Außenseiter - Robert A. Heinlein - E-Book

Außenseiter E-Book

Robert A. Heinlein

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Beschreibung

Gut gemacht!

Was bleibt einem jungen Mann von der Erde mit ungewöhnlichen mathematischen Fähigkeiten, der nirgendwo hin zu passen scheint? Andrew Jackson Libby tritt deswegen dem Kosmischen Pionierkorps bei. Sein erster Auftrag führt ihn in den Asteroidengürtel, wo er seinen genialen Kopf mehr als einmal unter Beweis stellen kann …

Die Erzählung „Außenseiter“ erscheint als exklusives E-Book Only bei Heyne und ist zusammen mit weiteren Stories und Romanen von Robert A. Heinlein auch in dem Sammelband „Die Geschichte der Zukunft“ enthalten. Sie umfasst ca. 28 Buchseiten.

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Seitenzahl: 86

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ROBERT A. HEINLEIN

AUSSENSEITER

ERZÄHLUNG

WILHELM HEYNE VERLAGMÜNCHEN

DAS BUCH

Was bleibt einem jungen Mann von der Erde mit ungewöhnlichen mathematischen Fähigkeiten, der nirgendwo hin zu passen scheint? Andrew Jackson Libby tritt deswegen dem Kosmischen Pionierkorps bei. Sein erster Auftrag führt ihn in den Asteroidengürtel, wo er seinen genialen Kopf mehr als einmal unter Beweis stellen kann …

Die Erzählung »Außenseiter« erscheint als exklusives E-Book Only bei Heyne und ist zusammen mit weiteren Stories und Romanen von Robert A. Heinlein auch in dem Sammelband »Die Geschichte der Zukunft« enthalten.

DER AUTOR

Robert A. Heinlein wurde 1907 in Missouri geboren. Er studierte Mathematik und Physik und verlegte sich schon bald auf das Schreiben von Science-Fiction-Romanen. Neben Isaac Asimov und Arthur C. Clarke gilt Heinlein als einer der drei Gründerväter des Genres im 20. Jahrhundert. Sein umfangreiches Werk hat sich millionenfach verkauft, und seine Ideen und Figuren haben Eingang in die Weltliteratur gefunden. Die Romane »Fremder in einer fremden Welt« und »Mondspuren« gelten als seine absoluten Meisterwerke. Heinlein starb 1988.

www.diezukunft.de

Diese Erzählung ist dem Band Robert A. Heinlein: »Die Geschichte der Zukunft« entnommen.

Titel der Originalausgabe: Misfit

Aus dem Amerikanischen von Rosemarie Hundertmarck

Copyright © 1939 by Street & Smith Publications, Inc.

Copyright © 2015 der deutschsprachigen Ausgabe by

Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Covergestaltung: Stardust, München

Satz: Schaber Datentechnik, Wels

ISBN: 978-3-641-16986-2

»… mit dem Ziel, unsere interplanetaren Naturreichtümer zu erhalten und zu verbessern und nützliche, gesunde Beschäftigungen für die Jugend dieses Planeten zu schaffen.«

Auszug aus dem Ermächtigungsgesetz,H. R. 7118, mit dem das KosmischePionierkorps gegründet wurde

»Achtung!« Die Exerzierplatz-Stimme eines First Sergeant der Space Marines schnitt durch den Nieselregen eines scheußlichen New-Jersey-Morgens. »Wenn Ihr Name aufgerufen wird, antworten Sie ›Hier‹, treten mit Ihrem Gepäck vor und gehen an Bord. Atkins!«

»Hier!«

»Austin!«

»Hier!«

»Ayres!«

»Hier!«

Einer nach dem anderen trat aus dem Glied, schulterte die hundertdreißig Pfund persönlicher Besitztümer, die ihnen zugestanden waren, und stieg die Gangway hinauf. Sie waren jung – keiner älter als zweiundzwanzig. In manchen Fällen wog das Gepäck mehr als sein Eigentümer.

»Kaplan!«

»Hier!«

»Keith!«

»Hier!«

»Libby!«

»Hier!« Ein schlaksiger blonder Junge löste sich aus der Reihe, wischte sich hastig die Nase ab und griff nach seinen Habseligkeiten. Er warf sich eine dicke Segeltuchtasche über die Schulter, rückte sie zurecht und ergriff mit der freien Hand seinen Koffer. In einem ungleichmäßigen Zuckeltrab näherte er sich der Gangway. Als er den Fuß darauf setzte, schlug ihm der Koffer gegen die Knie. Er fiel gegen einen kleinen, drahtigen Mann, der die pulverblaue Uniform der Space Navy trug. Kräftige Hände fassten seinen Arm und bewahrten ihn vor einem Sturz.

