Auf gute Nachbarschaft - Natalie Faßmann - E-Book

Auf gute Nachbarschaft E-Book

Natalie Faßmann

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Beschreibung

Prachtvolle Bauerngärten sind eine Augenweide und gelten als Ideal eines schönen Gartens: Stauden, Sommerblumen, Obst, Gemüse und Kräuter stehen hier reizvoll nebeneinander – Mischkultur ist ihr Geheimnis. Gerade kleine Gärten profitieren von dem bunten Miteinander. Schließlich lässt sich so auf kleinstem Raum eine stattliche Ernte einfahren. Dieses Buch ist ein umfassender Ratgeber zur Mischkultur. Es erklärt, wie Mischkultur funktioniert, warum sich bestimmte Pflanzen »riechen« können und andere nicht, es macht mit Fruchtwechsel, Fruchtfolge und Zwischenfrüchten vertraut und weiht in die Gestaltung des Bauerngartens ein. Auch Lösungen für Hügelbeet, Kraterbeet oder Gewächshaus werden gezeigt. Das Praxisbuch für jeden Garten hilft mit vielen Tabellen, Gemüse, Obst, Kräuter und Zierpflanzen optimal zu kombinieren. Illustrierte Anbaupläne ebnen den Weg in die Praxis, und für das eigene Mischkulturexperiment gibt es zahlreiche Expertentipps. Erstmals stellt dieses Buch neben bewährten Pflanzen auch die Mischkultur mit neuen Gemüsearten und blumige Freundschaften vor. Experimentierfreudige Gärtner dürfen gespannt sein auf die Mischkultur mit Aubergine, Amarant, Erdbeerspinat, Artischocke, asiatischen Salaten, Okra oder Wassermelone.

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Seitenzahl: 139

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Natalie Faßmann

Auf gute Nachbarschaft

Mischkultur im Garten Gemüse • Kräuter • Zierpflanzen

Gute Nachbarschaft fördert knackiges Gemüse, süßes Obst und aromatische Kräuter der Extraklasse. Die Gartenexpertin Natalie Faßmann verrät Ihnen das Geheimnis erfolgreicher Mischkultur im Garten.

Leicht verständlich erklärt die Autorin, warum sich bestimmte Pflanzen »riechen« können und andere nicht. Sie macht vertraut mit den praktischen Prinzipien der Mischkultur und hilft beim Planen der gesunden Vielfalt.

Neben beliebten Klassikern stellt sie neue Gemüsearten und blumige Freundschaften vor. Seien Sie gespannt auf die Mischkultur mit Neuseeländer Spinat, Artischocke oder Löwenzahn.

Über zwanzig bewährte Gemüsekombinationen helfen beim Einstieg in die Mischkultur – auch für Hügelbeet Hochbeet und Gewächshaus gibt es Vorschläge. Ausführliche Tabellen offenbaren gute Nachbarn und machen neugierig auf eigene Mischungen. Zahlreiche Tipps der Expertin helfen, hierbei Fehler zu vermeiden.

Inhalt

Cover

Titel

Das Geheimnis der Mischkultur

Auf gute Nachbarschaft!

Was bringt’s?

Familienbande

Nährstoffhunger

Konkurrenz im Beet

Kommunikation unter Tage

Gesund und widerstandsfähig

Alles wird gut

Partnerschaften im Beet

Partner auf einen Blick

Partner im Duett

Flotte Dreier

Vorgänger, Nachfolger und Lückenfüller

Mischkultur übers Jahr

Obst in der Mischkultur

Das ABC im Gemüsegarten

Das ABC

Wie funktioniert das Franck’sche System?

Es muss nicht immer Spinat sein

Besondere Mischkulturbeete

Hügelbeete und Hochbeete

Kraterbeete – Gärtnern im Kreis

Mischkultur unter Glas

Blumige Freundschaften

Cliquenbildung in der Staudenrabatte

Altes Wissen aus Klostergärten

Jetzt sind Sie dran: eigene Mischungen

Goldene Regeln zum Selbstmischen

Übung macht den Meister

Allelopathie bis zur Gegenwart

Plinius und die Walnuss

Mittelalter und Renaissance

Bodenmüdigkeit und Anbaupausen

Das Kind bekommt einen Namen

Was sagt die Wissenschaft?

Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Wie erkennen Insekten ihre Wirtspflanzen?

Mischkultur unter dem Mikroskop

Mischkultur in der Praxis

Die Autorin

Zum Weiterlesen

Impressum

Das Geheimnis der Mischkultur

Eigentlich müsste es ja die Geheimnisse, im Plural, heißen. Was wir heute als Mischkultur kennen, häufig in Form einer Kreuztabelle mit günstigen und ungünstigen Gemüsenachbarn, ist eine Mischung verschiedenster Hinweise. Für manche sieht es nach einem großen Geheimnis aus, warum Erdbeeren und Knoblauch gut zueinander passen. Für andere, die sich ein wenig mit dem Wachstum und der Pflege von Pflanzen auskennen, ist es jedoch leicht zu entschlüsseln. In den meisten Fällen von guter (oder auch schlechter) Nachbarschaft handelt es sich schlicht um nachbarschaftliche Konkurrenz um Nährstoffe, Wasser, Licht und Platz. Wer ist der Gewinner, wer der Verlierer und wer findet ein geeignetes Arrangement zum Miteinanderleben auf engstem Raum? Einige Nachbarn, aber bei weitem nicht alle, sind sogar recht nett: Sie halten Schädlinge fern oder locken Nützlinge an. Nur ganz wenige Pflanzen führen einen regelrechten Krieg mit allen Mitteln. Solche Einzelgänger sind keine guten Nachbarn. Nicht zu vergessen die Familienzwiste, die zwischen nahen (und manchmal auch fernen) Verwandten um ein Stück Land ausbrechen. Damit sind auch schon die meisten Gründe für die manchmal recht eigenwilligen Gemüsekombinationen genannt.

Was denn, nicht einmal ein bisschen Hokuspokus? Seien Sie nicht enttäuscht! Viele der Gemüsenachbarschaften beruhen schlichtweg auf den Erfahrungen von Gärtnern und Landwirten, die zum Teil über Jahrhunderte hinweg weitergegeben wurden. Na gut, ein kleines bisschen Zauberei und Esoterik sind dann aber doch dabei. Nämlich dann, wenn sich selbst ein Pflanzenfachmann einige günstige wie auch ungünstige Kombinationen nicht erklären kann. Welche das sind, werden Sie später noch sehen.

Viel Spaß beim Lesen und auch beim Ausprobieren

Natalie Faßmann

Auf gute Nachbarschaft!

Gute und schlechte Nachbarn. Das kommt uns als Erstes in den Sinn, wenn wir an Mischkultur denken. Das ist nicht verkehrt, doch ist die Mischkultur mehr als das Kombinieren verschiedener Gemüsearten nach Tabellen. Hier steckt viel mehr dahinter: Pflanzenfamilien, Fruchtfolgeplanung und Anbaupausen, Nährstoffbedürfnisse, Standort- und Klimaverhältnisse und eine ganzjährige Beetplanung mit gestaffelten Aussaaten und Ernten. Hinzu kommen die Wurzelausscheidungen und Duftstoffe, die häufig für gelungene und fehlgeschlagene Beetpartnerschaften verantwortlich gemacht werden. Doch ist deren Einfluss viel geringer als gedacht.

Was bringt’s?

Unabhängig davon, warum eine Mischkultur funktioniert, hat sie viele Vorteile gegenüber einer einseitigen Beetkultur. In einem vielfältigen Mix verschiedener Gemüsearten, Kräuter und Zierpflanzen machen Schädlinge und Krankheiten weniger Probleme. Außerdem ist der Boden bei einer gut geplanten Mischkultur ganzjährig bedeckt. So wird er vor Abschwemmung geschützt und ist gleichzeitig beschattet. Werden noch Stauden und Sommerblumen im Gemüsegarten gesät und gepflanzt, wird aus dem Küchengarten ein kleiner Bauerngarten. Gerade kleine Gärten profitieren von dem bunten Miteinander, kann doch schließlich auf kleinstem Raum eine stattliche Ernte verschiedenster Gemüse eingefahren werden.

