Brain Talk - David Morris Schnarch - E-Book
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Brain Talk E-Book

David Morris Schnarch

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Beschreibung

Erkenne dich selbst

Sich selbst besser zu kennen und auch den anderen zu verstehen, hilft in jeder Art von Beziehung ungemein. Denn erst dadurch ist es möglich, mit dem Partner, den Kindern, den Freunden liebevolle Beziehungen zu führen. Diese Fähigkeit besitzt jeder von uns, doch nicht alle nutzen sie.

Der international renommierte Psychologe Dr. David Schnarch zeigt hier mit zahlreichen Fallbeispielen, wie das Gehirn in Verbindung zu anderen steht und wie Sie mithilfe des neurobiologischem Mindmappings diese positiv gestalten können.

Der Bestsellerautor Schnarch wird für seine einfühlsame, lebendige und leicht verständliche Sprache nicht nur in Fachkreisen geschätzt, sondern ebenso von Hunderttausenden von Lesern.

Wer auf der Suche nach sich selbst ist, kommt um »Brain Talk« nicht herum.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 860

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Der Autor

Der US-amerikanische klinische Psychologe Dr. David Schnarch (geboren 1946) ist als Sexual- und Familientherapeut einem großen Publikum bekannt. Er lehrte an der Medizinischen Fakultät der Universität von Louisiana Psychiatrie und Urologie. Seine fachlichen Beiträge wurden mehrfach ausgezeichnet und seine Bücher sind internationale Bestseller. Er ist der Begründer des Crucible Therapy Institute mit Dependance in Deutschland.

Das Buch

Sich selbst besser zu kennen und auch den anderen zu verstehen, hilft in jeder Art von Beziehung ungemein. Denn erst dadurch ist es möglich, mit dem Partner, den Kindern, den Freunden liebevolle Beziehungen zu führen. Diese Fähigkeit besitzt jeder von uns, doch nicht alle nutzen sie.

Der international renommierte Psychologe Dr. David Schnarch zeigt hier mit zahlreichen Fallbeispielen, wie das Gehirn in Verbindung zu anderen steht und wie Sie mithilfe des neurobiologischem Mindmappings diese positiv gestalten können.

Dr. David Schnarch

BRAIN TALK

Wie wir das Gehirn nutzen, um uns selbst und andere besser zu verstehen

Aus dem Amerikanischen von Tara Christopeit

Kösel

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel »Brain Talk: How Mind Mapping Brain Science Can Change Your Life & Everyone In It« bei Sterling Publishers, Evergreen, Colorado.

Copyright © 2018 by David Schnarch, PhD

Copyright © 2020 Kösel-Verlag, München,in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: Weiss Werkstatt München

Umschlagmotiv: © Shtonado/Shutterstock.com

Redaktion: Imke Oldenburg, Bremen

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN 978-3-641-26476-5V003

www.koesel.de

In Gedenken an

Stanley und Rose Schnarch.

Geliebte Eltern,

die nach 70 gemeinsamen Jahren im Alter von 92 Jahren starben.

Mir war nicht klar, wie gut ich es hatte, bis ich Einblick in die Elternhäuser meiner Klienten bekam.

Aus Güte im Herzen entsteht Schönheit im Wesen.

Aus Schönheit im Wesen entsteht Harmonie im Heim.

Aus Harmonie im Heim entsteht Ordnung im Land.

Aus Ordnung im Land entsteht Frieden auf Erden.

Lao-tse

6. Jh. v. Chr.

Inhalt

Dank

Vorwort zur deutschen Ausgabe

Einleitung

Teil 1: Mindmapping verstehen

1. Was ist Mindmapping?

Das Antriebsrad von Beziehungen

Wir sind von Natur aus Psychologen

Überall. Alle. Immer.

2. Die Neurowissenschaft des Mindmappings

Theory of Mind

Mindmapping ist eine Überlebensfähigkeit

Die praktischen Grundlagen des Mindmappings

Mindmapping formt Ihre Lebensgeschichte

Mindmapping und die Folgen für Ihr Gehirn

3. Mindmapping bei Kindern

Implizites Mindmapping

Explizites Mindmapping

Genießen Sie die kurze Dauer Ihrer Allwissenheit

Vierjährige Kinder: Lügendetektoren der Zukunft

Kleine Lüge, großer Moment

Das Ende Ihrer Privatsphäre

Die Welt mit den Augen Ihrer Kinder sehen

4. Haben alle die Fähigkeit zum Mindmapping?

Hunde sind Mindmapper

Welche Wirkung haben Eltern auf die Mindmapping- Fähigkeit ihrer Kinder?

Was, wenn Ihre Mutter nicht mental orientiert kommuniziert hat?

