Bedingungslos - M. Leighton - E-Book
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Bedingungslos E-Book

M. Leighton

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Beschreibung

Sexappeal geht in die nächste Runde: der dritte Teil der Addicted To You-Serie

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 447




ZUM BUCH

Olivia Townsends reiche Cousine Marissa hat alles, was man sich nur wünschen kann – sie hat ihren Traumjob gefunden, der sie erfüllt, führt ein Leben voll Glanz und Glamour und ist überall beliebt. Zumindest bei allen, deren Freundschaft für Geld zu kaufen ist.

Doch eines Tages gerät Marissas heile Welt durch eine Verwechslung aus den Fugen, und sie landet schließlich in den Armen des heißesten, aber auch gefährlichsten Mannes, der ihr je begegnet ist. Er ist für Marissa ein Buch mit sieben Siegeln; gleichzeitig fühlt sie sich magisch von ihm angezogen und kann ihm einfach nicht widerstehen.

Mit ihm offenbart sich ihr eine ganz neue Welt: eine lustvolle und freie Welt, in der jedoch viele dunkle Geheimnisse lauern und nichts wirklich ist, wie es scheint. Nur eines weiß Marissa sicher: Der leidenschaftliche Rausch macht sie blind, und sie kann nicht entkommen – vielleicht nicht einmal überleben …

DIE AUTORIN

Die New York Times und USA Today-Bestsellerautorin Michelle Leighton wurde in Ohio geboren und lebt heute im Süden der USA. Sie verfügt bereits seit ihrer frühen Kindheit über eine lebhafte Fantasie und fand erst im Schreiben einen adäquaten Weg, ihren vielen Ideen Ausdruck zu verleihen. Mittlerweile wurden dreizehn Romane von ihr veröffentlicht. Derzeit arbeitet sie an weiteren Folgebänden, wobei ihr ständig aufregende Inhalte und einmalige Figuren für neue Buchprojekte in den Sinn kommen. Bedingungslos ist der Abschluss der ADDICTED TO YOU-Trilogie.

LIEFERBARE TITEL

Atemlos

Schwerelos

M. LEIGHTON

ADDICTED TO YOU

BEDINGUNGSLOS

Roman

Aus dem Amerikanischen

von Kerstin Winter

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

Die Originalausgabe BAD BOY Trilogy, Everthing For Us,

erschien bei The Berkley Publishing Group, New York

Vollständige deutsche Erstausgabe 09/2014

Copyright © 2012 by M. Leighton

Copyright © 2014 der deutschsprachigen Ausgabe by

Wilhelm Heyne Verlag, München

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Redaktion: Anita Hirtreiter

Umschlaggestaltung: yellowfarm gmbh, S. Freischem

unter Verwendung des Original-Coverdesigns von

© Leslie Worrell, Foto: © Kiselev Andrey Valerevich/Shutterstock

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978-3-641-13249-1

www.heyne.de

Meinem Gott.

Ohne dich gäbe es weder Inspiration

noch Davenport-Jungs.

N

1

NASH

Der Traum ist immer derselbe. Am Anfang steht das Gefühl, dass ich etwas Schweres absetze. Dadurch weiß ich, was kommt. Ich schaue an mir herab und sehe, wie meine Hände die Proviantkiste loslassen, die ich getragen und auf den ausgebleichten Planken des Bootsstegs abgestellt habe.

Ich richte mich auf, nehme mein Handy aus der Tasche und drücke mit dem Daumen auf die Taste, die den Bildschirm aufleuchten lässt. Ich rufe die Kamera-App auf und halte das Telefon ganz nah vor mein Gesicht, bis ich das Mädchen mittig im Rahmen des beleuchteten Rechtecks sehen kann.

Es liegt auf dem Deck einer Jacht, nicht weit entfernt. Das Boot schwankt leicht. Es ist ein prächtiges Boot, aber es ist nicht das, was mich im Augenblick interessiert. Mich interessiert die Kleine. Sie ist jung, blond und sonnt sich oben ohne.

