Backstage - Röbi Koller - E-Book

Backstage E-Book

Röbi Koller

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Beschreibung

»Happy Day« hat im Programm des Schweizer Fernsehens einen festen Platz und ein sehr treues Publikum. Das Gesicht der Show: Röbi Koller. Ein Moderator, der nah bei den Menschen ist, nicht nur vor der Kamera, sondern auch privat. Starallüren? Fehlanzeige! Er ist einer von uns. Das wird bei seiner Rückschau, die er in seinem Buch hält, definitiv klar. Denn: Er feiert nicht seine grossen Momente, sondern die Heldinnen und Helden des Alltags, denen er, zusammen mit seinem Team, glückliche Tage beschert und zudem Respekt und Anerkennung gezollt hat. Röbi Koller gewährt uns einen tiefen Einblick in die Machart der Sendung und erzählt auch von Zwischenfällen und Pannen. Er nimmt uns auf eine Reise mit, die uns aufzeigt, dass Solidarität und Mitgefühl nicht nur die anderen, sondern auch uns selbst glücklich machen. Achtzehn Jahre lang hat Röbi Koller »Happy Day«, eine der meistgesehenen Sendungen des Schweizer Fernsehens, moderiert und in dieser Zeit viele Menschen glücklich gemacht. Nun nimmt er Abschied und hält in seinem Buch »Backstage« Rückschau.

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Seitenzahl: 263

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe.

Angaben zur EU-Verordnung über die allgemeine Produktsicherheit finden sich auf der letzten Seite dieses Buchs.

© 2025 Wörterseh, Lachen

Lektorat: Andrea LeutholdKorrektorat: Brigitte MaternUmschlaggestaltung: Thomas JarzinaFoto Cover: Christoph Kaminski, Kaminski PhotographieFoto im Kapitel »Über das Buch«: Adrian Bretscher (Röbi Koller mit seiner Frau, der Regisseurin Esther Della Pietra)Layout, Satz und Herstellung: Beate SimsonDruck und Bindung: CPI Books GmbH

Print ISBN 978-3-03763-159-1 E-Book ISBN 978-3-03763-853-8

www.woerterseh.ch

 

Some people feel the rain. Others just get wet.

Das Zitat wird Marley wie auch Dylan zugeordnet – von einem Bob ist es so oder so

Inhalt

Über das Buch

Über den Autor

Vorwort

Die Entscheidung

Tanz für Hans

Eine Sendung zum Abschalten

Humor!?

Zucchero

Hamburg oder Berlin?

Ob das gut geht?

Das Erfolgsgeheimnis

Danke für all das Fernsehzeugs

Hallo, hier ist die Kamera!

Ganz gross denken

Danke sagen

»Happy Day« von A bis Z

Man kann nicht alles kontrollieren

Bitte lesen!

Abenteuer Lateinamerika

Das Dienstleistungs-Gen

Ein Bubentraum

Von Pleiten und Pannen

Mein Happy Day

Für dich suchen wir einen Esel

News von Andrea und Sven

Formel 1

Von Lockvögeln und Märchenerzählern

Zugabe

Danke

 

Über das Buch

»Happy Day« hat im Programm des Schweizer Fernsehens einen festen Platz und ein sehr treues Publikum. Das Gesicht der Show: Röbi Koller. Ein Moderator, der nah bei den Menschen ist, nicht nur vor der Kamera, sondern auch privat. Starallüren? Fehlanzeige! Er ist einer von uns. Das wird bei seiner Rückschau, die er in seinem Buch hält, definitiv klar. Denn: Er feiert nicht seine grossen Momente, sondern die Heldinnen und Helden des Alltags, denen er, zusammen mit seinem Team, glückliche Tage beschert und zudem Respekt und Anerkennung gezollt hat. Röbi Koller gewährt uns einen tiefen Einblick in die Machart der Sendung und erzählt auch von Zwischenfällen und Pannen. Er nimmt uns auf eine Reise mit, die uns aufzeigt, dass Solidarität und Mitgefühl nicht nur die anderen, sondern auch uns selbst glücklich machen.

Achtzehn Jahre lang hat Röbi Koller »Happy Day«, eine der meistgesehenen Sendungen des Schweizer Fernsehens, moderiert und in dieser Zeit viele Menschen glücklich gemacht. Nun nimmt er Abschied und hält in seinem Buch »Backstage« Rückschau.

»Röbi Kollers Buch führt uns eindrücklich vor Augen, wie viel Knochenarbeit, Herzblut und Engagement hinter ›Happy Day‹ stecken – davor ziehe ich meinen Hut.«

Daniel Dunkel, ehemaliger Chefredaktor der »Schweizer Familie«

 

Über den Autor

Röbi Koller, geb. 1957, begann 1981 beim Piratensender Radio 24 als Moderator zu arbeiten, wechselte später zu Radio DRS 3 und gleichzeitig zum Schweizer Fernsehen. Seine Sendungen – von den legendären Langzeitreportagen über »Quer« bis »Happy Day« – sind zu eigenen Brands geworden, die über viele Jahre ein grosses Publikum angezogen haben. Röbi Koller ist Botschafter der Entwicklungsorganisation Comundo und bekennender Bob-Dylan-Fan. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in Zürich und Braunwald. www.roebikoller.ch

 

Vorwort

Es war der 18. April 2008, als das Flugzeug in Zürich abhob. Ziel war Grönland. An Bord hundertfünfzig Passagiere, die mit der »Schweizer Familie« zu einer Leserreise ins Packeis aufbrachen. Als Chefredaktor der Zeitschrift hatte ich das Vergnügen, die Kreuzfahrt zu begleiten. Ich wusste, dass es auf dem Schiff lange Abende geben würde und wir das Publikum auf Dauer nicht nur mit Vorträgen über Klima, Gletscher und Walfänger unterhalten konnten. Darum nahm ich einen Mann mit auf die Reise, dem ich zutraute, für ein vergnügliches Abendprogramm und gute Laune zu sorgen: Röbi Koller.

