Die Geschichte vom Franz Biberkopf / Dramen / Filme - Alfred Döblin - E-Book
Beschreibung

Döblins Arbeiten für Radio, Bühne und Film Als radikal gegenwärtiger Autor hat sich Alfred Döblin auch für moderne Massenmedien wie Radio und Film interessiert. Dieser Band enthält Döblins Hörspielbearbeitung seines Romans ›Berlin Alexanderplatz‹, alle Dramen sowie zahlreiche Filmentwürfe aus der Zeit der Weimarer Republik und dem kalifornischen Exil. Mit einem Nachwort von Stefan Keppler-Tasaki

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:819


Alfred Döblin

Die Geschichte vom Franz Biberkopf / Dramen / Filme

FISCHER E-Books

Mit einem Nachwort von Stefan Keppler-Tasaki

Inhalt

HörspielDie Geschichte vom Franz BiberkopfDramenLydia und MäxchenPersonen.Erster AuftrittZweiter AuftrittDritter AuftrittVierter AuftrittFünfter AuftrittSechster AuftrittSiebter AuftrittAchter AuftrittNeunter AuftrittComteß Mizzi1. Auftritt2. Auftritt3. Auftritt4. Auftritt5. Auftritt6. Auftritt7. Auftritt8. Auftritt9. Auftritt10. Auftritt1[1]. Auftritt1[2]. Auftritt1[3]. Auftritt1[4]. Auftritt1[5]. AuftrittLusitaniaErste SzeneZweite SzeneDritte SzeneAnhang aus dem NachlassVor Beginn der ersten Szene (S. [112])Vor Beginn des Auftritts S. [113]Zu S. [124] nach der TorpedierungVor Beginn der zweiten Szene (S. [128])Vor Beginn der dritten Szene (S. [141])Vor Beginn des Auftritts S. [141]Zum Schluß (S. [153])Die Nonnen von KemnadeVorwortPersonen:Erster AktZweiter AktDie Nonnen, Forts.Dritter AktVierter AktVariante zu Akt 4Die EheAnweisungVorspielErste SzeneZwischenspielDie Ehe, Forts., Zweite SzeneZweite SzeneDritte SzeneLibrettoDas WasserFilmeSiddiDie geweihten TöchterVorbemerkungInhaltsbericht1. Akt2. Akt3. Akt Die Tochter des Grafen4. Akt5. AktNatascha macht SchlußInhaltsangabeNatascha macht Schluß oder: Die Fürstin wider Willen, oder: Der Dämon der Freiheit.2. TeilDie Enteisung GrönlandsTeil 1 (Vorspiel)Teil 2 Die Enteisung Grönlands (Das Hauptstück)Abschnitt 1 Die Öffnung der Vulkane IslandsBergromanceSynopsisI.II.III.Mrs. MiniverRandom HarvestScene am SeeScene im HäuschenScene im KriegsministeriumPaula beim PsychiaterPaula im Gespräch mit dem Arzt 1. FassungPaula mit dem Arzt 2. FassungAbschiedsscene zwischen Paula und CharlesStaatsanwalt FregusQueen LearDer AusreißerWochenschauInterview mit Alfred DöblinAnhangEditorische NotizEinzelnachweise:Daten zu Leben und WerkNachwortAlfred Döblin als Auftrittskünstler›Die Geschichte vom Franz Biberkopf‹ als HörfilmDas Drama zum Film hinFilm als TextLiteraturhinweise1. Texte von Alfred Döblin2. Texte über Alfred DöblinÜbersicht über die Ausgabe

Hörspiel

Die Geschichte vom Franz Biberkopf

Hörspiel

(Musik)

STIMME

(flüsternd) Hiob[.]

HIOB

Wer ruft?

STIMME

Hiob[.]

HIOB

Wer ist es?

STIMME

Hiob, du liegst im Kohlgarten an der Hundehütte. Da ist der Palast, den du einmal besessen hast. Was quält dich am meisten, Hiob? Daß du deine Söhne und Töchter verloren hast, daß du nichts besitzt, daß du krank bist?

HIOB

Wer fragt?

STIMME

Ich bin nur eine Stimme.

HIOB

Eine Stimme kommt aus einem Hals[.]

STIMME

Hiob, du kannst die Augen nicht aufmachen, willst du keine Rettung?

HIOB

Ach heile mich.

STIMME

Wenn ich aber Satan oder der Böse bin?

HIOB

Heile mich.

STIMME

Ich bin Satan.

HIOB

Heile mich.

(Musik)

HIOB

Wo ist die Stimme?

STIMME

Ich komme schon.

HIOB

Du willst mir ja nicht helfen, keiner will mir helfen, nicht Gott, nicht Satan, kein Engel, kein Mensch.

STIMME

Und du dir selbst?

HIOB

Was ist mit mir[?]

STIMME

Du willst ja selbst nicht.

HIOB

Was?

STIMME

Wer kann dir helfen, wo du dir selbst nicht helfen willst.

HIOB

Nein, nein.

STIMME

Alle wollen dir helfen, nur du dir nicht.

HIOB

Ich kann nicht.

STIMME

Du – mußt!

(Scenenwechsel überall ohne Pause!)

HARMONIKA, AUTOTUTEN, VERSCHIEDENE STIMMEN

B.Z. am Mittag, die Zwölfuhrmittagzeitung, die neusten Schlager, Gigolo, mein kleiner Gigolo, meine Dame kaufen sie Fische, Fische sind preiswert, Fische enthalten viel Phosphor, ist doch giftig, Sie meinen Streichhölzer, nee Streichhölzer brauchen Sie nicht zu l[u]tschen, Fische sind nahrhaft, eßt Fisch, dann bleibt ihr schlank gesund und frisch, Damenstrümpfe, echt Kunstseide, Sie haben hier einen Füllfederhalter, mit prima Goldfeder, anlackiert, ich sage Gold, vielleicht lackiere ich Ihnen eine runter.

FRANZ BIBERKOPF

Herrschaften treten Sie näher, Fräulein Sie auch mit dem Herrn Gemahl, Jugendliche haben Zutritt, für Jugendliche kostets nicht mehr, warum trägt der feine Mann im Westen Schleifen und der Prolet trägt keine?

STIMME

Fabisch Konfektion, gediegene Verarbeitung und niedrige Preise sind die Merkmale unserer Erzeugnisse.

FRANZ

Warum trägt der Prolet keine Schleifen? Weil er sie nicht binden kann. Da muß er sich einen Schlipshalter zukaufen, und wenn er den gekauft hat, ist er schlecht und er kann den Schlips noch nicht immer nicht binden. Das ist Betrug, das verbittert das Volk, das stößt Deutschland noch tiefer ins Elend, wo es schon drin ist.

SPRECHER

Der Mann, den Ihr hier sprechen hört –

FRANZ

Warum hat man früher diesen großen Schlipshalter nicht getragen? Weil man sich keine Müllschippe an den Hals binden will, das will weder Mann noch Frau, das will nicht mal der Säugling, wenn er reden könnte.

SPRECHER

Ist Franz Biberkopf.

FRANZ

Man soll drüber nicht lachen, Herrschaften, lachen Sie nicht, wer weiß, wat in sonm klein Kinderkopf vorgeht, ach Jott, das liebe Köppchen und die lieben Härchen.

SPRECHER

Er hat ein wildes Leben geführt, Zement- und Transportarbeiter ist er gewesen, dann hat er zu trinken angefangen.

FRANZ

Herrschaften, wer hat heut zu Tage Zeit sich morgens einen Schlips umzubinden? Und gönnt sich nicht lieber die Minute Schlaf, weil wir viel arbeiten müssen und wenig verdienen. Ein solcher Schlipshalter erleichtert Ihnen den Schlaf.

SPRECHER

Er ist ins Trinken gekommen, seiner Freundin hat er die Rippen zerschlagen, vier Jahre hat er wegen Totschlag in Tegel gesessen.

FRANZ

Jehn Sie weg vom Damm, junger Mann, sonst überfährt Sie ein Auto und wer soll nachher den Müll wegfegen.

SPRECHER

Aber in Tegel ist ihm ein Seifensieder aufgegangen und er hat gesagt: es soll jetzt aus sein mit dem Lumpen und Saufen, er hat geschworen anständig zu sein, darum hört Ihr ihn jetzt am Rosenthaler Platz ausrufen und schrein.

FRANZ

Sie geben Ihr Geld für viel Dreck aus. Da haben Sie die Ganov[en] im Krokodil gesehn, vorne gab es heiße Bockwurst, hinten hat Jolly gelegen im Glaskasten, und die Schokolade haben sie ihm durch die Radioröhre durchgeschoben. Hier kaufen Sie ehrliche Ware, Herrschaften, Gummi gewalzt, ein Stück 20, drei 50.

– – –

MECK

([P]fiff) Franz, Achtung Polente.

FRANZ

Meck, Junge, seh ick dir ooch wieder.

MECK

Polente, Franz, der Grüne.

FRANZ

Wat heißt hier Polente, ick hab mein Schein.

MECK

Wat haste?

FRANZ

Jawoll, kleenes Meckchen, Meckmeckziegchen, haben wir. Franz isn Gewerbetreibender, da, Reichsverband ambulanter Gewerbetreibender, ambulant sind wir, verstehste. Ein Stück 20 Pfennig, 3 fünfzig.

MECK

Na mach man ne Mittagspause, Mensch, loofen ja doch alle weg.

FRANZ

Ja wolln ooch futtern, also wo gehts hin Meckchen?

MECK

Prenzlauer.

FRANZ

Jemacht. Meck, wir sind ehrbare Leute, wir haben im Zuchthaus gesessen, vier Jahre, da haben wir was zugelernt.

MECK

Bist ja ordentlich im Fleisch, du, Schwergewicht, du wirst den Laden schon schmeißen.

FRANZ

Ich denke.

STIMME

Ich weiß nicht.

SPRECHER

Wer sagt, ich weiß nicht[?]

STIMME

Ich weiß nicht.

– – –

Lärm eines Lokals.

MECK

Komm hier setzen wir uns hin.

LINA

Tag ooch, Franzeken.

