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Die Angehörigen von 14 der rund 100 Gattungen der Geckos sind überwiegend am Tage aktiv. Zu den in der Terraristik bekanntesten tagaktiven Gattungen zählen Phelsuma und Lygodactylus; weniger bekannt sind Gattungen wie Gonatodes, Sphaerodactylus, Cnemaspis und auch Rhoptropus. Die Gattung Rhoptropus umfasst die Namib-Taggeckos, die als Stein- oder Felsbewohner ausschließlich in den trockenen, zum Teil wüstenartigen Regionen im Westen des südlichen Afrikas vorkommen. Die Namib-Taggeckos weisen im Vergleich mit den meisten anderen tagaktiven Geckos einige Besonderheiten auf. So können sie z. B. ihre Iris wie nachtaktive Geckos zu einem schmalen Pupillenschlitz schließen. Art für Art stellen Ihnen die Bücher dieser Reihe die beliebtesten Terrarientiere vor. Jeder Band bietet Ihnen detaillierte, praxisnahe Pflegeanleitungen und Sie finden alle Informationen, die Sie brauchen, um Ihre Tiere erfolgreich zu vermehren. Alle wichtigen Fragen von der erforderlichen Beckengröße über die Terrarieneinrichtung, die technische Ausstattung, die artgerechte Ernährung bis zur Vorbeugung von Krankheiten werden mit zahlreichen Tricks und Kniffen beantwortet. Erfahrene, langjährige Züchter verraten, wie Sie die Tiere zur Fortpflanzung bewegen und die Jungtiere gesund aufziehen können. Das alles durchgängig farbig, großzügig bebildert und attraktiv gestaltet nur über Ihr Terrarientier - Art für Art.
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Seitenzahl: 66
Veröffentlichungsjahr: 2016
RHOPTROPUS BARNARDI
Beate Röll
Junges Männchen von Rhoptropus barnardi
Vorwort
Kurze Systematik der Geckos
Die Gattung Rhoptropus
Taxonomie von Rhoptropus barnardi
Verbreitung
Beschreibung
Unterscheidung der Geschlechter
Lebensweise und Verhalten
Natürliche Feinde
Gesetzliche Bestimmungen
Erwerb, Transport und Quarantäne
Vergesellschaftung mit anderen Reptilien
Beheizung
Beleuchtung
Luftfeuchtigkeit
Ernährung
Versorgung mit Wasser
Versorgung mit Vitaminen und Mineralien
Krankheiten
Paarungsverhalten
Eiablage
Inkubation der Eier
Beschreibung der Jungtiere
Aufzucht von Schlüpflingen und Jungtieren
Weitere Informationen
Weiterführende und verwendete Literatur
Bildnachweis:
Titel: Männchen von Rhoptropus barnardi
Kleines Bild: Hinterfuß von Rhoptropus barnardi
Seite 1: Rhoptropus barnardi an der östlichen Verbreitungsgrenze südlich des Etosha-Parks, Namibia
Alle Fotos von der Autorin
Die in diesem Buch enthaltenen Angaben, Ergebnisse, Dosierungsanleitungen etc. wurden von der Autorin nach bestem Wissen erstellt und sorgfältig überprüft. Da inhaltliche Fehler trotzdem nicht völlig auszuschließen sind, erfolgen diese Angaben ohne jegliche Verpflichtung des Verlages oder der Autorin. Beide übernehmen daher keine Haftung für etwaige inhaltliche Unrichtigkeiten. Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Ubersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, gespeichert oder vervielfältigt werden.
eISBN: 978-3-86659-330-5
© 2007
Natur und Tier - Verlag GmbH
An der Kleimannbrücke 39/41
48157 Münster
www.ms-verlag.de
Geschäftsführung: Matthias Schmidt
Lektorat: Heiko Werning, Mike Zawadzki & Kriton Kunz
Layout: Ileana Soana - hohe birken
DIE Angehörigen von 14 der rund 100 Gattungen der Geckos sind überwiegend am Tage aktiv. Zu den in der Terraristik bekanntesten tagaktiven Gattungen zählen Phelsuma und Lygodactylus; weniger bekannt sind Gattungen wie Gonatodes, Sphaerodactylus, Cnemaspis und auch Rhoptropus. Die Gattung Rhoptropus umfasst die Namib-Taggeckos, die als Stein- oder Felsbewohner ausschließlich in den trockenen, zum Teil wüstenartigen Regionen im Westen des südlichen Afrikas vorkommen. Die Namib-Taggeckos weisen im Vergleich mit den meisten anderen tagaktiven Geckos einige Besonderheiten auf. So können sie z. B. ihre Iris wie nachtaktive Geckos zu einem schmalen Pupillenschlitz schließen.
