Architectus Jenensis - Adrian Beier - E-Book

Architectus Jenensis E-Book

Adrian Beier

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Beschreibung

Eine Beschreibung der Jenischen Gebäude im 17. Jahrhundert. Dabei wird unter anderem auf die Stadtmauer, Teiche, Türme, Vorstädte, Gassen, Plätze, Schlosse, Mühlen, Wirtshäusern, Kirchen und die Universität eingegangen.

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Veröffentlichungsjahr: 2018

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Abbildung Der Jenischen Gebäuden Das ist: Die F. S. Residentz-Stadt JENA Nach ihren Umbfange / Mauren / Graben / Fischteichen /Zwingern / Thoren / Thürmen Glocken / Zeigern / Vorstädten / Gassen / Plätzen Wohnhäusern / Schlosse / Rathhause / Mühlen / Back-Schlacht- Maltz- Brau Häusern / Kellern / Garküchen / Gasthöfen / Wirthshäusern / Herbergen / Apotheken / Terminienhäusern / Spitälen / CapellenKlöstern / Tempeln oder Kirchen / Leich- und Grabschriften / Schulen / Collegien / Auditorien / Consistorien / Bibliothecken / Communität oder Convictorio und Mediciner garten #

Entworffen von aller derselben Lieb haber und Genüser M. Adrian Beiern Der Kirchen daselbst Archi-Diac.

Druckts und verlegts Samuel Adolph Müller /1681.

Verzeichniß der Capitel,

Wie sie in der Ordnung nach einander folgen.

Das 1. Cap.

Von der Fürstl. Sächs. Residentz-Stadt Jena Umfang

Das 2. Cap.

Von der Fürstl. Sächs. Residentz-Stadt Jena Mauren

Das 3. Cap.

Von der Fürstl. Sächs. Residentz-Stadt Jena Graben

Das 4. Cap.

Von der Fürstl. Sächs. Residentz-Stadt Jena Fisch-Teichen

Das 5. Cap.

Von der Fürstl. Sächs. Residentz-Stadt Jena Zwingern

Das 6. Cap.

Von der Fürstl. Sächs. Residentz-Stadt Jena Thoren

Das 7. Cap.

Von der Fürstl. Sächs. Residentz-Stadt Jena Thürmen in gemein

Das 8. Cap.

Von den Thürmen ausserhalb der Fürstl. S. Residentz-Stadt Jena

Das 9. Cap.

Von den Thürmen um der Fürstl. S. Residentz-Stadt Jena Mauren

Das 10. Cap.

Von den Thürmen in der Fürstl. S. Residentz-Stadt Jena

Das 11. Cap.

Von den Glocken in der Fürstl. S. Residentz-Stadt Jena

Das 12. Cap.

Von Uhrzeigern und Weisern der Fürstl. S. Residentz-Stadt Jena

Das 13. Cap.

Von der Johannis-Vorstadt

Das 14. Cap.

Von der Löbder-Vorstadt

Das 15. Cap.

Von der Saal-Vorstadt, oder Steinwege

Das 16. Cap.

Von der Zwezener-Vorstadt oder Pforten

Das 17. Cap.

Von den Gassen in der Ringmauer der Stadt Jena

Das 18. Cap.

Von den Plätzen und Planen in der Ringmauer in der Stadt Jena

Das 19. Cap.

Von den eigenen Wohnhäusern der Stadt Jena in gemein

Das 20. Cap.

Von den eigenen Wohnhäusern der Stadt Jena insonderheit

Das 21. Cap.

Von den weltlichen Häusern in Jena

Das 22. Cap.

Vom Fürstl. S. Schloß zu Jena

Das 23. Cap.

Vom Rathhauß zu Jena

Das 24. Cap.

Von den Mühlen der Stadt Jena

Das 25. Cap.

Von den Back- Schlacht- Maltz- und Brau-Häusern in der Stadt Jena

Das 26. Cap.

Von den Kellern der Stadt Jena

Das 27. Cap.

Von den Jahr-Küchen, Gast-Höffen, Wirths-Häusern oder Herbergen in der Stadt Jena

Das 28. Cap.

Von den Apotheken der Stadt Jena

Das 29. Cap.

Von Terminier-Häusern und Spittalen in Jena in gemein

Das 30. Cap.

Vom Studenten-Spittal

Das 31. Cap.

Von dem Siech- oder Jacobs-Spittal

Das 32. Cap.

Vom Brüder- und Nicols-Spittal

Das 33. Cap.

Vom Weiber- oder Marien Magdalenen-Spittal

Das 34. Cap.

Von den Capellen zu Jena

Das 35. Cap.

Von Klöstern zu Jena in gemein

Das 36. Cap.

Vom Carmeliter-Kloster

Das 37. Cap.

Vom Pauliner-Kloster

Das 38. Cap.

Vom Michaels- oder Nonnen-Kloster

Das 39. Cap.

Von der Michaels-Kirchen

Das 40. Cap.

Von den Gräbern der Michaels- oder Pfarr-Kirchen

Das 41. Cap.

Von Leichsteinen und Grab-Schrifften in der Pfarr-Kirchen zu S. Michaels

Das 42. Cap.

Von Epitaphiis oder Lob-Schrifften derer in dieser Michaels- oder Nonnen- nunmehr aber Pfarr-Kirche begrabenen

Das 43. Cap.

Von der Pauliner- Collegen- oder Universität-Kirchen

Das 44. Cap.

Von den Leichsteinen in der Pauliner- oder Collegen-Kirche

Das 45. Cap.

Von Epitaphien und Lob-Schrifften

Das 46. Cap.

Von der Johannes des Täuffers Kirchen auf dem Gottes-Acker

Das 47. Cap.

Von Leichsteinen in der Johannes- oder Gottes-Acker-Kirchen

Das 48. Cap.

Von Epitaphien und Leich-Schrifften in der Johannes- oder Gottes-Acker-Kirchen

Das 49. Cap.

Von Gottes-Acker zu Jena

Das 50. Cap.

Von Leich-Steinen und Epitaphien oder Grab-Schrifften auf den Gottes-Acker und Johannes-Kirchen in Jena

Das 51. Cap.

Von der Stadt-Schule zu Jena

Das 52. Cap.

Von dem Collegio der Universität Jena

Das 53. Cap.

Vom Consistorio der Universität in Jena

Das 54. Cap.

Von den Auditorien in der Universität zu Jena

Das 55. Cap.

Von der Bibliotheca im Collegio Academ. zu Jena

Das 56. Cap.

Von der Communität uff der Universität Jena

Das 57. und letzte Cap.

