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Rainer Kintzel

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Beschreibung

Teil zwei meiner Biografie, der erste Teil - Treibholz - 1954 bis 1991 beschreibt mein Leben in der DDR, der zweite Teil - Ausgesetzt - mein Leben nach der Wende bis heute.

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Seitenzahl: 695

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Rainer Kintzel

angeschwemmt - Ausgesetzt

Teil zwei meiner Biografie

© 2021 Rainer Kintzel

Lektorat, Korrektorat: Uta Schulze

Verlag und Druck:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-22598-5

Hardcover:

978-3-347-22599-2

e-Book:

978-3-347-22600-5

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Für Yvonne, danke für alles, einschließlich deiner Liebe und der Fähigkeit mit einem Menschen wie mir zusammen leben zu können.

Für meine Enkelkinder Jan, Damion, Sophia, Olivia

Für Gabi Bofinger und im Andenken an Manfred Bofinger auch Bofi genannt (geb. 05.10.1941 in Berlin. Gest.am 08.01.2006 in Berlin)

Für Uta und Otto

Für mich selbst.

Kurz zum Anfang dieses Buches: Nach Veröffentlichung des ersten Bandes gab es Hinweise an mich, dass einige Dinge aus Sicht der Leser so nicht geschehen seien. Hinweise, dass das Moped nicht SA--Peng genannt wurde, sondern SR- Peng. Christa und Vera monierten, dass sie in der Schule nicht ständig in Pionierbekleidung rumpropellert sind. Wobei Christa das entspannt sah, Vera wohl weniger. Nochmals für die Leser: Alles, was ich schreibe, sind meine Erinnerungen, meine Empfindungen, meine Sichtweisen. Die können aus Sicht Außenstehender falsch sein oder was weiß ich was. Dieses Buch verkörpert keine allgemeinen Wahrheiten oder geschichtliche Abläufe in ihrem zeitlichen Kontext. Alles ist mein subjektives Sein, meine Widerspiegelung dessen, was war. Viel Spaß beim Lesen

„Wer seine Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.“ (Sigmund Freud)

„Alle Anhäufungen enden mit Vernichtung. Alle Erhebungen mit Herabstürzen; Verbindung endet mit Trennung. Das Leben mit dem Tod. Alles Entstandene endet mit vergehen, allem Geborenen ist der Tod gewiss; nicht dauernd ist in dieser Welt das Bewegliche wie das Unbewegliche.“ (Mahabharata)

1991-1997 Auferstehung und Fall

Was nun, desillusioniert, sich fremd fühlend, ausgesetzt in fremdes Land. Beobachter, das war ich. Die Familie, Freunde, Training, mehr nicht, außer einem großen Staunen. Du stehst da, schaust, denkst, dass etwas passieren müsste. Gut, es geht weiter, es geht immer weiter. Oder du entscheidest, dass es nicht weitergehen soll, dass du es für dich beendest, dass du dir sagst: „Den Scheiß zieh ich mir nicht rein.“ Du bist kein Formwandler wie all die anderen. Du stellst dir die Frage: „Wozu, wofür, für wen?“ Ich musste an Albert Camus denken, an sein Buch „Der Mythos von Sisyphos-ein Versuch des Absurden“.

Für mich ging es um die Philosophie des Selbstmordes oder seines Ausschließens. Die Frage nach dem Sinn, dem Sinn des Lebens und den ihm anhängenden Dingen.

„In der Bindung des Menschen an sein Leben gibt es etwas, das stärker ist als alles Elend der Welt. Die Entscheidung des Körpers gilt eben so viel wie eine geistige Entscheidung, und der Körper scheut die Vernichtung. Wir gewöhnen uns an Leben, ehe wir uns ans Denken gewöhnen. Die Hoffnung auf ein anderes Leben, das man sich verdienen muss, oder die Betrügerei derer, die nicht für das Leben an sich leben, sondern für irgendeine große Idee, die über das Leben hinausreicht, es erhöht, ihm einen Sinn gibt und es verrät.“ (Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH Hamburg Juni 1959 Seite 12-13).

Aber was helfen alle Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Tolstoi, Dostojewski, Hesse. Alle mit Fragen auf diesem Pfad, nur die Antwort, die Antwort gibst du dir selbst. Du musst für dich entscheiden, wie tief der Fall ist, den du verkraftest. Ich war aber nicht nur für mich auf diesem Planeten. Da gab es meine Frau, die ich liebte. Kinder, die nicht auf diese Welt kamen, weil sie darum gebeten hatten. Strittmatter hat im 3. Teil „Der Wundertäter“ mal so schöngeschrieben: „Der Zufall, die Geilheit, das Gewollte und Ungewollte sind der Grund für entstehendes Leben.“ (Zitat nicht wörtlich, sondern sinngemäß) Nun kann man ja nicht all diese Menschen fragen: „Eh, was haltet ihr davon, wenn ich mich in die Ewigen Jagdgründe begebe.“ Also weiter existieren, zuschauen, mitmachen, teilhaben, beobachten, bla. Die Idee verraten oder auch nicht. Darwins „Die Anpassungsfähigkeit der Arten“ ist eine der Gründe für das Leben, für das Überleben. Die Masse tats widerspruchlos, weil gewollt, die anderen mussten sehen, wie sie was taten. Viele sagten „Tschüss“ und radierten sich aus. Der Großteil feierte sich, feierte die angebliche Revolution. Der Wühltisch ehemalige DDR war eröffnet, das Bedienen ging los. Das war mein subjektives Empfinden, meine Wut über die Feigheit, nicht einen eigenen Weg beschritten zu haben, sondern sich für den bedingungslosen Konsum zu entscheiden, für den Konsum aller Dinge. Ich fand alles Scheiße, ich fand fast alles Scheiße. Ein Haufen Kackfressen, deren Bildungsgrad einem Gullideckel glich. Der blanke Hass eines Verlierers, ohne Bindung an das Vergangene. Also auf in das Neue, in das nicht Gewollte, in das Ausgesetzte. Der erste Weg ging ins Arbeitsamt. Mein innerer Beschluss für die Kapitalisten-Stinker keine Leistung, keinen Einsatz, kein Engagement zu erbringen. Den nackten Arsch aus dem Fenster hängen. Die philosophisch-intellektuelle Demonstration: „Ihr könnt mich mal.“ Auf dem Weg zum Arbeitsamt begegnete mir mein ehemaliger Kampfgruppenkommandeur, für den ich immer eine impertinente Pfeife mit aufrührerischen Gedanken war. Der fragte mich: „Wohin des Weges?“ Meine Antwort: „Zum Arbeitsamt. Arbeitslosengeld beantragen.“ Der schaute mich an, dann folgte der Satz der Sätze: „Du bist doch ein junger, kräftiger Kerl. Du findest doch überall Arbeit.“ Ich dachte: „Du Arschloch, genau du sabberst mich hier voll, für den Klassenfeind, für deinen Ehemaligen zu knechten.“ Ich ließ ihn ohne Kommentar stehen. Nichts ahnend, dass bald eine Steigerung folgen sollte. Ich pilgerte also weiter und erreichte den Ort meines Begehrens. Da steht doch einer in so einer schwarzen Uniform und schaut sich das kommende Volk an. Ich sehe ihn, er mich. Der bekommt einen roten Kopf, ich Stielaugen, die mir wie 50er Kesselnieten aus dem Kopf traten. Das war doch der Typ der SED-Kreisleitung, der von der KPPKK. Wie oft habe ich bei dem gesessen und mir anhören müssen, was ich doch für ein Individuum sei. In mir, in meinem Kopf, liefen rasend wie in einem Film alle Foltermethoden der Heiligen Inquisition ab: Streckbank, Daumenschrauben, aufs Rad flechten, Teeren und Federn, Ausweiden und. Ehe ich mich für eines dieser vielen Umerziehungsinstrumente entscheiden konnte, retournierte der Held in Schwarz. Ich dachte noch: „Der, der ständig davon faselte, wie er doch die Arbeiterklasse liebhat, sich für diese den Arsch aufreißt, der steht nun hier und passt auf im Auftrag der Kapitalisten, dass sich ihre Arbeitsnehmer auch ordentlich bewegten.“ Ich musste mich innerlich schütteln und staunte, wie schnell doch die Anpassungsfähigkeit bei einigen schon zu Buche schlug. Im Arbeitsamt herrschte Hochbetrieb. Anmelden, man wird zur Nummer, sitzt stundenlang, geht rein zu seinem Berater, die damals überfordert, unmotiviert waren. Gefühlte 2000 Seiten Formular ausgefüllt, Anträge gestellt und wieder raus. Bei mir hat alles reibungslos funktioniert, bei vielen anderen war es ein zermürbender Prozess. Gut, Geld gab es erst einmal, sogar nicht wenig. Die Mieten noch die alten, eigentlich ließ es sich so leben. Die Wohnung neu gemacht, die Zimmer eingerichtet, Platz für alle. Die Etagenheizung war das einzige Problem. Immer wenn der Schornsteinfeger kam, stiegen in der Küche Rauchschwaden aus allen Ritzen des Ofens. Fettiger Ruß, der sich freudig auf alles niederließ, was da so stand. Meine Sprachlosigkeit war symbolisch, meine Reaktion getrieben von keiner Lust auf diesen Scheiß. Da sagte ich zu meiner Frau: „Du Spatz. Ich muss mal schnell los. Was besorgen.“ Yvonne hocherfreut, ob dieser Auszeichnung. Es dauerte Stunden, die Küche von dem fettigen Ruß zu befreien, denn der zeigte eine unglaubliche Anhänglichkeit. Man könnte fast denken, dass er uns ganz doll liebgehabt hat. Ich begann langsam die Augen zu öffnen, ein Teil von mir. Der andere lag auf der Lauer, leckte seine Wunden, wartete, um zuzuschlagen. Ringsherum eröffneten neue Läden: Fleischer, Videothek, Gaststätten. Der Buchladen überlebte erst durch eigene Kraft, später durch die Hilfe vieler. Er wurde auch mein Laden zum Erwerb allen Lesbaren für mich. Das Angebot jetzt riesig. Man konnte alles bestellen. Es bekam etwas vom Zille-Flair. Man kannte sich. Die Läden wurden nicht von Fremdem geführt, sondern von Leuten aus der Gegend. Die Gaststätte, für uns die Casa „Plesser“, italienisch, die Köche Pakistanis, der Chef auch. Norbert war der Bediener, Kellner oder wie es jetzt hieß: Servicekraft.