Was, wenn Sie aus einem schwierigen Elternhaus kommen?

Wie passen Schizophrenie, Autismus und Asperger-Syndrom dazu?

Moment! Mein Mann ist ein Mindmapper?

5. Mindmapping bei Erwachsenen

Mindmapping in Beziehungen

Mindmapping und sexuelles Verlangen

Mindmapping und sexuelle Funktionsstörungen

Mindmapping und Affären

Singles und Mindmapping

Mehr Action als gedacht

6. Mindmasking: Der Schutz gegen Mindmapping

Die zweite Ebene der Mindmapping-Fähigkeit: Mindmasking

Problemfamilien sind Nährböden für vortreffliches Mindmasking

Mindmasking: Was braucht es dazu?

Die dritte Mindmapping-Ebene: Täuschung

Die vierte Ebene des Mindmappings: Mindtwisting

7. Wie gut kennen Sie sich selbst?

Das Selbst verbindet uns

Die Tücken der Introspektion

Die Fehlbarkeit der Introspektion

Andere Menschen kennen Sie besser als Sie sich selbst

Man kann den Partner durchschauen und sich selbst gegenüber blind sein

Teil 2: Problematische Folgen des Mindmappings

8. Traumatisches Mindmapping

Antisoziales Mindmapping

Traumatisches Mindmapping

Traumatisches Mindmapping beeinträchtigt Ihre Stressresistenz

Traumatisches Mindmapping in Problemfamilien

Posttraumatische Belastungsstörung und traumatisches Mindmapping

Antizipatorisches traumatisches Mindmapping

9. Antisoziale Empathie

Was Empathie wirklich bedeutet

Was ist antisoziale Empathie?

Schadenfreude

Woran man merkt, ob jemand antisozial empathisch ist

Gescheiterte Therapiefälle

Ekelhafte Erziehung

10. Traumatisches Mindmapping und seine Folgen

Kurzzeitfolgen von traumatischem Mindmapping

Langzeitfolgen von wiederholtem traumatischem Mindmapping

Warum es sich lohnt, die dunklen Seiten zu kennen

Die Crucible® Neurobiologische Therapie

Teil 3: Mindmapping zu Ihren Gunsten nutzen

11. Mindmapping bei anderen bemerken

Das Mindmapping der anderen

Mindmasking erkennen

Strategen erkennen

Mindmapping ist nicht perfekt

12. Traumatisches Mindmapping auflösen

Visualisierung und zielgerichtetes Mindmapping

Lösungen für hartnäckige Probleme

Mit dem Kopf gegen die Wand, bis die Wand sich bewegt

Die rechte Hirnhemisphäre mit der linken beleuchten

13. Lücken in Ihrem autobiografischen Gedächtnis reparieren

Behalten Sie die Fähigkeit zum Mindmapping im Sinn

Lücken im Mindmapping-Radar bemerken

Autobiografische Lücken mithilfe von Revisualisierung sanieren

Querverweise zwischen traumatischen Erinnerungen

Einen schriftlichen mentalen Dialog mit dem Antagonisten führen

14. Mit destruktiven Menschen umgehen

Mit Menschen fertig werden, die ekelhafte Dinge tun

Implizites Gedächtnis (SAM)

Mit Strategen umgehen

Bei sich selbst bleiben (Differenzierung)

Goldstandard-Antworten liefern

E-Mail-Korrespondenz

Tinas Treffen mit ihrem Vater

Folgen für dysfunktionale Familien

Posttraumatisches Wachstum

15. Momente der Begegnung gestalten

Positive Momente der Begegnung in emotional verbindlichen Beziehungen

Momente der Begegnung mit Ihren Kindern

Positive Momente der Begegnung in Freundschaften

Mindmapping bei der Arbeit

Positive Momente der Begegnung mit Geschwistern

Alternde Eltern wertschätzen

Packen wir’s an!

Anhang

Anhang A: Mindmapping

An Mindmapping beteiligte Hirnareale

Wie das Gehirn entscheidet, was es lesen möchte

Mindmapping von Gedanken und Gefühlen

Die Neurochemie des Mindmappings

Störungen, die die Fähigkeit zum Mindmapping beeinträchtigen

Psychopathen und Mindmapping

Anhang B: Traumatisches Mindmapping

Wie passt traumatisches Mindmapping zu PTBS?

DESNOS-Symptome

Traumatisches Mindmapping und die aktuellen PTBS-Diagnosekriterien

Über DSM und DESNOS hinaus

Ausprägungen interpersoneller neurobiologischer Störungen

Körperliche Auswirkungen von traumatischem Mindmapping

Anhang C: Antisoziale Empathie

Wie das Gehirn Empathie erzeugt

Neuroanatomische Grundlage der antisozialen Empathie

Schadenfreude!