Die Haut glänzt vom Sonnenöl, die festen, runden Brüste schimmern im Licht. Sie passen wunderbar in eine Männerhand, locken mich und wollen liebkost werden, bis ihre Besitzerin stöhnt. Ein leichter Wind erhebt sich, und obwohl es warm ist, richten sich ihre Nippel auf. Sie sind prall und rosa, und mein Schwanz beginnt zu pochen.

O Mann, ich liebe den Jachthafen.

Jemand stößt mich an der Schulter an, und das Mädchen rutscht aus dem Rahmen des Suchers. Ich wende mich um und starre den alten Mann, der das Pier hinuntertrottet, wütend an. Nur mit Mühe verkneife ich mir eine scharfe Bemerkung. Cash hätte diese Probleme nicht. Cash verkneift sich niemals etwas. Doch ich bin nicht Cash.

Ich lasse den alten Mann ziehen und wende mich wieder der Jacht – der Kleinen mit dem großartigen Vorbau – zu. Aber bevor ich sie wieder im Sucher habe, erregt etwas anderes meine Aufmerksamkeit.

Am Ende des Wegs am Ufer steht ein Mann. Er lehnt lässig an der Rückwand eines kleinen Schuppens, in dem die Leute, die hier im Hafen anlegen, Grundnahrungsmittel und Gas kaufen können. Eigentlich benimmt sich der Mann ganz unauffällig, irgendetwas stimmt allerdings mit seiner Kleidung nicht. Er hat eine Stoffhose an, wie man sie zum Anzug trägt. Und er zieht etwas kleines Rechteckiges aus seiner Tasche. Es sieht eigentlich aus wie ein Handy. Ist es aber nicht. Durch die Vergrößerungsfunktion meiner Kamera erkenne ich, dass es sich um ein schwarzes Kästchen handelt. Ein schwarzes Kästchen mit einem roten Knopf.

Ich sehe noch, wie sich sein Daumen über diesen Knopf schiebt, dann trifft mich plötzlich etwas mit solch einer Wucht, dass es mich von den Füßen reißt und ich rückwärts ins Wasser hinter mir plumpse.

Dann nichts mehr.

Ich weiß nicht, wie viele Minuten, Stunden, Tage ich bewusstlos bin, als ich mit dem Gesicht nach oben im Wasser treibend erwache, weil mein Kopf immer wieder gegen einen mit Seepocken überzogenen Pfeiler stößt.

Mühsam zwinge ich meine schmerzenden Glieder in Bewegung und drehe mich auf den Bauch. Steif schwimme ich auf eine der Leitern zu, die in gewissen Abständen zum Steg hinaufreichen. Tropfend steige ich aus dem Wasser und sehe mich benommen um, um herauszufinden, was die Explosion erzeugt hat, durch die ich ins Wasser geschleudert wurde.

Als ich zum Steg blicke, an dem der Schoner meiner Familie gelegen hat, entdecke ich eine Ansammlung von Menschen. Mein Verstand braucht gute dreißig Sekunden, um zu interpretieren, was ich sehe: eine leere Anlegestelle, brennendes Holz auf dem Steg, zerborstenes Bootsmobiliar im Wasser. Qualm. Viel Qualm. Schockierte Stimmen. Und fernes Sirenengeheul, das näher kommt.

Und dann fahre ich wie immer aus dem Albtraum hoch. Ich bin schweißgebadet und atme schwer, wie immer, und mein Gesicht ist tränennass. Ich habe diesen Traum so lange nicht mehr geträumt, dass ich vergessen habe, wie verzweifelt, wie niedergeschmettert und wie … wütend ich danach immer bin.

Nun weiß ich es wieder. Und zwar genauer, als mir lieb ist. Dieser Traum gießt nur Öl ins Feuer.

Ich setze mich im Bett auf und ringe um Luft. Ein Schmerz jagt mir durch die Seite und erinnert mich daran, was gestern geschehen ist. Alles stürzt wieder auf mich ein und schürt meinen Zorn.

