Nehmen Sie Platz, meine Herren! - Robert A. Heinlein - E-Book

Nehmen Sie Platz, meine Herren! E-Book

Robert A. Heinlein

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Beschreibung

Die Sache aussitzen

Ein Journalist, ein Tunnelarbeiter und sein Vorgesetzter werden in einem der Tunnel, die von der unterirdischen Mondbasis zur Oberfläche führen, wegen defekter Luftschleusen gefangen und sitzen fest – im wahrsten Sinne des Wortes …

Die Kurzgeschichte „Nehmen Sie Platz, meine Herren“ erscheint als exklusives E-Book Only bei Heyne und ist zusammen mit weiteren Stories und Romanen von Robert A. Heinlein auch in dem Sammelband „Die Geschichte der Zukunft“ enthalten. Sie umfasst ca. 14 Buchseiten.

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Seitenzahl: 70

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ROBERT A. HEINLEIN

NEHMEN SIE PLATZ, MEINE HERREN!

KURZGESCHICHTE

WILHELM HEYNE VERLAGMÜNCHEN

DAS BUCH

Ein Journalist, ein Tunnelarbeiter und sein Vorgesetzter werden in einem der Tunnel, die von der unterirdischen Mondbasis zur Oberfläche führen, wegen defekter Luftschleusen gefangen und sitzen fest – im wahrsten Sinne des Wortes …

Die Kurzgeschichte »Nehmen Sie Platz, meine Herren« erscheint als exklusives E-Book Only bei Heyne und ist zusammen mit weiteren Stories und Romanen von Robert A. Heinlein auch in dem Sammelband »Die Geschichte der Zukunft« enthalten.

DER AUTOR

Robert A. Heinlein wurde 1907 in Missouri geboren. Er studierte Mathematik und Physik und verlegte sich schon bald auf das Schreiben von Science-Fiction-Romanen. Neben Isaac Asimov und Arthur C. Clarke gilt Heinlein als einer der drei Gründerväter des Genres im 20. Jahrhundert. Sein umfangreiches Werk hat sich millionenfach verkauft, und seine Ideen und Figuren haben Eingang in die Weltliteratur gefunden. Die Romane »Fremder in einer fremden Welt« und »Mondspuren« gelten als seine absoluten Meisterwerke. Heinlein starb 1988.

www.diezukunft.de

Diese Erzählung ist dem Band Robert A. Heinlein: »Die Geschichte der Zukunft« entnommen.

Titel der Originalausgabe: Gentlemen, Be Seated

Aus dem Amerikanischen von Rosemarie Hundertmarck

Copyright © 1948 by Popular Publications, Inc.

Copyright © 2015 der deutschsprachigen Ausgabe by

Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Covergestaltung: Stardust, München

Satz: Schaber Datentechnik, Wels

ISBN: 978-3-641-16975-6

Um den Mond zu kolonisieren, braucht man Menschen, die sowohl an Agoraphobie als auch an Klaustrophobie leiden. Oder sagen wir, sie müssen sowohl agoraphil als auch klaustrophil sein, denn Männer, die in den Raum hinausziehen, sollten besser keine Phobien haben. Wenn irgendetwas auf einem Planeten, in einem Planeten oder in den leeren Bereichen um den Planeten einem Mann Angst einjagt, sollte er bei Mutter Erde bleiben. Ein Mann, der sich seinen Lebensunterhalt fern der terra firma verdient, muss bereit sein, sich in ein enges Raumschiff zwängen zu lassen, wohl wissend, dass es sein Sarg werden kann, und doch darf ihn die Leere des weit offenen Raums selbst nicht erschüttern. Raumfahrer – Männer, die im Raum arbeiten, Piloten und Raketenleute und Astrogatoren und solche –, lieben ein paar Millionen Meilen Ellbogenfreiheit.

Andererseits müssen Mond-Kolonisten von der Art sein, die sich in unterirdischen Bauen so gemütlich fühlt wie die Maulwürfe.

