Befreie mich, versklave mich | Erotik SM-Audio Story | Erotisches SM-Hörbuch - Joanna Grey - E-Book + Hörbuch

Befreie mich, versklave mich | Erotik SM-Audio Story | Erotisches SM-Hörbuch Hörbuch

Joanna Grey

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Beschreibung

Ein echtes enhanced E-Book mit Hörbuch! In diesem E-Book erhalten Sie sowohl den Textteil, als auch die gesprochene Variante. Dieses E-Book enthält ca. 455 Minuten Hörbuch und 256 Taschenbuchseiten! Sie können wählen: 1. Sie lesen und hören Kapitelweise die Geschichte von vorn nach hinten 2. oder Sie hören sich einfach die Audio-Files komplett an. 3. Sie lesen diese E-Book wie sie es gewohnt sind, ohne Audio. ************************************* Ein neuer Mann Eine neue Liebe Eine neue Erfahrung ... Sie weiss nicht, dass in ihr eine Sklavin steckt. Schritt für Schritt und mit viel Einfühlungsvermögen erweitert er ihre Schmerz- und Lustgrenzen. Fühlen Sie das Vertrauen und die Nähe zwischen Dominanz und Unterwerfung. Gelesen von Katharina Schaafmeister Regie: Berthold Heiland Ungekürzte Lesung Spielzeit: 455 Minuten Diese Ausgabe ist vollständig, unzensiert und enthält keine gekürzten erotischen Szenen.

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Zeit:7 Std. 35 min

Sprecher:Katharina Schaafmeister
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Impressum:

Befreie mich, versklave mich | Erotik SM-Audio Story | Erotisches SM-Hörbuch

von Joanna Grey

 

Lektorat: Nicola Heubach

 

Originalausgabe

© 2015 by blue panther books, Hamburg

 

All rights reserved

 

Cover: © Ilia Panfilov @ istock.com

Umschlaggestaltung: www.heubach-media.de

 

ISBN 9783862775415

www.blue-panther-books.de

Kapitel 1

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Leicht verzweifelt stand Laura im Schlafzimmer und starrte in ihren offenen Kleiderschrank, während der berüchtigte ich-hab-nichts-zum-Anziehen-Frust über sie kam. Na toll, wie wunderbar klischeehaft. Unwillkürlich tauchte in ihrem Kopf das Bild einer Frau vor einem zum Bersten vollen Kleiderschrank auf, die sich theatralisch zu ihrem Mann umdreht und verkündet: »Ich habe nichts, was ich anziehen kann!«, während der Mann resigniert die Augen verdreht.

Sie schob das Bild aus ihrem Kopf und konzentrierte sich wieder auf den nicht vorhandenen Inhalt ihres Schrankes. Irgendwie war ihr entgangen, dass all ihre Trainingshosen, die sie sonst zum Kletterkurs trug, in der Wäsche waren, und es dringend notwendig gewesen wäre, die Waschmaschine anzuwerfen. Es war doch nicht möglich, dass in den Unmengen an Klamotten, die sie besaß, keine einzige brauchbare Hose dabei war. Aber die langen Hosen waren entweder Jeans, die ihr nicht genug Bewegungsfreiheit boten, oder schöne Hosen fürs Büro, die sie zum Klettern definitiv nicht anziehen konnte. Und die wenigen kurzen Hosen die sie besaß, waren ebenfalls allesamt Jeans. Ihr Blick fiel auf einen schwarzen Stoffzipfel, der unter den kurzen Hosen hervorlugte. Mit einem unmutigen Seufzen griff sie danach und förderte eine Hot Pants zu Tage, die sie schon ewig nicht mehr getragen hatte. Mit sechzehn hatte sie natürlich nicht eingesehen, warum ihre Mutter der Meinung gewesen war, diese Hose könne sie bestenfalls am Strand anziehen. Mittlerweile aber hatte sie das Gefühl, nun vielleicht doch schon ein bisschen zu alt dafür zu sein. Mit ihren knappen achtundzwanzig Jahren war sie zwar noch weit davon entfernt, sich wie eine biedere alte Frau zu kleiden, aber eine Hose, bei der man den Ansatz vom Hintern sah, weil sie so kurz geschnitten war, war ihr doch etwas zu freizügig. Leider war es das Beste, was sie momentan finden konnte, also faltete Laura die Hose zusammen und legte sie in ihre Sporttasche.

***

Als Laura aus der Umkleidekabine in die große Halle des Kletterzentrums eilte, stand ihre Gruppe schon vollzählig versammelt um ihren Kursleiter Rick, der gerade das heutige Programm besprach. Das hieß, nicht ganz vollzählig. Ihre Partnerin Melanie fehlte. Typischer Fall von: Heute geht aber auch alles schief.

Nachdem Rick seine Erklärungen beendet hatte, zerstreute sich die Gruppe, einzig Laura verweilte bei ihm.

»Melanie hat mich vorhin angerufen, die Sommergrippe hat sie erwischt, sie kann leider nicht kommen. Ich habe dir aber einen anderen Partner organisiert. Ah, wenn man vom Teufel spricht, da kommt er ja. Laura, das ist Mario. Mario – Laura. Ihr könnt auf der Wand Nummer Vier anfangen, da ist noch ein Platz frei.«

Etwas perplex betrachtete Laura ihren heutigen Partner. Der Kerl war einen Kopf größer als sie und um etliches schwerer. Wie um alles in der Welt sollte sie den denn sichern? Sie war noch Anfängerin und hatte keine Ahnung, wie sie das bewerkstelligen sollte. Mit einem Lächeln, das mehr Selbstbewusstsein ausstrahlte, als sie empfand, deutete sie mit dem Kopf in Richtung der Kletterwand und marschierte los. Es war anzunehmen, dass Mario einen Kurs für Fortgeschrittene besuchte, er sollte sich also auskennen. Blieb nur zu hoffen, dass sie sich nicht furchtbar vor ihm blamieren würde mit ihren mangelnden Kenntnissen.