Ich kannte den Moderator der beliebten TV-Show »Happy Day« nicht persönlich. Ich wusste nur, dass er bei den Zuschauerinnen und Zuschauern ankam und für steigende Einschaltquoten sorgte. Und so freute ich mich, dass wir im Flugzeug nach Grönland hintereinandersassen. Zwischen den Rückenlehnen hindurch kamen wir schnell ins Gespräch, und schon nach zehn Minuten hockten wir nebeneinander, so wie unsere Ehefrauen, die mit von der Partie waren. Röbi sprudelte vor Ideen, was wir an Bord der MS Fram den Gästen an Überraschungen bieten könnten: einen Fotowettbewerb, Interviews mit dem Kapitän, dem Küchenchef und interessanten Mitreisenden. Röbi hatte in Erfahrung gebracht, dass es in der Schiffslobby einen grossen Bildschirm gab. Den wollte er für die Präsentation der besten Fotos des Tages nutzen.

Um es vorwegzunehmen: Röbi Koller brachte das Glanzstück fertig, die hundertfünfzig Passagiere innerhalb weniger Tage zu einer Grossfamilie zusammenzuschweissen. Ich sah ihn hier bei einem Schwatz und dort bei einer Handreichung. Sein Interesse an den Mitmenschen war echt, er brauchte sich nicht zu verstellen. Der Bass seiner ruhigen Stimme schaffte selbst bei hohem Wellengang Vertrauen. Röbi Koller, so wurde mir klar, findet Erfüllung darin, anderen Freude zu bereiten – im Fernsehen ebenso wie auf der Schiffsreise. Seine Unterhaltungsabende brachten das Eis an Bord so schnell zum Schmelzen, wie der Bug die Schollen auf dem Meer brach. Es war ein Vergnügen, zu beobachten, wie bisher fremde Menschen zu einer Gemeinschaft zusammenwuchsen, einander halfen und sich miteinander anfreundeten. Röbi schenkte unseren Gästen neun Happy Days.

Nach der Reise blieben Röbi und ich in Kontakt. Wir wurden Freunde. Privat teilten wir unsere Leidenschaft für guten Wein, gute Musik und gute Literatur. Beruflich blieben wir beide dem Unterhaltungssegment treu. »Happy Day« entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Shows in der Geschichte des Schweizer Fernsehens, die »Schweizer Familie« zur grössten Wochenzeitschrift im Land. In den vielen Gesprächen, die wir über die Jahre führten, machten wir uns Gedanken über den Wert unserer Arbeit. Gemeinsam ärgerten wir uns über Kollegen aus dem Nachrichtenjournalismus, die uns als »Unterhaltungsfuzzis« belächeln und die Notwendigkeit von Medienformaten infrage stellen, die nicht das politische Weltgeschehen im Fokus haben, sondern wie »Happy Day« und die »Schweizer Familie« nahe bei der Bevölkerung und ihrem Alltag stehen.

Ist es gesellschaftlich relevant oder purer Kitsch, wenn die Menschen im Land an Schicksalen anderer teilnehmen und sich berühren, einer Träne freien Lauf lassen? In frostigen Zeiten wie diesen liegt die Antwort auf dem Tisch. Ohne Solidarität und Mitgefühl wird es kalt. Wir brauchen Momente, die das Herz erwärmen. Darum ist es gut, dass die Medien nicht nur den Wahnsinn des Weltgeschehens im Auge haben, sondern ebenso engagiert vom Zusammenleben im eigenen Land erzählen, von den Sorgen und Freuden der Menschen, von den Helden des Alltags, die Zuversicht bewahren und Mut machen.

Röbi Koller hat dies mit »Happy Day« achtzehn Jahre lang getan, auf seine unverwechselbare Art: respektvoll, einfühlsam, aufrichtig – und unterhaltsam. Auf den nächsten 218 Seiten gewährt Röbi seiner riesigen Fangemeinde einen vergnüglichen Blick hinter die Kulissen der Sendung. Die Lektüre führt eindrücklich vor Augen, wie viel Knochenarbeit und Herzblut hinter den Magic Moments stecken, den berührenden Szenen der Show, die ihren Zauber ausmachen.

Davor ziehe ich meinen Hut.