Er wurde zum Urgestein: Immer gut drauf, gut drauf für seine Kunden. Zeit für ein Schwätzchen, Zeit für ein Anstößerchen, Berater für das Zusammenstellen von Speisen, das neu für mich, für uns war.

In dem Vorangegangenen, in der ehemaligen DDR war das Betreten einer Gaststätte ein Ereignis der besonderen Art. Man kam devot hinein, seine Durchlauchtigkeit der Kellner näherte sich mit einem mitleidsvollen Lächeln. Man bekam einen Tisch zugewiesen oder nicht. Das Zusammenstellen von Speisen gab es nicht. Es gab eine Speisekarte und die war unumstößlich. Alles andere wäre eine Amtsanmaßung gewesen. Die Kellner und die Kellnerinnen zu dieser Zeit waren eine besondere Spezies. Machthaber im Kleinen, bestechlich im Großen, Kritik durch den Kunden kam dem Hochverrat gleich. Ein besonderes Erlebnis damals war der Besuch im „Gastmahl des Meeres“. Ich wollte mit jemandem (Der Name ist mir entfallen.) da rein zum Tanz. Wir wurden mit der Bemerkung: „Ist schon voll“, abgewiesen. Ich wusste, dass das nicht stimmte und stürmte das Objekt. Außer ein paar Leute von drüben, keiner drinnen. Das war das Jagdrevier der Wessis zum Abschießen von Ossibräuten. Das Winken mit der Westkohle ließ die Kellner und Kellnerinnen hechelnd durch die Gegend propellern. Wir verschwanden. Mir war das zu blöd und peinlich und sagte noch zu meiner Begleitung: „Die Typen da drinnen aus dem Westen sind die, die da drüben einen Tritt in den Arsch kriegen und hier schieben sie den Dicken Maxe. Und diese Bräute da drinnen sind so dämlich und lassen sich für eine Strumpfhose vögeln.“ Jeder sucht sich eben sein eigenes Himmelreich. Gut, das ist Vergangenheit. Jetzt gibt es eine andere Kultur, ein anderes Verhältnis von Gast und denen, die sie bedienten. Auch hier viele ehemalige DDRler, die sich jetzt so benahmen, als ob die Sklavenhaltergesellschaft an die Tür klopft.

Der Sport geht weiter, mein Training im neuen Land

Unsere Trainingsstätten gingen uns verloren, unseren Verein mit seinen Mitgliedern gab es noch. Ich fand in meiner Nähe, 10 Meter hinter der ehemaligen Grenze, eine Trainingsmöglichkeit. Das Ding hieß Fitness-Studio. Ich schaute mir das an. Die Besitzer, die neuen, Thomas und Ekki, waren ehemalige Mitarbeiter beim MfS, Thomas für die Erfassung der Rechten in der DDR zuständig, Ekki in der Sportkompanie des Wachregiments (wo ich in jungen Jahren auch trainiert hatte) als Judotrainer für Kinder tätig, Schwarzgurt. Seine Kinder aus Adlershof trainierte er hier. Das Studio hatten sie dem alten Besitzer abgekauft. Die Mischung von Wessis und Ossis war hier fifty, fifty, der Sport als gemeinsame Grundlage verbindet. Ich habe dort viele Leute kennen gelernt, die ich spannend fand. Einer von denen, sein Spitzname Mörder, den richtigen kannte ich nicht, der an den Deutschen Meisterschaften im Bankdrücken teilnahm, erzählte mir, dass er aus der DDR abgehauen sei. Er betonte aber, dass er nie jemanden umgebracht hat. Der Name Mörder vielleicht, weil er mörderisch trainierte. Er meinte zu mir: „Du hast ja Schultern wie Kinderköpfe. Hast du wohl im Osten ordentlich was geschluckt?“ Die Wessis glaubten, dass die DDR ein Anabolika-Paradies war. Ich machte mir nicht die Mühe einer langen Erklärung und sagte: „Nö.“ Ein anderer ehemaliger Europameister im Bodybuilding führte mich in die Geheimnisse seines Trainings ein. Ekki fuhr mit mir nach Altglienicke, wo er mit seiner Frau noch ein Studio in einem Einfamilienhaus hatte. Das stand aber vor der Abgabe, da der Verpächter einen unverschämten Pachtpreis verlangte. Er stellte mir Biggi vor, die hier als Trainerin agierte. Ekki meinte so nebenbei, dass er mich eventuell als Trainer nehmen würde. Ich hatte ihm von meiner Laufbahn als Sportler erzählt. Das Studio perfekt von den Trainingsmöglichkeiten, den vielen leckeren Eiweißdrinks, Riegeln und, den Klamotten für das Training. Es war ein Schlaraffenland, so man es sich leisten konnte. Ich konnte es. Mein alter Freund Rainer aus dem Verein kam auch ins Studio und spendierte mir eine volle Ausrüstung an Klamotten. Er war vorher Schlosser bei Berlin-Chemie gewesen, jetzt Einrichter in einer Druckerei, 3000 Netto, fette Westmark. Rainer war nie geizig, immer großzügig, immer im Vertrauen in das Gute im Menschen. Das sollte ihm später das Genick brechen, nicht körperlich, sondern symbolisch. Wossi, Besitzer einer Waschanlage in einem Autohaus von Renault, war heiß auf Anabolika. Nicht nur er. Bei ihm konnte ich später nebenbei eine Menge Geld als Autowäscher verdienen. Wossi war da richtig fair, zahlte pünktlich am Ende der Woche bar auf die Hand. Autos auspacken, die nagelneuen, dann erste Wäsche, alte Autos aufpolieren, Innenraumreinigung, Schadstellen kaschieren, alles solche Dinge. Zu dieser Zeit durfte der Kunde ordentlich zahlen. Zurück zum Studio. Ich habe noch nie so viel Anabolika-Nascher wie hier im Westen erlebt. Noch nie erlebt, dass man fast alles bekommen konnte, was man wollte, egal wo ich später trainierte. Der Westen, der sich über den Anabolika-Staat DDR aufregte, hätte sich selbst mal um die Massen an Naschern im Volkssport-Bereich kümmern sollen. Aber das geht nicht. Da musste man sich lieber nur mit der Anabolika-Diktatur des anderen befassen. Der Blick in die eigene Geschichte verpönt. Glatze war mit Abstand der schärfste: Ein ehemaliger Ossi, der sich vor der Wende in der DDR über Apotheken Oral-Turinabol besorgte. Die Wessis dachten, dass es in der DDR-Wundermittel auf diesem Gebiet gab. Seine Oma schleppte dann das Zeug rüber. Sie wurde nie erwischt, Glatze auch nicht. Der konnte davon gut leben. Das war jetzt vorbei. Jetzt gab es andere Sachen. Eines Tages stand der vor meiner Tür: „Du Rainer, hast du 300 Mark?“ Ich fragte mich wofür. „Ich kann dir eine Pumpgun verkaufen und 500 Schuss scharfe Munition.“ Ich dachte, dass Glatze einen Witz macht. Das machte er nicht. Er wollte mir doch echt so eine Wumme verhökern. Ich musste lachen, sagte: „Nö, hab die Kohle nicht.“ Er: „Kein Problem. Wenn du aber mal so ein Ding brauchst, weißte Bescheid.“ Yvonne und Kerstin kamen auch in das Studio zum Training. Neu für mich auch Fred und Beate, Frank und Mona. Fred arbeitet im Straßenbau, Beate jetzt irgendwo bei der Wohngeldstelle oder so. Fred regte sich immer auf, was die Bürohocker so verdienten. Damit meinte er Beate, seine Frau. Derweilen er sich bei Wind und Wetter den Arsch aufreißen muss, damit letztendlich die vorher genannten von seiner Steuer bezahlt werden. Mona saß jetzt bei Siemens in Treptow in der Lohnbuchhaltung und wurde übernommen. Frank, ehemaliger Politoffizier bei den Grenzern, arbeitete jetzt bei Portas im Vertrieb. Allesamt in Ordnung. Mit denen konnte man über alles reden. Sie wurden unsere Freunde. Fred ist es heute noch, den Rest habe ich aus den Augen verloren. Fred wurde mein Finanzminister. Er musste uns, mir und Yvonne, in brenzligen Situationen helfen, was er immer tat, bis auch sein Vermögen versiegte. Mein Verhältnis zum Geld war wie eh und je. Was da ist, ausgeben, schauen, wie man über die Runden kommt, ansonsten Anleihen, die immer zurückgezahlt wurden. Bis auf zweimal in den alten Zeiten. „Jürgen und Andreas, ich danke euch!“ Da kam nie ein Vorwurf oder eine Forderung. Wenn ich tot bin, bekommt ihr meine Socken nebst Badelatschen. Wir haben uns bei Umzügen geholfen, Partys gefeiert, Wochenendfahrten unternommen. Da war sie wieder, außer meiner Familie, die Welt in der Welt beim Sport. Beate half uns beim Wohngeld. Sie hatte uns darauf hingewiesen. Wir fragten: „Wie sollen wir was beantragen, von dem wir gar nicht wissen, dass es so was gibt?“ Sie sagte, dass sie belehrt wurden, dass sie darüber nicht aufklären sollten, sondern sich jeder selbst informieren muss, um es beantragen zu können. Eine neue Erfahrung ist das gewesen, für mich, für uns. „Kümmere dich selbst um deinen Kram.“ Heute ist das etwas anders. Kerstin redete mit Detlef, der uns in der Wohnung Bad und Klo installiert hatte, dass unser Heizkessel Mist ist, nur Dreck macht.

