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Blätterwald stellt eine Sammlung von Feuilletons und Essays dar. Erfunden während der Französischen Revolution, enthält es seit der Zeit nach deren Ende nicht ungern pointierte persönliche Anmerkungen zu aktuellen Ereignissen in Gesellschaft und Politik. Für gut 200 Jahre weltweit populär als journalistisches Genre, charakterisiert durch spielerische Stileigenheiten, humorvolle bis beißende, mitunter gar moralisierende Kritik, wird es derzeit allerdings zunehmend bedrängt von neuen Formen in den sozialen Medien. Das Format von Essays hingegen bieten Autorinnen und Autoren ihrer Leserschaft als Versuche einer fundierten, neutral gehaltenen Analyse zu einem Thema an. Aber auch sie geraten aktuell vor allem durch anonym und nebelhaft agierende Textgeneratoren aus dem Gehirn Künstlicher Intelligenz in Gefahr. Der Autor sammelt in diesem Band seine feuilletonistischen Kommentare anlässlich aktueller Ereignisse der letzten zehn Jahre, und ergänzt sie durch eine Reihe weiterer Texte und Essays hierzu, teils aus gegebenem Anlass, teils aus prinzipiellen Überlegungen, aus historischer, naturwissenschaftlicher, sozialethischer, philosophischer, vereinzelt auch aus metaphysischer Sicht.
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Seitenzahl: 489
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Vorwort
Politik und Gesellschaft
Adolescence
Israel: Diaspora, Pogrome, Holocaust, Nahost-Konflikt
Jedes Wort eingemeißelt in die Mauer des Schweigens
Sinn und Unsinn der Zwei-Staaten Lösung
Abrahams Kinder
Überfall Russlands auf die Ukraine
Lieber Ukrainisch-Luhansk und -Donetsk als ein Weltkrieg
Ukraine, vom Sofa aus gesehen I
Ukraine, vom Sofa aus gesehen II
Ukraine, vom Sofa aus gesehen - III°- mindestens
Ukraine – vom Sofa aus gesehen IV
Ukraine – vom Sofa aus gesehen V
Ukraine – vom Sofa aus gesehen VI, frierend
Ukraine – vom Sofa aus gesehen VII
Ukraine 8 – VIII!
Das Triumvirat im Kampf um die Weltmacht
Trumps neue Kleider
Trumps Frieden : Oben Elysium. Unten Ukraine
UNO
Weiß Trump, worauf er zielt?
Welt Post-NATO-Traum von der Zukunft im Frieden
Wann explodiert Trump?
Allgemeine Themen zu Politik und Gesellschaft
In dubio occidere ut erogare
Die Corona-Pandemie
Corona und die Wirtschaft
Die Schuld der Anderen
Krönung in der Endzeit?
Weitere Themen
Gleichgewicht des Schreckens - für Alle
Wo liegt Moskau?
Mein Herzenswunsch: Museum seit heute gschlossen
Eilmeldung – Breaking News
Mario Draghi – Vorzeigepolitiker und Prophet
Migration hin und her, zu Lande und auf hoher See
Das Ende der süßen Rache
Neue psychiatrische Massenkrankheit entdeckt!
Der Ruf des Muezzin - über Europa
Das Recht, der Sinn und das Absurde
Brüssel schwächelt leise
Die westlichen Demokratien – und China
Migration und Rechtsstaatlichkeit
Wer sind die Hauptschuldigen an der Umweltkrise?
Wahl und Abwahl von Politikern: Chance oder Gefahr?
Demokratie - und die USA
Hegemonialstreit oder Multilateralismus
Ost ist Ost und West ist West
Salām aleikum, Brexit
Die Digitale Gerüchteküche
China und die digitale Zukunft
Ossis mit und wider Wessis
Bolsonaro, der Löscheimer und die Presse
Das kapitalistische Märchen vom ewigen Wachstum vom ewigen Wachstum ist Wahnsinn
Die Europäische Mitte hat ihre Mitte verloren
Geschichte: Faktencheck zur Psychoanalyse der Völker
Bulgarien und die Türkei
Macht und Ohnmacht in der Demokratie
Anarchie und Medien
Medien und Macht
Machiavelli und die Diplomatie
All you need is love
Trump Eleven Nine
Brexit, EU und Weltfrieden
Einschulung zur Rückkehr
Jugend an die Macht? Welche?
Spätnachlese zur Merkel- Doktrin
Wir schaffen was?
Politische Philosophie
A New Enlightenment against present liberalism
Liste weiterer Texte zur politischen Philosophie
Philosophie, Ethik – und Wissenschaft?
Ereignis schafft Zeit
Rousseau’s individualism: a critique
Das Geistige an sich
Musik ist, wenn Gefühle denken
Raum, Zeit, Ereignis, Imagination – und Macht
Zum Ewigen Frieden: Mensch, Volk - und Frieden
Die Menschwerdung
Die Huntington – Fukuyama Debatte re-revisted
Evolution, wer bist du?
Zweimal Affe, zweimal Traum
Vom Sprechen und Denken
Liste der Quellen für häufige Zitate
Auf die Frage, wie um Himmels willen man auf die Idee kommen kann, eine derartige Menge von Texten zu verfassen, fiel mir nach anfänglicher Ratlosigkeit plötzlich eine Szene in einer Dokumentation über die britische Premierministerin Margaret Thatcher ein: sie sitzt beim Fernsehen und sieht sich die Nachrichten an; plötzlich fährt sie auf, greift zum Telefon am Tischchen neben sich und beginnt zu gestikulieren, begleitet vom Kommentar des Sprechers, ihr Mann habe erzählt, dass das ihre Gewohnheit gewesen sei: wann immer sie eine Information erhielt, von der sie noch nichts wusste, die ihr aber nicht ins Konzept passte, rief sie sofort an, um den verantwortlichen Minister zur Minna zu machen. Ich lasse das ohne jeglichen Versuch einer Selbstanalyse so stehen, weiß nur, dass ich in eben solchen Situationen oft sofort zum Notizblock oder gleich zum Laptop griff und mit Schreiben begann. Natürlich gab es auch andere Ereignisse, die mir einen Gedanken eingaben; aber stets machte ich sofort zumindest eine Notiz dazu und begann sofort zu schreiben, sobald ich wieder an die Tastatur rankam. Manchmal war der Text innerhalb weniger Stunden fertig, manchmal überlegte und recherchierte ich tage-, wochen- oder gar monatelang herum.
LM Auer, im Sommer 2025
Die Menschenwelt im Spiegel ihrer Jugend: von Brutalität, Radikalität, Kriminalität und Terrorismus
29.06.2025
„Auflösung der Demokratie durch ihre Unersättlichkeit nach Freiheit.
§563a:“ Der Lehrer ... zittert vor seinen Zuhörern und schmeichelt ihnen; die Zuhörer aber machen sich nichts aus den Lehrern und so aus den Aufsehern. Und überhaupt stellen sich die Jüngeren den Älteren gleich und treten mit ihnen in die Schranken in Worten und Taten; die Alten aber setzen sich unter die Jugend und suchen es ihnen gleichzutun an Fülle des Witzes und lustiger Einfälle .... §563d: „ ... wie zart nämlich dadurch die Seele der Bürger wird, so dass, wenn ihnen einer auch noch so wenig Zwang auflegen will, sie gleich unwillig werden und es gar nicht vertragen. .... dass sie sich auch um die Gesetze gar nichts kümmern, .... damit auf keine Weise irgend jemand ihr Herr sei“.
§564a: „So kommt denn natürlicherweise die Tyrannei aus keiner andern Staats-verfassung als aus der Demokratie, aus der übertriebensten Freiheit die strengste und wildeste Knechtschaft“.1
Vorbemerkung
Hier soll nicht der Eindruck erweckt werden, dass es nichts anderes mehr gäbe als einen erschreckenden allgemeinen Trend einer verkommenden Jugend. In diesem Artikel rückt lediglich eine äußerst besorgniserregende Entwicklung in den Vordergrund. Keineswegs soll daher der Eindruck entstehen, dass alle anderen Kräfte in der heutigen Jugend, wie höheres Umweltbewusstsein, politisches und soziales Engagement, tiefes Interesse an kultureller Entwicklung, in den Hintergrund rücken, missachtet oder gar ignoriert werden. Denn genau das Gegenteil ist hiermit die Absicht: dass Alle der Möglichkeit höhere Aufmerksamkeit schenken mögen, dass neben ihnen Verirrte, Vernachlässigte, in Abgründe Verführte leben, und dass Alle durch aktive Mithilfe zur Vermeidung sozialer Tragödien beitragen mögen.
Einleitung
Julias Romeo erstach in wildem Ungestüm ihren Cousin: Die Verfeindung ihrer Familienclans hatte die Jugend in Gangs gegen einander gehetzt; Julia war 13, als Romeo sie in ungebändigter Verliebtheit eroberte. Als der Vater sie in eine andere Ehe zwingt, will sie nicht ohne ihren Romeo weiterleben.
In Westside Story sind die dominanten Probleme Jugendlicher in Gangs, repräsentiert durch Tony und Maria, musikalisch untermalt. „ … what is perhaps the starkest change [seit den 1950ern] has little to do with the gangs themselves, but the way in which the general public and the legal system stigmatize the children within them. The average age of a gang member is 15 – these are kids who are trying to survive in the worst of circumstances. … the reality of the contemporary gang has become much bleaker because of worsening violence, mass incarceration and other factors that have operated largely outside of their control ...“West Side Story” harks back to simpler times, with less polarization and violence“.2
Die Probleme der Heranwachsenden bleiben von Generation zu Generation weitgehend dieselben, auch die betreffend ihre Ur-Beziehungen; was sich radikal ändert, ist die Welt, in der sie aufwachsen:
Dass Eltern oft gar nicht mehr verstehen, in welchen Problem-, Beziehungs- und Verständniswelten sich ihre Kinder bewegen, wird durch den immer rascheren Gesellschaftswandel immer dramatischer: in „A Clockwork Orange“ von Stanley Kubrick sitzen die Eltern mit verloren suchendem Blick in ihrem nichtssagenden, staubmiefenden Wohnzimmer am Sofa, während der Sohn nachts im Rauschgiftwahn raubend und vergewaltigend durchs Land zieht. Heute wissen die Eltern nicht, welche Bedeutung manche emojis haben, die ihre Kinder im Schulalter austauschen, und in welch abgründigen Welten von social media sie orientierungslos aber hilfesuchend umhertaumeln. So ergeht es auch Jamie Miller im Film „Adolescence“ mit dem incelemoji, Internet-Versteck für eine von Frauen als minderwertig verachtete Männer-Gruppe, mit der er sich zu identifizieren beginnt, auch, weil ihm die Zugehörigkeit von der Schulkollegin angedichtet wird, in die er sich verguckt hat, deren Anerkennung er gesucht hätte.