FRANZ

Tag Lina, aber schieb man lo[s] ick hab wat Geschäftliches zu reden mit Lüders. Lüders komm mal rüber.

LINA

Adjö Franz, kommst bald nach Haus.

FRANZ

Also zwei große Mollen, paar Würschtchen for mir, for dir ooch.

LÜDERS

Ja.

FRANZ

Ist se raus? Na Lüders, wat hab ick hier in der Hand?

LÜDERS

Na wat denn.

FRANZ

Na schieß man lo[s].

LÜDERS

Na wat denn.

FRANZ

Da Geld, zwei Zehner, zwanzig Eier.

LÜDERS

Mensch!

FRANZ

Na von wo denn, rat mal, von wo.

LÜDERS

Hinten rum.

FRANZ

Bei mir nicht zu machen, kennste Franzen nicht. Von wo Lüders, rat mal. Also: ick da gestern mit Schnürsenkel in die Elsasserstraße. Steht da im Quergebäude eene an der Tür, macht mir auf, schniekes Weib, du, ei, wei, kommt mit mir ins Quatschen, is ne Kriegerwitwe und denn sagt se, ick soll man rin kommen und wir trinken Kaffee und du –

LÜDERS

Mensch.

FRANZ

Glück muß der Mensch haben, war joldig, Mensch, und denn sagt se, ick seh vielleicht aus wie ihr Oller und weil ick so abgerissen bin, jiebt sie mir die zwei Lappen, die Schnürsenkel hab ick oben gelassen, ha ha.

LÜDERS

Mensch! det schenkt se dir.

FRANZ

Hab ihr allens erzählt von mir, hat ihr leid jetan und ick soll mir ne Kluft besorgen und in ne Woche treff ick ihr wieder.

LÜDERS

Hast doch die Lina.

FRANZ

Bin ihr ooch gut, laß man, ist doch Jeschäft, alles Jeschäft.

– – –

LÜDERS

Son Kerl. Ist stark wien Athlet, istn Verbrecher und kaum kommt er raus, fliegt ihm det Geld ins Portemonnaie. Und ick, ick sitz da mit meine Frau und die Göhren. Glück muß man haben. Mal ruff zu det Weib, wat hat er jesagt, Elsasser.

– – –

Mehrfaches Klingeln.

FRAU

Wer ist da?

LÜDERS

Erlauben Sie, ick komme von meinem Freund Franz.

FRAU

Was ist?

LÜDERS

Von meinem Freund Franz, Sie wissen doch, mit die Schnürsenkel, na ick komme schon rin, danke schön.

FRAU

Was hat er Ihnen erzählt?

LÜDERS

Aber nischt, junge Frau, nischt, darf ick mir nicht setzen, haben Sie nicht ne Tasse Kaffee.

FRAU

Was wollen Sie denn?

LÜDERS

Na haben Sie sich man nicht so, krieg ich nicht ooch ne Tasse, ick bin wohl nich so hübsch wie der Franz.

FRAU

Ick bring schon.

LÜDERS

Machen Sie man keen Gesicht, bin wohl n Köter, was, Pinke her.

FRAU

Ick geh bloß in die Küche.

LÜDERS

Quatschkaffee. Pinke her.

FRAU

Da.

LÜDERS

Und die Uhr, fix.

Stöhnen der Frau.

LÜDERS

Plumpst die um, die dumme Töhle, mal raus.

Rennende Schritte.

– – –

FRANZ

(singend) Seit wann bläst meine Großmama [] Posaune etc.

FLÜSTERSTIMME

Na so lustig, Herr Biberkopf?

FRANZ

Ja immer lustig, weil die Welt so schön ist.

FLÜSTERSTIMME

Ja, immer lustig, weil die Welt so schön ist.

FRANZ

Das Wetter ist schön und die Welt ist schön und das Leben ist schön.

FLÜSTERSTIMME

Das Wetter ist schön und die Welt ist schön und das Leben ist schön.

FRANZ

Und jetzt trinken wir noch ne Molle und denn wart ick auf Lüders und dann gehn wir auf Tour.

FLÜSTERSTIMME

Und denn wart ick auf Lüders und denn gehn wir auf Tour.

JUNGE

Is hier Herr Biberkopf?

WIRT

Ja da sitzt er, am Fenster, der Große[,] wat wiste denn[?] 

JUNGE

Bloß wat abgeben. Solln Brief abjeben von ner Frau aus unserm Haus, der Große? Welcher denn?

WIRT

Na jib man. Isn Brief for Sie da, Herr Biberkopf.

FRANZ

For mir, wer schreibt mir denn n Brief? Ah so! Wir haben nämlich ne Freundschaft, komm her mein Jung, hier hast du n Sechser, jetzt habn wir schon Briefwechsel.

FLÜSTERSTIMME

Ja das Wetter ist schön und die Welt ist schön und jetzt trinken wir noch ne Molle und denn wart ick uf Lüders.

FRANZ

[S]töhnt.

WIRT

Herr Biberkopf!

FRANZ

([s]töhnt)

WIRT

Na Mann, richten Sie sich doch auf, wat machen Sie denn, wohl n Trauerfall, nicht unterkriegen lassen, kommen se, bißchen an die Luft.

FRANZ

Ick will nich.

WIRT

Trinken Sie n Kognak.

FRANZ

Will nich. Hab ick zu zahlen[?]

WIRT

80, danke, hat Ihn denn die Frau geschrieben?

FRANZ

Lassen se man.

(Schon vorher Gebrüll vom Schlachthof)

WIRT

Sachen sind det, der wird noch aus die Pantinen kippen. 

FLÜSTERSTIMME

Ja die Welt ist schön und das Leben ist schön. 

– – –

Im Folgenden fortdauernd Geräusche vom Viehhof

1. STIMME

Der Schlachthof liegt im Nordosten von Berlin zwischen Eldenaerstraße und Landsberger Allee. – Da kuck mal die Schweinchen, wie sie übern Hof laufen, die lustigen Schwänzchen, wie sie schnuppern.

2. STIMME

Denn es geht dem Menschen wie dem Vieh.

1. STIMME

Da ist das Schlachthaus, das Beil, hatz, herunter auf den Kopf, hatz noch eins. Und dieser große weiße Stier, allein steht er in der Halle, und jetzt ist das Schlachtbeil über ihm, wum[m], in seinen Nacken.

2. STIMME

Und haben alle einerlei Odem und der Mensch hat nichts mehr denn das Vieh.

– – –

FRANZ

Und jetzt trink ich noch ne Molle und noch eine und noch eine und noch immer eine. Denn warum soll der Mensch ooch anständig sein, man ist doch von lauter Kruppzeug umgeben, es hat doch alles keenen Zweck, und was de tust is für [n] Dreck.

SPRE[]CHER[] MIT GETEILTEN STIMMEN

Seht ihn an, was er alles kann, jetzt sauft er und flucht er und marschiert los, ein Meter achtzig ist er groß. Wie ne Riesenschlange ist er stark, hat nischt als Muskeln und Knochen und Mark. Er denkt, weil er anständig ist, wird ihm was geschenkt, aber es geht in der Welt anders als man denkt. (Stürmisch teilweise wiederholt)

SPRECHER

Weil er aber Franz Biberkopf ist, so wollen wir ihn nicht so vor die Hunde gehen lassen. Er soll nur ruhig in seiner Stube hocken und fluchen und saufen und sich jeden Tag einen neuen Affen kaufen. Den holen wir schon raus, um den ist uns nicht bange, der fällt nicht auf einen Hieb von der Stange. Na siehste, jetzt steht er auf, jetzt geht er runter, jetzt steht er schon wieder da – und die Preußen sind lustig und rufen hurrah.

– – –

Musik, Harmonika.

VIELE STIMMEN

Krisenalarm im Reichstag, was gibts Neues am Alex, wat soll hier lo[s] sein, sie reißen ja alle Häuser ab, na da wolln paar Leute was dran verdienen, Krisenalarm im Reichstag, das neue Magazin.

FRANZ

(singt) Siehste woll, da kimmt er, lange Schritte nimmt er. Meck, Meckmeckchen, wie ist es möglich, biste wieder da?

MECK

Und du Franz, wie ist det mit dir?

FRANZ

Ick steh hier immer am Alex, Zeitung.

MECK

Und ick drüben an der Grenadierstraße, Herrenkluft, Windjacke, Hose.

FRANZ

So, so. Und wo kriegste die her[?]

MECK

Mensch, daß du noch immer so neugierig bist, du lernst doch wirklich nischt zu. Ick dachte, Franz, du bist verschütt gegangen.

FRANZ

Nu laß man det, mein Junge, bei mir ist nischt mit verschütt gehn.

MECK

Kann doch jedem mal passieren.

FRANZ

Ne, mir nich. Mir nich. Verstehste!

MECK

Na is kalt. Komm, wollen ein heben.

– – –

STIMMEN

Seide, Kunstseide, ich empfehle Kunstseide, etwas rasend Modernes für die Frau vom Format, die Ehe hoch interessant und pikant, bloß 20 Pf[ennig,] bitte einen Augenblick, Sie sehen jetzt das geheimnisvolle Antlitz der fremden Frau, die Frage dieser Schönen gilt jedem, auch Ihnen, die Frage: rauchen Sie schon Garbaty Kalif. Bananen, gebt euren Kindern Bananen, die Banane ist die sauberste Frucht, da sie durch ihre Schale vor Insekten, Würmern sowie Bazillen geschützt ist. (Gesang: ausgerechnet Bananen)

MECK

Det is hier also unser Verkehrslokal, gibt n guten Korn.

FRANZ

We[e]ßte Meck, wenn ich dir so betrachte, eigentlich sollt ich mir vor dir in Acht nehmen, jawoll sollt ick.

MECK

Nanu.

FRANZ

Jawoll. Weeßte woll nich, wo ick jetzt herkomme. Die janzen Wochen auf meine Bude gesessen und immer gesoffen. Warum[?]

MECK

Na warum?