Daniel Dunkel ehemaliger Chefredaktor der »Schweizer Familie«

 

Die Entscheidung

Die Idee, ein Buch darüber zu schreiben, was bei »Happy Day« vor und nach den Sendungen sowie hinter den Kulissen passiert ist und wie ich alles erlebt habe, trage ich schon lange mit mir herum. Es gibt so viel zu berichten, wenn man eine Fernsehshow über mehr als eineinhalb Jahrzehnte moderiert und mitgestaltet hat. Ich wollte Anekdoten zum Besten geben, Zeitzeugen befragen, Konzepte zitieren, die wieder verworfen wurden, an die Anfänge zurückdenken, in Nebengeschichten abzweigen, Medienberichte hervorkramen, Höhepunkte benennen, über Pannen schmunzeln. Die Frage war nur: Lohnt sich der Aufwand? Ist das interessant genug? Will das jemand lesen? Warum sollte jemand so ein Buch kaufen?

Als ich aber im Frühling 2021 die Sommerserie »Danke Happy Day« vorbereitete, wurde mir schlagartig klar, warum ich so ein Buch unbedingt schreiben sollte. Ich schaute mir für unseren Rückblick auf die schönsten Wiedersehensgeschichten einiges Archivmaterial an. Ausschnitte daraus würden wir dem Publikum in der Sommerpause zeigen – angereichert mit Updates. Wir wollten also nicht nur auf die emotionalsten Momente von »Happy Day« zurückschauen, sondern auch erfahren, was aus unseren früheren Protagonistinnen und Protagonisten geworden ist und wie sich ihr Leben nach der grossen Überraschung bei »Happy Day« verändert hat.

Die Geschichten, die ich nochmals Revue passieren liess, hatte ich in bester Erinnerung: Ruth Müller, die so gern gewusst hätte, was ihr Sohn Martin, Helikopterpilot im Golf von Mexiko, genau tat und wie er lebte; Diana und Cyril, zwei Adoptivkinder, die ihre leiblichen Eltern in Kolumbien suchten; Cornelia, die ihre beiden Halbgeschwister so gern kennen lernen wollte; oder Megi, die ihre Hündin Dyna, die sie in Namibia zurückgelassen hatte, schmerzlich vermisste. Ich hatte die Dreharbeiten, die zum Teil fast zehn Jahre zurücklagen, alle noch mehr oder weniger präsent. Auch die Diskussionen, die wir in der Redaktion um diese Geschichten geführt hatten: Schaffen wir es, die Eltern zu finden? Wie gross ist der Aufwand, einen Hund aus Afrika in die Schweiz zu holen? Wird Martin eine Bewilligung erhalten, um mit dem Heli und uns als Passagieren auf eine Ölplattform zu fliegen?

Ich schob das nachträgliche Visionieren der Beiträge ein paar Tage vor mir her, denn ich wusste ja, dass ich die Geschichten schon kannte, und sah die Bilder noch vor mir. Überraschungen erwartete ich, ehrlich gesagt, keine. Als ich dann aber in den ersten Film eintauchte, passierte etwas, was ich nie erwartet hätte: Es nahm mir richtiggehend den Ärmel rein. Ich stellte fest, dass meine Erinnerungen doch nicht so präsent waren. Viele Details der Überraschungen waren verwischt, einige auch vergessen. Und so war ich nun beim Betrachten der Videos jede Sekunde gespannt, wie es weitergehen würde. Die Geschichten waren allesamt so echt und aus dem Leben gegriffen, so gut erzählt und dramaturgisch so raffiniert aufgebaut, dass ich dranblieb. Und mehr noch: Gegen Ende der einzelnen Aufnahmen, als jeweils die grossen Überraschungsmomente kamen, liefen mir die Tränen herunter – bei jeder Geschichte von neuem. Es schüttelte mich, als Ruth Müller ihren Sohn, der vor dem Studio mit einem Helikopter landete, in den Arm nehmen konnte. Ich schluchzte mit Megi, als Dyna schwanzwedelnd auf sie zukam. Ich reagierte fast stärker als bei der Erstausstrahlung, denn während ich damals genau wusste, was im Film zu sehen war, erwischten mich die emotionalen Momente jetzt, Monate, Jahre später, auf dem falschen Fuss.

Von dieser starken und bleibenden emotionalen Wirkung unserer Wiedersehensgeschichten hätte ich eigentlich wissen müssen. Schon seit einiger Zeit werden alte Überraschungen aus »Happy Day« im Schweizer Fernsehen und – in bearbeiteter Form – auf Social-Media-Kanälen wiederholt. Ich hatte diese Art von günstiger Zweitverwertung anfänglich etwas belächelt und mir nicht vorstellen können, dass das viele Menschen interessieren würde. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Immer wieder geschah es, dass alte Geschichten viral gingen und viele tausend, sogar zehntausende Aufrufe verzeichneten.

Zurück zur Buchidee: Nachdem ich ein paar unserer früheren Überraschungen nochmals angeschaut hatte, wusste ich, dass es vermutlich Geheimnisse hinter dem Erfolg von »Happy Day« gibt, die nicht einmal ich kenne. Ich nahm mir vor, diese zu ergründen und ein paar davon – nicht alle! – mit dem Publikum, das uns über all die Jahre treu geblieben ist, zu teilen. Die Entscheidung war gefallen: Aus der Idee, ein »Happy Day«-Buch zu schreiben, war ein handfestes Projekt geworden. Ich nahm mir vor, die verschiedenen Quellen, die mir zur Verfügung standen, anzuzapfen und so viel Material wie möglich aus mehr als achtzig Sendungen zu sammeln: Tagebucheinträge, Originalfilme, private Handyfotos, Erinnerungen von Kolleginnen und Kollegen, Feedbacks von Zuschauerinnen und Zuschauern sowie von ehemaligen Überraschten.