»Immer mit der Ruhe, Sohn!« Die zweite Hand hielt die Segeltuchtasche fest.

»Oh, entschuldigen Sie … ah …« – der verlegene Junge zählte automatisch die vier Silberstreifen unter der Sternschnuppe – »Captain. Ich habe nicht …«

»Nun gehen Sie an Bord, Sohn!«

»Jawohl, Sir.«

Der Weg in die Eingeweide des Transporters war düster. Als die Augen des Jungen sich angepasst hatten, sah er einen Obermaat, der die Armbinde eines Profos trug und mit dem Daumen auf eine offen stehende luftdichte Tür wies.

»Da hinein! Suchen Sie Ihren Spind, und warten Sie dort!« Libby beeilte sich zu gehorchen. Hinter der Tür fand er in einem großen Abteil mit niedriger Decke ein Durcheinander von Gepäck und Männern. Leuchtröhren liefen zwischen Schott und Decke entlang und teilten die Decke in drei Abschnitte. Zu den Stimmen seiner Schiffskameraden kam als Hintergrundgeräusch das leise Summen von Gebläsen. Libby suchte sich einen Weg durch aufgestapelte Gegenstände und fand seinen Spind – sieben-zehn – an der gegenüberliegenden Außenwand. Er brach das Siegel des Kombinationsschlosses, warf einen Blick auf die Kombination und öffnete. Der Spind, der mittlere einer Dreierreihe, war sehr klein. Libby überlegte, was er hineintun solle. Ein Lautsprecher übertönte die ihn umgebenden Stimmen und verlangte seine Aufmerksamkeit:

»Achtung! Alle Stationen besetzen, erster Abschnitt! Start in zwölf Minuten. Luftdichte Türen schließen! Sämtliche Gebläse bei minus zwei Minuten abstellen! Passagiere: Stellen Sie Ihr gesamtes Gepäck aufs Deck, und legen Sie sich hin, wenn das rote Licht aufleuchtet! Bleiben Sie liegen, bis Entwarnung gegeben wird! Die Profose überprüfen, ob diesen Anordnungen Folge geleistet ist.«

Der Obermaat steckte den Kopf durch die Tür, sah sich um und beaufsichtigte das Umräumen des Gepäcks. Schwere Gegenstände wurden festgezurrt. Spindtüren wurden geschlossen. Kaum hatte jeder Junge einen Platz auf dem Deck gefunden und der Profos sein Okay zu dem Kissen unter seinem Kopf gegeben, da wurden die Leuchtröhren rot, und der Lautsprecher plärrte los.

»Start! Fertig machen zur Beschleunigung!« Der Profos lehnte sich eilends zwischen zwei Reisetaschen zurück und beobachtete den Raum. Seufzend blieben die Gebläse stehen. Es folgten zwei Minuten Totenstille. Libbys Herz hämmerte. Die zwei Minuten zogen sich in die Länge. Dann erzitterte das Deck, und ein Brüllen wie von entweichendem Hochdruckdampf traf seine Trommelfelle. Er wurde plötzlich sehr schwer, und ein Gewicht legte sich auf seine Brust und sein Herz. Eine unendliche Zeit später wurden die Leuchtröhren weiß, und der Lautsprecher verkündete: »Alle Gegenstände sichern, die sich gelöst haben! Normaler Wachdienst, erste Sektion.« Die Gebläse erwachten zu neuem Leben. Der Profos stand auf, rieb sich die Hinterbacken und schlug sich auf die Arme. Dann sagte er:

»Okay, Jungs.« Er trat an die luftdichte Tür zum Gang und öffnete sie. Libby stand auf und stolperte gegen ein Schott. Beinahe wäre er gefallen. Seine Arme und Beine waren eingeschlafen, und außerdem kam er sich beunruhigend leicht vor, als habe er mindestens die Hälfte seiner unbeträchtlichen Masse verloren.

Die nächsten zwei Stunden hatte er zu viel zu tun, um nachzudenken oder Heimweh zu bekommen. Koffer, Schachteln und Taschen mussten in den unteren Frachtraum gebracht und gegen Beschleunigungen festgezurrt werden. Er fand ein wasserloses Wasserklosett und lernte, es zu benutzen. Er erfuhr, dass ihm die ihm zugewiesene Koje nur acht von vierundzwanzig Stunden gehörte; zwei andere Jungen schliefen ebenfalls dort. Die drei Sektionen aßen in drei Schichten, was insgesamt neun Schichten waren – vierundzwanzig Jungen und ein Profos an einem langen Tisch, der ein enges Abteil der Kombüse völlig ausfüllte.

