Berlin Alexanderplatz. Königs Erläuterungen. - Alfred Döblin - E-Book
Beschreibung

Königs Erläuterung zu Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben. In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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MOBI

Seitenzahl:146


KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 393

Textanalyse und Interpretation zu

Alfred Döblin

BERLIN ALEXANDERPLATZ

Bernd Matzkowski

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgabe: Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 49. Auflage 2011.

Über den Autor dieser Erläuterung: Bernd Matzkowski ist 1952 geboren. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Lehrer (Oberstudienrat) am Heisenberg-Gymnasium Gladbeck. Fächer: Deutsch, Sozialwissenschaften, Politik, Literatur/Theater.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2013

ISBN 978-3-8044-6993-8

© 2003, 2013 by Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: Alexanderplatz in Berlin 1928/29 © ullstein bild – Süddeutsche Zeitung Photo/Scherl

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Alfred Döblin: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

Erstes Buch

Zweites Buch

Drittes Buch

Viertes Buch

Fünftes Buch

Sechstes Buch

Siebtes Buch

Achtes Buch

Neuntes Buch

3.3 Aufbau

Zur Rolle des Erzählers

Kompositionsstruktur

Zeit

Assoziationen und Leitmotive

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Franz Biberkopf

Reinhold

Eva und Herbert

Mieze

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 **

Aufgabe 4 ***

Literatur

Zitierte Ausgabe

Weitere Schriften Alfred Döblins

Materialien

Lernhilfen und Kommentare

Sekundärliteratur

Medien

Verfilmungen

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in diesem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessanteste gleich entdeckt, folgt hier eine Übersicht.

Das zweite Kapitel beschreibt Alfred Döblins Leben und stellt den zeitgeschichtlichen Hintergrund vor:

Der 1878 in Stettin geborene Alfred Döblin lebte bis 1957, viele Jahre davon in Berlin, wo er ab seinem zehnten Lebensjahr aufwuchs. Am Tag nach dem Reichstagsbrand im Jahre 1933 verlässt Döblin Deutschland, lebt zunächst in Zürich und dann in Paris. 1936 erhält er die französische Staatsbürgerschaft und siedelt 1940 in die USA über.

1945 kehrt er nach Deutschland zurück und lebt zeitweilig in Baden-Baden, Mainz, danach drei Jahre in Frankreich, dann in Freiburg und schließlich in Emmendingen, wo er am 26. Juni  1957 stirbt. Während seines USA-Aufenthalts konvertiert er gemeinsam mit seiner Frau Erna und seinem Sohn Stephan vom Judentum zum Katholizismus.

Sein Roman Berlin Alexanderplatz erscheint in einer Zeit, in der Berlin zu einer führenden Metropole aufgestiegen ist. Zu Beginn der 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl des Großraums Berlin auf vier Millionen angewachsen. In Berlin konzentrieren sich die geistigen Strömungen der Zeit, aber auch die politischen Widersprüche und Auseinandersetzungen. Berlin ist in dieser Zeit das Zentrum der Wissenschaft, der Publizistik, des Verkehrs und der Kultur.

Vor Berlin Alexanderplatz hat Döblin bereits einige Werke veröffentlicht und Literaturpreise erhalten, so z. B. den Fontane-Preis. Berlin Alexanderplatz wird jedoch sein größter Erfolg.

Im dritten Kapitel geht es um die Textanalyse und -interpretation.

Berlin Alexanderplatz − Entstehung und Quellen:

Der Beginn der Arbeit am Roman kann auf das Jahr 1927 datiert werden. Döblin hat nach eigenen Angaben das Grundmotiv des Romans durch seine Arbeit als Arzt gewonnen, die ihm Einblick in das kriminelle Milieu Berlins verschafft hat, da Kriminelle zu seinen Patienten gehörten. Eine weitere Grundlage bildet seine Schrift Das Ich über der Natur, in der er die Welt als eine Welt des Aufbaus und Zerfalls beschreibt. Hinzu kommen als „Quelle“ seine guten Ortskenntnisse des Berliner Ostens, in dem er aufgewachsen ist.

