Predestination - Entführung in die Zukunft - Robert A. Heinlein - E-Book

Predestination - Entführung in die Zukunft E-Book

Robert A. Heinlein

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Beschreibung

Eine der besten Zeitreisegeschichten, die je geschrieben wurden

Man sagt, die Zeit holt uns alle ein. Aber es gibt Menschen, die holen die Zeit ein. Zumindest versuchen sie es – wie der Held in Robert A. Heinleins legendärer Kurzgeschichte „Entführung in die Zukunft“, dessen Job es ist, neue Agenten für das Zeitsprungbüro zu rekrutieren. Ein ziemlich schwieriger Job, den man nur erfüllen kann, wenn man zu ungewöhnlichen Mitteln greift. Sehr ungewöhnlichen Mitteln ...

Mehrfach preisgekrönt und mit Ethan Hawke unter dem Titel „Predestination“ kongenial verfilmt – „Entführung in die Zukunft“ ist ein Meilenstein in der Geschichte der Science-Fiction.

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Seitenzahl: 73

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ROBERT A. HEINLEIN

PREDESTINATION

Entführung in die Zukunft

Das Buch

Man sagt, die Zeit holt uns alle ein. Aber es gibt Menschen, die holen die Zeit ein. Zumindest versuchen sie es – wie der Held in dieser legendären Science-Fiction-Story. Sein Job ist es, neue Agenten für das Zeitsprungbüro zu rekrutieren. Ein ziemlich schwieriger Job, den man nur erfüllen kann, wenn man zu ungewöhnlichen Mitteln greift. Sehr ungewöhnlichen Mitteln ...

Mehrfach preisgekrönt und mit Ethan Hawke kongenial verfilmt – Robert A. Heinleins »Predestination – Entführung in die Zukunft« von 1959 ist eine der besten Zeitreisestorys, die je geschrieben wurden. Ein Meilenstein in der Geschichte der Science-Fiction.

Der Autor

Robert A. Heinlein wurde 1907 in Missouri geboren. Er studierte Mathematik und Physik und verlegte sich schon bald auf das Schreiben von Science-Fiction-Romanen. Neben Isaac Asimov und Arthur C. Clarke gilt Heinlein als einer der drei Gründerväter des Genres im 20. Jahrhundert. Sein umfangreiches Werk hat sich millionenfach verkauft, und seine Ideen und Figuren haben Eingang in die Weltliteratur gefunden. Die Romane Fremder in einer fremden Welt und Mondspuren

Titel der Originalausgabe:

»All you Zombies ...«

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Alexander Martin

Copyright © 1959, 1987 by Robert A. Heinlein

Copyright assigned 2003 to The Robert A. and Virginia Heinlein Prize Trust

Copyright © 2015 der deutschen Ausgabe und der Übersetzung by

Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Covergestaltung: Stardust, München / Tiberius-Film

Satz: Thomas Menne

22:17 – Zeitzone V – 7. November 1970 – New York City, Pop's Place

Ich war gerade dabei, ein Brandyglas zu reinigen, als die Ledige Mutter hereinkam. Ich merkte mir die Zeit: zehn Uhr siebzehn abends, Eastern Standard Time, 7. November 1970. Zeitsprungagenten merken sich immer Zeit und Datum; das müssen wir.

Die Ledige Mutter war ein Mann von etwa fünfundzwanzig Jahren: nicht größer als ich, unreife Gesichtszüge und ein aufbrausendes Temperament. Der Kerl gefiel mir nicht – er hatte mir noch nie gefallen –, aber er war der Typ, den ich hier anwerben sollte, er war mein Mann. Ich lächelte mein bestes Barkeeperlächeln.

Vielleicht bin ich zu kritisch. Er war nicht weibisch; er trug diesen Namen nur wegen seiner Standardantwort auf die Frage nach seinem Beruf. »Ich bin eine ledige Mutter«, pflegte er zu sagen. Und wenn er halbwegs guter Laune war, fügte er hinzu: »... für vier Cent pro Wort. Ich schreibe Lebensbeichten.«

Wenn er in miserabler Stimmung war, lauerte er darauf, dass jemand etwas daraus machte. Er kämpfte mit den Waffen einer Frau – und deshalb wollte ich ihn. Aber das war nicht der einzige Grund.

