Auf dem Weg zum Bärtigen - Rainer Kintzel - E-Book

Auf dem Weg zum Bärtigen E-Book

Rainer Kintzel

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Beschreibung

Kein Gestern, kein Morgen nur der Moment, der Moment in dem du läufst. Kein Zurück, kein Umdrehen eine Richtung, Vorwärts. Raus aus allem, keine Welt, keine Politik, nichts, nur das Hier und das Jetzt. Du bist Namenlos, du bist nur ein Teil dessen.

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Seitenzahl: 65

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Rainer Kintzel

Auf den Weg zum Bärtigen

Impressionen einer Wanderung von Werneuchen nach Himmelpfort

© 2019 Rainer Kintzel

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

978-3-7482-5545-1 (Paperback)

978-3-7482-5518-5 (Hardcover)

978-3-7482-5546-8 (E-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar

Dieses Buch ist Lars Laskowski gewidmet.

Dir Lars meinen Dank, dass du mich begleitet hast, und für das einmalige Erlebnis.

1. Tag – 25. September 2017

Der Wunsch, mal eine Woche lang – ausgerüstet mit Zelt, Schlaf- und Rucksack – eine kleine Wanderung zu unternehmen, parkte schon seit zwei Jahren in mir. Viele wollten mich begleiten, doch keiner vermochte es. Geduld war also gefragt, bis endlich Lars, der Jakobsweg-Bezwinger, erklärte, dass er sechs Tage für diese Tour opfern könnte. Wir hatten nicht vor, ausgelatschte Wege zu beschreiten. Die Erzählungen von Lars über den Jakobsweg sagten mir, dass dieser bereits zur Touristenmeile verkommen war. Im Grunde das allgemeine Übel an uns Menschen – einer sieht was, macht was, darüber wird berichtet. Schon wollen alle daran teilhaben, und was vorher noch unberührt und unbekannt, wird nun schlagartig von Hunderten, gar Tausenden heimgesucht. Alles muss konsumiert, damit aber zerstört und entweiht werden. Wer es nicht selbst kann, lässt sich entweder hinfahren oder hochschleppen, die Kohle macht’s möglich.

Nichts für uns, all das wollten wir tunlichst umgehen. Ich schlug vor, von Werneuchen zum Stechlin zu wandern.

Hier bestand keine Gefahr, dass uns Tausende folgen würden. Diese Strecke war kein Wanderweg, sondern eine Vielzahl von Straßen, Fahrrad- und Laufwegen. Alles in Stücken vorhanden, die es während unserer Tour zu verbinden galt. Die Vorbereitung für mich bestand im Besorgen all jener Dinge, die ich meinte zu brauchen. Yvonne, die Frau an meiner Seite, die ich liebe, bestellte alles Notwendige. Ein Zelt für zwei Personen, eine Isomatte extra stark (sechs Zentimeter), einen Kofferkocher mit acht Gaspatronen, dazu ein paar superleichte Töpfe. Von Nico, meinem ältesten Sohn, bekam ich Schlafsack und Rucksack. Ihn selbst stört es nicht, denn er schleicht bis heute tagelang bei Wind und Wetter durch die Wälder und zwar ohne Zelt und Kocher. Gerade das wollten wir nicht, also gönnten wir uns etwas Luxus. An das Gewicht dachten wir dabei nicht, jedenfalls noch nicht. Ich schaute kurz im Internet nach dem Weg, kannte schließlich die Strecke. Wir einigten uns, am 25. September 2017 loszumarschieren. Lars, der Bruder von Yvonne, wollte vor dem gemeinsamen Aufbruch zu uns nach Werneuchen kommen.

Der 25. September fiel auf einen Montag, ich packte den Rucksack. Der Schlafsack zuerst, darauf folgten meine beiden Handtücher, der Kofferkocher wurde senkrecht gestellt. Daneben befanden sich meine Wechselklamotten. Griffbereit an die Seite im Rucksack stopfte ich meine Taschenlampe, diese allein wog fast so viel wie mein gesamtes Zelt (Gewicht 1,8 Kilogramm). Der Innenraum meines Rucksacks war jetzt prall gefüllt. Rechts außen wurde das Zelt reingestopft, links drei Liter Wasser in zwei Flaschen. Meine Regenhose wanderte in eine vordere Tasche, die Isomatte hatte ich oben auf dem Rucksack befestigt. Ehrlich gesagt, das Ganze sah schon sehr gewaltig, regelrecht abenteuerlich aus. Jetzt wurden noch meine Sandalen dran befestigt und in der oberen Tasche ein paar Dinge nebst Wegzehrung versenkt. So stand das pralle Ding endlich vor mir. Der Anblick ließ mich kurz grübeln, allerdings nur kurz. Lars kam, er ebenfalls bepackt mit seinem Rucksack, an diesem baumelte eine Pfanne. Er musste noch die Gaspatronen, die Töpfe und sein Zelt verstauen. Dann ging es los, als Erstes hatte ich mir meinen Rucksack auf den Rücken geschleudert. Das Ding landete auf mir, riss mich fast nach hinten. Ich dachte: Ach du scheiße, was ist denn das für ein schweres Geschoss auf meinen Rücken! Doch was half es, einmal tief durchgeatmet, dann wurden die Riemen befestigt.