***

Zu Beginn machten sie ein paar Lockerungs- und Aufwärm­übungen, während denen es sich Laura nicht verkneifen konnte, Mario unauffällig etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Er machte einen durchaus sympathischen Eindruck, und war zudem auch noch ziemlich gutaussehend. Sein Körper wirkte athletisch, und das ärmellose Tank-Top gab den Blick frei auf muskulöse Oberarme. Die dunkelblonden Haare, die am Oberkopf ein wenig länger geschnitten waren, fielen kreuz und quer in alle Richtungen, was ihn etwas keck und draufgängerisch wirken ließ. Dieser Eindruck wurde durch das charmante Lächeln, mit dem er sie begrüßt hatte, ebenso unterstrichen wie durch das verwegene Funkeln seiner haselnussbraunen Augen. Leider war anzunehmen, dass dieses umwerfende Lächeln nicht speziell mit ihr zu tun hatte, sondern lediglich seine übliche Art war, so bei Frauen aufzutreten. Sie konnte sich nur zu gut vorstellen, dass schon etliche Frauen diesem Blick erlegen waren.

Nachdem sie ihre Übungen beendet hatten, ging Laura zur Wand, wo sie die beiden Enden des Sicherungsseils ergriff. Eines davon reichte sie Mario und meinte: »Ich sag’s gleich, ich habe keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Wenn du dich abseilst, werde ich bestimmt abheben.«

Mario musterte sie mit einem breiten Grinsen. Offenbar stellte er sich gerade lebhaft vor, wie das wohl aussehen würde.

»Das ist nur eine Frage der Technik. Ich kann dir zeigen, wie du es angehen musst, damit du nicht den Boden unter den Füßen verlierst. Aber ich würde sowieso vorschlagen, dass du einmal anfängst.«

»Ich nehme an, du bist in einem fortgeschrittenen Kurs?«

Ein flüchtiger Ausdruck, den sie nicht so recht zu deuten wusste, huschte ganz kurz über Marios Gesicht. Er verschwand jedoch augenblicklich wieder hinter einem umwerfenden Lächeln, bei dem sich in Laura mehr regte, als ihr lieb war. Wow, das hatte er ja echt gut drauf!

»Ich bin Stammgast hier. Von mir aus können wir es gern so machen, dass nur du kletterst und ich sichere dich.«

»Nein«, lehnte Laura entschieden ab, »das wäre doch langweilig für dich. Für mich hingegen wäre es sicher interessant, dir zuzuschauen.«

Sie befestigten die Seile an ihren Hüftgurten, und Laura begab sich in Startposition. Die Griffe waren hier nicht besonders schwierig gesetzt, sodass sie zügig vorankam und kurz darauf auch schon das obere Ende erreichte. Sie warf einen ganz kurzen Blick zu Mario hinunter, um zu sehen, ob er zum Abseilen bereit war, dann stieß sie sich von der Wand ab. Das Abseilen gefiel ihr immer besonders gut, es war eigentlich fast das Beste am Klettern. So frei schwebend die Wand hinunterzuhüpfen war einfach ein tolles Gefühl. Kaum war sie unten angekommen, hörte sie auch schon Ricks Trillerpfeife, das Signal, zur nächsten Wand zu wechseln.

Kapitel 2

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Zu Hause angekommen, leerte Laura ihre Sporttasche im Bad aus und machte sich sofort daran, die Waschmaschine mit den Trainingshosen zu befüllen. Glücklicherweise hatte Mario keine anzügliche Bemerkung über ihr kesses Höschen von sich gegeben. Trotzdem fragte sie sich, was für einen Eindruck sie angesichts ihres gewagten Aufzugs wohl auf ihn gemacht hatte. Was seltsam war, denn eigentlich hätte ihr das egal sein können. Der Grund dafür konnte nicht zufällig sein, dass er so charmant und verdammt gut aussehend war. Weshalb er sicher auch schon entweder eine Freundin hatte, oder es einen guten Grund gab, warum er keine hatte.

Beim Gedanken an Beziehungen wurde Laura ein wenig wehmütig. Es war schon wieder über ein Jahr vergangen seit der Trennung von ihrem letzten Freund. Und obwohl in der Zwischenzeit durchaus einige Männer Interesse an ihr bekundet hatten, war doch keiner dabei gewesen, bei dem sie das Gefühl gehabt hätte, mit ihm könnte es vielleicht klappen. Sie war eine sehr selbstbewusste und zudem auch noch intelligente Frau, eine Kombination, mit der viele Männer offenbar nicht gut zurechtkamen. Und als wäre das alles nicht schon schwierig genug, war da dann zu allem Überfluss noch die Sache mit dem Sex. So selbstsicher sie normalerweise war, so unsicher war sie in sexuellen Dingen. Ehrlich gesagt konnte Laura nicht wirklich nachvollziehen, was die Leute alle so toll daran fanden. Für sie war es immer eine eher lästige Pflichtübung gewesen, und früher oder später lief es eigentlich stets darauf hinaus, dass sie sich nur noch zum Beischlaf – anders konnte man das wirklich nicht nennen – überreden ließ, wenn sie das Gefühl hatte, es ihrem Freund mal wieder schuldig zu sein. Was natürlich erst recht nicht zu sexuellen Höhenflügen führte. Wenn es nach ihr ging, könnte sie gut auf das ganze Theater verzichten, sie würde bestimmt nichts vermissen.

Oh ja, es war wirklich besser, sich Mario schnell wieder aus dem Kopf zu schlagen. Der Typ roch förmlich nach Sex. Was sollte gerade sie mit einem Mann anfangen, der ihr wohl dauernd an die Wäsche ginge? Und warum sollte er sich überhaupt mit einer frigiden Frau wie ihr abgeben? Bestimmt hatte er keine Not an wesentlich enthusiastischeren Bettgespielinnen. Und diese Vermutung gründete nicht nur auf seinem Aussehen, da war noch irgendetwas anderes an ihm, aber sie konnte es nicht genauer benennen. War es seine souveräne Ausstrahlung? Oder hatte es mit der Art zu tun, wie er sie ansah? Sie hatte keine Ahnung, wie sie diesen Blick überhaupt einordnen sollte, den er ihr ein paar Mal zugeworfen hatte. Vielleicht hatte er auch gar nichts zu bedeuten gehabt, und es war nur Wunschdenken von ihr, dass er sie auf eine besondere Art angesehen hatte.

Gedankenverloren bemerkte Laura, dass die Waschmaschine noch immer nicht lief. Sie füllte das Waschpulver ein und drehte sie auf. Dann ging sie ins Wohnzimmer und steuerte das Regal mit den CD’s an. Sie suchte eine CD aus, die ihrer melancholischen Stimmung entgegenkam, und legte sie in den CD-Spieler.

