Auf den Barrikaden - Detlef Vonde - E-Book

Auf den Barrikaden E-Book

Detlef Vonde

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Beschreibung

Als ein sperriges Thema wurde die Revolution von 1848/49 immer wieder und gern bezeichnet. Gleichwohl schienen sich die Zeitgenossen und späteren Kommentatoren lange Zeit einig, wenn sie von einer gescheiterten bürgerlichen Revolution sprachen. Die Erzählung vom Scheitern war jedenfalls kaum geeignet, nennenswerten Widerspruch auszulösen. Eine Rolle spielte in diesem Zusammenhang auch der Barmer Fabrikantensohn Friedrich Engels, der in den Maitagen des tollen Jahres 1849 in Elberfeld selbst auf den Barrikaden stand und mit den Revolutionären einige Tage für die Demokratie und die Anerkennung der kurz zuvor verabschiedeten Reichsverfassung kämpfte. Das revolutionäre Stadtregiment von Elberfeld blieb nur eine kurze Episode. Friedrich Engels aber haben die damaligen Erfahrungen in der Heimat und die Kämpfe später im Badischen zu grundlegenden Reflektionen über Geschichte und Zukunft der Produktionsverhältnisse und Klassenkämpfe geführt. Er hat die Erzählung von der Rolle des Bürgertums in Deutschland als eine blutige Posse des Versagens entscheidend mitgeprägt. Das vorliegende Buch versucht noch einmal, die regionalen Strukturen und Ereignisse dieser aufregenden Tage im Mai 1849 zu rekonstruieren und sie ins Verhältnis zu setzen zu den Prozessen auf den zentralen Handlungsebenen der Revolution von 1848/49. Es versteht sich damit als Einführung in eine historische Kontroverse und zugleich als Beitrag zum Engelsjahr 2020.

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Seitenzahl: 434

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Verlag Edition Köndgen

Im Verlag Edition Köndgen erscheinen Bücher und Geschenkartikel über Wuppertal, Schwelm und das Bergische Land. Die vielfältigen Facetten dieser Region werden darin lebendig präsentiert.

www.edition.koendgen.de

Inhalt

Zur Einführung

Die Erzählung vom »Scheitern«

Auf den Barrikaden im Bergischen Land: Maschinenstürmer in Solingen 1848

Auf den Barrikaden im Wuppertal: Der Aufstand in Elberfeld 1849

Vorgeschichte

Boomtowns der Frühindustrialisierung

Die revolutionäre Woche des Friedrich Engels in Elberfeld

Die Meuterei der Landwehr

Der Sicherheitsausschuss

Das Ende: Bürgerwehr als Ordnungsmacht

Die Akteure der Straße

Abrechnungen

Die Revolution wird Institution

Am Vorabend der Revolution

Die Märzrevolution als Basisbewegung

Märzministerien – Vorparlament – Fünfzigerausschuss

Im Zentrum der Revolution? –

Die Nationalversammlung

In den Einzelstaaten

Zwischenbilanz

Revolution und Konterrevolution in Aktion: Soziale Revolution und reaktionäre Wende

Handlungsebenen der Revolution

Außerparlamentarische Bewegungen: Vereine, Parteien und Kongresse

Arbeiter und Handwerker

Republikaner und Demokraten

Konstitutionelle

Politischer Katholizismus

Neue Öffentlichkeit: Presse, Petition und Festkultur

»Die Schuld der Afterbildung«

Soziale Dynamik

Agrarrevolten

Proteste und Revolten in der Stadt

Handlungsebenen der Gegenrevolution

Monarchen

Konservative

Militär, Polizei und bürgerliche Miliz

Der Kampf um die Reichsverfassung

Die Auseinandersetzungen in der Paulskirche

Die Kampagne

Bilanz: Erfolg, Misserfolg oder beides?

Zum Schluss

Quellen-Klassiker

Literatur

Verzeichnis der Abbildungen

Im Oktober 1849

Gelegt hat sich der starke Wind,

Und wieder stille wird’s daheime:

Germania, das große Kind,

Erfreut sich wieder seiner Weihnachtsbäume.

[…]

Gemüthlich ruhen Wald und Fluß,

Vom sanften Mondlicht übergossen;

Nur manchmal knallt’s – ist das ein Schuß?

Es ist vielleicht ein Freund, den man erschossen.

(Heinrich Heine, 1850)

Der junge Friedrich Engels, aus der Zeichenmappe des sowjetischen Künstlers Nikolai Nikolaijewitsch Shukow von 1952

Zur Einführung

Mit dem Elberfelder Kampf für die Anerkennung der am 28.03.1849 von der Frankfurter Nationalversammlung beschlossenen Reichsverfassung erlebte das Bergische Land nach den Solinger Fabrikstürmen vom Jahr davor seine zweite spektakuläre revolutionäre Erhebung. Sie war Teil einer breiten Aufstandsbewegung in verschiedenen deutschen Einzelstaaten seit Ende April, die unter der Bezeichnung Reichsverfassungskampagne in die Geschichtsschreibung eingegangen ist. Lange Zeit wurde dieser zweite Versuch einer Revolution als bloßes Nachspiel empfunden, als gleichsam letzte Zuckung einer längst von der Konterrevolution niedergeschlagenen, bürgerlichen Revolution. Schaut man etwas genauer hin, dann werden jedoch am Beispiel eben dieser Erhebungen noch einmal die besonderen Möglichkeiten und Grenzen in der Revolution deutlich. In dieser Geschichtserzählung hatte auch der Barmer Unternehmersohn und Partner von Karl Marx, Friedrich Engels, seinen Platz. Er war als Redakteur der Kölner Neuen Rheinischen Zeitung, als Barrikaden-Inspekteur an den Kämpfen in seiner Heimat nicht nur unmittelbar beteiligt, er hat in einer polemischen Nachbetrachtung der Elberfelder Ereignisse vom Mai 1849 diese Erhebung als eine revolutionäre Episode disqualifiziert, die zwar im Unterschied zur Märzrevolution 1848 die Tendenz zum republikanischen Umsturz in sich trug, aber letztlich in einer Mischung aus Unentschlossenheit, Inkompetenz und Angst vor der eigenen Courage scheitern musste.

Friedrich Engels, der sich zum letzten Male vor einem jahrzehntelangen Weg ins Exil für ein paar aufregende und aufgeregte Tage in der alten Heimat aufhielt, für die Durchsetzung einer demokratisch bürgerlichen Republik selbst auf den Barrikaden stand und diese sorgsam inspizierte, wurde schließlich am 15. Mai 1849 vom revolutionären Regiment in gleichsam vorauseilendem Gehorsam gegenüber Obrigkeit und Militär aus der Stadt verwiesen. Engels musste gehen. Wenn man so will, ausgebürgert von der bürgerlichen Revolution.

Diese eigenartige Episode bildet – 170 Jahre nach diesen tollen Tagen im Mai 1849 – den Ausgangspunkt für einen erneuten Blick auf die Revolution von 1848/49 und das Narrativ von deren Scheitern. Sie setzt sich dabei zunächst am Beispiel der genannten regionalen Episoden exemplarisch mit den besonderen Merkmalen dieser Erhebung in Deutschland auseinander: Kapitel 2 und 3 beschäftigen sich mit der »Revolution im Bergischen Land«. Das Bergische Land um die Städte Barmen, Elberfeld und Solingen zählte zu den dynamischen frühindustriellen Standorten und umkämpften Schauplätzen der Revolution in der Provinz, die in den großen historischen Gesamtdarstellungen lange Zeit eher ein Schattendasein fristete. Die Wahl eines regionalen Einzelfalls als Einstieg in das Thema folgt einer doppelten Absicht. Einerseits wird auf diese Weise der regelmäßig dominierende Blick von den revolutionären Zentren wie Berlin, Wien, Dresden oder Köln auf die vermeintlich weniger bedeutsamen Handlungsebenen verschoben und damit deutlich gemacht, dass diese Revolution auch in die sogenannte Provinz vordrang und hier häufig unter den Bedingungen regionaler oder lokaler Sonderkonstellationen stattfand. Andererseits sind solche Fallstudien aufgrund ihrer Überschaubarkeit bestens geeignet, Fragen nach Ursachen, Trägern, Motiven, Strategien und Verläufen der Revolution gleichsam hautnah zu entwickeln, bevor der Blick dann auf die zentralen Handlungsebenen gelenkt werden soll. Dabei wird die hier erzählte Geschichte von den Solinger Maschinenstürmern im März 1848 als eine Variante der sozialen Erhebungen dieses tollen Jahres gezeigt, bevor es im zweiten Teil um den Aufstand der Bürger im Mai 1849 im benachbarten Elberfeld geht, als es dort für wenige Tage tatsächlich gelang, ein revolutionäres Stadtregiment zu etablieren, dem nicht wenige nachsagten, es handele sich vor Ort um die Protagonisten einer zu errichtenden roten Republik. Auch Friedrich Engels, der hier Anfang Mai eine revolutionäre Woche auf den Barrikaden erlebte und als Redakteur für die Neue Rheinische Zeitung nach Köln berichtete, spielt in diesen aufregenden Tagen in Elberfeld eine interessante Rolle, wenn auch keine tragende. Kapitel 4 verlässt dann den Zusammenhang der regionalhistorischen Erzählungen, verlagert den Blickwinkel auf die zentralen Ebenen und beschäftigt sich mit der Institutionalisierten Revolution, das heißt mit derjenigen Phase des Geschehens, in der die Anfangserfolge der sogenannten Märzbewegung zur Einrichtung neuer Ministerien und Parlamente führten. In der Zeit bis um die Jahresmitte 1848 wurde die Revolution gleichsam zur Institution, dies vor allem in Gestalt der Frankfurter Nationalversammlung, deren Rolle und Problematik im Zentrum der Revolution hier vorgestellt wird. Das anschließende Kapitel Revolution und Konterrevolution in Aktion behandelt dann die Aktionsräume außerhalb der Parlamente: die Ebene der politischen Vereine, Parteien und Kongresse, die sich in diesen Wochen und Monaten in großer Breite konstituieren, die Entwicklung einer neuen Form politischer Öffentlichkeit durch Presse und Petitionen und die verschiedenen Formen einer Revolutionskultur der Straße. Die vielfältigen Formen der Organisation und Herstellung von Öffentlichkeit führten zu einer – in dieser Intensität – bis dahin unbekannten Politisierung breiter Bevölkerungskreise, die insofern einen fundamentalen Charakter annahm, als sie in den Alltag noch völlig politikferner Klassen und Milieus vordrang. Neben der widersprüchlichen sozialen Dynamik, die die Revolution ebenso vorantrieb wie gleichzeitig auch dämpfte, geht es hier vor allem um die Wirksamkeit und Durchschlagskraft der Gegenrevolution und ihrer Träger. Insgesamt also folgen wir der noch immer interessanten Frage, was denn nun genau in dieser vermeintlich bürgerlichen Revolution von 1848/49 in Deutschland so erfolglos blieb, und wo von einer Niederlage, von Scheitern oder Versagen nur unter Vorbehalt die Rede sein kann. Und wenn es dem Buch schließlich gelingen sollte, ein wenig einzustimmen auf die bevorstehenden Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Friedrich Engels im Jahr 2020, dann wäre ein schöner Nebeneffekt erzielt.