Von dem Medicinischen Garten im Collegio Academico

J. J. Nach Standes Gebühr hoch und viel zu ehrender Leser.

Demselben ist vor etzlichen Jahren ein Büchlein, Geographus Jenensis benamt, vorgelegt und communiciret worden, dessen Annehmligkeit dahero abzunehmen, daß solches bald hernach anderweit auffgeleget und zum Druck befodert werden müssen. In welchem beschrieben worden die Gegend der F. S. Residentz- und Universität Stadt Jehna, oder die umliegende und angräntzende Oerter derselbigen. Und weiln durch Veranlassung dessen, bey vielen eine Begierde entstanden, den Ort, um welchen andere so nahmhaffte, und von vielen denckwürdigen Begebenheiten bekant wordene Plätze gelegen, dermahl einst selbst, und zwar durch eben den Autorem vorgestellet zubekommen, als von deme Sie gute Nachricht aus obigen vermuthet, und solches nicht nur ein, sondern unterschiedliche mahl an Ihn gelanget, von andern auch ein mehrers, und insonderheit ein Jahr-Buch oder so genante Jehnische Chronica verlanget worden, hat Er solches Ihm vor eine sonderbare Ehre geschätzet, und bewegen lassen, aus seinem promptuario, wie man es nennen möchte, oder denen von Ihm also genanten Athenis Salanis, nach seinem unermüdetem Fleiße dergleichen heraus zuziehen, und in Teutzsche Sprache zu übersetzen, darmit Er Gelehrt- und Ungelehrten, und also desto mehrern Leuten nach seinem verliehenem Pfunde dienen möchte. Inmassen denn die Annales in unterschiedenen Bänden, nicht alleine affectiret, sondern bey nahe zum Stande bracht, wenn anders dergleichen Geschicht-Bücher eine Endschafft erreichen können, deren materia oder Zugang unerschöpflich ist. In seinem hohen Alter noch, hat Er sich an den von ihme selbst also genanten Architectum Jenensem gemachet, an vielen Orten eingetragen, was etwa merckwürdig, und seind der Verfassung wargenommen worden, solches mit eigener Hand umgeschrieben und zum Druck verfertiget. Eine Arbeit, deren sich einer von solchen Jahren, mit Amts- und Hauß-Geschäfften sonst beladener Greiß (denn Er solches in seinem 74. Jahr verrichtet) nicht leicht unterziehen wird, nicht allen auch die Inclination und Gaben darzu verliehen sind. Dem Verfasser aber dieses gegenwärtigen Büchleins hat nicht allein die gütige Natur eine sonderbare Zuneigung vielerhand alt und neuer Geschicht zu erforschen und beschreiben eingepflanzet, sondern auch das Geschick selbsten das seine herbey getragen, und ihn gleichsam mit gutem Bedacht an einen solchen Ort gesetzet, deme es weder an alten noch neuen, und einer ausführlichen Beschreibung wolwürdigen Geschichten ermangelt. Wie denn eben die Zeit in deme zutreffen, und Er mit diesem 17den Seculo jung werden müssen, denn Er den 9. Aug. 1600. gebohren, damit beydes die verjungte Welt zu neuen Begebenheiten fruchtbar, es am Zeuge zu schreiben nicht ermangeln, als auch dieser künfftige Geschicht-Schreiber alles selbst mit anschauen, theils selbst mitleiden und verrichten helffen könne, und bey wachsenden Leibs und Gemüths Kräfften uffs fleissigste auffzuzeichnen, sich nicht verdrüsen liese. Damit ihme dann um so weniger Gelegenheit zur Sache gebräche, hat nicht allein geschehen müssen, daß Er bey die sechzig Jahre, eine wenige Zeit, die Er in seiner Jugend zu Anschauung ander Oerter angewendet, abgezogen, beständig allhier zubrächte, sondern auch ein dergleichen Ehren-Amt bedienete, dem so gar keine Veränderung menschlicher Fälle, der Geburth, Ehestandes, Kranckheit und Absterbens verhohlen bleiben können, daß vielmehr eine versamlete Christl. Gemeinde durch ihn und seines Amts-Genossen, deren öffentlich berichtet werden muß. Sein Stand gab Anlaß, mit literatis und denen Herren von einer wol-löbl. Universität zu conversiren, sein Haußwesen hieß ihn mit der Bürgerschafft, und nach Gelegenheit auch mit Bauren umgehen. Sein Amt schaffte, daß ihme Thür undThor zu Tag und Nacht offen stunden, damit ihme auch in deme, was den Augenschein erfordert, nichts abginge, den mündlichen Bericht daraus zu bestärcken, wie denn niemand gewesen, der ihn nicht auf Begehren gern berichtet, sondern auch von freyen Stücken was ihme bewust angebothen, als wolte man bey ihm eine Vorraths Kammer und Magazin aufrichten, da mans uffn Bedarff strack finden könte. Solche affection hoher und niederer Personen verursachte in ihm eine sonderbare observanz und Gegen-Liebe zu allen, und der Segen Gottes, den Er diß Orts genossen, verband ihn zu einer Danckbarkeit, die er anders nicht gewust besser an Tag zu geben, als durch tägliche Uffzeichnung sich dessen immer selbst zuerinnern, durch Verfassung gewisser Schufften, ein beständiges Andencken bey den seinigen zu erhalten, auch so viel an ihm, die jenigen so um und bey uns wohnen, oder nach uns auffkommen werden, dessen mit zu berichten, alles zu des Höchsten Lob, diesem guten Ort zu Aufnehm- und Ehren, und der darinnen jemahls befindlichen tapffern Leute zu schuldigem Nachruhm. Solchem nach hat Er sich vorgenommen, unter dem Namen Athenarum Salanarum, vermuthlich zur Nachfolge des berühmten Niederländers Dominici Baudii, der ehemahls Athenas Batavas, und darmit die Universität Leyden in Holland beschrieben, den allhiesigen Ort, und darinnen zuförderst die Leute, welche denselben entweder bewohnet oder doch beherrschet, so denn auch die Geschichte, welche die Einwohner und deren Obrigkeit theils selbst verrichtet, zum Theil sich mit ihnen oder zu ihrer Zeit begeben haben, zusammen zu tragen und in Lateinischer Sprache zu beschreiben, worzu die lange Zeit, unveränderliche Wohnung dieses Orts, und allgemeine conversation, deren oben gedacht, wie auch sein unermüdeter Fleiß und innerliche Zuneigung das ihrige gethan. Er war auch bereits im 1642. Jahre so weit gediehen, daß Er dem Werck seine vollkommene Gestalt geben, und in sieben Tomos eintheilen können, und durffte nunmehr nicht, als was sich unter der Hand begeben, solches, gleich einer Bienen, gehörigs Orts eintragen. Ich kan Zeuge seyn, daß Er nicht unterlassen, so bald er des Sontags aus der Früh-Predigt zu Hause gelanget, das jenige so auff Verordnung und nach eingeführtem Brauch, eine wollöbliche Universität öffentlich anschlagen oder austheilen lassen, an seine ordentliche Stelle zu bringen, und was ad historiam academicam gehöret, auszuzeichnen, ehe denn er einen Bissen Speise genossen, damit ja nach der Mahlzeit nicht etwas anders in Weg käme, so ihn hieran verhindern könte, es musten so gar über die programmata Register gemachet seyn, kein carmen ward ausgetheilet, welches doch mancher wol ehe zu andern Brauch zu verwenden pfleget, das er nicht auffgehoben, und absonderlich verwahret, weil es ad notitiam historicam, wie er pflegte zu antworten, dienete. Hierdurch nun wuchsen seine collectanea, daß vieler Orten der, bey der Eintheilung gelassene Raum nicht zugelanget, sondern appendices, paralipomena und dergleichen gemachet werden müssen. Mit dieser seiner Arbeit nun, war er so eisern oder eckel nicht, daß er auff Ersuchen vornehmer Leute, derer Schedulæ noch in guter Anzahl bey handen, denen nicht solte gedienet und gantze Tomos, mit eingelegten Zeichen, wo jedwedes verlangte zu finden, willigst solte zu Hauße geschicket haben, wodurch er manchen Danck, und den Nahmen eines fleissigen und sorgfältigen antiquarii bekommen, daß von seinen Schrifften viel sagens gewesen, und selbige von Einwohnern und Auswärtischen verlanget worden. Nachdem mahl aber der bereits beniemte Anwachs der Materien und Bücher den Autorem vermuthen heissen, daß solches auf einmahl zu verlegen, eben so schwere Kosten, als Mühe dem Verfasser gestehen würde, es auff einmahl also einzurichten, wie es die Würdigkeit der Sache erfordert, so hat er beydes theilen und leichter machen wollen, dannenhero vor vielen Jahren schon einen Vortrab unter dem Nahmen Syllabus Rectorum & Professorum sehen lassen, deme denn ein dergleichen Syllabus Judicum in Curia provinciali, Ordinariorum in Facultate juridica wie auch Pastorum & Diaconorum in Ecclesia beygefügt gewesen. Deme eine Zeit hernach der Geographus Jenensis gefolget, weisende die Gegend, wo der Ort gelegen, davon mit solchem apparatu gehandelt werde, und folget numehr seine Gestalt und Ansehen, so viel die Gebäude und Situation belanget. Was aber noch zurück, sind (1.) Magistratus Jenensis (2.) Ecclesiastes Jenensis, oder die Stadt Jena, nach dero hohen und niedern Obrigkeit, so wol religion und Gottesdienst, welches beydes gewesen, ehe und bevor das Kleinod der Universität dahin verleget worden. So dann erst würde kommen (3.) Plantator Academiæ Jenensis, so wol (4.) Rector und (5.) Professor Academiæ Jenensis, ausführlicher als in dem obvermeldetem Syllabo, und (6.) der Promotor academicus den Trupp der Personen schliessen, damit (7.) der so offt erfragten Jehnischen Chronik Platz gemacht, und nach solchen annalibus Jenensibus endlich (8.) mit der Thuringia antiqua-nova beschlossen werden könne, wie denn solche bereits in Teutzscher Sprache überbracht, ausgezogen, in sechs Bücher eingetheilet vorhanden. Wie es aber mit Verfassung dergleichen Historischer Bücher zugeschehen pfleget, daß man nimmer alles bey sammen, und da auch gleich die alten Geschichte aufs fleissigste verzeichnet wären, sich ehe etwas neues zugetragen müste, das auffzuzeichnen wäre, also ists auch dem Urheber obiger Bücher und dieses gegenwärtigen Werckleins insonderheit ergangen, an seinem müglichen Fleiß hat er nichts erwinden lassen, wie ihme der Leser selbst wird Beyfall geben. Aber er ist ein Mensch gewesen, vor welchem sich leicht etwas verborgen halten, und er es über gehen, oder es hat sich ihme unvollkommen und unter einer duncklen Gestalt vorstellen, und er es anders als es in Warheit gewesen, ansehen und erkennen, dahero im urtheilen darüber irren und fehlen können. Es fehlet in solchen alten Geschichten entweder an besserer Nachricht, oder, man kan sich derer so man gebrauchen muß, nach verlangen und wie es seyn solte, nicht bedienen, wenn alte unleserliche Schrifften unter die Hände kommen, wenn man anderer Leute mündlichen Bericht trauen muß, ja es fehlet öffters an der Zeit, einem Dinge vorher besser nachzusinnen, solches zu ergründen, eigentlich vorzustellen, und gnug geschickte Wort dazu zu finden, oder nachgehends ein und anders besser einzurichten. Endlich übereylet uns der Tod, daß, was wir hätten thun sollen oder wollen, andern überlassen müssen, so entweder unserer Meinung nicht berichtet, oder der Sache so wenig als wir, recht kundig sind, oder es nicht wagen mögen. Vor mich gestehe ich, daß mir des Verfassers Person heilig, und seine Arbeit bey mir, der ich unter seiner Hand auferwachsen, iedesmal in solchem concept gewesen, daß ich was daran zu endern, vor bedenklich gehalten. Denn so viel historica belanget, bin ich sein Schüler, und muß von ihm lernen, so viel den Vortrag und führende Redens Art betrifft, ist sein stylus ausser dem bekant, wie nicht weniger sein aufrecht Teutzsch Gemüth, als einem historiographo und theologo nicht wol anderst zukömmet. So hat er vor sich verträglich gelebt, und niemals gesucht mit Wercken oder Worten iemand zu reitzen, wolte auch nu nicht wol heraus kommen, über ein Wort mit einem Toden sich zu ärgern. Wiewol mich doch solchen Fleisses im durchlesen nicht rühmen kan, daß mir dergleichen mochte vorkommen seyn, dar sich ein Vir cordatus solte anstossen mögen. Solte gleichwol etwas anzutreffen seyn, welches der Historischen Warheit unähnlich, und iemand eines bessern gründlich berichtet wäre, der wolle so gütig seyn, und uns dessen theilhafft machen, es soll mit rühmenden Danck erkennet werden. Solte sich etwas finden, dadurch mancher gedencken möchte, daß seinem Recht und Parthey etwas zugelegt sey, der wisse, daß solches præter intentionem Autoris geschehen, wie ihme denn niemand wolle zutrauen, daß er iemanden etwas abzusprechen gesinnet gewesen, denn er keinen JCtum sondern Historiographum abgeben, und nicht Jura, sondern facta tractiren wollen. Düncker manchem, ein factum sey nicht lob-würdig, und er selbst daran interessiret, und hätte lieber gesehen, daß es stillschweigend übergangen worden, der wolle bedencken, wie das Amt eines Geschichtschreibers nicht an eitel gute Wercke gebunden, sondern wie er sie findet, so nimt er sie, und wissen wir ja alle, daß ein ieder unter uns kein Engel, sondern menschlichen Gebrechen unterworffen sey. Man melde sich nur selbst nicht vor aller Welt, durch bezeugtes Unvergangen über solcher Schrifft, warum verdreußt uns, daß von andern gedacht wird, welches zu thun wir uns nicht geschämet? Ist aber aber einer, der sich durch Lästerung an dem Verstorbenen, oder durch Beschädigung an dessen Nachbliebenen zu rächen dencket, der schone lieber seyn selbst, denn die Läster-Zunge wird von der Erbarn Welt beschämet werden, der Verfolger aber des Höchsten-Rache nicht entgehen. Es verstehet sich aber der Vorredner zu jedwedem des Besten, und wil, neben des Verfassers Arbeit, auch seine Person des Lesers gütigem Wolwollen, einen aber mit dem andern des Höchsten Schirm befohlen haben.

