Suchscheinwerfer - Robert A. Heinlein - kostenlos E-Book

Suchscheinwerfer E-Book

Robert A. Heinlein

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Beschreibung

Verloren auf dem Mond

Elizabeth Barnes, das blinde Wunderkind am Klavier, ist auf Tournee über den Mond. Doch das Schiff, das sie von einer Basis zur nächsten bringen soll, verschwindet von den Radarschirmen, und eine beispiellose Suchaktion beginnt …

Die Kurzgeschichte „Suchscheinwerfer“ erscheint als exklusives E-Book Only bei Heyne und ist zusammen mit weiteren Stories und Romanen von Robert A. Heinlein auch in dem Sammelband „Die Geschichte der Zukunft“ enthalten. Sie umfasst ca. 6 Buchseiten.

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Seitenzahl: 55

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ROBERT A. HEINLEIN

SUCHSCHEINWERFER

KURZGESCHICHTE

WILHELM HEYNE VERLAGMÜNCHEN

DAS BUCH

Elizabeth Barnes, das blinde Wunderkind am Klavier, ist auf Tournee über den Mond. Doch das Schiff, das sie von einer Basis zur nächsten bringen soll, verschwindet von den Radarschirmen, und eine beispiellose Suchaktion beginnt …

Die Kurzgeschichte »Suchscheinwerfer« erscheint als exklusives E-Book Only bei Heyne und ist zusammen mit weiteren Stories und Romanen von Robert A. Heinlein auch in dem Sammelband »Die Geschichte der Zukunft« enthalten.

DER AUTOR

Robert A. Heinlein wurde 1907 in Missouri geboren. Er studierte Mathematik und Physik und verlegte sich schon bald auf das Schreiben von Science-Fiction-Romanen. Neben Isaac Asimov und Arthur C. Clarke gilt Heinlein als einer der drei Gründerväter des Genres im 20. Jahrhundert. Sein umfangreiches Werk hat sich millionenfach verkauft, und seine Ideen und Figuren haben Eingang in die Weltliteratur gefunden. Die Romane »Fremder in einer fremden Welt« und »Mondspuren« gelten als seine absoluten Meisterwerke. Heinlein starb 1988.

www.diezukunft.de

Diese Erzählung ist dem Band Robert A. Heinlein: »Die Geschichte der Zukunft« entnommen.

Titel der Originalausgabe: Searchlight

Aus dem Amerikanischen von Rosemarie Hundertmarck

Copyright © 1962 by Carson Roberts, Inc.

Copyright © 2015 der deutschsprachigen Ausgabe by

Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Covergestaltung: Stardust, München

Satz: Schaber Datentechnik, Wels

ISBN: 978-3-641-16979-4

»Wird sie Sie hören?«

»Ja, wenn sie sich auf dieser Seite des Mondes befindet. Wenn es ihr gelungen ist, das Schiff zu verlassen. Wenn ihr Anzugfunkgerät nicht beschädigt ist. Wenn sie es angestellt hat. Wenn sie noch lebt. Da das Schiff stumm und kein Radarsignal zu entdecken ist, halte ich es für unwahrscheinlich, dass sie oder der Pilot mit dem Leben davongekommen ist.«

»Sie muss unbedingt gefunden werden! Bleiben Sie auf Empfang, Meridian-Raumstation! Tycho-Basis, melden Sie sich!«

Die Antwort verzögerte sich um drei Sekunden, Washington-Mond und zurück. »Mondbasis, kommandierender General.«

»General, schicken Sie jeden Mann auf dem Mond auf die Suche nach Betsy!«

Die durch die Lichtgeschwindigkeit hervorgerufene Verzögerung ließ die Antwort missmutig klingen. »Sir, wissen Sie, wie groß der Mond ist?«

»Das spielt keine Rolle! Betsy Barnes ist dort irgendwo – und deshalb müssen alle nach ihr suchen, bis sie gefunden ist. Sollte sie tot sein, wäre auch Ihr großartiger Pilot tot besser dran!«

»Sir, der Mond hat beinahe fünfzehn Millionen Quadratmeilen. Wenn ich jeden Mann einsetze, den ich habe, müsste jeder über tausend Quadratmeilen absuchen. Ich hatte Betsy meinen besten Piloten gegeben. Ich werde mir keine Drohungen gegen ihn anhören, solange er nicht darauf antworten kann. Von niemandem, Sir! Ich habe es satt, mir von Leuten, die die lunaren Bedingungen nicht kennen, sagen zu lassen, was ich tun soll. Mein Rat, Sir, der Rat, den ich Ihnen als kommandierender General gebe, ist, dass Sie es die Meridian-Raumstation versuchen lassen. Vielleicht können die Leute dort ein Wunder wirken.«

»Nun gut, General!«, lautete die scharfe Antwort. »Mit Ihnen spreche ich später. Meridian-Station! Erstatten Sie Bericht über Ihre Pläne!«

Elizabeth Barnes, das blinde Wunderkind am Klavier, war auf einer Konzerttournee auf dem Mond gewesen. Nachdem sie ihr Publikum in Tycho-Basis begeistert hatte, startete sie mit einer Jeep-Rakete nach Farside Hardbase, um unsere einsamen Raketenmänner hinter dem Mond zu unterhalten.