Detlef kam, schaute sich alles an, redete mit seinem Vater. Wir bekamen von seiner Firma einen Kredit für einen Gasbrenner nebst Einbau. Detlef erledigte alles und wir waren den Dreck los. Auch ein Segen der neuen Gesellschaft. Es gab, was man brauchte, so man es bezahlen konnte. Die Hilfsbereitschaft, Solidarität unter meinen, unseren alten Freunden nebst den neuen, gab es noch. Für mich in vielem ein Trost. Es gab etwas neben der Familie, das es wert war zu erhalten.

Das Leben eben

Im Haus, in dem wir wohnten, fanden wir ebenfalls neue Freunde: Bofis. Das sind Manfred und Gabi plus Tochter Luise, damals 3 Jahre alt. Der erste Kontakt zu Bofis war die Flutwelle durch unsere defekte Leitung in „Treibholz“ beschrieben. Manfred fragte mich, ob ich nicht zu Weihnachten in seiner Familie den Weihnachtsmann spielen könnte. Klar, kein Problem. Ich fragte ihn, ob er es bei uns machen könnte. Auch das kein Problem. Ich war als erster dran. Mich verkleidet, geschminkt, den Bart mit Mehl gepudert, den Geschenkesack, den mir Manfred vorher hochbrachte, geschultert und runter, geklingelt und rein in die gute Stube. Da saßen sie: Gabi, Betti, Manfreds Tochter, Tomi, der Mann von Betti und Bruder von Gabi, Manfred, Kelli, Manfreds Tochter Luise, Klara, die Tochter von Betti und Thomi. Ich machte meine Sprüche, die Kinder mussten ihren Kulturbeitrag erbringen, die Erwachsenen auch. Der Sack riesig, die Geschenke massig. Die Bofis waren die Weltmeister im Schenken. Das durften wir später auch genießen. So lernten wir den ersten Teil von Gabis und Manfreds Familie kennen. Wir durften über einen langen Zeitraum Teil dieser Familie sein. Bis das Leben uns trennte oder sagen wir es so: Bis mich irgendwann das Teufelchen ritt, bedingt durch viele Dinge, und ich dieses Verhältnis zerstörte. Zu Gabi und Luise habe ich es repariert, mit Manfred kam es nicht dazu, da er viel zu früh gestorben ist. Hätte er zu dieser Zeit noch gelebt, wäre es so nicht passiert. Er hätte es verhindert.

Er war einer der wenigen, der es bei mir gekonnt hätte, auf den ich bereit war zu hören. Ein Freund, den ich vermissen werde, bis der Kumpel mit der Sense mich zu ihm führt. Schön wäre es. Yvonne hatte immer zu mir gehalten, obwohl sie mit meiner Art und auch der Entscheidung, mir keinen festen Job zu suchen, nicht einverstanden war. Ich bin aber in einigen Dingen stur, unbelehrbar, arrogant, weltvergessend, ignorant, eben all das, was man nicht sein sollte. Damals fühlte ich mich im Recht und wenn ich mich so fühle, bin ich nicht erreichbar. In meinen dunklen Phasen, die meinen Raum verengten, das Blickfeld minimierten, den innerlichen Schmerz erhöhten, mich, die Welt und die Menschen hassen ließ, reifte dann die Saat auf falschem Boden. Gepaart mit meinen anderen Eigenschaften führte es zu solchen Dingen. Genug geheult.

Den Rest von der Bofi-Truppe lernte ich auf einer Geburtstagsfeier von Manfred kennen. Yvonne und ich waren geladen, die Bude gerammelt voll. Ekki und Marianne, Ekki, Gabis und Thomis Bruder, Marianne, dessen Frau, Fabi, der Sohn aus Manfreds erster Ehe, Siggi, Manfreds erste Frau, Musena, ein irakischer Kurde, seine Frau Marion, viele Freunde der Familie. Es war schon eine andere Klientel als das meine. Musena arbeitete in der Ausländerbehörde und erzählte mir, dass er in ganz frühen Zeiten mit der Kalaschnikow im Irak für die Freiheit der Kurden gekämpft hat. Betti und Kelli gestalteten eine kleine Zeitung namens „Warts up“. Kelli, ein Fotograf bei der Taz oder so was, Betti in irgendeiner Stiftung, Thomi, ein Physiotherapeut, später mit eigener Praxis in der Plesserstraße, Ekki, ein Spanner auf dem Bau, das hieß früher Brigadeleiter. Mit Ekki habe ich viel über Malerei diskutiert. Er war ein ruhiger, so verlangsamt, außer wenn er einen gepichelt hatte, da konnte er schon toben und mal jemanden eine Ohrfeige anbieten. Das war bei Thomi genauso. Wenn Thomi sich mit Destillaten verwöhnte, mutierte er zum Boxer. Größe und Kraft des Gegners spielten dabei keine Rolle. So trägt jeder seinen Rucksack mit Besonderheiten. Ekki konnte gut malen, machte kleine Comics und wollte später bildhauerisch mit Gasbeton experimentieren. Fabi war der Underdog. Fabi war für mich ein Exot, immer am Grinsen, am Diskutieren, ein gelernter Ofenbauer, Berufspanker, und das schon zu DDR-Zeiten der bewusst gesetzte Widerspruch zu allem. Er setzte sich zu uns, heißt zu mir und Ekki, bot uns so eine Tüte an. Das Ding war gut, wir hoben ab, mussten über alles lachen, vergaßen, wo wir waren, bis uns Manfred darauf hinwies, dass er Geburtstag hat und wir uns ruhig daran beteiligen könnten. Das war mein erster Joint und den fand ich geil. Abflug in unbekannte Dimensionen, grinsen bis zum Gesichtsmuskelkater, Abhandenkommen jeder Ernsthaftigkeit. So zu mindestens waren die Tüten von Fabi. Und ganz wichtig: alles Bio, nicht genmanipuliert. Der totale Brüller. Der eine in mir begann sich zu normalisieren: der Sport, alte, neue Freunde, das familiäre Umfeld. Der andere in mir blieb auf der Lauer. Er war nicht einzusperren. Ich organisierte eine Fahrt nach Lychen, ein Ort in der Nähe von Fürstenberg. Es war der Versuch etwas hinüberzuretten, der Versuch etwas zu erhalten. Wir waren eine große Truppe: Andreas, Detlef, Michael K., Fred, Beate, Frank, Mona, Roland W., Yvonne, Torsten vom Studio, Iris, Marko und ich. Torsten hatte ich im Studio kennengelernt, der kannte Keule von der Uni, kannte seinen Abgang. Iris kannte ich von Berlin-Chemie. Sie arbeitete zum Schluss bei der Zeitung „Wirkstoff“, lebte eine Weile mit Mathias zusammen, hatte eine gemeinsame Tochter Maria, 1986 geboren, trennten sich. Mathias lebte jetzt mit Birgit zusammen, hatten irgendwann einen Sohn Lennert, 1990 geboren. Das sollte auch nicht ewig halten. Birgit und Mathias sah ich das letzte Mal zusammen bei einem Umzug, wo ich mithalf. Sie zogen in die Nähe von mir. Gut, das so nebenbei. Wir fuhren also nach Lychen, waren die einzigen Gäste, schliefen in Häusern mit Gasheizung. Das Objekt, ehemals im Besitz der Bezirksleitung der SED wurde jetzt von einem Palästinenser verwaltet, für wen auch immer. Es lag schön an einem See. Es gab eine Gaststätte, wo wir versorgt wurden. Abends Party. Als wir Getränke vom Verwalter kaufen wollten, wollte der für eine poplige Flasche Chantre‘ 75 Mark haben. Ich schaute den an, dachte, der verarscht mich. Nein, der meinte es ernst. Na, da konnte er sich die Flasche sonst wohin stecken. Wir saßen zusammen, es wurde getanzt. Andreas kam irgendwann zu mir und beschwerte sich, dass Torsten mit Iris tanzte und sie für sich vereinnahmte. Andreas meinte, dass die zu uns gehörte und damit ihm. Torsten sei ein Fremder. Nachts wurde ich geweckt. F. behauptete, dass M. vergewaltigt worden sei. Sie fuhren ins Krankenhaus und danach nach Hause. Torsten wurde verdächtigt, kam zu mir und fragte mich: „Glaubst du das?“ „Nein“, sagte ich. Jahre später erzählte mir Iris, dass Karsten bei ihr abgeblitzt sei. Daraufhin flog er bei M. ein. Torsten, der Typ, der meinte, dass keiner ihm widerstehen kann. M. betrunken so wie Torsten auch. Von Vergewaltigung konnte keine Rede sein, höchstens von einem Überfall und einem Etwas, was beim Ausnüchtern nicht mehr zu klären war. Zumal F. im selben Bett schlief, wo alles passierte.

