Beastmode 1: Es beginnt - Rainer Wekwerth - E-Book
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Beastmode 1: Es beginnt E-Book

Rainer Wekwerth

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Beschreibung

Fünf außergewöhnliche Jugendliche auf einer besonderen Mission: die Welt retten! Spannendes Jugendbuch von Rainer Wekwerth.

Sie sind die letzte Hoffnung der Menschheit: Damon Grey, ein unheimlich gutaussehender, 200 Jahre alter Dämon. Amanda Nichols, die von sich behauptet, eine Göttin aus Ägypten zu sein. Wilbur Night, der für fünf Sekunden die Zeit anhalten kann. Malcom Floyd, ein unverwundbarer Junge. Und Cyborg Jenny Doe, halb Mensch, halb Maschine. Ihre Aufgabe: Sie müssen herausfinden, was es mit einem mysteriösen Energiefeld auf sich hat, das im Pazifischen Ozean entdeckt wurde. Die Wissenschaft vermutet dahinter ein Portal, das in andere Dimensionen führen kann. Doch bis jetzt ist niemand aus diesen fremden Welten je zurückgekehrt…

Abwechslungsreicher und flüssig zu lesender Pageturner, für Fans von Zeitreisen und spannender Sci-Fi. Mit dem besonderen, schimmernden Cover auch als Geschenk für Jungen und Mädchen ab 14 Jahren geeignet.

Die Beastmode-Reihe im Überblick:

  • Beastmode 1: Es beginnt
  • Beastmode 2: Gegen die Zeit

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Das Buch

Eine fünftausend Jahre alte Göttin.

Ein zweihundert Jahre alter Dämon.

Der tätowierte Junge, der die Zeit anhalten kann.

Ein Mädchen, halb Mensch, halb Kampfmaschine.

Der ultimative Nerd, aber praktisch unverwundbar.

Fünf Jugendliche mit übernatürlichen Kräften. Eine unmögliche Aufgabe: Die Welt retten!

Der Autor

© Christian Witt

Rainer Wekwerth hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und dafür Preise gewonnen. Zuletzt die Jugendbuchpreise Segeberger Feder, Goldene Leslie und Ulmer Unke. Mit seiner »Labyrinth«-Trilogie landete er zudem auf der Spiegelbestsellerliste. Die Kinoverfilmung ist in Vorbereitung.

Mehr über Rainer Wekwerth: www.wekwerth.com

Rainer Wekwerth auf Facebook: www.facebook.com/rainer.wekwerth

Der Verlag

Du liebst Geschichten? Wir bei Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH auch! Wir wählen unsere Geschichten sorgfältig aus, überarbeiten sie gründlich mit Autoren und Übersetzern, gestalten sie gemeinsam mit Illustratoren und produzieren sie als Bücher in bester Qualität für euch.

Deshalb sind alle Inhalte dieses E-Books urheberrechtlich geschützt. Du als Käufer erwirbst eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf deinen Lesegeräten. Unsere E-Books haben eine nicht direkt sichtbare technische Markierung, die die Bestellnummer enthält (digitales Wasserzeichen). Im Falle einer illegalen Verwendung kann diese zurückverfolgt werden.

Mehr über unsere Bücher, Autoren und Illustratoren: www.planet-verlag.de

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Viel Spaß beim Lesen!

Für meinen einzigartigen Bruder.

Für Achim.

PROLOG

Der Raum war karg eingerichtet, zweckmäßig, so wie man das von einer Militäreinrichtung erwarten konnte. Außer einem Metalltisch befanden sich nur zwei Plastikstühle und ein Flachbildfernseher darin.

General Hopkins saß auf einem der harten Stühle und starrte auf den noch matten Bildschirm. Unter seinen Füßen quietschte der Linoleumboden bei jeder Bewegung. Unangenehm. Genauso wie der penetrante Geruch nach Reinigungsmitteln, der im Zimmer hing.

Fenster gab es keine, daher auch keine frische Luft für die geplagten Nasenschleimhäute des Generals. Außerdem schwitzte er wie ein Schwein in seiner etwas zu engen Uniform, während er unruhig hin und her rutschte und sich fragte, wann es endlich losging.

Matterson, ein Operating Officer des Geheimdienstes SCF, Special Command Force, der so geheim war, dass nicht einmal der Präsident von ihm wusste, stand neben ihm, hielt eine Fernbedienung in der Hand und fummelte daran herum, als sähe er diese Art von Technik zum ersten Mal.

Hopkins selbst war beim militärischen Nachrichtendienst der Army und fragte sich gerade zum siebzehnten Mal, warum Matterson ihn unbedingt hatte sprechen wollen. Hier, in diesem durch ein Magnetfeld abgeschirmten Raum. Abhörsicher. Stickig und stinkend.

»Geben Sie mal her«, knurrte Hopkins ungeduldig.

»Hab’s gleich«, meinte Matterson gelassen, und tatsächlich tat sich auf dem Bildschirm etwas. Das Bild eines jungen Mannes mit bleicher Haut und wilden, fast weißen Haaren erschien wie aus dem Nichts und wurde zum Standbild, dessen grüne Augen den General anzustarren schienen. Er mochte um die zwanzig oder jünger sein. Sah verdammt gut aus der Bursche, hatte fast etwas Magisches in seinem Blick.

»General, wir sehen uns einer unbekannten Bedrohung von noch nicht abschätzbarem Ausmaß gegenüber.«

Aha, dachte der General. Es geht mal wieder um Terrorismus. Der junge Typ da auf dem Bildschirm war wahrscheinlich ein Verdächtiger. Obwohl, irgendwie wirkte er nicht wie ein Terrorist in seinem gepflegten altmodischen Anzug im Stil der Siebzigerjahre, eher hätte man ihn für einen Partyhelden halten können, aber heutzutage wusste man ja nie. Das Böse lauerte überall und in sämtlichen Erscheinungsformen.

Terrorismus war allerdings nicht sein Aufgabenbereich, solange er keine militärischen Einrichtungen bedrohte oder es Angehörige der Streitkräfte betraf. Normalerweise kümmerten sich CIA und FBI um solche Burschen.

Hmm, merkwürdig, aber seine Neugierde war geweckt.

»Wer ist das?«, fragte er.