Und nun liegt das Resultat zwischen zwei Buchdeckeln vor uns: Es ist eine Sammlung von Geschichten, die zum Teil bekannt, deren Hintergründe aber doch neu sein dürften. Es sind Anekdoten und Erinnerungen, die sehr persönlich sind und manchmal nur am Rand mit der Sendung zu tun haben. Trotzdem gehören sie dazu, denn es gab während all der Jahre für mich immer auch ein Leben neben »Happy Day«.

Dass dieses Buch ziemlich genau zu meiner letzten »Happy Day«-Sendung erscheint, ist kein Zufall. Denn die Fragen, was mit der Show ohne mich passiert und was ich nach meinem Abgang tun werde, wurden mir in letzter Zeit immer häufiger gestellt. Da ich aber nicht in die Zukunft blicken kann und diese, was »Happy Day« angeht, sowieso ohne mich stattfinden wird, habe ich einen tiefen Blick in die Vergangenheit gewagt und freue mich, nun ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Ich habe mich übrigens bei meinen Recherchen und beim Kramen in Erinnerungen keinen Moment gelangweilt. Ich hoffe, es geht meinen Leserinnen und Lesern bei der Lektüre ebenso. Viel Spass!

 

Tanz für Hans

Ich stehe zusammen mit meinem Team vor dem Zimmer des 91-jährigen Hans Zumstein in der Betagtensiedlung Huwel in Kerns, Kanton Obwalden. Herrn Zumsteins heutiger Tagesablauf wird in ein paar Minuten eine unerwartete Wendung erfahren. Es werden bei ihm nämlich sieben unangemeldete Gäste hereinschneien und ihn darüber informieren, dass all seine heutigen Termine ausfallen, sowohl die Physiotherapie um 10 Uhr, das Mittagessen um 11 Uhr 30 wie auch der Coiffeur um 15 Uhr 30. Die fremden Gäste werden ihn bitten, auf eine Reise an einen Ort mitzukommen, an dem er vermutlich sein ganzes Leben noch nie war. Dort würde dann etwas passieren, das er sich bislang in seinen kühnsten Träumen nicht hätte ausdenken können.

Wir schreiben den 23. April 2007 – willkommen beim allerersten Überraschungsdreh von »Happy Day«!

Eingefädelt hat diesen »Überfall« Hans Zumsteins Tochter Thesy, gemeinsam mit der Betreuerin Sonja. Die beiden Frauen haben einen Brief ans Schweizer Fernsehen geschickt mit der Bitte, Hans zu überraschen. Er sei ein Riesenschatz, ein gmögiger Kerl, einer, dem sie gern einen Wunsch erfüllen wollten. Der Wunsch sei ein bisschen speziell, hiess es da, der Senior sei nämlich ein grosser Fan des erfolgreichsten Schweizer Eiskunstläufers, Stéphane Lambiel. Ihn habe Hans Zumstein seit langem einmal persönlich kennen lernen wollen.

Die Redaktion von »Happy Day« – oder besser: des Projektteams der Sendung, die bald unter dem Namen »Happy Day« starten soll – ist in diesen Wochen intensiv damit beschäftigt, sich auf die Premiere der Show vorzubereiten. Am Samstag, 19. Mai, soll die erste Ausgabe dem Publikum präsentiert werden. Schon seit Monaten sind wir an der Arbeit und diskutieren des Langen und Breiten über das neue Studio, über den Themenmix der Sendung und über Special Features wie Showacts oder Comedy-Elemente. Die Wünsche, die bisher vom Publikum per Post eingesandt wurden, sind sorgfältig gesichtet und geordnet worden. Die Auswahl ist noch übersichtlich, da erst ein paar wenige Aufrufe über den Sender gegangen sind. »Happy Day« ist zu diesem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit noch niemandem ein Begriff.

Der Wunsch des hochbetagten Obwaldners nach einem Meet and Greet mit dem zweifachen Weltmeister und besten Eiskunstläufer der Schweiz hat sofort unsere Aufmerksamkeit geweckt. Natürlich haben wir uns Fragen gestellt: Wie gut ist der Gesundheitszustand des Rentners? Dürfen wir ihm den Stress eines überfallartigen, unangemeldeten Besuchs und einer hochemotionalen Überraschung zumuten? Wir sind zwar ein kleines Team, aber mit zwei Kameraleuten, einem Tontechniker, mit der Realisatorin, zwei zusätzlichen Helfern und mir als Moderator sind wir doch mehr als ein halbes Dutzend Leute, die in dieser Sache unterwegs sind. Ist der Mann so fix, dass er begreifen wird, worum es geht, oder wird er überfordert sein? Wird er uns abwimmeln wollen oder uns nach einem Blick durch den Türspion gar nicht öffnen? Nach ein paar Abklärungen und der Versicherung der Tochter, dass ihr Vater fit und munter sei, sind wir so weit, dass wir uns um die Details eines Treffens kümmern können.