Doch auch die Nachteile sollen nicht verschwiegen werden. Eine Mischkultur zu planen, ist aufwendiger als eine einfache Fruchtfolgeplanung, bei der das Gemüse jedes Jahr auf einem anderen Beet ausgesät wird. Freund- und Feindschaften sind zu bedenken und Standzeiten und Pflanzenabstände richtig zu kalkulieren. Je dichter die Gemüsepflanzen auf den Beeten stehen, desto höher ist der Pflegeaufwand. Unterschreitet der Abstand zwischen den Reihen fünfzehn Zentimeter, macht besonders das Unkrautjäten mehr Arbeit. So viel Platz braucht es nämlich, um die Hacke einsetzen zu können.

Alles, was darunter liegt, ist Handarbeit. Wer also hier ein wenig Arbeit einsparen möchte, sollte zwischen und in den Reihen immer so viel Abstand lassen, dass die Hacke mühelos dazwischen kommt.

Familienbande

Seine Familie kann man sich nicht aussuchen, seine Freunde dagegen schon. Wie im Leben der Gartenbesitzer geht es auch im Leben der »Gartenbesetzer« zu. Familientreffen führen bisweilen zu jahrelangen Feindschaften und man geht sich aus dem Weg. Verwandte Pflanzen scheiden gleiche oder ähnliche Substanzen aus und verbrauchen ähnliche Mengen an Nährstoffen aus dem Boden. Beides führt zu einer einseitigen Anreicherung von Stoffen im Boden, die für die nachkommenden, verwandten Kulturen schädlich sind. Zudem können sich Schädlinge und Krankheiten anhäufen.

Brüder, Schwestern und Cousinen

Respektieren Sie die Familienbande der Pflanzen und vermeiden Sie es, Mitglieder derselben Familie nebeneinander oder nacheinander auf dasselbe Beet zu pflanzen.

Das ist manchmal gar nicht so einfach, denn unsere Gemüsearten entstammen häufig der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) oder der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae). In den folgenden Übersichten können Sie die Verwandtschaftsbeziehungen der Gemüse- und Kräuterarten nachlesen. Nicht vergessen sollten Sie die Gründüngungspflanzen. Da sie als Nachkulturen gesät werden, sollten sie dem Fruchtfolgeschema angepasst werden. Es gibt auch einige Gemüsearten, die in unseren Breiten die einzigen Vertreter ihrer Familie sind. Hierzu gehören die Eiskrautgewächse (Aizoaceae) mit dem Neuseeländer Spinat, die Baldriangewächse (Valerianaceae) mit dem Feldsalat und die Lippenblütengewächse (Lamiaceae), die zwar viele Kräuter stellen, mit dem Knollenziest aber nur einen Gemüsevertreter haben. Diese Gemüsearten können zur Auflockerung der Mischkultur oder der Fruchtfolge angebaut werden. Wollen Sie nun ein Gemüse anbauen, das in den Übersichten nicht erwähnt ist, brauchen Sie nur seine Pflanzenfamilie herauszufinden. Dabei helfen spezielle Gemüsebestimmungsbücher, eine Empfehlung finden Sie auf Seite 157. Dann können Sie es probehalber so in die Mischkultur einbauen wie seine bekannten Gemüseverwandten.

Gemüseverwandtschaft

Pflanzenfamilie

Gemüsearten

Baldriangewächse(Valerianaceae)

Feldsalat

Basellgewächse(Basellaceae)

Malabarspinat (Basella alba)

Doldenblütengewächse(Apiaceae)

Gemüsefenchel, Kerbelrüben, Möhren, Pastinaken, Sellerie, Wurzelpetersilie

Eiskrautgewächse(Aizoaceae)

Eiskraut, Neuseeländer Spinat

Fuchsschwanzgewächse(Amaranthaceae)

Amarant

Gänsefußgewächse(Chenopodiaceae)

Erdbeerspinat, Gartenmelde, Guter Heinrich, Mangold, Rote Bete, Spinat

Knöterichgewächse(Polygonaceae)

Rhabarber, Sauerampfer

Korbblütengewächse(Asteraceae)

alle Kopf-, Schnitt- und Plücksalate, Artischocken, Chicorée, Endivien, Haferwurzeln, Karden (Cardy), Löwenzahn, Radicchio, Salat-Chrysanthemen, Schwarzwurzeln, Topinambur, Zuckerhutsalate

Kreuzblütengewächse(Brassicaceae)