»Nennt sich Damon Grey.«

»Nennt?« Der General hob eine Augenbraue.

»So genau wissen wir das nicht. Als er das erste Mal vor über zweihundert Jahren in Paris auftauchte, war sein Name noch François Bevour, aber danach hat er sich mindestens ein Dutzend Mal umbenannt.«

»Sagten Sie gerade vor über zweihundert Jahren?« Der General ächzte.

»Ja, Sir. Die Person, die Sie hier sehen, ist kein Mensch …«

Hopkins hielt die Luft an. War Matterson übergeschnappt?

»… zumindest nicht im eigentlichen Sinne. Körperlich entspricht er vollkommen unserer Art, aber er hat ein paar außergewöhnliche Fähigkeiten.«

»Wenn das kein …«

»Er ist ein Dämon. Sagt er selbst von sich. Unsterblich. Sagt er ebenfalls über sich. Kam zur Zeit der französischen Revolution in unsere Welt, seitdem treibt er auf der Erde sein Unwesen.«

Der General spürte jedes einzelne der fünfundsechzig Jahre seines Lebens auf seinen Schultern ruhen, als er das hörte. Sein ohnehin schon übergewichtiger Körper war irgendwie in den letzten zwei Minuten noch schwerer geworden und presste ihn regelrecht auf den Stuhl, während dicke Schweißtropfen seinen Nacken hinabrollten und den steifen Kragen seines olivgrünen Hemdes aufweichten.

Hopkins konnte kaum glauben, was Matterson da behauptete, aber er wirkte vollkommen ernst. Außerdem würde er es nicht wagen, einem General der Streitkräfte irgendwelchen Unsinn aufzutischen. Hopkins beschloss, vorerst seinen Unglauben hintanzustellen und dem Nachrichtenoffizier weiter zuzuhören.

»Sie sprachen von Fähigkeiten?«

Matterson drückte einen Knopf auf der Fernbedienung, und der Bildschirm erwachte erneut zum Leben.

Der junge Mann schaute in die Kamera, dann wandte er sich ab und blickte auf seine Hände, die kurz darauf zu leuchten begannen. Was danach geschah, ging so schnell, dass Matterson ihm die Szene dreimal in Zeitlupe vorspielen musste, damit Hopkins mitbekam, was in der Aufnahme passierte.

Zunächst schienen Greys Hände zu brennen, dann schoss ein Leuchten daraus hervor und blendete die Kameralinse, die kurz darauf nur Schwarz zeigte. Matterson spulte die Aufnahme zum Standbild des jungen Mannes zurück, der nun erneut wie ein harmloser Siebzehnjähriger wirkte.

»Die Kamera ist übrigens geschmolzen«, meinte der Offizier ruhig. »Unsere Wissenschaftler haben das bisschen Metall und Plastik, das noch übrig war, untersucht und festgestellt, dass Temperaturen von über neunhundert Grad am Werk waren.«

»Grundgütiger«, stöhnte der General. »Und die Energie kam tatsächlich aus seinen Händen?«

»Ja, bemerkenswert, nicht wahr? Aber der Junge hat noch mehr drauf. Grey hat unglaubliche Reflexe, bewegt sich oftmals so schnell, dass es mit dem menschlichen Auge nicht erfassbar ist.«

»Woher wissen Sie das alles? Und woher stammt diese Aufnahme?«, fragte Hopkins, der noch immer von Terrorismus ausging.

»Dazu später mehr. Kommen wir lieber zu Amanda Nichols.« Damon Grey verblasste und wurde durch das Gesicht eines hübschen Mädchens mit schwarzen glatten Haaren ersetzt, die in der Stirn zu einem Pony geschnitten waren. Ein Gesicht, um das sie jede Frau der Welt beneidete.

»Was schätzen Sie, wie alt sie ist?«

»Sechzehn?«, fragte der General vorsichtig.

»Fast richtig.« Matterson grinste selbstzufrieden. »Ihr Alter wird auf fünftausend Jahre geschätzt. Eigentlich heißt sie Amandara. Sie behauptet, die Enkeltochter des legendären Pharao Djoser zu sein. Wir haben Bilder von ihr auf Wandreliefs aus dem alten Ägypten gefunden. Wissenschaftliche Auswertungen haben ergeben, dass es eindeutig sie ist. Ein Zweifel ist ausgeschlossen.«

Hopkins schluckte schwer. »Ganz schön alt«, stöhnte er und fühlte sich selbst noch viel älter.

»Aber fit.« Matterson lächelte. »Schauen Sie mal.«

Der Bildschirm erwachte wieder zum Leben. Ein kleiner Film lief ab.

»Behalten Sie die Uhrzeit im Auge«, meinte Matterson. »Die Aufnahme stammt von einer Überwachungskamera hier in Washington in der Nähe der National Gallery of Arts.«

Oben rechts lief ein Timer, der die Uhrzeit zeigte. Zwei Uhr dreiundvierzig. Zu sehen war eine Straßenecke, die verlassen dalag. Dreißig Sekunden vergingen, dann trat eine junge Frau in Shorts und schulterfreiem schwarzen T-Shirt ins Bild, die mit raschen Schritten auf einen abgestellten schwarzen Porsche zuging. Wie aus dem Nichts tauchten vier Männer auf. Alle vier trugen Hoodies, sodass ihre Gesichter nicht zu sehen waren. Was dann geschah, ging so schnell, dass Hopkins Mühe hatte, der Sache zu folgen.

Einer der Typen sprang die Frau an, umklammerte sie von vorn mit beiden Armen und presste sie an sich. Das Opfer ließ den Kopf zurückschnellen und rammte ihn in das Gesicht des Angreifers, der blutend zu Boden sank. Ohne zu zögern, setzte die Frau ihren Angriff fort und nahm sich nun den Mann vor, der rechts von ihr stand. Eine schnelle Drehung auf dem Absatz, ein Roundhousekick und der Typ brach zusammen. Die beiden anderen erledigte sie durch einen weiteren Kick im Sprung und einen mächtigen Faustschlag gegen die Schläfe des letzten Mannes.

Das Bild stoppte.