Bei meinem zweiten Flug nach Luna City suchte ich das Richardson-Observatorium auf, um mir das Große Auge anzusehen und Material für eine Story zu sammeln, mit der ich meinen Urlaub finanzieren konnte. Ich zeigte meinen Presseausweis vor und raspelte ein bisschen Süßholz, und am Ende führte mich der Zahlmeister herum. Wir gingen zum Nordtunnel hinaus, der damals gerade bis zum Standort des geplanten Koronoskops vorgetrieben wurde.

Es war eine langweilige Fahrt. Wir bestiegen einen Scooter, fuhren einen jedes Merkmal entbehrenden Tunnel hinunter, stiegen ab, gingen durch eine Schleuse, bestiegen einen zweiten Scooter und begannen das Gleiche von vorn. Mr. Knowles vertrieb uns die Zeit mit Verkaufsgesprächen. »Das ist nur vorläufig«, erklärte er. »Wenn der zweite Tunnel fertig ist, werden wir eine Querverbindung herstellen, die Luftschleusen herausnehmen, in diesem Tunnel hier einen nach Norden, in dem anderen einen nach Süden führenden Gleitbürgersteig einbauen, und dann können Sie die Strecke in weniger als drei Minuten zurücklegen. Genau wie in Luna City – oder auf Manhattan.«

»Warum nehmen Sie die Luftschleusen nicht jetzt schon heraus?«, erkundigte ich mich, als wir wieder eine betraten. Es mochte die siebte sein. »Bis hierher ist der Druck doch der gleiche auf beiden Seiten jeder Schleuse.«

Knowles sah mich komisch an. »Sie würden eine Eigentümlichkeit dieses Planeten doch nicht zu einem Sensationsartikel ausschlachten?«

Das verdross mich. »Hören Sie, ich bin so zuverlässig wie jeder andere Wortmechaniker. Aber wenn irgendetwas an diesem Projekt nicht koscher ist, lassen Sie uns auf der Stelle umkehren und die Sache vergessen. Eine Zensur würde ich mir nicht gefallen lassen.«

»Immer mit der Ruhe, Jack!«, meinte er sanftmütig. Zum ersten Mal benutzte er meinen Vornamen. Ich nahm es unter Vorbehalt zur Kenntnis. »Niemand wird zensieren, was Sie schreiben. Wir freuen uns, wenn wir euch Journalisten gefällig sein können, aber der Mond hat schon zu viel schlechte Presse gehabt – und das unverdient.«

Ich schwieg.

»Jedes Bauvorhaben hat seine eigenen Risiken«, fuhr er fort, »und auch seine Vorteile. Unsere Leute bekommen keine Malaria, und sie brauchen nicht auf Klapperschlangen Obacht zu geben. Ich kann Ihnen Statistiken zeigen, die beweisen, dass es ungefährlicher ist, ein Tunnelbauer auf dem Mond als ein Registrator in Des Moines zu sein – alles in allem betrachtet. Zum Beispiel haben wir im Mond kaum Knochenbrüche, weil die Schwerkraft so gering ist. Dagegen setzt der Registrator aus Des Moines jedes Mal sein Leben aufs Spiel, wenn er in seine Badewanne steigt oder sie verlässt.«

»Okay, okay«, unterbrach ich, »also der Arbeitsplatz ist sicher. Wo ist der Haken?«

»Er ist sicher. Übrigens, die Statistiken stammen nicht von unserer Firma und auch nicht von der Handelskammer Luna City, sondern von Lloyd in London.«

»Also behalten Sie überflüssige Luftschleusen bei. Warum?«

Er zögerte, bevor er antwortete: »Beben.«

Beben. Erdbeben – ich meine, Mondbeben. Mein Blick streifte die vorbeigleitenden gekurvten Wände, und ich wünschte mir, in Des Moines zu sein. Niemand möchte lebendig begraben werden, aber wenn das im Mond passiert – nun, dann hat man keine Chance mehr. Ganz gleich, wie schnell sie einen herausholen, die Lungen wären geplatzt. Keine Luft.