Kognitive und emotionale Empathie – aus Sicht des Gehirns

Die »Dunkle Tetrade«: Machiavellismus, Narzissmus, Soziopathie und Sadismus

Gaslighting

Was wir Unglaubliches aus Ekel lernen können

Anhang D: Neuroplastizität erzeugen

Die typische Behandlung von PTBS

Überlegungen zu effektiveren Therapieformen

Methoden der Crucible® Neurobiologischen Therapie

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Register

Der Autor

Dank

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, bin ich dankbar für alles, was ich über Menschen und Beziehungen herausgefunden und beobachtet habe. Ich sehe darin meinen inneren Reichtum, meine Belohnung für ein Leben, das ich der Unterstützung anderer Menschen gewidmet habe. Jedes Mal, wenn ich etwas Neues entdeckte, spürte ich mich von der Verbundenheit aller Dinge und Seelen wohlwollend berührt. Häufig betraf dies subtile gehirnbezogene Schwierigkeiten, die ich noch nie zuvor gesehen hatte und die ich letztlich beheben konnte.

Meine »Offenbarungen« treten normalerweise dann zutage, wenn meine Klienten sehr schwierige Zeiten in ihrem Leben durchmachen. Stellen Sie sich vor, Ihr Therapeut sagt Ihnen, Sie hätten ein Problem mit dem Gehirn. Er denkt, Sie hätten Lücken in Ihrem autobiografischen Gedächtnis und ein verdrehtes Bild Ihrer eigenen Lebensgeschichte. Er legt nahe, dass Sie den wichtigen Menschen in Ihrem Leben gegenüber blind sind. Dann teilt er Ihnen mit, ein Problem wie Ihres hätte er so noch nie zu Gesicht bekommen. Er sagt zwar, es bestünde eine Chance, Ihr Problem zu lösen, aber garantiert sei es nicht. Wer möchte denn unter diesen Bedingungen eine Therapie beginnen?

Trotzdem (oder genau deshalb) lassen meine Klienten zu, dass ich sie genau studiere und von ihnen lerne. Ich ermutigte diese »Offenbarungs-Klienten«, Fortschritte zu machen, die bewiesen, dass auch diese Probleme gelöst werden konnten. Ihre Erfolge bahnen den Weg für Behandlungen, von denen andere profitieren. Im Laufe der Zeit wurden aus diesen Erkenntnissen Behandlungspläne.

Die Klienten, die ich danach behandelte, hatten es also gewissermaßen leichter. Immerhin konnte ich ihnen versichern, dass ich schon Menschen mit ähnlichen Problemen behandelt hatte, und einige grundlegende Methoden halfen diesen Menschen, bemerkenswerte Fortschritte zu machen. Dennoch verbarg sich auch hierin keine Garantie auf Erfolg, doch es bot den folgenden Klienten die Möglichkeit, eine andere Position einzunehmen: Ich wusste, dass ihr Problem gelöst werden konnte. Sie konnten beweisen, wie schnell es gehen konnte.

Meine Klienten hatten es in der Therapie nicht leicht.

Zu der Behandlung gehörten schwierige Erkenntnisse über sich selbst und die Menschen, die sie lieben. Wenn destruktive Eltern damit drohten, sie zu enterben, manifestierten meine Klienten die wunderbare Kraft des menschlichen Geists. Sie bewiesen, dass schiere Sturheit zu positiven Veränderungen im Gehirn führen kann, wenn sie dem Besten dient. Aus ihren Erfolgen entwickelte sich die Crucible® Neurobiologische Therapie. Ich bin den Menschen, die mich aufsuchten, weil sie Hilfe brauchten, zu tiefem Dank verpflichtet, der sich nicht in Worte fassen lässt.

Ich möchte mich bei einigen Menschen bedanken, die ich nicht persönlich kenne: Hardcore-Wissenschaftler und Forscher, die ihr Leben der Untersuchung der Geheimnisse des Gehirns gewidmet haben. Ihre Erkenntnisse, die sie in langen Jahren mühevoller Forschungen gewonnen haben, sind in diesem Buch als Hirnwissenschaft aufgeführt. Ihre langwierige Mühe ermöglicht Behandlern wie mir die Entwicklung neuer hirnorientierter Psychotherapien.