»Sieben Sekunden.« Matterson strahlte regelrecht. »In sieben Sekunden hat sie vier erwachsene Männer erledigt, von denen jeder dreißig Kilogramm mehr als sie selbst wiegt. Eine Meisterin des Nahkampfes.«

»Wer … wie …?«, stammelte der General.

»Normalerweise arbeitet sie als Model, allerdings benutzt sie ihre zweite außergewöhnliche Fähigkeit oftmals für kriminelle Dinge.«

Hopkins spürte, wie sich sein Gesicht in ein Fragezeichen verwandelte.

»Sie singt«, sagte Matterson.

»Äh?«

»So sirenenmäßig, meine ich. Wenn man ihr zuhört, ist man verloren, hat keinen eigenen Willen mehr und macht, was immer sie von einem verlangt. Den Porsche auf der Aufnahme hat ihr übrigens ein Architekt geschenkt, den sie am Tag zuvor kennengelernt hat. Die Karre kostet hundertsiebzigtausend Dollar, er hat drei Jahre dafür gespart. Sie hat ihn einfach darum gebeten.«

»Woher wissen Sie das alles?«

»Dazu kommen wir noch. Jetzt sollten wir uns aber erst mal mit Wilbur Night beschäftigen.«

Matterson fummelte wieder an der Fernbedienung herum. Das Gesicht eines jungen Mannes erschien. Haarlos und vollkommen tätowiert.

»Sein Körper sieht genauso aus. Er ist tatsächlich erst sechzehn Jahre alt, die meisten davon hat er in Waisenhäusern oder Pflegefamilien verbracht. Als Säugling wurde er im Park auf einer Bank ausgesetzt. Da man die Mutter nicht ausfindig machen konnte, kam er nach St. Anne, ein berüchtigtes Waisenheim in einer Kleinstadt nahe Chicago. Dort ging es hart zur Sache, und er hatte es nicht einfach. Ist ein paarmal abgehauen, aber sie haben ihn immer wieder einkassiert und zurückgeschickt. Damals war er übrigens noch nicht tätowiert. Beim letzten Mal, das war vor zwei Jahren, haben sie ihn zwei Tage lang in einem feuchten Kellerraum eingesperrt, um ihn kleinzukriegen. Als sie die Tür nach achtundvierzig Stunden öffneten, sah er so aus. Wilbur hatte sich mithilfe einer Spiegelscherbe selbst tätowiert. Woher er Nadel und Tusche hatte, konnte sich niemand erklären, ebenso wenig, was die merkwürdigen Zeichen und Bilder auf seinem Körper bedeuten. Wilbur behauptet, eine Stimme habe ihm genaue Anweisungen gegeben und in seinen Geist die Vorlagen für die Tattoos projiziert. Den Quatsch glaubt ihm natürlich kein Mensch, aber seltsam ist es schon. Kryptologen, denen wir Fotos von den Tätowierungen gezeigt haben, erkennen Grundzüge einer bislang unbekannten Schrift, und die Symbole auf seinem Körper erinnern an das Voynich Manuskript.«

»Voynich Manuskript?«, echote der General.

»Stammt aus dem fünfzehnten Jahrhundert, enthält Bilder von Pflanzen und Tieren, die es auf der Erde nicht gibt, und wurde in einer Schrift verfasst, die man nicht entziffern kann. Können Sie ja mal googeln.« Matterson seufzte. »Aber da ist noch mehr. Schauen Sie sich ihn an.«

Hopkins starrte auf den Bildschirm. Ohne Tätowierungen wäre das sicherlich ein gut aussehender junger Mann gewesen, so allerdings, mit den blauschwarzen Glyphen und Symbolen in seinem Gesicht, wirkte er äußerst bedrohlich.

»Was ist an ihm besonders, mal abgesehen von seinem Äußeren?«, fragte der General, der sich noch immer keinen Reim darauf machen konnte, warum er in diesem Zimmer saß und sich Aufnahmen von Terroristen und Kriminellen ansah.

»Seitdem er sich selbst tätowiert hat, kann er die Zeit anhalten.«

»Was?«

»Wie ich es sage. Er kann für einen Zeitraum von fünf Sekunden die Zeit anhalten. Nichts und niemand bewegt sich mehr, einzig er ist in der Lage zu agieren. Fünf Sekunden klingen nach nicht viel, aber es ist ein gewaltiger Vorteil.«

»Ich verstehe nicht, wie das physikalisch möglich sein soll.«

»Das versteht niemand, aber wir haben die Auswirkungen gesehen. Mehrfach. Und Wilbur ausgiebig studiert, nachdem wir ihn vor einem Monat aus dem Knast geholt haben. Es ist verblüffend. Wenn Sie ein Schwert in die Hand nehmen und versuchen, ihn damit zu verletzen, hält er einfach die Zeit an, nimmt Ihnen das Schwert ab und ein Blinzeln später haben Sie die Klinge an der Kehle. Allerdings hat seine Fähigkeit einen hohen Preis, und er kann sie nur in zeitlichen Abständen einsetzen. Hat etwas mit dem Energieerhaltungsgesetz zu tun, wie mir die Wissenschaftler erklärt haben.«

»Wahnsinn«, meinte der General.

»Das ist es. Kommen wir zu Jenny Doe.«

Klick. Auf dem Bildschirm wechselte die Abbildung. Das neue Profilfoto zeigte die linke Gesichtshälfte einer jungen blonden Frau mit hohen Wangenknochen und vollen Lippen.

»Wir haben sie Jenny Doe genannt, weil sie sich nicht an ihren wahren Namen erinnert, ebenso wenig wie an alles andere in ihrem bisherigen Leben. Jenny wurde vor einem Jahr um Mitternacht von der United States Border Patrol am US-Highway 281 in der Nähe von San Antonio, Texas, aufgegriffen, als sie verwirrt die Straße entlangging. Sie ist offensichtlich amerikanische Staatsbürgerin, denn ihr Englisch ist perfekt und ihre Zähne tragen hochwertige Keramikfüllungen. Nachforschungen haben nichts erbracht, weder ihre Fingerabdrücke noch ihre DNA sind gespeichert, und sie passt zu keiner Vermisstenanzeige der letzten zehn Jahre. Das ist sehr rätselhaft, denn Jenny ist etwas ganz Besonderes.«

»Dämonin? Göttin? Mutantin?«, rätselte der General laut mit und fragte sich, ob er gerade dabei war, den Verstand zu verlieren.