FRANZ

(schlägt auf den Tisch) Weil es n Hund war, der Lüders, den du mir gezeigt hast, ja mit dem ick gehandelt habe, der Kleene, an dem is nichts dran, abern Hund is er, betrogen hat er mir, niederträchtig. Na laß mal gut sein, wat vorbei is, is vorbei, der Deibel soll die Schufte holen, prost Meck.

MECK

Prost, Franz. Hör mal, wat die quatschen, der da mit dem Hut.

DER HOPPEGARTNER

Wat die zuerst gesehn haben, wie sie nach Australien gekommen sind? Erst mal Sand und Wüste und keen Baum und keen Gras und nischt. Reine Sandwüste. Und denn Millionen und Abermillionen gelbe Schafe. Die existieren da wild. Von die haben die Engländer zuerst gelebt, exportiert nach Amerika.

ZWEITER

Amerika? Brauchen sie grade Schafe aus Australien[?]

DER HOPPEGARTNER

Südamerika, verlaß dir druff.

ZWEITER

Haben soviel Ochsen, wie es überhaupt gibt. Wat solln die mit Schafe.

HOPPEGARTNER

Wolle, Mensch, Ochsen haben doch keene Wolle. Wo in dem Land die Neger so frieren, nanu. Wo sind jetzt die Schafe aber alle hin? Jetzt kannste nach Australien fahren, siehste keen Schaf nich, weit und breit keen Schaf.

ZWEITER

Viehseuche.

HOPPEGARTNER

Nee.

ZWEITER

Raubtiere.

HOPPEGARTNER

Ooch nich, jibts da jarnich, schon alle abgeschossen.

ZWEITER

Na wat[?]

HOPPEGARTNER

Na alle ans Meer gelaufen. Stell dir vor, wat die Engländer machen. Immer ein Schaf nach dem andern gefangen und rin in die Waggons. Da merken sie schließlich ooch wat lo[s] is, so dumm is det Vieh schließlich ooch nich und nu lo[s] in eenem Galopp det janze Vieh weg, immer in eenem Trab ans Meer.

ZWEITER

Sparen die Engländer die Bahnspesen, kommen sie gleich auf die Schiffe.

HOPPEGARTNER

Du hast ne Winde. Hat lange gedauert, bis de Engländer det überhaupt gemerkt haben. Die immer ans Meer die Schafe und denn die Salzlake gesoffen[.]

ZWEITER

Na und[?]

HOPPEGARTNER

Wat fürn und? Hab du mal Durscht und nischt zu fressen und immer Salzlake.

ZWEITER

Krepiert.

HOPPEGARTNER

Da haben die am Meer gelegen, zu tausend und tausend und immer weg damit.

ZWEITER

Donnerwetter, Donnerwetter.

MECK

Erzählen sich bloß Geschichten, Franz. Kuck mal, der da hinten steht mit dem roten Gesicht, der Kleene mit die Stulpstiefel, det is Pums.

KELLNER

Wat bestellen die Herrschaften.

FRANZ

Wat Sie haben gegen die Kälte. Portion Bohnen mit Einlagen, n Eisbein[,] und du Meck[?]

MECK

Ooch und ne Molle.

FRANZ

Ne Große natürlich.

MECK

Der Pums nämlich, der wartet bloß hier, die machen hier ihre Geschäfte.

FRANZ

Wat soll det schlechte Leben nützen, ick muß mir wieder uffüllen, es jeht ein Rundgesang an unserm Tisch herum dibum. Wat kuckt mir der denn immer zu, der Pums.

MECK

Weil du groß bist, Franz[,] und stramm. Der kann große Leute brauchen zum Tragen.

FRANZ

Jawoll, faß mal meine Muskeln an, ick war früher Transportarbeiter.

MECK

Vielleicht zum Tragen, weeß man, was die Jungens schieben, aus den wirst du nicht klug, der hat sogar n Büro.

FRANZ

Nee dafür bin ich zu dumm, Meck, schreiben da bin ich schwach.

MECK

Nee der handelt mit Obst und denn berechnet er wohl sein Verdienst. Achtung, Franz.

FRANZ

Wat nu[?]

MECK

Achtung, kommt eener rüber, kuckn dir mal an.

FRANZ

Der mit die Kaffeetasse.

MECK

Is Reinhold.

HOPPEGARTNER

Denn [w]er ick ihn mal det vom Amerika erzählen. Heirat eener also ne Frau in Amerika und denkt sich nischt bei. Is es ne Negerin. Wat sagt er, du bist ne Negerin? Bums fliegt sie raus. Hat sich die Frau vor Gericht ausziehen müssen. Badehose natürlich, will erst nicht, soll doch keen Quatsch machen. Ist die Haut janz weiß gewesen, weils ne Mestize war. Sagt der Mann, ist doch ne Negerin. Und warum? Weil die Fingernägel braun angelaufen sind. Mestize.

ZWEITER

Und wat will die vor Gericht, Scheidung?

HOPPEGARTNER

Das sowieso. Schadenersatz. Hat ihr doch geheirat und vielleicht hat sie ihre Stellung verloren. Ne bildhübsche schlohweiße Frau, Mestize, Schadenersatz.

ZWEITER

Na.

MECK

Det is Reinhold, trink[t] keen Bier.

FRANZ

Jarnich so dumm, jarnich so dumm, lieber Meck. Sieht aber elend aus, du. Der holt sich Limonade, in der andern Hand hält er den Kaffee, ne komische Kruke. Macht so traurige Augen. Hat der mal gesessen[?]

MECK

Gloob nich, der rutscht immer durch, war mal politisch, mit Dynamit in die Gasanstalt, aber gekriegt haben sie ihn ooch nich. Achtung er kommt.

FRANZ

Der gefällt mir.

MECK

Geh ick aber lo[s], ick mag den nich.

– – –

REINHOLD

N Abend, Meck.

MECK

N Abend, ick muß gehn, is mein Freund Franz, Franz Biberkopf, der blebt noch.

REINHOLD

Kann ich mir an den Tisch setzen, is überall heut voll.

FRANZ

Na ob.

REINHOLD

Ja. Ick trink bloß Kaffee und Limonade, Bier nich.

FRANZ

Hab ick schon jesehn, is sehr vernünftig.

REINHOLD

Wieso vernünftig?

FRANZ

Bier is nich jut für manche Leute und kost viel[.] Wat kost die Cichorie?

REINHOLD

Ick kann kein Bier vertragen. Wie heeßt du?

FRANZ

Biberkopf, Franz.

REINHOLD

Dat biste.

FRANZ

Handele Zeitungen, willste mir eene abkoofen?

REINHOLD

Nee, lese nich, jeht mich nischt an, wat in die Zeitungen steht.

FRANZ

Du det sag mal nich.

REINHOLD

Ja det sag ick doch. Wer doch wissen, wat mich wat angeht. Also. Sag mal, bist son großer Kerl, hast wohl viel Glück bei die Weiber.

FRANZ

Na ick danke, for mir reichts, hab schon allerhand damit erlebt. Mal hab ick mir ooch die Finger verbrannt, aber jetzt –

REINHOLD

Jetzt?

FRANZ

Jetzt muß ick Geld verdien. Is schwer bei die Kälte. Aber wer kein Geld hat, kann sich ooch keine Frau halten.

REINHOLD

Meenste.

FRANZ

Jawoll. Ne Frau kost Geld, und wenn se ooch verdient, kost se immer noch Geld.

REINHOLD

Meenste.

FRANZ

Wa nich. Ich bin jetzt erst aus dem Gröbsten raus, aber durch komm wir noch immer.

REINHOLD

Sag mal, willste mirn Gefallen tun.

FRANZ

Mit größtem Frachtwagen.

REINHOLD

Willste mirn Mädel abnehmen?

FRANZ

Wat?

REINHOLD

Hab eene hängen, krieg se nich los.

FRANZ

Schmeiß se doch raus.

REINHOLD

Kann nich.

FRANZ

Warum nich?

REINHOLD

Kann nich, kann det nich mit Weiber, fehlt mir die Kurage.

FRANZ

Nanu, mußt vorher eenen genehmigen, vielleicht jehts denn.

REINHOLD

Kann nich. Nimm se mir ab.

FRANZ

Soll ick mit der? Wenn ick eene will, hol ick mir alleene eene.

REINHOLD

Kannste keene brauchen, bist doch Zeitungshändler, brauchst doch immer eenen zum Zutragen, Kaffebringen und so.

FRANZ

Machen wir allens alleen.

REINHOLD

Na denn is also nich.

FRANZ

Nu brüll man nich gleich; Mensch, also meinetwegen. Brauch ick garnich auf Brautschau gehn, fliegt mir die Braut ins Haus, haha.

REINHOLD

Willste[?]

FRANZ

Ja doch. Aber lachen muß ick über dir.

REINHOLD

Na lach man.

– – –

FRANZ

Na wer tommt den da, wer tommt denn da?

CILLY

Ich bin die Cilly.

FRANZ

Den Namen hab ick schon mal gehört.

CILLY

Ick sollt ihn wat bringen von Ihrem Freund Reinhold. Paar Stiebel.

FRANZ

Na. Nett von ihm, und det sollst du mir bringen, der is zum Pi[e]pen. Komm mal her, du bist also die Cilly.

CILLY

Hat er dir schon erzählt von mir.

FRANZ

Viel. Wie alt biste denn, Cilly?

CILLY

Zwanzig.

FRANZ

Scheenes Alter für ne dreißigjährige Frau. Na wat weenste denn[?]

CILLY

Det kannste mal deinem Freund fragen, er is[n] Strolch, aber so sind die Männer[.]

FRANZ

Aber nich doch, Cilly. Is n Kavalier.

CILLY

Son Strolch, erst macht er een verliebt, det man nich aus die Oogen sehn kann, denn verduft er. Gestern hat er sich auch Jott weiß wie gehabt, gibt mir die Stiebel und ick soll sie herbringen und vorhin wie ich hingeh zu ihm, is er weg, verduft der feine Herr. Die Wirtin sagt, is verzogen, nach auswärts.

FRANZ

Na, denn is man wenigstens hübsch, daß du mir noch die Stiebel hergebracht hast.

CILLY

Mir hat er nischt hinterlassen.