Inhalt:

Der Handlungskern des Romans schildert die Geschichte des Transportarbeiters und Kriminellen Franz Biberkopf. Er wird zu Beginn des Romans aus der Haftanstalt Tegel entlassen und hat den Vorsatz gefasst, von nun an ein anständiger Mensch zu sein. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, im Alltagsleben Fuß zu fassen, rutscht er doch wieder in die Kriminalität ab. Nach einem Einbruch verdächtigt Reinhold, der Anführer einer Bande, Biberkopf, die Bande verraten zu haben und wirft Franz aus dem fahrenden Fluchtauto, was Biberkopf den rechten Arm kostet. Trotz dieses Vorfalls sucht Biberkopf den Kontakt zu Reinholds Bande und schließt sich ihr an. Franz hat inzwischen (die von ihm so genannte) Mieze kennengelernt, mit der er zusammenlebt. Mieze wird von Reinhold ermordet, worauf hin Biberkopf Reinholds Haus anzündet. Bei einer Schießerei mit Polizisten wird Biberkopf verhaftet und aufgrund seines Geisteszustandes in die Irrenanstalt Buch verlegt. Dort kämpft er in einem Dämmerzustand mit sich, seinen Taten und seinem Gewissen und kommt in der Zwiesprache mit dem Tod zur Erkenntnis, dass er allen Hochmut aufgeben muss. Er erwacht als ein „neuer Biberkopf“ aus seinem Dämmerzustand, wird aus der Anstalt entlassen, sagt in einem Prozess gegen Reinhold aus und bekommt schließlich eine Stelle als Hilfsportier in einer Fabrik.

Aufbau:

Der Roman besteht aus einem Prolog und neun unterschiedlich langen „Büchern“, die − legt man das Fünf-Akt-Schema eines Dramas an den Roman an − um das fünfte „Buch“ gruppiert sind, in dem Biberkopf seinen Vorsatz, anständig zu bleiben, aufgibt und in dem er Reinhold begegnet. Folgt man diesem Schema weiter, so lassen sich Bezüge zwischen dem ersten und dem neunten Buch (Entlassung aus Tegel, Entlassung aus der Anstalt), dem zweiten und dem achten Buch (Reaktion auf die Entlassung/Reaktion auf den „dritten Schlag“, den Biberkopf erhält), dem dritten und dem siebten „Buch“ (erster Schlag/dritter Schlag) sowie dem vierten und sechsten Buch (Reaktion auf den ersten Schlag/Reaktion auf den zweiten Schlag) herstellen. Die „Bücher“ sind in unterschiedlich lange Kapitel eingeteilt und weisen alle eine Vorrede auf, eine Art Vorausdeutung auf Kommendes, häufig metaphorisch formuliert. Im Prolog werden u. a. die drei „Schläge“, die Biberkopf treffen, angekündigt (im siebten Buch besteht der dritte Schlag im Verlust Miezes). Diese Schläge und Biberkopfs Reaktionen darauf sind nach dem Prinzip der Wiederholung und Steigerung organisiert. Das erste und neunte Buch haben eine Rahmenfunktion: In beiden Büchern sehen wir Biberkopf am Alexanderplatz stehen.

Personen:

Die Hauptpersonen sind

Franz Biberkopf:

Der ehemalige Transportarbeiter hat wegen Totschlags in Tegel gesessen und nimmt sich bei seiner Entlassung vor, anständig zu bleiben; politisch ist er eher indifferent.

Er findet sich nach seiner Entlassung im Leben nicht zurecht und gerät wieder auf die schiefe Bahn. Er versucht, seine Probleme alleine zu lösen und scheitert.

Aus Naivität und Hochmut unterschätzt er Reinhold und dessen kriminelle Energie.