Er hatte zuviel getrunken, und sein Gesicht zeigte, dass er die Menschheit heute noch mehr als sonst verachtete. Ich gab ihm einen doppelten Old Underwear, den er sofort runterkippte, und ließ die Flasche stehen. Er schenkte sich nach.

Ich wischte die Theke ab. »Na, wie steht's im Ledigen-Mütter-Geschäft?«, fragte ich.

Seine Finger krampften sich um das Glas; es schien, als wollte er es auf mich werfen. Ich tastete nach dem Gummiknüppel unter der Theke. Im Zeitsprunggeschäft – meinem Geschäft – versucht man, alle Eventualitäten mit einzubeziehen, aber es sind einfach zu viele Faktoren mit im Spiel. Es ist nie ganz ohne Risiko.

Ich spürte, wie sich seine Anspannung wieder legte; im Training hatten wir gelernt, auf solche Kleinigkeiten zu achten. »Tut mir leid«, sagte ich. »War nur `ne Frage. Hätte auch fragen können, wie das Wetter draußen ist.«

Er machte ein mürrisches Gesicht. »Das Geschäft läuft. Ich schreibe, die Storys werden gedruckt, ich habe zu essen.«

Ich schenkte mir selbst einen ein und lehnte mich an die Theke. »Du schreibst nicht übel«, sagte ich, während ich ihm zuprostete. »Hab schon ein paar gelesen. Du bringst den weiblichen Standpunkt echt gut rüber.«

Dieses Risiko musste ich eingehen; er hatte nie gesagt, welche Pseudonyme er benutzte. Zum Glück ging er nur auf den letzten Satz ein. »Den weiblichen Standpunkt?«, zischte er. »Ja, den kenne ich allerdings.«

Ich runzelte die Stirn. »Schwestern?«

»Nein. Du würdest mir nie glauben.«

»Ach, Barkeeper und Psychiater wissen, dass nichts verrückter ist als die Wahrheit«, sagte ich sanft. »Was ich schon alles ... unglaublich, kann ich dir sagen!«

»Du weißt gar nicht, was ›unglaublich‹ wirklich bedeutet.«

»Ha! Mich verblüfft nichts mehr, Kumpel.«

Er zuckte mit den Achseln. »Wollen wir um den Rest der Flasche wetten?«

»Wenn schon, dann eine volle«, sagte ich und stellte eine weitere Flasche Old Underwear auf die Theke.

»Hm ...«

Ich gab dem anderen Barkeeper ein Zeichen, dass er für eine Weile allein weitermachen solle. Hier am Ende der Theke waren wir völlig ungestört. Im Fernsehen lief ein Boxkampf, und irgendjemand hatte eben eine Münze in die Jukebox geworfen. Ich stellte eine Schüssel Erdnüsse zwischen uns.

»Na schön«, begann er. »Ich muss vorausschicken, dass ich ein uneheliches Kind bin ...«

»Das ist nichts Besonderes«, unterbrach ich ihn. »Meine Eltern waren auch nicht verheiratet.«

Er sah mich schief an und lächelte zum ersten Mal, seit ich ihn kannte. »Ist das dein Ernst?«

»Klar. In meiner Familie heiratet kein Mensch. Wir sind alle hundert Prozent uneheliche Kinder.«

»Blödsinn! Du bist doch verheiratet.« Er deutete auf meinen Ring.