Der Wilde Westen

Nach der Fahrt kam Iris bei uns vorbei und erzählte mir, dass Torsten ihr gesagt hat, dass ich für die Stasi gearbeitet hätte. Er hätte das von mir persönlich. Ich konnte erklären, wie und was ich wollte, das endete immer mit dem Satz von Iris, warum Torsten so was erfinden sollte. Mir blieb nur das große Staunen. Dazu fällt mir jetzt der Satz von Bernstein ein, einem Kollegen von Manfred: „Die, die heute kritisieren die Elche, waren früher selbst welche.“ Aber das war ja nicht das erste Mal, dass mir sowas unterstellt wurde. Warum auch immer, es erschließt sich mir nicht, bis heute. Kurz darauf erschienen Torsten und Ekki bei mir, machten einen ganz Geheimnisvollen. Sie wollten wissen, ob ich etwas erzählt hätte, über irgendeine Investition von 50.000 Mark. Ich wusste per du nicht, was die wollten. Die redeten auf mich ein. Ich sah sie an und konnte dem nicht folgen. Am Ende fiel der Satz, dass sie auch anders könnten, hätten da Kontakte. Ich fragte sie, ob sie überhaupt wüssten, was sie da labern, was sie überhaupt wollten. Ich sagte: „Ihr könnt mir drohen, soviel ihr wollt. Ich weiß immer noch nicht, worum es geht.“ Sie gingen und verabschiedeten sich von Yvonne mit der Bemerkung, dass sie keine Angst zu haben bräuchte, ihr und den Kindern passiere nichts. Sie saßen dann noch eine geschlagene Stunde für mich sichtbar in der Nähe unserer Wohnung. Das sollte mich wohl einschüchtern. Da dachte ich, dass ich wohl im Wilden Westen bin. Da war ich auch. Später erzählte Iris, dass die krumme Geschäfte machten mit irgendwelchen Sachen von Berlin-Chemie. Torsten kreuzte nochmal bei mir auf, hatte einen Beutel mit Bier dabei, versuchte alles zu klären. Auch das erreichte mich nicht, wusste wieder nicht, was er wollte. Irgendwann, nach etlichen Bieren, sagte er mir, dass er Berliner Meister im Taekwondo sei. Ich schaute ihn an, wartete, ob da noch was kommt, kam nichts, nur, dass er es nochmals wiederholte. Er ging auf die Straße, zog einen Revolver und ballerte in die Luft. Wild West pur, von einem ausgeflippten Ossi. Ich trainierte weiter im Studio. Rainer, mein alter Trainingspartner, machte jetzt mit Ekki Geschäfte. Er hatte dafür einen Kredit über 250.000 Mark aufgenommen. Da hatte Ekki wohl auch gute Kontakte. Rainer trug jetzt Ekkis Aktentasche, dackelte hinter ihm her, war der Schatten von ihm. Mir war‘s für Rainer peinlich. Sie schluckten beide Tabletten. Welche könnt ihr euch denken. Und sie machten blöde Witze, wie ich mich denn rumquälte beim Training. Es fiel noch der Satz: „Der hat so und so keine Chance bei der Berliner Meisterschaft.“ Ich konnte nur den Kopf schütteln und über Rainer staunen. Das gemeinsame Geschäft von beiden bestand darin, dass ein Italiener ihnen irgendwelche Jeans angedreht hat, die sie nun verhökern wollten. Ich sah mal die Hosen. Die beiden trugen sie, potthässlich. Ekki stellte zwei Leute ein, organisierte Modenschauen, wollte groß rauskommen, fiel groß auf die Fresse. Ladenhüter aus Italien wollte keiner. Ende vom Lied: Rainer blieben 250.000 Mark Schulden. Da er seinen Job gekündigt hatte, stand er erst einmal im Regen und das ohne Schirm. Ich dachte nur: „Warum opferte der unsere Freundschaft für so einen Blender?“ Aber Ekki musste sonst was für Kontakte haben. Greini und Biggi erschienen auf einmal im Fernsehen. Beide machten da 10 Minuten-Übungen unter Anleitung von Ekki. Ich dachte für mich: „Man, der kennt aber auch alles und jeden.“ Ekki trennte sich von Biggi und ging mit einer aus dem Studio. Die schenkte ihm ein Auto. Die ließ er sitzen, um sich mit der Schwester von Torsten abzusetzen. Biggi heiratete einen aus dem Studio. Thomas war jetzt der Chef des Ganzen. Ralf kam als Partner hinzu. Ralf war ein nicht unbekannter Körperkulturist aus der ehemaligen DDR. Mehr nicht zu diesem Thema. Ach doch, noch eins: Thomas 2 kam. Ein Karatekämpfer aus der ehemaligen DDR, jetzt Kickboxer auf dem Weg zum Profi. Mit ihm kam sein Pitbull, ein ganz lieber, fern jedem Klischee. Thomas war nun Trainer für die Kickboxer. Ich machte ein Jahr mit, dann ließ ich es sein. Thomas hatte immer die schärfsten Sprüche drauf: „Ich würde ja gerne einmal einen im Ring totschlagen“ und „Die Nutten machen mir es umsonst, weil sie so auf mich stehen.“ Wenn Mädels von irgendwelchen Firmen in die Studios kamen, um ihre Sportklamotten zu verkaufen, wurden sie selbstverständlich gleich von Thomas gebumst. Waren alle scharf auf ihn. Maskerade. Ich besuchte seinen ersten Kampf auf dem Weg zum Profi. Was ich dort sah, war ein intelligenter Kickboxer, kein Prügler. Er stellte mich seinem Trainer vor, sehr höflich, staunte nicht schlecht. Sein Umgang mit den Frauen war der eines schüchternen Jungen. Dichtung und Wahrheit, die alten Geschwister Hand in Hand. Mit Ekki verschwand auch Torsten. Ich konnte jetzt ab und zu als Trainer agieren.

Yvonne ging noch bei Berlin-Chemie arbeiten, sofern die Kinder nicht krank waren. Bei Yvonne und Rainer, die Kleinen, passierte es oft. In der Kinderkrippe fing es an, im Kindergarten ging es weiter. Yvonne kam eines Tages mit ihrem Aufhebungsvertrag. Sie sagte: „Das macht keinen Sinn. Die Kinder sind so oft krank, dass ich immer nur irgendwelche Nebenjobs bekomme, weil mich keiner richtig planen kann.“ Aber noch blieb sie bei Berlin-Chemie. Der Aufhebungsvertrag war auf einen späteren Termin fixiert. Ich hatte über Emil den Bungalow in Klein Menow bekommen, für 6 Wochen, für einen lächerlichen Preis, gebunden an die Bitte, den Garten in Ordnung zu halten. Was Emil nicht sagte, war die Tatsache, dass das Wasser für die Hütte abgestellt war. Die Versorgung mit Wasser lief in der DDR über den Nachbarbungalow. Der Besitzer von dem hatte die Leitung gekappt. Er wollte den Strom nicht mitbezahlen, die seine Pumpe verbrauchte. Martin fuhr mich mit der ganzen Truppe, sprich den vier Kindern, hin. Den zweiten Wagen fuhr Abu, der Freund von Jeanina. Der hatte sogar eine alte Waschmaschine mit dabei. Angekommen, alles ausgepackt, mit dem Nachbarn über das Wasser gefeilscht. Der war aber nicht zu erweichen. Ich stellte per Zufall fest, dass eine Leitung im Garten noch angeschlossen war. Der Nachbar merkte das bald und siehe da, auch diese Quelle versiegte. Also Trinkwasser von Herbert geholt. 50 m hoch mit dem Fass, zurück das volle Ding kullern lassen. Das Wasser für den Garten aus der Havel geholt. Die floss 30 Meter unterhalb des Grundstückes. 6 Wochen Heerlager. Am Wochenende kam Yvonne. Mal fuhr Doris sie raus, mal mit der Bahn. Es kamen alle: Detlef, Frank, Mona, Fred, Beate. Die ganze alte Truppe von der P5 hatte sich oben im alten Ferienlager die Bungalows gemietet. Roman, Martin, Sabine, Birgit, Michael, Jörg S., Andreas, Tobias, Andre W. Es muss im Mai gewesen sein, denn wir feierten meinen Geburtstag. Riesenfete an der Havel mit einem gigantischen Lagerfeuer. Uwe, der Sohn von Herbert, kam dazu. Er zeigte uns, wie er mit einem Streichholz das Feuer entzünden konnte. Es fühlte sich an wie in alten Zeiten. Die Gemeinschaft existierte noch. Es gab viel zu lachen. Andi, unser Sohn, saß mit Andre W. im Auto. Der Motor lief, die Scheiben beschlagen, beide schliefen selig. Andre W., Spitzname Wiefrosch, war ja mal der Gruppenleiter von Andi im Ferienlager gewesen. Da musste er für Andre und Nico immer die Stullen schmieren. Ich kannte Andre W. schon eine Ewigkeit. Er hatte als Lehrling in der P5 bei mir gearbeitet und blieb in der Truppe. Klein Nico war überall und nirgends an diesem Abend und die Zwillis sahen ihr erstes großes Feuer. Am nächsten Tag war das Anbaden im Peetschsee. Hier spielte Martin mit klein Rainer am Strand. Der bis heute nicht vergessene Satz von klein Rainer zu Martin beim Beobachten der Tiere im Sand: „Martin, der Käfer babbelt“- dies das Pseudonym für Krabbeln. Die 6 Wochen vergingen wie im Flug. Jeden Tag Besuch. Charly kam raus, wollte sehen, wie ich im Training stand. Er hatte meine Hanteln mit rausgeschleppt, um für die Berliner Meisterschaft zu trainieren. Roland W. kam zu Besuch. Jeanina kam mit Abu. Der hatte einen türkischen Koch dabei, der die besten Steaks aller Zeiten grillte. Susi, Abus neuer Hund, flippte vor Freude aus, rannte zur Havel, um zu planschen. M.K. kam auch nochmal mit einem Freund, der massenhaft Schokolade anschleppte. Er arbeitete bei Sarotti. Besuche über Besuche. Andreas und Uwe aus dem Ort brachten mir geangelte Hechte vorbei. Die Leute aus Klein Menow kamen und sagten mir, dass sie es ganz großartig fanden, wie ich so mit 4 Kindern hier mein Ding machte. Ich hatte bis zu dieser Zeit auch nie so intensiv mit allen vieren so viel Zeit verbracht. Klein Rainer und klein Yvonne waren zum ersten Mal angetrunken, hatten eine Flasche Sekt entdeckt und sich den darin befundenen Rest geteilt. Klein Yvonne, auch Schecke genannt, lernte schwimmen. Man konnte sie kaum aus dem Wasser kriegen. Klein Rainer, auch der Dicke genannt, schaute aus sicherer Entfernung zu. Ich bin mit Roland W. und den Vieren angeln gefahren und habe den ersten Hecht vom Boot aus gefangen. Das Gekreische und die Freude waren groß. Ich versuchte mit der Stippe, einen kleinen Fisch zu fangen. Beim Rausholen setzte ein Hecht nach und baumelte an der Angel. Nico und Andre schliefen neben dem Haus in einem Zelt, für sie ein Abenteuer. Dies war das letzte Mal, dass der Bungalow vermietet wurde.