In der Auseinandersetzung mit dem Tod sieht er seine Schuld (seinen Hochmut) ein und wird als „neuer“ Biberkopf aus der Nervenheilanstalt entlassen.

Reinhold:

Er wirkt von der äußeren Erscheinung her eher schwächlich und kränklich, doch er steckt voller krimineller Energie und Aggressivität.

Er wirft Biberkopf, weil er ihm misstraut, aus einem fahrenden Auto, tötet Biberkopfs Freundin Mieze und plant, Biberkopf endgültig zu vernichten.

Zugleich hat er ein psychologisches Gespür dafür, sich Menschen willfährig zu machen und sie für seine Pläne auszunutzen.

In einer Vision in der Irrenanstalt sieht Biberkopf Reinhold als Teufel.

Eva und Herbert:

Eva und Herbert werden, im Kontrast zu Reinhold, als „Kriminelle mit Herz“ gezeichnet.

Sie leben von Gaunereien und Prostitution, sind also im kriminellen Milieu verhaftet; sie erweisen sich gegenüber Biberkopf aber als herzensgute Menschen und wirkliche Freunde.

Eva entwickelt Liebesgefühle zu Franz Biberkopf und wird von ihm schwanger, will aber nach Biberkopfs Entlassung aus der Nervenheilanstalt keine feste Beziehung zu ihm.

Mieze:

Obwohl sie der Prostitution nachgeht, ist Mieze Biberkopf in Liebe zugetan.

Trotz der Gewalttätigkeit, der sie sich durch Biberkopf ausgesetzt sieht, bleibt sie bei ihm.

Um Biberkopf zu schützen und von weiteren kriminellen Aktivitäten abzuhalten, will sie Reinhold aushorchen und wird von ihm ermordet.

Wir stellen diese Hauptpersonen ausführlich vor.

Stil und Sprache:

Durch den Montagestil Döblins, also das Einmontieren unterschiedlichster Texte bzw. Textelemente, ergibt sich ein Stil- und Sprachmix: Fachsprachen stehen neben Verwaltungsdeutsch, die Sprache der Bibel steht neben Ganoven- und Gossenjargon, die Sprache von Kinderliedern und Schlagern steht neben „volkspoetischen“ Elementen und lautmalerischen Einsprengseln. Biberkopf und andere Figuren sprechen „Berlinerisch“, der Erzähler beherrscht souverän alle Sprachformen, verwendet im Erzählerbericht überwiegend eine (gehobene) Umgangssprache.

Die verschiedenen Sprachelemente und -ebenen haben die Funktion, das von Döblin angestrebte Bild einer großen Stadt auch auf der Ebene der Sprache und des Stils zu vermitteln. Zugleich sind sie auch häufig Ausdruck der Lust Döblins am Sprachspiel.

Interpretationsansätze:

Der Montagestil Döblins und seine Funktion für den gesamten Roman

Die Thematik der Wandlung Biberkopfs

Die Mehrdeutigkeit der Schlusspassage und Döblins politische Haltung

2.Alfred Döblin: Leben und Werk

Alfred Döblin 1878–1957 © ullstein bild

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1878

Stettin

Geburt Alfred Döblins am 10. August

1888

Berlin

Umzug der Mutter und der Kinder (Döblin hat vier Geschwister); der Vater wandert nach Amerika aus.

10

1900

Berlin

Beginn des Medizinstudiums

22

1905

Berlin

Abschluss des Studiums

27

1910

Berlin

Gründung der Vereinigung „Der Sturm“

32

1912

Berlin

Heirat mit Erna Reis; Niederlassung als Kassenarzt; Die Ermordung einer Butterblume (Sammelband).

34

1914

Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine; Döblin ist in den Kriegsjahren als Militärarzt tätig.

36

1915

Fontane-Preis für Die drei Sprüngedes Wang-lun

37

1917

Die Lobensteiner reisen nachBöhmen (Sammelband)

39

1918

Döblin tritt der USPD bei.

40

1920

Wallenstein

42

1922

Döblin wird Mitglied der SPD.