Asia-Salate (z. B. Mizuna, Komatsuna, Tatsoi), Blumenkohl, Brokkoli, Chinakohl, Grünkohl, Herbstrüben, Kohlrabi, Kohlrüben, Kopfkohl, Mairüben, Meerrettich, Pak Choi, Radieschen, Rauken, Rettiche, Rosenkohl, Stielmus (Rübstiel), Teltower Rübchen, Wirsing

Kürbisgewächse(Cucurbitaceae)

Gurken, Kürbisse, Zucchini

Liliengewächse(Liliaceae)

Porree, Schalotten, Spargel, Zwiebeln

Lippenblütengewächse(Lamiaceae)

Knollenziest

Malvengewächse(Malvaceae)

Okras

Nachtschattengewächse(Solanaceae)

Auberginen, Chilis, Kartoffeln, Paprikas, Tomaten, Tomatillos

Portulakgewächse(Portulacaceae)

Sommerportulak, Winterportulak

Schmetterlings-blütengewächse(Fabaceae)

Erbsen, Feuerbohnen, Gartenbohnen, Puffbohnen, Spargelerbsen, Sojabohnen, Linsen, Kichererbsen

Süßgräser(Poaceae)

Zuckermais

Wegerichgewächse(Plantaginaceae)

Hirschhornwegerich

Kräuterverwandtschaft

Pflanzenfamilie

Kräuterarten

Baldriangewächse(Valerianaceae)

Baldrian

Doldenblütengewächse(Apiaceae)

Anis, Angelika, Blattpetersilie, Dill, Gewürzfenchel, Kerbel, Koriander, Kümmel, Liebstöckel

Hartheugewächse(Hypericaceae)

Johanniskraut

Kapuzinerkressengewächse(Tropaeolaceae)

Kapuzinerkresse

Korbblütengewächse(Asteraceae)

Beifuß, Eberraute, Estragon, Kamille,Ringelblumen, Wermut

Kreuzblütengewächse(Brassicaceae)

Barbarakraut, Brunnenkresse, Gartenkresse

Lippenblütengewächse(Lamiaceae)

Basilikum, Bohnenkraut, Lavendel, Majoran, Minzen, Oregano, Rosmarin, Salbei, Schwarznessel (Perilla), Thymian, Ysop, Zitronenmelisse

Liliengewächse(Liliaceae)

Knoblauch, Schnittlauch

Raublattgewächse(Boraginaceae)

Beinwell, Borretsch

Rautengewächse(Rutaceae)

Weinraute

Rötegewächse(Rubiaceae)

Waldmeister

Rosengewächse(Rosaceae)

Pimpinelle

Obstverwandtschaft

Pflanzenfamilie

Obstarten

Kürbisgewächse(Cucurbitaceae)

Wassermelonen, Zuckermelonen

Nachtschattengewächse(Solanaceae)

Kapstachelbeeren, Pepino

Rosengewächse(Rosaceae)

Äpfel, Aprikosen, Birnen, Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen, Mandeln, Pfirsiche, Pflaumen,Quitten

Stachelbeergewächse(Grossulariaceae)

Johannisbeeren, Stachelbeeren

Verwandtschaft bei Gründüngungspflanzen

Pflanzenfamilie

Arten

Knöterichgewächse(Polygonaceae)

Buchweizen

Korbblütengewächse(Asteraceae)

Ringelblumen, Sonnenblumen, Studentenblumen

Kreuzblütengewächse(Brassicaceae)

Ölrettich, Raps, Rübsen, Senf

Raublattgewächse(Boraginaceae)

Phacelia

Schmetterlings-blütengewächse(Fabaceae)

Inkarnatklee, Lupinen, Rotklee, Sommerwicken, Weißklee

Süßgräser(Poaceae)

Roggen

Fruchtfolgen und Anbaupausen

Es gibt drei Gründe, warum Empfehlungen für Fruchtfolgen und Anbaupausen ausgesprochen werden: erstens aufgrund eines einseitigen Nährstoffentzugs einer Art oder einer Familie, zweitens aus Pflanzenschutzgründen und drittens aufgrund von Selbstunverträglichkeiten innerhalb einer Art, einer Familie oder zwischen Arten verschiedener Familien. Diese Selbstunverträglichkeit geht häufig auf die Anreicherung von für Pflanzen giftige Stoffe (Phytotoxine) im Boden zurück. Dieses Phänomen wird auch Allelopathie genannt (mehr dazu ab Seite 41 und ab Seite 141). Manchmal wird der Begriff Selbstunverträglichkeit auch auf den Nährstoffentzug und auf Fruchtfolgekrankheiten ausgedehnt.

