Berlin für Buchverliebte - Bernhard Hampp - E-Book

Berlin für Buchverliebte E-Book

Bernhard Hampp

0,0
20,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Erleben Sie Berlin aus der Perspektive echter Buchliebhaber: Dieser inspirierende Reiseinspirationsband führt Sie zu den schönsten Buchhandlungen, gemütlichen Antiquariaten und literarischen Cafés der Hauptstadt. Lassen Sie sich von Berlins einzigartiger Buchkultur verzaubern und entdecken Sie Orte, die Geschichten zum Leben erwecken. Perfekt für Bücherfreunde, Reisende und alle, die das geschriebene Wort lieben!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 130

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Bernhard Hampp·Olaf Meinhardt

Berlin fürBuchverliebte

Eine Reise zu den schönstenBuchhandlungen, Büchercafés,Antiquariaten und mehr

Inhaltsverzeichnis

Übersichtskarte

Alle Wege führen nach Buch

Mitte

Schaufenster zur Schatzkammer

Geschichte gut verwahrt

Zu Asche, zu Staub

Der Kampf geht weiter

Auf den Spuren von Rahel Varnhagen

Sie betreten nun das Buchregal

Vorsicht, Suchtgefahr!

Vom Senden und Empfangen

Buchverliebt bis in die Fasern

Coca-Cola auf Kyrillisch

Zusammen liest man weniger allein

Da glupscht der Anglerfisch

Währenddessen …

Club der toten Poesie

Das Tagebuch war Zeuge

Die Uropas unter den Reiseführern

Auf den Spuren von E. T. A. Hoffmann

Bibliophile Höhlenforschung

Hier sprudelt die Gelehrsamkeit

Pankow, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg, Treptow-Köpenick

Club ganz ohne Warteschlange

Auf den Spuren von Bertolt Brecht

Im Bücherlabyrinth

Literatur ins rechte Licht gerückt

Der Bücherflüsterer

Auf den Spuren von Anna Seghers

Pyramide in Marzahn

Hinter der Weltstadt

Literarisch logieren

Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln, Tempelhof-Schöneberg

Hänsel und Gretel auf der Ente

Respekt!

Was ihr wollt

Brave, bold, sad or funny

Das Leben der anderen

Bücherwissen mit Spaßfaktor

In die Fremde getrieben

Entrinnen (fast) unmöglich

Stimmen aus dem Jenseits

Auf den Spuren von Theodor Fontane

Berlins Bücherkiez

Zauberland für Bücherwürmer

Liebesbriefe an die Stadt

Von Goldkäfern und Offline-Juwelen

Ton, Steine, Märchen

Auf den Spuren von Else Lasker-Schüler

Tischlein, deck dich!

Geheimnis im Keller

Rast auf der Lesereise

Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau, Reinickendorf

Kult-Antiquariat 2.0

Ananas für den Soldatenkönig

Über die Kunst, Bücher zu jagen

Ein guter Deal

Paradiesische Kuppel

Auf den Spuren von Franz Kafka

Erste Adresse

Im gelben Gewölbe

Schätze am Ende des Regenbogens

Der Duft von Teheran

Buchperlen höchstbietend abzugeben

Ein Mord wird angekündigt

Auf den Spuren von Mascha Kaléko

Ein Hauch von Paris

Spandauer Schmuckkästchen

Stiller Pfad

Die Bildungsbrüder

Potsdam

Der souveräne Leser

Wist weiß, wer’s wird!

Erstklassige Auslage

Schmöker statt Schwarte

Register

Bildnachweis

Autor|Danksagung|Impressum

Imke Wiederhold in ihrem Antiquariat in Mitte: Sie weiß, wo sie welches Buch eingeräumt hat.