Wir haben inzwischen Stéphane Lambiel angefragt, ob er mitmachen würde bei dieser Überraschung für einen glühenden Fan. Zu unserer Erleichterung hat er sich über die Anfrage gefreut und sofort zugesagt. Die einzige Bedingung war, dass der Coup im Wallis stattfinden müsse, in Stéphanes Heimatort, wo er in der Eishalle Palladium trainierte. Nun gibt es kaum einen Ort in der Schweiz, der weiter entfernt von Kerns liegt als Champéry, das ganz hinten im Val-d’Illiez liegt, kurz vor der französischen Grenze. Die Fahrzeit über Bern, Lausanne, Montreux und Martigny wird mit knapp drei Stunden angegeben. Hin und zurück bedeutet das deutlich mehr als einen halben Tag Reise. Der Zeitplan, den wir aufgestellt haben, ist sportlich und erlaubt weder Pannen noch Staus. Aber wir haben keine Wahl. Einen zweitägigen Dreh wollen wir Hans Zumstein nicht zumuten – und unserem Budget auch nicht.

Deswegen stehen wir also bereits morgens um neun vor dieser Zimmertür, hinter der Hans Zumstein vielleicht gerade seinen Kaffee trinkt oder die Zeitung liest. Da es die allererste Überraschung ist, die wir drehen, bin ich ziemlich nervös. Ich kenne mich in diesem Genre überhaupt nicht aus und habe keine Ahnung, wie ich das mit den Emotionen in den Griff bekommen werde. Zwar habe ich ähnliche Shows auf ausländischen Sendern gesehen und erinnere mich bestens – zum Beispiel an Rudi Carrell. Die Reaktionen der überraschten Menschen, wenn er in seinem unverwechselbaren niederländischen Akzent sagte: »Sie suchen Ihre Grossmutter? – Hier ist Ihre Grossmutter!«, sehe ich noch vor mir: Sie stutzten, sie staunten, sie schauten Hilfe suchend umher, sie schienen sich zu fragen: Was ist denn hier los? Sie schlugen sich die Hand vor den Mund – o mein Gott! –, sie begriffen nicht, was da vor sich ging. Meint ihr wirklich mich? Sie fanden keine Worte, vergossen Tränen, jauchzten vor Freude, sie fielen dem Moderator um den Hals und waren völlig von der Rolle. Aber eben: Persönlich erlebt habe ich das alles noch nie. Die Erfahrung fehlt. Wir alle, das Team und ich, betreten absolutes Neuland.

Ich klopfe, und nach einer Weile öffnet Hans Zumstein die Tür. Zu meiner Überraschung ist er ganz und gar nicht aus dem Häuschen, sondern schaut uns mit grossen Augen an. Vermutlich versucht er, sich einen Reim darauf zu machen, was all diese Leute von ihm wollen. Ich stelle mich vor und erkläre ihm das Allernötigste: dass ich eine Überraschung für ihn hätte und ob wir hereinkommen dürften. Herr Zumstein nickt und bittet uns herein. Nachdem die Kameraleute die Situation gecheckt und uns ins schönste Licht gesetzt haben, fahre ich fort:

Sind Sie der berühmte Fan von Stéphane Lambiel?

Ja!     [Die Bezeichnung »der berühmte Fan« scheint Herrn Zumstein überhaupt nicht zu überraschen.]

Haben Sie Stéphane Lambiel schon einmal getroffen?

Nein, das war nicht möglich.

Also, Herr Zumstein, ich weiss etwas, was Sie nicht wissen.

[Hans Zumstein lacht.]     Ja, das ist gut möglich!

Ich habe eine Einladung von Stéphane Lambiel an Sie.

[Ungläubig, unter Tränen.]     Jaaa – das ist doch nicht möglich! Wo kann ich ihn sehen?

Im Wallis.

Im Wallis? Bei ihm zu Hause?

Nein, nicht zu Hause, sondern in der Eishalle, wo er trainiert. Kommen Sie mit uns?

Das weiss ich nicht …

Aber ich weiss es. Ich sage es Ihnen: Sie kommen mit uns, wir gehen Lambiel gemeinsam besuchen.

Und er weiss es, dass wir heute kommen?

Er weiss es, und es gibt sogar eine Spezialvorführung auf dem Eis für Sie.

Jaa – das isch jetz aber de Himmel!

Die Erleichterung nach diesen ersten Minuten ist gross, sowohl bei mir wie auch bei meinem Team. Zumsteins Tochter Thesy und die Betreuerin Sonja helfen Hans, sich für die Reise bereit zu machen, und beantworten seine vielen Fragen – »Warum ist das Fernsehen zu mir gekommen? Wie haben sie davon erfahren, dass ich Stéphane Lambiel bewundere?« Und so weiter. Nachdem Thesy ihrem Vater gebeichtet hat, dass sie hinter der Geschichte steckt, beruhigt er sich allmählich, und wir fahren los. Thesy begleitet uns, nicht aber die beiden Helfer aus unserem Team. Sie haben nämlich die Aufgabe, den alten grünen Sessel, in dem der Senior am liebsten sitzt, aus seinem Zimmer zu holen, in einen Transporter zu verladen und uns dann nach Champéry zu folgen. Davon weiss Hans Zumstein aber nichts. Der Sessel soll später Teil der Überraschung werden.