Wir setzten uns in Bewegung. Von Werneuchen ging es über das Feld nach Weesow, anschließend weiter über Willmersdorf nach Bernau, insgesamt 13 Kilometer. Pah, das war doch gar nichts, denn für diese Strecke brauchte ich mit dem Fahrrad im Schnitt eine halbe Stunde. Wir liefen auf dem Fahrradweg, dann am Straßenrand entlang. Das Ding auf meinem Rücken wurde zunehmend schwerer, der Schweiß lief mir in Strömen runter. Willmersdorf, ich entdeckte eine Haltestelle, wir schlichen hin, um uns für kurze Zeit von der Last zu befreien. Ich schaute Lars an, der grinste. „Mann, ist das schwer“, ächzte ich. Er nickte, woraus ich schloss, dass es ihm sicher genauso erging. Seltsamerweise fühlte ich mich während der Wanderung, trotz des Klumpens auf meinen Rücken, sauwohl. So sah ich doch die Gegend bei dieser Geschwindigkeit ganz anders als vom Fahrradsattel oder mit Blick aus dem Auto.

Wir kamen nach zweieinhalb Stunden in Bernau an, genauer gesagt am Ortsschild. Anschließend brauchten wir zwanzig Minuten bis zu Edeka, um Nahrungsmittel fürs Abendmahl nebst Frühstück einzukaufen. Ein Apfel, eine Packung Brot, eine Dose Wurst. Am Fleischstand entdeckte ich eine leckere Wurst, luftgetrocknet und mit Knoblauchgeschmack, die musste ich haben. Auf dem dazugehörigen Schild stand was von 1.90 Euro. Ich verlangte die Wurst, die Verkäuferin wog sie, nannte einen Betrag von 10.30 Euro, ich schluckte, kaufte sie trotzdem. Sagte mir: Gut, die schmeckt bestimmt so geil, dass sie mich für den Preis entschädigt. Lars wollte auch eine solche, kaufte sie. Inzwischen war Mittagszeit, wir gingen hoch zum Vietnamesen, dort gab es ein Mittagsbüfett für 7.50 Euro. Wir hatten den Bong gekauft, uns den Bauch mit Glasnudeln, Tintenfischringen, Ente kross und süßscharfer Suppe gefüllt. Weiter ging es mit vollem Magen und einer leichten Müdigkeit. Nächstes Ziel war der mir bekannte Liepnitzsee mit glasklarem Wasser, mitten im Wald gelegen. Ich musste die Schuhe wechseln, zog mir meine Sandalen an. Meine Füße glühten schon, die Armeesocken erwiesen sich als völlig ungeeignet, sie rutschen immer unter die Fußsohlen. Die Gegend am See war pure Streicheleinheit für die Seele. Lars machte ein Foto von mir, während ich im See stand. Eine wahre Wohltat für meine Füße, das Wasser war arschkalt, es zwickte mich und tötete den Wunsch, ein Bad zu nehmen. Wir hatten schon 25 Kilometer überwunden, meinten nunmehr, dass es für den ersten Tag reichen würde. Die passende Zeit, uns einen Platz zum Zelten zu suchen. „Hier ist es nicht gut zum Übernachten. Zu viele Hundebesitzer, die Gassi gehen, da findet man keine Ruhe“, bemerkte ich. Also nochmals das Gepäck aufgenommen, aufs Neue losmarschiert. Ursprünglich wollten wir uns auf dem Weg durch den Wald eine passende Stelle suchen, doch plötzlich stießen wir auf lauter Zäune. Wir marschierten zur Straße und fanden uns vor dem Ortsschild von Wandlitz wieder. Nach einem kurzen Blickwechsel sagte ich: „Los, wir durchqueren Wandlitz.“

Liefen weiter, kamen zum Bahnhof, der genauso trostlos wirkte wie jener in Werneuchen. Der Anblick vermittelte prompt den Eindruck permanenter Unwillkommenheit. Links am Wandlitzer Bahnhof entdeckten wir einen Pfad, der ins Grüne führte. Dachten wir zumindest, war aber Versuch und Irrtum zugleich. Jetzt begann eine einstündige Wanderung durch die Wohnsiedlung, über Wiesen, wo das Gras bis zu den Kniekehlen reichte. Immer wieder dachten wir, es endlich geschafft zu haben, welch ein Irrglaube, es ging weiter. Ein Stück Wald zeigte sich zwischen Häusern, wir verzogen uns dorthin, denn wir hatten inzwischen keine Lust mehr, weiterzusuchen. Wir fanden ein Stück freier Fläche zwischen Kiefern, in Sichtweite die nächsten Häuser, aber egal, wir warfen die Rucksäcke auf den Boden. Welch eine Erleichterung, nun hieß es, den Schmerz aus den Schultern zu lassen, dann folgte eine kurze Dehnübung. Wir einigten uns darauf, immer zuerst die Zelte aufzubauen, bevor wir essen. Der Aufbau meines Zeltes ging ziemlich schnell vonstatten. Meine Isomatte sollte sich eigentlich selbstaufblasend entfalten.