Bis eine schmale, kühle Hand meine Schulter berührt. Ich drehe mich um und sehe Marissa, die sich hinter mir auf einen Ellenbogen stützt und mit verschlafenem Blick zu mir aufschaut. Ehe ich weiß, wie mir geschieht, werden all die Bitterkeit, all der Zorn und die aufgestaute Aggression in reine Lust kanalisiert. Das Bedürfnis, etwas ganz für mich zu beanspruchen und mich darin zu verlieren, überlagert plötzlich alles andere, und ich stürze mich ohne zu zögern darauf. Buchstäblich.

Ich drehe mich um, greife nach ihr und drücke ihren warmen Körper in die Matratze. Sie keucht auf, als meine Lippen sich auf ihre drücken. Ich schlucke den Laut, ihre Furcht, ihr zögerliches Begehren und nähre damit das Tier, das in mir steckt und hinaus will.

Meine Zunge dringt in ihren Mund. Sie schmeckt süß wie Honig. Ich dränge mein Knie zwischen ihre Beine, und sie öffnen sich, sodass ich mich zwischen sie schieben kann.

Erst als ich meine Hand unter den Saum ihres T-Shirts schiebe, spüre ich, dass sie sich versteift hat. Ich hebe den Kopf und sehe sie an. Ihre Augen sind geweitet. Vor Überraschung? Oder vor Angst?

M

2

Marissa

Nash lässt von mir ab, bevor ich mich in ihm verlieren kann. Gerade noch rechtzeitig. Alles andere wäre schlimm gewesen.

Oder?

Ich halte den Atem an, als er auf mich herunterschaut. Sogar im trüben Licht kann ich sehen, wie sein Blick sich klärt. Etwas hat ihn gerade in den Fängen gehabt. Und etwas in mir hat es gefallen, was ganz und gar untypisch für mich ist. Aber seit ich entführt wurde, ist ohnehin nichts mehr, wie es einmal war. Wieso sollte dieser Moment hier eine Ausnahme sein?

Nicht zum ersten Mal frage ich mich, ob mein Leben jemals wieder wie früher sein wird. Und ob ich das überhaupt will.

Ich bin ein bisschen enttäuscht, als Nash sich von mir hebt, sich neben mir wieder auf den Rücken fallen lässt und einen Arm über die Augen legt.

»Du solltest dich am besten von mir fernhalten.« Seine Stimme klingt tief und grollend in der Dunkelheit.

»Ich weiß«, sage ich ehrlich. Und so ist es tatsächlich. Er hat recht. Ich sollte mich unbedingt von ihm fernhalten. Aber ganz tief in meinem Inneren, wo etwas geweckt wurde, von dessen Existenz ich bisher noch nichts wusste, weiß ich ebenso, dass ich es nicht tun werde. Nicht tun kann. Ich fühle mich so stark zu ihm hingezogen, als ginge es um Lebensnotwendiges wie Luft oder Wasser. Ich habe keine Ahnung wieso, und es kommt mir fast lächerlich vor, doch ich bin klug und vernünftig genug, um es mir selbst gegenüber einzugestehen und zu begreifen, dass ich mich damit auseinandersetzen muss. Die Frage ist nur – wie?

Nach ein paar Sekunden Stille nimmt Nash den Arm von seinem Gesicht, dreht den Kopf und starrt mich an. »Was zum Henker hast du dann noch hier zu suchen?«

Ich blicke in seine vor Zorn funkelnden Augen und kann mich einfach nicht dazu durchringen, aufzustehen und zu gehen. Trotz der Gefahr, die er, wie ich genau weiß, mit sich bringt. Ich kann nicht. Noch nicht jetzt, jedenfalls.

»Ich brauche dich«, sage ich schlicht. Und es stimmt. Er beschützt mich. Er gibt mir ein Gefühl der Sicherheit.

Nash macht den Mund auf, als wolle er etwas sagen, tut es aber dann doch nicht. Er schaut mich nur an, und seine eisigen Augen scheinen direkt in mich hineinzusehen. Sie sind denen von Cash – denen von Nash, den ich zu kennen glaubte – so ähnlich und doch vollkommen anders.