Immer wieder geht es um katastrophale Entwicklungen, deren Ursachen nicht primär in der Psyche des jugendlichen Täters stecken, sondern in den auslösenden Faktoren aus ihrem Umfeld, Einflüsse, die den Charakter beeinflussen und zu prägen beginnen zu einer Zeit, da das Kind Anlehnung und Orientierung sucht, einer Zeit, in der, wie es Jean-Jacques Rousseau in seinem Erziehungs- und Entwicklungsbuch „Ēmile“ verdeutlicht, das Kind bekommen soll, was es braucht, nicht, was es will oder möchte. Zwiebelschalenartig um das Kind als Orientierungsanker angeordnet sind die Eltern und andere nahe Verwandte, zufällig zur rechten Zeit herankommende Erklärungen aus TV- Filmen, Werbung, Verhalten und Erzählungen von Freunden aus Schule und Nachbarschaft. Danach folgen ausgrenzendes Verhalten der Umgebung, wegen kultureller Unterschiede, sprachlicher Probleme und allgemeiner Xenophobie gegenüber Migranten, wegen sozialer Distanzierung zwischen arm und reich und der aus Armut resultierenden Benachteiligung.
Bei alledem bleibt zu bedenken, dass sich die hier angesprochenen Abwege in der Entwicklung Jugendlicher von der Kriminalität „normaler“ Gangs vielfach unterscheidet,X vor allem dann, wenn im Einzelfall psychopathologische Probleme dahinter stehen, und wenn sich Gruppen um die fundamentalistische Werbetätigkeit politischer und religiöser Ideologen formieren. Weiter komplizierend wirkt für dieses Thema ein schwer überschaubarer, aber prägender Einfluss der gesamtgesellschaftlichen Lage. Dass es zwischen diesen Gruppen jeweils einen relativ breiten Überschneidungsbereich gibt, lässt die Problematik noch weiter undurchdringlich, ja verwirrend, erscheinen.
X Hierfür gibt es ja seit vielen Jahren eine große Zahl von Einrichtungen, wie jene von Bill Strickland – ursprünglich in Pittsburgh, Pennsylvania, danach in verschiedenen Großstädten der USA –, der „Prince’s Trust“ in Großbritannien, eine Initiative von King Charles, damals Prince of Wales, „El Sistema“ in Venezuela, aus dem Stardirigent Gustavo Dudamel hervorging, und eine Reihe von Projekten nach diesem Modell in verschiedenen Ländern, weitere Initiativen mit Einladung zu Sport und Kultur, um junge Menschen aus dem Sog in Gangs wegzuleiten.
Kriminalität und Terrorismus: von Lausbubenstreichen über Mord zum Massenmord
Der Problemkreis beginnt bei vergleichsweise nachgerade harmloser Kriminalität; dort gleitet die Diskussion allerdings umgehend ab in Debatten über die Relevanz von Migration und Ethnizität sowie die Verleugnung oder das Ignorieren der letzteren; immerhin aber lassen sich bezüglich Kinder- und Jugendkriminalität einige Zahlen ermitteln:
Als unmittelbar relevante Faktoren der Täterschaft ersieht man aus wissenschaftlichen Analysen: erlebte elterliche Gewalt, Gewalt legitimierende Männlichkeitsnormen, delinquente Freunde und Konsum von Alkohol/Drogen.3
Ob Migration als Hintergrund eine Rolle spielt oder nicht, hängt davon ab, ob man die für die Frage von Delinquenz relevanten Faktoren wie Ausgrenzung, Armut mit daraus resultierender sozialer Benachteiligung berücksichtigt oder nur die fremdkulturelle Herkunft: damit ist auch gesagt, dass auch Kinder und Jugendliche in inländischen („autochthonen“) Elendsvierteln und vernachlässigte in anderen Gesellschaftsschichten gefährdet sind, dass aber die entscheidenden Faktoren in fremdkulturellen Familien und Stadtvierteln weiter verbreitet sind.3 Dadurch ergibt sich, dass türkische und vom Balkan kommende Kinder doppelt so häufig straffällig werden wie inländische, dass aber bei Weglassen der Risikofaktoren kein Unterschied mehr besteht (siehe Abb. 5.24,3, S.86).
Die wissenschaftliche Feststellung, dass „ … schwere Formen der Jugendkriminalität selten sind“,4 ist im Zusammenhang wenig hilfreich, vor allem, wenn man bedenkt, was hinter diesem Abschnitt noch unter dem Begriff „Jugendterrorismus“ kommen wird. Schwere Delikte wurden in 1-3% der befragten Jugendlichen ermittelt,3, S.64 und, dass Mädchen weniger Alkohol trinken, aber bei Rauchen und Drogen gleichauf mit den Jungen sind.3, S.106 Jungen begehen Delikte insgesamt etwa doppelt, Gewalttaten dreimal so häufig als Mädchen. Alkoholkonsum - und -rausch mindestens einmal monatlich gab die Hälfte der befragten Jugendlichen an, Drogen etwas seltener.3, S.113 Migrationshintergrund war kausal verknüpft mit höherer Gewalttätigkeit und -bereitschaft, sie gehen bei türkisch-stämmigen Bewohnern Deutschlands von den Eltern auf die Söhne über. Besonders hoch seien Gewalttaten von Jungen aus den Balkanländern und der Türkei, vor allem zur Verteidigung von Männlichkeitsnormen; Männlichkeitsnormen gelten vor allem bei Türken, aber auch bei Rechtsextremen, sehr viel.3, S.125 Täter kommen aber auch aus Nordamerika, Afrika, Südamerika und Polen und Südeuropa, am seltensten aus Asien und Deutschland.3, S.69f Ausländerfeindlichkeit herrscht in der überwiegenden Zahl der Jugendlichen. Mit Abstand „Am unangenehmsten werden … Türken als Nachbarn empfunden“.3, S.113f Insgesamt korreliert soziale Benachteiligung deutlich mit Jugendkriminalität, bei Intrakulturellen wegen zerrütteter Familienverhältnisse oder Armut, bei Fremdkulturellen wegen Ausgrenzung und Integrationsverweigerung zusammen mit Chancenungleichheit. Fast die Hälfte der Minderjährigen in Deutschland hat Migrationshintergrund (Türken gefolgt von Ukrainern und Syrern).
Über der Frage der Relevanz dieser ethnischen Unterschiede herrscht nachgerade ein medialer Krieg der politischen Korrektheit: Auf der einen Seite der Vorhalt: „Aus kriminologischer Perspektive müsse man ‘ganz klar sagen, Staatsangehörigkeit oder Geburtsland haben nichts mit Kriminalität zu tun. Also sind sie nie Ursachen von Kriminalität‘ ".5 Auf der anderen Seite: „Sowohl Hell- als auch Dunkelfelddaten belegen, dass nichtdeutsche Jugendliche häufiger durch delinquentes, speziell durch gewalttätiges Verhalten in Erscheinung treten als deutsche Jugendliche“. „Fast ein Viertel aller türkischen Jugendlichen und mindestens ein Fünftel aller Jugendlichen mit einer russischen oder anderen ethnischen Herkunft haben im letzten Jahr mindestens eine Gewalttat (Körperverletzung, Raub, Bedrohung mit Waffen und/oder Erpressung) begangen … die niedrigsten Gewalttäterraten sind mit 13,2 % bei den deutschen Jugendlichen zu konstatieren“. Als Erklärung hierfür gelten außer der zuvor erwähnten elterlichen Gewaltbereitschaft eine soziale Benachteiligung durch Ausgrenzung und Armut.7 In einer Position dazwischen weisen andere Autoren nicht auf diese markanten Unterschiede zwischen verschiedenen Herkunftsländern: „ … waren in den vergangenen Jahrzehnten in vielen westeuropäischen Aufnahmegesellschaften bei jugendlichen Migranten oder Nachkommen von Migranten tendenziell erhöhte Belastungen zu erkennen. Wiederholte und schwere Straffälligkeit betreffen allerdings auch unter Jugendlichen aus Migrantenfamilien nur einen kleinen Teil. Erhöhte Täteranteile sind bei alledem nicht auf ein bestimmtes Herkunftsland oder eine einzelne religiöse Gruppe beschränkt“. Andererseits bestätigen auch sie als Erklärung für erhöhte Gewaltbereitschaft, dass „ … ein "Code of the Street" länder- und kulturenübergreifend vermehrt bei marginalisierten jungen Männern (gegebenenfalls aus benachteiligten Stadtvierteln) zu beobachten“ sei.6 , 7
Wiederum im Gegensatz dazu wird in einer Reihe europäischer Länder sehr wohl auf ein Problem mit eingewanderten Jugendlichen muslimischen kulturellen Hintergrundes diskutiert, z.B.: „Bezogen auf die muslimischen Jugendlichen wird aktuell eine so genannte Deutschenfeindlichkeit diskutiert. … wird beklagt, dass sich insbesondere in sozialen Brennpunkten viele deutsche Schülerinnen und Schüler als eine abgelehnte, provozierte und diskriminierte Minderheit empfinden würden“.8
Zu allen anderen Problemen von Migration und erwarteter Integration kommt die „Desintegration“ der angestammten Bevölkerung in Städten, Ausdruck dessen, was schon seit Jahrzehnten als „broken society“ festgestellt und diskutiert wird: „ … je größer die Desintegrationserfahrungen für Teilgruppen der Mehrheitsgesellschaft ausfallen, desto größer dürften die Integrationsprobleme der aufzunehmenden Minderheiten sein und desto mehr Spannungen zwischen den Angehörigen der einzelnen Gruppen sind zu erwarten“.9 Mit anderen Worten: In welche Gesellschaft, Gemeinschaft, sollen sich Immigranten integrieren, wenn es keine Gemeinschaft mehr gibt? Was kann mit „unsere Werte“ gemeint bzw. vermittelbar sein, wenn sich die angestammte Bevölkerung keiner „gemeinsamen Werte“ mehr bewusst ist und dementsprechend ihre Kinder nicht in jene „gemeinsamen Werte“ hineinerziehen, die der aufnehmende Staat von seinen Immigranten zaghaft zu fordern versucht? Vielmehr ist es bereits so weit, dass Immigranten mehr eigene Kultur und Gemeinsamkeit mitbringen, als sie in der neuen Heimat vorfinden; deshalb verachten sie die Angestammten, ein Phänomen, das schon im Schulhof deutlich geworden ist: „Bezogen auf die muslimischen Jugendlichen wird aktuell eine so genannte Deutschenfeindlichkeit diskutiert … beklagt, dass sich insbesondere in sozialen Brennpunkten viele deutsche Schülerinnen und Schüler als eine abgelehnte, provozierte und diskriminierte Minderheit empfinden würden“.8 Daraus entsteht auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene eine bedrohliche Polarisierung, wenn wir gleich erfahren werden, dass im Schulhof auch dagegen gewettert wird.