1

Die Erzählung vom »Scheitern«

Die Geschichte der deutschen Revolution von 1848/49 wurde lange Zeit überwiegend aus der Perspektive ihres Scheiterns betrachtet, und die Erzählung von der am Ende schmachvollen Niederlage ist auch heute kaum geeignet, irgendwie nennenswerten Widerspruch auszulösen. Bisweilen musste ihr Beispiel geradezu als Blaupause dafür herhalten, den Deutschen pauschal eine für sie seltsam eigentümliche Unfähigkeit zur Revolution zu attestieren. Noch 70 Jahre später soll Lenin spöttisch bemerkt habe: »Bevor die Deutschen einen Bahnhof stürmen, besorgen sie sich am Bahnsteig eine Fahrkarte.« Bahnsteige gab es auch 1848 schon und einen der ersten Großstadtbahnhöfe in Elberfeld im Tal der Wupper, Nachbarstadt von Barmen, dem Geburtsort des Erfinders des wissenschaftlichen Sozialismus. Tatsächlich haben die Revolutionäre auch dieses damals ungeheuer moderne Verkehrsmittel benutzt, ob legal oder als »Schwarzfahrer« ist nicht überliefert.

Möchte man allerdings etwas genauer hinschauen, wird man jenseits aller ironischen Distanz eher fragen wollen, was 1848/49 denn nun eigentlich wirklich gescheitert ist. Was war da los? Und was hatte Friedrich Engels damit zu tun?

Zunächst einmal waren dies die Monate einer ebenso kurzen wie gewaltigen internationalen Krise von gesamteuropäischem Ausmaß. Schon bald sprach man vom tollen Jahr, wenngleich es tatsächlich dann doch ein paar Monate mehr waren. Bis auf Russland hatten alle europäischen Großmächte und auch die Mehrzahl der Mittel- und Kleinstaaten mit Tumulten, furiosen Volkserhebungen und blutigen Aufständen zu tun, die die Zeitgenossen als irgendwie revolutionär empfinden konnten. Da prallten für viele unerwartet soziale und politische Gegensätze heftig aufeinander, nicht selten gewaltsam und manchmal blutig auf hastig errichteten Barrikaden auf den Straßen oder auf freiem Feld. Es gab Verwundete, es gab Tote. Nahezu überall in Europa wurde in den wenigen Monaten dieser Revolution zu grundlegenden Veränderungen der politischen, häufig auch der sozialen Verhältnisse aufgerufen. Und das zeigte Wirkung.

Insbesondere die Ereignisse in Frankreich gewannen dabei entscheidende Bedeutung, gerade auch für die darauffolgenden aufregenden Monate im benachbarten Deutschland. In Frankreich hatte sich – anders als beim östlichen Nachbarn – 1789 das Bürgertum zum allgemeinen Stand erklärt, in einer bürgerlichen Revolution die politische Vorherrschaft des Adels überwunden und radikalere Systemvarianten erprobt.

Als es zwei Generationen später, im Frühjahr 1848, in Paris im Anschluss an ein seltsames Verbot der Regierung von öffentlichen Kundgebungen für eine Revision des bis dato geltenden Wahlrechts zu blutigen Barrikadenkämpfen und zum Sturm auf den Palast des Bürgerkönigs Louis Philippe kam, wurde das politische Herrschaftssystem in Frankreich erneut einer radikalen Veränderung unterzogen. Dieser Februarrevolution, als die sie in die Geschichtserzählungen einging, waren massive wirtschaftliche und politische Krisen vorausgegangen, in denen sich als Gegenreaktion ein breites Bündnis der oppositionellen Kräfte des Bürgertums und Kleinbürgertums mit der Arbeiterschaft zusammengefunden hatte, welches im Frühjahr 1848 dem Versuch einer republikanischen Umwälzung die entscheidenden Impulse und den massiven Druck der Straße verlieh. Revolution, die Zweite? Der nur mäßig beliebte Bürgerkönig hatte die Metropole Paris Hals über Kopf und fluchtartig verlassen. Die Bewegung schien zunächst erfolgreich. Später sprach man gelegentlich von ihrer Fanal-Wirkung auf andere Erhebungen in Europa.

Kein Zweifel: Diese Ereignisse beeinflussten auch die Entwicklung der Situation in Deutschland im Laufe des Jahres 1848/49 nachhaltig. Die französische Februarrevolution wurde gleichsam zur Initialzündung für die folgende Märzrevolution in zahlreichen deutschen Territorialstaaten und anderswo. Der Historiker Karl Griewank skizzierte seine Sicht der Ausgangslage dieser Revolution so: »Als im Frühjahr 1848 die Fürsten und die alten Regierungen in Deutschland vor den Forderungen der Märzrevolution erschreckt zurückwichen, fühlten sie sich einer geschlossenen Front des ›Volkes‹ gegenüber, die – so schien es – nahezu alles umschloss, was unterhalb des alten Adels, des grundbesitzenden Feudaladels und des mit ihm verbundenen Dienst- und Offiziersadels stand, und die sogar manche stark intellektualisierte Angehörige des Adels mit erfasst hatte. Bürgerliche Lebens- und Gesellschaftsideale beherrschten diese durch alle Schichten gehenden ›Volkspartei‹: sie wollte das allgemeine Staatsbürgertum, die bürgerliche Gesellschaft mit persönlicher Rechtsgleichheit und Meinungsfreiheit, mit freier Bahn für jedes Erwerbs- und Erfolgsstreben gegenüber dem fürstlichen Obrigkeitsstaat und erblichen Standesprivilegien, und wollte dem deutschen Volke eine diesen Idealen entsprechende einheitliche politische Lebensform schaffen.«1 Dies wurde zunächst zusammengefasst in den Forderungen nach einem aktiven Anteil an der politischen Macht, nach Verfassungen mit echten Volksvertretungen und nach einem einheitlichen deutschen Staat. Was immer damit auch gemeint war.

Ab März 1848 beschränkte sich diese revolutionäre Bewegung also nicht mehr nur auf die Forderung zur Behebung einzelner lokaler und regionaler Missstände, sondern verlangte umfassende Änderungen der politischen Strukturen insgesamt, Pressefreiheit, Schwurgerichte, Vereinsrecht, manchmal sogar eine Bewaffnung des Volkes, stets aber die Einberufung eines deutschen Parlaments. Das zeigte schnell Wirkung: Irgendwie schien diese Revolution zunächst durchaus erfolgreich zu sein. An vielen Orten kam es in den ersten Märzwochen des Jahres 1848 im Anschluss an zumeist große Volksversammlungen zur Neubildung der ehemals fürstlichen Kabinette (Märzministerien), in die jetzt auch liberale Vertreter des ambitionierten Bürgertums Einlass fanden. Eine Reihe bürgerlicher Freiheiten wurden denn auch gewährt. Aber bereits in dieser ersten Phase der bürgerlichen Revolution, zeigten sich einige ihrer gravierenden, am Ende entscheidenden Schwächen. Sie blieb vor den Thronen stehen, ein Satz, der später zum geflügelten Wort im Kontext der Narrative vom Scheitern werden sollte. Das sollte heißen: Nirgendwo wurde die Machtposition der Monarchen wirklich und nachhaltig erschüttert, geschweige denn abgeschafft. Die Revolutionäre machten dabei mindestens diesen kardinalen Fehler: Sie ließen die Stellung der Bürokratie und des Militärs weitgehend unangetastet. Ein in letzter Konsequenz folgenreicher Umstand; denn damit standen die zentralen Machtinstrumente auch weiterhin den alten Mächten, nicht aber einer erfolgreichen Revolution zur Verfügung.