Sie hätte in einer Stunde dort sein sollen. Ihr Pilot war für seine Verlässlichkeit bekannt; Schiffe wie das ihre pendelten täglich ohne Piloten zwischen Tycho und Farside.

Nach dem Start wich ihr Schiff von dem programmierten Kurs ab. Es verschwand von Tychos Radarschirmen. Es war – irgendwo. Nicht im Raum, denn dann würde es um Hilfe funken, und andere Schiffe, Raumstationen, Bodenstationen würden seinen Ruf auffangen. Es war irgendwo in der Leere Lunas abgestürzt – oder notgelandet.

»Hier der Direktor der Meridian-Raumstation.« Die Verzögerung war unmerklich; die Radiowellen brauchten von Washington zu der Raumstation in nicht mehr als zweiundzwanzigtausenddreihundert Meilen Höhe und zurück nur eine Viertelsekunde. »Wir haben die Sender auf der Erdoberfläche zugeschaltet, um den Mond mit unserm Ruf ganz abzudecken. Von Station Newton in der Lagrange-Position aus wird die hintere Seite erreicht. Schiffe von Tycho umkreisen den Rand des Mondes – die Zone, die im Funkschatten von uns und von Newton liegt. Falls wir etwas hören …«

»Ja, ja! Warum suchen Sie nicht mit Radar?«

»Sir, eine Rakete auf der Oberfläche sieht für ein Radargerät genauso aus wie eine Million anderer Gegenstände von der gleichen Größe. Unsere einzige Chance ist, dass wir eine Antwort von ihnen erhalten – wenn sie imstande sind zu antworten. Mit Ultrahochauflösungsradar könnten wir sie in ein paar Monaten finden – aber Anzüge, wie man sie in diesen kleinen Raketen trägt, haben nur für sechs Stunden Luft. Wir beten, dass sie uns hören und antworten.«

»Wenn sie antworten, werden Sie ihnen einen Funkpeilempfänger anhängen, nicht wahr?«

»Nein, Sir.«

»In Gottes Namen, warum nicht?«

»Sir, ein Funkpeilempfänger ist in diesem Fall sinnlos. Er würde uns nur verraten, dass das Signal vom Mond kommt – was uns nicht weiterhilft.«

»Doktor, Sie wollen sagen, selbst wenn Sie Betsy hören,können Sie nicht feststellen, wo sie ist?«

»Wir sind ebenso blind wie sie. Wir hoffen, es wird ihr gelingen, uns zu sich zu führen … wenn sie uns hört.«

»Wie?«

»Mit einem Laser. Einem intensiven, sehr eng gebündelten Lichtstrahl. Sie wird ihn hören …«

»Einen Lichtstrahl hören?«

»Ja, Sir. Wir werden die Oberfläche wie mit einem Radargerät – das uns nichts zeigen würde – abtasten. Aber wir modulieren den Lichtstrahl, sodass er eine Trägerwelle auf einer Radiofrequenz abgibt, und die wiederum wird zu einer hörbaren Frequenz moduliert – zur Übertragung von Klaviertönen. Wenn Betsy uns hört, werden wir ihr sagen, dass sie die Töne bestimmen soll, während wir den Mond absuchen und sämtliche Tasten des Klaviers durchgehen …«

»All das, während ein kleines Mädchen stirbt?«

Eine neue Stimme mischte sich ein. »Mr. President – halten Sie den Mund!«

»WER WAR DAS?«

»Ich bin Betsys Vater. Man hat mich von Omaha zugeschaltet. Bitte, Mr. President, seien Sie ruhig, und lassen Sie die Leute ihre Arbeit tun! Ich möchte meine Tochter wiederhaben.«

Der Präsident antwortete gepresst: »Ja, Mr. Barnes. Machen Sie weiter, Direktor! Ihnen steht zur Verfügung, was immer Sie brauchen.«

In der Meridian-Raumstation wischte sich der Direktor das Gesicht ab.

»Bekommen Sie etwas herein?«

»Nein. Chef, kann nicht etwas wegen dieses Rio-Senders geschehen? Er sitzt genau auf der Frequenz!«

»Wir werden ihnen einen Ziegelstein auf den Kopf werfen. Oder eine Bombe. Joe, geben Sie dem Präsidenten Bescheid.«

»Ich habe es gehört, Direktor. Der Sender wird zum Schweigen gebracht!«

»Pst! Ruhig! Betsy, hörst du mich?«

Der Funker nahm mit konzentriertem Gesichtsausdruck eine Feineinstellung vor.

Aus diesem Lautsprecher kam die helle, süße Stimme eines Mädchens: »… jemanden zu hören! Was bin ich froh! Kommt schnell – der Major ist verletzt.«