Kapitel 3

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Es war bereits später Abend, als Mario heimkam. Er hatte den restlichen Nachmittag nach dem Anfängerkurs noch im Kletterzentrum verbracht, und war anschließend mit Freunden in das nahe gelegene Restaurant gegangen, wo sie bei einem ordentlichen Abendessen und ein paar Bierchen den Tag hatten ausklingen lassen. Es war wie immer eine sehr lustige Runde gewesen, aber Mario war heute nicht so recht bei der Sache. Seine Gedanken schweiften ständig ab, und zwar zu Laura. Im ersten Moment, als er sie mit diesem äußerst kessen Höschen stehen gesehen hatte, war er eigentlich ganz und gar nicht begeistert gewesen und hatte sich gefragt, zu was er sich da wieder hatte überreden lassen. Er hatte schon befürchtet, sie wäre eine von denen, die in so einem Aufzug gezielt auf Männerfang gingen, und gleich damit anfangen würde, ihn anzubaggern. Doch ihm lag nichts daran, Frauen abzuschleppen, die sich ihm sofort an den Hals warfen, das war langweilig. Er war vielmehr der Typ, der selber die Initiative ergreifen wollte. Aber zu seiner Überraschung war Laura dann ganz anders gewesen, als der erste Blick hatte vermuten lassen. Klug. Selbstbewusst. Nicht im Mindesten aufdringlich. Und ihr Lachen war bezaubernd. Überhaupt war ihre gesamte Erscheinung sehr seinem Geschmack entsprechend. Sie war schlank, aber nicht zu dünn, und die kurze Hose hatte nicht nur ihre wohlgeformten Beine enthüllt, sondern auch noch ihren knackigen, runden Hintern betont. Auch das T-Shirt war recht eng anliegend gewesen und hatte ihm eine Ahnung von ihren Brüsten vermittelt. B- oder C-Körbchen würde er schätzen, genauso wie er es mochte, nicht zu ausladend, aber immer noch so viel, dass man etwas in der Hand hatte. Ihr schwarzes Haar bildete einen attraktiven Kontrast zu ihrer eher blassen Haut, der vermutlich noch deutlicher hervortrat, wenn sie es offen trug. Aber heute hatte sie die Haare zu einem strengen Knoten hochgesteckt gehabt. Was ihre weibliche Ausstrahlung jedoch in keinster Weise gemindert hatte. Und nicht zu vergessen, diese wunderbaren grünen Augen, mit denen sie ihn jedes Mal so strahlend angesehen hatte, nachdem sie eine Wand erklommen hatte. Oh Mann, diese Frau hatte es ihm wirklich angetan.

Verträumt stellte er sich vor, wie er ihren Haarknoten lösen und ihr dunkles Haar sich in Wellen über ihre Schultern ausbreiten würde. In Gedanken hob er seine Hand und berührte ihre Wange, strich zärtlich zu ihrem Kinn hinunter, ließ sie dann auf ihren Hals gleiten, von wo aus sie wie ganz von allein den Weg zu ihrem Nacken fand. Dann zog er sie zu sich heran und sie blickte mit großen Augen zu ihm auf. Er wollte sie spüren. Sie besitzen. Sie beherrschen.

Mit einem Mal verschwand die schöne Phantasie und Mario musste sich der Tatsache stellen, dass eben dies das Problem war. Den ganzen Abend schon waren seine Gedanken um genau diesen Punkt gekreist. Dass er dominant veranlagt war, wusste Mario schon seit der Pubertät, aber es hatte einige Zeit gedauert, bis er den Mut aufgebracht hatte, auch dazu zu stehen. Was damals nicht wirklich glücklich ausgegangen war. Dabei war er vorsichtig gewesen und bemüht, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Eines Abends hatte er Handschellen mit Plüschfutter hervorgezaubert und seine Freundin gefragt, ob sie sich von ihm ans Bett fesseln lassen würde. Ihre Reaktion darauf war nicht gerade ermutigend gewesen. Völlig entsetzt hatte sie ihn angeschaut und kundgetan, dass ihr das gar nicht gefallen würde. Er konnte sich nicht mehr genau daran erinnern, was sie danach noch alles gesagt hatte. Irgendwas von »perversen Spielen«, und dass das doch nicht normal sei. Angesichts ihres totalen Unverständnisses hatte er dann behauptet, es sei ihm ja gar nicht so wichtig, und er hatte einfach gedacht, ein bisschen Abwechslung würde ihr gefallen. Was sie ihm wohl abgenommen hatte, denn am nächsten Tag war für sie alles wieder eitel Sonnenschein. Aber nicht für ihn. Was am meisten an ihm genagt hatte, war ihr offenbar fehlendes Vertrauen in ihn. Was um Gottes Willen hatte sie denn geglaubt würde er mit ihr machen, wenn sie erst ans Bett gefesselt war? Gut, er hatte da schon gewisse Phantasien gehabt. Aber natürlich hatte er ihr davon nichts erzählt, und auch nicht vorgehabt, irgendetwas davon umzusetzen, wenn sie nicht wollte. Aber sie hatte ihm offensichtlich nicht vertraut. Und es war ihm davor nicht einmal aufgefallen. Seine Phantasien nicht mit ihr ausleben zu können, weil sie keinen Gefallen daran fand, hätte er akzeptieren können. Aber dass sie nicht bereit war, sich wenigstens einmal von ihm ans Bett ketten zu lassen, entzog ihrer Beziehung in seinen Augen jede Grundlage.

Danach hatte er begonnen, Kontakte in BDSM-Kreisen zu knüpfen. Er hatte im Laufe der Zeit mehrere Sklavinnen gehabt, war jedoch nie über die reine Meister-Sklavinnen-Beziehung hinausgegangen. Doch er war zufrieden damit gewesen. Also warum zum Teufel musste er sich jetzt ausgerechnet eine Frau aussuchen, die mit seiner Welt vermutlich gar nichts am Hut hatte! Und um ehrlich zu sein, das Stadium, in dem er bereit gewesen wäre, darauf zu verzichten, hatte er längst hinter sich gelassen. Dazu genoss er die Sessions mit seinen Sklavinnen viel zu sehr. Er wusste genau, dass er auf Dauer unzufrieden sein würde, wenn er wieder so tun müsste, als wäre ihm ganz normaler Vanillasex genug.

Aber trotz aller Schwierigkeiten wollte er diese Frau. Er würde es einfach riskieren müssen. Und er würde sich schnell Gewissheit verschaffen, wie die Chancen standen. Wenn sie ihn schon für pervers befinden wollte, dann sollte sie es tun, solange sie noch schadlos getrennte Wege gehen konnten.

