche Feiern mit unmäßigem Essen und Trinken an diesem Sonntag entsprach nicht seinem Naturell und somit hatte er die Einladung zum Entrudofest in Arrendes Stadthaus nicht angenommen. Außerdem war ihm sein dröhnender Kopf nach dem Fest im letzten Jahr noch in lebhafter und nicht angenehmer Erinnerung. Heute zog er es vor, den Tag mit dem Schreiben längst fälliger Briefe an seine Familie in der kühlen Halle des Hauses zu verbringen. Die meterdicken Mauern des Gebäudes ließen die Hitze draußen und weder von der Bucht noch vom Innenhof her drang ein Geräusch ins Haus. Selbst die sonst so geschwätzigen Papageien waren nach dem ersten morgendlichen Gezeter immer träger geworden und in der bleiernen Hitze des Mittags schließlich ganz verstummt.
Schlüter empfand die Ruhe als äußerst wohltuend und genoss es besonders, dass er in seinen Gedanken nicht durch Lärm oder andere Störungen unterbrochen wurde. Doch plötzlich schrillte aus dem Kellergeschoss die kreischende Stimme der Köchin Benta in die Sonntagnachmittagsstille der Halle. Bentas Schreiattacken waren für Schlüter nichts Neues und er nahm deshalb auch heute ihre gellenden Laute nicht ernst. Allerdings stellte er gleichzeitig fest, dass diese Zustände bisher niemals tagsüber vorgekommen waren, sie ereigneten sich stets nur nachts und besonders in Vollmondnächten, denn dann schienen Bentas afrikanische Dämonen und Geister ein besonders leichtes Spiel mit ihr zu haben. Der Tag sollte für Schlüter nicht so ruhig enden, wie er bisher verlaufen war.
Afonso Arrende, Eigentümer riesiger Plantagen, einer Reederei und mehrerer Häuser in Bahia, hatte Benta und Kisa vom Vorbesitzer dieses Anwesens übernommen. Die beiden Haussklavinnen bewohnten gemeinsam ein winziges Zimmerchen mit Guckloch zur Bucht im Untergeschoss zwischen Küche und Vorratskammer. Wie alle anderen Sklaven, war auch Benta gleich nach ihrer Ankunft aus Afrika hier in der Kapelle des Innenhofes vom hauseigenen Pfarrer Zephyrin getauft worden. Seit dem war sie eine fromme Katholikin und versäumte niemals auch nur eine Gebetsstunde. Sie sang inzwischen alle Kirchenlieder auswendig und mit ihrer gewaltigen Stimme übernahm sie gerne Solopartien. Es war aber auch kein Geheimnis unter den Bewohnern des Hauses, dass sie an verbotenen Treffen der Schwarzen in der Stadt teilnahm, um ihre Götter aus Afrika weiterhin zu ehren sowie die Riten und Tänze ihres Stammes zu pflegen. Und hinter der Hand wurde gemunkelt, dass sie sogar eine sei. Da sie aber neben ihrer Kochkunst auch wundersame Kräfte zum Heilen unangenehmer Krankheiten besaß, wurden ihre Eigenarten und Heimlichkeiten nicht nur toleriert, sondern sie war sogar innerhalb kürzester Zeit zur und im C aufgestiegen und ihrem Regiment unterstanden nicht nur die Küchenhilfen, sondern auch alle anderen Haussklaven. Als Comadre war sie Heilerin, Besprecherin, Beschwörerin und zugleich Hebamme. Sie stand nicht nur den schwarzen Sklavinnen beim Gebären bei, selbst die vornehmsten weißen Frauen Bahias ließen sie bei komplizierten Geburten, manche sogar vorsichtshalber bei den ersten Wehen, in ihr Haus holen. Ebenso wurden ihre besonderen Fähigkeiten bei verschiedenen Erkrankungen, die kein Medicus oder Chirurgus zu heilen verstand, hoch geschätzt.
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