»Nein, ein ganz normales Mädchen. Bis auf einen Unterschied …«

Matterson drückte einen Knopf und die dreidimensionale Abbildung der jungen Frau drehte sich ins Porträt. Hopkins hielt die Luft an.

»… sie ist zur Hälfte eine Maschine.«

Die linke Gesichtshälfte war mit einer glänzenden Metallschicht überzogen, der Hals auf dieser Seite ebenfalls verstärkt, und die Aufnahme zeigte, dass die Metallschicht sich auch über die Schulter zog, bevor sie unter einem weißen T-Shirt verschwand.

»Wir wissen nicht, wer …«, fuhr Matterson fort, »… aber jemand hat an ihr herumgefummelt. Entschuldigung: operiert. Mehrere Körperteile sind durch Metallprothesen ersetzt worden. Linker Arm, linkes Bein. Der Rest wurde durch Implantate verstärkt. All ihre Muskeln wurden aufgepimpt.« Matterson streckte seine Hand aus und deutete auf die Abbildung. »Dieses Mädchen läuft die hundert Meter in unter sechs Sekunden, handgestoppt, und sie ist in der Lage, eine zweihundert Kilogramm schwere Hantel hochzuheben und drei Meter weit zu werfen. Sie verfügt über ein computerunterstütztes Kampfprogramm, quasi eine Gefechts-KI, die ihr hilft, Gefahrensituationen zu analysieren und den Verlauf von Kampfhandlungen vorauszuberechnen. In ihrem linken Auge sitzt ein HUD, ein Head-Up-Display, das diese Informationen in ihr Sichtfeld einblendet. Gleichzeitig steckt da drin eine Laseroptik, wie ich sie mir für die Army wünschen würde, eine Nachtsichtfunktion mit Restlichtverstärker, und Jenny kann im Infrarotbereich sehen.« Matterson seufzte. »Irgendjemand hat aus dieser Jugendlichen eine Kampfmaschine gemacht. Wir wissen nicht, warum. Wir wissen nicht, wie. Die medizinische Technik dafür ist uns vollkommen unbekannt, aber wir vermuten den Einsatz von Nanorobotern.«

»Die Russen? Die Chinesen?«

»Ausgeschlossen. So weit sind die nicht mit ihren Forschungen. Interessant ist aber auch die Frage, wer sich die Mühe macht, einen Menschen derart umzuwandeln, nur um ihn dann an einem einsamen Highway ohne Gedächtnis auszusetzen.«

»Sie könnte geflohen sein«, meinte Hopkins.

»Haben wir uns auch schon überlegt, aber von wo? Da draußen ist nichts, und als wir sie fanden, war sie kaum in der Lage, geradeaus zu gehen. Sie war vollkommen verwirrt und unfähig, etwas zu tun. Wir konnten sie ohne jeden Widerstand einsammeln und mitnehmen. Es ist also ausgeschlossen, dass sie eine größere Strecke zurückgelegt hat.«

»Sehr merkwürdig«, gab der General zu.

»Kommen wir zu unserem letzten Kandidaten, Malcom Floyd.«

Ein neues Bild erschien. Ein Junge, um die sechzehn, mit roten Haaren, weichem Gesicht, dicker Brille und Sommersprossen wurde gezeigt, der schüchtern in die Kamera lächelte. Er trug das Footballtrikot einer Highschool und hatte seinen Helm unter den Arm geklemmt.

»Floyd?«, rätselte der General. »Der Name sagt mir etwas.«

»Sie meinen Dr. Emma Floyd aus den Medien, die berühmte Forscherin, die für ihre Arbeit an der Kernspaltung ausgezeichnet wurde? Nach der Geburt ihres Sohnes zog sie sich aus der Forschung zurück. Sie und ihr Mann sind vor drei Jahren tödlich verunglückt. Das hier ist ihr Sohn. Das einzige Kind.«

»Warum wird er in der Reihe dieser Verrückten gezeigt?«

»Oh, das liegt daran, dass er der Außergewöhnlichste von ihnen allen ist.«

Hopkins zog diesmal beide Augenbrauen hoch.

»Als seine Mutter mit ihm schwanger war, arbeitete sie im Rahmen eines Austauschprogramms in der Schweiz bei CERN, der Europäischen Organisation für Kernforschung am Aufbau des Teilchenbeschleunigers Large Hadron. Bei einem der Versuche mit dem Vorgänger, dem Large Electron-Positron Collider, ging etwas schief, und ein unbekanntes Teilchen entkam der Versuchsanordnung, durchdrang ihren Körper und tötete den zweiten Fötus in ihr. Sie war in der achten Woche schwanger und erwartete Zwillinge. Malcom blieb unverletzt, aber sein Bruder löste sich vollkommen auf. Jedenfalls war er im Körper der Mutter nicht mehr nachweisbar. Sieben Monate später brachte Emma Floyd einen gesunden Jungen zur Welt, der im Alter von drei Jahren seinen Eltern mitteilte, dass sein Bruder noch lebe, allerdings körperlos, als Energiewesen, das ihn ständig begleite und beschütze.« Matterson holte tief Luft. »Und das ist auch wirklich nötig, denn Malcom passieren Dinge. Ständig. Er ist überdurchschnittlich intelligent, aber gleichzeitig ein Volltrottel, der über seine eigenen Beine stolpert, in offene Kanalschächte fällt oder irgendwelches Chaos anrichtet. Bis jetzt verzeichnet seine Krankenakte siebzehn Knochenbrüche, acht ausgeschlagene Zähne und Prellungen in unbekanntem Ausmaß. Ihm mussten die Weisheitszähne entfernt werden, ebenso wie Mandeln, Polypen und der Blinddarm.«

»Aber …«

»Ich weiß, was Sie sagen wollen, General. Sie fragen sich, was das Ganze mit uns zu tun hat.« Der Geheimdienstoffizier fuhr sich durch die Haare. »Eigentlich müsste Malcom Floyd längst tot sein. Er war in zahlreiche Unfälle verwickelt, aber immer gab es etwas, das ihn im letzten Augenblick vor ernsthaften lebensgefährlichen Verletzungen gerettet hat. Die Feuerwehr hat diesen Typen aus Situationen befreit, die man unmöglich überleben kann. So ist er nach einem Fahrradunfall zehn Meter tief in einen trockenen Kanal gestürzt und hat sich dabei auf einen Metallzaun aufgespießt, sodass er sich nicht rühren konnte. Er hat zwanzig Stunden durchgehalten, bis ein vorbeikommender Jogger ihn in seiner Notlage entdeckte.