Wider Erwarten fand noch ein Ferienlager in Steinförde statt. Merry rief mich an, ob ich mitfahren könnte und ob ich ein paar Gruppenleiter dafür gewinnen könne. Roland W. kam mit, Tobias, 3 Mädels, die ich über das Studio organisieren konnte. Alle 3 waren Erzieherinnen aus einem Kindergarten in Westberlin. Ralf bat mich, seinen Kumpel Detlef mit unterzubringen. Detlef aus meiner alten Truppe fuhr als Springer mit. Diesmal kostete es schon fast 600 Mark. Das Ferienlager wurde unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt. Mein Verdienst für drei Wochen waren 400 Mark. Mich interessiert das nicht. Zum letzten Mal habe ich Sandy mit ihrer Schwester gesehen. Ramona wie immer dabei. Andi der Stiefsohn von Peter. Peter kannte ich aus der ehemaligen P7. Jetzt fuhr er durch die Gegend und brachte Damenunterwäsche an den Mann, sprich an die Frau. Die Gaststätte „Haveleck“ war geschlossen. Es gab keinen Pächter. Es musste also ein Koch besorgt werden. Wer noch in der Küche half, ist mir entfallen. Dirk kam als Rettungsschwimmer mit. Es machte allen Kindern Spaß. Ich betreute die größten Jungs. Nachts nahmen die ihr Bettzeug und schliefen auf unserem Steg am Menowsee. Dort besuchte ich sie, traf Detlef, der verträumt auf dem Steg saß. Er rauchte eine ordentliche Tüte, strahlte über das ganze Gesicht. Elli agierte als Lagerleiterin. Obwohl es allen Spaß machte, es gut lief, war bei mir etwas abhandengekommen. Egal was ich tat, egal was ich machte, es fehlte was in mir, starb in mir, etwas war abgestorben. Es war nicht mehr mein Paradies. Ich funktionierte, war nicht mehr begeistert, ein Automatismus der jahrelangen Erfahrung, das Programm der Festplatte. Niemand trug die Schuld. Das war mein Ding, meins ganz allein. Wenn abends alle zusammensaßen, ging ich meistens nicht mehr hin. Ich saß mit meinen Jungs, hörte ihnen zu. Andi erzählte, dass sie im Konsum geklaut hatten. Wodkaflaschen, die sie im Zimmer versteckten. Ich zog sie mit dem Versprechen ein, sie auf Zuteilung ihnen zukommen zu lassen. „Aber das Klauen“, sagte ich, „das lasst ihr sein. Die Frau, die den Laden führt, wird durch euch persönlich geschädigt.“ Dies mein Argument. Sie ließen es sein. Beim Neptunfest, das ich mit Dirk machte, war ich Neptun, Dirk der Oberhäscher. Wir mussten unterbrechen, da uns die Kinder aus den kleinen Gruppen ordentlich mit Sand bewarfen. Ihre Gruppenleiterinnen, die 3, die ich organisiert hatte, plus Detlef, allesamt Wessis, saßen mit großen Augen da und vergaßen ihre Kinder. Hier gab es so und so Meinungen, die soweit auseinandergingen, was das Betreuen von Kindern betraf. Ich habe mehr als einmal den Gruppenleitern erklärt, dass sie hier kein Zusatzurlaub machen, sondern für die Kinder verantwortlich sind. Die Diskussionen gingen soweit, dass sie mir vorwarfen, dass im Osten die Kinder im Kindergarten gezwungen wurden, auf dem Nachttopf zu sitzen. Jetzt ist es schick, den Kindern am besten bis zum 5. Lebensjahr eine Windel, um den Arsch zu hauen, damit der schön mit Kacke beschmiert ist. Bei uns bösen Diktatoren durften die Kinder nicht mit Essen spielen. Ich bin noch heute der Meinung, dass das Essen kein Spielzeug ist. Gut, ich bin zurückgeblieben, der Fortschritt hat einen Bogen um mich gemacht. Man kann doch nicht der Meinung sein, dass eine Gruppe von sechs Jährigen sich den ganzen Tag selbst beschäftigt und man sie nur zum Essen bringt, weckt und ins Bett bringt. Selbst bei schönem Wetter musste man ihnen sagen, dass man da zum Baden geht. Es war nicht mehr meins, es war anders, das war anders. Ich machte meins. Ich wusste, dass das hier das letzte Mal für mich ist. Nicht nur für mich, es war für alle das letzte Mal. Nur wusste es damals keiner. Das Kinderferienlager hätte sich nicht mehr gerechnet. Es spielte auch keine Rolle mehr, was Rainer Kintzel will, die Normen werden festgelegt, in einer Diktatur, in einer Demokratie. In beiden wird die Richtigkeit begründet. Danach wissen es alle besser. Mit dem Blick von oben bis sie selbst betrachtet werden. Aber das ist das Thema, solange Menschen leben. Du lebst in einer konkreten Zeit, du hast nicht darum gebeten, du hast es dir nicht ausgesucht. Du wirst durch sie geprägt, erzogen, du gehst mit, du bist dagegen. Es gibt Gesetze, egal ob richtig oder falsch. Es gibt sie und es wird sich darum gekümmert, dass sie eingehalten werden. Gestern, heute, später, nie mehr, weil es nichts mehr gibt, was beherrscht werden muss. Danach weißt du es besser oder auch nicht. Nur das bringt nichts, außer der Erkenntnis, es bringt den Nachfolgenden was, so sie daraus lernen. Abgewichen. Diesmal flossen keine Tränen. Ich war froh, dass es vorbei war, trotz Feuerwerk, Lagerfeuer, Eldorado-Disco, Bergfest, Neptunfest. Ich war einfach froh für mich. Der Rest war begeistert. Sören hatte mich im Ferienlager besucht, Yvonne mit den Kindern und Birgit. Alles ringsherum perfekt, nur in mir nicht.