EINLEITUNG

Alle Wege führen nach Buch

FANTASTISCHE BERLIN-GEHEIMTIPPS UND WO SIE ZU FINDEN SIND

Die S2 nach Buch – einsteigen! Klar: Diese Ansage in der Berliner S-Bahn gilt eigentlich dem Ortsteil Buch im Norden der Stadt. Sie könnte aber auch eine Einladung zu den schönsten Bücherorten sein. Und von denen gibt es in der Hauptstadt massenweise!

Buchverliebte Entdeckungen warten in jedem Winkel. Dazu gehören altehrwürdige oder futuristische Bibliotheken, traditionsreiche Verlagshäuser und stilvolle Lesecafés, spannende Mitmachmuseen, halb vergessene Antiquariate zum Schockverlieben, findige Auktionshäuser oder bisher ungekannte Formate wie Co-Reading-Spaces. Berlin, 2026 Schauplatz des ILAB-Welttreffens der Antiquarinnen und Antiquare mit Kongress, Symposium und Messe, zieht Buchmenschen magisch an.

Eines ist diese Stadt bestimmt nicht: alt. Es stimmt schon, dass hier Geschichte auf Schritt und Tritt zu spüren ist. Einst exerzierten zackige Preußen im märkischen Sand, dann wucherte auf diesem ein urbaner Millionenmoloch. Vor und zwischen den beiden Weltkriegen sog Berlin kreative Außenseiter aus aller Welt in sich auf. Aber von hier aus kommandierten die Nazis auch ihre Vernichtungsmaschinerie. Es folgten zerbombtes Elend und eine Mauer, die die Front im Kalten Krieg bedeutete. Seit deren Fall 1989 sind Aufbruch und Internationalität angesagt.

Geschichte ist hier nie zur Sehenswürdigkeit verkommen, sondern stets Bühne für Neues. Immer spannend ist, was aus Zerstörtem und Heruntergekommenem gebastelt wird. Die Stadt beweist sich als Ort zum Ausprobieren alternativer Ideen, für neue Lebensentwürfe und kreatives Spinnen. Lesebühnen, literarische Salons oder Poetry Slams huldigen dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort. Literatur tanzt mit anderen Kunstformen wie Streetart oder Musik … »Zu viel Kraft in der Lunge für zu wenige Trompeten«, singt die Reggaeband Seeed in ihrer Hymne »Dickes B«.

Fjodor Dostojewski nannte Berlin in einem Brief an seine Frau eine »langweilige, entsetzliche Stadt«, Honoré de Balzac schmähte sie gar als »Hauptstadt der Langeweile«. Wirklich? Wer ist hier der Langweiler?

Aber es stimmt schon. Berlin zeigt sich selten laut, dafür aber oft introvertiert, mitunter schroff und manchmal misanthropisch. Es gibt sie auch, diese Antiquare, die hinter Bergen aus Lederbänden nicht gestört werden möchten. Die es als Sakrileg empfinden, wenn sich Unter-60-Jährige überhaupt in ihre heiligen Hallen wagen. Die auf höfliche Fragen nach einer Fotogenehmigung oder einem Mengenrabatt mit Rausschmissen reagieren. Oder Buchhändlerinnen, denen zum großspurig auf dem Ladenschild angekündigten Kaffee ein knurrendes »Den gibt’s nur für unsere Angestellten« einfällt.

Keine Sorge: Solche Orte haben es nicht in dieses Buch geschafft. Die Stadt ist voller Geheimtipps, für die kein langes Schlangestehen nötig ist. Es suchen sich ohnehin alle ihr eigenes Berlin in dieser internationalen, multikulturellen, modern-altmodischen Ansammlung grundverschiedener Welten, Blasen und Subkulturen.

Es gibt viele Berlins – und alle sind Buch. Jetzt aber einsteigen!

Bernhard Hampp

Über den Bücherbogen am Savignyplatz rattert in regelmäßigen Abständen die S-Bahn.

Mitte

Was lagert im Giftschrank der Geschichte?

Wie sorgt eine Leseidee aus Sibirien an der Spree für Furore?