In Champéry bereitet sich Stéphane Lambiel auf seinen heutigen TV-Auftritt vor. Aufwärmen, ein paar Runden übers Eis gleiten, Pirouetten drehen, Sprünge üben. Bis wir im Wallis ankommen, hat er ausgiebig Zeit dafür. Als wir in der Halle eintreffen, bitten wir Hans Zumstein zunächst, sich noch etwas zu gedulden und mit seiner Tochter in der Cafeteria zu warten. Ich treffe in dieser Zeit Stéphane und unterhalte mich ein wenig mit ihm. Er scheint genauso angespannt zu sein wie wir alle. Die Abmachung ist, dass er für seinen Fan, der ganz allein auf dem Eisfeld zuschauen wird, eine Kür präsentieren und ihm danach persönlich für seine Treue danken wird. Eine Galavorstellung für einen einzigen VIP-Zuschauer, der – so stellen wir es uns vor – aus dem Staunen nicht mehr herauskommen wird. Damit sich der Senior dabei ein bisschen wie zu Hause fühlt, haben wir inzwischen seinen grünen Sessel bereitgestellt. Er steht am Ende eines langen roten Teppichs, über den Hans Zumstein gehen wird, mitten auf dem Eisfeld.

Nun hole ich unseren Gast fürs Finale in der Cafeteria ab. Ich führe ihn in die Halle und dort von der Bande über den roten Teppich zu seinem Sessel. Jeden Moment erwarte ich einen Aha-Effekt, sobald er sein gutes Stück wiedererkennt. Aber er sagt nicht etwa: Hoppla, wie kommt denn mein Sessel hierher? Oder etwas wie: Ihr Schlaumeier habt heimlich meinen Sessel hierhergebracht. Nein, er reagiert ganz anders. Und überrascht damit alle Anwesenden:

So, Herr Zumstein, Sie dürfen hier Platz nehmen.

Und Sie?

Ich werde von der Bande aus zuschauen.

[Hans Zumstein staunt.]     Das ist ja fast wie zu Hause!

Kennen Sie diesen Sessel?

Ja, das ist fast dasselbe Grün wie bei mir daheim!

Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, wünsche Hans Zumstein dann aber viel Vergnügen und lasse ihn allein. Inzwischen steht Stéphane auf dem Eis und wartet konzentriert auf seinen Einsatz. Hans Zumstein schaut erwartungsvoll in seine Richtung. Dann setzen Vivaldis wilde Geigen aus dem »Sommer« der »Vier Jahreszeiten« ein, und die Kür beginnt. Selbstverständlich nehmen wir mit unseren Kameras alles auf, sowohl die Pirouetten des Athleten wie auch die Mimik des Fans. Stéphane gibt alles, er tänzelt auf dem Eis, er wirbelt herum, zeitweilig scheint er zu schweben, bevor er wieder beschleunigt und abermals zu einer Pirouette ansetzt. Der Obwaldner Senior sitzt da, macht grosse Augen und kriegt den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Er muss den Kopf in alle Richtungen drehen, um Lambiel nicht aus den Augen zu verlieren. Er geniesst sichtlich jede Sekunde, klatscht begeistert in die Hände und würde vermutlich, wenn er jünger und fitter wäre, vor Freude aufstehen, tanzen und jubeln. Ein magischer Moment wie aus dem Bilderbuch, den wir uns nicht schöner hätten vorstellen können.

Nach der Show nähert sich Stéphane Lambiel dem grünen Sessel. Er ist von der Anstrengung der Kür völlig ausser Atem. Aber die Freude steht ihm ins Gesicht geschrieben. Weinend fällt Hans Zumstein dem Eiskunstläufer um den Hals und dankt ihm überschwänglich:

Sie sind für mich das grösste Geschenk! Ich möchte Ihnen gratulieren – für mich sind Sie immer noch der Weltmeister!

Nach diesem Abenteuer fahren wir glücklich und erleichtert nach Hause. Die Überraschung hat funktioniert, wir haben ein erstes Ziel erreicht und können die nächsten Drehs und die erste Live-Sendung im Studio etwas entspannter angehen.

Der Mann, dem unsere erste Überraschung galt, wird sich noch lange an seinen Happy Day erinnern. Thesy wird uns später erzählen, dass ihr Vater noch manches Mal davon geschwärmt hat, wie er sein Idol Stéphane Lambiel hat treffen dürfen. Manchmal verstieg er sich sogar zur Bemerkung, er habe Stéphane lieber als seine Kinder.

Hans Zumstein ist 2010, drei Jahre nach der Premiere von »Happy Day«, im Alter von 93 Jahren friedlich eingeschlafen.

 

Eine Sendung zum Abschalten

Ich treffe Yves Schifferle und Andrin Schweizer zum Gespräch, um mehr über die Anfänge von »Happy Day« zu erfahren. Yves Schifferle war 2007 der erste Redaktionsleiter unserer Sendung, verliess das Schweizer Fernsehen drei Jahre später, kam 2016 als Programmentwickler zurück, wurde dann Bereichsleiter Show und schliesslich Head of Show des Eurovision Song Contest. Andrin Schweizer begleitete und prägte die Umbaurubrik von »Happy Day« vom ersten Tag an und war auch verantwortlich für das Studiodekor, das bis auf wenige Details achtzehn Jahre lang nicht verändert wurde. Was kaum jemand weiss: Yves und Andrin haben Jahre vor dem Start von »Happy Day« für diese Samstagabendshow vorgespurt.