Für den weiteren Verlauf dieser gescheiterten Revolution in Deutschland stand die politische Rolle des liberalen Bürgertums im Mittelpunkt des Interesses. Die Eroberung politischen Einflusses und der zu erstellende, einheitliche Nationalstaat erforderten die Entscheidung für eine Option des radikalen Anschlusses an die revolutionäre Volksbewegung oder aber für eine Politik der Vereinbarung und des Kompromisses mit den Fürsten und Monarchen. Diese zwanghafte Alternative führte gleich zu Beginn zu schwerwiegenden Differenzen, tiefen Konflikten und letztlich zur Spaltung der revolutionären Bewegung. Bei genauerem Hinschauen aber wird deutlich, dass bereits vor den ersten revolutionären Regungen sich die sogenannten Konstitutionellen, die lediglich die monarchische Gewalt zu beschränken und verfassungsmäßig einzubinden suchten, deutlich getrennt hatten von den vermeintlich Radikalen, die als Republikaner und Demokraten die volle Volkssouveränität und Gleichheit aller politischen Rechte erstrebten.

Die finale Initiative zur Realisierung eines gesamtdeutschen Staates – das verbindende Ziel aller die Revolution tragenden politischen Richtungen und gleichsam ihr kleinster gemeinsamer Nenner – ging von südwestdeutschen Liberalen aus. Große Volksversammlungen in Offenburg und Heidelberg waren die Vorstufen zum baldigen Zusammentritt eines Vorparlaments in Frankfurt und den Wahlen zu einer deutschen Nationalversammlung, die am 18. Mai 1848 in ihrer ersten Sitzung zusammenfand.

Die Verfassungsarbeit der Nationalversammlung wurde in den dann folgenden Monaten überlagert von der äußerst komplizierten politischen Lage außerhalb des Parlaments: politische Zersplitterung, preußisch-österreichischer Gegensatz, Nationalitätenkonflikte (Posen, Schleswig-Holstein, im Vielvölkerstaat Österreich). Innerhalb des Parlaments verlief ein schwieriger Prozess der politischen Fraktionierung und Willensbildung entlang der zentralen Problematik, wie ein einheitlicher deutscher Staat tatsächlich zu realisieren und zu garantieren sei. An der Frage nach der Stellung des Parlaments zur Revolution überhaupt hatten sich bereits zu Beginn die Geister geschieden. Die Demokraten um Friedrich Hecker und Gustav Struve wollten das Vorparlament als revolutionäres Gremium für permanent erklären und versuchten nach einer Abstimmungsniederlage gegen die liberale Mehrheit, die den Übergang zu einer parlamentarischen Reichsverfassung unter einem gewählten Kaiser an der Spitze anstrebte, einen republikanischen Aufstand in Baden, der vom Militär schließlich blutig niedergeschlagen wurde.

Die zähen Verhandlungen über die Verfassung drohten Ende des Jahres 1848 festzufahren, bis der Parlamentspräsident Heinrich von Gagern mit einem kühnen Griff eine Lösung des deutschen Einigungsproblems vorschlug: Unter dem König von Preußen als Kaiser sollte ganz Deutschland außer Österreich zu einem kleindeutschen Nationalstaat, zu einem engeren Bunde vereinigt werden, der mit der Habsburgermonarchie einen unlösbaren weiteren Bund eingehen sollte. Diese Reichsverfassung des engeren Bundes, die kleindeutsche Lösung also, konnte denn schließlich auch im März 1849 mit einer äußerst wackeligen Mehrheit von gerade einmal vier Stimmen durchgesetzt werden. Das war knapp und reichte am Ende nicht zum Erfolg. Am 3. April lehnte der preußische König mit großer Geste und markigen Worten die Übernahme einer auf Volkssouveränität gegründeten Krone ab: ein wichtiges Element für die anschließende Erzählung vom Scheitern der politischen Revolution.

Auch die Entwicklung in den deutschen Einzelstaaten war dadurch bestimmt, dass den gewählten Volksvertretern der neuen Parlamente alsbald ein revitalisierter Staatsapparat mit Kraft und wachsendem Selbstbewusstsein entgegenarbeitete. In Österreich, besonders in Wien, stand der zunächst unentschlossenen kaiserlichen Regierung eine äußerst entschlossene Volksbewegung gegenüber, die sich zunehmend radikalisierte und auf weitere demokratische Zugeständnisse drängte. Die Reaktion kam schnell und eindeutig. Nach Anfangserfolgen kehrte die Regierung des Fürsten Schwarzenberg seit Oktober 1848 schonungslos zur offen absolutistischen Regierungsweise zurück. In Preußen gab sich die Nationalversammlung zunächst deutlich radikaler als ihr Frankfurter Pendant, blieb aber letztlich chancenlos, ihren mühsam erarbeiteten Verfassungsentwurf durchzusetzen. Vom preußischen König zunächst aus Berlin abgeschoben und dann vertagt, wurde sie schließlich sang- und klanglos aufgelöst, ohne dass ihr verzweifelter Aufruf zur allgemeinen Steuerverweigerung in der Bevölkerung erkennbaren Widerhall gefunden hätte. Die Fürstenhäuser der Mittelstaaten schließlich erwiesen sich in ihren verfassungspolitischen Zugeständnissen zunächst durchweg als besonders großzügig und liberal, bevor 1849 auch hier das meiste wieder rückgängig gemacht wurde.

Mitte des Jahres 1848 hatte die Gegenrevolution also Fuß gefasst und die Militärs zum gegenrevolutionären Rollback ausgeholt. Wiederum kam das Fanal aus Frankreich: Die blutigen und erfolglosen Arbeiteraufstände von Paris im Juni markierten die Wende der revolutionären Ereignisse, und zwar im europäischen Maßstab.

Barrikade in Paris, Lithografie von1848

Der Verlauf der Revolution lässt sich kurz und bündig in einer Zeittafel erzählen:

1848

23. 05.

Beginn der Barrikaden-Kämpfe in Paris

26. 05.

Blutiges Ende der Aufstände

29. 06.

Wahl Erzherzog Johanns zum Reichsverweser

12. 07.

Auflösung des Bundestages

26. 08.

Waffenstillstand in Malmö

18. 09.

Straßenkämpfe in Frankfurt

06. 10.

Aufstände in Wien

31. 10.

Einnahme Wiens durch die Truppen des Fürsten Windischgrätz, Unruhen in Berlin

08. 11.

Neues Ministerium in Preußen (Brandenburg)

09. 11.

Robert Blum erschossen

10. 11.

Truppen Generals vom Wrangels ziehen in Berlin ein

05. 12.

Auflösung der preußischen Nationalversammlung und Oktroyierung einer neuen Verfassung

1849

07. 03.

Auflösung des österreichischen Reichstages und reaktionärer Verfassungsoktroi

28. 03.

Wahl Friedrich Wilhelms IV von Preußen zum deutschen Kaiser

03. 04.

Ablehnung der Kaiserkrone

27. 04.

Auflösung der Zweiten Preußischen Kammer

Mai

Aufstände in Süddeutschland, Preußen und

Sachsen als Kampf um die »Rettung« der Reichsverfassung

30. 05.

Verlegung der Frankfurter Nationalversammlung nach Stuttgart

18. 06.

Auflösung der Nationalversammlung

23. 06.

Badener Aufstand in Rastatt endgültig niedergeschlagen

Die letzten Daten dieser kurzen Chronik beschreiben die Revolution im Endstadium, als im Frühjahr 1849 die großen deutschen Staaten die Frankfurter Reichsverfassung endgültig ablehnten. Im Verlauf der sogenannten Reichsverfassungskampagne entschieden das Militär und hier vor allem preußische Truppen den Ausgang dieses letzten Versuchs demokratisch-republikanischer und sozialistischer Kräfte, den Verlauf der Revolution noch einmal zu beeinflussen. Die Paulskirche löste sich im Mai auf. Die Parlamentarier gingen nach Hause. Nach der Devise, dass gegen Demokraten nur Soldaten helfen, wurde am 18. Juni 1849 das nach Stuttgart übergesiedelte demokratische Rumpfparlament durch preußische Truppen gewaltsam gesprengt, bevor diese auch die Aufstände in Baden, der Pfalz und Sachsen niederschlugen. Damit waren alle revolutionären Kapitel geschlossen und die Zeit der Aufarbeitung, und Abrechnungen Bilanzen konnte beginnen.

Bereits im Jahr 1848 – die Konterrevolution war längst auf der Siegerstraße – sprach Karl Marx vom Verrat gegen das Volk und attestierte der Bourgeoisie eine Abneigung gegen eine Revolution, die doch im eigenen Klasseninteresse liegen musste. Damit war noch im Laufe des tollen Jahres eine frühe Variante der Erzählung vom Scheitern geboren, und zwar eine, die sich auf das klägliche Versagen des Bürgertums kaprizierte. Deutschland, oder besser dessen rückständige Teilstaaten hatten in der Perspektive von Marx eine bürgerliche Revolution immer noch vor sich und waren geradezu prädestiniert für deren radikalere Variante und eine alsbald folgende, proletarische Revolution. Die bürgerliche Revolution sollte gleichsam das Vorspiel dazu sein. Eine kühne Prognose, wie sich alsbald herausstellen sollte; denn es kam ganz anders. Die gemäßigten Liberalen spielten einfach nicht mit. Warum auch? Warum sollten sie zunächst die politischen Verhältnisse umwälzen, um dann eine proletarische Revolution zu erdulden? Lag es nicht viel näher, ihre Forderungen auf dem Wege der Verständigung mit den alten Mächten durchzusetzen als eine weitergehende soziale Revolution zu riskieren?