Wie alles, was mit Nash zusammenhängt, anders ist, als ich es kenne.

Nach einer langen Weile sagt er: »Dich auf mich einzulassen bedeutet nur Ärger.«

»Ich weiß.«

Wieder entsteht eine lange Pause.

»Und nachher wirst wahrscheinlich du diejenige sein, die darunter leidet.«

Ich schlucke. Mir ist klar, dass er recht hat, aber es ausgesprochen zu hören, ist etwas ganz anderes. »Ich weiß«, gebe ich zu.

»Auf jeden Fall kannst du nicht sagen, ich hätte dich nicht gewarnt.«

»Ich weiß«, wiederhole ich und frage mich unwillkürlich, ob ich außer meinem Verstand auch mein Vokabular verloren habe. Nachdem er mich noch eine Weile wortlos angestarrt hat, rollt er sich vorsichtig auf seine nicht verletzte Seite. »Rutsch rüber«, sagt er barsch.

Keine Ahnung, warum ich tue, was er von mir will. Insgeheim bin ich mir sicher, dass ich tatsächlich den Verstand verloren habe. Anders kann es wohl nicht sein.

Ich liege mit dem Rücken zu ihm auf der Seite und schiebe meine zusammengelegten Hände unter meine Wange. Mein Verstand wird überschüttet von Fragen, auf die ich keine Antworten habe, von Bildern, die aus der Finsternis kommen. Als mir mulmig wird und ich in Panik gerate, legt Nash plötzlich einen Arm über meine Taille, zieht mich zu sich und hält mich an seinem Körper fest. Er tut es grob, fast widerstrebend. Es fühlt sich weniger so an, als wolle er mir ein Gefühl von Geborgenheit geben, sondern als sei er es, der schließlich einknickt und sich den nötigen Trost verschafft. Vermutlich verweigert er sich normalerweise der Gefühle anderer. Er ist ein Einzelgänger, der auf einer einsamen Insel gestrandet ist und dort seinem Zorn und seiner Bitterkeit freien Lauf lässt. Er muss gerettet werden. Er weiß es nur noch nicht.

Doch was immer dahintersteckt, das Ergebnis bleibt gleich. Der Gedanke, dass er mich genauso brauchen könnte, wie ich glaube, ihn zu brauchen, verstärkt die Wirkung sogar noch: Sofort kommt mein Verstand zur Ruhe und die Panik lässt nach. Und das ist der Moment, in dem ich begreife, dass er mir tatsächlich Ärger machen wird. Und dass das kein Grund ist, mich von ihm fernzuhalten. Nichts wird das bewirken.

Keine Ahnung, warum.

Als ich das nächste Mal die Augen aufschlage, blitzt Sonnenlicht unter den Säumen meiner Vorhänge hervor. Ich lausche den Geräuschen um mich herum.

Nashs Atem ist tief und gleichmäßig, und ich spüre ihn an meinem Hals. Ein Schauder rinnt mir das Rückgrat herab, als ich mir seines harten Körpers an meinem Rücken bewusst werde.

Ich habe keine Ahnung, was in mich gefahren ist. Noch nie habe ich derart auf einen Mann reagiert, nicht einmal annähernd, und dabei war ich mit seinem Bruder zusammen!

Trotzdem war es nicht … so. Das hier ist mehr. Etwas Ungezähmtes. Etwas … anderes.

Ich höre das Klicken einer zufallenden Tür. Es klang wie Olivias Zimmer. Einer von beiden scheint auf zu sein.

Olivia.

Beim Gedanken an Olivia überkommt mich erneut das schlechte Gewissen. Wieso sie so gut zu mir ist und derart viel riskiert hat, um mich zu retten, nachdem ich sie so mies behandelt habe, kann ich nicht nachvollziehen. Am liebsten würde ich etwas tun, um mir so viel Großherzigkeit zu verdienen, obwohl ich fürchte, dass ich es ohnehin niemals schaffen kann.