Ein vier Tage alter Schlüpfling wärmt sich auf dem Finger.
Auf Börsen werden gelegentlich Nachzuchten von Barnards Taggecko (Rhoptropus barnardi) angeboten, der in diesem Buch vorgestellt werden soll. Dies ist die kleinste Art unter den Namib-Taggeckos; sie lässt sich in Terrarien, die ihrem Lebensraum entsprechend eingerichtet sind, gut halten und auch vermehren, wenn man einige Besonderheiten in der Haltung der Geckos und in der Aufzucht der Jungtiere berücksichtigt. Dieses Buch soll dem Leser die Biologie dieses steinbewohnenden, lebhaften Geckos nahe bringen und dabei helfen, die Tiere artgerecht unterzubringen und erfolgreich nachzuzüchten.
Um den Text besser lesbar zu gestalten, sind Literaturzitate nur bei Fragen der Systematik, wo sie zum Verständnis unmittelbar notwendig sind, angegeben. Verwendete sowie zusätzlich weiterführende Literaturstellen sind am Ende des Buches aufgelistet.
Beate RöllWennigsen, im Frühjahr 2007
Weibchen von Rhoptropus barnardi
Manche Autoren sprechen den Unterfamilien der Geckos – meist mit Ausnahme der Sphaerodactylinae – den Rang von Familien zu und betrachten die Flossenfüße als die nächsten Verwandten der diplodactylinen Geckos (z. B. KLUGE 1987). Die Sphaerodactylinae werden dabei als Tribus Sphaerodactylini innerhalb der Gekkonidae geführt. Eine weitere Möglichkeit der systematischen Einteilung – diesmal nach einem molekulargenetischen Merkmal – geben HAN et al. (2004) an: Hier teilen sich die Geckos auf fünf Familien auf (Eublepharidae, Gekkonidae, Diplodactylidae, Carphodactylidae, Pygopodidae). Die Kugelfingergeckos werden dabei wieder als Unterfamilie der Gekkonidae geführt.
Dieses Buch folgt der praktikablen Einteilung nach BÖHME und etlichen anderen Autoren, da wesentliche Merkmale gegen eine Schwestergruppierung der Pygopodiden und diplodactylinen Geckos sprechen (z. B. RÖLL & HENKEL 2002). Zudem betreffen die Änderungen in der systematischen Gruppierung im Wesentlichen nur die Rangstufe der früheren Unterfamilien bzw. Gattungsgruppen, und die Zuordnung eines kategorialen Rangs ist lediglich eine Frage der Zweckmäßigkeit und der Übereinkunft (SUDHAUS & REHFELD 1992).
DIE Gattung Rhoptropus wurde 1869 von PETERS mit der Typusart R. afer im Monatsbericht der Akademischen Wissenschaft Berlin beschrieben. Unter einer Typusart versteht man diejenige Art, anhand derer eine Gattung erstmals beschrieben wurde. Als Gattungssynonym findet man manchmal in älterer Literatur die in der Schreibweise leicht abweichende Bezeichnung Rhotropus, die FITZSIMONS (1943) in seiner Übersicht über die Echsen Südafrikas verwendet.