Das Besondere daran? Malcom hatte sich lediglich drei Rippen gebrochen und den linken Knöchel verstaucht. Die Spitzen des Metallzauns haben alle wichtigen Organe nur um Millimeter verfehlt. Der Graben liegt so abgelegen, dass jeder andere dort verhungert oder verdurstet wäre, aber der Jogger sagte aus, er habe beim Laufen eine Stimme gehört, die ihn bedrängt habe, diesen Weg entgegen seiner üblichen Route zu nehmen. Es war eine männliche Stimme.«

»Ich verstehe immer noch nicht, was …«

Matterson hob die Hand. »Es ist unmöglich, diesen Jungen umzubringen, wir haben es versucht.«

Hopkins zuckte aus seinem Stuhl hoch. »Sind Sie verrückt?«

»Ja. Nein. Vielleicht. Wir brauchten Antworten, und er hat sich freiwillig verschiedenen Tests unterzogen. Es ist, als beschütze ihn das Universum selbst. Wenn Sie einen Revolver mit der Absicht auf ihn richten, zu schießen, können Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass er versagt. Eher explodiert die Waffe in Ihrer Hand, als dass Sie feuern können. Pfeile verfehlen ihn stets um Haaresbreite, ebenso wie geworfene Messer. Wenn man versucht, ihn zu vergiften, kotzt er rechtzeitig alles wieder aus. Und so weiter und so fort. Das Einzige, was wir nicht probiert haben, ist, ihn von einem Hochhaus zu werfen, aber wahrscheinlich würde er auch das überleben.«

Matterson drückte einen Knopf auf der Fernbedienung und der Bildschirm erlosch. »So, das war meine kleine Vorführung. Sie fragen sich sicherlich, warum ich Ihnen diese Personen vorgestellt habe?«

Hopkins rutschte auf seinem Stuhl herum. »Oh, das kann ich mir schon denken. So wie es aussieht, haben Sie durch sie eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten von Amerika ausgemacht und hoffen nun, dass ich Ihnen bei der Bekämpfung dieser Subjekte helfen kann. Das Wie und warum gerade die Army anstatt CIA und FBI ist mir allerdings schleierhaft.«

Matterson sah den General ernst an. Eine Weile sagte er nichts, dann verzog er den Mund. »Sir, diese fünf jungen Menschen sind die Guten! Es gibt eine Bedrohung für die Sicherheit unseres Landes, aber damit haben sie nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, diese fünf sollen uns helfen, Amerika zu retten.«

»Ich verstehe nicht.« Hopkins stand auf und bemerkte, dass ihm die Hose seiner Uniform am Hintern klebte. Unangenehm, peinlich. Aber er wagte nicht, jetzt daran herumzuzupfen. »Was ist eigentlich los? Von welcher Bedrohung sprechen wir, und wie kann ich Ihnen helfen?«

Matterson lächelte müde. »Was los ist, verrate ich Ihnen später. Über die Bedrohung sprechen wir noch, aber ich sage Ihnen, wie Sie mir helfen können. Sie haben doch dieses geheime Trainingsgelände der Army auf der Aleuteninsel Attu in Alaska …«

»Attu? Alaska? Da gibt es …«

»General!«

»Okay, da gab es mal eine militärische Einrichtung, aber …«

»Ich weiß, sie wurde stillgelegt. Ich möchte, dass Sie mir diese Basis zur freien Verfügung unterstellen.«

»Warum? Was wollen Sie damit?«

Matterson deutete auf den schwarzen Bildschirm. »Ich will diese fünf jungen Leute darauf vorbereiten, sich der größten Bedrohung der Menschheit zu stellen, der sie jemals gegenüberstand. Und es muss schnell gehen, denn sonst überlebt unsere Art nicht.«

1

Alaska, Aleuteninsel Attu, Pazifischer Ozean

Zwei Wochen später

Als der schwere Transporthubschrauber einen Bogen flog, spürte Malcom, wie sein Magen nach unten wegsackte. Ihm war übel, gleichzeitig plagten ihn starke Kopfschmerzen. Die Luft im Heli war schon nach kurzer Zeit verbraucht, und der schwere Geruch nach Öl drang in seine Nase. Das auf- und abschwellende Hämmern der Rotoren tat sein Übriges, dass er sich unwohl fühlte.

Malcom warf einen Blick aus den winzigen regenverschmierten Scheiben und fragte sich, wohin zur Hölle er gebracht wurde. Matterson hatte ihm das Ziel nicht genannt, aber er war sicher, dass sie nach Norden flogen.

Die Sonne blieb hinter tief hängenden Wolken verborgen, und der Wind peitschte das dunkelgraue Meer auf, das nun unter ihm lag. Da draußen gab es nicht viel zu bestaunen.

»Fertig machen zur Landung«, rief der Pilot nach hinten. Malcom sah nur seinen Rücken und den Helm, als der Pilot jetzt aber den Kopf drehte und nach ihm schaute, erkannte Malcom, dass es sich um eine junge Frau handelte. Ihre Augen blieben hinter der dunklen Pilotenbrille verborgen, lediglich blonde Haare fielen unter dem Helm hervor.

Wie machte man sich zu einer Landung fertig? Er war ja bereits angeschnallt, aber vielleicht ging es darum, sich innerlich darauf vorzubereiten, dass etwas Unerwartetes geschehen konnte. Draußen warf der Wind sich in heftigen Böen gegen den Hubschrauber, und Malcom vermutete, dass eine Landung bei diesen Wetterverhältnissen kein Kinderspiel war. Er blickte an sich herab und kontrollierte seine Anschnallgurte.

Dann ging es nach unten.

Die Pilotin schien zu glauben, dass es am sichersten war, so schnell wie möglich nach unten zu sacken, damit der Wind keine Chance bekam, sie abzutreiben, aber dadurch verschwand Malcoms Magen gefühlt irgendwo zwischen den Kniekehlen. Das Frühstück bahnte sich einen Weg nach oben.