Damit standen Marx und wenig später noch pointierter Friedrich Engels nicht allein. Abrechnungen und Schuldzuweisungen fanden bereits zeitgleich zu den revolutionären Ereignissen statt. Der konstitutionelle Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung Rudolf Haym etwa gab in seiner Darstellung zur Arbeit der Paulskirche den Demokraten die Schuld am Scheitern des Verfassungswerkes.2

Aus einem völlig anderen Blickwinkel als die beiden Erfinder des wissenschaftlichen Sozialismus betrachtete etwa der konservative Wiesbadener Ex-Theologe, Volkskundler und Zeitgenosse der Revolution, Wilhelm Heinrich Riehl, den Gang der Dinge aus kleinstaatlicher Perspektive und suchte nach Gründen für das Scheitern. Er vertrat die Ansicht, dass die Hauptprotagonisten der Revolution, die Bauern, sich schon bald nach der Erfüllung ihrer Forderungen zurückgezogen hätten. Damit habe die gar nicht bürgerliche Revolution ihre eigentliche Massenbasis verloren und sei daran letztlich gescheitert.3

Allerdings war es im Verlaufe des 19. Jahrhunderts nun wenig günstig, sich überhaupt als Achtundvierziger zu bezeichnen, zu sehr lastete dieser Makel des Scheiterns auf den Ereignissen. Die Geschichte wurde, wenn nicht vollständig verdrängt, so doch höchstens in den Stand einer Vorgeschichte der folgenden deutschen Reichseinigung erhoben, als deren Vollstrecker Bismarck galt. Das war es dann auch schon für lange Zeit. Revolutionsgeschichte war bis weit in die Kaiserzeit hinein, insbesondere für Historiker mit staatlichen Universitätslehrstühlen, ein heikles Thema. Die meisten deutschen Geschichtswissenschaftler schwiegen beharrlich zum Thema. Fernab des akademischen Betriebs entstanden dann diejenigen Analysen, die die ökonomischen und sozialen Ursachen der Revolution zu verstehen suchten. Die vielleicht berühmteste sogar im Exil: Von August 1851 bis September 1852 beschrieb Friedrich Engels von London aus seine Sicht der Revolution und publizierte diese als Artikelserie in der New York Daily Tribune unter dem Titel »Revolution und Konterrevolution in Deutschland«. Er leistete damit den vermutlich frühesten fundierten Beitrag zum Narrativ der gescheiterten Revolution.4 Noch eine Generation später kritisierte der bekannte Demokrat, Pazifist und Friedensnobelpreisträger Ludwig Quidde das Bürgertum wegen dessen Versagens, nicht mit der Arbeiterschaft gemeinsame Sache gemacht zu haben.5 Und vor noch gar nicht allzu langer Zeit stellte der Historiker Karl Griewank sogar die Grundsatzfrage, ob es sich 1848/49 denn überhaupt um eine Revolution gehandelt habe, »[…] um eine Umwälzung, die sich wirklich auf das staatliche, gesellschaftliche und geistige Leben unseres Volkes erstreckt habe; verbitterte Anhänger und höhnende Gegner waren sich darin einig, diese Frage zu verneinen. Verstehen wir aber unter Revolution mehr als einen bloßen Aufstand der Unzufriedenheit, dann war es eine Revolution: eine politische Bewegung, die das deutsche Volk doch in seinen Tiefen aufgerührt hat, die neuen und unterdrückten Kräften einen weithin sichtbaren Raum verschaffte, wenn dieser ihnen auch von den Gegnern wieder streitig gemacht werden konnte.«6

Die offenbar langfristige Haltbarkeit der These vom Scheitern mag verwundern, könnte man doch einwenden, dass gemessen am Anspruch der demokratischen Bewegung, eine demokratische Republik und politische Volkssouveränität durchzusetzen, dieses Narrativ zwar durchaus seine Berechtigung hat. Hängt man die Sache aber etwas niedriger und legt den bescheideneren Anspruch etwa der gemäßigten Liberalen zu Grunde, im besten Falle eine Vereinbarung mit den Monarchen zur konstitutionellen Mitarbeit zu treffen, dann kann eigentlich nur sehr begrenzt von einer Niederlage die Rede sein, wenn sie doch von dieser Seite letztlich gar nicht gewollt war. Und war nicht gerade das reaktionäre Preußen durch die Ereignisse schließlich und endlich auch zu einem konstitutionellen Staat geworden, unter dessen Hegemonie die Einigung Deutschlands dann später vollzogen wurde?

Wie auch immer: Alles in allem wird bereits auf diesen flüchtigen ersten Blick deutlich, dass die Auffassung vom Scheitern der Revolution zumindest einer eher politikgeschichtlichen Perspektive verpflichtet ist. Bei der Frage nach den Gründen für dieses Scheitern wurde in der Regel die zentrale Rolle des liberalen Bürgertums hervorgehoben. Es wurde dessen Verrat an den eigenen Interessen angeprangert, gegen die Angst vor der eigenen Courage oder vor dem entstehenden und erstarkenden Proletariat polemisiert, welche die Vertretung der eigentlich vitalen Interessen der Bourgeoisie angeblich verhindert habe.

Inzwischen darf aus guten Gründen und auf der Grundlage entsprechend differenzierter historischer Forschung bezweifelt werden, dass das Bürgertum in Deutschland eine Revolution wirklich jemals gewollt habe.7 Oder anders: Man kann keine Interessen verraten, die man gar nicht vertritt.

Das sah auch schon Friedrich Engels so, der während der Revolution nicht nur als Redakteur der Neuen Rheinischen Zeitung gemeinsam mit Karl Marx die Ereignisse von 1848/49 begleitet, dokumentiert und analysiert hatte, sondern selbst in Elberfeld auf den Barrikaden gestanden und anschließend im aufständischen Baden in den Reihen der Revolutionäre gekämpft hatte. Die Vertreter einer marxistischen Geschichtsschreibung und die neuere Sozialgeschichte haben später erfolgreich dazu beigetragen, die Perspektiven zu wechseln und den Blickwinkel zu erweitern. Sie rückten verstärkt die Radikalen und die Demokraten, die Kommunisten, die Arbeiter und Handwerker ins Zentrum des Interesses. »Insbesondere die marxistische Forschung kehrte dabei die Schuldzuweisung um, in dem sie die Geschichte der Revolution als eine Anklage gegen das liberale Bürgertum schrieb.«8 Und diese ging in erster Linie zurück auf Friedrich Engels. Dieser musste sich im Anschluss an die sogenannte Reichsverfassungskampagne nämlich fragen, warum es – wie erhofft – mit der Revolution in Rheinpreußen nicht wirklich funktioniert hatte. Gerade in dieser Provinz hatten sich Marx und Engels noch am ehesten eine allgemeine Insurrection erhofft, weil »dessen gesellschaftliche Entwicklung fast ganz die Höhe der modernen bürgerlichen Gesellschaft erreicht« habe. »Eine wesentliche Ursache sah er (Engels) darin, daß das Großbürgertum das revolutionäre Volk ›bei der ersten Gelegenheit […] verrathen‹ habe.«9 Friedrich Engels, Zeitzeuge und Akteur, gleichermaßen, hat in der Rückschau diese nüchterne Bilanz der bürgerlichen Revolution von 1848/49 gezogen und damit eine populäre Variante der Erzählung vom Scheitern mit erschaffen.

Daran hat sich auch die historische Forschung viele Jahrzehnte lang orientiert und abgearbeitet, bis sich schließlich die Forschungsinteressen verlagerten: Die Revolution wurde »aus der Perspektive nationaler Isolierung gelöst und als Teil eines gemeineuropäischen Wandlungsprozesses begreifbar. In dessen Mittelpunkt stand der Übergang von der Agrar- zur Industriewirtschaft, vom ›Pauperismus zum Proletariat‹, von der Stände- zur Klassengesellschaft, befanden sich Mobilisierung, politische Emanzipation und Teilhabe, Parlamentarisierung, wachsende bürokratische Staatstätigkeit, die Aufspaltung der Gesellschaft in politische Parteien und antagonistische Interessensverbände.«10

Zunächst brachen die Ergebnisse der neueren historischen Forschung, insbesondere im Kontext der 150-Jahr-Feierlichkeiten, mit den bündigen Identifikationen und einfachen Traditionsbildungen und verkehrten das scheinbar so vertraute Bild der 48er Revolution in eine Reihe von Ansichten ihrer Vielschichtigkeit, aber auch ihrer Widersprüchlichkeiten.11 Es wurde versucht, sie als Teil eines nicht umkehrbaren, aber höchst ambivalenten Modernisierungsprozesses mit Gewinnern und Verlierern verständlich zu machen. Seitdem vor allem das sozial- und kulturgeschichtliche Interesse an der Revolution die Akteure nicht mehr nur in der Paulskirche und den anderen Parlamenten aufsuchte, sondern auch jenseits der Metropolen und Residenzen, auf dem platten Land, auf der Straße und auf vermeintlich provinziellen Nebenschauplätzen, wurde deutlich, dass die Revolution von 1848/49 buchstäblich alle Bevölkerungskreise nachhaltig erfasste und dort zu einer breiten Politisierung führte, die tief bis in den Alltag der Betroffenen reichte. Es wurde deutlich, dass diese nur vermeintlich gleichförmige und geschlossen an den bekannten großen Zielen orientierte Bewegung eine kaum überschaubare Fülle widersprüchlicher, sozialer und politischer Konflikte in sich trug. Aus dieser Komplexität bezog die Revolution von 1848/49 ihre Dynamik, aber auch die Probleme, an denen die unterschiedlichen Revolutionäre schließlich scheiterten.