Wer hat die wahrscheinlich größte Wand aus Reclam-Büchern?

Und warum hat der Hauptbahnhof einen Teil seiner Buchstaben verloren?

Ein majestätischer Neorenaissance-Bau Unter den Linden beherbergt die Staatsbibliothek zu Berlin. Das kostenlos zugängliche Buchmuseum Kulturwerk (o.) in seinem Erdgeschoss lohnt definitiv einen Besuch.

BIBLIOTHEK

Schaufenster zur Schatzkammer

STAATSBIBLIOTHEK ZU BERLIN – KULTURWERK

Zuerst die Zahlen, aber nur ganz kurz – versprochen! Mehr als zwölf Millionen Bücher, Zeitungen und Druckschriften hütet die STAATSBIBLIOTHEK ZU BERLIN, kurz Stabi. Dazu kommen fast zwei Millionen sonstige Druckwerke wie Karten oder Noten, 450 000 Handschriften und Autografe sowie 12,5 Millionen Fotos. Aber was hilft die ganze Fülle, wenn sie niemand nutzt? Deshalb geht es der Institution darum, die Bücher unter die Menschen zu bringen. Also auf zur Stabi!

Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Eher doppelt. Die Mauer teilte im Kalten Krieg nämlich nicht nur Berlin, sondern auch seine größte Bibliothek. Im Westteil der Stadt eröffnete im Dezember 1978 das Bücherschiff beim Kulturforum an der Potsdamer Straße. Der moderne Bau des Architekten Hans Scharoun stellt ein Highlight für Fans klarer Formensprache dar und gleicht von außen wirklich einem Dampfer. Heute ist der ehemalige Weststandort schwerpunktmäßig für die neue Literatur nach 1945 zuständig.

Im früheren Ostberlin wiederum steht das prächtige Gebäude, das Kaiser Wilhelm II. 1914 als Königliche Bibliothek eröffnete. Mit seinem Kuppellesesaal von 34 Meter Höhe und 43 Meter Durchmesser triumphierte es als damals weltgrößter Bibliotheksbau. Im Krieg schwer zerstört und seither mehrfach umgestaltet, präsentiert es sich heute als wilhelminischer Prachtkomplex mit figurengeschmücktem Innenhof und lichtem, breitem Treppenhaus. Hier kann Literatur konsultiert werden, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs erschien. Die meisten Bücher werden auf Bestellung aus dem Magazin gebracht.

Im Handschriftenlesesaal (o.) der Staatsbibliothek Unter den Linden können nach Anmeldung kostbare Stücke aus der Sammlung studiert werden. Am zweiten Stabi-Hauptsitz in der Potsdamer Straße (u.) ist nach den Plänen von Architekt Hans Sharoun eine offene, terrassierte Leselandschaft entstanden.

Im hinteren Teil des Erdgeschosses findet sich der Eingang zum KULTURWERK. Mit diesem Museum hat die Staatsbibliothek ihren schönsten, bedeutendsten und kostbarsten Bänden ein Schaufenster gebaut – Eintritt frei. Weil es edle Bücher gerne dunkel haben, müssen sich die Besucherinnen und Besucher aber erst einmal an das fehlende Licht gewöhnen. Sie treten in ein schwarz ausgekleidetes Gewölbe, in dem einzelne beleuchtete Vitrinen verteilt sind. Erst allmählich enthüllen sich unter den Glaskästen zig Schubladen, die sich öffnen lassen, und weitere, die mit Infotexten erläuterte Druck- oder Handschriften offenbaren.