Architectus Jenensis

Abbildung

Der Jenischen Gebäuden.
Das erste Capitel,Von der Fürstl. S. Residentz-Stadt Jena Umfang.

Unlängst hat sich sehen lassen unser Geographus Jenensis, oder die Abbildung der Jenischen Gegend, Grund und Bodens, das ist die Stadt Jena beschrieben nach ihrem Nahmen, Lobe, Ursprung, Alter, Unfälln, Patronen, Lage, angräntzenden Ländern, Städten, Marcktflecken, Schlössern, Dörffern, Wassern, Brunnen, Bächen, Strömen, Brücken, Bergen, Thälern, Haynen, Höltzern, Forsten, Weidichten, Feldern, Wiesen, Ahräckern, Wein-Obst und Kraut-Gärten.

Nunmehr kömmet herfür unser Architectus Jenensis, oder die Abbildung der Jenischen Gebäuden, das ist, die Stadt Jena beschrieben nach ihrem Umfange, Mauren, Graben, Fisch Teichen, Zwingern, Thoren, Thürmen, Glocken, Uhr-Weisern oder Zeigern, Vorstädten, Gassen, Plätzen, Wohn-Häusern, Schlosse, Rahthause, Mühlen, Back- Schlacht- Maltz- Brau- Häusern, Kellern, Garküchen, Gasthöfen, Apotheca, Terminien-Häusern, Spittaln, Capellen, Clöstern, Tempeln oder Kirchen, Gottes-Acker, Leichsteinen, Grabschrifften, Epitaphien, Schulen, Collegien, Auditorien, Bibliotheca, Convictorio oder Communität, Medicinischen Garten. Von diesen allen soll ordentlich gehandelt werden.

Nach dem Umfang ist die Fürstl. S. Residentz-Stadt Jena zu betrachten. Andere Historici und Topographi, Geschicht- und Ort-Beschreiber, mögen sich verlieben an andern grossen Städten, solche zu beschreiben, entweder die Stadt Aglar, Aquilegia in Friaul, (in foro Julii) welche die andere Stadt Rom, und Sitz der Römischen Keyser genennet wird. Oder die Stadt Eri in Persien, welche die Persianer, wegen vieler wohlriechender Rosen, genennet die Rosen-Stadt. Oder die Stadt Malaca in Ober-India, welche wegen ihres Meerhafens vor das centrum commerciorum, das ist, vor den Mittelpunct, Grund und Boden der Kauffmannschafft gehalten wird. Oder die Stadt Rom, welche weyland gewesen ist ein Haupt der Welt, ein Schloß der Könige, ein Licht der Völcker, und ein Schirm aller Länder. Oder die Stadt Hispahan in Parthien, welche von den Persiern vor den halben Theil der Welt geachtet wird. Oder die Stadt Pariß, und Rothmägen (Rouan) in Frankreich. Als ihr König Franciscus I. vom Keyser Carolo V. gefraget wurde, welches die gröste Stadt darinnen wäre? Antwortet er: Rothmägen. Als der Keyser weiter fragte, was er dann von Pariß hielte? Gab er zur Antwort: Pariß sey nicht eine Stadt, sondern vielmehr ein gantzes Land. Wie solches vermeldet Petrus Matthæus in Historia Heinrici IV. Gall. R. lib. 6. Oder Erffurt in Thüringen, welches die Bauren heissen: Das gantze Land.

Ich will mich an meinem lieben Jena verlieben, und mich mit ihr gleichsam verloben. Sie ist weder zu klein, noch zu groß, sondern eben recht. Kleine Städtgen oder Marckflecken sind einem Dorff ähnlicher, als einer feinen Stadt. Churfürstens von Sachsen Friderici des Dritten dieses Nahmens, und der Weise genannt, kurtzweiliger Rath, Claus von Ranstädt, soll von Ranstädt, seinem Vaterland, im vorüber-reiten, einsmal diese Schimpff- und Schertz-Rede gesagt haben: Pfuy dich, du garstige Stadt, wie ein schönes Dorf wärest du. Julius Wilhelm Zingkräff hat viel seiner weisen und klugen Reden aufgezeichnet, und einverleibet den Apophthegmaten Teutscher Nation, oder sinnreichen Reden im ersten Theil, p. 375. 386. mit dieser Uberschrifft: Claus von Ranstädt in Meissen, Churfürstens Friderici III. von Sachsen, Narre.

Grosse Städte sind gleich der Miltz, iemehr die im Leibe zunimmet, iemehr nehmen die andern Glieder abe, welches weiland von der Stadt Bizantium, hernach Constantinopel genannt, der Kirchenlehrer Hieronymus, und von der Stadt Londen in Engeland, gesagt hat Thomas Lansius in Orat. contra Britan. p. 700. Denn dieweil diese Stadt Londen zur Zeit des Gvilhelmi Normanni hat viertzig tausend Fußgänger, und zwey tausend Reuter können hergeben, und noch hundert und ein und zwantzig Kirchen (so viel die Stadt Rom nicht) gezehlet, so ist die Rechnung leichtlich zu machen, daß in derselben Gegend, und üm sie herüm, wenig grosse Städte zu finden und zu zählen seyn.

Der Umfang der Stadt Jena, nicht nach seinen Vorstädten, sondern nach seinen Zwingern, Mauren und Graben, ähnlichet keinem länglichen Ey, wie die Stadt Ulm in Schwaben, auch keiner runden Boßkugel, sondern sie ist viereckigt.

(Die Stadt Rom ist anfangs Circkelrund, darnach viereckicht erbauet gewesen. Demsterus ad Antiquit. Roman. Rosini l. 1. c. 2.) Europa ist das vierdte Theil der Welt, des kugel-runden Erdkreises, darinnen Teutschland, und in Teutschland Thüringen liegt, und in demselbigen unsere Stadt Jena, und hat an sich die Gestalt eines fliegenden Drachens, wie Strabo schreibet, oder eines sitzenden Weibesbilds, wie Cluverus will: Dessen Haupt Hispania, Der Hals Franckreich, der Leib Teutschland, Der Bauch Polen, Der rechte Arm Italia oder Welschland, Der Lincke aber Engeland, Schottland, Irrland, Dennemarck, Schweden, Norwegen. Die anderen Landschafften sind unter ihrem Rock, oder Kleidern ausgebreitet. Henr. Schævius in seiner Geographi fol. 3.

Das Meissen-Land liegt in Gestalt eines Trianguli oder Dreyangels. Venedig in Gestalt einer Lauten oder Leyer. Gallia oder Franckreich in Gestalt eines Brettes, darauf die Ruder gebunden werden. Das Königreich Arragonia in Gestalt der Fußstapffen eines Menschen. Die gantze Welt oder Erdkreiß in Gestalt eines Reitrockes, (instar Chlamydis) M. Herm. Oelschlegel in Imaginum Hierogl. 49. Die alte drey-theilhafftige Welt: (Europa, Asia, Africa) in Gestalt eines Kleeblats, in dessen Mitten der Stiel die Stadt Jerusalem. Welches Kleeblat ist der Stadt Hanover in Sachsen, meines Vaterlandes, Wapen. Also schreibet M. H. Bünting. in Itineratio SS. Scripturæ p. 1. fol. 4. Belgium, oder Nieder-Teutschland, hat die Gestalt eines Löwens. Hispanien hat die Gestalt einer ausgespanneten Kuh- oder Ochsen Haut. Schlesien hat die Gestalt eines Wechsel-Tisches oder Rechen-Banck (instar Trapezii). Italia, oder Welschland, hat die Gestalt eines Eichblats. Peloponesusi (Morea oder die Peninsulen in Achaja) hat die Gestalt eines Blats an Ahorn. Die Anfurt bey einer Stadt in der Landschafft Calabria hat die Gestalt eines Hirsch-Geweihes. Das Meer Genezareth in Galilæa hat die Gestalt einer Zitter. Das Morgenländische Meer hat die Gestalt des Buchstabens Y (Literæ Pythagoricæ.) Oelschlegel d. l. Hierogl. 49.

Wenn ich den Umfang der Stadt Jena, nach ihren Mauren, Graben und Vorstädten, verblümter Weise beschreiben sol, wolte ich es vergleichen einem fliegenden Adler, oder anderem Vogel, der von Abend aus dem Mühlthal, gegen Morgen nach dem Jänzig-Berge, von Niedergang gegen Aufgang der Sonnen seinen Flug nehme. Der Kopff wäre der Steinweg, als die Vorstadt vor dem Saalthor, der Leib, die Stadt innerhalb der Mauer. Der rechte Flügel wäre die Vorstadt vor dem Löberthor, der lincke Flügel aber, die Vorstadt vor der Pforten oder Schloßbrücken. Der Schwantz were die Vorstadt vor dem Johannisthor.