Aus diesen Gründen sollten Arten einer Familie nur alle drei Jahre auf demselben Beet angebaut werden. Noch weitere Fruchtfolgen empfehlen sich für die Doldenblütengewächse (Apiaceae), die nur alle vier Jahre, und die Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae), die nur alle acht Jahre auf demselben Beet angebaut werden sollten. Die Schmetterlingsblütengewächse (Fabaceae, auch Leguminosen oder Hülsenfrüchte genannt) sind untereinander hochgradig selbstunverträglich. Sie sollten daher nur alle vier bis sechs Jahre auf derselben Fläche stehen. Eine noch weitere Fruchtfolge haben die Kreuzblütengewächse (Brassicaceae), die wegen der Kohlhernie nur alle acht bis zehn Jahre auf demselben Beet angebaut werden sollten (siehe auch nebenstehende Übersicht). Je verschiedener die Gemüsearten sind, die räumlich und zeitlich aufeinanderfolgen, desto weniger Fruchtfolgeprobleme wie einseitiger Nährstoffentzug und Fruchtfolgekrankheiten treten auf.

Es liegt in der Familie

Wird auf ein und derselben Fläche in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren eine Pflanzenfamilie bevorzugt angebaut, können sich auch die auf diese Familie spezialisierten Schädlinge und Krankheitserreger ansammeln. Werden die Wirtspflanzen in Folge angebaut, vermehren sich die Schaderreger und können sich so lange anreichern, bis ein Anbau nicht mehr möglich ist. Dies ist das Übel der Monokultur, nicht nur auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen, sondern auch in unseren Gärten. Durch einen regelmäßigen Wechsel der Gemüsearten finden die Krankheiten und Schädlinge keine Wirte und können nicht überleben. Da besonders Pilze wie die Kohlhernie und Nematoden in der Lage sind, Dauersporen oder Dauerkapseln (Zysten) zu bilden, mit denen sie jahrelang im Boden überdauern können, sollten die angegebenen Anbaupausen eingehalten werden. Doch nicht nur die im Boden überdauernden Krankheiten und Schädlinge reichern sich an, auch Blattläuse und andere Schädlinge finden in immer gleichen, monotonen Pflanzungen viel Nahrung und können sich entsprechend vermehren. Schädlinge und Krankheiten, die nur einen engen Wirtspflanzenkreis haben wie die Möhrenfliege, sind mithilfe einer Fruchtfolge besser in Schach zu halten, als solche, die einen weiten Wirtskreis haben wie die Wandernden Wurzelnematoden. In der Übersicht auf Seite 22 sind die wichtigsten Fruchtfolgekrankheiten aufgeführt, und dazu, welche Gemüsearten sie betreffen und wie lange auf einer Fläche keine Arten derselben Familie angebaut werden sollten.

Anbaupausen für Familienmitglieder

Pflanzenfamilie

wichtige Gemüsevertreter

empfohlene Anbaupause

Doldenblütengewächse

Möhren, Sellerie

3 – 4 Jahre

Gänsefußgewächse

Mangold, Spinat

8 Jahre

Korbblütengewächse

Salate

3 – 4 Jahre

Kreuzblütengewächse

Kohl, Radieschen, Rettiche

3 – 4 Jahre (8 Jahre bei Kohlhernie)

Kürbisgewächse

Gurken

3 – 5 Jahre

Liliengewächse

Zwiebeln

4 – 5 Jahre

Lippenblütengewächse

Bohnenkraut, Majoran, Salbei

4 Jahre

Nachtschattengewächse

Kartoffeln, Paprikas, Tomaten

3 – 4 Jahre

Schmetterlings-blütengewächse

Erbsen Gartenbohnen

4 – 6 Jahre 2 – 3 Jahre

Tomate nach Tomate?