Ich habe eine Idee, also rücke ich vorsichtig von Nash ab, schlüpfe aus dem Bett und tappe barfuß in die Küche. Erfreut sehe ich, dass Olivia den Kühlschrank gut bestückt hat, während ich fort war. Ich hole Eier aus dem Fach in der Innentür, dann mache ich die Tiefkühlklappe auf und nehme Hacksteaks und Rösti heraus. Ich lege alles auf die Küchentheke, hole eine Schüssel aus dem Schrank und stelle drei verschieden große Pfannen auf den Herd. Zufrieden krempele ich meine Ärmel hoch und mache mich daran, für uns alle ein Frühstück zuzubereiten.

Ein Räuspern hinter mir lässt mich zusammenfahren.

In der Erwartung, Olivia in der Tür stehen zu sehen, drehe ich mich um. Mein strahlendes Lächeln lässt bedeutend nach, als ich stattdessen Cash dort lehnen sehe.

»Was machst du denn da?«

»Frühstück«, sage ich und gebe mir größte Mühe, meine Stimme von Sarkasmus frei zu halten. »Wonach sieht’s denn aus?«

»Du kannst doch nicht kochen«, sagt er ohne Umschweife.

»Tja, es ist nie zu spät, es zu lernen.« Ich wende mich ab und konzentriere mich darauf, die Eier in die Schüssel zu schlagen.

»Spar dir die Show, Marissa. Im Augenblick sind hier nur du und ich, und mir kannst du nichts vormachen. Nicht vergessen – ich kenne dich ziemlich gut.«

»Vielleicht hast du mich mal gut gekannt, sofern zwei Leute wie du und ich sich kennen können. Aber das war in der Vergangenheit. Inzwischen hat sich etwas verändert.«

»Oh, tatsächlich?« Er tut so, als sei das vollkommen unmöglich. Und das macht mich wütend.

Ich fahre zu ihm herum und richte meinen Quirl anschuldigend auf ihn. »Tu bloß nicht so, als seiest du besser als ich. Du hast jeden, den du kanntest – jeden, den du Freund oder Kollege genannt hast – belogen. Du hast mich benutzt, um dir eine Stelle in der Kanzlei meines Vaters zu verschaffen, du hast ohne Skrupel getan, was immer nötig war, um deine Ziele zu erreichen. Kehr jetzt ja nicht den Unbescholtenen raus. Vergiss nicht, dass auch ich dich ziemlich gut kenne.«

Dass er keinesfalls betroffen wirkt, macht mich nur noch wütender. »Vielleicht. Aber das war nicht mein echtes Ich. Das hast du nie kennengelernt. Du hast nur das gesehen, was ich dich sehen lassen wollte. Die Person, die ich für alle Welt gespielt habe.«

»Denk doch, was du willst. Und wenn du meinst, du könntest das, was du getan hast, einfach so rechtfertigen – meinetwegen. Eigentlich ist es mir egal, ob du mich verurteilst. Ich bin nur Olivia etwas schuldig. Solange ich ihr beweisen kann, dass ich nicht nur ein Biest bin, ist es mir vollkommen schnuppe, was du von mir hältst.«

Und damit kehre ich ihm den Rücken zu. Ich ramme den Schneebesen in die Schüssel mit rohen Eiern und quirle, was das Zeug hält.

Was mich aber am wütendsten macht, ist die Tatsache, dass Cash recht hat. Ich habe keine zweite Chance verdient. Ich habe nicht verdient, dass man an mich glaubt oder mir vertraut. Jeder weiß, was für ein Mensch ich war. Ich habe überall einen schlechten Eindruck hinterlassen, und vermutlich habe ich allen für immer ein falsches Bild von mir vermittelt.

Aber ich kann es wenigstens versuchen. Ich gebe nicht einfach auf. Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem mir nur noch wenige Meinungen wichtig sind, und auf die werde ich mich konzentrieren.

Ich höre das Tappen von Cashs nackten Füßen, als er die Küche verlässt. Dann bleibt er allerdings noch einmal stehen, und ich höre auf zu quirlen und warte ab.