Die Dauerausstellung führt durch vier Jahrhunderte Stabi-Geschichte – von der kurfürstlich-brandenburgischen Wunderkammer zur wissenschaftlichen Universalbibliothek mit Weltruf. Ihren Sammelgebieten wie etwa fernöstlicher Literatur oder Märchen, juristischen Fachbüchern oder dem Autoren E. T. A. Hoffmann sind eigene Bereiche gewidmet. Fast ein bisschen magisch mutet die Installation an, mit der die 42-zeilige Bibel – hergestellt 1455 vom Erfinder des Buchdrucks, Johannes Gutenberg – erkundet werden kann. Beim Durchblättern echter Papierseiten öffnen sich wie von Geisterhand Videos und Tondokumente.

Der Gang über das Treppchen in die Schatzkammer lohnt sich eigentlich immer – mindestens aber jedes halbe Jahr. In diesem Zeitraum nämlich tauscht das Team die Exponate jeweils komplett aus. Die Quelle ist schier unerschöpflich: Schließlich schlummern in den Stabi-Magazinen einige der größten bibliophilen Kostbarkeiten der Menschheit. Behutsam mit Magneten fixiert, oft mit Spiegeln versehen, die verschiedene Perspektiven erlauben, und immer gut hinter Glas geschützt, liegen sie da: Vielleicht ist gerade John Goulds Prachtwerk über Kolibris von 1849 zu sehen oder das Hyakumanto Darani, ein Papierröllchen mit Zaubersprüchen aus dem 8. Jahrhundert? Vielleicht das illustrierte Fischbuch des Conrad Gesner von 1563? Vielleicht die originale Partitur einer Beethoven-Sinfonie oder eine Handschrift des Nibelungenliedes? Egal: Jedes einzelne Stück hier ist eine Wucht für Buchverliebte.

VIER JAHRHUNDERTE WISSEN

Die AKADEMIEBIBLIOTHEK DER BERLIN-BRANDENBURGISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN Unter den Linden findet sich in einem Seitenflügel der Staatsbibliothek. Sie beherbergt Wissenschaftsschriften aus vier Jahrhunderten. Die Institution geht auf die 1700 von Gottfried Wilhelm Leibniz ins Leben gerufene Preußische Akademie der Wissenschaften zurück und kann während der Öffnungszeiten besucht werden.

BIBLIOTHEK

Geschichte gut verwahrt

BIBLIOTHEK DES DEUTSCHEN HISTORISCHEN MUSEUMS

Berlins ansehnlichster historischer Bibliothekssaal versteckt sich im Verwaltungsgebäude des DEUTSCHEN HISTORISCHEN MUSEUMS (DHM), Hinter dem Gießhaus 3. Der Lesesaal mit Marmorsäulen, Rundbögen und Glasdach wurde um 1900 ursprünglich als Schalterhalle der Preußischen Central-Genossenschaftskasse erbaut. Unabhängig von der DHM-Dauerausstellung im Zeughaus – derzeit Baustelle – und den Sonderausstellungen im Pei-Bau ist die Museumsbibliothek wochentags geöffnet. Sehenswert sind die wechselnden kostenlosen Vitrinenausstellungen mit Preziosen aus den DHM-Sammlungen. Sie widmeten sich schon bunt gemischten Themen wie Bauernkrieg, Infektionskrankheiten, Lesezeichen oder ungewöhnlichen Buchformen: Das vermutlich kleinste Buch der Welt war zu sehen, ebenso ein Buch in Damenschuhform.

Im ehemaligen Banktresorraum unter dem Lesesaal lagern bibliophile Schätze. Zu diesen gehört ein Pergamentfragment der Heliand-Handschrift aus dem 9. Jahrhundert, die das Leben Jesu Christi als Ritterepos erzählt, oder ein früher Druck von Martin Luthers 1517 veröffentlichten 95 Thesen. Erstausgaben von Goethes Faust, Schillers Die Räuber, aber auch von Buschs Max und Moritz und dem Manifest der Kommunistischen Partei gehören zur Sammlung. Genauso wie – im sogenannten Giftschrank verwahrt – Dunkles aus der deutschen Geschichte. In diese Kategorie fällt das ledergebundene Protokoll eines Besuchs von Adolf Hitler beim italienischen Diktator Benito Mussolini.