Die Gattung wird als monophyletische Gruppe angesehen und umfasst insgesamt sechs Arten. Manche Autoren listen zusätzlich die Art R. braconnieri (THOMINOT, 1878) auf, deren Typuslokalität mit „aux environs du Lac N’Gami” (Umgebung des Ngami-Sees, Botswana) angegeben wird. Schon BOULENGER (1910) synonymisierte diese Art aufgrund ihrer in der Erstbeschreibung dargestellten Eigenschaften mit R. afer. Das Typusexemplar sollte im Museum von Paris hinterlegt sein, ist aber anscheinend verschollen. Bisher ist R. braconnieri ausschließlich von der Typuslokalität bekannt, und es wurde kein weiteres Exemplar der Gattung Rhoptropus aus Botswana oder dem Grenzgebiet Botswana/Namibia beschrieben (AUERBACH 1987). Die Ortsangabe wird daher als irrtümlich angesehen, und es wird angenommen, dass das Exemplar aus Namibia stammte.
Systematische Stellung der Gattung Rhoptropus im Stamm der Chordata
Stamm
Chordata (Chordatiere)
Unterstamm
Vertebrata / Craniota (Wirbeltiere/ Schädeltiere)
Klasse
Reptilia
Unterklasse
Lepidosauria
Ordnung
Squamata (Schuppenkriechtiere)
Unterordnung
Sauria (Echsen)
Zwischenordnung
Gekkota (Geckoartige)
Familie
Gekkonidae
Unterfamilie
Gekkoninae
Gattung
Rhoptropus
Liste der Namib-Taggeckos der Gattung Rhoptropus
R. afer PETERS, 1869
R. barnardi HEWITT, 1926
R. biporosus FITZSIMONS, 1957
R. boultoni SCHMIDT, 1933
R. b. boultoni SCHMIDT, 1933
R. b. benguellensis MERTENS, 1938
R. b. montanus LAURENT, 1964
R. bradfieldi HEWITT, 1935
R. b. bradfieldi HEWITT, 1935
R. b. diporus HAACKE, 1965
R. taeniostictus LAURENT, 1964
Die Unterarten von R. boultoni sind geographisch voneinander getrennt und unterscheiden sich z. B. in der Größe und einigen Schuppenmerkmalen. Die Unterarten von R. bradfieldi sind dagegen geographisch nicht klar voneinander abgegrenzt. Rhoptropus bradfieldi diporus wird von BAUER & LAMB (2001) aufgrund geringer Unterschiede in Größe und Form der vergrößerten Schuppen im Präanalbereich und auf der Unterseite der Oberschenkel sowie aufgrund sehr geringer genetischer Unterschiede zur Nominatform als eigene Art angesehen. Allerdings finden die gleichen Autoren auch bisher genetisch nicht untersuchte Exemplare, die „Zwischenstadien” hinsichtlich des genannten morphologischen Merkmals darstellen, sodass eine Aufwertung zur Art fragwürdig oder zumindest verfrüht erscheint.
Rhoptropus afer, die Typusart der Gattung
Die Arten der Gattung Rhoptropus werden im Deutschen „Namib-Taggeckos“, im Englischen entsprechend „Namib day geckos” und in Afrikaans “Namibdaggeitjies” genannt. Diese Bezeichnungen geben schon klare Hinweise auf ihren Lebensraum und ihre Aktivitätszeit. Alle Arten sind tagaktive Bewohner von trockenen savannenartigen bis wüstenartigen Regionen, die im Westen Namibias etwa ab dem 24. Breitengrad nach Norden bis ins südliche Angola reichen. Mit der Ausnahme von R. afer sind sie ausschließlich Stein- und Felsbewohner. Rhoptropus afer ist zwar auch auf Fels- und Geröllblöcken zu finden, lebt jedoch hauptsächlich auf den weiten, steinigen oder sandigen Flächen der Namibwüste. Wird ein Gecko dieser Art auf einer solchen Kiesoder Sandfläche aufgescheucht, so läuft er überraschend schnell und scheinbar ziellos bis zu 50 m weit zu einem Stein oder zu einem der dort vorkommenden Bittersträucher und versteckt sich darunter. Sind keine geeigneten Verstecke vorhanden, bleibt er nach einer längeren Laufstrecke einfach regungslos sitzen. Aufgrund seiner Färbung (s. unten) ist der Gecko z. B. auf Kies sehr gut getarnt, und es ist schwierig, ihn – auch aus der Nähe – zu erkennen. Alle anderen Rhoptropus-Arten verstecken sich bei Störungen in der Regel in Felsspalten oder laufen nur kurze Strecken auf eine andere Seite des Felsblocks.