FRANZ

Na vielleicht bin ick noch da, komm doch mal, Cilly, heul doch nich. (singt, zum Schluß mit ihr zusammen[:] »Schwör mir keine Treue, leist mir keinen Eid« u.s.w)

– – –

SPRECHER

Und vier Wochen später –

REINHOLD

Komm bloß her zu dir ruff, Franz, um mir zu bedanken[,] Franz.

FRANZ

Keen Grund, die Stiebel sind n bißken groß gewesen.

REINHOLD

Gefällt sie dir?

FRANZ

Natürlich. Hilft mir, macht Gänge for mir, hält mir die Bude in Ordnung.

REINHOLD

Also. Hat wohl zuerst sehr geheult.

FRANZ

Na macht sich. »Schwör mir keine Treue, leist mir keinen Eid« u.s.w

REINHOLD

Stimmt! Hast ihr nu schon ne janze Zeit, 5 Wochen.

FRANZ

Vier.

REINHOLD

Hast se noch nich über?

FRANZ

Ick ihr?

REINHOLD

Denn es reizt das Neue jedem mit der Zeit.

FRANZ

Nettes Mädel, looft for mir, hält mir die Bude in Ordnung.

REINHOLD

Ja.

FRANZ

Na was is nu lo[s].

REINHOLD

Hast se nich über?

FRANZ

Sag dir doch, ne, Mensch.

REINHOLD

So.

FRANZ

Na warum denn[?]

REINHOLD

Ick hätt wat for dir.

FRANZ

N Geschäft[?]

REINHOLD

Ooch a Geschäft.

FRANZ

Machen wir.

REINHOLD

N Krimmerkragen und ne Pelzmütze.

FRANZ

Kostenpunkt[?]

REINHOLD

Nischt. Kannste doch brauchen bei dein Geschäft.

FRANZ

Geklaut?

REINHOLD

Reelle Sache.

FRANZ

Na wieso?

REINHOLD

Sollst mirn Gefallen tun. Hab dir doch schon gesagt.

FRANZ

Hab nischt gehört.

REINHOLD

Denn denkst du, ick bin verrückt.

FRANZ

Also ick hör ja.

REINHOLD

Willste mir eene abnehmen[?]

FRANZ

Mädel?

REINHOLD

Was denn, Dus[s]el.

FRANZ

Und wat mach ick mit meine[?]

REINHOLD

Schmeißte auf die Straße, meinetwegen in Mülleimer, Ochse.

FRANZ

Denn mach det doch alleene, Mensch! Weeßte Reinhold, mit dir müßte man mal Fraktur reden. Du hast ja een sitzen. Du brauchst dir nich zu besaufen, du hast schon so einen, hier oben.

REINHOLD

Nu quatsch dir man reene aus.

FRANZ

Ja merkste denn nich, Kerl, wat de machst, det jeht doch nich, det muß doch mal schief gehen, holste dir eene nach der andern, schmeißt se weg, det geht nich.

REINHOLD

Warum jeht det nich[?]

FRANZ

Weil Weiber ooch Menschen sind.

REINHOLD

Und ick? Ick bin nischt?

FRANZ

Hab ick doch nicht jesagt.

REINHOLD

Bin ick etwa nischt, bin ick keen Mensch?

FRANZ

Ick sag bloß, holst dir eene nach der andern ran, machste verrückt, hat mir die Cilly gesagt und nachher schmeißt se raus. Ick nehm dir keene mehr ab, ick nich.

REINHOLD

Denn nich.

FRANZ

N Weib is auch ein Mensch, det sollste mal lernen, Reinhold, so geht man nich mit eim Mensch um wie du det tust, ob du nur Christ oder Heide bist.

REINHOLD

Vielleicht biste bald fertig.

FRANZ

Nee, det sag ick dir, weil du dir damit noch ins Unglück bringst.

REINHOLD

Meenste. Da wolln wir mal noch abwarten.

FRANZ

Hab dir geraten, Reinhold.

REINHOLD

Scheenen Dank.

– – –

SPRECHER

Dann ist ein Sonntag gewesen, den 8. April, da saß Franz am Fenster seiner kleinen Bude, nachmittags, warm und mollig in der Stube, draußen Schnee, hört er mit einmal Glockenläuten, ein furchtbarer Krach, bloß ne Minute lang, und wie er aufsteht, waren das keine Glocken gewesen, hat es bloß in seinen Ohren so furchtbar geknallt. Dachte Franz: was mag bloß passiert sein, daß mir die Ohren so klingen. Und der Cilly hat er nen Kuß gegeben und auf die Straße ist er runter, nachm Alex, wollt bloß mal sehn, ob was passiert ist. Trifft er da unten einen, den kennt er aus der Kneipe Prenzlauer Straße, der sagt, zu ihm, komm mit, Franze, kannst Geld verdienen bei uns, Franze, wir holen heut Obst. Hat Franze gelacht und gesagt: Is ja [n] merkwürdiges Unglück, daß ich heut noch Geld verdiene am Sonntag. Und bei Pums vorm Haus sind schon zwei Autos gestanden, da sind se eingestiegen, sechs Mann hoch.

Geräusch von Motoren, während des ganzen Folgenden.

1. AUTO

(mit Flüsterstimme) Was bist du für n Wagen?

2. AUTO

(ebenso) Alter Opel und du[?]

1. AUTO

Fiat. Ich steh schon drei Stunden und warte und warte, son Schnee, son Matsch.

2. AUTO

Ich auch.

1. AUTO

Weeste, worauf du wartest, Opel[?]

2. AUTO

Kann mir schon denken.

1. AUTO

Kaiser Wilhelmstraße, wollen nen Ding drehen.

2. AUTO

Is mir nischt Neues. Paß uff, sie kommen.

PUMS

Also haben alle Mäntel?

REINHOLD

Jawoll.

PUMS

N Abend Reinhold. Alles im Lot. Haste schon gesehen, wer heut mitmacht, kuck dir mal um, dein Biberkopf.

FRANZ

N Abend Reinhold. Siehste Reinhold, wo es n anständiges Geschäft gibt, wirste Franzen immer zu kriegen.

REINHOLD

Versteh ohne Brille.

PUMS

Nu mal vorwärts.

Autogeräusch.

1. AUTO

Ratter ratter, s geht los, haste gehört[?]

2. AUTO

Ratter ratter, det jeht nich gut ab du. Der jlaubt, er holt Obst ab von die Marchthalle.

1. AUTO

Was kann er denn machen, den haben sie ja zwischen sich.

2. AUTO

Das geht nich gut ab, paß auf, ratter, ratter.

FRANZ

Siehste Reinhold, nu treffen wir uns bei ner vernünftigen Arbeit und det jefällt mir von dir.

REINHOLD

Schön schön.

FRANZ

Weeßte Reinhold, manchmal braucht man einen Menschen bloß fest in die Kandare zu kriegen, denn jehts schon. Jetzt mußt du ooch Stange halten, mit die Weiber.

REINHOLD

Ick weeß.

FRANZ

Det haste mir zu verdanken, mein Junge.

REINHOLD

Ick weeß.

PUMS

Aussteigen, Lampen mit, zwei im Keller, drei über die Treppe, Biberkopf, Sie bleiben im Hausflur.

REINHOLD

Zigarre aus, du.

FRANZ

Warum denn[?]

REINHOLD

Weil icks sage.

1. AUTO

Ratter ratter, jetzt merkt er was.

2. AUTO

Der hat ihm eben die Zigarre aus der Hand geschlagen.

FRANZ

Die klauen! Die brechen ein! Dafür haben sie mir hergeschleppt!

1. AUTO

Jetzt merkt er was. Er hat mal in der Patsche gesessen.

FRANZ

Darum haben se mir hergeholt. Und darum hab ick vier Jahr in Tegel gesessen und hab geschworen, ick will anständig sein und jetzt steh ick Schmiere für die Strolche.

Tiergeräusche vom Schlachthof wie oben.

FRANZ

Der Lüders hat mir betrogen, die wollen mir janz in den Dreck ziehn. Die denken ick bin nischt. Ah! Man kann machen, was man will, die Welt is von Eisen, kommt wie eine Walze an, da sitzen sie drin, die Deibel, mit Hörner und Zähne, und zerfleischen einen, mit ihre Ketten, und wollen einen umbringen.

PUMS

Alles fertig, rin in die Wagen.

1. AUTO

Ratter ratter, hörst du Fiat. Jetzt sitzt Franz neben Reinhold und denkt, wat kann ick dem tun, dem Verbrecher und wie komm ick hier raus.

2. AUTO

Er kommt nich raus, die halten ihn fest.

PUMS

Vollgas! Fährt einer hinter uns!

REINHOLD

Dalli dalli.

1. AUTO

Fiat kuck mal, wie Franz lacht. Wie er sich freut, daß sie die Bande erwischen.

REINHOLD

Na wat lachste Kerl.

FRANZ

Wer ick doch lachen könn, ha haha, lach ick noch immer.

REINHOLD

Wat wist du lachen, Kerl, du lachst noch, vielleicht warum.

FRANZ

Na vielleicht warum. Du denkst du hast mich in die Tasche.

REINHOLD

Bist zu fein für uns, du Hund, wat?

1. AUTO

Fiat es geht los, sie haben ihn, drei Mann. Franz lacht nicht mehr. Er haut um sich.

FRANZ

Und ick freu mir ooch und jetzt jehn wir allesamt verschütt, ick meinetwegen mit.

REINHOLD

Maxe rück mal näher.

2. AUTO

Opel gib her, was du kannst. Sie wollen ihn aus dem Wagen schmeißen. Sie wollen ihn unter das andere Auto schmeißen. Opel gib her, was du kannst[.] Renne.

1. AUTO

Ick renn ja, ick renn ja.

FRANZ

(Gebrüll) Ah! Hilfe!

1. AUTO

Sie schmeißen ihn raus.

FRANZ

Hilfe!

2. AUTO

Er ist raus. Er liegt unter dem andern Auto.

1. AUTO

Was soll ich noch rennen, Fiat.

2. AUTO

[(]tonlos[)] Jetzt brauchst du nich mehr zu rennen.