Insgesamt die gegenwärtige Gesellschaft in einem selbst geschaffenen System, das „… zeigt, wie sich das System selbst im Weg steht,10“, - ich komme im nachfolgenden Abschnitt nochmal darauf zurück. Wie sehr sie sich im Weg steht, geht aus so mancher Polizeistatistik hervor, bzw. aus wissenschaftlichen Analysen, deren Autoren versuchen, sich auf solche Statistiken zu beziehen, wenn es letztlich darum ginge, Lösungsvorschläge auszuarbeiten:
Solche Hürden erreichen nun in einer ganzen Reihe von europäischen Ländern genau das Gegenteil der ursprünglichen Absicht: man hat nicht den Mut, die Ethnizität von Tätern in die Protokolle mit aufzunehmen und spielt damit unverifizierten rechtsradikalen Übertreibungen in die Karten: „Die Diskussion in der deutschen Forschungslandschaft und Präventionsarbeit um das Themenfeld Migration und Gewalt, bzw. Delinquenz ist sehr heterogen, in den extremen Positionen sogar stark polarisiert. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung in Deutschland wird nicht selten schon die Frage nach einem Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Kriminalität als nicht korrekt angesehen, da eine solche Diskussion als Verstärkung der „ohnehin vorhandenen Vorurteile und Diskriminierungen“ angesehen wird. … Die Frage nach der Kriminalitätsfrequenz von Ausländern wird in diesem Zusammenhang als Scheindebatte mit unnötiger Verbindungsstruktur interpretiert, die nur dazu diene, kriminalpolitische Bedrohungsszenarien heraufzubeschwören, nur um die Verschärfung des Strafrechts zu fordern“.9 In manchen Medien werden die Umstände in der Tat heruntergespielt und verschleiert: „Es gibt verschiedene Statistiken der Polizeibehörden. In diesen werden Messerangreifer aber nicht nach Staatsangehörigkeit oder nach Migrationshintergrund kategorisiert“.5 Dabei werden konkrete Daten konkret und in der Tat zurückgehalten, wie es in dem Kommentar hier oben beschrieben steht, nämlich, weil die Polizei diese Statistik nicht bekannt gibt: „Auf die Frage, wie oft Migranten oder Ausländer als Tatverdächtige bei Messerangriffen registriert wurden, schreibt das BKA, dass "Aussagen zu Tatverdächtigen aufgrund der Datenlage nicht weiter möglich" seien. Das heißt, dass in der BKA-Statistik nicht aufgelistet wird, ob die Tatverdächtigen einen Migrationshintergrund haben“.5 Der Autor dieses Beitrags schreibt von „Staatsangehörigkeit“ und erwähnt nicht die Bedeutung von Ethnie und kulturellem Hintergrund, beruft sich jedoch auf die Wissenschaft. Damit führt er Leser im Sinne der oben erwähnten Verschleierung zunächst in die Irre. Die danach folgende Erklärung erreicht aber den Leser emotional schon gar nicht mehr; eigentlich hätte er also schreiben müssen, dass diese Daten eben nicht erhoben wurden. Wenn nun ein dunkelhäutiger Attentäter als Migrant eingestuft wird, regen sich politische Korrektheit und Rechtsstaat dagegen auf: „Das BKA kann den Migrationshintergrund von Tatverdächtigen zudem nicht erfassen, weil es für eine Abfrage keine Rechtsgrundlage gebe. Laut dem Gesetz über Ordnungswidrigkeiten können Behörden von Bürgerinnen und Bürgern unter anderem deren Namen, Geburtstag und -ort, Wohnort und Staatsangehörigkeit abfragen, nicht aber den Migrationshintergrund“.5 Dazu verdeutlicht das BKA noch mehr Detail: man dürfe in der Statistik nicht einmal den Begriff „Staatsbürgerschaft“ mit dem Begriff „Messerattacke“ zusammenbringen, da „Messerattacke“ nur „Attribut zum Fall“ sei. Soviel zur Offenheit in diesem Zusammenhang. Wer hier also von Übertreibung durch Fremdenfeindliche spricht, vertritt die politische Korrektheit mit dem Ziel der Verschleierung, nicht die Position neutraler Offenheit mit dem Ziel einer Problembewältigung.
Wenn nun ein solcher dunkelhäutiger Muslim aus einem „Ausländerviertel“ mit all den Risikomerkmalen aus der wissenschaftlichen Literatur, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat, eine Messerattacke begeht, darf die Öffentlichkeit keinen Zusammenhang mit Migration herstellen. Die deutsche Bundespolizei darf jedoch den Zusammenhang zwischen den beiden Begriffen statistisch erfassen; dabei stellt sich heraus, dass jeweils etwa doppelt so viele Nichtdeutsche wie Deutsche erfasst wurden.5 Worin also liegt die Übertreibung, worin die unberechtigte Verdachtszuweisung? Die Antwort der Bundespolizei: es könne sich ja auch um Urlauber und Touristen gehandelt haben! Und dann gibt es noch eine kleine Überraschung: „Die ausgewerteten polizeilichen Kriminalstatistiken von BKA, LKA Bayern und Bundespolizei haben alle einen entscheidenden Nachteil: Erfasst werden ausschließlich Tatverdächtige. Ob diese am Ende der Ermittlungen auch tatsächlich als Täter der ihnen zur Last gelegten Straftat verurteilt wurden, wird nicht erfasst. Erst nach einem rechtsstaatlichen Verfahren vor einem Gericht mit einem rechtskräftigen Urteil gilt eine Person in Deutschland als verurteilter Straftäter. Dazu gibt es keine Zahlen, denn eine statistische Auswertung von bundesweiten Gerichtsurteilen zu Gewalttaten mit der Tatwaffe Messer existiert nicht“.5 Die Analyse von Gerichtsurteilen habe, so schließlich, keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen ergeben 5 – allerdings wieder ohne Angabe von Ethnizität und Kultur. Und dies alles zusammengenommen rechtfertigt den Vorhalt, die verfügbaren statistischen und sonstigen Hinweise seien übertrieben und nicht gerechtfertigt, würden z.B. von AfD-Politikern verbreitet?
Die zusätzliche Problematik durch Fremdenfeindlichkeit der Polizei geht aus Informationen wie dieser hervor: „Eine Recherche zu ausländischen Tatverdächtigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Bezug auf den Zusammenhang von Nationalität, Alter und Straftaten konnte nicht vorgenommen werden, da entsprechende Daten nach Anfrage beim Polizeipräsidium entweder nicht erhoben oder nicht veröffentlicht werden. Die Entscheidung der Präsidiumsleitung trägt den Forschungsbefunden Rechnung, welche durch die bisherige Form der Datenerhebung bei der PKS einen Beweis für die selektive Sanktionierung durch die Strafverfolgungsbehörden gegenüber Personen unterschiedlicher Nationalität sieht“.9
Der fehlende Mut zum Hinweis auf Ethnizität wird derzeit auch in einem neuen – allerdings seit Jahrzehnten schwelenden - Skandal in UK bemängelt und erstmals offen heftig kritisiert, dass bei der Bearbeitung von Kriminalität immer wieder die Ethnizität der Täter unterschlagen wird;9 dies ist äußerst relevant, weil viele von ihnen zwar Staatsbürger sind aber eben kulturfremd und nicht Teil der autochthonen UK-Gesellschaft. Ein umfassender Bericht zur Lage betreffend Massenvergewaltigung durch Gangs wird kritisiert als “not good enough to support any statements about the ethnicity of group-based child sexual exploitation offenders at the national level”.11
Solche Hürden stellt also die politische Korrektheit der Forschung auf, wenn politische Instanzen wie Ministerien sie zur Erarbeitung von Lösungsvorschlägen beauftragen. Wieviel nützen Hinweise aus solchen Studien wie z.B.: „Weiterhin sollte „kulturbedingte“ Gewalt in der deutschen Rechtsprechung nicht zu mildernden Umständen führen“,8 solange man nicht einmal den Mut hat, auf eine gesetzliche Verpflichtung zu elterlicher Aufsicht der Kinder und Jugendlichen zu pochen, stattdessen diese Last der Verantwortung sogar Kindern und Jugendlichen selbst anzulasten, indem man sie inkriminiert, statt sie zu erziehen?
Man findet lediglich einen beschwichtigenden Hinweis, wieder gefolgt von nichts als der inkriminierenden Ausgrenzung in die Gefängnisse: „ … dass das Jugendgerichtsgesetz (JGG) nicht ein Ausdruck von so genannter „Kuschelpädagogik“ ist, … Das JGG beinhaltet zwar den Erziehungsgedanken …, ermöglicht dazu aber auch … freiheitsentziehende Maßnahmen, wie z. B. Dauerarrest bis zu vier Wochen oder Jugendstrafe bis zu zehn Jahren …“.
Müssen uns angesichts des Falles des 13-Jährigen Hans (seine Geschichte wird im kommenden Abschnitt erzählt) – und all dessen, was in den folgenden Abschnitten noch an viel Schrecklicherem kommt -, die so sehr als Ausdruck eines signifikanten Versagens der Einrichtungen vor uns stehen, müssen uns da nicht diese Worte nachgerade zynisch erscheinen?: „Auch wird auf die hohe Effektivität von Maßnahmen in Regionen und Stadtteilen mit hoher Jugendgewalt hingewiesen. In Deutschland wurden im Rahmen des „Düsseldorfer Gutachtens“ erstmals die Wirkungen von Präventionsansätzen systematischer untersucht. Die Autorinnen und Autoren des Düsseldorfer Gutachtens kommen zu dem Ergebnis, dass „insbesondere Maßnahmen im Bereich der Schule Erfolg versprechend sind. Daneben erweisen sich Maßnahmen im Bereich der Jugendarbeit als potentiell Erfolg versprechend“.9 Letztlich spricht aus alledem Ratlosigkeit, insbesondere auch, wenn man die Bemühungen in USA ansieht und erfährt, dass dort Schutzmaßnahmen wie Kontrolle am Eingang, Sperrung der Türen während der Unterrichtszeit, Metalldetektoren etc. so gut wie keinerlei Effekt hatten. Verdeutlicht wird diese Ratlosigkeit durch aufgeregte Nachrichten in nationalen Medien, dass eine Handvoll der in die Pubertät heranwachsenden Kinder tausende Straftaten innerhalb kurzer Zeit begehen würden (in Österreich sei ein Drittel aller Straftäter unter 14 von nur 3 Kindern verübt worden!): das bedeutet, dass Eltern, Schule, Öffentlichkeit und Polizei danebenstehen und nach jeder Tat einen weiteren Strich auf die Liste setzen, sonst nichts.