»Was passiert ist, tut mir leid, Marissa«, sagt er leise. »Diese verdammte Geschichte betrifft nur meine Familie, und du hättest nicht reingezogen werden dürfen. Das hat niemand verdient. Nicht einmal jemand wie du.«

Ich antworte nicht, rege mich nicht, wende mich ihm nicht noch einmal zu. Er wartet eine Weile auf eine Antwort, doch als nichts kommt, geht er schließlich. Ich versuche zu ignorieren, wie sehr mich seine offensichtliche Abneigung kränkt. Es ist eigentlich nicht wichtig, was er von mir hält, aber es trifft mich doch, dass andere eine derart schlechte Meinung von mir haben. War ich wirklich so ein Miststück?

Bevor ich mich weiteren selbstverachtenden Gedanken hingeben kann, höre ich eine andere Stimme hinter mir.

»Mach dir nichts draus, Marissa.« Diesmal ist es Olivia, die im Türrahmen steht, als ich mich umdrehe. Sie sieht zerzaust und verschlafen aus – und wie immer lieb und freundlich. Dennoch ist es mir peinlich, dass sie seine Bemerkung gehört hat. »Heute Morgen ist er wie ein Bär, der sich einen Dorn in die Tatze getreten hat. Ich weiß auch nicht, was er hat.« Sie lächelt, aber dass sie sein Verhalten zu entschuldigen versucht, macht es mir irgendwie noch unangenehmer. Hat sie mich immer schon verteidigt? Und habe ich es immer schon so wenig verdient?

Mein Magen zieht sich zu einem harten Klumpen zusammen. Ich kenne die Antwort auf die Frage sehr gut.

Ja.

»Du musst ihn nicht entschuldigen. Es fällt bestimmt nicht gerade leicht zu glauben, dass jemand quasi über Nacht eine Hundertachtzig-Grad-Wende hinlegt.«

Sie schlendert in die Küche und setzt sich auf einen der Barhocker an der Kücheninsel. »Das mag normalerweise stimmen, aber hier war etwas … etwas Drastisches im Spiel. Marissa, du bist entführt worden. Ich meine, du wusstest nicht einmal, was gespielt wird, dass du überhaupt in Gefahr geraten könntest. Keiner von uns wusste das. Gekidnappt zu werden … Also, wenn das nicht ausreicht, um jemanden zu verändern!«

Ich schenke ihr ein Lächeln, bevor ich mich wieder den Eiern widme. Ich quirle sie noch einmal kurz, dann gebe ich sie in die heiße Pfanne, in der ich Butter zerlassen habe. »Wahrscheinlich werde ich es wohl nur mit der Zeit beweisen können.«

Sie antwortet eine ganze Weile nicht, und dann steht sie plötzlich an meiner Seite und beugt sich über den Herd, bis ich ihrem Blick begegne. »Du musst niemandem irgendwas beweisen. Du hast einiges durchgemacht. Konzentrier dich lieber darauf, dein Leben wieder in Ordnung zu bringen.«

»Es ist nicht in Unordnung geraten.«

»Na ja, du bist verfrüht von einer Reise zurückgekehrt, warst ein paar Tage verschwunden und bist gestern nicht zur Arbeit erschienen. Ein paar Fragen wirst du bestimmt beantworten müssen.«

Ich zucke mit den Schultern. »Ja, vielleicht. Aber ich bin niemandem Antworten schuldig. Keiner von den Menschen in meinem Leben macht sich wirklich etwas aus mir.« Allein es auszusprechen fühlt sich an, als würde jemand ein glühendes Eisen auf mein Herz drücken. Denn es stimmt. »Im Übrigen geht jeder davon aus, dass ich noch gar nicht wieder in der Stadt bin, daher …«

»Marissa, ich mache mir etwas aus dir, ich hoffe, du glaubst mir das. Und dein Vater tut das auch. Und deine Mutter. Du wirst Freunde haben, denen nicht egal ist, was dir zustößt. Es sieht vielleicht im Augenblick nicht so aus, aber –«

»Es ist lieb, dass du versuchst, mich aufzumuntern, Liv, aber du hast gesehen, mit welchen Leuten ich mich bisher umgeben habe. Du warst da bei der Kunstausstellung. Ich kenne und arbeite und verbringe ziemlich viel Zeit mit diesen Leuten. Sie sind schrecklich, Liv – schrecklich! Du hast sie ja kennengelernt.«

Sie setzt an, um etwas zu sagen, will ganz offensichtlich etwas sagen, doch es gibt nichts, was sie sagen könnte. Denn sie weiß, dass ich recht habe.