Dieses Buch liest sich anders als meine vorherigen Bücher, da sich der Schreibprozess völlig anders dargestellt hat. Wenn ich schreibe, drücke ich mich ganz anders aus, als wenn ich Vorträge halte oder unterrichte. In diesem konkreten Fall habe ich einige Tage damit verbracht, dem Autor Storms Reback die Inhalte dieses Buchs zu erklären. Aus den Mitschriften und seinem Verständnis des Materials entwickelte er den ersten Entwurf. Ich erarbeitete daraus den zweiten Entwurf, den Storms redigierte. Dann schrieb ich einen weiteren, wesentlich längeren Entwurf. So kürzten wir den Prozess, den ich normalerweise durchlaufe, um ein Buch zu schreiben, um Jahre. Ich weiß seine Hilfe sehr zu schätzen. Letztlich bin jedoch ich für alles, was Sie hier lesen, verantwortlich.

Linda Kirkpatrick, ehemalige Herausgeberin der lokalen Good News-Zeitung, überarbeite das fertige Manuskript. Sie drängte mich, Kapitel 14 komplett zu überarbeiten, und so gewann es an Tiefe und Detail. Linda ist seit über 20 Jahren meine Nachbarin und Freundin und der Grund, warum wir in unserem wunderschönen Haus wohnen. Es ist also nicht nur ihre Arbeit an meinem Buch, die Linda zu einer wahren Bereicherung in meinem Leben macht.

Ich möchte mich bei den Menschen in meinem Leben bedanken, die die Arbeit an diesem Buch möglich gemacht haben. Allen voran meine unglaublich geduldige Ehefrau Dr. Ruth Morehouse, die mein Leben bereichert und ihm mehr Tiefe und Sinn gibt. Abgesehen von ihren fabelhaften Eigenschaften als Ehefrau und Mutter, ist sie selbst eine fantastische Therapeutin. Glücklicherweise hat die Gemeinheit, die in diesem Buch beschrieben wird, in unserer Ehe keinen Platz. Mein Leben mit Ruth spornt mich an, ein besserer Mensch zu sein.

Mein Bruder Steve bereichert mein Leben mit seinem guten Herzen. Er unterstützt uns beruflich als IT-Spezialist und organisiert das monatliche Webinar. Er ist unglaublich umgänglich und sympathisch, außerdem ist er ein guter Mensch und von Grund auf loyal. Die Erziehung (und die Gene) unserer Eltern kommen bei ihm vollauf und im besten Sinne zur Entfaltung.

Wenn ein Autor über die dunklen Seiten von Beziehungen schreibt, fragt man sich sicherlich, was für eine grauenvolle Kindheit er wohl hatte. Ich kann Ihnen sagen, dass unsere Eltern, Stan und Rose Schnarch, uns als Kinder mehr gaben, als wir damals wertschätzen konnten. Sie gingen liebevoll miteinander und mit uns um. Sie waren Eltern, die wir respektieren konnten, was ich für das größte Geschenk halte, das Eltern ihren Kindern geben können. Glücklicherweise habe ich alles in diesem Buch aus der Arbeit von meinen Klienten gelernt und nicht persönlich erfahren müssen.

Aus unserer Tochter Sarah ist die süße, freundliche Banjovirtuosin geworden, weil sie mit Ruth, Steve und meinen Eltern aufwuchs. Ihre Freunde nennen sie »Sunny«, und ich finde, das sagt alles. Abgesehen von ihrem Interesse an biodynamischer Landwirtschaft und Heilkräutern, nimmt Sarah ihren Job sehr ernst, mich stets wissen zu lassen, dass ich alles andere als perfekt bin.

Ich schätze mich glücklich, Menschen in meinem Leben zu haben, die mich wirklich lieben, und ich könnte mir keine bessere Frau und keinen besseren Bruder wünschen. Ich könnte mir nur wünschen, sie würden dasselbe auch über mich sagen, besonders, wenn ich im Schreiben eines Buches der Welt abhandenkomme.

Dieses Manuskript profitierte von Ruths wertvollen Vorschlägen und Kommentaren, ebenso wie von jenen, die Dr. John Thoburn, Grace Whitman und Barbara Fairfield mir unterbreiteten.

Zu guter Letzt möchte ich meinen Agenten Micheal Wright und Leslie Garson von Garson and Wright Public Relations für ihre berufliche Expertise und ihre Freundschaft danken. Abgesehen von ihrem fachlichen Know-how bewundere ich sie dafür, was für wunderbare Eltern sie sind.

Vorwort zur deutschen Ausgabe

Meine Bücher Die Psychologie sexueller Leidenschaft und Intimität und Verlangen erfreuen sich im deutschsprachigen Raum seit langer Zeit großer Beliebtheit. Diese deutsche Ausgabe meines letzten Buchs Brain Talk wurde als Dankeschön an meine Leser mit großer Sorgfalt und besonderer Aufmerksamkeit bearbeitet.