Besonders besorgniserregend ist zweifellos, was die Forschung nun als „Kinderkriminalität“ beschäftigt, denn dort steht die hier schon zuvor hervorgehobene Problematik betreffend Verantwortlichkeiten dann im Vordergrund mit den Worten: „Jenseits aller Dramatisierungen gibt es schwieriges, mühsames, verelendetes, elendes Verhalten von Kindern - Verhalten also, das als Kinderkriminalität bezeichnet wird. … Der Begriff Kinderkriminalität zeigt schließlich auf einen so unmittelbaren, bedrängenden und skandalösen Mißstand, daß unmittelbare und rasche Hilfe notwendig zu sein scheint. Die Zeit des Redens, des Abwägens und Prüfens scheint vorbei zu sein. Es braucht deutliche, harte, entschiedene Gegenwehr. Indem der Begriff auf unmittelbare, drastische, konkrete Mißstände verweist, lenkt er ab von jenen gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen Kinder und Erwachsene leben und in offenkundige Schwierigkeiten geraten. Die Drastik von Kinderkriminalität bindet die Diskussion im Konkreten und verdeckt damit Strukturprobleme“.12
„Systemsprenger“ war eigentlich gedacht als „ein Begriff aus der Jugendhilfe für Kinder und Jugendliche, für die es keinen Platz mehr gibt“,13 wie in einer Rezension zum gleichnamigen Film treffend bezeichnet. Die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen in der Kriminalstatistik sind zwar nicht Systemsprenger in diesem Sinn. Allerdings gilt für Alle, die einem in diesem Zusammenhang einfallen, dass es dabei vor allem auch um das „System“ geht: man braucht es nur auf eine derart insuffiziente Weise gestalten, dieses „System“ , und schon hat man „Systemsprenger“: Einer ist der zuvor erwähnte mittlerweile 14-jährige Junge, wir hatten ihn Hans genannt, der seit 10 Jahren von der Polizei bei dutzenden von Einbrüchen und Diebstählen zur Rede gestellt, danach aber wieder nach Hause oder in sein Sozialheim gebracht wird – weil „das System“ nichts anderes erlaubt, eine Situation, die „… zeigt, wie sich das System selbst im Weg steht“, wie ein Rezensent über einen anderen „Fall“ von Systemsprenger schreibt,10 so sehr sich selbst im Weg, dass es für diese Kinder und Jugendlichen keinen Platz mehr in der Gesellschaft gibt.13
Hubert Löffler vom Dachverband österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen bezeichnet diese Kinder treffend als „unerhört“ im doppelten Wortsinn, nicht als „Systemsprenger“, wie man sie in einer weiteren Steigerung von Ratlosigkeit nennt. Alle hatten sie vor ihren eigenen Augen derart verkommen lassen – was für eine Schande für eine Gemeinschaft! – anstatt ihnen rechtzeitig unter Einbeziehung von Eltern, anderen Erziehungsberechtigten und Lehrpersonal unter professioneller psychologischer Beratung und Führung einer dem Anspruch des Sozialwesens gerechten Versorgung zukommen zu lassen. Bei solchen Erziehungsmaßnahmen bleibt natürlich die Sorge, in welche Art von Sozialwesen man sie angesichts dieser Entwicklung erziehen wollen kann. Dennoch ein positiver Trend, wenn man bedenkt, dass eine andere Regierungskoalition das Mindestalter für die sog. Strafmündigkeit auf 12 Jahre zu senken beabsichtigt hätte, wie es derzeit noch in Ungarn, den Niederlanden und Irland der Fall ist.
Im Bundesland Steiermark mit einer Population von knapp 1,3 Millionen Einwohner hat man es dabei mit 10-15 Jugendlichen mit meist sehr problematischer Kindheit in gewaltbereitem Milieu zu tun, berichtet Susanne Pekler vom Verein „Neustart“ und spricht als Einzige die Herausforderung deutlich an, dass man den Einzelfall sehen müsse, nicht eine Straftätergruppe aus der Statistik; sie verdeutlicht die Ratlosigkeit und Unfähigkeit aller Erziehungspflichtigen und -berechtigten, und, dass diese weder Vorbild noch Mahner sind, noch offenbar wenigstens mit ihren Kindern sprechen, verständnisvoll zuhören; sie sind unfähig, die Situation ihrer Kinder einzuschätzen und einzuordnen, offenbar selbst orientierungslos. Halt geben dann nur fremde Helfer, die bereit sind, diesen in ihrer Erziehung Zurückgelassenen und Vernachlässigten Orientierung und Halt zu geben, wobei am meisten Halt offenbar eine starke und durchsetzungsfähige Hand zur Kontrolle und Begrenzung gibt, sogar mit Fußfessel, abendlicher Ausgangssperre, und vor allem auch mit Alkoholverbot. Doch für solche psychologisch und psychiatrisch engmaschig begleitete Lösungen fehle es in Österreich „an allen Ecken und Enden“: die etwa 160 als „kriminell“ verurteilten, oft mit Terrorplänen radikalisierten Jugendlichen (14- bis 18-jährig) dümpeln zu wenig gezielt betreut in Gefängnissen dahin – einer davon wurde kürzlich, wegen Terrorplänen eingesperrt, kurz nach seiner Entlassung wegen seines nächsten Terrorplans erneut verurteilt.
Jugendkriminalität entsteht also in erster Linie vor dem Hintergrund von Verwahrlosung im Liberalismus bis Libertinismus mit all deren Nachteilen wie unfähigen oder desinteressierten Eltern, zaghafter Begrenzung der viel zu großen Freiräume, und schließlich unbegrenzbarem Zugang zu sozialen Medien mit allem Abschaum aus dieser Entwicklung, der die unvorbereiteten und ungeschützten Heranwachsenden überschüttet. Sie resultiert aber auch als Folge von Angst und Haltsuche in einer zunehmend orientierungslosen Gesellschaft, die in blindem Konsumismus und Kapitalismus den Kontakt zu ihren eigenen kulturellen Wurzeln zu verlieren droht und nun von anderen Kulturkreisen zunehmend aggressiv angefeindet wird. Darin entwickeln sich nicht nur Einzelgänger bis hin zu Systemsprengern, und nicht nur aus der Sozialordnung bis tief in die Kriminalität ausscherende Gangs:
Jugendliche und sogar ältere Kinder fallen populistischen Ohrenbläsern in Internet und Jugendverbänden zum Opfer, rotten sich in extremistischen Gruppen und Organisationen zusammen und begehen darin in zunehmender Aggressivität Straftaten: Was bei der Besprechung von Rechtsradikalen und Islamisten aus dem Rahmen des bisher Bekannten fällt, aber zum Thema dieses Textes zählt, ist eben die Gegebenheit, dass sogar Kinder und Jugendliche in diesen Sog geraten sind; die größte Gefahr gehe von Rechtsextremismus aus, – die Mehrheit ist minderjährig, unter 18, weitgehend ohne Ideologie, nur Radikalisierung mit Gewaltanwendung. Initiiert von Aktivisten rechtsradikaler politischer Parteien – das Äquivalent zu Hasspredigern unter muslimischen Imamen -, meist via soziale Medien, mitunter sogar durch verführerische Projekte in „normalen“ Jugendorganisationen 14; Kinder und Jugendliche stolpern oft zufällig, jedenfalls naiv, in deren Arme und fühlen sich dort angenommen und in ihrer Identitäts- und Orientierungssuche gut aufgehoben 15: „das typische Eintrittsalter liegt zwischen 12 und 15“! 16 (allein in Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 20 rechtsradikale Organisationen, von den „Autonomen Nationalisten“ bis zu den „Nipstern“ 17), und sorgen in der Tagespresse für Aufsehen,18, 19, 20, 21, 22 mit Titeln wie „Junge Nazis in Deutschland. Rechte Gewalt nimmt kontinuierlich zu … Die Täter werden immer jünger. … Mitglieder der rechten Terrorgruppe „Letzte Verteidigungswelle“ wurden … festgenommen. Die meisten von ihnen sind noch Jugendliche, der jüngste Beschuldigte ist erst 14 Jahre alt“.21, 26
Zu den Straftaten Rechtsextremer, laut BKA-Statistik mehr als 42.000 Delikte in 2024, zählen Körperverletzung, Propaganda im Internet, Angriffe auf LGBTQ-Veranstaltungen, Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte oder Jugendeinrichtungen.25
Erklärungen für die Motivation zum Beitritt zu diesen Organisationen und zu weiterer Teilnahme erinnern an Hitlerjugend und heutigen Initiativen in Russland, mit denen man Kinder und Jugendliche in paramilitärischen Organisationen auf aggressiven Nationalismus einstimmt und begeistert, am Training mit Waffen teilzunehmen:23„Die gemeinsame Freizeitgestaltung und die soziale Einbindung, die die Gruppen bieten, stehen für die Einzelnen an erster Stelle. In der erwähnten Skinhead-Studie waren dominanzorientierte Männlichkeit, ein gruppeninterner Konformitätsdruck und ein hoher Grad an Aggression typisch. Die Ablehnung von Fremden, rassistische Deutungen, ein starker Nationalismus sind gemeinsame Nenner“.24,
Beide Gruppen, Rechtsextreme und Islamisten, haben ähnliche Werte (dominante Männlichkeit, Gewaltbereitschaft, Gruppendrang und - zwang) und einige gleichlautende ideologische Slogans (Judenhass), gehen aber von weit auseinanderstehenden kulturellen Basen aus, agieren daher kaum gemeinsam. Hier ein Überblick aus einer rezenten Recherche:
„Dennis' Radikalisierung beginnt online, als er 16 Jahre alt ist. Im Internet kommt er mit Rechtsextremen aus den USA in Kontakt, die ihn ideologisch mit ihrem Hass auf Juden und Migranten prägen ….. hätten sie bewaffnete Anschläge auf den Imam der Stadt und Grünen-Politiker geplant. Dazu hätten sie schon trainiert und Adressen herausgesucht. ….. Kontakt zu der rechtsextremistischen Gruppierung "Combat 18 Deutschland" ….. bricht er aus Enttäuschung mit der rechtsextremen Szene. Online radikalisiert er sich neu: Dieses Mal wendet er sich der Salafisten-Szene zu. Das verbindende Element zwischen Nazi- und Islamisten-Szene bildet sein ausgeprägter Judenhass. ….. Im Februar 2023 ist ein damals 16-Jähriger verurteilt worden, der einen wohl rechtsextremen Anschlag auf seine Schule geplant hatte. Im Dezember wurde ein 18-Jähriger Potsdamer Rechtsextremist verurteilt, der einen Anschlag mit improvisierten Bomben vorbereitet hatte. … An Ostern konnte die Polizei vier 15- und 16-Jährige mutmaßliche Islamisten festnehmen, die Anschläge in Deutschland geplant haben sollen. Im Juni wurde ein 15-Jähriger verurteilt, der aus islamistischen Motiven einen Lkw-Angriff auf einen Weihnachtsmarkt in Leverkusen geplant hatte. Im August mussten in Wien drei Konzerte der US-Sängerin Taylor Swift wegen Terrorgefahr abgesagt werden. Festgenommen wurden unter anderem ein 19-jähriger und ein 17-jähriger Islamist. In München schoss im September ein 18-Jähriger Österreicher vor dem israelischen Generalkonsulat um sich. ….. Die Mehrheit dieser ungefähr zehn bis 30 Jugendlichen seien Islamisten. Dann folgten rechtsextreme Gefährder. Junge, linksextreme potenzielle Terroristen gibt es demnach weniger. Eine besondere Gefahr gehe von denen aus, die sich online und allein radikalisieren. Der EU-Polizeibehörde Europol zufolge werden Terror-Tatverdächtige zunehmend jünger und sind häufig sogar noch minderjährig. Eine Untersuchung der Universität Hamburg kommt zu dem Ergebnis, dass zwischen 2001 und 2022 rund ein Fünftel aller Beteiligten bei islamistischen Terror-Vorfällen in Deutschland minderjährig war“. 26