TRÖDELMARKT

Für die Jagd nach bibliophilen Schnäppchen oder günstigem Lesestoff eignet sich der ANTIK- UND BUCHMARKT AM BODEMUSEUM, der seit 1992 jeden Samstag, Sonn- und Feiertag auf den Kupfergraben lockt. Je nach Jahreszeit und Wetter finden Trödelfans hier ein kleineres oder größeres Angebot an Büchern, Postkarten, Fotos, Schallplatten, Schmuck und Vintage-Klamotten.

Die Bibliothek des Deutschen Historischen Museums (o. r.) war ursprünglich eine Bankschalterhalle. Buchverliebte Entdeckungen sind am Wochenende auf dem Antik- und Buchmarkt am Bodemuseum drin.

Ein Fenster im Pflasterbelag des Bebelplatzes gibt den Blick auf ein leeres Regal frei. Das Mahnmal des Künstlers Micha Ullmann erinnert an die Bücherverbrennung durch die Nazis im Jahr 1933.

WEITERE

Zu Asche, zu Staub

DENKMAL ZUR ERINNERUNG AN DIE BÜCHERVERBRENNUNG

Heinrich Heine hatte es vorausgesehen. »Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen«, hieß es bereits 1823 in seinem Drama Almansor. Rund 20 000 Bücher verbrannten die Nationalsozialisten und von ihnen aufgehetzte Studenten am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz. Augenzeuge war der Schriftsteller und Satiriker Erich Kästner. Er erinnerte sich später an NS-Propagandaminister Joseph Goebbels als ein »psalmodierendes, gestikulierendes Teufelchen« und seine Tiraden »wider den undeutschen Geist«. Im Feuer landeten Schriften von Autorinnen und Autoren, die oppositionelle, feministische oder pazifistische Ideen vertraten oder einfach jüdischer Abstammung waren. Auch Kästners eigene Werke.

Die Nazis hatten Bücher aus öffentlichen Sammlungen geplündert, ebenso aus der Alten Bibliothek direkt am Opernplatz. »Kommode« wird das Gebäude, das ab 1775 für die Bibliothek Friedrichs des Großen errichtet wurde, wegen seiner geschwungen-barocken Form noch heute genannt. Der Opernplatz heißt heute Bebelplatz. Wer über ihn zur Kommode geht, passiert das MAHNMAL, das der israelische Künstler Micha Ullmann 1995 geschaffen hat. Es besteht aus einem Fenster im Pflasterbelag. Darunter ist ein weißes Bücherregal aus Beton zu sehen, in dem 20 000 Bände Platz hätten: leer. Das lässt an die barbarischen Horden denken, die die Bücher und mit ihnen das Geistesleben in einem großen Teil Europas verbrannten. Und am Ende auch Menschen.

VARIATIONEN IN A

Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) ist Deutschlands größte öffentliche Bibliothek. Einer ihrer beiden Hauptstandorte, die BERLINER STADTBIBLIOTHEK in der Breiten Straße in Mitte, besitzt ein schmuckes Eingangsportal: Auf 117 Metallpanels ist hier der Buchstabe A in verschiedenen Variationen dargestellt. Diskussionen über einen Neubau der ZLB laufen.

ANTIQUARIAT

Der Kampf geht weiter

ROTES ANTIQUARIAT

Die Geschichte des ROTEN ANTIQUARIATS begann mit einer Rettungsaktion: In der DDR wurden nach der Wende Bibliotheken aufgelöst. »Bücher lagen auf den Straßen, und ganze Bibliotheken sahen in Kohlenkellern ihrer Vernichtung entgegen«, erzählt Christian Bartsch. Werke kommunistischer, vom Naziregime verfolgter Autoren wie Ernst Ottwalt und Theodor Plievier waren einfach im Müll gelandet. Darunter sogar seltene Stücke aus dem legendären, 1916 gegründeten Berliner Malik-Verlag, oft gestaltet von dem Fotomontagekünstler John Heartfield und dem Grafiker George Grosz.