Es entstand, noch ganz klein, die Saat des Abstandes zu den anderem, zum anderem. In meinem Kopf radikalisierte sich das Widerspiegeln derer um mich, der Menschen. Zwei Seelen: Die eine, die weiter machte, teilnahm, sich vergnügte, Partys feierte, Freundschaften pflegte. Die andere, die verachtete, sich emotionalisierte, unbelehrbar wurde, der ersten zur Last fiel, die zersetzte, die mich quälte. Es begann auch, dass sich meine angeblichen Laune-Phasen verschlimmerten. Oft blieb nur die Flucht ins Bett, das Verstecken vor sich selbst, was nicht geht, vor den anderen, vor der eigenen Familie, vor allen anderen. Dann liegst du da, du könntest heulen, tust es, es ist namenlos, es ist erdrückend. Du willst abtauchen, ins Nichts verschwinden. Es umklammert dich, aber es lässt dich nicht in Ruhe. Aus diesem Raum zu fliehen, in dieser Situation, das geht nur durch eine Tür. Wenn du diese öffnest, fällst du. Es ist dann dein Ende, es ist der Fall ins Nichts, hinter dieser Tür ist kein Gang, kein Flur, ist nur unendliche Schwärze. Also musst du warten, bis der Raum sich öffnet und verschwindet. Yvonne war die erste, die erkannte, dass das keine Launen waren. Sie sagte: „Geh zum Arzt, Rainer! Du hast Depressionen.“ Ich und Depressionen, das war wohl ein Witz. Sehe ich vielleicht aus wie eine Heulsuse. Bin ich vielleicht so ein Weichling. Das ist wohl ein Witz. Verdrängung auf höchstem Niveau, Verleumdung des Erlebten, Verleumdung meiner selbst, Selbstbetrug in Perfektion. Der Schaden später nicht reparabel. Leidtragende die, die mir am nächsten waren, die eigene Familie und vor allem Yvonne.

Heimsuchung

Die lieben Brüder und Schwestern aus dem Westen wollten uns beglücken, klingelten fast täglich, um dir irgendeine Zeitung anzudrehen. Meist junge Leute, die dir die Ohren vollheulten, dass sie ihr Studium finanzieren müssten. Passte man nicht auf, hatte man gefühlte 3666 Zeitungen im Briefkasten. Der Luftrettungsdienst kreiste über Treptow, auch die trommelten dir die Tür aus dem Rahmen. Leute mit Aktentaschen, gut geschult auf die Ossis, verhökerten dir die besten Versicherungen der Welt. Obwohl der Großteil der ehemaligen DDR-Bürger aktiv die Wende herbeigeführt hatte, benahm sich der Westen mit seinen Helfers Helfern wie eine Besatzungsmacht, trotz Einigungsvertrag. Betriebe wurden aufgekauft, um sie zu schließen. Landraub gesetzlich gesichert. Die Treuhand war der Dealer für solche Aktionen, eine besondere Form der Marktwirtschaft zur Beseitigung der Konkurrenz. Maler, Schauspieler, Intellektuelle, Schriftsteller wurden abgestraft ihrer Staatsnähe wegen. Leute wie Gysi und Stolpe beschuldigte man der Stasi-Mittäterschaft. Sie konnten sich wehren, andere nicht. Dass die Stasi in einem unbekannten Maße ihre Bürger bespitzelt hatte, Menschen drangsalierte, einsperrte, ihnen die Kinder wegnahmen, was weiß ich nicht alles, das eine riesige Sauerei. Mir so nicht bekannt gewesen, man schämte sich darüber, dafür. Bei Leuten, die dem Westen dienlich waren, ging man glimpflicher um. Ich denke da an die Auseinandersetzung zwischen Diestel und Gauck. Auch dies ein Thema, was man seitenlang diskutieren könnte. Ich selbst konnte meine Stasiakte 2016 einsehen und somit vieles von dem belegen, was ich erlebt hatte. Aber ich konnte auch feststellen, was alles nicht stimmte. In meinem Fall war es zu meinen Gunsten. Meine Betreuerin damals erklärte mir folgendes: Hätte ich im Wachregiment meine 3 Jahre gedient, hätte ich als Stasi-Mitarbeiter gezählt und hätte für die Einsicht in meine Akten 75 Euro bezahlen müssen, für das Kopieren ebenfalls. Leute, die mit 17 dort unterschrieben hatten, obwohl sie später einen ganz anderen Weg gegangen sind, wurden öffentlich an den Pranger gestellt so wie Christa Wolf. Viele von denen erklärten sich, litten, wurden ausgeschlossen. Selbst Menschen, die Kraftfahrer waren, Köche, Gärtner, wurden wie Verbrecher behandelt. Ein maßloser Racheakt an vielen, der nicht gerechtfertigt war. Damit sollte nicht einer der richtigen Täter geschützt, nicht ein Opfer diskreditiert werden. Aber wenn man schon auf Rechte pocht, die Unmenschlichkeit eines Systems anklagt, sollte man sich nicht derselben Methoden bedienen. Wenn man so konsequent nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen wäre, hätte man das deutsche Volk bis auf wenige Ausnahmen auflösen und in alle Winde verstreuen müssen. Zurück zur ehemaligen DDR: Die lieben Staatswessis hatten, obwohl über alles in Kenntnis gesetzt, keine Skrupel mit diesem System vorher ordentlich Geschäfte zu tätigen. Selbst Stasi und BND pflegten auf bestimmten Gebieten gemeinsame Aktionen durchzuführen. Aber egal, darum sollten sich andere kümmern. Heute, wo sie dich abhören, wie sie wollen, wann sie wollen, wie die Amis, dann ist das okay. Eine Demokratie darf das. Wie sagte Stefan Heym mal so schön, dass „die Geschichte eine Hure ist, weil sie nur benutzt wird.“ Die Geschichte ist immer die Geschichte der Sieger, bis diese besiegt werden, dann wird eine neue geschrieben. Ohne es zu merken, wurden viele zu Rächern unter Benutzung von Methoden, die sie selbst einmal ablehnten. Heym sagte in einem Interview, dass das Schöne ist, dass der, der ihn jetzt bespitzelt, es schon in der DDR getan hat und ihn mit seinem Namen ansprechen kann, nur tut er es jetzt für eine Nachfolgeorganisation. Wenn amerikanische Geheimdienste foltern, Verbündete der Demokraten obwohl Despoten, wie in der Türkei ihre Bevölkerung knechten, Andersdenkende einsperren, dann macht man du, du, du und lässt sie weiter agieren. Wichtig ist, dass sie zum System, zur Nato gehören, zur sogenannten Demokratie. Selbst der Bau einer Mauer, der zu Recht, was die DDR betrifft, kritisiert wurde, ist kein Problem, wenn es Israel tut, oder die USA. Denn das sind ja Demokratien und die dürfen alles, was sie als richtig erachten. Da hält man sich schön bedeckt. Das heißt, dass es kein einheitliches Maß gibt. Aber auch das ist mir jetzt vollkommen egal. Die Masse schluckte es, bis dass sie sich daran verschluckt. Dann sollten sie sich wie zur Wende auf die Straße begeben. Tun sie aber nicht, solange das große Fressen in der Mehrheit funktioniert. Das Auto muss röhren, der Kühlschrank voll sein, der Fernseher, der so schön verblödet, muss laufen. Solange man um Knut heulen kann, ist die Welt in Ordnung, selbst wenn sie dabei ist unterzugehen. Heil dir mein Konsum. Alles subjektiv, alles mein Empfinden, ich bin zurückgeblieben, nicht anpassungsfähig, ignorant, ein genetisch determinierter Querulant.

Weiter immer weiter

Nach dem Ferienlager redete ich mit Frank, der mir erzählt hatte, dass er Investoren kenne, die Projekte suchten. Ich sagte mir: „Vielleicht ist das Ferienlager eine Möglichkeit, sein Eigenes zu machen.“ Nennt es naiv, blöd oder sonst wie. Ich war der Meinung, was aufziehen zu können, mit Yvonne, Roland W., Frank und Mona und Lars, Yvonnes Bruder: Kinderferienlager, Gaststätte, Strandbad, Ausflugsboot, Streichelzoo, Sportstudio. Lars sollte der Koch sein, denn das hatte er gelernt, nebst Kalkulieren und Zerlegen von ganzen Tieren. Roland sollte für den Sportbereich, Yvonne für die Gaststätte, Mona für die Buchhaltung, Frank und ich für das Kinderferienlager und die Betreuung der Gäste zuständig sein. Frank schleppte die Leute an, u. a. Markus B., Inhaber eines Kunstverlages in Westdeutschland, und ein Freund von ihm. Keine Investoren, sondern Leute die unterstützten bei der Umsetzung von Konzepten: Machbarkeitsanalyse, Anträge für die Bank, Kontakte zur Treuhand. Das Gesamtvolumen belief sich auf fast 7 Millionen Mark. Außer dem Ferienlager gab es noch ein riesiges Feld vor Steinförde, ein anderes Gebäude, den Badestrand. Alles sollte gekauft und gestaltet werden. Solche Leute bekamen 10.000 D-Mark nur dafür, dass sie den armen Ossis auf die Sprünge halfen. Nicht gebunden an den Erfolg, nur für die Betreuung. Der Weg zum Super-Bourgeois war mit dem Ziel, das Kinderferienlager zu retten, verbunden. Ein System im System zu erschaffen, die Republik Kintzel und ihre Mitkämpfer zu erschaffen, war Utopie oder vollkommene Blödheit. Es war ein Weg, eine Erfahrung, eine Pleite, nicht materiell, sondern ein Traum, der sich selbst zerstörte. Bevor das Ganze beendet war, bin ich mit Roland noch zur Bootsmesse gegangen und wir haben uns die schärfsten Kähne angesehen. Wir wurden mit Sekt empfangen, umhegt und gepflegt, Wir entschieden uns für einen drei Kieler. „Aqua-Homs“ hieß diese edle Nussschale. Das Ganze für einen Appel und ein Ei, 250.000 D-Mark, lächerlich. Markus lud mich zum Essen ein. Bezahlt hat er mit einer goldenen Karte. Er zeigte mir noch einen Verlag, den er in Berlin gekauft hatte. Wir fuhren zur Treuhand. Wir fuhren nach Grünau, zu einem Betriebsteil von Berlin-Chemie. Hier verhandelten wir mit dem Treuhandverwalter, dem ehemaligen ökonomischen Direktor von Berlin-Chemie. Der war jetzt so was wie ein Nachlassverwalter. Markus war in allem optimistisch. Die ganzen Berater, die über die armen Ossis herfielen, waren sehr pluralistisch. Sie redeten mit dir, fragten dich aus. Und siehe da, sie hatten Marx gelesen und fanden den eigentlich ganz gut. Bei anderen wuchs ihnen gleich ein Stummelbart unter der Nase, bei wieder anderen hatten sie eine Sonnenblume im Knopfloch. Sie waren gut auf uns vorbereitet, nur wir nicht auf sie. Der Unwissende war in der Pflicht sich zu informieren, zu lernen. Das Leben verpasste ihnen einen schnellen Kurs. Der noch so schlechteste Staatsbürgerkundeunterricht hatte alles gelehrt über die lieben Kapitalisten. Nur war der jetzt der Wolf im Schafspelz und hatte ja seine befreiten Brüder und Schwestern ganz doll lieb, besonders das, was sie besaßen. Schluss mit dem Geheule, das Ganze ging schief, zum Glück. Denn die Folgenden, die nur die Gaststätte betrieben und die Bungalows vermieteten, waren Sklaven ihres Besitzes. Das, was wir vorhatten, war so weit entfernt von allem Machbaren, wie ich von der Weltherrschaft. Markus konnte lächeln, seine Kohle bekam er.