1 Karl Griewank: Ursachen und Folgen des Scheiterns der deutschen Revolution von 1848, in: Dieter Langewiesche (Hg.): Die deutsche Revolution von 1848/49, Darmstadt 1983, S. 63.

2 Rudolf Haym: Die deutsche Nationalversammlung, Berlin 1848–1850.

3 Wilhelm Heinrich Riehl: Die bürgerliche Gesellschaft (1851), hg. v. Peter Steinbach, Frankfurt a.M./Berlin/Wien 1976, S. 99f.; vgl. auch Ders.: Nassauische Chronik 1848, hg. v. Guntram Müller-Schellenberg, Idstein 1979, S. 104ff.

4 Karl Marx / Friedrich Engels: Werke (MEW), Bd. 8: Revolution und Konterrevolution in Deutschland, Berlin 1960, S. 5–108.

5 Walter Schmidt: Die Revolution 1848/49 in einer sich wandelnden Geschichtskultur. Vortrag für einen »Akademischen Abend« der Rosa-Luxemburg-Stiftung am 18. Mai 2000, Berlin 2000, S. 7.

6 Griewank, Ursachen und Folgen, S. 59.

7 Vgl. Wolfgang Schieder: 1848/49: Die ungewollte Revolution, in: Carola Stern /Heinrich August Winkler (Hg,): Wendepunkte deutscher Geschichte 1848–1945, Frankfurt a.M. 1980, S. 13–35.

8 Jürgen Herres: Das preußische Rheinland in der Revolution von 1848/49, in: Stephan Lennartz /Georg Mölich (Hg.): Revolution im Rheinland. Veränderungen der politischen Kultur 1848/49, Bielefeld 1998, S. 13–36.

9 Ebd.

10 Wolfram Siemann: Die Deutsche Revolution von 1848/49, Frankfurt a.M. 1985, S. 15.

11 Vgl. Rüdiger Hachtmann, Nachlese: Bemerkungen zu einigen Neuerscheinungen zur Revolution von 1848/49, in: Neue Politische Literatur 47 (2002), S. 224–248.

2

Auf den Barrikaden im Bergischen Land: Maschinenstürmer in Solingen 1848

Am 16. und 17. März 1848 wurden der Landkreis Solingen und das Burgtal zu Schauplätzen spektakulärer Aktionen der örtlichen Schmiedearbeiter. Die Ereignisse dieser beiden Tage waren geeignet, die scheinbar heile Welt des Bergischen Landes gehörig durcheinander zu bringen. Die Zeitgenossen reagierten aufgeregt. Die Emotionen lassen sich aus zwei später aus der Distanz von fünfzig Jahren verfassten Darstellungen, noch einigermaßen erahnen.

»In Solingen, das nach der 1846er Volkszählung 6610 Einwohner hatte, ging zuerst der Tanz los. Die Arbeiter zerstörten dort eine Anzahl Fabriken, die Messer, Scheren usw. durch Maschinenarbeit in Guss herstellten. Am 16. März morgens zogen eine große Anzahl durch Einführung der Gusstechnik brotlos gewordener Arbeiter hinunter auf den Wehrwolf bei Hammesfahr und Kratz und hausten dort vandalisch in der Gießerei. Dann marschierten sie, ungehindert in jeder Weise, in hellen Haufen nach Binkenburg zur Küllenburgschen Fabrik, die sie gleichfalls zerstörten. Weiter wandten sie sich zur G. Beckerschen Gießerei in Hohscheid, die in kurzer Zeit einem Schutthaufen glich. Es war schon sieben Uhr abends geworden, als sich die Zerstörer der Stadt zuwandten, zu der vor der Stadt liegenden Wagnerschen Fabrik. Auch diese wurde von der rasenden Menge, deren Treiben Einhalt zu tun von den Behörden viel zu spät versucht wurde, zerstört. Von der Wagnerschen Fabrik zogen sie mit einer roten Fahne nach dem Etablissement Burgthal, wo sie ihre Zerstörungswut an den Werkstätten und Wohnhäusern ausließen und erst um vier Uhr morgens abzogen, nach dem sie alles Verbrennbare zu einem großen Scheiterhaufen getürmt und verbrannt hatten. Der an dieser Fabrik verursachte Schaden wurde allein auf 150.000 Taler geschätzt. Die Solinger Schützengilde, die zum Schutze der Fabrik ausgerückt war, riss bald wieder aus, als sich die Meuterer nun gar zum Zug in die Stadt anschickten. Mit Säbeln und Beilen bewaffnet, das Lied ›Ein freies Leben führen wir‹ singend, zog diese Räuberbande in die im Morgengrauen liegende Stadt. Der helle Feuerschein vom Burgthalschen Etablissement schien den Bürgern ähnliche Greuel in der Stadt anzukündigen, doch die Aufrührer, müde von dem langen Tagwerk, kehrten heim zu ihren Wohnungen. Als es Tag wurde, kam endlich hinreichend Militär, das jeden Versuch zu weiteren Tumulten energisch unterdrückte und die Schuldigen dem Gericht überantwortete.«12

Soweit das in seiner Tendenz ziemlich deutliche Stimmungsbild eines rückschauenden Betrachters auf die lokalen Ereignisse zu Beginn der Revolution von 1848/49. Seine Schilderung der Solinger Fabrikzerstörungen im März 1848 ist dabei ebenso anschaulich wie diffus zugleich. Die Zuverlässigkeit dieser Betrachtung lässt sich einigermaßen sicher überprüfen, wenn man sie mit einem weiteren Zeitzeugenbericht konfrontiert.

»Eines Tages hielten die arbeitslosen Scherenschmiede, Schleifer, Feiler, Nagler etc. auf dem damaligen Schützenfelde, südlich von der Stadt, eine Volksversammlung ab. Es wurden viele Reden gehalten, wodurch die Gemüter erhitzt wurden. Dann zog man zu der Gießerei am Wehrwolf, ganz in der Nähe gelegen. Der Volkshaufen vermehrte sich durch viele Neugierige und junge Burschen. Kaum war man zur Fabrik gekommen, als die jungen Burschen mit Steinwürfen die Dachpfannen zerstörten und die Fenster einwarfen. Dann drang Jung und Alt in die Fabrik hinein, holten in Körben und Kisten die fertigen und halbfertigen Waren heraus und machten dieselben mit Eisenstangen und Kolben in kurzer Zeit unbrauchbar. Nachdem das Zerstörungswerk im Innern der Fabrik vollendet, brachte man den großen Schornstein durch Einkerben am unteren Ende zu Fall. Das ganze Werk der Verwüstung war in kaum zwei Stunden vollbracht. Gegen die wütende Volksmenge war die Polizei ohnmächtig. Der Schützenverein wurde durch Alarmsignale versammelt, zog sich aber zurück, als die Massen des Volkes, bewaffnet mit allen möglichen Gegenständen aus der zerstörten Fabrik, eine drohende Haltung gegen ihn einnahmen. Die Menge zog nun zu der Gießerei am Platzhof, eine halbe Stunde südwestlich von Solingen gelegen. Hier und in einer Gießerei zu Voerde, dicht bei Solingen, verfuhr man in derselben Weise. In der großen Fabrik zu Burg hatte man sich vorgesehen und war bereit, ernstlichen Widerstand zu leisten; auch einige Gendarmen hatten sich eingefunden. Aber in kurzer Zeit war mit den mitgebrachten Eisenstangen das Haupttor eingeschlagen und nun wälzten sich die Massen in den Hof und in die Fabrik, alles zertrümmernd, was ihnen im Wege war; das andere wurde herausgeschafft und zerstört, vieles auch gestohlen und in Körben fortgeschafft.