Leises Lied: »In der Nacht, in der Nacht, wenn die Liebe erwacht«, – auch während des folgenden Gesprächs – darauf kesser, schmetternder Vergnügungsmarsch, Paukenschlag.

– – –

EVA

Ist es schlimm, Herr Doktor[?]

DOKTOR

Der Arm ist hin, meine Gnädige.

EVA

Darf ich ein paar Minuten zu ihm rein[?]

DOKTOR

Aber bitte.

FRANZ

Wer singt hier immer[?]

EVA

Franz du träumst, macht vielleicht das Morphium, haste Schmerzen?

FRANZ

Bißchen.

Musik, das Lied wie oben.

FRANZ

Mir haben die Hunde unters Auto geschmissen, sie denken, sie kriegen mir unter, – und sie haben mir auch unter gekriegt.

EVA

Du lebst doch, Franze, paß auf, du stehst bald auf.

FRANZ

Recht haben sie gehabt, da kuck mir an, glaubste, ick weeß nich, daß mein Arm ab is, der rechte Arm, sie wollens mir nich sagen. Aber recht haben sie gehabt.

EVA

Wer hat denn recht gehabt, wie kannst du das sagen, Franz.

FRANZ

Alle haben recht gehabt und ick bin der Ochse. Ick hab getan, was ick tun konnte, anständig sein, ich hab am Alex gestanden, in größtem Dreck, ick bin die Treppen gelaufen von morgens bis abends und hab gehandelt: es is [n]ischt, ein Ochse bin ich, ick, Franz Biberkopf, bin ein Ochse. Ja, meine Schulter.

EVA

Reg dich doch nich auf, Franz, die Schwester kommt rein.

FRANZ

Betrüger sind in der Welt, die haben die Welt und die [A]nständigen schmeißen sie aus den Wagen.

EVA

Du stehst bald auf, dann holst du dir den Halunken, den Mörder.

FRANZ

Recht hat er gehabt, recht hat der Reinhold, laß mir erst auf zwei Beene stehn. (singt laut das Lied mit)

SCHWESTER

Gehn Sie jetzt, gnädige Frau, ich geb ihm eine Spritze.

FRANZ

Ich brauch keine Spritze, mir gehts gut, ich bin bald wieder gesund, dann sollen sie sehen.

Musik: schmetternd, kess, wie oben, Paukenschlag.

– – –

Straßenlärm []

ZEITUNGSRUFER

[:] Sturz der Regierung in Oslo, die letzte Nacht im 6[-]Tagerennen, die Lage im Saargebiet verschärft, Zunahme der Arbeitslosigkeit, die große Bockwurst mit Salat, hier junger Mann die große Bockwurst, Vorzug der kleinen Motorspritze ist die leichte Bedienung, geringes Gewicht, geringer Umfang, das Mieterschutzgesetz ist ein Fetzen Papier, wir verlangen öffentliche Kredite an das Kleingewerbe, sofortiges Verbot aller Pfändungen im Kleingewerbe, meine Damen, meine Herren[,] ihr Herz lacht vor Freude, wenn Sie ein [H]eim mit unsern Möbeln besitzen, alles was Sie an Wohnlichkeit [v]erträumten, wird von dieser Wirklichkeit übertroffen. Sturz der Arbeiterregierung in Oslo, Resultate im 6[-]Tagerennen.

FRANZ

(lacht) Sturz der Regierung in Oslo, Resultate vom 6[-]Tagerennen.

MECK

Da is doch nischt zu lachen.

FRANZ

(lacht) Aber for mir.

MECK

Die werden dir noch vermöbeln, du, wenn du auch bloß einen Arm hast.

FRANZ

Ick wer doch lachen können über die Idioten, über die Schreihälse, über die Nachtigallen, horch mal wie sie singen.

AUSRUFER

Wie oben.

MECK

Die verdienen ehrlich ihr Geld.

FRANZ

Darüber lach ick eben. Idioten hab ick gesagt. Idioten, die müßte man alle in der 68 einpacken und nach Herzberge fahren. Komm nach die Münze. Da, kuck dir det an, kuck mal ins Schaufenster, »amerikanische Schnellbügelanstalt«, ehrlicher Mann, wat, arbeitsam, fleißiger Mann wat, steht von morgens bis abends da und bügelt, wat.

MECK

Na wat denkst du denn, wat der tut, aus Freude an der Arbeit tut ers nich, der braucht die paar Pfennige.

FRANZ

Jawollja sagt Olja[,] der bügelt, das is Sand in die Augen. Kuck mal, was da hinten am Bügel hängt, haha, alles jemaust, bloß unter gestellt. Ehrliche Leute, was, arbeitsam, fleißig. Komm Meck, ich zeig dir noch was.

MECK

Spielwarengeschäft, schöner Laden.

FRANZ

Großartig. Mit det kleine Zeug spielen die Göhren, kuck mal an, was det kostet, die kleinen Holzwagen, die Windmühle. Alles Heimarbeit, Meck, frag mal, wat die dafür bezahlt kriegen, hab ick ooch mal als kleiner Junge machen müssen, und wat haben wir für gekriegt, haha, die anständigen Leute.

MECK

Na Franz, du wirst wohl politisch.

FRANZ

Politik geht mir nischt an. Die Zeitungshändler, die gehn mir ooch nischt an. Wenn Menschen so dämlich sind, sich ausbeuten zu lassen, kann ich nischt dafür. Sollen sich ihren Kopf alleene zerbrechen.

MECK

Wenn alle so denken.

FRANZ

Mir hat ooch keener geholfen. Jetzt helf ich mir alleene.

MECK

Franze, oller Franze, du gefällst mir nich.

FRANZ

Es ist jetzt aus, Meck, mit dem guten alten Franz Biberkopf. (gesangsartig) Es ist die Schlacht geschlagen wohl auf dem freien Feld, ratatam, wir haben die Stadt genommen und das viele Geld gewonnen, geklommen, rattatam rattatam rattatam.

– – –

Lärm einer Kneipe: »Ach du lieber Augustin« wird gespielt und gesungen.

SPRECHER

Kaffeeklappe, Achtung, dufte Jungs.

GESPRÄCH

Polizeihunde, was die schon können, bei uns waren fünf Mann abgezogen durch die Mauer, wie kann ick dir genau sagen, unten durch den Boden durch, nanu Zementboden, graben n Loch, nachher kommen die Polizeichiens, det hätten sie hören müssen, ne, wir haben garnicht gehört, wir haben geschlafen, haha.

Gesang: »Es geht ein Rundgesang«.

GESPRÄCH

Und nachher kommt natürlich wer, Herr Polizeiwachtmeister, Oberwachtmeister Schwab, will sich wichtig tun. Kollege! Billig zu verkaufen braune Hose und schwarze Windjacke, Saisonausverkauf, braune Woche, rücksichtslos herabgesetzte Preise, ein paar Segeltuchschuh, mit Strohsohlen dran, eine Wolldecke, Mensch, die hättest du beim Hausvater abgeben müssen.

Gesang: »Es geht ein Rundgesang«.

EINER

Wat is denn det für ne Type[?]

2

N Einarmiger.

1

Du wieviel kriegst du dafür, daß du bloß ein Arm hast, Sechser?

2

Det is viel zuvill, die sollen keen Pfennig kriegen, die vielen Unterstützungen, die powern das Volk aus, können ja arbeiten.

1

Nehmen Sie Platz, Herr Baron.

AUSRUFER

Ein Paar Strohsandalen zu verkaufen, zum ersten, zum zweiten.

Musik:

STIMME

(flüsternd) Hiob.

HIOB

Wer ruft[?]

STIMME

Hiob.

[HIOB:]

Wer ist es[?]

STIMME

Hiob, du kannst die Augen nicht aufmachen, willst du keine Rettung[?]

HIOB

Nein.

STIMME

Wenn ich aber Satan oder der Böse bin und will dich holen.

HIOB

Ich will nicht.

STIMME

Warum nicht[?]

HIOB

Weil ich nicht will, ich will nicht mehr, du sollst mich kennen lernen.

STIMME

Sieh dich vor, Hiob.

HIOB

Da lach ich.

FRANZ

(lacht im Tone des Hiob weiter)

EINER

Der ist bei juter Laune, der Invalide.

HERBERT

Jotte doch. [D]er Franz, du hier.

FRANZ

Herbert, Mensch, du, und die Eva ooch.

EVA

Ja und die Eva ooch, und zu uns kommst du wohl nicht mehr, sind dir wohl nich fein genug.

FRANZ

War ja Straßenhändler, Eva, Zeitungen.

EVA

Na bist ja schon lange raus aus Tegel.

FRANZ

Schwamm drüber, bin mal so verrückt gewesen, hab en Vogel gehabt, Franz will anständig sein, n teures Geschäft, kuck mal, was ich dafür bezahlt habe, Arm ab.

HERBERT

Hab ich schon gesehn, wie es det gewesen?

FRANZ

Det hab ick bezahlt dafür und jetzt weeß ick, wat ich weeß.

HERBERT

Wat wiste machen mit dem eenen Arm.

FRANZ

Alles, jetzt trinken wir noch ne Molle.

EVA

Ich weiß eine für dich, Franze.

FRANZ

Prost Herbert.

EVA

Franzeken, du kannst doch nich so mit eim Arm rumlaufen, dir muß einer helfen.

FRANZ

Bist goldig, Eva.

EVA

Na ick freu mir, daß du wieder da bist, Franze. Ick kann dir ja nich viel helfen, ick bin Herbert seine, aber komm mal raus vor die Tür. Die Sonja is da, ick will sie dir zeigen.

Musik: »In der Nacht, in der Nacht, wenn die Liebe erwacht«.

EVA

Das ist Sonja, und ick freu mir ooch wirklich so, daß du wieder da bist, Franzeken, und dat du wieder zu uns kommst. Paß uff, jetzt wird alles gut werden. Und bist ooch gut zu ihm, Sonja. Wiedersehn, Sonja. Wiedersehn Franzeken.

FRANZ

Welln wirn bißchen gehn, Straßen runter.

MIEZE

Na ja.

FRANZ

Du heißt Sonja[?]