Kinder und Jugendliche als Mörder
Angesichts der in den Medien immer häufiger in den Vordergrund tretenden Extremfolgen von fehlender oder missratener Erziehung sind nun plötzlich Alle entsetzt und verstört, sprachlos ob ihres Gewahrwerdens vertaner Jahre und Jahrzehnte. Im Film „Adolescence“ ringen Psychologen, besonders :innen, nach Luft vor Ratlosigkeit, der Kriminalpolizist, im Alltag mit Kriminalität konfrontiert, rennt plötzlich seinem halbwüchsigen Sohn hinterher, mit dem er kaum noch Kontakt hatte, keine Zeit, keinen Bock angesichts all des unverständlichen Ärgers bei jedem Wort, der Verständnislosigkeit eben, die entstanden gewesen war. An diesem jüngst veröffentlichten Film entzünden sich viele Gemüter: sie stehen vor einem Phänomen, von dem sie nichts wussten, meinen, nichts hätten wissen können: ich stehe vor dem Phänomen, festzustellen, dass offenbar die Mehrheit der Menschen in der westlichen Sphäre nicht mit ihrem Bewusstsein, ihrem Gewahrsein, in der Welt leben, in der sie stehen, in der Welt, die sie so haben werden lassen, wie sie in ihrer Lebenszeit geworden ist: Liberalismus, ja gar Libertinismus, von denen sie gelernt haben, dass sie politisch korrekt und mit Zähnen und Klauen zu verteidigen sind, haben zu dem geführt, was notwendig daraus entstehen musste: seit Jahrzehnten bewegten sich Gesellschaften, Völker, Nationen, auf dieser schiefen Ebene abwärts, vorbei an Krankheitszeichen, an Signalen, an Warnungen, und blieben der Meinung, das alles gelte nicht für sie als Einzelne, indoktriniert in den Wahnglauben der politisch korrekten Doktrin, den Liberalismus. An den Zeichen dafür, dass er, der Liberalismus, die soziale Ordnung zerstört, die Kultur, jeglichen Zusammenhalt, sind sie blind und taub vorbeigegangen, gefühllos, allenfalls mit einem gelegentlich lästig anbrandenden undefinierbaren Gefühl, schal, fade, ohne auffälligen Geruch, aber irgendwie verstörend, eines, das meinte, dass es nicht dazupasst zur Gegenwart.
Der Liberalismus weckt, nährt, den Hedonismus, lockt ihn herein, erzwungen durch kriminelle psychologische Techniken der Werbung, kriminell, weil sie bekannte menschliche Schwächen missbrauchen: die Hintertür, Geheimtür, in psychische Mechanismen, Automatismen, Motivationen, Druck; Druck, der Menschen zu Zombies macht, ihnen einen kleinen Mann ins Unterbewusstsein implantiert; das Männchen raunt unentwegt von den Wünschen, geheimen und trivialen, jedenfalls vielen von denen, die in der Kultur gebändigt worden wären, eingeordnet, Wünschen, die jetzt erfüllt werden sollen, ungeachtet der Auswirkungen auf die umgebenden Anderen, Druck, der sie Alle zu Konsumautomaten, Konsumzombies eines ruchlosen Kapitalismus machen sollte und werden ließ. Jetzt schrecken sie auf, aus ihrem Trancezustand, verstehen so was von gar nicht, was da geschehen ist inzwischen, wohin sie da geraten sind, und worein.
Der Anlass ist ein Verbrechen, das eine der geheimen Kräfte ausüben durfte, in einer Welt, die inzwischen zum Trümmerfeld der Kultur geworden ist, aus der sie Alle gekommen waren – zwar nur im Film, aber derart realitätsnah, dass er auch eine Doku über einen der wirklichen Fälle sein könnte. Das Trümmerfeld ist wie der Zustand eines Raumes, in dem sich eine Orgie ereignet hat, die sie Alle gefeiert haben, betrunken, voll gekokst, bewusstlos: alle Möbel durcheinander, Kleider und Tischtücher und Geschirr am Boden verstreut, Flaschen, Besteck, Essensreste, halb- oder ganz nackte Leute, verstreut zwischen dem allem, eingewickelt in dem, was im Schlaf irgendwie erhaschbar war, irgendwelche Kleidungsstücke, Tischtücher, Vorhänge, andere Leiber …
Die geheime Kraft ist betrogene Liebe, gekränkte, verschmähte, verlassene Liebe, eine, die eine Welt ist, eine, in die einer aus seiner Orientierungslosigkeit hineingefallen ist und sie als seine Heimat ansah, eine Heimat, die nun weg ist, weg der Boden unter den Füßen, rausgeworfen aus der Heimat; eine Liebe, die in Hass umschlägt, einen Hass, der eine Abwehr ist, ein Strampeln nach Boden unter den Füßen, Hass als ein Zustand, den der männliche Hormonhaushalt erzeugen kann, Hormongemisch, das von Körper und Geist wie ein Diktator Besitz ergreifen kann, hier Verzweiflungstat vor dem Ertrinken, von der Scholle geschaukelt.
Inzwischen sind dazu Kräfte von außen gekommen: die politische Korrektheit zum Beispiel, wie der Mensch, der Mann und die Frau, mit aus den Fugen geratenem Feminismus umzugehen habe, einem hedonistisch indoktrinierten Feminismus, einem, den sich auch der Kapitalismus mit all seinen kriminellen psychologischen Tricks zunutze zu machen wusste, einem, der automatische Reaktionen provozierte:
Plötzlich tragen ganz viele Männer wieder einen Bart, einen langen, Manche wie ein Muslim – niemand hat gefragt, warum das jetzt so plötzlich so ist – wahrscheinlich weder die Träger noch die Anderen; die Frauen mag das geärgert haben und die Polarisierung weiter angeheizt, weil diese Art Feminismus ebenso intolerant ist wie jeglicher Fundamentalismus, verärgert, weil in diesem Fundamentalismus der Gegenseite jegliche Reaktion nicht erlaubbar ist, denn sie hat nur zu gehorchen; Polarisierung also, die an der Oberfläche sitzt, und die darunter; Polarisierung wie in der Parteipolitik, Polarisierung wie zwischen fremdkulturellen Volksgruppen, wie zwischen Parteigängern im Volk der Reichen und des Prekariats, ganz zu schweigen von den vollkommen Zurückgelassenen. Frauen tragen in Werbung, sozialen Medien, mitunter sogar in der wirklichen Öffentlichkeit, Kleidung, die bis kürzlich noch als obszön galt. Ist das nicht provokative Missachtung der sogenannten Gefühle der Männer, deren automatische Reaktionen, die unterbewussten also, die, die zu einer lästigen Erektion führen z.B., ohne dass er das um Gottes willen wollte …? Provokant aufpostiert also auch vor Jungs, die nicht wissen, wie mit ihrer Sexualität umgehen, die ständig vom Libertinismus in den Medien, weiter metabolisiert in ihren Clans, indoktriniert werden, wie sie damit umgehen sollen, wenn sie Männer werden und sein wollen – und niemand wagt mit ihnen darüber zu sprechen, weil es ja die Erwachsenen alles längst nichts mehr angeht, nichts angehen darf; über die Mädchen dürfen die Eltern nicht mehr Bescheid wissen, nur ihr behandelnder Arzt. Minderjährige Jungs bringen ihre minderjährige Freundin mit nach Hause und verbringen dort die Nacht mit ihr. Das ist heute so weit verbreitet, und es geht die Eltern gar nichts an, sonst kommen sie halt einfach nicht nach Hause, bleiben irgendwo anders, abends und bis in die Nacht hinein sowieso. Das machen jetzt Viele so, und es geht, wie gesagt, die Eltern gar nichts an, ist Grenzgebiet zur Einschränkung der persönlichen Freiheit. Und dann kommt dazu noch die ganz normale familiäre Situation:
Kinder wurden vernachlässigt in dieser Zombie Welt, mussten vernachlässigt werden, weil für den Wohlstand beide arbeiten müssen. Kinder mussten vor den Fernseher gesetzt werden, damit sie Ruhe geben, mussten möglichst früh in die Computerwelt eingeweiht werden, dann unbeaufsichtigt sitzen gelassen werden, mussten möglichst früh im Leben ein Handy bekommen, weil es ja Alle haben, und weil es obendrein praktisch ist für alles Mögliche. Jeder wusste, alle Eltern, dass im Internet alles verfügbar ist, alles, dass manche Computerspiele in ihrer schrankenlosen Brutalität die Aggressivität in Kindern und Jugendlichen lostreten, dass dort, wie bisher in der simplen Produktwerbung, alles, aber auch schon alles, drängt und drängelt, hinein in die Unterwelt des Unterbewusstseins, entfesselte Gefühle, zügellos streunend und wütend, Aggression, Attacke, Neutralisieren, also Umbringen, Attacke auch mit Sex, mit allem, was die Menschenwelt bisher im Zusammenhang mit Sex erfunden, praktiziert und öffentlich gemacht hat, aber auch schon alles, ohne jegliche Schranken – alle Eltern wussten aus eigener Erfahrung, dass sich Rotten bilden für oder gegen irgendwas, ohne dass man dabei viel mitgedacht hätte; sie mussten erwarten, dass sich auch unter Kindern und Jugendlichen solche Rotten bilden, haben fast täglich im TV gesehen oder zumindest erfahren, was diese Rotten so alles treiben, bis hin zu Mord, Vergewaltigung. Aber sie brauchten, sie konnten ja, keine Zeit haben, sich mit ihren Kindern auseinanderzusetzen, zu erfahren, wer sie eigentlich geworden waren, was sie taten. Jetzt müssen sich solche Eltern von Nachrichtensprechern und deren Experten im Interview empfehlen lassen, wie sie ihr Kind ansprechen sollen, wie sie es fragen sollen, was es so macht, weil sie erfahren haben, dass viele Kinder spielesüchtig werden – davon konnten sie selbst nichts wissen, weil man ja seine Kinder nichts mehr fragt, von ihnen nichts weiß, nicht weiß, wie viele Stunden am Tag sie an ihrem Laptop oder Handy ein Spiel spielen. Jetzt muss ihnen das ein Nachrichtensprecher erklären. - Wenn Mitglieder von Familien keine Zeit mehr haben, miteinander umzugehen, aufeinander zu achten, ist da so etwas im Spiel wie hedonistischer Karriere-Narzissmus? Sind Familien nicht nachgerade zwangszerfallen in diesem Liberalismus?