D. Conradus Dieterich, Lib. 1. de conscribendis Orationibus c. 10. p. 105. schreibet von der Stadt Giessen in Hessen, (in welcher auch Musæ und Gratiæ, die freyen Künste und Christliche Tugenden wohnen) daß sie in einer Stunde könne ümgangen werden. Den Umfang der Stadt Jena, nach den Mauren, dreyen Thoren und einer Pforten, kan einer in einer guten halben Stunde, aber nach den vier Vorstädten, kaum in zwey Stunden ümgehen. Wer solchen Spatziergang wil zur Lust vor sich nehmen, der gehe durch das Lobderthor, nach der Neugasse durch das neue Thor, begebe sich nach dem Leuterbach hinan zum Lotter- oder Leuterborn, von dannen nach den Oel- und Walck- Mehl- und Pappier-Mühlen, auf die Landstrassen herein zu dem unlängst (A.C. 1668. den 29. Junii) abgebrochenen Gemäuer des Erffurtischen Thurms, auff die lincke Seiten hinan zu dem Critzgraben, nach dem Campo Philosophico, und dem Siech Spittel zu S. Jacob, von dannen durch das Zwetzener-Thor hinter dem Gasthof zum schwartzen Beeren, nach dem S. Niclas-Brüder- und Studenten-Spittel, über die kleine Saalbrücken, auff die lincke Hand nach den Gerbers-Häusern und Wiesen-Grund der Insul. Umgehe dieselbige nach dem rechten Arm des Saalstrohms heran zu ihrem Wehr und Land-Veste, die Frauen-Gassen hinein auf den Stein-Weg, bey der Badstube, Weiber-Spittel und neuen Schlachthause gegen die Krietgassen nach den Paradiß-Wiesen, auf den neuen Bau, durch das neue Thor herein.

Diß wird ein lustiger Spatziergang seyn üm die gantze Stadt Jena, und üm ihre vier Vorstädte, auf zwey gute Stunden, so das Wetter gut ist, früh oder gegen Abend, im Frühling, Sommer und Herbst. Da wird er hören die Vögel singen, da wird er beyde Arm des Saalstrohms sehen fliessen, und darinnen die Fische schwimmen, und offt springen, da wird er seine Augen weiden an den hohen Bergen, an den tieffen Thälern, an den grünen Wiesen, an den lustigen Weidichten, an den wohlbestellten Feldern, an den schönen Wein- Obst- und Kraut-Gärten.

Von solchen und dergleichen Spatziergang sonderlich durch das Paradiß und das Weidicht, hat M. Joh. Stigelius, Anfangs zu Wittenberg, hernach allhier zu Jena Professor und zwar A.C. 1548. den 19. Martii, der erste, solche Andachten aufgesetzet, in Lib. 5. Elog. 50.

Qui nemora a hæc transis, & culta vireta, viator,

atg hæc herbosi cana salicta soli,

Garritûsque audis avium ling vasque sonoras,

Et sparsum doctô gutture dulce melos.

Contemplare animo, quid simus, & unde volucres,

hinc aliquid, mentem, quod juvet, esse potest.

Vivimus immunes curarum, & nescia culpæ

turba, piæ volucres, innocuumque genus.

Cantando extrahimus quantum Deus annuit ævi,

& celebrat verum vox quoque nostra Deum.

Sic erit æternæ ratio placiddissima vitæ

ante Deum, electis gaudia plena ferens.

Aures simplicitas dulces meditabitur hymnos

præsentem gaudens concelebrare Deum.

Vita fovens alacres gaudendo inno xia mentes,

Lætitiæ æternæ regula semper erit.

Vera Deum pleno spectans sapientia fructu

gaudebit summum docta videre Deum.

Grata Deum dulci concentu Ecclesia laudans,

perpetua æternæ gaudia pacis aget.

Hoc tibi dum nostri monstramus imagine cantûs,

auribus an duræ possumus esse tuis?

Von dem Spatziergang aus Jena über die beyden Saalbrücken, durch die Dörffer Cambsdorff und Wenigen-Jena, durch den Thalstein nach dem Marcktflecken Cunitz, auf den Gleißberg und niedergerissenem Schloß, singet er und saget also zu seinem damahls verhofften Collegen M. Victorino Strigelio, P.P. und ersten Decano der Philosophischen Facultät, Vol. 2. Poëmat. Lib. 3. Eleg. 20. p. 183.

Per varias rupes, per tot ludibria venti

speratâ, mentis victor in arce steti.

Et gaudens patriæ thesauros cernere terræ,

subjectas oculis sum licitatus opes.

Thessala miretur, miretur & Itala Tempe,

Ebria Pegaseis Musa Maronis aquis.

Pax modo non desit, frugali candida vitæ

hic mihi, & hic Musis non aliena domus.

Hic ego Pegaseas Christi servire Camœnas,

hic faciam numeris astra sonare meis.

Quod si etiam mecum mi Victorine suisses,

jampoterat penitus Jena placere tibi.

Sed placet, hocque unum tibi Vir doctissime, cordi est,

hoc Christo ut possis grata docere polo.

Sint magni, quicung nihil nisi magna loqvuntur,

nos juvet esse Deo, quod jubet esse Deus.

Nil vitæ utilius, nil Christo gratius ipsi,

quam memorem officii quemlibet esse sui.

Das ander CapitelVon der Fürstl. S. Residentz-Stadt Jena Mauren

Nach den Mauren ist die Fürstl. S. Residentz-Stadt Jena zu betrachten. Denn bey einer Stadt finden sich ihre Theil und ihre Häuser. Jene sind zufälliger Weise die Mauren und die Vorstädte, fürnemlich aber die Gassen und die Plätze. Diese sind in gemein die Nähr- und Wohn-Häuser, insonderheit die Lehr-Häuser, als Kirchen und Schulen, so wohl die Wehr-Häuser, als Rath- und Gerichts-Häuser.

Die Mauren machen eigentlich keine Städte, sonst müsten viel Städte in Engelland und Teutschland, auch weyland zu Sparta bey den Lacedæmoniern, keine Stadt gewesen seyn. Als ihr König Agesilaus gefraget wurde, warüm seine königliche Stadt Sparta nicht ümmauret were? Der Bürger Tapferkeit, sagt er, ist ihre Mauer. Die Stadt Bamberg in Francken ist ohne Mauer und Wall weiland gewesen, weil Kunegunda, Keyser Heinrich des II. Heiligen und Lahmen Gemahlin mit einem seidenen Faden sie soll ümzogen, und in ihr patrocinium und Schutz genommen haben. Cluten. in Sylloge rerum quotidian. thes. 24. Dannenhero wird sie noch anitzo von den Päbstlern genennet der Seidene Faden, Schnur oder Band der heiligen Kunegunden. Bruschius in Catal. Episc. German. Diesem Bißthum hat gemelter Keyser die 4. weltlichen Churfürsten des Reichs, auff gewisse Maße, zu Lehnleuten gemacht, welche auch von ihm, durch ihre Vicarien solche Lehen empfahen. Als der Böhme durch die Auffsäße, Der Pfältzer durch die Pommersfelder, Der Sachse durch die Ebner, und der Brandenburger durch die Rotenhahn. Joh. Limnæus aus Jena, eine Zierde seines Vaterlandes, Tom. III. Jur. Publ. lib. 3. cap. 7. n. 77. 78. p. 86.

Die Mauren der Stadt Jena sind gebauet nicht von Kreyden, wie die Stadt Cano in Africa. Auch nicht von Holtze, wie etliche Städte in Moscau, welche mit hohen Zäunen und starcken Pfalen befestiget seyn. (Die Athenienser haben sich uff Befehl des Oraculi Pythiæ und nach des Themistoclis Auslegung, in höltzernen Mauren, das ist, in Schiffen wieder Xerxem, der Persier König beschützet.) Sondern von Steinen, nicht von künstlichen Ziegelsteinen, wie die Kornstädte Pithon und Raemses in Aegypten, uf Befehl des Königes Pharaonis Omenophis, erbauet wurden, nicht ohne unerhörte neue Frohndienste der Israeliter, Exod. 1. v. 8. 14. Und hernach anfangs die Stadt Rom, von welcher C. Octavius Cæsar Augustus, der andere Römische Keyser den Spruch, und Lob-Wort zuführen pflegte: Rom habe ich funden auffgebauet von Ziegelsteinen, und hinterlasse sie ausgebauet von Marmelsteinen. Lateritiam inveni, marmoream Romam relinquo.

Die Mauren der Stadt Jena sind gemacht nicht dreyfach, wie zu Constantinopel in Thracien. Auch nicht siebenfach, wie zu Campanel im Indischen Königreich Cambaja, sondern einfach, auswendig mit tieffen Graben, inwendig mit Zwingern, darbey drey Thore und eine Pforte. Durch jene gehet die Landstrasse, durch diese allein der Fußsteig.

Die Mauren der Stadt Jena sind nicht etwan gestern oder ehegestern auffkommen, sondern haben nun eine lange Zeit gestanden. Vielleicht ist Jena noch ehe ümmauret gewesen als Leipzig in Meissen, und Eisenberg im Osterlande. Welche Marggraff Otto zu Meissen, Laußnitz und Osterland, der Reiche genant, hat ümmauren lassen, und ist gestorben A.C. 1189. Denn A.C. 1353. hat Landgraff Friderich zu Thüringen, Marggraff zu Meissen, Osterland und Landsberg, Graff zu Orlamünda und Herr zu Pleissen, dem Rath und Bürgern zu Jena die Vollmacht gegeben, die Stadt auswerts der Mauren gegen dem Saalthor zu befestigen, und mit Einwilligung der Clerisey die Niclaß-Capell und Spittal zu bauen. Daraus folget, daß sie auch domals an andern Orten ist ümmauret und befestiget gewesen.