Die deutsche Ausgabe entstand aus meiner langjährigen Zusammenarbeit mit Tara Christopeit, meiner kongenialen Übersetzerin. Im Laufe der letzten neun Jahre hat Tara mehr als 40 professionelle Fortbildungen, Vorträge und Workshops übersetzt (mehr als irgendein anderer Therapeut im deutschsprachigen Raum) und meinen Ansatz so auf einzigartige Weise in der Tiefe verinnerlicht. Ich habe sie gebeten, dieses Manuskript zu übersetzen, damit meine Gedanken nicht nur inhaltlich stimmen, sondern auch nach mir klingen. Mit ihrem Wissen über meine Ausdrucksweise hat sie mir eine Stimme auf Deutsch verliehen. Ich wünschte, ich könnte das selbst.

Da es in diesem Buch um Mindmapping geht, haben wir uns bemüht, Ihnen beim Lesen die Gelegenheit zu geben, in meinem Geist zu lesen. Unsere Bemühungen folgen dem Wunsch, Ihnen die sinnvollste deutsche Übersetzung zu bieten. Wir haben zu diesem Zweck zum Beispiel die Namen aus der Originalfassung geändert, um Ihnen die Menschen in den Fallbeispielen vertrauter zu machen. Unser Ziel war es, Ihnen dieses lebensverändernde Wissen und das hoffnungsvolle Lebensgefühl so nahezubringen wie möglich. Wenn Sie sich zu Herzen nehmen, was Sie hier lesen, und es nutzen, um Ihr Leben und die Welt um Sie herum zu verbessern, haben wir unser Ziel erreicht.

Anmerkung des Verlags:

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden auf die gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Sprachformen verzichtet und das generische Maskulinum verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

Einleitung

Wer eine Therapie beginnt, wünscht sich häufig ein Wundermittel, das alle Beschwerden nach einem Besuch wie von Zauberhand aus der Welt räumt. So funktioniert Psychotherapie natürlich nicht. Ich habe jedoch Zusammenhänge entdeckt, die Ihr Leben enorm verbessern können. Und dafür genügt es, sie nur ein einziges Mal zu hören. Die letzten zwölf Jahre habe ich der Entwicklung der Crucible® Neurobiologischen Therapie gewidmet. Dieser Therapieansatz hat eine transformative und lebensverändernde Wirkung und meiner Meinung nach ist es keine Übertreibung, wenn ich sage, dass Sie Ihr Leben mit diesem Buch nachhaltig verbessern können.

Dieser revolutionäre Therapieansatz ergab sich als Folge schwieriger Umstände. In den letzten 40 Jahren meiner Karriere konnte ich vielen Paaren helfen, die Schwierigkeiten mit Sex, Intimität und sonstigen Beziehungsproblemen hatten, und viele lebten danach in glücklicheren Ehen, gesünderen Familien und besser funktionierenden Leben. Doch mich interessierten besonders die Paare, die nicht weiterkamen. Was Sie hier lesen werden, sind die Ergebnisse meiner Untersuchungen der Klienten, die am schlechtesten abschnitten.

Meine Auswahl an Probanden war allerdings ziemlich überschaubar. Hin und wieder kam es vor, dass ich ein Paar in Therapie hatte, das nicht weiterkam. Manchmal waren es sogar zwei. Doch dann hatte ich unglaubliches Glück. Ich behandelte gleich drei Paare, die keine Fortschritte machten. Ich spreche von »Glück«, da viele Wissenschaftler dieses Phänomen kennen: Bahnbrechende Entdeckungen werden häufig aus niederschmetterndem Scheitern geboren. Ehrlich gesagt, fühlte ich mich zu dieser Zeit weder besonders wissenschaftlich noch vom Glück verfolgt. Es beunruhigte mich, gleich drei Paare zu behandeln, bei denen die Therapie nicht anschlug. Ich war frustriert. Und doch bot mir dieser Umstand eine Gelegenheit, die sich bei nur einem erfolglosen Paar nicht geboten hätte. »Was haben sie gemeinsam?«, grübelte ich. »Was verbindet diese Paare, die in der Therapie mit mir scheitern? Wie kann ich ihnen helfen?«

Ungefähr zur gleichen Zeit, in der mich meine gescheiterten Behandlungen auf Trab hielten, mischte sich der im Entstehen begriffene Bereich der interpersonellen Neurobiologie ins Geschehen. Die moderne Hirnforschung war in vollem Gang. Ganz besonders hatte es mir die Untersuchung der menschlichen Fähigkeit, die eigenen geistigen Zustände und die der anderen zu identifizieren, angetan – die sogenannte »Theory of Mind«. Dieser Begriff war mir zu abstrakt und unhandlich, und so taufte ich die Fähigkeit des Gehirns, eine geistige Landkarte vom Innenleben eines anderen Menschen anzufertigen, »Mindmapping«. Im ersten Teil dieses Buchs werde ich das Thema nuanciert und ausführlich darstellen. Ich denke, Sie werden schnell verstehen, warum Mindmapping mich nicht mehr losgelassen hat.