»Oh, der.« Ich hielt den Ring hoch. »Der sieht nur wie ein Ehering aus. Ich trage ihn, um vor Frauen sicher zu sein.« Es war ein antikes Stück; ich hatte ihn 1985 einem meiner Kollegen abgekauft, der ihn aus dem vorchristlichen Kreta mitgebracht hatte. »Das ist der Wurm Ouroboros, die Weltschlange, die in ihren eigenen Schwanz beißt. Ein Symbol für das Große Paradox.«

Er sah kaum hin. »Okay, wenn du wirklich ein uneheliches Kind bist, dann kannst du dich ja in meine Lage versetzen. Als ich ein kleines Mädchen war ...«

»Oha!«, sagte ich. »Habe ich gerade richtig gehört?«

»Wer erzählt hier seine Geschichte? Als kleines Mädchen ... Hast du schon mal von Christine Jorgenson gehört? Oder von Roberta Cowell?«

»Geschlechtsumwandlung? Willst du etwa sagen ...«

»Unterbrich mich bitte nicht ständig, sonst erzähle ich gar nichts. Also, ich bin ein Findelkind – 1945 im Alter von einem Monat vor einem Waisenhaus in Cleveland ausgesetzt. Als kleines Mädchen habe ich Kinder mit Eltern beneidet. Als ich dann aufgeklärt wurde – das wird man in einem Waisenhaus verdammt früh ...«

»Ich weiß.«

»... habe ich mir geschworen, dass meine Kinder einen Vater und eine Mutter haben sollten. Und dieser Vorsatz hat mich bewogen, mit Zähnen und Klauen meine Unschuld zu verteidigen, was in der Umgebung, in der ich leben musste, nicht einfach war. Ich musste mich schon kräftig wehren, um das zu schaffen. Als ich dann älter wurde, erkannte ich, dass ich wenig Heiratsaussichten hatte – aus dem gleichen Grund, aus dem ich nicht adoptiert worden war.« Sein Gesicht verfinsterte sich. »Ich war hässlich, hatte vorstehende Zähne, war flach wie ein Bügelbrett und hatte strähniges Haar.«

»Ach, du siehst auch nicht schlimmer aus als ich.«

»Wen kümmert's, wie ein Barkeeper aussieht? Oder ein Schriftsteller? Aber Adoptiveltern nehmen am liebsten blonde blauäugige Schätzchen, die ruhig dumm sein dürfen. Und später erwarten die Jungs eine gute Figur, ein hübsches Gesicht und ein Lächeln, das ihnen sagt, wie wunderbar männlich sie sind.« Er zuckte mit den Achseln. »Das hatte ich einfach nicht zu bieten. Deshalb entschied ich, mich bei den Raumengeln zu bewerben.«

»Wo?«

»Als Mannschaftsbetreuerin beim Raumkorps. Man hatte schon ziemlich früh erkannt, dass die Männer da draußen nicht monatelang allein sein konnten. Also wurden Frauen gesucht, die vor allem intelligent und emotional stabil sein sollten. Schönheit spielte keine Rolle, dafür gab es Operationen – kostenlos, wohlgemerkt. Außerdem sorgten sie dafür, dass man während des Einsatzes nicht schwanger wurde, und die Mädchen konnten fest damit rechnen, dass sie nach Ablauf ihrer Dienstzeit einen netten Mann zum Heiraten bekamen. Daran hat sich ja bis heute nichts geändert. Jedenfalls, mit achtzehn wurde ich erstmal einer Familie als Haushaltshilfe vermittelt. Die wollten nur eine billige Arbeitskraft, aber das war schon okay – ich konnte ja erst mit einundzwanzig ins Raumkorps eintreten. Ich habe also tagsüber gearbeitet und abends angeblich einen Schreibmaschinenkurs besucht. Aber in Wahrheit ging ich zu einem Benimmkurs, um meine Chancen beim Korps zu verbessern. Und dann habe ich diesen Kerl mit seinen Hundertdollarscheinen kennengelernt.« Er verzog das Gesicht zu einer Grimasse. »Er hatte tatsächlich ein ganzes Bündel in der Tasche. Eines Abends hat er sie mir gezeigt und mich aufgefordert, mir ein paar zu nehmen. Aber ich habe es nicht getan. Damals mochte ich ihn. Er war der erste Mann, der nett zu mir war, ohne mich gleich ausziehen zu wollen. Ich habe den Abendkurs aufgegeben, um mich öfter mit ihm treffen zu können. Das war die glücklichste Zeit meines Lebens. Bis es dann eines Nachts im Park doch passiert ist.« Er hielt inne.