44

1924

Berge, Meere und Giganten; Döblin wird Vorsitzender im „Schutzverband deutscher Schriftsteller“.

46

1927

Manas

49

1928

Wahl in die „Preußische Akademie der Künste“; Austritt aus der SPD.

50

1929

Berlin Alexanderplatz

51

1930

Wissen und Verändern

52

1933

Berlin Zürich Paris

Döblin verlässt am Tag nach dem Reichstagsbrand Deutschland; die Familie Döblin lebt zunächst in Zürich, dann in Paris. Döblin wird durch die Nazi-Regierung die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.

55

1936

Paris

Döblin erhält die französische Staatsbürgerschaft.

58

1940

USA

Einreise in die USA; Döblin arbeitet zeitweilig als Texter in Hollywood.

62

1941

Döblin, seine Frau Erna und sein Sohn Stephan konvertieren vom Judentum zum Katholizismus.

63

1942

November 1918

64

1945

Baden-Baden

Rückkehr nach Deutschland

67

1949

Mainz

Döblin arbeitet an der „Akademie für Wissenschaft und Literatur“.

71

1953

Frankreich

Döblin zieht nach Frankreich.

75

1956

Freiburg

Döblin erkrankt schwer.

78

1957

Emmendingen

Döblin stirbt am 26. Juni im Landeskrankenhaus.

78

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Döblins Roman Berlin Alexanderplatz erscheint in einer Zeit, in der Berlin zur führenden Metropole aufgestiegen ist.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wächst die Einwohnerzahl Berlins innerhalb weniger Jahre von zwei Millionen auf vier Millionen an.

In Berlin konzentrieren sich die geistigen und politischen Strömungen der Zeit.

Berlin wird zum Zentrum von Wissenschaft, Publizistik, Kultur und Verkehr.

In Berlin praktiziert Döblin als Arzt und arbeitet als Schriftsteller, der seine Stadt beschreibt.

„In fremden Städten treib ich ohne Ruder.

Hohl sind die fremden Tage und wie Kreide.

Du, mein Berlin, du Opiumrausch, du Luder.

Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide …“

Alfred Lichtenstein, Gesänge an Berlin[1]

Als Alfred Döblin seinen Roman Berlin Alexanderplatz schreibt, ist das Thema „Stadt“ längst Gegenstand der künstlerischen Darstellung geworden. Besonders für die Dichter des Futurismus und Expressionismus war die Stadt in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein faszinierendes Objekt für ihr Schaffen. Die zahlreichen expressionistischen Stadtgedichte legen davon Zeugnis ab. Johannes R. Becher, Georg Heym, Ernst Stadler, Gottfried Benn und Alfred Lichtenstein, um nur einige der bekanntesten Repräsentanten der Lyrik zu nennen, wandten sich der Stadt als Thema zu, wobei die Gedichte stets zwischen ekstatischer Großstadtbegeisterung und düster-apokalyptischen Visionen pendelten. Alle Facetten des Großstadtlebens gerieten ins Blickfeld: Technik und Architektur, Lust und Laster, die Bewegung großer Menschenmassen, aber auch die Anonymität und Vereinsamung des Menschen. Die Stadt entfaltet in den Gedichten − und in Döblins Roman − ihr Leben in der Dialektik ungeheurer produktiver Kräfte und Kräfte großer Destruktion, sie ist Sinnenfreude und Sündenbabel, Moloch und Megamaschine, Freudenstätte und Freudenhaus zugleich.