Um es kurz zu fassen: Es stellte sich heraus, dass die Gemeinsamkeit meiner gescheiterten Paare mit Mindmapping zu tun hatte. (Über die Ergebnisse meiner Untersuchungen erzähle ich Ihnen im zweiten Teil mehr.) Anzuwenden, was ich über Mindmapping herausgefunden habe, stellte das Spiel völlig neu auf. Mindmapping hat meine Arbeit der letzten Jahrzehnte exponentiell beflügelt. So konnte ich die grundlegenden Probleme meiner scheiternden Paare aufdecken und neue Behandlungsweisen für sie entwickeln, um ihnen wirklich zu helfen. Das war die Geburtsstunde der Crucible® Neurobiologischen Therapie. (Wie Sie im dritten Teil lesen werden.)

Das Leben durch die Linse des Mindmappings zu betrachten, half meinen Klienten, sich selbst, ihre Partner und ihre Beziehungen in einem ganz neuen Licht zu sehen. Abgesehen davon, dass lang vermiedene, schwierige Tatsachen an die Oberfläche kamen, waren meine Problempaare eher bereit und fähig, sich ihrer Lebensrealität zu stellen. Selbst wirklich stark belastete Paare aus enorm schwierigen Familienverhältnissen schafften es, ihrer Ehe neues Leben einzuhauchen und gestalteten ihre Beziehungen wertvoller, ihre Familien gesünder und ihr Leben produktiver.

Zwei Dinge fielen mir besonders deutlich auf: Nachdem sie erfahren hatten, was es mit Mindmapping auf sich hat, blühten die Paare förmlich auf. Sie waren nicht einfach nur glücklicher mit sich selbst und miteinander. Sie erzählten, dass sie nun leichter mit allen wichtigen Beziehungen in ihrem Leben fertigwurden. Viele berichteten, dass ihr allgemeiner Zustand – ihre Gedanken und Gefühle – sich verbessert hatte. Mir fiel auf, dass sie außerdem anders aussahen und anders auftraten. Sie wirkten gesünder, ihre Augen funkelten lebendig und sie sahen insgesamt ansprechender aus. Sie wirkten auf ihre Umwelt, als hätten sie einen langen Aufenthalt in einem 5-Sterne-Wellnesshotel am Meer hinter sich.

Ich war außerdem verblüfft, wie schnell das alles geschah. Im Lauf der letzten drei Jahrzehnte sind Menschen aus der ganzen Welt zu mir in die USA ins Städtchen Evergreen im Bundesstaat Colorado geflogen, um dort vier oder fünf Tage lang in dreistündigen Intensivsitzungen therapeutisch von mir behandelt werden. In meiner Therapie richte ich mich direkt und ohne Umschweife an meine Klienten und habe den Ruf, sehr schnell Ergebnisse zu erzielen. Glauben Sie mir – an schnell und intensiv bin ich gewöhnt. Aber die Integration von Mindmapping in die Crucible® Therapie war, als hätte ich eine Startrakete an meinem bisherigen Ansatz befestigt. Seitdem ist Mindmapping aus meiner Therapie nicht mehr wegzudenken.

Obwohl ich meine Methodik in den letzten zwölf Jahren entwickelt habe, gehe ich erst jetzt damit an die Öffentlichkeit. Ich habe erst vor Kurzem angefangen, andere Therapeuten darin auszubilden. Ich bin von Haus aus Skeptiker und zwar besonders meiner eigenen Arbeit gegenüber. Ich habe so lange gebraucht, um die Folgen von Mindmapping aufs Gehirn zu untersuchen, meine Methoden in ein vermittelbares Protokoll zu verpacken und mich selbst von ihrer Effektivität zu überzeugen.

Nach einem Vortrag, den ich 2015 in Deutschland hielt, wusste ich, dass die Zeit reif war, mich an ein breiteres Publikum zu wenden. Mein Vortrag sollte zwei Stunden dauern (ich arbeite mit einer Übersetzerin), aber tatsächlich wurden daraus drei. Ich sprach eine Stunde länger als geplant, doch von den 700 Zuhörern stand niemand vorher auf. Man sollte meinen, dass nach drei Stunden ziemlich hartem Stoff zumindest irgendwer aufstehen und gehen würde, aber alle blieben wie gebannt sitzen.