Über die Selbstverträglichkeit von Tomaten gibt es verschiedene Meinungen. Während viele Gärtner die Erfahrung gemacht haben, dass Tomaten und andere Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Paprikas, Auberginen und Kapstachelbeeren nacheinander auf demselben Beet stehen können, ohne dass dabei Probleme auftreten, sie mitunter sogar besser wachsen, wurde an der Martin-Luther-Universität Halle festgestellt, dass nach einer zehnjährigen Tomatenmonokultur im Erwerbsgartenbau durch fehlenden Fruchtansatz bis zu fünfzig Prozent weniger Tomaten geerntet wurden.

Wenn Tomaten und Co. auf demselben Beet über mehrere Jahre gedeihen, ist das schön. Vorsicht ist dann geboten, wenn Welkekrankheiten und Nematoden auftreten. Dann sollten sie unbedingt in eine Fruchtfolge mit mindestens vierjähriger Anbaupause eingegliedert werden. Besser ist es, Tomaten gleich in die Fruchtfolge aufzunehmen.

Eine Mimose namens Petersilie

Die Petersilie ist eine ganz empfindliche Pflanze. Nicht nur, dass sie sich mit dem Keimen sehr lange Zeit lässt (das können Sie mit Mischsaaten mit Radieschen überbrücken), nein, urplötzlich wird sie gelb, welkt und stirbt ohne erkennbaren Grund ab. Wenn das passiert, liegt das mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass im letzten Jahr an dieser Stelle schon Petersilie oder eine enge Petersilienverwandte wie die Möhre, die Pastinake oder sogar der Dill stand. Sie alle sind Doldenblütengewächse und sollten sich nur alle vier Jahre auf einer Fläche treffen, sonst gibt es »Mord & Totschlag«.

Wurzelgallennematoden

Wurzelgallennematoden (Meloidogyne hapla) haben einen sehr großen Wirtspflanzenkreis (etwa 350 Wirtspflanzenarten sind bekannt). Nematoden sind winzige, etwa ein Millimeter große Tiere, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Aufgrund ihrer wurmähnlichen Gestalt werden sie auch Fadenwürmer oder Älchen genannt. Anfällige Gemüsearten sind vor allem Möhren, Gurken, Kartoffeln, Salate, Tomaten und Erbsen. An den Wurzeln befallener Pflanzen befinden sich kleine, knotenartige Verdickungen, in denen die Nematoden leben (nicht zu verwechseln mit den stickstoffsammelnden Knöllchenbakterien an Schmetterlingsblütengewächsen). Besonders auffällig ist die Nebenwurzelbildung bei Möhren und anderem Wurzelgemüse. Durch den Befall wachsen die Pflanzen langsamer und welken besonders schnell bei hochsommerlichen Temperaturen.

Getreide gehört nicht zum Wirtspflanzenkreis der Wurzelgallennematoden. Darum kann es als Gesundungspflanze in die Fruchtfolge aufgenommen werden. Eine weitere, aufgrund der erhöhten Nährstoffauswaschung und Störung des Bodenlebens jedoch weniger empfehlenswerte Methode ist die einjährige Schwarzbrache. Hier wird vollkommen auf eine Bepflanzung verzichtet, um die Nematoden auszuhungern. Achten Sie dabei darauf, dass alle aufkeimenden Pflanzen, auch Unkräuter wie Vogelmiere, Ackerdistel und Melde, entfernt werden.

Wandernde Wurzelnematoden

Wandernde Wurzelnematoden (Pratylenchus- und Paratylenchus-Arten) haben ebenfalls einen großen Wirtspflanzenkreis, zu dem neben Gehölzen (Äpfel, Birnen, Kirschen) auch Gemüse (unter anderem Möhren, Sellerie, Bohnen, Gurken, Salate, Porree) und Mais zählen. Auf befallenen Flächen kommt es zu Wachstumshemmungen und Vergilbungserscheinungen bei den Pflanzen. An den Wurzeln sind dunkle, abgestorbene Stellen sichtbar. Die Wandernden Wurzelnematoden werden häufig als Verursacher der Bodenmüdigkeit betrachtet (siehe Seite 42).