Nach dem Lunch räumte Libby seinen Spind ein. Er stand davor und betrachtete eine Fotografie, die er an der Innenseite der Tür befestigen wollte, als ein Befehl durch das Abteil schallte:

»Achtung!«

Der Kapitän war vom Gang hereingekommen, begleitet von dem Profos. »Rühren, Männer!«, sagte der Kapitän. »Setzt euch! McCoy, sagen Sie der Kontrolle, sie soll dieses Abteil auf Rauchfilter umstellen.« Der Obermaat eilte zu dem am Schott hängenden Kommunikator und sprach mit leiser Stimme hinein. Fast sofort stieg das Summen der Gebläse um eine halbe Oktave und blieb auf dieser Höhe. »Jetzt steckt euch eine an, wenn ihr wollt. Ich möchte mit euch reden.

Ihr seid unterwegs zu dem bisher größten Ereignis eures Lebens. Von nun an seid ihr Männer, keine Jungen mehr, und vor euch liegt eine der schwersten Aufgaben, die die Menschheit jemals in Angriff genommen hat. Was wir zu tun haben, ist Teil eines größeren Plans. Ihr – und es gibt Hunderttausende wie euch – zieht als Pioniere hinaus, um das Sonnensystem so einzurichten, dass menschliche Wesen einen besseren Gebrauch davon machen können.

Ebenso wichtig ist, dass ihr eine Chance bekommt, euch zu nützlichen und glücklichen Bürgern der Föderation zu entwickeln. Aus dem einen oder anderen Grund habt ihr auf der Erde Anpassungsschwierigkeiten gehabt. Einige von euch mussten erleben, dass der Beruf, den sie erlernt hatten, durch neue Erfindungen überflüssig wurde. Andere sind in Schwierigkeiten geraten, weil sie nicht wussten, was sie mit ihrer Freizeit anfangen sollten. In jedem Fall wart ihr Außenseiter. Vielleicht hat man euch böse Jungen genannt und euch alle möglichen Minuspunkte angekreidet.

Aber jeder von euch fängt heute neu an. In der Personalakte, die es in diesem Schiff über euch gibt, steht nichts weiter als ein Name am Kopf einer leeren Seite. An euch liegt es, was einmal auf dieser Seite zu lesen sein wird.

Nun zu eurer Aufgabe. Wir haben keinen von den leichten Reparatur-Jobs auf dem Mond bekommen mit Wochenenden in Luna City und allem heimatlichen Komfort. Auch haben wir keinen Schwerkraftplaneten erwischt, wo ein Mann eine ganze Mahlzeit zu sich nehmen und sich darauf verlassen kann, dass sie unten bleibt. Stattdessen werden wir zu dem Asteroiden HS-5388 hinausfliegen und ihn in die Raumstation E-M 3 umwandeln. Er hat keine Spur von Atmosphäre und nur zwei Prozent der Erdschwerkraft. Wenigstens sechs Monate lang müssen wir dort menschliche Fliegen spielen. Dort gibt es keine Mädchen, kein Fernsehen, keine Vergnügungen, die ihr euch nicht selbst schafft, aber jeden Tag schwere Arbeit. Ihr werdet raumkrank werden, ihr werdet ein solches Heimweh bekommen, dass ihr es auf der Zunge schmecken könnt, und ihr werdet an Agoraphobie leiden. Wenn ihr nicht vorsichtig seid, zieht ihr euch Strahlenverbrennungen zu. Euer Magen wird protestieren, und ihr werdet bei Gott wünschen, dass ihr euch nie gemeldet hättet. Aber wenn ihr euch anständig benehmt und auf den Rat der alten Raumfahrer hört, werdet ihr stark und gesund, mit einem kleinen Guthaben auf der Bank und mit mehr Wissen und Erfahrung, als ihr euch in vierzig Jahren auf der Erde aneignen könntet, daraus hervorgehen. Ihr werdet Männer sein und das wissen.

Noch ein letztes Wort. Für diejenigen, die es nicht gewohnt sind, wird es ganz schön ungemütlich werden. Nehmt ein bisschen Rücksicht auf diese Kameraden, und alles wird gut gehen. Wenn ihr euch über irgendetwas beschweren wollt und keinen anderen Weg findet, kommt zu mir! Das wäre alles. Noch Fragen?«

Einer der Jungen hob die Hand. »Captain?«, fragte er schüchtern.

»Sprechen Sie, Junge, und nennen Sie Ihren Namen!«

»Rogers, Sir. Werden wir Briefe von zu Hause bekommen können?«

»Ja, aber nicht oft. Vielleicht einmal im Monat. Der Geistliche und jedes Inspektions- und Versorgungsschiff bringen Post mit.«