Die Reaktion des Publikums nach dem Vortrag haute mich um. Ein Zuschauer kam zu mir mit den Worten: »Mein Blick auf mein Leben hat sich komplett verändert. Mindmapping hat mir Zugang zu einer völlig neuen Realität verschafft. Ich verstehe meine Vergangenheit und mein jetziges Leben komplett anders und meine Zukunftsvision hat sich um 180 Grad gedreht.« Mitunter hat Mindmapping genau diese Wirkung. Der Blick aufs eigene Leben und alle, die darin vorkommen, verändert sich grundlegend.

Wenn Therapeuten erstmals etwas über Mindmapping erfahren, reagieren sie ganz ähnlich. Das fiel mir auf, als ich die ersten Fortbildungen in Amerika und Europa gab. Die Kinnladen der Therapeuten klappten wie im Schock herunter. Viele hatten viel Zeit und Geld in ihre eigenen Therapien investiert und standen nun fassungslos völlig neuen persönlichen Erkenntnissen und korrigierten Lebensgeschichten, die sie während der Workshops entwickelt hatten, gegenüber. Das Verständnis für ihre Patienten machte eine ähnliche Veränderung durch. Ihre alten Therapiemethoden kamen ihnen nun naiv vor. Mir wurde klar, was für eine immense Wirkung einmaliges Hören dieser Information haben kann.

Ein Grund für diesen verblüffenden Effekt könnte sein, dass das Gehirn dieses Wissen so schnell und mühelos aufnimmt. Ihr Gehirn verschlingt diese Information förmlich. Dann beginnt es, die wichtigen Menschen und die Ereignisse aus der eigenen Vergangenheit und Gegenwart in einen ganz neuen Bedeutungsrahmen zu spannen. Das geht so schnell, dass man sagen kann, Mindmapping spreche die Sprache des Gehirns. So kam ich auch auf den Titel dieses Buches: Brain Talk. Wie wir das Gehirn nutzen, um uns selbst und andere besser zu verstehen beschreibt sehr gut, wie wirksam Mindmapping ist und wie leicht der Verstand darauf zugreifen kann.

Wie der Titel schon sagt, steht in Brain Talk das Gehirn im Mittelpunkt. In dem Moment, in dem Sie verstehen, was Mindmapping ist, versteht Ihr Gehirn sich selbst. Möglicherweise haben Sie unentdeckte Lücken in Ihrem Mindmapping-Radar. Wussten Sie, dass die Fähigkeit zum Mindmapping unter bestimmten Bedingungen außer Kraft gesetzt wird? Ihr Gehirn beginnt das zu berücksichtigen, sobald es Bescheid weiß. Ohne dieses Wissen unterschätzen Sie wahrscheinlich die Fähigkeiten Ihrer Mitmenschen zum Mindmapping und glauben, die anderen könnten sich kein Bild vom Geist anderer machen. Wussten Sie, dass Sie auch Ihrem eigenen Geist gegenüber blind sein können, und zwar genau in den Momenten, in denen Sie darauf bestehen, Ihr eigenes Innenleben zu beherrschen? Sobald Sie wissen, was Mindmapping ist, wird Ihr Gehirn die autobiografische Geschichte Ihres Lebens und die Bedeutung dieser Erlebnisse neu organisieren. Ihr Bild von dem, wer Sie sind und wie Sie so geworden sind, verändert sich, und mit ihm auch das Bild aller Menschen in Ihrem Leben.

Diese Transformation hat Momente tiefer Einsicht zur Folge. Manchmal äußert sich das in einem »Aha!« und manchmal eher mit einem »Oh weh!«. Ob es einem gefällt oder nicht, die meisten Leute kommen dank dieser Erkenntnis in ihrem alltäglichen Leben besser zurecht. (Im zweiten und dritten Teil des Buches wird es darum gehen, diesen Vorgang in Gang zu bringen.) Deswegen ist die Beschäftigung mit Mindmapping so wertvoll. Kein Lebensbereich bleibt davon verschont: Sex, Intimität, Geld, aufsässige Kinder, alternde Eltern, zickige Schwiegereltern, schwierige Vorgesetzte, launische Mitarbeiter und so weiter und so fort.