Röbi  Andrin und Yves, ihr habt mir vor diesem Gespräch ein vom Dezember 1999 datiertes Konzept für eine TV-Show mit dem Titel »Das Traum-Tor« geschickt. Klingt wie eine Fussballsendung, ist aber eigentlich die Idee von »Happy Day« – acht Jahre vor dem Start!

Andrin  Wir haben zu jener Zeit relativ viele Konzepte geschrieben, die wir bei TV3, dem damaligen Sender des »Tages-Anzeigers«, einreichten. Eines davon war das zum »Traum-Tor«. Ich hatte lustigerweise nie die Assoziation, dass es etwas mit Fussball zu tun haben könnte.

Yves  Ich war ein Kind des Achtziger- und Neunzigerjahre-Fernsehens und liebte Sendungen wie Rudi Carrells »Lass dich überraschen« und später Kai Pflaumes »Nur die Liebe zählt«. Ich war der Meinung, die Schweiz brauche auch so ein Format, das ganz stark die Zuschauerinnen und Zuschauer und ihre Geschichten ins Zentrum stellt und emotionale Komponenten hat wie die vorhin erwähnten Shows.

Wie kamt ihr auf den Titel »Das Traum-Tor«?

Andrin  In den Neunzigern lief auch die von Marijke Amado moderierte Sendung »Die Mini-Playback Show«, in der Kinder ihre Idole imitierten. Wichtiger Teil davon war der Moment, in dem sie eine Zauberkugel betraten und kurz darauf, begleitet von einem Gegenlichteffekt, in Showkostümen wieder herauskamen. Wir hatten die Idee, mit einem Tor anstatt einer Kugel Reisen durch Zeiten und Orte zu machen.

Yves  Das Tor war das Symbol für einen Übergang. Die Protagonisten sollten durch dieses Tor hindurchgehen und wären an ihrem Wunschort, in einem neuen Leben angekommen. Meine Assoziation war übrigens eine andere als deine, Andrin. Kennt ihr »Stargate«? Das ist ein Science-Fiction-Film, in dem es auch so ein Tor gab. So etwa stellte ich es mir vor, vielleicht etwas weniger Science-Fiction, dafür mehr Märchen.

Rudi Carrell machte in einer seiner Sendungen immer denselben Spruch: »Eben noch in der Backstube (… in der Apotheke, im Schulzimmer …), jetzt auf unserer Showbühne!« Daraufhin wurden die Protagonisten mit einem Blitztrick aus ihrer eigenen Umgebung direkt ins Studio gezaubert.

Yves  Genau so hatten wir uns das vorgestellt!

Die Ähnlichkeiten zwischen eurem Konzept von 1999 und »Happy Day« sind verblüffend: Die Überraschungen stehen im Zentrum, Emotionen, Gespräche, Showacts, das Starduett und ein Umbau – alles ist drin. Warum habt ihr diese Idee damals nicht umgesetzt?

Andrin  Ganz einfach, weil TV3 die Show nicht wollte.

Yves  Ich habe einige Konzepte in meinem Kopf, die ich teilweise über zehn Jahre mit mir herumtrage, Ideen, an die ich glaube, die aber, um zu gelingen, den richtigen Moment benötigen, die richtige Konstellation von Leuten und den richtigen Moderator.

Dazu habe ich eine Frage. In eurem Konzept schreibt ihr: »Yves Schifferle ist der herzensgute Junge von nebenan, der Wunschschwiegersohn, der niemandem eine Bitte abschlagen kann. Sein einziges edles Ziel ist es, Menschen glücklich zu machen. Dabei scheut er keinen Aufwand, um auch jeden noch so verrückten Traum zu verwirklichen.« Das passte später exakt zu meinem Jobprofil! Yves, warum wolltest nicht du die Sendung moderieren?

Yves  Als ich später bei SRF war, hatte ich das Thema Moderation für mich längst abgehakt. Ich fühlte mich stärker zum Produzieren und Entwickeln von Formaten hingezogen. Darum fand ich nach meiner kurzen Moderationszeit: So, danke vielmal, war eine coole Zeit, jetzt konzentriere ich mich auf eine andere Rolle.

1999 wurde euer Konzept von TV3 also abgelehnt, aber 2007 kam es als »Happy Day« ins Programm des Schweizer Fernsehens. Wie kam es dazu?

Yves  »Das Traum-Tor« war eines von drei Konzepten in meinem Leben, von denen ich überzeugt war, dass die Schweiz sie dringend brauchte. Gabriela Amgarten, damals Chefin der Abteilung Unterhaltung von SF DRS (so hiess der Sender 2006 noch), suchte eine neue Hauptsendung für den Samstagabend. Das war die Zeit, als man noch stark in diesen Sendeplatz investierte. Die grosse Show »Ein roter Teppich für …«, in der man eine prominente Persönlichkeit in den Fokus rückte, funktionierte nicht, und man brauchte schnell einen Ersatz. Ich holte das »Traum-Tor«-Konzept aus der Schublade und überarbeitete es mit dem damaligen Programmentwickler des Senders, Urs Fitze, und dem TV-Produzenten Björn Hering. Wir suchten einen neuen, zeitgemässeren Namen, stellten es dem Leitungsteam der Abteilung Unterhaltung vor und – gewannen. Ich war selbst überrascht. »Happy Day« war mein erstes grosses Hauptabendformat, das ich danach mit meinem Team umsetzen durfte. Der Druck war gross!