Solingen um 1850, Lithographie von Joh. Wetzel

Der Kutschwagen des Fabrikdirektors wurde voll Scheren gepackt und in den großen Teich gefahren. […] Nachdem das Volk fast alles zerstört hatte, versuchte man, die Fabrik anzuzünden; doch kam der Brand nicht so recht zum Ausbruch. Als man das bemerkte, schob man zwischen die Wasserräder Stangen und Balken und öffnete das große Schott. Die große Gewalt des Wassers zerstörte die Räder. […] Nach dem die Zerstörung der Fabrik in Burg erfolgt war, kehrten die Teilnehmer an dem Zerstörungswerk am nächsten Morgen früh nach Solingen zurück. An langen Stangen trugen sie aufgeschnittene Strohsäcke als Fahnen. Sie hatten fleißig gearbeitet, denn in einem halben Tag und einer halben Nacht waren vier verhasste große Gießereien vollständig zerstört. Der Aufruhr hatte bei den Warenzahlern geradezu Wunder gewirkt. Am anderen Morgen nämlich hatten die meisten derselben Schilder über ihren Türen angebracht, worauf stand: ›Es wird nicht mehr in Waren bezahlt!‹ Sie hatten Lunte gerochen, denn schon damals munkelte man davon, diesen Leuten auch das Handwerk zu legen.«13

Fünf Eisengießereien wurden also am 16. und 17. März des Jahres 1848 von Arbeitern der Kleineisenindustrie im Landkreis Solingen nahezu vollständig zerstört, Maschinen und Werkstoffe vernichtet oder gestohlen. Nennenswerter Widerstand stellte sich den Aufrührern offenbar nicht in den Weg, und erst der massive Einsatz von Militär durch die Behörden machte den Tumulten ein Ende. Folgt man zunächst einmal Alois Niessners Darstellung der Ereignisse, so waren die Vorgänge dieser aufregenden Tage offenbar die Ergebnisse blinder Zerstörungswut brotloser Arbeiter, die planlos brandschatzend über die lokalen Gießereien herfielen, dort Angst und Schrecken verbreiteten und ihr rücksichtsloses Zerstörungswerk anrichteten, bevor am Ende die geballte Ordnungsmacht diesem Spuk ein Ende bereitete und die Verantwortlichen vor Gericht stellte. Das alles liest sich insgesamt wie eine Chronologie des blanken Terrors. Ursachen und Motive der Täter hingegen sind für den Verfasser völlig uninteressant. Er löst die Ereignisse komplett aus ihrem sozialen Kontext heraus und denunziert die Akteure als rasenden Mob. Solche sozialen Motive werden in August Peinigers Bericht dann zumindest zaghaft angedeutet. In seiner Darstellung rekrutierten sich die Fabrikzerstörer und Maschinenstürmer aus sehr verschiedenen Berufsgruppen der örtlichen Solinger Eisenindustriearbeiterschaft, die durch die Konkurrenz der lokalen Gießereibetriebe vermutlich arbeitslos geworden waren. Daneben aber beteiligten sich aber noch weitere, zumeist jüngere Sympathisanten an den tumultartigen Übergriffen.

Was war also passiert? Und wer war tatsächlich beteiligt? Offenbar handelte es sich in diesen Solinger Märztagen um eine – wenn auch nicht gut geplante – zumindest aber sorgfältig vorbereitete und gezielt verabredete Protestaktion verarmter Handwerker und Arbeiter gegen die von ihnen als bedrohlich empfundene neue Konkurrenz der Massenproduktion in der Solinger Eisenhütte. Diese Aktion trug damit insgesamt vielfältige Merkmale, die zum Handlungsrepertoire frühindustrieller Arbeitskämpfe und vormärzlicher Widersetzlichkeiten, Excesse, Crawalle, Tumulte und Skandale14 gehörten. Ein zentrales Merkmal solcher Protestaktionen war das Tempo der Handlung; denn solche Aktionen mussten in der Regel ausgesprochen schnell über die Bühne gehen, bevor die Behörden wirksam eingreifen konnten. Genau das war in diesen beiden Märztagen in Solingen geschehen. Die Art und Weise des Hergangs und die lokale Tradition von Arbeitskämpfen15 deuten aber auch darauf hin, dass diese »Maschinenstürme« nicht vollständig im Erklärungsmuster einer plebejischen Kultur aufgingen, ein Begriff, der von dem englischen Historiker Edward Palmer Thompson formuliert wurde. Sie sei »keine revolutionäre, ja nicht einmal eine protorevolutionäre Kultur (in dem Sinne, dass sie Fernziele hegte, die die soziale Ordnung in Frage stellten.) Sie brachte Krawalle, aber keine Rebellionen, direkte Aktionen, aber keine demokratischen Organisationen hervor. Es fällt die Schnelligkeit auf, mit der die Stimmung der Menge von Passivität zu Aufsässigkeit und wieder zu eingeschüchtertem Gehorsam umschlug.«16

Einige verdeckte Hinweise in den Schilderungen der beiden oben zitierten Gewährsleute deuten nämlich daraufhin, dass diese Solinger Ereignisse vom 16. und 17. März 1848 durchaus widersprüchliche Merkmale aufweisen: Sie waren offenbar noch den überkommenen Artikulationsmustern eines vormodernen sozialen Protestes verhaftet und bedeuteten doch im Ergebnis für den lokalen Zusammenhang bereits einen durchaus sozialrevolutionären Bruch mit den herrschenden Verhältnissen. Diese Interpretation betrifft zunächst das Merkmal der Spontanität. Peiniger erwähnt die vorbereitende Volksversammlung, auf der die gesamte Mobilisierung und das offenbar gezielte Vorgehen abgestimmt und dann vorangetrieben worden war. Auch die zu erwartenden Konflikte mit den Schutzmannschaften und Bürgerwehren waren offenbar eingeplant und damit Bezugspunkte der inneren Logik und Konzeption dieses Protestes: Die bestens vorbereiteten Akteure bewaffneten sich sukzessive, planvoll und effektiv. Der spontane Solinger Tumult hatte ganz offensichtlich eine Strategie. Stellt sich also die Frage nach den Ursachen. Was hatten diese Maschinenstürmer nun eigentlich gegen Maschinen? War Ihr Aufbegehren lediglich Ausdruck von ohnmächtiger Wut und Lust auf Krawall? Und was war mit den Freiheitsparolen und politischen Begriffen, die dort laut wurden?17 Einerseits könnte man vermuten, dass sich die Solinger Arbeiter mit den Gießereien eher symbolische Angriffspunkte suchten, denen sie gewissermaßen eine Sündenbockfunktion für ihre materielle Not und Existenzsorgen zuschrieben. Möglicherweise vermischte sich diese Sicht der Dinge aber auch mit dem Vorsatz, damit zugleich ein erpresserisches System der Entlohnung, nämlich das sogenannte Warenzahlen, womöglich für immer zu beseitigen. Dieses Trucksystem war ein zutiefst verhasstes System der Pseudoentlohnung, dem etliche verarmte Handwerker ihr ganzes Elend und ihre grenzenlose Abhängigkeit von den rücksichtslosen Kaufleuten und Verlegern zuschrieben. Und tatsächlich: Der Aufstand war erfolgreich. Durch direkte Aktion und gewaltförmige Kampfmethoden erreichte man offenbar genau das, was bürgerliche Sozialreformer und ein besorgter Landrat in zahllosen Eingaben bei den staatlichen Behörden und beim Monarchen nicht vermocht hatten18: Sie gewannen überregionale Aufmerksamkeit für ihre Anliegen.

Bereits die ältere historische Forschung zum sozialen Protest weist vorsichtig auf eben diese mögliche Erfolgsperspektive der Maschinenstürmer hin, wenn etwa der englische Historiker Eric Hobsbawm feststellt, dass in der industriellen Revolution alle Kampfmaßnahmen als erfolgreich gelten mussten, die die Arbeiter vor dem Absinken unter die Hungergrenze bewahrte.19 Wenn die Solinger Arbeiter also in diesen beiden Märztagen 1848 einen Subsistenzkampf führten, dann ging dieser offensichtlich ausgesprochen zielbewusst und im Gefühl der vollen Legitimität in direkte Aktion über. Schließlich kämpfte man um nichts weniger als die Sicherung der Existenz und bisweilen sogar ums nackte Überleben. Die Beteiligten verstanden es als Form legitimer Selbsthilfe und brachten dies auch auf Transparenten zum Ausdruck, die während des Umzugs im Anschluss an die Zerstörungen mitgeführt wurden: »Die Gießereien sind unser Unglück! Nieder mit den Warenzahlern!« Zuvor waren sie in die Fabriken eingedrungen mit dem Ruf nach »Freiheit, Gleichheit, Einigkeit, Brüderschaft, Republik«20.

Drei Tage später berichtete die Barmer Zeitung sichtlich beeindruckt von diesem, in den Augen ihres Lesepublikums als bedrohlich empfundenen Arbeiteraufstand: »Es war ein schrecklicher Anblick, diese Zerstörungsarbeit. Mit einer Kaltblütigkeit, einer Ruhe, die nicht zu begreifen ist, und die sich nur als das Produkt eines Wahnes erklären lässt, der den Unglücklichen das Bewusstsein der Rechtmäßigkeit ihres Beginnens vorspiegelte, ging dieselbe planmäßig vorwärts bis zum Abend. Die kostbarsten Waren wurden nach und nach aus den reichgefüllten Lagern herausgeholt, methodisch zerschlagen, unbrauchbar gemacht und liegen gelassen, oder in den Teich gefahren. Dabei waren denn Weiber und Kinder tätig mit einem Eifer, als gälte es guten Lohn und das Lob treuen rechtlichen Fleißes zu verdienen.«21

Gerade die Planmäßigkeit, Ruhe und Methode des Zerstörungswerkes irritierte und erschreckte offenbar die Presse. Zu sehr unterschieden sich die Solinger Ereignisse von den Aktionen der sogenannten Märzbewegung, die im Rheinland und in Westfalen eine weniger bedrohliche Qualität und vergleichsweise friedfertige Handlungsebene hatte, als dass sie anders als »das Produkt eines Wahnes« der zeitungslesenden Öffentlichkeit erklärt werden konnten. Der gewaltförmige Aufstand gegen soziales Unrecht, das sich im Selbstverständnis der Akteure als »gerecht« legitimieren konnte, musste in dieser Perspektive wahnhafte Züge tragen. Für den bürgerlichen Betrachter geschah dort schier Unglaubliches, das die Unruhen der Märztage in der näheren und weiteren Umgebung deutlich übertraf. Was bahnte sich dort an?