Müssen, dürfen Eltern heute keine Verantwortung mehr haben für ihre Kinder, keine Sorgfaltspflicht, keine Aufsichtspflicht? Wer ist verantwortlich für die Nachlässigkeit von Eltern? Die Kinder? Dutzende Male hat die Polizei einen 13-jährigen Jungen – eben den zuvor erwähnten Hans -, bei kriminellen Taten in seiner Rotte erwischt: sie sind in Geschäfte eingebrochen, bei Autofirmen, haben Autos gestohlen, sind damit herumgerast. Was hat die Polizei, was die Eltern, was die staatlichen Einrichtungen dagegen gemacht? Man kann nicht glauben, dass die Antwort „Nichts!“ lautet, doch sie haben tatsächlich nichts getan, um das Treiben in Kontrolle zu bringen. Sonst wäre der Junge nicht nach dem ersten Einbruch ein zweites, ein drittes, ein zwölftes Mal erwischt worden. Inzwischen ist unser 13-Jähriger gerade 14 geworden – so lange hat man mit der Anzeige wegen des letzten Einbruchs gewartet: jetzt schleifen sie ihn vors Gericht, verurteilen ihn und stecken ihn ins Gefängnis … Seit 10 Jahren war er in Kinderund Jugendhilfe untergebracht, Vater und Bruder sitzen bereits im Gefängnis. Vertreter der Kinder- und Jugendhilfe betonen, dass sie kein Gefängnis sind, höchstens abendliche Ausgangssperre verhängen dürfen; stattdessen bemühen sie sich mit erlebnispädagogischen Programmen, einige davon auf einer Almhütte verwirklicht. Gut. Aber warum kann dann ein seit 10 Jahren in diesem System beaufsichtigter Junge dutzenden Male nachts ausbüchsen und Straftaten begehen?
Wie würden wohl die Nachrichten in einem ähnlichen Fall lauten, wenn dieser andere Junge oder das Mädchen einen alten Menschen erschlagen und ausgeraubt oder der Junge das Mädchen ermordet hätte?
Alle sind fassungslos und entsetzt, ja, aber niemand hat in den letzten Jahrzehnten dafür gesorgt, dass solche Kinder und Jugendlichen in staatlicher Obhut erzogen werden, und zwar so, dass sie nicht vormittags in Beratungsgesprächen sitzen, vorgetragen mit sanfter, unsicherer Stimme, nur um nachmittags auszugehen, die Stadt unsicher zu machen und Polizei und Staatanwaltschaft zum x-ten Mal zu beschäftigen.
Die größte Schande ist – man kann das nicht deutlich genug in die Öffentlich rufen – die größte Schande ist, dass dieses Gemeinwesen sich nicht mehr um die Erziehung seiner Kinder kümmert, sondern keine bessere Lösung bei der Hand hat, als sie ins Gefängnis zu stecken und damit nicht sich selbst und das Versagen des Erziehungswesens beschuldigt, sondern die Kinder. Die Gesellschaft lässt sie unerzogen aufwachsen, nur um sie dann als straffällig zu verurteilen, eben weil sie das Ordnungssystem nicht respektieren, in welches niemand sie hineinerzogen hat.
In den Schulen entwickeln sich zwischen den Schülern Verhaltensmuster entsprechend dem Entwicklungsgrad und dem Indoktrinierungsgrad, von den verfügbaren medialen Seiten und dem Gruppenzwang; eines der Muster davon ist Feminismus – wer weiß, wer spricht, wer diskutiert darüber, wie sich unter Kindern und Jugendlichen Feminismus entwickelt und äußert, wer hat das untersucht und publiziert, wer die Kinder beaufsichtigt, wer ihr Verhalten im Internet begleitet und kontrolliert? Was also machen heranwachsende Mädchen aus dem medialen Zwang zu neuen Verhaltensnormen, was mit einem omnipräsenten, indoktrinären, fundamentalistischen Feminismus?
Eine Gang von Mädchen ermordet einen alten Mann; ein 13-jähriger Junge, jener Jamie Miller, der uns schon eingangs begegnet war, tötet das Mädchen, in das er verknallt ist, von dessen Akzeptanz er träumt, von dem er meint, dass es ihn sowieso nicht akzeptiert, weil er nicht genügt, nicht attraktiv genug ist, überhaupt nicht attraktiv ist; und sie hat sich in der Tat abweisend, zynisch, angeekelt gezeigt, hat ihm mit einem Blick gezeigt, dass er in der Tat nicht genügt, weil er ja ein Junge ist, einer von denen, die in feministischen Kreisen schon Anwärter auf diese Typen sind, die dann in der Erwachsenenwelt die Frauen bekämpfen müssen, kämpfen müssen gegen ihre eigene Sexualität und Begehrlichkeit, die bei Mädchen unter irgendwelchen Umständen wie in „Saturday night fever“ geweckt worden ist, nur eben nicht wie in diesem Film, sondern viel zu früh, mit 12 oder 13 oder so. Eine kranke Form von Feminismus muss sich da entwickelt haben unter den Mädchen, eine Mischung aus Abklatsch des fundamentalistischen Feminismus der Erwachsenen und einer kranken Form von Schönheits- und Vollkommenheitswahn aus der Produktwerbung und des Influenzerunwesens.
Die Jungs reagieren auf diese Verhaltensweisen der Mädchen auf ihre Art; mir sind bisher vier Gruppen davon über den Weg gelaufen: eine, die am Weg in die Abhängigkeit von Mädchen sind, oft verlacht als Weicheier, Softies, die sich nachgerade darum bemühen, die Kinder ihrer meist betont dicken Frau künftig selbst zu säugen. Die zweite habe ich bereits erwähnt, es sind die, die stillschweigend beginnen, sich einen betont männlichen Bart wachsen zu lassen. Eine dritte Gruppe beginnt ihre Misogynie damit, dass sie die zirkulierenden frauenfeindlichen Witze, Kommentare und Bilder untereinander austauschen, die sie entweder von ihren Vätern oder aus anderen Quellen bekommen haben und nun untereinander zirkulieren. Und nun eben diese vierte Gruppe im Kontext des Films „Adolescence“ von „incel“ mit dem Schockbeispiel des 13-jährigen Jamie Miller und dem 80:20-Glauben: sie rotten sich über ihrem Gefühl oder ihrer bereits gemachten Erfahrung zusammen, dass sie von den Mädels und den von ihnen akzeptierten Jungs ausgegrenzt werden; unter denen gibt es Individuen und Gruppen, die einen Racheplan aushecken; aus denen rekrutiert sich der negative Held der Geschichte: an die zehnmal sticht er zu und tötet seine Liebe. Im Film sind nun diese Tricks zur Verdeutlichung von Ereignissen für die Übertragung von Gefühlen eingesetzt worden, als Gegenmittel sozusagen, damit die Leute davon aufwachen, sehen, dass sich etwas ereignet hat, das sie selbst betrifft. Sigmund Freud hätte sich hocherfreut bestätigt gesehen bei der Feststellung von Reaktionen, Verhalten der Filmzuschauer, wie sie sich auftragsgemäß mit den Figuren identifizieren, wie sie Andere zu Projektionsflächen in diesem Verhaltensprozess machen. Aber die Intention der Filmer bestand ja in erster Linie darin, die Leute mit geöffneten Augen – wie den zwangsweise aufgespreizten Augenlidern des Täters in Clockwork Orange – vor ein Massaker zu stellen, das in dieser Welt, so wie sie inzwischen geworden ist, während sie als Zombies durch sie schlafwandelten, wie sie geworden und was darin jetzt alles möglich ist: sie stehen da und fragen sich: wie kann es sein, dass so etwas geschieht, ich habe doch bloß mein Leben gelebt, jeden Tag, konnte davon gar nichts wissen, bin daran so sehr nicht beteiligt, dass ich jetzt mit Fug und Recht verständnislos vor dem Schlamassel stehe, mit vollem Recht so überhaupt nichts davon verstehen kann.
Und nun verratene Liebe, ausgegrenzte, in einer Welt einer kranken Vorstellung unter Mädchen, welche Jungs akzeptabel sind, dem medial eingeprägten Idealbild entsprechen, eine Welt, in der für 80 Prozent der Mädchen nur 20 Prozent der Jungs akzeptabel erscheinen dürfen, während die anderen 80 Prozent der Jungs verächtlich beiseite zu schieben sind, eine jener zwingend entstandenen Mischungen freigewordener Möglichkeiten in einer Welt ohne Ordnung, ohne Ordnungswillen, ohne Orientierung.