Eine vielseitige Fruchtfolge kann das Auftreten der Nematoden reduzieren. Rote Bete gehört zu den wenigen Gemüsearten, die keine Wirte für Wandernde Wurzelnematoden sind. Studentenblumen (Tagetes) können zur Bekämpfung der Wandernden Wurzelnematoden ganzflächig oder als Mischkultur gesät werden (siehe Seite 24). Eine ähnliche, nicht so starke Wirkung haben Ringelblumen (Calendula officinalis), Sonnenbraut (Helenium), Kokardenblume (Gaillardia), Kamille (Matricaria chamomilla) und Sonnenhut (Rudbeckia).

Zystenälchen

Das Rübenzystenälchen (Heterodera schachtii) befällt Gänsefuß- und Kreuzblütengewächse (Beispiele siehe Seite 11). Das Kartoffelzystenälchen (Globodera rostochiensis, Globodera pallida) ist ein Schaderreger an Kartoffeln und anderen Nachtschattengewächsen. Die Blätter vergilben. Die Wurzeln sind stark verzweigt (»bärtig«) und tragen gelblich weiße Zysten, in denen sich die Eier der Nematoden befinden. Diese Zysten können acht bis zehn Jahre im Boden überdauern.

Aufgrund der langen Überdauerung der Zystenälchen im Boden sollte eine weitgestellte Fruchtfolge geplant werden, in der bis zu zehn Jahre lang keine Gemüsearten aus dem Wirtspflanzenkreis angebaut werden. Denken Sie auch hier an Unkräuter wie den Ackersenf, das Hirtentäschel und den Weißen Gänsefuß. Zur Reduzierung können Zwischenfrüchte wie nematodenresistente Ölrettich- und Senfsorten oder nematodenresistente Kartoffelsorten angebaut werden (siehe Seite 24).

Gemüsefliegen

Gemüsefliegen wie die Kleine Kohlfliege (Phorbia brassicae, syn. Delia radicum), die Möhrenfliege (Psila rosae) und die Zwiebelfliege (Delia antiqua) legen ihre Eier direkt an die Pflanzenbasis oder in deren Nähe im Boden ab. Die Larven leben im Pflanzeninneren, überwintern aber als Puppen im Boden. Die Larven fressen an den Wurzeln (Möhren, Radieschen) und an der Wurzelscheibe (Zwiebeln). Die Pflanzen welken und lassen sich teilweise leicht aus dem Boden ziehen. Die Fraßstellen werden häufig von Fäulniserregern besiedelt.

Die vielfach gerühmte Partnerschaft von Zwiebeln und Möhren im Beet zur Verwirrung der Zwiebel- und der Möhrenfliegen ist – wie Versuche ergeben haben – nur ein Märchen. Der beste Schutz vor den Gemüsefliegen sind Gemüseschutznetze, die nach der Aussaat oder nach dem Pflanzen über die Beete gelegt werden (mehr dazu auf Seite 49). Eine weitgestellte Fruchtfolge der Wirtspflanzen hilft zudem, den Befallsdruck zu vermindern.

Kohlhernie

Die Pilzkrankheit Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) verursacht an ihren Wirtspflanzen, zu denen alle Kohlarten, Radieschen, Rettiche, aber auch kreuzblütige Unkräuter wie Ackersenf (Sinapis arvensis) oder Hirtentäschel (Capsella bursa-pastorum) gehören, knollenartig verdickte Wurzeln. Die Pflanzen bleiben klein und wachsen nur kümmerlich. In den knollenartigen Verdickungen befinden sich Dauersporen, die bis zu sechs Jahre im Boden überdauern können. Anbaupausen liegen zwischen acht und zehn Jahren.

Neben allen Kohlarten befällt die Kohlhernie auch kreuzblütige Unkräuter wie Hirtentäschel und Ackersenf

Zur Bekämpfung der gefürchteten Kohlhernie wird eine weitgestellte Fruchtfolge mit Anbaupausen von bis zu zehn Jahren für alle Mitglieder der Kreuzblütengewächse empfohlen. In Einzelfällen sollte komplett auf den Anbau der Wirtspflanzen verzichtet werden. Kohlhernieresistente Kohlsorten können zwar angebaut werden, doch kann so die Krankheit nicht bekämpft werden. Verzichten Sie bei kohlhernieverseuchten Böden lieber auf Kohl oder halten Sie die Anbaupause von zehn Jahren ein.

Welkepilze

Welkepilze wie die Fusarium-Welke (Fusarium oxysporum) und die Verticillium-Welke (Verticillium