Die Mauren der Stadt Jena sind baufällig, bedürffen einen andern Demosthenem, Ctesiphonetem und Æschinem. Der erste besserte die Mauren zu Athen, thäte aber keine Rechnung. Der andere erkandte dem Demostheni eine güldene Krone zu. Der dritte klagte den Ctesiphontem an, daß er dem Demostheni eine güldene Krone hette zuerkandt, ehe derselbe die Baurechnung abgeleget hette. Wie Plutarchus darvon schreibet.

Unsre baufällige Stadt-Mauer ist gegen Norden und den Fürsten-Keller und Garten ergäntzet worden A.C. 1661. üm dem Herbst, unter dem Regiment Georgii Pascasii, N.P.C. und zugleich Syndici, darzu auch die wohllöbliche Universität mit ihren Gliedern gutwillig gesteuret, und ich selber einen Reichsthaler beygetragen habe. Dergleichen Beytrag ist auch vorher geschehen A.C. 1655. da ich einen Reinischen Gülden zum Brückenbau, und hernach A.C. 1664. da ich einen Ducaten oder 2. Reichsthaler zur Ausfegung des Stadtgrabens von der Schloßpforten an, nach dem Sal- und Lobderthor beygetragen habe.

Obgleich die Stadtmauer noch an etlichen Orten, sonderlich bey dem Johannes-Thore baufällig ist, iedoch ist sie daselbsten mit Pallisaten oder spitzigen langen Pfalen und Bauhöltzern vor einen Anfall befestiget. NB. Die beste Mauer in dem XXXII. Jährigen Kriegswesen (von A.C. 1618. biß 1650.) ist gewesen Gottes gnädiger Schutz und Schirm. Da lässet Gott der Herr einer feurigen Mauer sich vergleichen, Zach. 2. v. 5. Ich will, spricht derHerr eine feurige Mauer ümher seyn, und will mich herrlich darinnen erzeigen.

Irrdische und leibliche Festungen und feste Mauren sind mancher Stadt sehr nützlich, aber den ümligenden Städten, Marckflecken und Dörffern offt schädlich.

A.C. 1636. im November oder Wintermonat nahmen die Schwedischen die Stadt Erffurt mit Accord ein, das ist, die Stadt ergab sich gutwillig den Schwedischen, und räumeten ihnen die Cyriaxburg ein. Was vor Steuren das Land uff XII. Meilen üm sie herüm gegeben hat, nicht Jährlich, nicht Quartälich, sondern oft Monatlich, das kan ohne Seuffzen nicht gesaget und geklaget, ohne Threnen nicht beschrieben und gelesen, ohne Wehe und Schmertz nicht bedacht und betracht werden.

Was Georgius Sabinus, sonst Schüler genant, der erste Magnificus Rector zu Königsberg in Preussen (von A.C. 1544. den 17. Aug.) von Festungen und festen bemaureten Städten hat gehalten, das ist zusehen aus seinem allhier folgenden Carmine in Libr. Epigramat. p. 278. 279.

NB Nunmehr ist A.C. 1679. daselbst die Stadtmauer von neuen auffgeführet, auch der dabey ligende Zwinger erhöhet worden.

Quando ruinosis stabant circumdata muris

oppida, nec præceps, fossa nec agger erat.

Inclyta dum belli Germania laude vigebat,

hoste tibi nullos incutiente metus.

At fossis postquam nunc es munita profundis,

aggeribusque urbes vallat amœna tuas.

Nunc virtute cares, nunc supplex porrigis ultrò

omnibus imbelles hostibus ipsa manus.

Grandia quod trepidos formidine cornua cervos,

Hoc tua te fossis mœnia cincta juvant.

Die Mauren der Stadt Jena sind so wohl als andere, Heilig zu achten und zuhalten. Nicht allein weil der Jenige den Kopff verwircket, der sich daran vergreiffet. Sondern auch weil der Einwohner darfür streiten soll, solte er auch darbey und darüber sein Leib und Leben lassen J. Limnæus tom. III. Jur. publ. lib. 7. cap. 1. num. 23. p. 8. 9.

Die Mauren der Stadt Jena sind nutzbar. Theils wegen des Schutzes, dann auf und von den Mauren kan den feindseligen Belägerern Wiederstand gethan werden. Theils wegen der Schau-Lust, denn auff den Mauren kan man sich weit und breit ümsehen. Theils wegen des Unterschieds, denn die Mauren scheiden die Stadt und die Vorstädte von einander. Die in der Stadt gewohnet, sind eigentlich die Bürger genennet, und von Hand und andern Frohndiensten befreyet worden.

Meine Geburts-Stadt Glauchau an der Mulda, unter den Frey-Herrn von Schönburg, hat zwo Vorstädte, Ober- und Unter. Darzu auch die Wohnhäuser auff dem Wericht gehören, welche auch eine eigene Vorstadt machen könten, und eine iede Vorstadt hat ihren sonderlichen Richter. Die Stadt aber ihren Vogt und Bürgermeister. Ob gleich alle Einwohner in der Stadt und in den zweyen Vorstädten Bürger genennet werden, und das Braurecht haben, iedoch sind allein diejenigen, so in der Stadt wohnen, von Hand- und Jagt- und andern Frohnen befreyet, nicht aber diejenigen, so in den zweyen Vorstädten und uf dem Wericht hausen, denn diese müssen mit uff die Wolffs-Jagt und Schaff-schere gehen, und die Weiber mit der Flachs Arbeit frohnen.

Allhier in Jena werden zwar alle Einwohner in und vor der Stadt, genennet Bürger, und haben das Braurecht zugleich, (wofern einieder über 30. Groschen jährlich von seinen Gütern schosset) iedoch haben die in der Stadt vor denen, die in den vier Vorstädten wohnen, einen Unterschied. 1. Wegen der Frondiensten am Mühlbache, damit werden allein die Vorstädter beleget. A.C. 1676. wurden die Bürger zur Erweiterung des Gartens an dem Fürstenkeller mit klingenden Spiel auf- und abgeführet, nicht aus Schuld und Pflicht, sondern zur Lust und Kurtzweil, ohne Zwang, aber auch ohne Lohn. 2. Wegen der Ehrenämpter. Ob gleich auch aus den Vorstädten Herren von der Gemeine und Rathsverwandten erwehlet werden, iedoch keine Richter, und keine Bürgermeister. 3. Wegen des Vorzugs. Die Vorstädter haben zwar ihre eigene Vormünder, aber sie werden nicht ehe zu Rath gezogen, es seyn denn alle drey Stadt-Räthe beysammen. Im übrigen bleibts zu Jena bey dem gemeinen Sprichwort, welches bey dem Johann Agricola unter seinen 750. teutschen Sprichwörtern ist das 244. und lautet im 126. Blat also: Bürger und Bauer scheidet nichts denn die Mauer. Bürger heissen wir Teutschen, so in gemauerten Städten wohnen, Bauren aber, die ausserhalb der Mauren wohnen. Nun ist gar ein schlechter Unterscheid, so Bauren und Bürger scheidet, nichts, denn allein die Mauer. Daß also ein Bürger nichts mehr ist, denn ein Bauer, derMauer halber, und nicht Frömmigkeit halben. Ist ein Bauer verständig und vollrath, so ist er höher denn ein Bürger, der da heisst Wenigrath. Es wollen die Bürger Edler seyn, denn die Bauren, aber Bürger und Bauer scheidet nichts denn die Mauer. So weit Agricola.

Das dritte CapitelVon der Fürstl. S. Residentz Stadt Jena Graben.

Nach den Graben ist die Fürstl. S. Resodentz Stadt Jena zu betrachten.

Die Graben sind üm und üm die gantze Stadt von einem Thore zu dem andern ausgemauret, tieff gnug, fest gnug, aber nicht so weit und breit, daß ein Dorff darinnen erbauet were, wie in dem Stadtgraben zu Meissen, von welchen das Rätzel ist gemacht worden. Welche Stadt ist mit drey Flüssen ümgeben, und hat drey Schlösser auff einem Berge, in dessen Stadtgraben liegt ein Dorff, in welchem eine Brücke höher ist, als ihr Tempel. Georg. Fabricius lib. 1. Annal. Urbis Misnæ fol 17.

Die Graben sind offenbar und gangbar, daß man gerings üm die Stadt gehen kan. Wiewohl bey der Schloß- und Zugbrücke ein Unterschied A.C. 1669. gemacht ist wegen der wilden Schweine und anderer Thiere, die darinnen gehalten und versperret werden.

Die Graben haben ihren Nutz zu allen Zeiten. In Friedens Zeiten haben die Bürger in dem Graben an dem Johannes-Thore mit Büchsen und Armbrusten sich geübet, und wird deswegen noch der Schießgraben genennet. Wiewohl heute zu Tage uff der Landfeste bey der grossen Salbrücke nach der Scheibe und Ziel geschossen wird. Unweit gegen über ist der Waschgraben, bey welchen der Leuterbach bey dem Thore in die Stadt läufft, und darinnen schellen die Wäscherin ihr Geräthe aus, und waschen zugleich mit den Mäulern und mit den Bläueln, die sie in Händen führen. Dannenhero wird manches Weibesbild wol ehemals eine Wasche, eine Klatsche, eine Drösche genennet. Denn in Backhäusern, in Badestuben, in Waschgraben höret man immer was neues, ehe Lügen, als Warheit.

In Kriegszeiten sind die tieffen, festen, weiten Stadtgraben ein Schutz und Schirm wieder die streiffenden Rotten, und kan der gantze Leuterbach im Nothfall darein geleitet, und darmit erfüllet werden. Zu dem Ende, aus Furcht wegen des Türcken Krieges, und anderer Ursachen hat Hertzog Bernhard I. zu Sachsen A.C. 1664. den 12. Sept. die Anordnung gemacht, daß die mit vielen Schutt gefüllten Stadt-Graben von der Schloßbrücke an gegen dem Sal- und Lobder-Thore musten ausgestochen, und tieffer gemacht werden, und wurde fünff Bürgern eine Ruthe auszuführen zuerkennet.