Auch Bertolt Brecht griff die Stadt-Thematik auf – in seinem Lesebuch für Städtebewohner, in seinem Drama Im Dickicht der Städte (1923) und in der Oper Aufstieg und Fall der StadtMahagonny (1929). In der Malerei wurde die Stadt ebenso thematisiert (Kokoschka, Beckmann, Grosz, Kirchner) wie in der neuen Kunstform des Films: Fritz Langs Metropolis sowie Charlie Chaplins Moderne Zeiten spiegeln Seiten des modernen städtischen Lebens.[2]

Berlin wurde die Stadt der Städte, sie stand gleichsam als Synonym für die Stadt überhaupt. Durch Eingemeindungen war die Einwohnerzahl Groß-Berlins zu Beginn der 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts auf fast vier Millionen angewachsen (1900 waren es zwei Millionen). Berlin war das Zentrum der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Publizistik, des Verkehrs und der Kultur, deren Spannweite von der „Hochkultur“ (das „Deutsche Theater“ in Berlin wurde unter Max Reinhardt eine Bühne mit Weltruhm) bis zum Tingeltangel der Varieté-Bühnen und den Stätten des Kabaretts und des Chansons reichte.

Berlin war das politische Zentrum Deutschlands. Hier prallten die politischen Auffassungen in den Debatten des Reichstags aufeinander und – in gewalttätiger Form – in den Straßen- und Saalschlachten zwischen SA und „Rotfrontkämpferbund“. Nicht ohne Grund hatte Hitler 1926 Goebbels als neuen „Gauleiter“ nach Berlin geschickt; er sollte das „Rote Berlin“ erobern und dirigierte seine Propaganda- und Kampftrupps in die Berliner Arbeiterviertel. Die politischen Auseinandersetzungen der Zeit spiegeln sich im Roman mehrfach. So wird Biberkopf im zweiten Buch in eine Diskussion mit Kommunisten verwickelt, im fünften Buch verkauft er „völkische“ Zeitungen und trägt die Hakenkreuzbinde; im sechsten Buch wird geschildert, wie er politische Veranstaltungen aufsucht. Das Schlusskapitel greift politische Szenarien auf.

In diesem Berlin studierte Alfred Döblin, in diesem Berlin arbeitete er als Arzt. Und dieses Berlin gestaltete Döblin in seinem Roman Berlin Alexanderplatz.

„Döblin wählte den Alexanderplatz in Berlin Ost, weil er sich da auskannte wie kein Zweiter, es war die Gegend, wo er als Kassenarzt wirkte. Diese Wahl war ein Glücksfall, nie wieder trafen bei ihm künstlerische Absicht, Stoff und persönliches Erleben so zusammen.“[3]

In Döblins Roman wird die Stadt zum Handlungsort, Symbolraum und Kommunikationsraum. Dabei ist der titelgebende Platz im Berliner Osten mehr als reiner Handlungsort, den der Protagonist immer wieder kreuzt und an den er sich im ersten und im neunten Buch des Romans begibt. Mit akribischer Detailtreue und fast manisch zu nennender Sammelwut breitet Döblin das großstädtische Leben mit all seinen Facetten vor dem Leser aus. Er zeigt Berlin als Verwaltungseinheit durch die Abbildung von Piktogrammen, amtlichen Tafeln und die Wiedergabe amtlicher Mitteilungen (vgl. S. 49 f.); er erklärt das Berliner Verkehrsnetz (vgl. S. 52), stellt das Unternehmen AEG vor (S. 52 f.), führt den Leser in die Straßen und an die Plätze Berlins, zeigt die Baustellen der Stadt, die Aufbruch, Umbruch und ständige Bewegung symbolisieren (vgl. S. 52). Er führt ins Milieu der Homosexuellen (vgl. S. 70 ff.) und an die Stätten des Vergnügens und des Lasters, in die Tanzlokale, Gartengaststätten (vgl. S. 78 ff.), Kaschemmen und in die Veranstaltungsräume und Kneipen, in denen politische Debatten geführt werden (vgl. S. 246 ff.). Sein Blick reicht in die Gefängniszellen, die Gerichte und Anwaltskanzleien (vgl. S. 124 ff.). Kenntnisreich schildert Döblin den Berliner „Untergrund“ − vom U-Bahn-Bau bis ins Verbrechermilieu, in dem sich sein Protagonist bewegt (vgl. die Schilderung des Einbruchs auf S. 315 ff.).