Die allerbesten waren aber die Ossis, die zu Turbo-Wessis wurden. Die wollten nach dem alten Prinzip von Ulbricht überholen, ohne einzuholen und gleich ganz groß rauskommen. Auf diesen Ebenen vermischte es sich sehr schnell. Da fand die Vereinigung ein schnelles Ende. Das aber ist meine ganz alleinige Meinung. Die meisten taumelten rum in der Vereinigungsfreude, waren glücklich, konnten reisen, wohin sie wollen. Sie konnten sich all das kaufen, was sie sich erträumt hatten. Das alles sogar auf Kredit. Einige fielen auf die Fresse, denn Gepumptes will zurückgezahlt werden. Ich selbst nahm zur Kenntnis, dass ganz viele Gebäude, die scheiße aussahen, in neuem Glanz erstrahlten. Dass selbst mein geliebtes Fürstenberg seine Kackwürste nebst anderem nicht mehr in die Havel leitete, sondern sich dafür eine Kläranlage baute. Viele folgten. Das war ein echter Fortschritt. Die Leute konnten Parteien gründen, Vereine bilden, all das, was sie wollten. Charly wollte mich auch überreden, eine Partei zu gründen. Das alles fand in Treptow am Wasser statt. Das Datum war der 21. April. Dabei stieß er mit mir so richtig auf den Geburtstag des Führers an. Ich musste grinsen. Fällt der Zwang des Einheitsdenkens weg, öffnen sich alle Schleusen. Das Publikum um uns herum strahlte. Endlich welche, die Addi feierten. Es war für einen Beobachter unheimlich interessant zu sehen, wie Volkes Meinung war. Bei mir im Studio diskutierten türkische und arabische Mitglieder, wie geil sie Adolf fanden und dass das Vergasen der Juden leider nicht erfolgreich war. Im selben Atemzug regten sie sich auf, dass Nazis in Solingen ein Haus mit türkischen Bewohnern abgefackelt hatten. Sie stellten die Frage, warum die Nazis nicht Juden verbrennen, denn davon gab es doch genug in Deutschland. Damals fiel mir schon auf, dass es wie in der DDR eine Meinung derer da oben gab und eine des normalen Volkes. Das mag daran liegen, dass beide Seiten verschiedene Bezugspunkte hatten. Die Türken hassen die Juden, das gemeinsam mit den Arabern, die Kurden hassen die Türken und umgedreht. Die Serben hassen die Kroaten und umgedreht, die Russen die Polen und umgedreht. Und viele Türken hassen die Deutschen. Die lieben Menschen meinten, der Zuzug wäre eine Bereicherung für die Gesellschaft. Kulturell vielleicht, gastronomisch auf jeden Fall. Billige Arbeitskräfte auch noch. Nur damit erschöpfte es sich auch. Ich hatte viel mit solchen Leuten zu tun. Sie heirateten und dies bis heute, was ihre Familien organisierten. Dazu fuhr man ins Heimatland und schleppte seine Braut an. Oder sie heirateten eine Frau in Deutschland, aber sie musste derselben Volksgruppe angehören. Bis hin zu Hochzeiten, wo Männer und Frauen getrennt feierten. Also ihren ganzen mittelalterlichen Scheiß samt dem Glauben. Genauso rückschrittlich wie die Katholische Kirche im Mittelalter, nur dass das vorbei war. Ein türkischer Kollege hat mal zu mir gesagt: „Ihr seid so blöd und wir machen mit euch, was wir wollen.“ Ich will das gar nicht auswälzen. Jede Diskussion zu diesem Thema endet damit, dass der Andersdenkende als Nazi bezeichnet wird und ihm somit das Maul gestopft wird, ohne nach Ursachen zu fragen, nach sozialen Bezugspunkten. Ich schaue zu, lasse es laufen, denke an die Meinungsdiktatur in der DDR und vergleiche sie mit dieser in der bürgerlichen Demokratie. Es sind andere Spielräume, aber ähnliche Methoden. Ohne eine Lösung des Problems zu finden, was dann zum Konflikt wird. Ich habe mal zwei Jungs auseinandergebracht, als der eine auf den anderen einprügelte. Der eine war so 10 Jahre alt, der andere mindestens 18. Ich trennte die beiden Türken. Daraufhin rotzte mich der ältere an. Dann folgte der Satz: „Du deutsche Sau!“ Der Kleine tat es ihm nach. Das war dann ihre Verbrüderung gegen die deutsche Sau. Ich hätte den älteren bestimmt körperlich Maßregeln können (Verprügeln); a) machte ich so was nicht und b) wäre ich in diesem Fall der Täter gewesen. Ein anderes Mal fuhr ich mit dem Fahrrad auf dem Fahrradweg. Ein Auto fuhr auf den Fahrradweg, machte die Tür auf und ich bekam das Ding vor den Kopf. Ich brüllte: „Bist du bescheuert, kannst du nicht hinkucken.“ Die Antwort lautete: „Eh, du Nazi. Was willst du denn?“ Der, der das sagte, war ein Türke. Ich stellte mein Fahrrad zur Seite, baute mich vor diesem Hirni auf und sagte: „Wenn ich wirklich ein Nazi wäre, würde ich dir jetzt deine Türkenfresse polieren. Ich bin keiner und du kannst hier nicht auf dem Fahrradweg ballern und mir die Tür vor den Kopf knallen.“ Er schaute mich an und sagte, dass es ihm leidtue. Einmal gehe ich mit meinen Vieren und Yvonne die Sonnenallee lang. Wir haben grün, kommt ein Auto von rechts und fährt uns fast über den Haufen. Ich rufe, ob er keine Augen im Kopf hat und zeige ihm einen Vogel. Das Auto bremst, ein Typ hängt seinen Kopf raus, brüllt was rum, fährt weiter. Und wieder ein netter Türke: Yvonne fährt mit dem Fahrrad, ich ein Stück hinter ihr, ein Auto bremst, jemand reißt die Tür auf und Yvonne knallt gegen die Tür, fällt vom Rad. Der Typ steigt aus, hilft ihr nicht mal hoch. Ich steige ab, helfe ihr hoch, greife mir den Typen, der zugekifft war. Ein Türke. Ich schüttele nur den Kopf, sage zu Yvonne: „Komm, wir fahren weiter.“ Es klingelte bei uns in der Plesser an der Tür. Eine Gruppe ausländischer Jugendlicher mit Nico, dem Kleinen, standen vor uns. Sie erzählten uns, dass sie Nico geholfen haben, als eine Türkengruppe von Jugendlichen und Kindern Nico ohne Grund verprügeln wollte. Wir holten die Polizei. Die sagten, dass sie uns verstehen können, aber da ist nichts zu machen, das passiert ständig. Ich sagte: „Da müsst ihr mal die Öffentlichkeit darauf hinweisen.“ Die grinsten und sagten: „Das würden wir gern, aber dürfen wir nicht.“ DDR-Zwei. Später folgen andere Erlebnisse der besonderen Art. Ich sprach darüber mit Abu, Jeaninas Freund und auch unserer. Der sagte, dass viele Türken schon zum Hass auf die Deutschen erzogen werden. Er kommentierte das noch mit dem Satz: „Ihr lasst es euch doch gefallen.“ Er meinte noch: „Man muss euch nur als Nazis bezeichnen, schon scheißt ihr euch in die Hose.“ Meine Meinung wird nicht durch die Presse geformt oder durch die Äußerung von Politikern, sondern durch das, was in meinem Umfeld passierte und was ich selbst erlebte. Und bis auf wenige habe ich bis zu meinem Umzug ins Erzgebirge nur mit Türken und Arabern Stress gehabt und wenig mit Deutschen. Auch mit anderen Angehörigen verschiedener Nationalitäten nicht. Mit den Worten der Meinungsführer wäre ich so ein punktueller Ausländerfeind und ein Nazi. So einfach geht das. Ich schaue zu, äußere mich nicht öffentlich, sehe, wer davon partizipiert und wie die Realität verlogen wird von dem einen und ausgenutzt von anderen. Nur lösen kann und will keiner das Problem. Bis dahin, dass türkische Politiker sich zu Deutschland äußern können, wie sie wollen. Daraufhin machen die deutschen Politiker du, du, du und das war es. In dieser Frage DDR-Zwei. Sie wollen es nicht sehen, sie wollen es nicht klären.