Kapitel 4

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Laura war froh, dass endlich Wochenende war und sie den Stress der vergangenen Tage hinter sich lassen konnte. Es war eine sehr arbeitsreiche Woche gewesen, aber immerhin hatte sie vor lauter Arbeit nicht die Zeit gehabt, zu intensiv über Mario nachzudenken. Nun aber war sie wieder auf dem Weg zu ihrem Kurs und aufgeregt wie ein Teenager. Würde sie ihn heute wiedersehen? Und wie würde dieses Wiedersehen verlaufen?

Als sie die Garderobe betrat, war sie fast ein wenig enttäuscht, Melanie dort anzutreffen. Natürlich war sie froh, dass es ihrer Freundin wieder besser ging, aber die Wahrscheinlichkeit, Mario zu treffen, hatte sich gerade bedeutend verschlechtert. Sie versuchte, den Gedanken zu verdrängen und sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

»Hallo, Melanie, wie geht es dir? Hast du dich schon wieder ausreichend erholt?«

»Es geht so, ich werde mich wohl heute noch ein bisschen schonen müssen. Aber mir fällt zu Hause schon die Decke auf den Kopf. Nach einer Woche wird nur Faulenzen und Fernsehen auch ganz schön öde.«

»Ich weiß genau, was du meinst. Und das, was so in der Flimmerkiste läuft, ist ja auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei.«

»Das kannst du laut sagen. Ein Glück, dass es Serien auf DVD gibt. So habe ich die letzte Woche damit verbracht, mir drei Staffeln ›24‹ auch nahezu in Echtzeit anzusehen. Und was hat sich hier so getan? Habe ich letztes Mal etwas verpasst?«

»Nein, eigentlich nicht.«

Außer, dass ich mich total verknallt habe in einen Mann, den ich kaum zwei Stunden kenne.

***

Obwohl Laura sich wirklich Mühe gab, sich zu konzentrieren, schweiften ihre Gedanken während des Kurses dennoch ständig zu Mario ab. Es ließ sich nicht länger leugnen, sie war zutiefst enttäuscht, ihn nicht getroffen zu haben. Und womöglich würde sie ihn so bald auch nicht wiedersehen. Er hatte zwar gesagt, dass er regelmäßig herkam, aber das musste noch lange nicht während ihres Kurses sein. Vielleicht sollte sie versuchen herauszufinden, wann er üblicherweise anzutreffen war.

»Hallo, Laura.«

Erschrocken zuckte Laura zusammen und hätte beinahe einen Sprung zur Seite gemacht. Sie war so in ihre Gedanken vertieft gewesen, dass sie gar nicht gemerkt hatte, dass sich ihr jemand von hinten genähert hatte. Nein, nicht jemand ... Mario! Sie musste einmal tief durchatmen, um den Schock abzuschütteln, bevor sie etwas erwidern konnte.

»Oh, hallo, Mario.«

Er betrachtete sie, anscheinend ohne die geringste Spur von Reue, sie so erschreckt zu haben. Im Gegenteil, er schien eher belustigt über ihre Reaktion. Laura hatte das Gefühl, etwas dazu sagen zu müssen, um sich nicht völlig zum Affen zu machen. Sonst glaubte er womöglich noch, sie sei paranoid oder hysterisch, oder sonst was.

»Du hast mich ganz schön erschreckt. Ich bin gerade so in Gedanken gewesen, dass ich dich gar nicht bemerkt habe.«

Ein Glück, dass er nicht wusste, woran sie gedacht hatte.

»Das müssen ja interessante Gedanken sein, dass du überhaupt nichts mehr mitbekommst von dem, was um dich herum geschieht. Woran hast du denn gedacht?«

Die Frage klang harmlos, aber Laura bildete sich ein, da einen ganz leisen Unterton herausgehört zu haben. Er konnte doch unmöglich vermuten, dass sie an ihn gedacht hatte. Außer, er war so eingebildet zu glauben, dass alle Frauen ständig nur an ihn dachten. Doch als sie seinem Blick begegnete, hatte sie das Gefühl, er würde bis in ihr Innerstes schauen.

Blödsinn, jetzt wirst du wirklich paranoid.

Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen und bastelte schnell eine Ausrede. »Ach, nichts Besonderes, meine Eltern kommen morgen zum Mittagessen, und ich habe nochmal überlegt, ob ich alles zu Hause habe, oder ob ich nachher noch schnell einkaufen gehen muss.«

Er sah ihr direkt in die Augen, sein Mund verzog sich zu einem leichten Lächeln. Plötzlich fühlten sich Lauras Wangen an, als würden sie in Flammen stehen, und sie befürchtete, gerade knallrot zu werden. Er wusste, dass sie ihn angelogen hatte! Eben war sie noch so stolz auf sich gewesen, dass sie die Situation so souverän gemeistert hatte. Sie hatte das Gefühl gehabt, absolut glaubhaft und unverdächtig geklungen zu haben, aber er hatte sie dennoch durchschaut. Sie wusste nicht einmal genau, woher sie diese Gewissheit überhaupt nahm, es lag irgendwie an der Art, wie er sie ansah. Sein Lächeln schien unverfänglich, aber das war es nicht, da war sie sich ganz sicher. Und selbst wenn sie sich geirrt haben sollte, würde er es jetzt mit Sicherheit wissen. So heiß wie sich ihre Wangen anfühlten, mussten sie einfach rot leuchten.

»Und?«, fragte Mario plötzlich ganz unschuldig.

»Äh, wie und?«

Es war, als wäre jeder klare Gedanke aus ihrem Kopf entwichen und nur noch ein chaotisches Durcheinander zurückgeblieben.

»Musst du?«

»Was?«

»Na, einkaufen gehen.«

»Ach so! Nein, ich glaube, ich hab alles.«

Verlegen wandte Laura den Blick ab. Sie hatte das Gefühl, dass sie gerade dabei war, einen kompletten Idioten aus sich zu machen.