MIEZE

Mensch, du hast ja bloß einen Arm.

FRANZ

Ja.

MIEZE

Bist ausm Krieg[?]

FRANZ

Ja ausm Krieg.

MIEZE

Jefall ich dir, Franz?

FRANZ

Bist hübsch, Mädel. Wieviel wiegst du denn?

MIEZE

So in die Sachen 105.

FRANZ

Nanu, mehr wiegst du nich[?]

MIEZE

(kreischt) Reg mir doch nich uff uff die Straße, wat denken die Leute.

FRANZ

Wat Richtiges.

MIEZE

Wat denn[?]

FRANZ

Wat der mit seinem einen Arm kann und det is n feines Mädel.

MIEZE

Laß los, Franzeken.

FRANZ

Komm mit zu mir, ich zeig dir meine Bude. Kuck da bin ich, hier wohn ich, is nich groß, wie gefällts dir[?]

MIEZE

Ick muß mir erst hinsetzen, Franz.

FRANZ

Nu bin ick froh, ick jeh tanzen, n Mädel hab ick, die heißt aber nich Sonja, die muß Mieze heißen, Miezeken, du, ick han noch nie n Mädel gehabt, die Mieze heißt.

MIEZE

Ick heiße ja auch garnich Sonja, hat die Eva bloß jesagt, weil die alle so heißen.

FRANZ

Paß uff, Mieze, hier wohnst de und ick geh für dich verdien.

MIEZE

Laß man, du hast bloß een Arm, ick tu schon.

FRANZ

Ick wer verdienen, was haste gern, na wat?

MIEZE

Kleen Stieglitz.

FRANZ

Koof ick. Wat noch[?]

MIEZE

N Korbstuhl, zwee Korbstühle, für die Ecke, wo wir dran sitzen können, und denn [n] runder Tisch vor.

FRANZ

Koof ick alles.

MIEZE

Wo kriegste det Geld her[?]

FRANZ

Meine Sorge.

MIEZE

Ick helf dir.

FRANZ

Mach mal die Oogen zu. Wat is det[?]

MIEZE

Jott, hundert Märker.

FRANZ

Mach noch mal zu. Na warum weenst du denn[?]

MIEZE

Frei mir so. Mit dir Franze. Hab es so schlecht gehabt. Bin aus Bernau, die haben mir da rausgeschmissen und die Menschen sind alle so schlimm, du aber nich.

FRANZ

Ich nich, Mieze.

MIEZE

Will bei dir bleiben, Franze.

Musik: »Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren«.

FRANZ

Ick hab noch wat zu besorgen, Mieze.

MIEZE

Wo jehste hin, Franz[?]

– – –

FRANZ

Adjes. (liedartig) Wohin ich gehe, wer ich der Mieze nich sagen, er hat mir geschmissen ausm Wagen, durch den is mir der rechte Arm abgefahren, ich wer es ihm aber nich nachtragen. Aber an seinem Tisch muß ich sitzen, det muß ich, und wenn ich Blut soll schwitzen, und wenn er mir sollt niederknallen, ich muß da sitzen.

Musik wieder: »Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren«.

REINHOLD

(singt mit) Ei warum ei darum.

FRANZ

Poch poch.

REINHOLD

Ei warum ei darum, wer klopft, wat du, hab ick rin gerufen?

FRANZ

Ei warum ei darum, die Tür war offen, Reinhold.

REINHOLD

Ei bloß wegen dem Tschinderata. Da könnte ja jeder rin kommen, wenn die Tür offen ist.

FRANZ

Hab geklopft, Reinhold.

REINHOLD

Wat wiste hier[?]

FRANZ

Wunderst dir wohl, daß ick ruff komme.

REINHOLD

Paß mal uff, wie ick mir wundere.

FRANZ

Nich Reinhold, leg des weg, ick will doch nischt.

REINHOLD

Die Pistole brauch dir nich zu stören, die liegt bloß da und hört zu, Zeugen sind immer gut bei Gesprächen. Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren. Nu setz dir man hin. Bibberst ja[.]

FRANZ

Bibbere nich, is bloß so verflucht schwer still zu halten. Bin noch nich janz fest auf die Beine, Reinhold.

REINHOLD

Erhol dir man gut.

FRANZ

Ick will jetzt arbeiten.

REINHOLD

Richtig.

FRANZ

Woll.

REINHOLD

Also, hat lange gedauert, Mensch. Warum kommste grade zu mir? Hast doch Herbert[.]

FRANZ

Ne ick will zu dir.

REINHOLD

Is mehr Verlaß auf mir, was[?]

FRANZ

Ja.

REINHOLD

Zeig doch mal dein Arm, is ab, was.

FRANZ

Halbe Schulter mit.

REINHOLD (pfeift)

Donnerwetter. Hast noch Schwein gehabt, hättn Kopf kosten könn du.

FRANZ

Ick weeß.

REINHOLD

Siehst komisch aus, wie der Ärmel baumelt, wie ne Wurstpelle, ohne Wurscht. Mußt wat rin stoppen, komm mal her ick zeig dir.

FRANZ

Strümpe, ne det fällt wieder raus.

REINHOLD

Da mußte zum Schneider gehn, der macht dir det. Gibt ooch nen künstlichen Arm. Fällt sonst uff, Mensch mit eem Arm, erkennt dir jeder gleich wieder. Bibberst noch immer, wart mal, die Pi[]stole legen wir weg.

FRANZ

Möcht zu euch arbeiten.

REINHOLD

Schön von dir. Muß ick natürlich erst mit Pums und die andern sprechen. Morgen in unser Lokal, Prenzlauer, weeßt schon.

FRANZ

Dank schön, Reinhold.

REINHOLD

Und hier hastn Revolver und schieß mir doch tot du, haha, schieß doch.

FRANZ

Ick will ja nich, Reinhold.

REINHOLD

Also uff morgen.

– – –

Musik: »Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren«.

MIEZE

Siehst ja so blaß aus, Franzeken, wo bist gewesen[?]

FRANZ

Bisken forsch geloofen.

MIEZE

Mußte nich, bist doch noch schwach.

FRANZ

Bin nich schwach, bin ick nich, ick steh auf meine zwei Beene, ick komm wieder ganz hoch, soll keener sagen, ick bin schwach.

MIEZE

Hast son Knudel in dem Ärmel. N Strumpf, nanu.

FRANZ

Hat mir eener ringesteckt, macht nischt, n Spaßvogel, schmeiß weg, ick komm wieder hoch und denn wolln wir mal sehn, ob noch eener Franzen unter die Räder schmeißt. Heut jehn wir schwofen, Miezeken, Herbert und Eva müssen mit und trinken wollen wir.

MIEZE

Bist ja so uffgeregt, Mensch.

FRANZ

Es jeht in den Krieg, es jeht los!

– – –

MIEZE

Eva, ick hab ja solche Angst, wat is mit mein Franz, der redt so und wer hat ihm [] n Strumpf in n Ärmel gesteckt.

EVA

Wat fürn Strumpf?

MIEZE

Und jetzt will er trinken jehn.

EVA

Mußt uffpassen auf den, dat er keene Zicken macht, bei den weeß man nich.

MIEZE

Wat soll ick bloß machen.

EVA

Uffpassen.

MIEZE

Hilfst mir ooch.

EVA

Nu ja, Kleenes.

– – –

PUMS

Also von mir aus kann er kommen. Der Biberkopf ist zuverlässig, sonst hätt er uns ja verpfiffen.

REINHOLD

Sag ick ooch. Mensch wat hätt [n] anderer gemacht, so ausm Auto raus und mitm Arm.

[PUMS]

Alles jut. Bloß warum muß er jrade zu uns kommen, wenn er arbeten will, gibt doch andere Kolonnen. Der Herbert is doch sein Freund.

[REINHOLD]

(lacht) Das macht die Anhänglichkeit.

[PUMS]

Scheint mir ooch.

[REINHOLD]

Na wat kann schon sin. Einmal hat er schon Senge bezogen. Kommt er noch mal, ick hab noch Kleingeld überflüssig.

PUMS

So is richtig.

REINHOLD

Der Hund will wat von mir, von mir, verstehste. Dabei hat er jestern jebibbert, wie er bei mir uff die Bude war.

PUMS

Also da könn wirn wohl rin holen.

FRANZ

N Abend allerseits.

PUMS

N Abend. Wie jehts, Biberkopf[?]

FRANZ

Danke für gütige Nachfrage, ausgezeichnet.

PUMS

Sieht man. Also Biberkopf, Handschlag.

FRANZ

Könnt Euch auf mir verlassen.

PUMS

Wissen wir.

– – –

SPRECHER

Es geht los, auf ne Diebesfahrt, sollt mal sehn, wie Franz Biberkopf fährt. Zwischen Tuchballen hatten sie ihn damals eingeklemmt, dann die Türe auf, angefaßt, einen Stock über die Schulter und über den Kopf und dann in den Straßenmatsch runter vors Auto. Jetzt ist er aufm Damm, jetzt sitzt er stramm. Sie arbeiten, arbeiten und rauchen, wie sie nach Hause krauchen, da haben sie mächtige Pinke gemacht, das [] war nur eine Nacht. Und Berlin is groß, da gibts was zu erben, da brauch kein Mensch vor Hunger sterben.

REINHOLD

Nu rutschen wir mal zusammen, Franz, jetzt biste ja bei uns, wie is damit, wie heißt deine Braut.

FRANZ

Weeßte doch, Reinhold, Mieze, früher hieß sie Sonja.

REINHOLD

Zeigst sie uns nich, is wohl zu fein für uns.

FRANZ

Hab doch keene Menagerie, dat ich sie dir zeigen muß.

REINHOLD

Hübsches Mädel, wat[?]

FRANZ

Soll schon sein.

REINHOLD

Hast ihr wohl sehr gern, Franz.

FRANZ

Nu hör schon uff mit dem Quatsch. Hast wohl dein Vogel noch immer. Denkst wohl, Reinhold, ick fürcht mir vor dir, weil ich dir das Mädchen nich zeige. Für manche Leute is janz jut, daß sie nich überall ihre Nase rinstecken. Wat kuckste mir an. Du meenst wirklich, ick fürcht mir vor dir, wegen Mieze.