Alle stehen da, mit schlechtem Gewissen, wissen aber nicht, warum sie es haben, spüren, dass sie es haben sollten, wissen aber nicht, warum, in ihrem Inneren kämpfen diese Gedanken, im und unter dem Bewusstsein, mit all jenen entfesselten Kräften, deren Opfer sie im politisch korrekten Diktat von Liberalismus, Libertinismus, Hedonismus, geworden sind.
Dabei ist Jamie Miller doch nur eine Filmfigur. Der Regisseur wusste sie eben so darzustellen, dass es tief ging, tiefer als die Nachrichten von wirklichen Taten, wie Meißen, Coburg oder Viljandi, Estland, wo jeweils ein 15-16-Jähriger eine Lehrerin tötete, Brannenburg 2000, als ein 16-Jähriger seinen Leiter seines Internatsleiter ermordete.
Nach Abflauen der Ratlosigkeit, nach Überbrücken der niederdrückenden Leere, kommt die fordernde Frage nach Lösungen auf, nach Verantwortlichen, noch immer nicht nach Verantwortlichkeiten, denen der Eltern zum Beispiel und vor allem, aber auch von Lehrpersonal, das – besonders in Schulen mit Kindern verschiedenen kulturellen Hintergrunds – auf der Einhaltung einer Umgangskultur bestehen und deren Sinnhaftigkeit vermitteln muss.
Dabei ist all dies, all diese traurige Welt sozialer Katastrophen, nur der Anfang für eine Entwicklung, der man sich heute in regelmäßigen Abständen wieder gegenüber sieht, eine Entwicklung, die von der „normalen“ Kriminalität weiter führt in Szenarien, die man davor nur vom Terrorismus kannte, solche also, die wir tatsächlich als Terrorismus ansehen müssen, als „Terrorismus von innen“; dabei hat die soziokulturelle Entwicklung im Chaos von Migration und Irrglauben an die Möglichkeit einer „Multikulturalität“ bereits schon wieder eine weitere Vermischung verursacht, eine Überlappung von interkulturellem, politischem und psychopathischen Terrorismus:
Jugendliche als Massenmörder
Der Übergang vom Bisherigen: ein Junge ermordet ein Mädchen, etc., beginnt dort, setzt sich fort von einem „einfachen“ Mord:„There are notable examples of incels who have committed acts of violence, like Alek Minassian, who killed 10 pedestrians when he drove through a walkway in Toronto in 2018. He was inspired by Elliot Rodger, who carried out a 2014 murderous rampage that left six dead and 13 wounded near UC Santa Barbara and documented his rage against women who refused his advances”.27
Das Problem mit den Problemkindern ist also um eine Reihe von Dimensionen komplexer geworden: es gibt nicht nur Systemsprenger wie Benni, nicht nur Incels wie Jamie Miller; es gibt auch Kevin: In dieser Geschichte von Lionel Shriver, „We need to talk about Kevin“, 2005 verfilmt, wird der 15-jährige Sohn zum Massenmörder: er erschießt Vater und Schwester, danach eine Reihe von Personen in der Schule. Erklärungen und Zuordnungen reichen hier vom Alkoholmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft über polarisierendes Verhalten des Kindes zwischen den Eltern – neutral und freundlich zum Vater, abweisend zur Mutter bis hin zu einer Form von Autismus oder unerklärter Soziopathie. Auffällig ist der Hinweis auf das Muster, wie es in wissenschaftlichen Analysen zur Entwicklung jugendlicher Gewaltverbrecher steht: isoliert, introvertiert, in Verbindung nur zu einem ihm kriecherisch ergebenen Freund. Zusammen mit zwei weiteren Schulkameraden beschuldigt er einen Lehrer, eine Lehrerin der sexuellen Belästigung. Kevin endet im Gefängnis Sing Sing.
Von diesem Film als Einleitung geht unser Thema über zu den Massenmorden an Schulen, von Schülern begangen; das Phänomen bekam wegen eines Paradebeispiels den Namen „Columbine“-Effekt, es hat aber schon davor begonnen:
Zwischen 1964 und 2006 registrierte man allein in USA 21 dieser Taten (inzwischen an die 10 weitere), gefolgt von einer langen Liste von Taten in europäischen Ländern: von da sind uns Ortsnamen im Ohr wie das Gutenberg-Gymnasium in Erfurt, die Geschwister Scholl Schule in Emsdetten, die Albertville Realschule von Winnenden, das Gymnasium Carolinum in Ansbach, oder Wuppertal mit seinem Wilhelm-Dörpfeld Gymnasium, Jokela in Finnland, das Land, in dem ein 12-Jähriger in Vantaa zum Täter wurde, oder Kertsch auf der Krim mit 20 Toten und 40 Verletzten, Belgrad im Jahr 2023, wo ein 13-Jähriger 10 erschoss und 7 weitere verletzte. In einem Versuch, die Ereignisse weltweit zu überblicken und einzuordnen, sah ich 3 Gruppen von Tätern: Rechtsextreme, Islamisten und Personen, die man teils als Psychopathen, teils als Soziopathen bezeichnen kann; insgesamt beschäftigen sie heute die Öffentlichkeit unter dem Namen Kinder- und Jugendterrorismus: Alle drei Gruppen rekrutieren sich vorwiegend über Internetkanäle (auch der Täter im jüngsten Schul-Massenmord in Graz, der sich an einem Vorgänger aus USA orientierte bzw. ihn kopierte).
In der weitaus überwiegenden Zahl der Täter handelte es sich um Einzelgänger, vielfach wird von psychischen Problemen gesprochen, fast niemals jedoch von einer psychiatrischen Erkrankung – in der Regel erschossen sich die Täter dabei auch selbst, somit war eine Diagnostik nicht mehr möglich.
Die Anfänge in den ersten beiden Gruppen wurden schon zuvor besprochen; ihr zu diesem Abschnitt zählendes Endstadium erlebten wir mit den tödlichen Attacken auf Migrantenunterkünfte durch Rechtsradikale, und dem Auswandern von Europa nach Nahost als Kämpfer für den „Islamischen Staat“ und andere islamistische Terror-Organisationen.
Die dritte Gruppe erscheint zunächst wiederum unverständlich, lässt sich dann aber – zumindest teilweise - doch einer Reihe von weiteren Untergruppen zuordnen:
Mit am meisten Aufsehen erregen derzeit die Massenmorde an Mädchen und Frauen durch Mitschüler oder Mitstudenten, also die Steigerung des krankhaften Verhaltens von Einzeltaten wie jener von Jamie Miller zu Marc Lepine, der in Montreal 14 Frauen erschoss und ein Dutzend weiterer Personen anschoss.28 1998 erschossen ein 11- und ein 13-jähriger Schüler in Jonesboro (Arkansas) vier Mädchen und eine Lehrerin; 2006 tötet in Lancaster, Pennsylvania, ein Amokläufer an einer Amish-Schule fünf Mädchen.28 Diese Kinder und Jugendlichen mögen die Taten älterer Männer seit 1964 zum Vorbild genommen haben, bei denen dutzende Schulkinder und eine Reihe von Lehrern erschossen worden waren.28 In Nickel Mines, Pennsylvania schoss ein weiterer Mann 10 Mädchen an und tötete die Hälfte von ihnen.29 In diesem Jahr 2025 schoss ein Mann in Örebro, Schweden, 26 Leute an, 11 davon tödlich, bevor er sich selbst erschoss. 30, 31
Andere Taten von einzelnen Jugendlichen lassen sich nicht ohne zusätzliche Informationen einer psychischen Erkrankung zuordnen, wie zum Beispiel die Morde dreier 16-Jähriger, eines in Pearl, Mississippi, der seine Mutter erstach und danach 9 Mitschüler verletzte, 2 davon tödlich; oder der Junge in einer Coburger Realschule, der eine Lehrerin und danach sich selbst erschoss. Dies gilt auch für den 17-jährigen Jungen in Red Lake, Minnesota, der zuerst seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin tötete, danach eine Lehrerin und fünf Mitschüler erschoss. Zuvor hatte er schon einen Schulwärter getötet, Motiv unklar, obwohl er sich zuvor im Internet als Nationalsozialisten beschrieben hatte; ebenso für den gleichaltrigen Schüler aus Usedom, der rechtzeitig erkannt und zur Psychotherapie gebracht wurde, weil bei ihm eine Todesliste von Lehrern und Schülern gefunden wurde, für deren Tötung er die Menge dafür erforderlicher Munition ausgerechnet hatte.28
Als Vorbild für den rezenten Grazer Fall 32 wird allen voran die Tat der beiden Schüler mit deren Schießerei gegen 12 Mitschüler und 24 weitere Personen an der Columbine High School in Littleton, Colorado, angesehen, die sich danach ebenfalls selbst das Leben nahmen.28, 33 Sieben Jahre später konnten innerhalb von einer Woche mehrere weitere dort geplante Schulmassaker verhindert werden. Diese Reihe scheint endlos und unerträglich in der Grausamkeit und Kälte, in der Jugendliche offenbar lustvoll um sich schießen, bevor sie sich entweder selbst töten oder von der Polizei erschossen werden: so verletzt ein 15-Jähriger im kalifornischen Santee 15 Mitschüler, zwei davon tödlich; an der Sandy Hook Elementary School in Newtown, Connecticut, erschießt ein Amokläufer seine Mutter, danach Personen in der Schule und schließlich 20 Kinder.33 Die Liste scheint, wie gesagt nicht enden zu wollen, mit weiteren dutzenden Schulkindern.33, 34
Offen deklarierter Hass scheint bei einer weiterer Taten Ursache und Auslöser: so ersticht „ein 15-jähriger Gymnasiast seine Lehrerin; ein 16-jähriger erschießt seinen Internatsleiter; ein 19-jähriger tötet zwölf Lehrer, die Schulsekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten“;28„ein Student erschießt acht Kommilitonen und eine Lehrkraft, tötet sich daraufhin selbst“.33
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Ratlos steht man da, unfähig ausreichende Veränderung zu erwirken, solange nicht ein tiefgreifender kultureller Wandel in Angriff genommen wird, einer, der mit ernst gemeinter und ernst praktizierter Erziehung als alles entscheidendem Anfang einsetzt. Dies gilt auch für die „Unerhörten“, die als „Systemsprenger“ abgeschobenen Einzelfälle und alle Vorstufen dorthin; denn nur dieser grundsätzliche soziale Wandel würde bewirken, dass die für deren Betreuung erforderlichen sozialen Einrichtungen auch entsprechend mit Mitteln ausgestattet sind – wir haben von den heute dafür tätigen Betreuern erfahren, dass ihnen in alle Richtungen die Hände rechtlich wie ökonomisch weitreichend gebunden werden.