Jetzt bloß nicht kotzen, dachte er.

Wie in einem außer Kontrolle geratenen Fahrstuhl rasten sie abwärts. Malcom presste sein Gesicht gegen die kalte Fensterscheibe und versuchte, irgendetwas in dem wirbelnden Grau aus Wolken und Regen zu erkennen. Zu seiner Erleichterung entdeckte er einen dunklen Fleck Land, auf dem Lichter flackerten, die ihnen die Landstelle anzeigen sollten.

Eine weitere heftige Windböe brachte den Heli zum Taumeln, aber die Pilotin verstand ihren Job und fing ihn ab. Dann setzten sie hart auf. Alle wurden durchgeschüttelt. Die Turbinen jaulten im Leerlauf auf, der Lärm erstarb und eine übernatürliche Ruhe kehrte ein. Nur der Wind war noch zu hören, der heulend um das Fluggefährt herumjagte.

Die Pilotin nahm ihren Helm ab und wischte sich mit dem Arm über die verschwitzte Stirn. Die Brille wurde abgesetzt, und blaue Augen lächelten ihn an.

»Ich bin Sergeantin Haydn. Willkommen auf Attu Island.«

Als Malcom den schweren Transporthubschrauber verließ, peitschten ihm Wind und Regen ins Gesicht. Trotz der Tatsache, dass eigentlich Sommer war, herrschte hier ein Wetter, wie er es sonst nur von Herbststürmen kannte.

Während er über die Heckrampe langsam nach unten ging und darauf achtete, nicht auf dem glatten Metall auszurutschen, dachte er noch immer darüber nach, was zum Teufel ihn geritten hatte, diesem Unternehmen zuzustimmen.

Die Pilotin ging auf eine Gruppe flacher Gebäude zu, die sich wie eine ängstliche Schafherde aneinanderdrängten. Malcom folgte ihr, den Kopf gegen den Wind gesenkt.

Als sie das erste Haus betraten, schlug ihnen die Wärme einer auf Hochtouren laufenden Heizung entgegen. Die Pilotin deutete auf eine Tür.

»Dort geht es zur Unterkunft. Die anderen sind schon da. Am besten, du verstaust zuerst deine Sachen. Später gibt es eine Besprechung mit Colonel Matterson, wir rufen euch dann. Okay?«

Malcom nickte, was sollte er auch dazu sagen.

Sein Herz klopfte wild in der Brust, als er langsam die Türklinke herabdrückte und ins Zimmer trat. Er hatte keine Ahnung, was ihn als Nächstes erwartete.

Es war ein vielleicht zehn mal zehn Meter großer Raum. Die Luft war verbraucht, es roch muffig. Fünf Feldbetten waren aufgestellt, von denen vier bereits mit Klamotten belegt waren. Hauptsächlich Uniformen, Helme, Rucksäcke, irgendwelche Stofftaschen, Essbesteck, Kochgeschirr, Einmannzelte, Schlafsäcke, Hemden, Unterhosen, T-Shirts und Socken. Alles in Armygrün. Vier Personen waren anwesend. Alle drehten sich um, als er eintrat.

Malcoms Blick fiel zunächst auf einen jungen Mann, der so ebenmäßige Züge wie eine Skulptur von Michelangelo hatte. Das Gesicht war bleich, die Augen von einem Grau, das an Packeis erinnerte. Silberne Haare fielen in Strähnen in das schmale Gesicht.

Wie alt ist der Typ? Sah aus wie siebzehn, wirkte aber irgendwie älter. Keine Falten im Gesicht, die einen Hinweis geben konnten, aber diese silbernen Haare, die nicht gefärbt aussahen. Malcom starrte ihn an. Die Haut schien fast transparent zu sein, dabei wirkte der Typ weder krank noch schwächlich. Als er den Kopf drehte und ihn musterte, spürte Malcom eine Gänsehaut seinen Rücken hinaufziehen.

Der Typ, der neben Silberhaar auf dem Feldbett lag und ihn anstarrte, machte auch keinen normalen Eindruck. Vollkommen tätowiert. Zäh, ausgemergelt. Er sah aus, wie jemand, der in letzter Zeit zu wenig zu essen bekommen hatte.

Wahrscheinlich drogensüchtig, dachte Malcom.

Sein Blick wanderte zu dem Mädchen, das neben dem ausgemergelten Kerl stand, und er hielt die Luft an. Sie schien in seinem Alter zu sein und war die schönste Frau, die er jemals zuvor gesehen hatte.

Lange dunkle Haare, die ihr bis weit über die Schultern fielen, eine schmale Nase, olivfarbene Haut und volle, sinnliche Lippen. Als sie seinen Blick bemerkte, schaute sie herüber. Malcom sah in Augen von unglaublichem Grün, die regelrecht zu leuchten schienen. Nachdem sie ihn kurz gelangweilt begutachtet hatte, wandte sie sich ab, und Malcom konnte sich der letzten Person im Raum widmen.

Noch ein Mädchen. Sie hatte sich neben dem Feldbett ganz hinten im Raum gebückt und suchte offenbar etwas in einer großen schwarzen Sporttasche.

Blonde halblange Haare verdeckten ihr Gesicht, sodass er es nicht richtig erkennen konnte. Plötzlich drehte sie ihm den Kopf zu, und sein Herzschlag setzte aus.

Bisher hatte er nur ihre rechte Gesichtshälfte gesehen, als sie sich ihm aber nun zuwandte, musste er zu seinem Entsetzen feststellen, dass die linke Seite des Gesichtes komplett von Metall überzogen und das Auge durch eine künstliche Linse ersetzt worden war, deren Blende sich gerade den Lichtverhältnissen anpasste und ein wenig öffnete. Ansonsten blieb ihre Miene unbewegt, und er hatte das Gefühl, ein Roboter starre ihn an.

Malcom zuckte zurück.

Was war das? Ein Mensch? Ein Cyborg? Irgendetwas dazwischen? Das Mädchen sah seine Reaktion und wandte sich beschämt ab.