REINHOLD

Kann die doch ankucken.

FRANZ

Also du willst die Mieze sehn. Sollste haben. Sollste!

REINHOLD

Vielleicht verzicht ich auf deine Gnade. Vielleicht geht der Reinhold mal alleene zu ihr ruff.

FRANZ

Hat er garnich nötig, sollste sehen, wat det fürn Prachtmädel [is]. Und die hängt an mir, sollste ma sehn.

– – –

FRANZ

Det is mein Freund Reinhold, Mieze, der wollt dir mal kennen lernen. Weeßte wat der meint: istn ganzer Herzensbrecher wie er im Buch steht, und wenn er will, kriegt er alle.

MIEZE

Na mir nich.

FRANZ

Alle, hab ich gesagt, Mieze.

REINHOLD

Wenn der mir gleich schlecht macht, Fräulein, ick bin n kranker schwächlicher Mann.

FRANZ

Na nu zieh man nich zurück.

REINHOLD

Kann keen Troppen Alkohol vertragen. Und denn soll ick mir uffspielen als Herzensbrecher. Nee Fräulein, wir waren bloß als neugierig auf sie, weil Franz sie garnich zeigt im Verein, haben doch in Berlin keine Käfige für Frauen.

MIEZE

(leise) Warum bringst du den ruff, Franz[?]

FRANZ

Möchte dir kennen lernen, Kleenes.

MIEZE

Magst mir nich mehr, Franz.

FRANZ

Miezeken, die r[e]den doch über mir. – Na nu hast se ja gesehn, Reinhold[,] und wenn du sie mal unten triffst, weeßte wers is, die Mieze, der Reinhold.

REINHOLD

(leise) Fein is se, Franz, n Puppchen, hängt an dir wie Pech und Schwefel. Kommste mit runter[?]

MIEZE

Ick bin dein, Franz.

FRANZ

Weeß.

MIEZE

Ick bin dein, Franz.

FRANZ

Aber ja Mulleken. Wat heulst de. Adjes. Wat sagste nu, Reinhold?

REINHOLD

Adjö, Fräulein.

– – –

MIEZE

(ein Leierkasten spielt: »Ich hab mein Herz in Heidelberg …«) Wat bringt er mir den ruff, pfui son Kerl, (klopft) Eva!

EVA

Na. Na. Miezeken, wat heulste.

MIEZE

Der jeht mit sone Kerle um.

EVA

Wat Kerle. Kennst dir noch nich aus auf Männer. Is janz jut, daß er dir welche ruffbringt, kannste doch begutachten. Immer die Augen auf, Mieze. Ick sag dir doch, auf den Franz mußt du uffpassen, mit wem der umgeht. Die machen mit ihm, wat sie wollen.

(Der Leierkasten spielt, Mieze spricht dazu.)

MIEZE

Det is ne falsche Gesellschaft; wann kommt er denn nach Hause? Ick wer mir mal ne Bluse anziehen, wer mal horchen, wat die machen. Wo ist mein Hut, Handschuh[?] Daß ich mein Herz in Heidelberg verloren, mein Herz es schlägt am Neckarstrand.

– – –

REINHOLD

Tag, Fräulein[.] Sie wollten wohl jrade weg[?]

MIEZE

Was wollen Sie?

REINHOLD

Der Biberkopf ist weg, muß was besorgen für uns, geschäftlich. Dacht ich mir –

MIEZE

Was[?]

REINHOLD

Geh mal ruff zu ihr. Ein armer Mann ohne Anhang wie ick, wat soll er machen. Sie werden mich ja nich gleich rausschmeißen.

MIEZE

Ick muß jetzt runter.

REINHOLD

Haben mir so gefalln, wie sie mit Biberkopfen sind. Sone Anhänglichkeit, det hab ich gern, det giebts nich viel.

MIEZE

Ich – muß runter.

REINHOLD

Gehn wir zusammen, Fräulein, wat wolln Se an som schönen Tag machen, alleene.

MIEZE

Sagen Sie, wat – sind Sie eigentlich für Leute da im Verein?

REINHOLD

Nette Leute, Fräuleinchen, wollen Se se mal kennen lernen[?] Ich könnte Ihnen noch allerhand erzählen, ooch von Franz und wat Se wollen.

MIEZE

Na ja, vielleicht n ander Mal.

REINHOLD

Ne heute, Fräulein. Heut is schönes Wetter, det kommt so bald nich wieder. Ick habn Freund, der Klempner Karl, hatn Auto, da fahren wirn bißchen raus.

MIEZE

Ihr seid aber feine Jungs.

REINHOLD

Alles nötig fürs Geschäft, Fräulein. Auf fremde Schofföre kann sich unsereins nicht verlassen.

MIEZE

Fein! Fahren wir Auto.

REINHOLD

Fahren wir nach Freienwalde, bißchen ins Grüne. Bis Franz da is, sind wir wieder zurück.

MIEZE

Komm schon. Bloß mein Mantel.

– – –

Autofahrt.

MIEZE

Ach, es ist schön zu fahren mit Ihnen, Reinhold.

SPRECHER

Du freust dich, Mieze, mit ihm zu fahren.

MIEZE

Ja ick freu mir.

SPRECHER

Du denkst, für deinen Franz was zu tun, du fürchtest um ihn.

MIEZE

Ja.

SPRECHER

Du willst alles für ihn tun, was du kannst[?]

MIEZE

Ja.

SPRECHER

Du wirst auch für ihn dein Leben lassen[?]

MIEZE

Ja. Ja.

REINHOLD

Und das ist also Freienwalde. Dank schön Karl, kannst hier warten. Und jetzt jehn wir n bißchen spazieren im Wald.

MIEZE

Ick bin schon lange nich im Wald gewesen.

REINHOLD

Brauchst dir bloß an uns zu halten, kleine Mieze, wir haben alles, Auto, Geld.

MIEZE

Ick denk Sie sind a schwacher Mann ohne Anhang.

REINHOLD

Wat sagt man nich alles, wenn a Fräulein hübsch is und nich will.

MIEZE

Sie sind die richtige Marke. Wie schön sind die Bäume hier in Freienwalde. Hören Sie mal wie die rauschen. Wie Musik, wat[?]

REINHOLD

Ja.

MIEZE

Wie die rauschen.

(Wind und Bäume rauschen, dabei die Musik, an- und abschwellend: »Es ist ein Schnitter, der heißt Tod.«)

MIEZE

Schön rauschen die. Hören Sie bloß.

(Bäume: »Es ist ein Schnitter«, Musik)

MIEZE

Bißchen traurig.

REINHOLD

Schön, wenn man so geht, mit ein hübsches kleines Fräulein.

MIEZE

Und ick freu mir ooch. Wissen Se worüber? Wissen Se worüber? Weil Sie nen rechten Arm haben, es jeht sich besser. Franz hat keen. Haben Sie eigentlich keine Freund[in?]

REINHOLD

Du lieber Gott, da jibt es allerhand, det kennen Sie doch auch, Fräulein. Sie haben da ein Freund, der is solide und tut was für Sie. Aber son Mädchen heute will nischt als Jeld und sich amüsieren. Herz sowas jibts nich mehr.

MIEZE

Haben Se aber Pech.

REINHOLD

Lauter Bruch. Nachn paar Wochen sitzen Se wieder da.

MIEZE

Bißchen Abwechslung is wohl ooch dabei.

REINHOLD

Ha, warum nich, sind doch alle Menschen.

MIEZE

Tätowiert sind Sie ooch, in beide Hände, zeigen Se mal. (kreischt) Nich doch, was fällt Ihnen denn ein.

REINHOLD

Hab dir doch nich, Mensch.

MIEZE

Ick jeh los.

REINHOLD

Na sein Se man nich so, Fräulein, det war nur son Momentchen, es jibt im Menschenleben manchesmal Momentchen.

MIEZE

Ihr seid wohl alle so bei Pums[?]

REINHOLD

Kommt druff an, gut Kirschen essen is mit uns nich.

MIEZE

Na wat machen Sie da alles[?]

REINHOLD

Ach Mieze, det fragst du am besten dein Franz.

MIEZE

Der sagt nischt.

REINHOLD

Gut is das, schlau, besser nischt sagen.

MIEZE

Aber mir.

REINHOLD

Wat wiste wissen[?]

MIEZE

Was Ihr macht.

REINHOLD

Krieg i[c]kn Kuß[?]

MIEZE

Wenn Sie mir sagen.

(Bäume, Musik, dazu die Worte): Jegliches seine Zeit, pflanzen und ausrotten, geboren werden und sterben, suchen und verlieren, zerreißen und zunähen, jegliches seine Zeit.

MIEZE

Jetzt läßt du mir los, ick krieg keene Luft, wat denkste von mir.

REINHOLD

Sag mal Mädel, du bist dochn hübsches Stück, wie kannste dir bloß son Kerl ausbuddeln wie den Franz, mit eem Arm, son hübsches Mädel, kriegst doch zehn an jedem Finger.

MIEZE

Quatsch nich Krause.

REINHOLD

Liebe is blind auf beede Oogen. Dein Franz, weeßte, wat der bei uns spielen will, bei uns jetzt? N dicken Wilhelm. Da haste ne feine Nummer erwischt.

MIEZE

Tätowiert.

REINHOLD

Die Hand, jawoll, studierst mir ja ordentlich aus.

MIEZE

Am Arm ooch.

REINHOLD

Een Ambos. Is mei[n] Wappen.

MIEZE

Muß man sich ja fürchten vor Se.

REINHOLD

Oh du nich, du nich, Mieze, vielleicht andere.

MIEZE

Sie sehen ganz anders aus, wenn Sie so sprechen.

REINHOLD

Mag sein, hat dir woll deiner ooch geschoben, der Biberkopf.

MIEZE

Der erzählt janischt, und von Sie hab ick noch nie wat gehört.

REINHOLD

Hefe. Hat er ooch allen Grund, Mieze. Noch wat erzählen, wie der lackiert ist, dein Freund.