Zwar hatte bereits am 3. März 1848 eine Volksversammlung auf dem Kölner Rathausplatz den eilig zusammengetretenen Gemeinderat unter Druck gesetzt, eine Eingabe an den rheinischen Landtagsabgeordneten Ludolf Camphausen in Berlin zu beschließen, worin die Einberufung des Vereinigten Landtages, die umfassende Wahlrechtsänderung und Abschaffung der Zensur gefordert wurde. Der örtliche Bund der Kommunisten aber hatte sich bis dato noch mit einer Arbeiterpetition begnügt, in der die Forderung nach allgemeinem Wahlrecht, allgemeiner Wählbarkeit, Pressefreiheit, Volksbewaffnung und Vereinigungsfreiheit laut wurde. Ein paar Kilometer entfernt, in der Stadt Elberfeld waren Anfang März 1848 die Dinge ebenfalls in Bewegung geraten. Auf Volksversammlungen am 6. und 9. des Monats wurden ganz ähnliche Forderungen wie in Köln gestellt und der aufgeschreckte Düsseldorfer Regierungspräsident vermutete bereits kommunistische Umtriebe hinter dem Ruf nach Volkssouveränität, Volksbewaffnung und Verbesserung der Arbeits- und Lohnverhältnisse. Zehn Tage später, am 18. März, schien dann die Lage ähnlich wie tags zuvor in Solingen zu eskalieren, als nur noch Militär die Beschädigung einer Weberei durch aufgebrachte Arbeiter verhindern konnte.

In Solingen – weit ab der bekannten revolutionären Zentren – waren solche Übergriffe jetzt zu einer für Behörden und bürgerliche Öffentlichkeit erschreckenden und wohl auch überraschenden Realität geworden, die zwar von einem »neuen« politischen Vokabular begleitet wurden, jedoch nicht auf geordneten Volksversammlungen vor dem Rathaus vorgetragen oder in Petitionen schriftlich formuliert wurde. War dieses Zusammentreffen von bürgerlichen Politikbegriffen und proletarischer Selbsthilfeaktion in diesen Märztagen 1848 wirklich neu? Betrachten wir die Lage vor Ort: Der hohe Bevölkerungszuwachs vor allem des oberen Kreises Solingen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – zwischen 1816 und 1849 erhöhte sich die Einwohnerzahl Solingens um 68%, in der gesamten Rheinprovinz dagegen lediglich um 50% – sorgte dafür, dass das traditionelle örtliche Stahlwarengewerbe mit minder qualifizierten Arbeitern zunehmend überfüllt war. Diese konnten selbständig Werkstätten eröffnen und brachten mit der Produktion von Billigwaren das überkommene Preisgefüge kräftig durcheinander. Angesichts solch ungünstiger Bedingungen im Zuge des verschärften Konkurrenzdruckes und dauernder Unterbeschäftigung berichtete 1847 die Solinger Handelskammer zur Lage in ihrem Bezirk, »dass unsere Kreisstadt Solingen von 6000 Einwohnern im vorigen Winter, wo der Volksstand bekanntlich einen hohen Grad erreicht hatte, circa 4000 arme Familien, also wohl ein Drittel der ganzen Einwohnerzahl aus Armenmitteln unterstützen musste. Die hiesigen Armenausgaben haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt und es ist nicht zu leugnen, dass dieser Zustand ohne die totale Verarmung der Mittelklasse keine fünf Jahre fortbestehen kann.«22

Die Berichterstatter erstellten damit am Ende des Krisenjahres 1847, als vorangegangene Missernten auch in Solingen für eine drastische Verschlechterung der Lebensbedingungen gesorgt hatten, die Prognose einer fortschreitenden Pauperisierung, die bis auf wenige reiche Kaufleute und Grundbesitzer alle Bevölkerungskreise betraf. Damit war die Stadt von potentiellen sozialen Absteigern und Modernisierungsverlierern bevölkert. Diese ökonomische Entwicklung kann also durchaus erklären, dass die eingangs geschilderten Märzereignisse Ausdruck wachsender materieller Not und Verelendung waren, allerdings nicht wann und in welcher Form der Protest dann tatsächlich losbrach. Warum etwa kam es nicht auf dem Höhepunkt der Subsistenzkrise von 1847, sondern erst zeitversetzt, nach deren Abflauen zu den erwähnten Aufständen? Warum richteten sich diese Erhebungen nicht direkt gegen die Protagonisten des als ungerecht empfundenen Drucksystems, der ungerechten und ruinösen Entlohnung durch Warenzahlung, sondern gegen die vermeintliche industrielle Konkurrenz? Damit ist die Frage nach den Motiven und dem Selbstverständnis der Akteure gestellt.

Bei der Krise des Heimgewerbes, vor allem der Textil- und Kleineisenproduktion, handelte es sich um eine schleichende Krise, die mit dem Aufstand der schlesischen Weber im Juni 1844 einen spektakulären und blutigen Höhepunkt fand, der sich gegen die Fabrik- und Handelsherren direkt entlud. Lange Zeit hat die historische Forschung, soweit sie sich überhaupt mit Formen des sozialen Protestes befasste, frühindustriellen Aufruhr als Folge von Hunger und Not erklärt. Aufruhr erschien in dieser, von dem englischen Historiker Edward P. Thompson als spasmodisch bezeichneten Sichtweise vorwiegend als Rebellion des Bauches.23 Bereits für die Lebensmittelrevolten im England des 18. Jahrhunderts wies er aber hochkomplexe Formen direkter Volksaktion, gepaart mit Disziplin und klaren Zielvorstellungen nach. Thompson stellte fest, dass es »natürlich richtig (ist), dass Unruhen durch starke Preissteigerungen, obskure Praktiken der Händler oder durch Hunger ausgelöst wurden. Doch diese Proteste bewegten sich im Rahmen eines volkstümlichen Konsens darüber, was auf dem Markt, in der Mühle, in der Backstube usf. legitim und was illegitim sei. Dieser Konsens wiederum beruhte auf einer in sich geschlossenen, traditionsbestimmten Auffassung von sozialen Normen und Verpflichtungen und von den angemessenen wirtschaftlichen Funktionen mehrerer Glieder innerhalb des Gemeinwesens. Zusammengenommen bildeten sie das, was man die ›sittliche Ökonomie‹ der Armen, die ›moral economy of the poor« nennen könnte. Eine gröbliche Verletzung dieser moralischen Grundannahmen war ebenso häufig wie tatsächliche Not der Anlass zu direkter Aktion.«24

In ihrer sittlichen Ökonomie bedroht fühlen mussten sich vor allem die Solinger Schleifer, die sich des Öfteren über ihre Benachteiligung gegenüber den anderen Berufsgruppen beklagt hatten.25 Dies betraf vor allem die physischen und psychischen Folgen der neueren technischen Entwicklungen und den Preis, den sie dafür nach eigenem Verständnis zu zahlen hatten. Die Verbesserung der Wasserzufuhr und Transmissionsriemenanlagen verkürzten ihre, auf die Jahresarbeitszeit berechneten, durchaus eingeplanten Ruhephasen bei Wassermangel im Sommer und im Winter. Unter den Bedingungen des Zunftsystems waren solche Ausfallzeiten auf den Lohnsatz bereits mitberechnet und damit durchaus willkommen. Das steigende Arbeitstempo stand in Kontrast zu sinkenden Löhnen. Existenzen waren plötzlich bedroht. Das erschien nicht nur neu, sondern zutiefst ungerecht, denn es zwang die Schleifer zu härteren und weit längeren Arbeitseinheiten. Dabei waren die Auswirkungen des Verlagschleifens auf den Gesundheitszustand der Arbeiter eklatant. Geradezu selbstverständlich zählten Rheumatismus und Asthma zu den Berufskrankheiten der Schleifer, die

Die Waarenzahler. Die Wucherer. Lithografien von Adolf Schroedter in Düsseldorfer Monatshefte 1847/48

selten das 40., aber fast nie das 45. Lebensjahr erreichten.26 Die Solinger Schleifer galten als kränkliches Geschlecht. Und der allgemeine Gesundheitszustand verschlechterte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts derart katastrophal, dass jetzt sogar Fabrikinspektoren und Mediziner in einigen Publikationen dazu Stellung bezogen. Im vollen Bewusstsein ihrer sich stetig verschlechternden Lage nahmen die Schleifer denn auch bereits in den sozialen Konflikten des Vormärz eine Schlüsselrolle ein. Anders als die übrigen, stärker isoliert arbeitenden Berufsgruppen hatten sie eine Vielzahl gemeinsamer Arbeitsgänge und damit kommunikative Zusammenhänge, die solidarischen Umgang miteinander fördern konnten. Schon 1826 setzten sie sich mit einem wohl organisierten Streik gegen den Lohnverfall trotz allgemein günstiger Konjunkturlage zur Wehr und hielten diesen immerhin einen Monat durch, bevor er durch einen Wetterumschwung beendet wurde.27

Eine Generation später gingen die Solinger Arbeiter radikaler vor. Dazwischen aber lagen weitere Erfahrungen und Lernprozesse, die sie in den sozialen Konflikten des Vormärzes machten. So griff man in Solingen, wenn man den Polizeiakten Glauben schenkt, immer wieder zum Mittel der Selbsthilfe, um angesichts saisonal schwankender Preise und Löhne die Existenz zu sichern. Gerade im Winter kam es immer wieder zu Diebstahlsdelikten, tätlichen Übergriffen und auch größeren Raubzügen.28 Darauf reagierte auch die aufgeschreckte Öffentlichkeit. Tatsächlich war es in den vierziger Jahren in der Presse zu hitzigen Debatten über die sozialen Missstände und Auswüchse des Trucksystems gekommen. An die Spitze des Protestes hatte sich der Solinger Waffenfabrikant Peter Knecht gestellt, der seit 1845 in der Elberfelder Zeitung unter dem Pseudonym Immerwahr eine Artikelserie Nebelbilder veröffentlichte, die er mit der düsteren Metapher Nebelbilder aus Solingen überschrieb und die zu erregten Leserbriefduellen in der lokalen Presse führten, je schonungsloser Knecht mit der Skrupellosigkeit Solinger Verleger abrechnete. Die Gegner des Warenzahlens kamen also auch aus dem Lager der Fabrikanten, und diese handelten nicht aus altruistischen Motiven, sondern aus kaufmännischem Kalkül. Knecht etwa bekämpfte das Trucksystem in Solingen, da er angesichts zunehmend unkontrollierter Konkurrenzverhältnisse um den Erfolg der eigenen Geschäfte fürchtete.