Verdammt, wo bin ich hier gelandet? Das ist ja die reinste Freakshow …

Als Matterson ihn aufgespürt und überredet hatte, in die Army einzutreten, hatte er schon seit einem Jahr auf dem Sofa seiner Großeltern gehockt und alte Nintendo-Games gespielt. Er hatte kein Geld, keine Zukunft, nur Großeltern, die nichts mit ihm anfangen konnten und ihn für einen faulen und überaus schusseligen Teenager hielten. Kein Wunder bei all seinen Missgeschicken …

Matterson hat leichtes Spiel mit mir gehabt, schließlich hätte ich alles dafür getan, etwas Sinn in meinem Leben zu finden und einen Hauch Anerkennung zu bekommen und nicht ständig für einen Trottel gehalten zu werden.

»Glaub mir, wir alle waren überrascht, als wir Jenny das erste Mal gesehen haben«, unterbrach der Junge mit dem silbernen Haar seine Gedanken. »Sie kann sich an nichts aus ihrem früheren Leben erinnern und weiß auch nicht, wer ihr das angetan hat, aber sie besitzt unglaubliche Fähigkeiten. Richtig, Jenny?«

Das Mädchen schaute ihn an, dann griff sie nach einem Karabinerhaken ihrer Ausrüstung, der ziemlich stabil und robust aussah. Sie nahm ihn und zerquetschte ihn zu einem unförmigen Klumpen, den sie Malcom zuwarf. Ungeschickt fing er das Metallstück auf und glotzte es an.

Silberhaar kam auf ihn zu, streckte die Hand aus.

»Mein Name ist Damon Grey. Ich bin ein Dämon …«

Moment, hatte er eben wirklich Dämon verstanden?

»… am vierzehnten Juli siebzehnhundertneunundachtzig in Paris von dem berühmten Hexer Louis Fortane beschworen und in die Welt gerufen. Aber vielleicht weißt du das schon.«

Nein, wie zum Teufel sollte er so etwas wissen? Matterson hatte nur gesagt, dass an der Ausbildung vier weitere junge Männer und Frauen teilnehmen würden, ohne näher darauf einzugehen, wer die waren und worum es überhaupt ging. Malcom spürte eine seltsame Schwäche in sich, als er die Hand nahm und lahm schüttelte.

Ein Dämon? Echt jetzt?

Aber er kam nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, denn Damon deutete auf den tätowierten Jungen, der auf der Liege neben dem Fenster lag. »Das ist Wilbur, er kann die Zeit für fünf Sekunden anhalten.«

Wilbur blickte ihn an, verzog jedoch keine Miene.

Die verarschten mich doch!

»Sind wir hier bei der versteckten Kamera?«, fragte Malcom unsicher und grinste verlegen. »Ihr macht das nicht schlecht, aber ihr übertreibt ein wenig. Den Quatsch kauft euch doch keiner ab.«

Der tätowierte Junge sah ihn ruhig an, sagte aber nichts.

Malcom wurde nervös.

»Er hat es getan«, meinte Damon.

»Was meinst du?«, fragte Malcom.

Damon ging zu einer der Liegen und kam mit einem kleinen Handspiegel zurück, den er Malcom reichte. »Sieh selbst.«

Malcom nahm den Spiegel und blickte hinein, dann zuckte er zurück. Auf seiner Stirn stand in Großbuchstaben ›Nerd‹ geschrieben. Mit einem dicken schwarzen Filzstift.

»Aber wie … wie hat er das gemacht?«, ächzte Malcom. »Kann er zaubern?«

»Nein, nur die Zeit anhalten, wie gesagt. Für fünf Sekunden«, kam es vom Bett zurück.

»Wahnsinn«, sagte Malcom, »absoluter Wahnsinn!«

Obwohl er Gänsehaut bekam, machte sich freudige Erregung in ihm breit. Auch wenn er immer noch nicht genau wusste, in was er da hineingerutscht war, verspürte er eine gewisse Aufregung darüber, dass sein Leben nun Fahrt aufnehmen würde. Und wenn Wilbur die Zeit anhalten konnte, was hatten dann die anderen für Fähigkeiten?

Malcom drehte sich zu dem silberhaarigen Jungen. »Und du bist wirklich …«

Damon streckte die Hand aus. Für einen Sekundenbruchteil schoss ein greller Energiestrahl daraus hervor, sodass ein auf dem Fußboden liegender Stahlhelm zu glühen begann. »… ein leibhaftiger Dämon«, vollendete er den Satz.

»Das wird Matterson nicht gefallen«, meinte das schöne Mädchen mit einem hämischen Grinsen im Gesicht. »Er hat uns gesagt, wir sollen auf die Ausrüstung achtgeben.« Sie verzog den Mund. »Dann hätte er uns allerdings nicht hierherbringen dürfen … Ich bin Amanda. Amanda Nichols, wenn du mich Mandy nennst, töte ich dich.«

Sie sagte es ganz ruhig, aber Malcom zweifelte keine Sekunde daran, dass sie jedes einzelne Wort ernst meinte. Die Andeutung dahinter verstand sogar er: Nerv mich nicht, sonst bist du einen Kopf kürzer.

Bevor Malcom etwas erwidern konnte, fuhr sie fort: »Ich bin das, was du eine Göttin nennen würdest. Unsterblich. Seit fünftausend Jahren auf der Welt. Fragen?«

Jede Menge, aber Malcom traute sich nicht, auch nur eine davon zu stellen. Er hatte sich in der Anwesenheit von Mädchen noch nie richtig wohlgefühlt, aber bei Amanda kam er sich vor wie eine lästige Mücke, die sie gleich zerquetschen würde. Ja, bestätigte er sich im Stillen, als sie ihn anfunkelte, genau so fühle ich mich …

»Und? Hast du dich auch freiwillig für den Scheiß gemeldet?«

»Mehr oder weniger«, brachte er zögerlich hervor.

»Das heißt?« Bei ihrem scharfen Tonfall zuckte er unweigerlich zusammen.

»Ähm … Matterson ist bei mir aufgetaucht und hat mir ein Angebot gemacht.«

Amanda zog eine Augenbraue fragend hoch und forderte ihn damit unwillkürlich auf weiterzureden.

