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Unter höchster Diskretion ist sie angereist, um dem Landgrafen Vergnügen zu bereiten. Ihre Künste sind auch in höchsten Kreisen bekannt, doch vermag sie die Wünsche des werten Herren zu befriedigen? Zunächst muss ihr überhaupt sein Hausdiener Einlass in das Schloss gewähren ...
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Seitenzahl: 42
Veröffentlichungsjahr: 2022
Unter höchster Diskretion ist sie angereist, um dem Landgrafen Vergnügen zu bereiten. Ihre Künste sind auch in höchsten Kreisen bekannt, doch vermag sie die Wünsche des werten Herren zu befriedigen? Zunächst muss ihr überhaupt sein Hausdiener Einlass in das Schloss gewähren …
Marie stand vor dem Eingang und blickte in den Himmel. Die düsteren Wolken schienen sich zu verdichten, aber noch spürte sie keine Regentropfen auf ihrer Haut. Das Schloss zeigte sich größer, als es in ihrer Vorstellung immer ausgesehen hatte. Ein weiteres Mal kontrollierte sie ihre Kleidung und ließ ihren Blick über die Landschaft schweifen. Immerhin schafften es die hellen Sonnenstrahlen noch manchmal durch, und gefolgt war ihr niemand. Sie trat näher – und ihr Puls erreichte einen höheren Wert.
Nur vor drei Tagen, als der Bote den Brief mit der Antwort des werten Herren zurückgebracht hatte, war er noch höher gewesen. Wenn nun alles war, wie es abgesprochen war, sollte das Nebentor nun für sie offen sein. Sie berührte den geschwungenen Griff, so wie die Fassade des Schlosses, und spürte die Kühle des Metalls. Ja, der Durchgang ließ sich öffnen, und nochmals sah sie sich um und trat ein. Niemand würde es nun wagen, ihr in den Schlosspark des Landgrafen zu folgen.
Sie betrachtete nochmals ihre Kleidung, die sicher etwas gewagt erschien, aber gerade noch schicklich war und seinen Wünschen entsprach. Damals, in der Gaststätte im Ort, war sie auch so gekleidet gewesen. Blicke waren ihr zugedacht gewesen, besonders von diesem Mann, der gerade erst in den Adelsstand erhoben worden war. Ein Zimmer war noch frei gewesen und keine Fragen gestellt worden. Zwar hatte ihr noch drei Tage danach alles wehgetan, das Trinkgeld war jedoch außerordentlich hoch ausgefallen.
Ein Weg aus weißem Kies führte zum Eingang des Schlosses. Sicherlich gab es hier eine Reihe von Hausangestellten, die alles in Schuss hielten. Sie passierte einen Teich, der von geschwungenen Blumenreihen eingefasst war und in dem einige Schwäne langsame ihre Runden zogen. Ein Kreischen schreckte sie auf, und ein Pfau spazierte an einer Hecke auf der anderen Seite vorbei.
Musste sie wirklich an das schwere Tor klopfen, oder hatte der werte Herr bereits alles arrangiert? Wurde sie bereits beobachtet? Marie schreckte auf, als sich der Eingang langsam von selbst zu öffnen begann. Natürlich, es wurde auch erzählt, es gäbe hier im Keller hausendes Personal, das für diesen Zweck an Ketten zog. Sie musste nicht alles glauben, was sie hörte, aber was sie in diesen Kreisen bereits gesehen hatte …
Ein breiter Durchgang tat sich auf, dem sie folgte. War ihr Kleid hier tatsächlich angemessen? Deutlich etwas ausdrücken sollte es schon, gleichzeitig aber nicht zu aufdringlich wirken. Der Stoff war gerade so dick, dass ihre Unterwäsche nicht durchschien. Bisher war es stets gut angekommen, aber die besonderen Wünsche des Adels musste sie erahnen, wenn höchste Diskretion gefragt war.
Sie gelangte in einen ziemlich großen Innenhof, wo sich der feine Kies zwischen sorgfältig in Form geschnittenen Bäumchen fortsetzte. Ihr Mund blieb offen, als sie ihren Blick über die Details der Fassade schweifen ließ. Erneut wurde sie von einem Geräusch aufgeschreckt – und jemand trat aus jenem Tor, das sich gerade geöffnet hatte. Er kam ihr mit schnellen Schritten entgegen, ohne jedoch zu rennen. Den Landgrafen, oder wie er sich nannte, hatte sie sich etwas anders vorgestellt. Sein genaues Alter war nicht allgemein bekannt, aber wie auf diesem Gemälde sah der Herr auch nicht aus. Aber das war doch sicher …?
„Guten Tag … Frau … äh … Marie?“, erkundigte sich der junge Mann.
Sie hieß nicht Marie und erwähnte nie ihren tatsächlichen Namen gegenüber ihrer Kundschaft. Lediglich bei Hofe war bekannt, dass sie einer geduldeten „selbstständigen Tätigkeit“ nachging, und das Amt mit ihren Angaben bisher zufrieden gewesen.
„Ja … richtig.“
„Gedenkt die Dame den werten Herrn aufsuchen zu wollen?“
„Wie gesagt, das ist …“
„Dürfte ich den Zweck des Besuches erfragen? Es wurde mir für diesen Tag angekündigt, jedoch …“
„Es besteht … eine Vereinbarung.“
„Oh, ich sehe.“
War das ein Lächeln gewesen, oder beinahe eines? Natürlich war dies einer der Hausdiener des Landgrafen und sicherlich nicht über alle Details in Kenntnis gesetzt worden. Der musste wie sie an die 22 Jahre zählen und warf ihr hoffentlich nicht die leichte Verspätung des Wagens vor, den sie natürlich bereits im Ort verlassen hatte. Sie schloss die Augen, öffnete sie wieder und folgte dem Hausdiener.
Marie fühlte kaum noch dieses Zittern oder gar Schweiß auf ihrer Haut, aber bei diesem jungen Mann gewann sie schon ein wenig diesen Eindruck. Wäre er ihr Kunde gewesen, hätte sie sicherlich leichtes Spiel gehabt. Vielleicht wäre er tatsächlich schon mit einer intensiven Massage der Rücken-Muskulatur zufrieden, die sich dann an ganz andere Stellen fortsetzen konnte. Beim werten Herren, da war sie sich sicher, musste sie weitaus mehr Einsatz zeigen. Natürlich hatte er keine Details erwähnen können, aber diese Andeutungen …
Wenn so viel Geld vorhanden war, um ein derartiges Anwesen in Schuss zu halten und Bedienstete zu beschäftigen, musste das Trinkgeld für sie besonders hoch ausfallen. Aber noch hatte sie den Landgrafen nicht einmal zu Gesicht bekommen.