Anschliessend habt ihr mich als Moderator angefragt. Mein erster Gedanke war: Wie viele haben vor mir schon abgesagt?

Yves  Du warst der letzte in einer langen Reihe!     [Lacht.]     Nein, man überlegt sich ja ein Profil für eine Sendung. Wir wussten, dass »Happy Day« mit seinen emotionalen Geschichten vor allem weibliche Zuschauerinnen ansprechen würde. Deshalb brauchten wir jemanden, der die emotionalen Themen ohne grosses Pathos so erzählen konnte, dass sie auch männliche Zuschauer interessierten. Wir suchten einen, der glaubwürdig ist und bei dem sich die Menschen wohlfühlen, seien es die Protagonistinnen und Protagonisten, seien es die Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Bildschirmen. Da gab es für uns nur eine Person, die perfekt passte, und das warst du!

Freut mich, das so zu hören.

Yves  Ich hoffte sehr, dass du uns keine Absage erteilst, hatte ein bisschen Angst, es könnte dir zu kitschig sein. Ich dachte, hoffentlich sieht er für sich einen Sinn, so ein Format zu machen. Ich denke, wir haben es dir am Ende einfach so gut verkauft, dass du nicht anders konntest als zusagen.

Danach passierte etwas Interessantes: Ich stiess zu eurem Team, und wir machten uns an den Feinschliff von »Happy Day«. Eine unserer Hauptsorgen war, eine Comedy-Rubrik zu finden, die in die Sendung passte. Warum eine Comedy-Rubrik?

Yves  Als wir unseren Kolleginnen und Kollegen erzählten, es gehe in unserer neuen Sendung um Geschichten von Menschen, die Schicksalsschläge erlitten hätten, da haben uns viele, auch sehr erfahrene TV-Leute, schwer davon abgeraten. Sie haben uns zugeredet: »Macht das nicht, das wollen die Leute am Samstagabend nicht sehen! Da will man Leichtes geboten bekommen, etwas mit Musik, etwas zum Abschalten.«

Die Comedy-Rubrik also als Kompromiss?

Yves  Ja, damit das Pendel auf beide Seiten ausschlagen konnte, von den schweren Geschichten weg und hin zum Humor. Aber wir als Kernteam wollten das nie so richtig. Wir haben es zähneknirschend pilotiert, und es hat zum Glück überhaupt nicht funktioniert.

Andrin  Interessant, dass es bei »Teleboy«, einige Jahre früher, klappte. Da gab es immer Comedy-Elemente.

Yves  Ich glaube, innerhalb von »Happy Day« war die lustige Rubrik einfach ein völliger Querschläger, der Kontrast zu allem anderen viel zu gross. Und das Ganze nahm zu viel Raum ein – dauerte, wenn ich mich richtig erinnere, um die 25 Minuten. Ich bin froh, dass wir uns am Schluss dagegen entschieden haben.

Erzähl mal, wie hat man im Haus SF DRS auf die Ankündigung von »Happy Day« reagiert?

Yves  [zögert]     So … mittel!

Klartext, bitte!

Yves  Es gab sicher Leute, die sich darauf freuten und genau wie wir das Potenzial der Sendung sahen. Aber es sind auch einige auf mich zugekommen, die mir abrieten. Ein oft gehörtes Argument war, dass die Schweizer keine Emotionen zeigen können. Oder sie nicht öffentlich zeigen wollen. Den anderen Einwand habe ich schon angetönt: Es sei die völlig falsche Tonalität für den Samstagabend, so ernste Geschichten und Schicksalsschläge wolle doch niemand sehen. Ich erinnere mich an zwei Erlebnisse im Lift, wo erfahrene Fernsehmacher mich relativ aggressiv angingen: »Was macht ihr da? Das gibts doch gar nicht! So ein Scheissdreck! Das wird nie funktionieren! Das passt nicht zu uns! Das ist doch Privatfernsehen!« Heute, mit dem zeitlichen Abstand, denke ich: Wenn du mit einer Sendungsidee so starke Emotionen auslöst, ist sie vermutlich nicht so schlecht.

Dann musstest du ein Team für die neue Sendung zusammenstellen. Redaktorinnen, Realisatoren und jemanden, der das Ganze produziert.

Yves  Niemand wollte »Happy Day« produzieren! Ich habe mit den besten Leuten im Haus und auf dem Schweizer Markt gesprochen. Niemand traute sich, Produzent oder Produzentin von unserer Sendung zu werden. Sie glaubten nicht daran, dass es funktioniert. Es war krass! Ich musste lange intensiv suchen und fand schliesslich Reto Peritz, der damals bei Radio Energy arbeitete. Der damalige Energy-Chef ist mir wohl heute noch böse, dass ich ihn dort weggelockt habe. Reto erkannte als einer der wenigen das Potenzial dieses Formats und hatte vermutlich auch Bock auf Risiko.