Mario hingegen war durchaus zufrieden mit sich. Es gefiel ihm, dass er die Kontrolle über die Situation hatte. Mit der Zeit hatte er gelernt, auch auf kleine Zeichen zu achten, die viel über das Befinden des anderen aussagen konnten. Und das mit der Einkaufsliste war definitiv erstunken und erlogen gewesen, sonst hätte sie nicht so nervös reagiert. Wie zum Beweis war dann auch noch eine zarte Röte über ihre blassen Wangen gezogen, die ihm letzte Gewissheit gegeben hatte. Es war ein wunderschöner Anblick gewesen, sie so dastehen zu sehen, so unglaublich zart und verletzlich. Allerdings hatte er nicht riskieren wollen, es schon zu früh zu weit zu treiben, indem er genauer nachhakte, was sie denn tatsächlich so beschäftigt hatte. Daher hatte er das Gespräch einfach ganz unbefangen fortgesetzt. Sie wusste ohnehin, dass sie aufgeflogen war, weshalb sie jetzt wohl auch dastand, als wolle sie am liebsten im Erdboden versinken. Interessant wäre es schon gewesen zu wissen, woran sie tatsächlich gedacht hatte. Mario hatte da so eine Theorie, aber wahrscheinlich war hier eher der Wunsch Vater des Gedanken. Als er sie angesprochen hatte, hatte sie ihn für einen Sekundenbruchteil angestarrt, als wäre er ein Geist. Als hätte sich ihr Phantasiebild von ihm plötzlich vor ihren Augen in Fleisch und Blut verwandelt. Aber wie auch immer, es wurde Zeit, Laura aus dieser unangenehmen Situation zu erlösen, bevor sie noch auf die Idee kam, die Flucht zu ergreifen.

»Gut. Das heißt dann wohl, du hast nachher nichts vor und könntest mit mir eine Kleinigkeit essen gehen.«

Laura sah ihn einigermaßen überrascht an. Nach der peinlichen Vorstellung, die sie hier gerade geliefert hatte, war das das Letzte gewesen, womit sie gerechnet hatte.

»Ja, warum nicht. Ich habe heute tatsächlich nichts mehr vor, und hungrig bin ich auch schon.«

»Okay, dann treffen wir uns, wenn du fertig bist, vor den Umkleidekabinen.«

Laura bemühte sich um ein selbstbewusstes Lächeln, aber es kam ihr reichlich schüchtern vor.

Mario hingegen zog äußerst zufrieden mit sich von dannen.

Kapitel 5

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Das schrille Geräusch der Trillerpfeife ertönte und beendete damit die Unterrichtsstunde. Eigentlich wollte Laura schnell verschwinden, doch Rick erwischte sie gerade noch vorm Umkleideraum. »Laura, hast du noch eine Minute Zeit?«

Eigentlich nicht. »Klar doch.«

»Nächste Woche werden wir durchnehmen, wie man einen schwereren Partner sichert. Ich habe gesehen, dass du es von Mario letzte Woche schon gelernt hast, und würde es deshalb gern mit dir vorzeigen.«

»Sicher, wenn du meinst, dass ich das kann.«

»Davon gehe ich mal aus, nachdem Mario es dir beigebracht hat. Er ist berüchtigt dafür, seine Schüler immer zur Perfektion zu drillen.«

»Seine Schüler?«

»Ja, er hält einen Kurs für Fortgeschrittene. Wusstest du das nicht?«

»Nein, das hat er irgendwie vergessen zu erwähnen, als ich ihn danach gefragt hab, wie weit fortgeschritten er schon ist.«

Rick grinste wissend. »Das sieht Mario ähnlich.«

Laura wartete darauf, dass der Trainer mehr erzählen würde, doch offenbar wollte er das nicht weiter vertiefen.

»Also dann sehen wir uns nächste Woche.«

»Ja, bis nächste Woche.«

***

Laura war ziemlich aufgeregt, als sie die Umkleidekabine verließ, doch sie hatte vor, sich das auf keinen Fall anmerken zu lassen. Voller Selbstbewusstsein ging sie auf Mario zu, der schon auf dem Gang auf sie wartete. Es gab keinen Grund nervös zu sein, immerhin war das ja bei weitem nicht ihr erstes Date. Außerdem war es nicht einmal wirklich ein Date, sondern nur ein spontanes Essen zusammen. Und im Übrigen war sie noch nie nervös gewesen vor einer Verabredung. Allerdings war ihr auch noch nie so viel daran gelegen gewesen, einen möglichst guten Eindruck zu machen. Umso mehr, als sie heute bereits eindrucksvoll mitten ins Fettnäpfchen getreten war. Zum ersten Mal hatte Laura die Befürchtung, dass heute Abend nicht sie diejenige sein würde, die nach passenden Worten suchte, um ihrer Verabredung zu verstehen zu geben, dass es zwar nett gewesen war, aber auch nicht mehr. Doch darüber wollte sie jetzt nicht länger nachdenken. Sie beschloss, die Dinge auf sich zukommen zu lassen, und einfach sie selbst zu sein. Denn mehr konnte sie ohnehin nicht tun. Sie würde sich sicher nicht dazu herablassen, sich zu verstellen, nur um ihm zu gefallen.

»Und, hast du schon eine Idee, wo wir hingehen könnten?«, fragte Laura.

»Ja, ich hatte da an das ›Lumberjack‹ gedacht.«

»Das sagt mir nichts.«

»Es ist einige Kilometer von Mississauga entfernt am Rand eines Wäldchens gelegen. Ein gemütliches Lokal, wo bodenständige Hausmannskost serviert wird.«

»Hausmannskost klingt gut. Und um dich gleich vorzuwarnen und dir möglicherweise peinliche Aussagen beim Bestellen zu ersparen, nein, ich fürchte mich nicht vor den vielen Kalorien.«

»Das ist gut, für Diätwahn habe ich nämlich nichts übrig.«

Mario war sehr erfreut, dass Laura offenbar schnell zu ihrem Gleichgewicht zurückgefunden hatte und ihm nun wieder so unbefangen begegnete, wie er sie letzte Woche kennengelernt hatte. Er wollte keine Frau, die sich so einfach von ihm unterbuttern ließ. Auf den ersten Blick klang das zwar vielleicht seltsam, wenn man bedachte, dass für ihn der besondere Kick ja genau darin lag, Frauen zu unterwerfen. Aber er wollte nicht, dass sie sich ihm einfach nur aus mangelndem Selbstwertgefühl unterordneten. Es würde viel reizvoller sein, eine Frau wie Laura dazu zu bringen, sich ihm zu unterwerfen. Und falls sie tatsächlich unerfahren in diesen Dingen war, würde der Moment ihrer Unterwerfung sogar noch schöner werden.

Kapitel 6

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Auf dem Parkplatz des Lumberjack angekommen, nahm Laura sich nach dem Aussteigen einen Moment Zeit, den Wald um sie herum mit allen Sinnen wahrzunehmen. Die Luft war angenehm, nicht so warm wie in der Stadt, aber es versprach dennoch ein lauer Frühsommerabend zu werden. Sie nahm einen tiefen Atemzug der frischen Luft und genoss die typischen Gerüche des Waldes. Nachdem sie sich nach allen Seiten umgeschaut hatte, um die wunderschöne Umgebung zu betrachten, ging sie los in Richtung des Eingangs des Lokals. Ohne auch nur darüber nachzudenken, wollte sie die Tür öffnen, doch Mario legte rasch seine Hand auf ihre und hielt sie davon ab.