»Sie ereignen sich nicht sehr oft«, versicherte Knowles. »Aber wir müssen darauf vorbereitet sein. Denken Sie daran, die Erde hat die achtzigfache Masse des Mondes, sodass die Gezeiten hier achtzigmal so stark sind wie bei der Wirkung des Mondes auf die Erde.«

»Na, na!«, sagte ich. »Es gibt kein Wasser auf dem Mond. Wie kann es da Gezeiten geben?«

»Gezeiten gibt es auch ohne Wasser. Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf darüber, akzeptieren Sie es einfach! Die Folge sind unausgeglichene Drücke. Und die können Beben hervorrufen.«

Ich nickte. »Verstehe. Da alles im Mond luftdicht verschlossen zu sein hat, müssen Sie auf der Hut vor Beben sein. Diese Schleusen sollen Ihre Verluste in Grenzen halten.« Langsam sah ich mich schon als einen der Verluste.

»Ja und nein. Natürlich würden die Luftschleusen die Folgen eines Unfalls, sollte es einen geben, einschränken. Doch es wird keinen geben. Dieser Ort ist sicher.Erstens einmal erlauben die Schleusen uns, an einem nicht unter Druck gesetzten Abschnitt des Tunnels zu arbeiten, ohne dass es in den übrigen Abschnitten Störungen gibt. Aber sie sind mehr als das. Jede einzelne funktioniert zeitweilig als Dehnungsfuge. Man kann eine kompakte Struktur zusammenbinden und sie ein Beben abreiten lassen. Ein Bauwerk, das so lang wie dieser Tunnel ist, muss jedoch nachgeben, oder es wird ein Leck bekommen. Es ist schwierig, im Mond eine flexible Versiegelung herzustellen.«

»Was haben Sie gegen Gummi?«, fragte ich. Ich war so nervös, dass ich Streit suchte. »Zu Hause habe ich einen Bodenwagen, der zweihunderttausend Meilen gefahren ist. Und doch habe ich die Reifen nicht berührt, seit sie in Detroit versiegelt worden sind.«

Knowles seufzte. »Ich hätte einen der Ingenieure mitnehmen sollen, Jack. Die flüchtigen Bestandteile, die Gummi weich halten, kochen im Vakuum aus, und das Gummi wird hart. Das Gleiche gilt für flexibles Plastikmaterial. Wenn man es niedrigen Temperaturen aussetzt, wird es so zerbrechlich wie Eierschalen.«

Währenddessen hielt der Scooter an, und wir stiegen gerade rechtzeitig aus, um ein halbes Dutzend Männer aus der nächsten Luftschleuse kommen zu sehen. Sie trugen Raumanzüge oder, richtiger gesagt, Druckanzüge, denn sie hatten Schlauchverbindungen statt Sauerstoffflaschen und keine Sonnenvisiere. Die Helme waren zurückgeklappt, und sie hatten den Kopf durch den geöffneten Reißverschluss an der Vorderseite des Anzugs gesteckt. Das sah ganz merkwürdig aus, als hätten sie zwei Köpfe. Knowles rief: »He, Konski!«

Einer der Männer drehte sich um. Er muss sechs Fuß zwei Zoll groß gewesen sein, und er war dick für seine Größe. Ich schätzte ihn auf dreihundert Pfund, Erdgewicht. »Das ist ja Mr. Knowles!«, rief er glücklich. »Erzählen Sie mir bloß nicht, ich hätte eine Lohnerhöhung bekommen!«

»Sie verdienen jetzt schon zu viel Geld, Fatso. Schütteln Sie Jack Arnold die Hand. Jack, das ist Fatso Konski, der beste Tunnelbauer auf vier Planeten.«

»Nur vier?«, fragte Konski. Er streckte den rechten Arm aus dem Anzug und legte seine bloße Hand in meine. Ich sagte, ich freute mich, ihn kennenzulernen, und versuchte, ihm meine Hand zu entziehen, bevor er sie zerquetscht hatte.

»Jack Arnold möchte gern sehen, wie ihr diese Tunnel versiegelt«, erklärte Knowles. »Kommen Sie mit!«