BERLINS POPULÄRSTER ZEICHNER

Heinrich Zille (1858–1929) porträtierte das »Miljöh« der Menschen in den Hinterhöfen, Dachkammern und schäbigen Kaschemmen der Millionenstadt. Bevor er zu Berlins populärstem Zeichner wurde, hatte der »Pinselheinrich« selbst in ärmlichsten Verhältnissen gelebt. Das ZILLE-MUSEUM in der Propststraße im Nikolaiviertel würdigt ihn mit Zeichnungen, Grafiken und Fotografien.

Der Westberliner Bartsch und Gleichgesinnte bargen die weggeworfenen Schätze und machten sie zugänglich: zuerst auf Märkten bei Festen und politischen Veranstaltungen, später über einen Katalog, dann mit einem eigenen Laden. Heute besitzt das Rote Antiquariat drei Filialen und zählt zu den wichtigsten Anlaufstellen für linke Literatur im deutschsprachigen Raum. Der Laden in der Rungestraße in Mitte ist die große Fundgrube für Werke sozialistischer und antifaschistischer Autorinnen und Autoren, Manifeste, Flugblätter, Plakate und Zeitungsausgaben. Das Antiquariat mit Galerie in der Charlottenburger Knesebeckstraße führt Bücher zu Kunst, Exilliteratur, Architektur und Design, dazu expressionistische Grafiken und ausgewählte Designobjekte. 2013 übernahm das Rote Antiquariat einen Laden in der Wiener Florianigasse. Schwerpunkt dort: die österreichische Arbeiterbewegung.

Sozialismus, Kommunismus, Internationalismus, Anarchismus und Arbeiterbewegung: Was rare linke Literatur angeht, sucht das Rote Antiquariat im deutschsprachigen Raum seinesgleichen.

AUF DEN SPUREN VON …

Rahel Varnhagen

Es gibt angesagte Orte, an denen niemand vorbeikommt: Für das Berlin zu Beginn des 19. Jahrhunderts war ein solcher Ort die Wohnung der Rahel Varnhagen, geborene Levin. Die Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie prägte das geistige Leben als Gastgeberin, Netzwerkerin, Autorin, Wegbereiterin für die deutsch-jüdische Emanzipation und frühe Feministin.

Eine Gedenktafel in der Jägerstraße beim Gendarmenmarkt erinnert daran: Hierhin, in das Wohnhaus ihrer Familie, lud die 1771 geborene Rahel Levin ab 1793 zu Tee, Gesprächen und Vorträgen. Es kamen der Dichter Jean Paul, die gelehrten Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt, ebenso Henriette Herz, die selbst bereits einen bedeutenden literarischen Salon unterhalten hatte. Mit der Besetzung Berlins durch französische Truppen 1806 wurde Levins Salon geschlossen.

In Kreuzberg ist eine Promenade (o.) nach Rahel Varnhagen benannt. Eines ihrer Zitate schmückt ihr Grab (u.) auf den Friedhöfen am Halleschen Tor.

1814 konvertierte sie zum Christentum und heiratete den Diplomaten Karl August Varnhagen von Ense. Ab 1819 lud sie in der Mauerstraße wieder ein. Zu den regelmäßigen Gästen ihres zweiten Salons zählten der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel, die Schriftstellerin Bettina von Arnim sowie der Dichter Heinrich Heine, von dem das ironische Bonmot stammt: »Ich wünsche mir ein Hundehalsband mit der Inschrift: Ich gehöre Frau von Varnhagen.«

Nach Rahel Varnhagens Tod 1833 veröffentlichte ihr Mann die Schrift Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde mit Briefen und Tagebuchauszügen. Das Paar ist auf den Friedhöfen vor dem Halleschen Tor begraben.