»Schau, Marissa, du bist in der einzigartigen Position, eine zweite Chance zu bekommen – du kannst noch einmal durchstarten, neue Entscheidungen treffen und ein besseres Leben führen. Jeder Mensch hat … bescheuerte Bekannte, mit denen er sich auseinandersetzen muss, verstecken kann man sich vor ihnen nicht. Man muss einfach lernen, sie zu tolerieren.«

»Ich weiß, dass ich mich nicht verstecken kann. Jedenfalls nicht ewig. Aber ich denke, ich bin noch nicht wieder bereit, mich alldem zu stellen. Vielleicht in ein paar Tagen …«

»Du willst heute also nicht zur Arbeit gehen?«

»Nein. Ich denke, ich rufe an und gebe Bescheid, dass ich mir Urlaub nehme. Wie ich schon sagte: Man hat mich noch gar nicht so früh zurückerwartet, und ich war ohnehin gerade keinem besonderen Projekt zugewiesen. Ich schnuppere überall mal rein, denn Daddy ›präpariert‹ mich gerade.« Ich male Anführungszeichen in die Luft und verdrehe die Augen.

»Aber ich dachte, das gefällt dir.«

Ich überlege einen Moment, während ich an der Pfanne rüttele. »Ja, das hat es auch. Aber ich bin mir nicht mehr sicher, was genau ich will.«

Das entspricht nicht ganz der Wahrheit. Es gibt da etwas … etwas, das mich nicht mehr loslässt, seit ich betäubt, verschleppt und gegen meinen Willen festgehalten worden bin. Doch für dieses Etwas müsste ich mein Leben vollkommen umkrempeln, und ich kenne niemanden, der das gutheißen würde. Außer Liv. Und Nash wahrscheinlich. Fragt sich nur, ob ich den Mut dazu habe, und dessen bin ich mir ganz und gar nicht sicher. Aber habe ich eine Wahl? Mir kommt es nicht so vor.

N

3

NASH

Der Duft von gebratenem Fleisch weckt mich. Ich fühle mich wie ein ausgehungertes Raubtier.

Ich schlage die Augen auf und stelle fest, dass ich allein im Bett liege, was vermutlich gut so ist. Obwohl ich nichts gegen einen morgendlichen Quickie hätte, ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dazu. Marissas gestrige Zärtlichkeit hat mir ein Gefühl von Geborgenheit gegeben, und das ist gefährlich für mich. Ich habe keinerlei Bedürfnis, mich fest auf eine Frau einzulassen, und deshalb ist es nur gut, dass sie nicht mehr in diesem Bett liegt.

Ich drehe mich auf den Rücken, und ein scharfer Schmerz in meiner Seite durchfährt mich. Es ist nicht so schlimm, wie es sein könnte, aber es ärgert mich, dass ich überhaupt etwas spüre. Eigentlich bin ich hart im Nehmen und habe darüber hinaus ein Medikament bekommen, daher ist selbst das bisschen Schmerz, das ich jetzt verspüre, eine Überraschung. Und eine sehr unwillkommene dazu.

Ich beschließe, die Wunde in meiner Seite zu ignorieren, setze mich auf und schwinge die Füße über die Bettkante. Mir ist etwas schwummrig, und ich bleibe sitzen, bis der Schwindel nachlässt.

Was zum Henker hat der Mistkerl an seinem Messer gehabt? Hat er es in gerade so viel Gift getaucht, dass ich richtig lange etwas davon habe, ohne dass es mich umbringt?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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