»Eine Frau sollte nicht für einen Mann die Tür öffnen müssen. Es ist viel besser, wenn du mich das machen lässt.«

Obwohl er sie freundlich anlächelte, sagte sein Blick eindeutig, dass er keinen Widerspruch dulden würde. Sanft aber bestimmt zog er ihre Hand von der Türklinke, während er selber mit der anderen Hand danach griff und die Tür öffnete. Er zog die gefassten Hände in Richtung des Eingangs und ließ ihr den Vortritt. Laura fand diese Einstellung zwar ein wenig altmodisch, aber wenn er unbedingt den Gentleman geben wollte, würde sie ihm die Freude lassen.

Mario wählte für sie einen Tisch in einer ruhigen Ecke aus, an dem sie sich ungestört unterhalten konnten. Sofort kam der Kellner mit der Speisekarte. Entgegen ihrer vorherigen Ankündigung entschied sich Laura dann aber doch nicht für eine Kalorienbombe, sondern für einen Chefsalat, woraufhin Mario vielsagend die Augenbrauen hochzog.

»Was denn? Ich hab eben gerade Lust auf Salat. Das hat nichts mit Kalorien zu tun!«

Mario zuckte mit den Schultern und hob leicht abwehrend die Hände, während er mit Unschuldsmiene verkündete: »Ich hab nichts gesagt.«

Laura wollte ihm eigentlich einen strengen Blick zuwerfen, um ihre Worte zu untermauern, konnte sich aber angesichts seines total unschuldigen Gesichtsausdrucks das Lachen nicht verkneifen, was auch Marios Selbstbeherrschung zu Fall brachte.

»Langsam kommt mir der Verdacht, es macht dir Spaß, dich auf meine Kosten zu amüsieren«, mutmaßte Laura.

»Das würde ich nie wagen.«

»Wirklich? Also ich würde wetten, du hast es letzte Woche ziemlich erheiternd gefunden, dass ich keine Ahnung hatte, dass du nicht in einen Kurs gehst, sondern einen hältst. Jetzt weiß ich wenigstens, was dieses sonderbare Lächeln zu bedeuten hatte.«

»Nun, das war tatsächlich amüsant, aber meine Antwort war wahrheitsgemäß, und du willst es mir doch jetzt nicht zum Vorwurf machen, dass ich nicht mit meinem Können geprahlt habe. Das hätte dich bloß verunsichert.«

»Wie lange kletterst denn du schon?«

»Ich habe mit acht angefangen.«

Ach herrje, da hatte sie sich wirklich ganz schön verschätzt. Zeit, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken.

»Und wie alt bist du jetzt?«

Mario lehnte sich in seinem Sessel zurück. Er betrachtete Laura einen Moment, ehe er süffisant antwortete: »Ist es nicht interessant, wie ungeniert Frauen diese Frage stellen, auf die sie selbst so empfindlich reagieren?«

»Das ist doch nur ein dummes Klischee. Ich bin da jedenfalls nicht empfindlich, falls es dich interessiert, ich bin achtundzwanzig.«

»So? Und dass man Frauen nicht nach ihrem Gewicht fragen darf, ist wohl auch nur ein Klischee?«

»Das ist was anderes.«

»Also ist das ein zutreffendes Klischee.«

»Nein, ist es nicht.«

»Warum machen Frauen dann immer so ein Geheimnis daraus?«

»Keine Ahnung, ich mache kein Geheimnis daraus, von mir aus kann jeder wissen, dass ich fünfundfünfzig Kilo wiege.«

Eigentlich wollte Laura noch etwas sagen, aber der Kellner mit dem Essen kam ihr dazwischen und brachte sie aus dem Konzept.

Mario hingegen kam die Unterbrechung sehr gelegen. Eine günstige Gelegenheit spontan das Thema zu wechseln. »Wohnst du eigentlich in Mississauga oder bist du von außerhalb?«

»Ich bin nach meinem Studienabschluss letztes Jahr aus Toronto hierhergezogen.«

Zufrieden damit, das Gespräch dahin gelenkt zu haben, dass Laura ihm mehr von sich offenbarte, hörte Mario gespannt zu, wie sie von ihrer Arbeit und ihrem Studium erzählte.

Kapitel 7

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Obwohl sie nach dem Essen noch einige Zeit sitzengeblieben waren, um sich weiter zu unterhalten, kam es Laura doch viel zu kurz vor, als Mario schließlich nach der Rechnung verlangte und sich anschickte, aufbrechen zu wollen.

»Du schuldest mir noch etwas.«

Überrascht blickte Mario sie an. »Ich wüsste nicht was.«

Jetzt war es Laura, die sich selbstgefällig zurücklehnte. »Zwei Zahlen. Keine große Sache. Du hast doch nicht wirklich geglaubt, du würdest damit durchkommen, mich so zu überrumpeln und dann einfach das Thema zu wechseln.«

Lächelnd zog Mario Laura von ihrem Sessel hoch.

»Ich bin einunddreißig und wiege zweiundachtzig Kilo.«

»Siehst du, das hat doch gar nicht weh getan.«

Triumphierend ging Laura voran. Das war wohl ein Punkt für sie. Aber in Wahrheit gefiel es Mario, dass sie sich nicht von ihm über den Tisch hatte ziehen lassen.

Als sie zur Tür kamen, wollte Laura schon die Hand ausstrecken, zögerte dann aber und blickte mit einem entschuldigenden Gesichtsausdruck zu Mario, der gerade neben sie trat. Zufrieden lächelnd öffnete er für sie die Tür.

Laura glaubte, es gefiel ihm einfach, dass sie ihn den Gentleman spielen ließ. In Wahrheit war es etwas ganz anderes, das ihn erfreute. Sie hatte einen Befehl von ihm befolgt. Zwar nur einen kleinen, und es war auch nicht so direkt ein Befehl gewesen, aber sie hatte sich seinem Willen gefügt. Natürlich war ihm klar, dass das nichts zu bedeuteten hatte, aber er war trotzdem zufrieden. Sehr zufrieden sogar.