In diesen Stadtgraben, sonderlich von der Schloßpforten an hinauff zum Johannes- und Lobderthore stunden nicht allein hohe Erlen, sondern auch andere Obst- Nuß- und Birnbäume, aber sie sind domals fast alle deswegen ausgerottet worden.

Das vierdte Capitel,Von der Fürstl. Sächs. Residentz-Stadt Jena Fischteichen.

Nach den Fischteichen ist die Fürstl. S. Residentz-Stadt Jena zu betrachten.

Obgleich üm die diese Stadt-Mauren und Graben nicht so viel Helder- und Fischteiche zufinden und zusehen sind, als üm die Stadt Weimar, darin der schöne Quellbach, genand die Lotta, fleusst, und etliche Mühlen aus und innerhalb der Stadt treibet. Jedoch hat sie etliche zu ihrer Notturft, Lust und Nutz, und zwar dreye. (Dünckelspiel eine uhralte Reichsstadt in Schwaben, am Wasser Wernitz, soll so viel Teiche und Weyher haben, als Tage im Jahr seyn. Dresserus von Städten in Teutschland p. 161. Es sind aber 365. Tage in einem Jahre und 6. Stunden. Wie dieser Schulverß zeichnet und zeuget:

LXV. tria CCC sex horas continet annus,

Hæ bissextilem dant quarto quolibet anno.)

Die drey Fischteiche liegen theils in dem Stadtgraben, und zwar nur einer unter der Brücken des andern und eusersten Lobderthors. Als er A.C. 1626. abgelassen und ausgefischet, wurde darinnen ein noch in Windeln eingewickeltes Kindlein gefunden. Wer daran schuldig, das weiß Gott, dessen beyde geistliche Augen, das Auge der Allgegenwärtigkeit, und das Auge der Allwissenheit alles sehen, und dessen beyde Hände, die Hand der Gerechtigkeit, und die Hand der Allmächtigkeit alles richten und rächen. Der Weltkreiß ist voll Geistes des Herren, und der die Rede kennet, ist allenthalben, Sap. I. 7. Die Augen des Herren sind viel heller denn die Sonne, und sehen alles, was die Menschen thuen. Syr. XXIII. 28. Schrecklich ists, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Ebr. X. v. 31. Theils aber neben dem Stadtgraben, und zwar die andern zweene vom Johannsthore biß zum Löbderthore. Jener nimmet zu sich das Wässerlein aus dem Leuterbache, und leitet es seinem Nachbar zu, durch eine Rinne über den Graben, durch die Stadtmauer oben beym Collegio Academico. Dieser aber emphähet es von jenem, und theilet es aus, in einer Rinne durchs Löbderthor in die Löbdergasse.

Es ist aber der Mittelteich ohngefehr A.C. 1659. uff beiden Seiten am Rande mit Weiden beleget und befestiget worden, darunter die Fische desto kühler wieder die heissen Sonnenstrahlen, und desto sicher wieder die Fischottern und Nacht-Diebe seyn können.

Es sind aber diese drey Fischteiche zu betrachten nicht allein nach ihrer Lage, sondern auch nach ihren Wol- und Mißbrauch.

Der Wolbrauch gehet auff den Nutzen. Das Wasser aus dem Mittelteiche fleust theils in den untern Fischteich unter der Brücken, theils in die Vorstadt des Lobderthors hinter dem Gasthofe, genandt der Halbemond nach der Frosch- und Krietgassen in die Saale, theils durchs Löbderthor in die von ihm genandte Löbdergassen, hinter dem Rathhause, den Marck hinunter in die Ober- und unter Lauengassen zum Saalthor hinauß bey der Badestuben in die Mühllache, oder lincken Arm des Salstrohms. Auff diese Weise erfrischet das Wasser aus diesem Mittelteiche die Fische im untern Brückenteiche, und reiniget die Gassen in der Stadt und vor dem Lobderthore.

Jährlich üm den Tag Ægidii, wenn der alte Rath ab- und der neue Rath antritt, wird einer aus diesen dreyen Teichen gefischet, und die Karpen unter die Rathspersonen ausgetheilet, auch unter das Predigtampt. Dafür sage ich einem wolweisen und gutthätigen Stadt-Rath in meinem und in meiner Ampts- und Fischgenossen Nahmen grossen Danck, und wünsche ihnen von Gott einen jährlichen reichen Fischzug, wie der Apostel Petrus und seine Gesellen erfahren haben, mehr als einmahl, Luc. V. 7. Johan. XXI. 6. II.

Der Mißbrauch gehet auff den Schaden, den erfähret mancher Mensch entweder aus Trunckenheit und Unvorsichtigkeit, oder aus Muthwillen und Leichtfertigkeit. Wiewol ich noch zur Zeit kein Exempel und Unfall erlebet habe. Unterdes will ich beyde schädliche Mißbräuche mit zweyen Exempeln, geschehen bey der Stadt Meissen anitzo beweisen. A.C. 1525. in Meyen, grasen zwo Mägde uff Jacob Lossens zu Zeila Wiesen, er kommet ohngefehr darzu, jagt sie weg mit seinem blossen Degen, aus Furcht entlauffen sie ihm, weil sie aber des Fuhrts darüber sie gewadet, fehlen, und in Fischteich gerathen, ersauffen sie beyde. Und weil eine die andere, aus Hülffe, hatte ümfangen, sind sie auch in solcher gestalt aus dem Teiche gezogen worden. G. Fabricius lib. 3. Annal. Urb. Misnæ fol. 84. das ist das eine Exempel. Hierauff folget das andere. A.C. 1416. erlustigen sich zweene Jünglinge mit ihren aus Knochen und Beinen gemachten Eißschlitten auff dem gefrornen Elbstrohm, und fallen unversehens damit in ein darauff zur Wasserschöpffung gehauenes Loch, kommen unter das Eiß, und ersauffen jämmerlich. Idem ibid. lib. 2. fol. 85.

Von Fischteichen hat Pabst Martinus III. sein geld- und blutdürstiges Sprichwort gemacht, und gewünschet, daß gantz Alemannia oder Teutschland möchte eine einige Piscina oder Fischteich seyn, die er durchfischen möchte. A.C. 1279. Sigfried. Presbyter lib. 2. Epitom. Seines gleichen ist vor ihm gewesen Keyser C. Cæsar Caligula, der hat gewünschet, daß doch das Römische Volck nur einen Hals hätte, damit er solchen auff einen Hieb und Streich abschlagen könte. Reusner. in Genealog. Imp. Rom. fol. 65.

Das fünffte Capitel,Von der Fürstl. Sächs. Residentz-Stadt Jena Zwingern.

Nach den Zwingern ist die Fürstl. S. Residentz-Stadt Jena zu betrachten.

Die Zwinger haben ihren Namen vom Zwange. Weil sie neben der Mauer, die zwischen sie und dem Graben stehet, die Einwohner zum Gehorsam, und die Belägerer zum Abzuge zwingen. Denn in solchen Zwingern und Zwangplätzen, die zwischen den Bürgers-Häusern und der Stadmauer frey liegen, versamlen sich die belägerten Bürger, und zwingen gleichsam einander zur Gegenwehre wieder ihre vor und an der Mauer liegende Feinde.

Was wir Teutschen nennen Zwinger, das nennen die Lateiner Pomœria, das ist, die nechsten Plätze und Raum hinter der Stadt-Mauer. Pomœrium qs. post mœrum seu murum. Wie Varro, Festus, Agellius bezeugen. Es haben die alten Baumeister und Städtebauer nit allein hierüber, sondern auch vor der Stadtmauer, neben dem Stadtgraben solche Pomœria und Zwinger gemacht, daraus sie dem Feind Gegenwehr gethan, und ihm den Weg über den Stadtgraben zur Stadtmauer abgeschnitten haben. Wie zusehen beym Livio lib. 1. wenn er des fünfften Königs der Römer, des Tullii gedencket. Solche Pomœria und Zwinger werden auch geheget und heilig gehalten, gleichwie die Stadtmauer, und durffte niemand darauff bauen, noch dieselbige verunreinigen. Suche das vorhergehende II. Cap. pag. 22.

Unser Jena hat ihre Zwinger hinter- und vor der Stadtmauer, aber nicht allenthalben.

Hinter der Stadtmauer sind weite Zwinger vom Johannsthor und keulichten Thurme an, gegen der Stadtpforten, biß an das Schloß, und sind heute zu Tage mit Schutt, so vom Bau der Häuser verursachet, schwehr- und gefährlich belästiget, und an manchem Orthe mit Unflat abscheulich gemacht. Ferner vom Salthor an biß an den Thurm beym Saumarcke, und diese werden am reinlichsten und saubersten gehalten. Von diesem Thurme an biß an das Brauhauß beym Lobderthor sind die Zwinger weyland und von undencklichen Jahren von einem und dem andern eingenommen, und verbauet, und die andern haben ihnen in Einziehung solcher nötigen und nützlichen Freyplätzen ungescheuet und ungestrafft nachgefolget, daß sie ihre enge Höfe davon erweitert, und grosse Gebäude darauff gesetzet, zugeschweigen der Lust-Häuser, die sie darauff gebauet, und also den allgemeinen Zwingergang hinter der Stadtmauer an dieser Seiten gäntzlich verbauet haben. Zu loben ist mein lieber und treuer Collega M. David Lipach, der hat zwar auch ein Lusthauß auff die Stadtmauer gesetzet, aber mit eines wolweisen Raths Vorbewust, und mit einem Durchgang, nöthig und nützlich nicht allein in Friedens-Zeiten zur Schau-lust, sondern auch in Kriegsläufften und Feuersnöthen, darfür der getreue Gott uns ferner aus Gnaden behüten wolle.

Von Löbderthore an biß an das Johannsthor sind keine Zwinger hinter der Stadtmauer zufinden, weil auff derselben das Brüder- und Pauliner-Kloster, nunmehr das Collegium Academicum genant, mit seinen Gebäuden an- und fortgehet fast biß zum Johannsthor.