MIEZE

Ick will det nich hören, ick denk, Sie sind sein Freund.

REINHOLD

Mensch, Mädel, un son Kerl fängst dir, son Schlapper mit eem Arm.

MIEZE

Ick jeh los.

REINHOLD

Renn man nich mit n Kopp an die Bäume, n Kuß will ick, her!

MIEZE

Laß mir los.

REINHOLD

Nanu, du haust mir?

MIEZE

Laß mir los, ick geh, du Strolch.

REINHOLD

Wat bin ick[?]

MIEZE

Strolch[.]

REINHOLD

Erst kommste mit, läßt dir Auto fahren, willst mir aushorchen und dann sagste Strolch. Setzte dir her, Kröte, in die Kute.

MIEZE

Laß mir los.

REINHOLD

Setzt der her. Bist o[o]ch so eene wie dein Franz? Der wollte o[o]ch mal so, wies in seine Birne steckt, nicht mithelfen bei de Arbeit[,] is zu fein, anständig, wat[?]. Bist ooch zu fein for mir, wat? Da haben wir den genommen, du, ick hier mit meinem Arm, und raus aus dem Auto.

MIEZE

Wat, du[?]

REINHOLD

Ja ick! Jetzt weeßt, wo er seinen anderen Arm hat.

MIEZE

Mörder! Du bist ein Mörder.

REINHOLD

Nu schrei.

MIEZE

Ick will weg. Hilfe! Franze.

REINHOLD

Wat, du schreist[?]

MIEZE

Franz! Komm! Franzeken, Franz!

REINHOLD

Schrei man, dein Franze.

(Wind, Bäumerauschen: »[E]s ist ein Schnitter der heißt Tod« sehr laut, hart dann: »Jegliches hat seine Zeit, pflanzen und ausrotten, zerreißen und zunähen, schweigen und reden, würgen und heilen, jegliches seine Zeit.«)

– – –

SPRECHER

Franz Biberkopf, du hörst nicht, was sie singen. Du gehst rum, du bist vergnügt. Mieze hat dir helfen wollen. Es war nichts.

FRANZ

(singt den Schlager: »Du bist das süßeste Mädel der Welt.«)

FRAUENSTIMME

Ach, ach ich muß klagen, daß es so gekommen ist mit ihr. Ich bin eine einfache Frau, die diese Geschichte hört, ich kann nicht glauben, daß es aus ist mit Mieze. Warum, warum[?] Sie war die Tochter eines Straßenbahnschaffners aus Bernau, sie waren drei Kinder zu Haus, sie ging öfter alleine aus, ging tanzen nach Berlin, Chausseestraße zu Lestmann und wo anders, und ein paarmal wurde es abends zu spät, da traute sie sich nicht zurück nach Haus und blieb in Berlin. Sie hatte viele Bekannte und manchen Freund. Aber zuletzt blieb sie nur mit einem vereint, das war ein einarmiger starker Mann, den Mieze auf einen Blick lieb gewann und ist ihm gut geblieben bis an das Ende. Was fürn Ende, ein furchtbares Ende, ich mags nicht glauben; ist das das Leben? Sie wurde erschlagen, weil sie neben ihm stand, zufällig neben ihm.

SPRECHER

Und was wirst du tun, Franz[?]

– – –

EVA

Sitzt so im Dustern, Franz, steck doch das Gas an.

FRANZ

N Abend Eva. Die Mieze läßt mir sitzen, ist det möglich.

EVA

Kommt schon wieder, Mensch, wird dir nich wegloofen.

FRANZ

Gräme mir aber, sitz schon vier Tage und warum kommt se nich.

EVA

Vielleicht kleene Spritztour gemacht, die hat ihre Einfälle.

FRANZ

Komisch is det, komisch is det.

– – –

EVA

Herbert, ick kann det nich ansehn.

HERBERT

Wat wiste Eva[?]

EVA

Der Franz sitzt da und sitzt und sitzt und in der Zeitung steht ooch nischt.

HERBERT

Wird ihm ausgerissen sind. Wenn von alle Frauen in die Zeitungen steht, die ausreißen.

EVA

Is nich wahr, is nich ausgerissen. Ick hab schon im Schauhaus nachgesehn. Oh, det is ein Unglück mit Franz.

HERBERT

Jotte doch, nimmt er sich ne andere.

EVA

Haste nischt jehört bei Euch im Verein, oder bei Pums, wat erzählen die sich.

HERBERT

Mit die hab ick nischt zu tun. Hab nischt gehört.

EVA

Die halten dicht.

HERBERT

Wat sollen sie denn dicht halten, werden sich anm Mädel vergreifen, bei dir rappelts wohl.

– – –

REINHOLD

Der Klempner Karl muß rausgeschmissen werden. Der kann nischt, Pums, der vermasselt uns jede Tour.

PUMS

Mußt nicht solche Wut auf den haben, Reinhold. Det isn guter Schofför. Wenn mal das Gebläse nicht geht, kann jedem mal passieren, haste gesehn, wie er sich die Pfoten bei verbrannt hat, Pech.

REINHOLD

Der Kerl muß raus. Den könn wir nich brauchen. Ick dreh keen Ding mehr mit dem. Des hab ich gesagt, Pums nu könnt Ihr wählen.

PUMS

Soll eener verstehn, wat in dein Kopp lo[s] ist. Erst machste mit dem die schönsten Touren, erst neulich nach Freienwalde, und mit eenmal is aus.

REINHOLD

Der Hund grient immer, wenn er mir sieht.

PUMS

Hab ick noch nich jesehn.

REINHOLD

Ick aber. Wat hat der Kerl zu lachen, dem hau ick die Zähne in.

PUMS

Laß den doch grienen, ich wers ihm sagen.

REINHOLD

Nischt. Raus soll der, raus.

– – –

KLEMPNERKARL

Pst du, Maxe, mir hat Pums gestoßen, der Reinhold mag mir nich, ick soll raus ausm Verein.

MAX

Warum denn Karl[?]

KARL

Wird er schon wissen, weeß ooch. Aber laß man. Kann auch ohne den leben. Machste mit mir mit, Maxe[?] Ick weeß wat, Elsasserstraße, ick habn Tip[].

– – –

REINHOLD (lacht)

Pums! Aha!

PUMS

Na wat fürn aha.

REINHOLD

Haha, sie haben ihn. Da lees mal, den Klempnerkarl: Aujust Lempe, det is er.

PUMS

Wo steht det[?]. In der Elsasserstraße wurden bei einem Einbruch in flagranti erwischt – na sone Anfänger.

REINHOLD

Sag ick doch. Haha, freut mir, der steckt im Loch, Zellgefängnis, Präsidium, panoptischer Bau, steckt die Signalstange raus, haha. Da jeh ick hin und bedank mir bei der Polizei.

– – –

KLEMPNERKARL

Ick will zum Vernehmungsrichter, Herr Wachtmeister, Lempe, Aujust Lempe.

WACHTMEISTER

Ich weiß, Klempnerkarl. Bischen warten werden Sie wohl können.

KARL

Kann aber nicht warten, hab die janze Nacht nich jeschlafen, is wat Eiliges.

WACHTMEISTER

Hier schläft keener ordentlich, det jibt sich, sind schon sechs vorgemeldet, haben alle wat Eiliges.

KARL

Machen Se doch, wenn ick Ihn sage, nachher is zu spät.

WACHTMEISTER

Menschenskind.

– – –

KARL

Ick bitte um Entschuldigung, Herr Amtsgerichtsrat, hab die janze Nacht nich schlafen können, es is wat sehr Eiliges, aber erst muß ich Ihnen wat fragen.

RICHTER

Also.

KARL

Wer hat mir verpfiffen[?]

RICHTER

Na hören Sie mal Lempe, dazu drängen Sie sich vor. 

KARL

Na brauchens mir janich zu sagen, Gerichtsrat, ick weeß schon alleene, kann mir schon denken.

RICHTER

Also.

KARL

Ick wollt Ihn bloß sagen, dat det sehr dämlich war von dem, Herr Amtsrichter, det er mir verpfiffen hat. Sehr dämlich. Werdn sofort wissen, warum.

RICHTER

Nu man lo[s] Lempe, was gibts.

KARL

Ick – kenne – diesen Reinhold.

RICHTER

Welchen? Reinhold, ist mir nicht bekannt oder wie nennt er sich sonst[?]

KARL

Bei uns heißt er Reinhold, da wird er sich nich so genannt haben, in die Akten, vielleicht hat er ooch eenen vorgeschoben.

RICHTER

So so, na weiter.

KARL

Bei uns heißt er Reinhold und ick war mit ihm sehr gut befreundet.

RICHTER

Sie haben wohl mit ihm zusammen gearbeitet.

KARL

Det hab ick nich jesagt, Herr Amtsgerichtsrat.

RICHTER

Verstehe, Geschäftsgeheimnis.

KARL

Bin Schofför und habn Auto an der Hand.

RICHTER

Verstehe, kann man manchmal brauchen, nicht.

KARL

Und da bin ick mal mit ihm spazieren gefahren, vor, na so zehn Tagen is her, undn Mädel war auch bei. Aber det war nich seins, det war det Mädel vonn Andern, von den Biberkopf.

RICHTER

Weiter.

KARL

Na da sind wir rausgefahren nach Freienwalde (stockt)[.]

RICHTER

Was is nu lo[s], Lempe, wen geht das was an, wenn Sie nach Freienwalde fahren.

KARL

Geht mich wat an, Herr Amtsgerichtsrat, und Sie auch. Mir hat der Hund ja darum verpfiffen, denn soll er auch wissen, was gespielt wird. So dämlich wie sein Biberkopf sind wir noch lange nicht. Mit dem Mädchen – da hat er was gemacht.

RICHTER

Komische Geschichte. Na reden Sie mal weiter.

KARL

Die wollt nich, det weeß ick ganz genau, det is bombensicher, hingebracht hab ick ihr und zurück is bloß der Reinhold mit mir gefahren.

RICHTER

Und das Mädel.

KARL

(heult)

RICHTER

Na setzen Sie sich man mal. Wollen Sien Glas Wasser[?]

KARL