Als weitreichender erwies sich vielmehr der Umstand, dass – über vereinzelte Wahrnehmungen hinaus – die sozialen Konflikte vor Ort zum Gegenstand einer regional ausgeweiteten Öffentlichkeit wurden, damit eine zunehmende Politisierung erfuhren, die an die Basis zurückreichte und das Bewusstsein der Betroffenen prägte. Das Solingen der Hungry Forties war zugleich ein Ort des öffentlichen Streites über die sozialen Kosten der Konkurrenzwirtschaft, in dem sich der aufgestaute Unmut vor Publikum artikulieren konnte. Diese politische Kultur der Straße und der Schankwirtschaften profilierte sich im Zusammenspiel mit der lokalen Presse und drängte auf effektive Lösungen, zumal davon auszugehen ist, dass der Elberfelder Gesellschaftsspiegel, eine verbreitete sozialkritische Zeitschrift von Moses Hess herausgegeben, auch in Solingen gelesen wurde und zur Politisierung der Lage beitrug. Die Nachrichten und Gerüchte vom revolutionären Aufbegehren in den preußischen Metropolen, in Baden und vor allem in den benachbarten Städten Köln und Elberfeld, ja sogar im provinziell Märkischen Iserlohn erreichten auch die Bevölkerung des Bergischen Landes und stießen auf ein lange aufgestautes Protestpotential, das sich schließlich mit einiger Verzögerung in den Fabrikzerstörungen entlud. Dass sich die Aktionen Solinger Arbeiter zunächst gegen die Konkurrenz der großen Gießereibetriebe richteten, mag mit der Sündenbocktheorie erklärbar sein. Plausibler aber scheint es anzunehmen, dass die Solinger Schmiede und Schleifer mit den Gerechtigkeitsvorstellungen ihrer sittlichen Ökonomie die Herstellung von Gusswaren, mit der preislich nicht zu konkurrieren war, als Betrug an ehrlicher Arbeit auffassten, solange die verhassten Konkurrenzprodukte nicht eigens gekennzeichnet oder gar für geschmiedete Ware ausgegeben wurden.

Der eigentliche Erfolg der Aktionen stellte sich indirekt, dafür aber umgehend ein: Wenige Tage nach den Unruhen veröffentlichten zahlreiche Fabrikanten in groß aufgemachten Annoncen der örtlichen Zeitung ihre Bereitschaft, die Praxis des Warenzahlens künftig einstellen zu wollen. Sie befürchteten zu Recht, dass ihre Winkel und Kontore die nächsten Ziele von Übergriffen sein würden und traten die Flucht nach vorn an. Damit war die gewaltsame Verteidigung der moralischen Grundannahme, dass niemand aus der Not des Anderen Profit ziehen dürfe, erfolgreich. »Der Durchbruch der neuen politischen Ökonomie des freien Marktes war zugleich der Zusammenbruch der alten, sittlichen Ökonomie der Fürsorge.«29 Die Fabrikzerstörungen in Solingen im März 1848 waren dieser noch weitgehend verpflichtet, sie wurden aber begleitet von explizit politischen Begriffen, deren Anwendung weniger von Verwirrung als von überlebensnotwendiger Übersetzung ins Materielle30 zeugt und das Selbstverständnis der Betroffenen kennzeichnet: Freiheit von Willkür und Abhängigkeit, Gleichheit der Arbeitsbedingungen, Sicherheit der Löhne und damit der Existenz. Dieses Selbstverständnis beruhte auf den Erfahrungen und Lernprozessen früherer Arbeitskämpfe, die die Politikbildung von unten31 begleitete. Es bedurfte dieses Prozesses und der revolutionären Euphorie der Märztage, damit militante Selbsthilfeaktionen als momentaner, aber gezielter Ausbruch aus der Alltagsnot des Vormärzes zum Auftakt der 48er Revolution in Solingen werden konnten. Im Zentrum der bergischen Kleineisenindustrie dominierte also in der ersten Phase weniger die bürgerliche Erhebung in der ritualisierten Form der Volksversammlung und Adressbewegung der revolutionären Metropolen, sondern der spontane soziale Protest in Form kollektiver Gewaltanwendung gegen Symbole kapitalistischer Konkurrenzwirtschaft und die damit verbundenen fundamentalen Veränderungen gewohnter Lebens- und Arbeitsverhältnisse in der krisengeschüttelten Hausindustrie.

Damit bildete der Auftakt der Revolution im Bergischen Land offenbar eine Variante ihrer sozialrevolutionären Unterströmung.

Die Fabrikzerstörungen der Stahlwarenarbeiter trugen dabei weniger antimodernistische Merkmale rückwärtsgewandter Zunftorientierung, sie richteten sich vielmehr aus einer überkommenen Tradition der Lohnkämpfe im Vormärz gegen den nächstliegenden Angriffspunkt bei der Sicherung vitaler Arbeitnehmerbelange. Im Laufe der weiteren revolutionären Entwicklung und der Etablierung einer bürgerlichen (politischen) Öffentlichkeit (Presse, Vereinswesen, Parteien, Wahlkämpfe) intensivierten sich Organisationsbereitschaft und Erfahrungen mit legalen Instrumenten des Arbeitskampfes. Die in der Frühphase der Erhebung den Unternehmern abgerungenen Zugeständnisse und Maßnahmen zur Verbesserung der eklatanten sozialen Lage erwiesen sich unter den Vorzeichen der schließlich einsetzenden Reaktion als brüchig. Die Auswirkungen des Trucksystems waren nämlich keineswegs erfolgreich zu den Akten gelegt, sondern wirkten informell weiter. Fixierte Tariflohnsätze wurden von den Fabrikanten zwar gezielt unterlaufen. Die Berührungspunkte der Solinger Arbeiterschaft mit den politischen Zielsetzungen der demokratisch-republikanischen Bewegung im Laufe des Jahres 1848 verschafften den folgenden Kämpfen für die Durchsetzung der Reichsverfassung und Republik aber eine neue Qualität: Solinger Arbeiter zählten zu den Stützen der Kämpfe im Mai 1849 auf den Barrikaden im benachbarten Elberfeld, wo ihr diszipliniertes und engagiertes Verhalten die Erfahrungen bereits ausgeprägter Gruppensolidarität widerspiegelten.

Dies erkannte später ein von den Elberfelder Ereignissen enttäuschter Friedrich Engels an, der die Solinger Verhältnisse in etwa kannte: »Daß es nicht schlimmer dort [in Solingen] aussah, war nur der guten Organisation und der Entschlossenheit der Solinger Arbeiter zu verdanken, die 400 bis 500 Bewaffnete nach Elberfeld geschickt hatten, (aber) immer noch stark genug waren, ihrer Bourgeoisie und ihrer Bürgerwehr zu Hause das Gleichgewicht zu halten. […] Wären die Elberfelder Arbeiter so entwickelt und so organisiert gewesen wie die Solinger, die Chancen hätten ganz anders ausgesehen. […]«

12 Alois Niessner: Rheinland und Westfalen während der Sturmjahre 1848/49. Stimmungsbilder aus der deutschen Revolution, Aachen 1906, S. 65f.

13 August Peiniger: Persönliche Erlebnisse während der Unruhen 1848/49 in Elberfeld und Solingen, in: Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins (1898), S. 3ff.

14 Vgl. Rainer Wirtz: »Widersetzlichkeiten, Excesse, Crawalle, Tumulte und Skandale«. Soziale Bewegung und gewalthafter sozialer Protest in Baden 1815–1848, Frankfurt a.M./Berlin/Wien 1981.

15 Vgl. Martin Henkel / Rolf Taubert: Maschinenstürmer. Ein Kapitel aus der Sozialgeschichte des technischen Fortschritts, Frankfurt a.M. 1979, S. 143ff.; Rudolf Boch / Manfred Krause: Historisches Lesebuch zur Geschichte der Arbeiterschaft im Bergischen Land, Köln 1983, S. 81–134. Grundlegend Michael Spehr: Maschinensturm. Protest und Widerstand gegen technische Neuerungen am Anfang der Industrialisierung, Münster 2000.

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