»Hast du Lust, noch ein bisschen im Wald spazieren zu gehen? Es gibt ganz in der Nähe einen Aussichtsturm, von dem aus man einen tollen Blick über die Umgebung hat.«

Lauras Augen leuchteten angesichts der Möglichkeit, noch etwas mehr Zeit mit Mario verbringen zu können.

»Ja, sehr gern.«

Einladend hielt Mario ihr die Hand hin. Als sie danach griff, schlossen sich seine Finger bestimmt um ihre. Die Geste hatte etwas sehr besitzergreifendes an sich. Unvermittelt kam ihr plötzlich der Gedanke, Mario könnte sie einfach schnappen und davontragen, ohne dass sie eine Chance hätte, sich dagegen zu wehren. Und fasziniert, wie sie von ihm war, hätte sie es wohl auch gar nicht versucht. Ein angenehmes Kribbeln lief bei dieser Vorstellung durch ihren Körper. Ihr Blick wanderte von den gefassten Händen zu Marios Gesicht hinauf. Auf seinen Lippen lag immer noch dieses sanfte Lächeln, aber in seinen Augen schimmerte ein gefährliches Glitzern. Mit einem Mal hatte sie das Gefühl, dass ihre sonderbaren Ideen vielleicht gar nicht so abwegig waren. Während Laura noch versuchte, ihre Gedanken zu ordnen, setzte Mario sich auch schon in Bewegung und zog sie sanft, aber bestimmt mit sich. Verwirrt trottete Laura hinter ihm her und schloss an seine Seite auf, wobei sie immer noch ein klein wenig hinter ihm ging.

Es war eine eigenartige Erfahrung. So etwas war ihr definitiv noch nie passiert, dass ein Mann sie wie ein kleines Kind an der Hand führte. Und noch merkwürdiger war die Tatsache, dass sie sich das widerspruchslos gefallen ließ. Was war nur los mit ihr? Eine leise Stimme regte sich in ihr, die ihr befahl, sich gegen sein überhebliches Verhalten zu wehren und ihm klarzumachen, dass sie sich von Männern grundsätzlich nicht bevormunden ließ. Aber eigentlich wollte sie das gar nicht. Sich das einzugestehen, fiel ihr schwer, aber die Wahrheit war, dass es ihr im Gegenteil sogar ausgesprochen gut gefiel. Es fühlte sich angenehm an, sich um nichts kümmern zu müssen und einfach ihm die Führung zu überlassen. Und das alles bewirkte er nur mit seiner Art, ihre Hand zu halten. Es gab ihr so ein unglaubliches Gefühl der Geborgenheit und des Beschütztwerdens.

Wovor denn? Du hast es nicht nötig, dich beschützen zu lassen, schließlich bist du eine erwachsene Frau und kannst selbst auf dich aufpassen. Noch dazu, wo es hier nicht einmal irgendetwas gibt, wovor man beschützt werden müsste. Wo bleibt deine Selbstachtung?

Doch Laura wollte die Stimme der Vernunft nicht hören. Ein überwältigendes Bedürfnis überkam sie, sich an Mario anzuschmiegen und ihm willenlos zu folgen, wohin auch immer er sie führen würde.

Kapitel 8

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Nach etwa zehn Minuten Fußmarsch kamen sie zur Aussichtswarte. Sie war aus Holz und sehr offen gebaut. Die Stiege bestand aus massiven Holzbrettern, wobei die Stirnseite der Stufen offen war. Zu beiden Seiten wurde sie von einem Geländer begrenzt, das Laura fast bis zur Brust reichte. Nach vier Stockwerken erreichte man die Aussichtsplattform, die den gesamten Turm überdeckte.

Laura hatte nicht damit gerechnet, dass die Warte so hoch sein würde. Aber die Aussicht von da oben musste wirklich phantastisch sein, genau wie Mario es versprochen hatte. Enthusiastisch stieg sie das erste Stockwerk hinauf, dicht gefolgt von Mario.

Anfangs legte sie ein ganz schönes Tempo vor, das jedoch nach der ersten Umrundung deutlich nachzulassen begann. Während ihre Hand vorher noch sehr locker über den Handlauf geglitten war, hatte Mario nun den Eindruck, dass sie ihn immer fester umschloss. Am Fuß der nächsten Stiege zögerte sie. Ganz vorsichtig streckte sie den Kopf ein wenig nach links, um einen Blick über das Geländer werfen zu können. Schnell wandte sie sich wieder der vor ihr liegenden Stiege zu und atmete einmal tief durch, bevor sie weiterging. Mario konnte nun deutlich erkennen, dass sie den Handlauf mit ihren Händen so fest umklammert hielt, als hinge ihr Leben davon ab. Langsam stiegen sie weiter hinauf, doch die letzten paar Stufen vor dem nächsten Eckplateau nahm Laura dann plötzlich im Laufschritt. Dort angekommen, stellte sie sich möglichst mittig hin, ohne dabei jedoch das Geländer loszulassen, den Blick starr auf den Holzboden unter ihr gerichtet. Verwirrt runzelte Mario die Stirn. Laura hatte ganz offensichtlich Höhenangst. Das war ihm beim Klettern gar nicht aufgefallen.

»Alles in Ordnung mit dir?«, wollte er wissen.

»Ja, es geht schon, wir sind ja gleich oben.«

Laura versuchte, ihn zuversichtlich anzulächeln, aber es sah sehr gequält aus.

Sie zwang ihre Füße, sich zu der nächsten Stiege zu begeben. Die offenen Stufen machten es ihr unmöglich, sich auf einen festen Boden vor ihr zu konzentrieren.

Nur nicht nach unten schauen. Schau bloß nicht runter, immer nur nach oben schauen.

Wie ein Mantra wiederholte sie es immer wieder in ihrem Kopf. Auf der letzten Stiege beschleunigten sich Lauras Schritte wieder. Durch das offene Geländer konnte sie eine Bank auf der Aussichtsplattform ausmachen. Ohne den Handlauf eine Sekunde loszulassen, rannte sie hinauf, wirbelte um den abschließenden Pfeiler und ließ sich fix und fertig auf die Bank sinken. Sie hatte zwar nun den Stiegenaufgang im Rücken, aber immerhin war sie möglichst weit vom äußeren Geländer entfernt.

Mario hockte sich vor ihr hin und nahm ihre Hände in seine. Sie waren feucht vom Schweiß und zitterten spürbar. Er streichelte sie beruhigend, und nachdem Laura einige tiefe Atemzüge genommen hatte, begann sie, sich wieder etwas zu entspannen.