Außer einer Erziehung zur Selbstkontrolle käme dann allerdings noch jene zum Respekt vor der Erfahrung Anderer, besonders, Älteren und Alten zumindest zuzuhören, deren Rat zu bedenken und mit der eigenen Überzeugung kritisch zu vergleichen: Jugendliche und andere Junge, die den Älteren erklären wollen, wie die Welt ist, weil sie meinen, die verstünden das nicht (mehr), tun das im Unwissen um die Gegebenheit, dass sie noch nicht gelernt haben, zu berücksichtigen, dass die Welt nicht ist wie sie ist, sondern so, wie sie geworden ist, seit damals, als die Älteren jung waren und eine Welt vorfanden, von der sie meinten, die Welt sei so wie sie sie gerade sehen. Beide Generationen wissen nicht aus eigener Erfahrung, wie die Welt war, bevor sie da waren, und beide müssen erfahren, wie es sich ereignet (hat), dass die Welt so geworden ist, wie sie dann, wenn man alt geworden ist, geworden ist.
Statt Entwicklung zum Weltfrieden kommen jüngst zu immer mehr Drohungen politischer Feinde zwischen den Machtblöcken und Kulturkreisen mit Atomwaffen nun auch innerhalb des Westens, besonders Europas, immer mehr rechtsradikale, aggressiv fremdenfeindliche Jugendorganisationen.
Die Alten werden das Schicksal der Jungen nicht mehr erleben, aber sie machen sich Sorgen, befürchten, dass sich die Nachkommen in blinder Überzeugtheit selber Leid schaffen.
Es gibt zwar den Aufruf, jugendliche Gegenkultur zu unterstützen, aber wie breit ist hierfür die Unterstützung unter den Älteren, wenn davon berichtet wird, dass „Teile der Bevölkerung … hinter Gewalttaten [stehen]“? … 35
Heute, da immer mehr Staaten die Souveränität der anderen in Frage stellen oder kurzerhand ignorieren, heute, da die in einer Charta verankerte Wahrung der Würde und Rechte aller Menschen gefeiert werden sollte.
Heute, am 26. Juni 2025, dem 80. Geburtstag der UNO, der Vereinten Nationen, im Jahr des Endes des Zweiten Weltkriegs, als man entschlossen war, das Zeitalter der Kriege mit technisch um Faktoren vervielfältigtem gegenseitigem Morden durch Bearbeiten von Konflikten auf der Ebene der Völker und Staaten der Welt ein für alle Mal zu einem Ende zu bringen.
1 Platon, Politeia, 8. Buch, 14. Kapitel, §563a-d
2https://theconversation.com/west-side-story-may-be-timeless-but-life-ingangs-today-differs-drastically-from-when-the-jets-and-sharks-ruledthe-streets-173543
3 D Baier, Ch Pfeiffer, J Simonson, S Rabold, Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, Erster Forschungsbericht zum gemeinsamen Forschungsprojekt des Bundesministeriums des Innern und des KFN, 2009, S. 85, https://kfn.de/wp-content/uploads/Forschungsberichte/FB_107.pdf
4 W Heinz, Jugendkriminalität – Zahlen und Fakten, BpB 2023, https://www.bpb.de/themen/recht-justiz/gangsterlaeufer/203562/jugendkriminalitaet-zahlen-und-fakten/
5 J Miller, Messergewalt und Migration: Was Statistik und Forschung aussagen, BR24, 2023, https://www.br.de/nachrichten/wissen/faktenfuchsmessergewalt-und-migration-was-statistik-und-forschung-aussagen,Tpva7EK
6 C Walburg, Migration und Kriminalität, Bundeszentrale für politische Bildung 2020, https://www.bpb.de/themen/innere-sicherheit/dossier-innere-sicherheit/301624/migration-und-kriminalitaet-erfahrungen-undneuere-entwicklungen/#„07“
7 S Rabold, Baier, Ethnische Unterschiede im Gewaltverhalten von Jugendlichen - Die Struktur von Freundschaftsnetzwerken als Erklärungsfaktor, https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/142453/Baier_254.pdf?sequence=1&isAllowed=y
8 A Toprak, K Nowacki, Gewaltphänomene bei männlichen, muslimischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Präventionsstrategien Expertise im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, https://www.bmfsfj.de/resource/blob/74636/98ae887759a6e22eef9eff0cead54454/gewaltphaenomene-maennliche-muslimischen-jugendliche-data.pdf
9 K Hessel-Masala, Gewalt und Delinquenz bei Jugendlichen und Heranwachsenden unter Berücksichtigung des Aspekts der Migration als Phänomen Daten- und Sekundäranalyse Beispiel Offenbach am Main, CGIL Bildungswerk 2006, https://migrant-integration.ec.europa.eu/sites/default/files/2008- , S. 26.
10 J Liebert, Hardcore-Härtefall, Süddeutsche 2021, https://www.sueddeutsche.de/medien/systemsprenger-zdf-helena-zengel-1.4605462
11 Baroness Casey's audit of group-based child sexual exploitation and abuse. https://www.gov.uk/government/speeches/baroness-caseys-audit-of-group-based-child-sexual-exploitation-and-abuse
12 H Thiersch, S Müller, Kinderkriminalität, in: H Peter, Kinderkriminalität, Springer Nature Link 1998, Leske + Budrich 1998, S. 27, https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-322-95074-1
13 B Schmeis, Raus, raus, raus mit der Wut, Der Spiegel 2019, https://www.spiegel.de/kultur/kino/systemsprenger-von-nora-fingscheidt-aufschrei-in-grell-pink-filmkritik-a-1287383.html
14 Th Krampl, Wie Rechtsextreme Jugendgruppen und Vereine unterwandern, Tagesschau 23.06.2025, https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-wie-rechtsextreme-jugendgruppen-und-vereine-unterwandern-100.html
15 F Greuel, Junge Menschen und Rechtspopulismus, BpB 20.03.2025, https://www.bpb.de/themen/parteien/rechtspopulismus/560581/jungemenschen-und-rechtspopulismus/
16 Rechtsextreme Jugendkulturen, Bundeszentrale für politische Bildung, https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/41740/rechtsextreme-jugendkulturen/
17 FM Steiner, Vom Nazi-Skinhead zum Nipster – rechtsextreme Jugendkulturen im Wandel, BpB 2017, https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/255988/vom-nazi-skinhead-zumnipster-rechtsextreme-jugendkulturen-im-wandel/#footnote-target-1
18 Rekrutiert im Netz: immer mehr rechte Jugendgruppen: Seit Mitte 2024 sind in Deutschland mehrere neue rechtsextremistische Gruppierungen entstanden. Ihre Anhänger? Jugendliche., Sueddeutsche Zeitung, 25.06.2025, https://www.sueddeutsche.de/panorama/rekrutiert-im-netzimmer-mehr-rechte-jugendgruppen-li.3274381
19 J Kixmüller, Rechtsruck der Jugend in Deutschland: „Rechtspopulismus ist wieder cool geworden“. Bis zu 30 Prozent der jungen Wähler in Deutschland haben zuletzt die AfD gewählt. https://www.tagesspiegel.de /wissen/rechtspopulismus-ist-wieder-cool-geworden-was-derrechtsruck-der-jugend-fur-deutschland-bedeutet-12811592.html
20 Immer mehr rechtsextreme Jugendgruppen, Stuttgarter Zeitung, 17.06.2025, https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.deutschland-immer-mehr-rechtsextreme-jugendgruppen.0786034b-5c81-4ba3-aabd-2ff92a5436be.html
21 Junge Nazis in Deutschland, Deutschlandfunk 06.06.2025, https://www.deutschlandfunkkultur.de/rechtsextreme-jugendliche-baseballschlaegerjahre-100.html
22 M Fiedler et al., Wenn auf dem Schulhof ‚Ausländer raus‘ gegrölt wird, Der Spiegel 13. 09.2024, https://www.spiegel.de/politik/deutschland/jugend-warum-ist-der-rechte-rand-fuer-junge-menschen-so-attraktiv-geworden-a-4ab2f89f-524b-4011-8348-30fc9912ff07
23 Russland und die Schweiz, Dokumentation in 3-SAT 2025, https://www.3sat.de/ gesellschaft/politik-und-gesellschaft/russland-unddie-schweiz-100.html
24 J Radtke, Was macht rechtsextreme Jugendkulturen für junge Leute attraktiv? BpB 2017 https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/256077/was-macht-rechtsextreme-jugendkulturen-fuer-junge-leute-attraktiv/
25 J Staib, Sind die Baseballschlägerzeiten zurück?, FAZ 12.06.2025
26 T Dammers, ARD-Kiew, Wenn Jugendliche zu Terroristen werden, https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/terror-minderjaehrige-100.html
27 OB Waxman, How Netflix’s Gripping Adolescence Takes on the Dark World of Incels, https://time.com/7267884/adolescence-netflix-explained/
28 Massenmorde in der Schule, Spiegel 20.11.2006, https://www.spiegel.de/panorama/justiz/chronik-massenmorde-in-der-schule-a-449549.html
29 Massaker an der Amischen Schule von Nickel Mines, https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_an_der_Amischen-Schule_von_Nickel_Mines
30 M Kettenbach et al. nach Schüssen an Schule in Schweden: Rätsel um erste Polizisten am Tatort, Frankfurter Rundschau, 08.02.205, https://www.fr.de/panorama/schweden-mehrere-verletzte-schulkinderin-klassen-eingesperrt-schuesse-an-schule-in-93553006.html
31 Wikipedia
32 Amoklauf an Grazer Schule – 21-Jähriger könnte sich Columbine-Massaker zum Vorbild genommen haben, Tagesspiegel 13.06.2025, https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/amoklauf-an-grazerschule-21-jahriger-konnte-sich-columbine-massaker-zum-vorbild-genommen-haben-13852219.html
33 O Pieper, Die lange blutige Liste der Massaker in den USA, DW 2021, https://www.dw.com/de/die-lange-blutige-liste-der-massaker-in-denusa/a-61933651
34 Amoklauf an der Robb Elementary School, https://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_an_der_Robb_Elementary_School
35 C Hennen, H Püschel, Rechte Jugendgewalt: Beratungseinrichtung: Teile der Bevölkerung stehen hinter Gewalttaten, Deutschlandfunk 21.05.2025, https://www.deutschlandfunk.de/ rechtsextreme- jugendgruppen-in-deutschland-ein-bekanntes-phaenomen-100.html