Zur selben Zeit wurde mir klargemacht, dass ich eine Zecke bin. Ich wollte eine Flasche Wein kaufen in einer Gaststätte in unserer Nähe. Ich da rein, gerammelt voll, Bierdunst in der Luft, Rauchschwaden der Raucher. Ich ran an den Tresen, musste mich durch eine Traube von Menschen drängeln. Der Wirt schaute mich auch so an, als ob ich ein Aussätziger wäre. Ich sagte, dass ich gerne eine Flasche Wein hätte. Er nickte und ging los. Neben mir einer mit Nickelbrille, die ich richtig gut finde, mit einer Bomberjacke (im Prinzip der Fliegerjacke der Amis nachgemacht) und fetten Schnürstiefeln. Die sahen auch aus wie die Stiefel der US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Der zu mir: „Na du Zecke, kommst wohl aus Kreuzberg, mal die doofen Ossis beglotzen.“ Ich hatte damals einen Vollbart, auf den der alte Marx neidisch gewesen wäre. Dazu trug ich einen Pferdeschwanz. Ich sagte: „Nö, komme hier von einer Straße weiter“, schaute den an und wusste nicht, was der wollte. Der Wirt kam, gab dem einen Wink, schüttelte den Kopf, gab mir meine Flasche Wein. Den nächsten Tag fragte ich: „Thomas, was bedeutet Zecke?“ Er meinte, damit werden die Roten, die Linken, die Kommunisten bezeichnet. Er fragte, warum ich das wissen will. Und ich erzählte die Geschichte. Er grinste: „Da warste ja in der richtigen Kneipe. Das ist eine Nazikneipe. Da musste mal hingehen, wenn Fasching ist. Da denkst du, die Wehrmacht marschiert ein.“ Ich sagte ihm, dass da aber auch ein paar Türken sind. „Ja, die dürfen. Das sind die von den Grauen Wölfen. Die finden Adolf und die Nazis geil.“ Dies war das Umfeld, indem ich mich bewegte.

Wir fuhren im Oktober nach Groß Menow zu Herbert. Dort war ein Ferienobjekt aus DDR-Zeiten von einer Saatgut-Genossenschaft, schön am Ellbogensee gelegen. Das existierte noch. Die konnten sich den Laden noch leisten. Zu DDR-Zeiten waren hier 5 Mann beschäftigt, jetzt nur noch Herbert und Frau. Es kamen nicht mehr viele Gäste. Die ehemals Eingesperrten wollten was von der Welt sehen. Groß Menow kannten sie schon. Wir flogen ein. Sören kam mit seiner 100 Watt-Anlage, Michael K. mit von der Partie, die Mädels aus dem Ferienlager, Andrea, Dirk R., Detlef, Roland W., groß Nico, mein Sohn, Note und Roland G., Bernd G. mit seiner Freundin aus Westberlin, Andi aus meiner Gruppe im Ferienlager und noch einige mehr. Natürlich Yvonne und ich. Wir hatten das organisiert. Wir feierten so mehr als Parodie den Jahrestag der vergangenen DDR, sogar mit Feuerwerk. Herbert wusste nicht so richtig, was er davon halten sollte. Abends gab es einen Diavortrag über die einheimischen Tiere. Herbert erklärte, dass beim weiblichen Wildschwein das hintere Organ Feuchtblatt heißt. Bernd, schon nett zurechtgemacht, brüllte: „Und beim Eber heißt es Keilriemen.“ Wir mussten lachen. Ich wunderte mich, warum Bernd zwischendurch immer auf sein Zimmer ging. Dann sah ich, dass er mit einem leeren Glas lostigerte und mit einem vollen wiederkam. Bei einigen fiel das Teilen wie in alten Zeiten weg, die Umgestaltung und Formung zeiget erste Erfolge. Die Truppe fuhr nach Fürstenberg zum Billard. Sören kam danach zu mir: „Rainer, ich glaube, dass dein Sohn einen Schluck zu viel getrunken hat.“ Das hatte er, er war sternhagelvoll und saß grinsend unter der Treppe. Andi brachte ihn ins Bett. Ich glaube, Andi hatte seine Freundin dabei. Noch eine schöne Wanderung zum Stechlin. Note, Roland, meine Wenigkeit haben schön angebadet. Roland W. fuhr sein Auto unfreiwillig einen Hang runter, musste wieder rausgezehrt werden. Herbert winkte mich ran: „Rainer, pass auf. Ich kann euch alle gut leiden. Das weißt du. Wir kennen uns lange genug. Wenn ihr aber wieder so was plant, bitte nicht bei mir. Nur wenn es gar nicht geht.“ Wir hatten am Abend davor eine Fete gefeiert, Sörens Anlage voll ausgefahren, die Fenster offen, kreischend Pogo getanzt. Das hörte man bis Steinförde. Die Wildschweine im Wald der Umgebung lagen grunzend auf dem Rücken. Die Schallwelle hatte sie umgehauen. Die Jäger hätten sie nur einzusammeln gebraucht. Ich konnte Herbert verstehen. Wir müssen für ihn einer Umweltkatastrophe gleichgekommen sein. Der letzte Tag: Ich musste noch das Geld für den Grillabend bezahlen. Nach dem Sammeln fehlten 40 Mark. Alle schauten weg. Letztendlich bezahlten Yvonne und ich. Das war auch eine neue Erfahrung. Meine Beziehung zum Geld war ehe vollkommen abgewandt. Das Zeug brauchte man eben nur. Für andere wurde es zum Heiligtum. Ich habe später bei guten Freunden mehr als einmal gestaunt, wie sie abgingen, wenn es um die Finanzen ging. Der Spruch, dass bei Geld die Freundschaft aufhört, bewahrheitete sich.

Die gesamte Menschheit hängt je nach Verfügbarkeit an dem Geld. Wer kann schon in den Laden gehen und etwas haben wollen, wenn ihm das Geld fehlt. Eigentlich langweilt dieses Thema, wenn da nicht die Folgen für den Planeten wären, auf dem wir leben. Denn wenn wir des Konsums wegen (dafür benötigt man das Geld) uns kaputt fressen, alles zerwühlen, um Rohstoffe für den ganzen Mist zu gewinnen, den wir meinen zu brauchen. Alles benutzen, was zu benutzen ist. Tiere quälen mit staatlicher Lizenz, um uns gequältes Fleisch zu kaufen, in nicht nötigen Massen. Mit Kreuzfahrtschiffen wird auch der letzte Idiot zu jedem Punkt dieser Erde gekarrt. So ein Ding verbraucht im Jahr so viel Diesel wie 1 Millionen Autos. Was nicht laufen und kriechen kann, lässt sich für viel Kohle auf die höchsten Berge schleppen. Pferde werden gequält, um uns an erzwungenen Kunststücken zu ergötzen, aufzugeilen, sie über Rennbahnen treiben unter Ausnutzung ihrer Fluchtveranlagung. Den Kühen die Kälber stehlen, um uns sinn- und hirnlos das, was den Kälbern zusteht, zu nehmen. Das könnte seitenlang so weitergehen. Auf einer „Grünen Woche“ sagt die Bundeskanzlerin: „Wir brauchen für den Bevölkerungszuwachs neue Nahrungsmittel, mehr Nahrungsmittel.“ Wie blöd und realitätsfremd kann Politik nur sein. Die Erde kann die Milliarden nicht tragen. Der Zuwachs der Weltbevölkerung müsste gestoppt werden. Es scheint keinen zu interessieren, neue Konsumenten für immer mehr Produkte, Wachstum ist die Geilheit des Profits, Menschen sind Mittel zum Zweck. Selbst die zu füttern, die sonst verhungern würden, bringt denen Gewinn, die sie versorgen. Banken spekulieren mit Lebensmitteln in den so heiß geliebten Demokratien, die in ihrer Selbstdarstellung nur so triefen vor Menschlichkeit. Stolz wird berichtet, welchen Zuwachs an Passagieren die Flughäfen haben. Die ballern unsere Atmosphäre mit ihrem Mist zu. Jeder kann jeden noch so verlassenen Ort dieser Welt erreichen, um ihn dann zu konsumieren. Seelenlos sind wir alle, seelenlos allem gegenüber. Wir schaffen Kunst, wir schaffen Musik, Kunstwerke, Filme. Wir sind so aufgeklärt, wissen alles, tun aber nichts. Wir haben uns in uns aufgelöst. Wir sind leere Gefäße. Die wenigen, die dagegenhalten, die sich wehren, kämpfen, konsumieren wir. Sie haben unterhaltungswert, werden beobachtet, belächelt. Wenn ein Haus brennt, kommt die Feuerwehr, wehe zu langsam, hoffentlich keine Opfer. Wenn ja, kollektives Entsetzen. Ein Unfall auf den Straßen, Sekunden zählen, es dauert zu lange, es werden keine Rettungsgassen