Vor der Stadtmauer sind auch kleine Zwingerlein angeleget, aber nicht allenthalben, sondern allein unter und über dem Löbderthore, wiewohl sie ziemlich eingegangen, und an manchen Orte der Erden gleich worden seyn.

Das sechste Capitel,Von der Fürstl. Sächs. Residentz-Stadt Jena Thoren.

Nach den Thoren ist die Fürstl. Sächs. Residentz-Stadt Jena zubetrachten.

Die Thore mit ihren Mauren und Gebäuden sind nichts anders als zweybletteriche Thüren, bequem und dienlich zum Aus- und Ein-tritt, zum Aus- und Ein-ritt, zur Aus- und Ein-fuhr in die Stadt. In Lateinischer Sprache werden sie genennet portæ, von dem Worte ist gemacht das teutsche Wort Pforte. (Der Türckische Keyser lässet Constantinopel nennen seine Pforte, weil er sie hält vor eine Brücke und Pforte der gantzen Welt. Middendorp. de Acad. part. 1. lib. II. p. 390. Wien aber vor eine Pforte des teutschen Landes. Crusius in Libro Paralip. Annal. Svevic. c. XXVII. fol. 114. Denn er meinet, wenn er die Pforte einnehme, so wolte er hernach gantz Teutschland einnehmen. Aber es hat Solimannus der II. dieses Namens A.C. 1529. ümsonst daran geklopffet, und über achtzigtausend darfür sitzen lassen.)

Wenn die Lateiner eine Stadt wolten bauen, so spanneten sie zwey Rinder, einen Ochsen und eine Kuhe an einen Pflug, wohin sie damit ackerten, da baueten sie die Stadtmauer, wo sie aber den Pflug uffhohen, dahin machten sie die Stadtthore. (portæ à portare) Diese Thore sind auch heilig und geheget gewesen, nicht nach der Heidnischen und Römischen Priester oder Warsager Meinung, dahin siehet Plutarchus, sondern nach dem Römischen Bürgerrecht. Dahin zielet J. Limnæus tom. III. Jur. Publ. lib. VII. c. I. n. 25. p. 9.

Unsere Stadtthore oder Thürm sind gemacht nicht aus Eisen, wie die zu Antiquera im Königreich Granaten, und wie die meisten Städte der Carabassarum in Syrien und Aegypten. Nicht aus Ertz, wie die zu Winetha, welche A.C. 830. König Haldung zu Schweden weggenommen, und in die Insul Gotland gebracht hat. Casp. Ens in Deliciis Germ. p. 277. Vielweniger aus Gold, wie zu Bisantz im Hertzogthum Burgund. Die ist Chrysopolis Goldstadt genennet worden, alldieweil weyland ihre Stadtthore mit lautern Golde sind überzogen gewesen. Idem lb. p. 73. Und Deliciis Gallicis p. 15. Sondern aus Steinen, was die Mauer, und aus Holtz, Thielen, Bretern, was die Thüren und Pfosten anlanget.

Sie sind runder Gestalt, und mit eisern Fallgittern weiland befestiget gewesen, wie die eisern Angel noch anzeigen. Aber nicht so bedachtsam und künstlich erbauet, wie die zu Nicæa, im Lande Bithynia, da haben die Stadtthore einander so angesehen, daß einer auff dem Marck stehender Mensch hat seine Augen auff alle Thor wenden, und sehen können, wer auf einmahl dardurch aus- und eingehe, aus- und einreite, aus- und einfahre. Meigerius libr. II. Nucl. histor. c. 16. fol. 215.

Unsere Stadt-Thore sind nöthig und nützlich zum aus- und eingehen, zum aus- und einreiten, zum aus- und einfahren bey Tage, und im Nothfall bey Nacht. (Zu Augspurg wird der Thurm nach Baden, genennet der Inlaß, gemacht zur Zeit Keyser Maximiliani des I. damit die Stadt, welche da sey porta & portus, eine Pforte und Furt der gantzen Welt, nicht dorffte auffgemacht werden. Casp. Ens in deliciis Apodem. Germ. part. 1. p. 2.)

Die Schlüssel zu unsern Stadtthoren hat in Kriegs-Zeiten bey sich der regierende Bürgermeister, aber in Friedens-Zeiten behalten solche die vier geschwornen Thorwärter, und sind Handwercksleute, gemeiniglich Schuster, die ohne das, wie die Schneider, immer an den Fenstern sitzen, und bey der Arbeit sich ümsehen können. (Zeno Citticus, also genandt von einer Stadt in der Insul Cypern, ist bey den Atheniensern in solchen Ansehen der Treue gewesen, daß sie ihm die Schlüssel der Stadt Athen anvertrauet, und ihn mit einer güldenen Krone und Messing Ebenbild verehret haben, wie Cicero schreibt in Orat. pro Muræna.)

Unsere Stadtthore haben keine an Steinen hangende oder in Stein gehauene Urkunden, ausser dem Menschen-Kopff, der unten am eusersten Löbder-Thor bey der Brücken zusehen ist. Die gemeine Rede gehet. Es soll ein Bürger durch Ehebruch das Leben verwircket, und dasselbe zubehalten, die Unkosten, als eine Straffe, zu diesem Thor- und Brückenbau hergeben müssen. Es kan seyn, es kan auch nicht seyn. Es muß doch der eingehauene Menschen-Kopff seine Endursache haben. (Warüm ließ der Römische Keyser Ælius Adrianus A.C. 136. eine Sau an das neue Stadtthor zu Jerusalem gegen Bethlehem, aus Marmelstein setzen, zum aspect der Jüden, denen das Schweinenfleisch verboten war. Zu Brusæ in Bithynia hänget das Schwert Rolandi, welcher Keyser Caroli des Ersten und Grossen Schwester Sohn, und ein tapffer Kriegsheld gewesen seyn soll, die Türcken halten ihn deswegen vor ihres Geblüts und Gemüths. Casp. Ens in Deliciis Acad. per German. p. 29.) Wenn man so offt Denckzeichen und Merckmahl an die Stadtthor machen solte und wolte, so offt etwas denckwürdiges in und bey der Stadt geschehe, oder der Landsfürst und ein ander Potentat dardurch einzeucht, wie in Frankreich, Welschland, Spanien und andern Ländern geschicht, so würde in und an keinem Stadtthore bey uns mehr Raum zu finden seyn.

Unsere Stadtthore haben keine eingehauene Schrifften, ausser das Lobdethor, wie wir bald hören werden. Anderswo sind solche daran gar gemein zu finden.

Zu Bremen in unter Sachsen am Herren-Thore:

Brema ut sis sospes, sis hospite fortior hospes.

Bremen sey andächtig, laß nicht mehr ein, du seyst ihr denn mächtig.

Zu Capua in Welschland werden die Eingeher versichert ihres Eingangs, und erinnert ihres Verhaltens, mit diesen versa leonino, welcher Keyser Friederich I. Rothbart ans Thor hat mahlen oder machen lassen:

Intrent securi, qui tentant vivere puri.

Die wollen friedlich seyn, Gehen sicher hienein.

Zu Breßlau in Schlesien wurde A.C. 1577. den 24. Maii, darein Keyser Rudolff II. seinen Einzug hielt, an das Stadtthor, dardurch er einzog, dieser Spruch geschriben. Sapiens consilium, præsens auxilium. Rath, Hülff. Valer. Heerberger part. 3. Magnal. Dei p. 442.

Unsere Stadt-Thor sind an der Zahl nicht allzuwenig, wie zu Elnbogen an Böhmischen Grentzen gegen Meissen gelegen, und wie zu Aquæ Mortuæ. Das ist, Todtwasser, eine Stadt in Franckreich. Jede hat nur ein Thor zum Aus- und Eingehen, reiten und fahren. Nicht allzuviel, wie anderswo. Thebe in Boœtia hat sieben Thore, davon nimmet Juvenalis Satyr. 13. die Art zu reden und vergleichet darmit die Zahl der Frommen, der weren auch kaum siebene.

Rari quippe boni vix sunt numerô totidem, quot

Thebarum portæ, vel divitis ostia Nili.

Wie Avenio am Fluß Rhodano auch sieben Thore hat. Welche unlängst König Ludovicus XIV. in Franckreich dem Pabst Alexandro VII. wegen des, von den Corsen, uf Befehl Marii Chisii seinem Gesandten dem Hertzoge von Crequi zu Rom angethanen Schimpffs, abnahme, und uf geschehene Gnugthuung endlich wieder einräumete. Avenio ist sonst berühmt wegen der Siebenden Zahl. Denn sie hat 7. Paläste, 7. Pfarrkirchen, 7. Spittel, 7. Münchklöster, 7. Nonnenklöster, 7. Schulen, 7. Zünffte, und also auch sieben Thore. Antwerpen in Braband hat XIII. Rom hat XXI. Thebe in Aegypten hat C. Stadtthore.

Unsere Stadtthore stehen theils an den vier Ecken der Stadtmauer, theils an den vier Vorstädten.

An der viereckigen Maure sind diese viere, mit eingeschlossen die Pforte zwischen dem keulichten Thurme und der Schloßbrücken.

I. Das Johannsthor gegen West und Abend, von darein gehet die lange Gasse biß an den Burg- oder Raths-Keller, genand, die Johannsgasse, und haben beyde ihre Namen von der Kirche zu St. Johannis des Täuffers, welche liegt vor dem Johannsthor, auff dessen Kirchhoff und Gottes Acker. Es ist gedoppelt, das ist: Es hat zwey unterschiedene, von einander liegende gemachte Schwibbogen und Eingänge, Einritte, Einfahrten. Uff der rechten Seiten des Eingangs, Eintritts, Einfahrt ist der Röhrkasten oder Wasserkunst, welche das Wasser in unterschiedene Röhren eintheilet, und darbey An.C. 1667. ein Wohnhauß und Werckstadt vor einen Schlösser oder Nagelschmid gebauet worden. Uff der lincken Seiten ist A.C. 1675. ein neu Backhauß von einem Wolweisen Rath gebauet, und hat darinnen Brodt gebacken und verkaufft den 16. Nov. zum erstenmahl Meister Jeremias, bürtig von Borstendorff.