»Meine Eltern sind vor ein paar Jahren bei einem Verkehrsunfall gestorben. Ich lebe bei meinen Großeltern mütterlicherseits. Beide sind weit über achtzig und total überfordert mit den Dingen, die mir ständig passieren.«

»Dinge?«

»Man könnte sie auch als Unfälle bezeichnen …« Alle schauten ihn an. Malcom kam sich komisch dabei vor, im Mittelpunkt zu stehen – schließlich hatte ihn in seinem ganzen Leben noch nie irgendwer richtig beachtet. Aber vielleicht war das ja jetzt die Gelegenheit, das zu ändern. Er atmete einmal tief durch und sprach weiter.

»Praktisch jede zweite Woche bin ich im Krankenhaus und sechs Monate im Jahr laufe ich mit irgendeinem Gipsverband herum. Dabei habe ich stabile Knochen und eine ausreichende Muskulatur, sagen jedenfalls die Ärzte. Aber das hilft nichts, wenn einem dauernd etwas zustößt.«

»Das erklärt aber nicht, warum du hier bist.«

Ehrlich gesagt, wusste er das selbst nicht so genau. Er kam zwar aus vielen unmöglichen Situationen so gut wie heil wieder heraus, aber so etwas Abgefahrenes wie die Zeit anhalten konnte er deswegen noch lange nicht. Daher blieb ihm nichts anderes übrig, als die ganze Sache so zu erzählen, wie sie tatsächlich abgelaufen war.

»Ich bin mit der Highschool durch, habe aber kein Geld fürs College. An Studieren brauche ich gar nicht denken. Na ja, und plötzlich tauchte Matterson bei uns zu Hause auf, hat mir und meinen Großeltern Prospekte gezeigt, in denen von einer glänzenden Zukunft in der Army gesprochen wurde, und machte mir Aussicht auf einen coolen Job beim Militärgeheimdienst.«

Malcom konnte sich nur allzu gut an das aufregende Gefühl erinnern, das ihn bei diesen Worten durchflutete. Eifrig erzählte er weiter: »Wenn ich mich für sechs Jahre verpflichtete, würde die Army mir danach das College und das anschließende Studium finanzieren. Inklusive aller Kosten und einem Zuschuss zum Lebensunterhalt von dreißigtausend Dollar jährlich.«

»Um was es hier geht, weißt du nicht?«

»Matterson sprach von einem gefährlichen Auftrag. Er sagte, nach einer kurzen Ausbildung würde ich sofort in den Einsatz gehen.«

»Ist irgendetwas an dir besonders? Hast du Fähigkeiten?«

»Ähm … also … zumindest bin ich kein Gott oder Dämon«, antwortete er und versuchte sich an einem Grinsen, das allerdings nicht erwidert wurde. Daher fügte er schnell hinzu: »Der Colonel behauptet, ich hätte das Glück gepachtet, und wenn die Mission etwas ganz sicher brauche, sei es Glück.«

Malcom erwähnte die Tests nicht, die Matterson und seine Wissenschaftler mit ihm durchgeführt hatten. Er wollte vor den anderen nicht wie ein menschliches Versuchskaninchen dastehen. Wenn er schon keine so tollen Fähigkeiten wie Damon oder Wilbur hatte, sollte er wenigstens nicht als Volltrottel und Nerd rüberkommen, der ständig vor seiner eigenen Tollpatschigkeit gerettet werden musste.

Das Mädchen musterte ihn verächtlich von oben bis unten. »Dann bist du vermutlich so etwas wie ein Maskottchen.«

Ganz offensichtlich war das freundliche Gespräch vorbei, und Amanda ging zum pampigen Teil über, aber so wollte sich Malcom dann doch nicht abfertigen lassen.

»Ich denke nicht, dass Matterson es so meinte«, sagte er möglichst selbstbewusst, um gleich darauf schnell das Thema zu wechseln: »Wisst ihr denn, worum es hier geht?«

»Nein«, sagte Damon. »Nur so viel, dass Matterson uns allen etwas versprochen hat, wenn wir an dieser ominösen Mission teilnehmen. Jeder von uns wurde heute Morgen ohne Erklärung auf diese Insel gebracht. Aber so wie es aussieht, gibt es nachher eine Besprechung, in der uns der Colonel aufklärt, warum wir hier sind.«

Kaum ausgesprochen, ging die Tür zum Schlafsaal auf und die Pilotin trat ein. Sie schaute sich um und sagte: »Wie sieht es denn hier aus? Als hätte eine Bombe eingeschlagen … Räumt das bloß auf oder der Colonel kriegt einen Schlaganfall. Hat da was gebrannt? Hier riecht es so komisch.«

»Das sind Wilburs Socken«, meinte Damon. »Er trägt sie schon eine Weile.«

Malcom konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Die Pilotin schien das alles andere als witzig zu finden.

»Dann muss er sie noch weiter tragen. In zwei Minuten beginnt die Besprechung, also folgt mir.«

2

Der Raum erinnerte an ein Klassenzimmer. Es gab eine Schreibtafel, ein Flipchart und ein halbes Dutzend Stühle aus hartem grauem Plastik. Auf einem davon saß Matterson und sah ihnen neugierig entgegen, als sie nacheinander in das Zimmer traten. Malcom öffnete seine Jacke und blieb neben der Tür stehen. Alle anderen machten es ebenso. Matterson grüßte sie freundlich. Er trug eine dunkelgrüne Uniform, die seine schlanke Gestalt noch dünner aussehen ließ. Die an den Schläfen grau gewordenen Haare waren kurz geschoren, ließen sein jungenhaftes Gesicht aber nicht hart wirken. In den dunklen Augen lagen Neugierde und Erwartung. Er erhob sich und breitete die Arme aus.

»Kommt bitte herein und nehmt Platz.« Matterson wartete, bis das Stühlerücken ein Ende fand, dann begann er: »Das hier ist die Insel Attu auf den Aleuten. Sie ist unbewohnt und liegt im Pazifik. Früher hat hier die United States Coast Guard eine Station unterhalten, aber die Männer sind längst abgezogen. Die Insel ist für unser Vorhaben ideal. Hier werden wir euch in den nächsten Wochen für eine Mission ausbilden, die von großer Bedeutung ist.«

»Worum geht es?«, fuhr Wilbur harsch dazwischen.