Wie hatte ihm das nur entgehen können? So wie sie hier im Moment vor ihm saß, war es ihm rätselhaft, wie sie es schaffte, die hohen Wände im Kletterzentrum zu erklimmen. Und erst recht fragte er sich, was sie überhaupt dazu bewogen hatte, sich ausgerechnet dieses Hobby auszusuchen.

»Wieso hast du mir nicht gesagt, dass du solche Höhenangst hast? Dann hätte ich dich doch nicht hier heraufgescheucht.«

»Das ist schon okay. Ich wollte raufgehen. Ich mag Aussichtstürme. Auch wenn das Rauf- und Runtergehen jedes Mal die Hölle ist. Diesmal war es besonders schlimm wegen der offenen Stufen. Aber die schöne Aussicht ist es mir wert.«

»Und wie kommt man trotz Höhenangst auf die Idee, einen Kletterkurs anzufangen?«

»Beim Klettern ist das anders. Durch den Sicherungsgurt weiß ich, dass ich nicht abstürzen kann. Es ist nicht direkt die Höhe, die mir Angst macht, sondern die Panik davor, runterzufallen. Vor allem, wenn noch andere Leute in der Nähe sind. Das klingt jetzt sicher blöd, aber ich habe immer Angst, dass mich einer anrempelt und ich über das Geländer falle.«

Sie lächelte verlegen. Warum erzählte sie ihm das eigentlich so freimütig? »Wahrscheinlich hältst du mich jetzt für paranoid.«

»Nein, das tu ich nicht«, versicherte ihr Mario sofort aufrichtig.

»Das Klettern funktioniert recht gut, solange ich nicht nach unten schaue und sehe, wie hoch ich eigentlich schon oben bin. Wenn ich einmal hinunterschaue, ist es vorbei, dann kann ich nicht mehr weiterklettern. Ich muss mich dann abseilen und es neu versuchen.«

Mario schalt sich im Stillen selbst einen Idioten. Es war ihm tatsächlich aufgefallen, dass Laura konsequent nur die Wand über ihr angeschaut hatte. Selbst als sie einmal nicht mehr weitergekommen war, hatte sie ihn keines Blickes gewürdigt, als er versucht hatte, ihr zu helfen. Er hatte sich schon gefragt, was dieses merkwürdige Verhalten zu bedeuten gehabt hatte. Vielleicht, dass sie zu eigensinnig war, seine Hilfe anzunehmen. Aber daran, dass sie einfach Angst davor haben könnte, hinunterzuschauen, hatte er überhaupt nicht gedacht.

Eine Weile schwiegen sie, und Laura ließ den Blick über die Umgebung schweifen. Der Ausblick war wirklich phantastisch und rechtfertigte die Mühen des Aufstiegs allemal.

Mario erhob sich und ging auf das Geländer zu. Dann drehte er sich zu Laura um und streckte ihr die Hand entgegen. »Komm zu mir.«

Sein Tonfall war ermutigend, sein Blick zuversichtlich. In Wahrheit war Mario sich aber keineswegs sicher, ob Laura sich wirklich darauf einlassen würde.

Kapitel 9

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Sie sah plötzlich sehr blass aus, und ihre Finger krallten sich um die Vorderkante der Bank, auf der sie saß. Er konnte sehen, wie sie mit sich haderte.

Laura wollte ihm diesen Gefallen wirklich gern tun, aber konnte sie es? Schon allein der Anblick von Mario, der so nahe am Geländer stand, ließ ihr den kalten Schweiß ausbrechen. Und nun sollte sie auch noch zu ihm kommen. Aber sie wollte auch nicht als Hasenfuß vor ihm dastehen. Sie würde ihrem Körper ihren Willen aufzwingen, aufstehen und einfach einen Fuß vor den anderen setzten. Ja, genau das würde sie tun. Doch so schlicht es sich anhörte, in der Praxis war es bei weitem nicht so leicht umzusetzen. Als Laura aufstand, zitterten ihre Beine, und sie hatte das Gefühl, auf rohen Eiern zu gehen. Aber sie schob sich langsam und stetig vorwärts, bis sie schließlich mit der ausgestreckten Hand Marios Fingerspitzen berühren konnte.

Mario zog sie sanft zu sich heran und umarmte sie. Er blieb einen Moment so mit ihr stehen, damit sie sich ein wenig entspannen konnte. Dann nahm er sie bei den Schultern und drehte sie um, sodass sie mit dem Rücken zu ihm stand. Sein Arm wanderte über ihren Bauch und drückte sie an sich. Der enge Kontakt mit ihm schien ihr alles andere als unangenehm zu sein, also wagte Mario den nächsten Schritt. Sie so haltend drehte er sich mit ihr zusammen, bis sie dem Geländer zugewandt waren.

Als Laura bewusst wurde, wie nahe sie am Rand stand, versuchte sie automatisch, nach hinten zurückzuweichen, aber Mario war wie eine Wand hinter ihr. Beruhigend streichelte er über ihren rechten Arm. Sie versuchte sich zusammenzureißen, doch gerade als sie begann, sich nicht mehr ganz so unwohl zu fühlen, machte Mario einen Schritt nach vorn und schob sie mit sich. Ein unterdrückter Aufschrei entrang sich ihrer Kehle, während heiße Panik in ihr aufstieg. Ihr Herz raste und ihre Knie wurden weich, sodass sie fürchtete, sie würden ihr den Dienst versagen. Wieder versuchte sie, Mario zurückzuschieben, was aber vollkommen aussichtslos war. Als sie Anstalten machte, sich aus seinem Griff befreien zu wollen, zog er sie noch fester an sich und umfasste mit der anderen Hand ihre Handgelenke, sodass sie sich kaum noch rühren konnte. Dicht an ihrem Ohr flüsterte er ihr beruhigende Worte zu. »Ganz ruhig, Laura. Es kann dir nichts passieren. Entspann dich.«

Sein Tonfall war gebieterisch und Laura wurde klar, dass er erwartete, dass sie sich fügte. Was sie auch ehrlich gern getan hätte, wenn sie es nur vermocht hätte. Sie versuchte sich soweit zu drehen, dass sie ihn anschauen konnte.

»Mario, bitte …«

Getrieben von ihrer panischen Angst war sie sogar bereit ihn anzuflehen. Egal wie peinlich ihr das im Nachhinein sein würde. Aber Mario schien unerweichlich zu sein. Sein Gesichtsausdruck war unergründlich, seine Stimme klang verführerisch, als er ihr zuflüsterte: »Vertrau mir, Laura. Lass dich einfach fallen, ich werde da sein, um dich aufzufangen.«