II. Das Löbderthor gegen Sud und Mittag. Von darein gehet die Löbdergasse biß ans Ende der Brüder oder Collegengasse, gegen die Fleischbäncke unter dem Rathhause. Hat seinen Namen von dem nahgelegenen Städtlein Lobda, dahin weiland unser Jena gehöret, sintemahl eine absonderliche Linea der Grafen und Herren von Arnshag bey der Neustadt an der Orla, auff den dreyen Schlössern, Ober- Mittel- und Unter-Lobdenburg, (welches letzte allein noch stehet) hat Hoff gehalten, und von daraus die Befehle an ihren Stadtvogt oder Schultzen, Rath und Gemeine noch An. 1200. vor 476. Jahren abgeben lassen. Gleichwie eine andere Linea derselben hat hoffgehalten zu Leuchtenburg, und aber eine andere zu Elsterburg, und sich davon geschrieben hat. Wie davon zeiht und zeuget mein ausgegangener Geographus Jenensis, cap. X. und XV.

Dieses Löbderthor ist auch gedoppelt, und ein Theil desselben älter als das andere. Das Löbderthor gegen der Stadt ist zwar das älteste, aber An.C. 1551. uffs neue erbauet und erhöhet. Wie die Schrifft im nachfolgenden Capitel mit ietzterwehnter Jahrzahl davon ausweisen wird. Hingegen das Löbderthor gegen den Gasthof, der halbe Mond genandt, ist das neue, wiewol es schon An.C. 1431. ist gebauet gewesen. Denn also lautet die in Stein daran ausgehauene Schrifft. Nach Christi Geburt M. CCCC. XXXI. Jahr sind gewesen Rathsmeister Herman von Berge, Ewald Werner Baumeister, Lorentz Cain (Kayn) Stephan Corsa, ist angehoben dieser Bau in der Marterwochen.

Zwischen diesen beyden gedoppelten Löbdethoren sind zwey Werckstätten vor alters, auff ieder Seiten eine, vor Schlösser und andere Schmiede, grob- und klein- Nagel- und Zwecken Schmiede gebauet worden. An.C. 1672. unter der Regierung Bürgermeister Michael Tannenbergers, sind zwey neue Steinerne Häuser auff beyden Seiten vor Handwercksleute angebauet, gleichwie in vorigen 1678. geschach mit dem Salthor.

III. Das Saalthor gegen Ost und Morgen. Von darein gehet die Saalgasse, und stösset in die quehre an die Schloß- und ober-Lawengassen beym breiten Steine, aber in die Länge an das Krämergäßlein und auff den Platz die Haupt- und Pfarrkirche zu S. Michael, genandt das Creutz, welches weyland im Pabstthum darauff gestanden hat. Es hat seinen Namen von dem Lincken Arm des vorüberfliessenden Salstrohms, genandt die Mühl Lache. Dieses Thor ist auch zwiefach und gedoppelt mit seinen Eintritten, Einritten, Einfurten.

Unlängst als ich A.C. 1618. studierens wegen nach Jena kam, stund ein Tollhäußlein an der lincken Seiten des Thores im hinausgehen, darinnen vor diesem ein armer Sinnloser Mensch ist verwahret, und durch sein Sinnloses Wesen auch mancher Vorüberreisender zur Erkentnüß seiner mißgebrauchten Vernunfft, und zu einer milden Gabe gegen ihn beweget worden. Dieses Tollhäußlein neben einer Wohnung vor eine Hebamme, ist eingerissen, und ein Wohnhauß von Nicolao Gumperten, von der Neustadt an der Orla, dem Seiler hingebauet worden.

Zwischen diesen beyden Thoren sind zwo Wohn- und Werckstätte vor Schmiede und andere Leute An.C. 1670. unter Bürgermeister Christoph Neubergern angeleget, auch vorher die baufälligen langen Spitzen am eusersten Salthore abgetragen worden. Dahin weiland die sündhafftigen Bürger musten Gehorsam halten.

IV. Die Pforte gegen Nord und Mitternacht. Von darein gehet die Schloßgasse, liegt zwischen dem Johannsthore und der Zug- oder Schloßbrücken. Wird wohl ehemahls genennet die Pforte beym Schlosse, weil sie daran stösst, und die Zwezener Pforte, zum Unterscheid des Zwezener Thors und Gassen, dahin sie siehet und weiset. An.C. 1670. im Augusto ist eine Wohnstube im Eingang derselben angeleget worden. Aber gnug von den Thoren und Pforten in der Stadt.

In den vier Vorstädten sind diese fünff Thore, mit eingeschlossen das Creutzthor bey dem Carmeliter Kloster, nunmehr Gasthofe zum gelben Engel.

I. Das Erfurtische Thor, lag noch unlängst vor dem Johannsthore gegen West und Nord, im Eingang der Ober- oder Wagnergassen, uf der Landstrasse nach Weymar, und von dannen nach Erffurt, ist aber A.C. 1668. den 27. Martii gesprenget, und die Rudera oder Bausteine zum Ballhause ins Schloß von Fronbauren allmählich geführet worden. Demnach hat es seinen Namen von der Landstrassen nach Erffurt, oder von einem, auff der lincken Hand im hinaus gehen, nahe darbey liegenden Rasenplatz und Plan, zwischen Hans Merten, des Kutschers Hopffengarten, und den Meerrättig Ländern, dardurch das vom Regen gesamlete Wasser in den grossen Gerhardischen Mühlgarten, und aus demselben in den lincken Fluß des Leuterbachs geführet wird, denn es ist eine alte Sage, einem Mährlein ähnlicher als einem Geschichte, als were derselbe längliche Rasenplatz und Plan von den Erffurtischen befreyet, und zu einem Asylo und Freystete gemacht, das niemand ohne ihr Wissen und Willen, einen darauff geflohenen Ubelthäter davon wegführen dürffte.

Dieser alten Sage kan ein Färblein angestrichen, und mit dieser Schmincke bescheinet werden. Denn Landgraff Albertus zu Thüringen, Degener oder der Unartige genant, hat mit Hülffe der Erffurter die Raubschlösser an der Saal, fürnemlich Windberg und Kirchberg, auff dem Haußberge bey Jena, und Leisten eingenommen, und uff Vorbitte das Schloß Greiffberg, gelegen an desselben Spitzen und Kopffe, dem Burggraff Otten dem Aeltern zu Kirchberg, und seinen dreyen Söhnen, Otten, Albrechten und Hartmann wieder eingeräumet, welches geschehen A.C. 1303. 1304. domahls können die Erffurter diesen Freyplatz und Plan von dem Landgrafen ausgebeten haben. Weil aber die Stadt Jena niemals unter des Burggraffen zu Kirchberg, Herren zu Capellendorff, Altenberga und Kranichfeld, sondern unter den Grafen und Herren zu Arnshag, genandt von Lobdeburg, Leuchtenburg, Elsterberg und Burgau gehöret. Uber das, domals Herman und Albrecht von Lobdeburg, nicht dem friedbrüchigen Burggraffen Otten zu Kirchberg, sondern ihren Landsfürsten Landgraff Allbrechten zu Thüringen wieder jenen, nach dem Exempel derer von Erffurt, beygestanden haben, so werden sie den Erffurtern nicht gestattet haben in ihrem Land und Gebiete ein Asylum und Freystäte anzurichten. Were es ja auff beyden Theilen also beliebet worden, so ist doch dieses Privilegium und Freyheit vorlängst verloschen, als die Landgraffen zu Thüringen die Stadt Jena erblich und eigenthümlich an sich gebracht haben. Und zwar den einen vierdten Theil An.C. 1301. Mitgifftsweise, da Landgraff Friderich zu Thüringen, Admorsus & Fortis, der Gebissene und Freudige, eheliget Fräulein Elisabeth die Jüngere, Graff Ottens zu Arnshag, und Gräfin Elisabeth der Eltern zu Castell, einige Tochter und Erbin. Hernach auch Erbkauffsweise, zum erstenmahl A.C. 1315. den Freytag vor Jubilate, da kauffte itzt gedachter Landgraff von seinem Schwager Graff Busen von Arnshag, Herren zu Elsterburg den andern vierdten Theil. Zum andernmahl An.C. 1331. am Tage Dorothæa, da kauffte Landgraff Fridrich zu Thüringen, genandt der Ernste und Hagere, des vorigen Sohn die halbe Stadt Jena, und also die andern zwey Viertel von Herrn Albrechten und Johansen zu Leuchtenburg, genant von Lobdeburg. Wie ich solche Kauffbrieffe von Wort zu Wort, auff gut alt teutsch und Thüringisch auffgezeichnet habe in meinen Annalibus Germano Thuringo Jenensibus, A.C. 1301. 1315. 1331. Thuringia Antiquo – Nova libr. 5. cap. 30. Magistratu Jenensi cap. XV. und in etwas schon gedacht habe in meinem ausgegangenen Geographo Jenensi cap. XV. p. 242.

II. Das Ziegelthor liegt vor dem Johannsthor auch gegen West und Abend, bey der Gerhardischen Mahlmühle, wenn man über den rechten Arm des Leuterbachs nach dem Saulauffe und Forstwege gehen will, hat seinen Namen entweder vom Ziegeldache, damit die Mühle gedecket, oder von der Ziegelhütten, die weiland üm diese Gegend gestanden, und eingegangen. Oder von der itzigen Ziegelhütten, die einen langen Strich davon an dem rechten Arm des Leuterbachs, bey der Leuterbrücken liegt.

Es ist vor alters dieser Strich Landes nicht zu der Johannssondern zu der Lobder-Vorstadt gerechnet worden. Es ist aber dieses Thor ein schlecht, doch mit Gatterflügeln verwahrtes Thor.

III. Das Neuthor liegt auch vor dem Löbderthor gegen Süd und