Im Handumdrehen werden Sie sich vom Mindmapping wie verfolgt fühlen. Kein Shoppingtrip ins Kaufhaus oder zum Supermarkt wird je wieder sein wie zuvor. Sie werden durch die Läden streifen und feststellen, dass die Alltagssituationen der anderen für Sie zu dramatischen Filmclips werden. Sie sehen einen Ehemann, der nach den richtigen Worten ringt, um seiner Frau zu sagen, dass ihr das Kleid, das sie gerade anprobiert, nicht steht, ohne es so direkt auszusprechen. Sie beobachten, wie eine Jugendliche versucht, ihrer Mutter beizubringen, dass sie ihr ruhig das viel zu knappe Outfit kaufen kann, schließlich dürfen all ihre Freundinnen so herumlaufen. Anderswo droht eine Mutter ihrem schreienden, dreijährigen Sohn, ihn einfach im Laden stehen zu lassen, wenn er nicht ihre Hand nimmt und freiwillig mitkommt. Vielleicht bemerken Sie, wie übertrieben freundlich der Verkäufer an der Kasse zur attraktiven Kundin vor Ihnen ist. Und wieder zu Hause nutzen Sie Mindmapping, um Ihren Partner zu überzeugen, dass Sie das, was Sie gekauft haben, auch wirklich brauchen! All die Dramen um Sie herum sind plötzlich hell erleuchtet.

Mindmapping ist keine abstrakte Theorie, sondern ein absolut greifbarer Prozess, der sich deutlich beobachten lässt. Es wurde in Hunderten von Studien mithilfe hoch entwickelter Hirnscanner untersucht. Mindmapping findet in zwischenmenschlichen Beziehungen pausenlos statt, es hört nie auf. Man kann dem nicht entkommen, es beeinflusst uns automatisch auf einer tiefen Ebene. Mindmapping ist das Kernstück der besten zwischenmenschlichen Beziehungen, die man haben kann. Dazu gehört natürlich auch Sex. Doch leider ist es auch Bestandteil der schlimmsten Erfahrungen, die man mit anderen machen kann. Auch dazu gehört Sex.

Menschen sind im Guten wie im Schlechten von Natur aus Mindmapper. Es ist eine wichtige, in uns angelegte, praktische Fähigkeit, die wir immer weiterentwickeln. Sobald wir über die negativen Auswirkungen von traumatischem Mindmapping auf das Gehirn Bescheid wissen, hat die Gleichgültigkeit im Umgang mit hochgradig problembelasteten Beziehungen keinen Platz mehr. Das Wissen macht uns Feuer unter dem Hintern, sodass wir den Allerwertesten hochkriegen und tun, was nötig ist, um das eigene Leben und das der Menschen darin zu verbessern.

Die Crucible® Neurobiologische Therapie können Sie an sich selbst durchführen. (Ich würde Ihnen jedoch empfehlen, dass Sie das zuerst mit Ihrem behandelnden Therapeuten besprechen – so vorhanden.) Nicht überall auf der Welt ist Therapie so einfach zugänglich. Brain Talk ist meine Antwort darauf. Die pragmatischen Anleitungen, mit denen ich Sie Schritt für Schritt durch den Prozess führe, sollen auch denen helfen, die sonst keinen Zugang zu einer Behandlung haben.

Um Ihnen etwas zu vermitteln, das wirklich hilft, werde ich einige erschütternde Themen beschreiben und Beispiele geben. Unter Umständen wird das schmerzhafte Erinnerungen in Ihnen wecken. Im zweiten Teil konzentrieren wir uns dann auf »traumatisches Mindmapping«, den Schaden, der entsteht, wenn der eigene Verstand und das Gehirn durch das, was man im Geist eines anderen Menschen gelesen hat, negativ beeinflusst werden. Ich werde in diesem Zusammenhang Dinge beschreiben, die der politisch korrekten Sichtweise von Ehe und Kindererziehung widersprechen, wozu auch jene dunklen Geheimnisse gehören, die in der Öffentlichkeit weiterhin totgeschwiegen werden. Diese realistische, geradlinige Sicht auf die menschliche Natur wird die Leser, die die Welt lieber durch eine rosarote Brille sehen wollen, möglicherweise verärgern.

Wenn ich im zweiten Teil einige bedauernswerte Lebenserfahrungen beschreibe, können Sie sich damit trösten, dass der dritte Teil die effektiven Lösungen für Probleme bietet, die durch diese Erfahrungen entstehen. Dort wird genau erklärt, wie man traumatisches Mindmapping auflöst. Ich werde Ihnen zeigen, wie Sie mit schwierigen Leuten fertig werden können, die Ihr Gehirn fest im Griff zu haben scheinen. Zum Abschluss werde ich Ihnen zeigen, wie Sie mithilfe von Mindmapping wirklich wunderschöne Erfahrungen gestalten, um die Intimität in Ihrer Ehe zu vertiefen, die Beziehung zu Ihren Kindern zu stärken, die Atmosphäre bei der Arbeit zu verschönern und Ihre Freundschaften zu intensivieren.

30 Jahre als Therapeut haben aus mir einen realistischen Optimisten gemacht. Sie können gewiss sein, dass Brain Talk sich an das Beste der menschlichen Natur richtet, nicht an das Schlechteste. Ich habe das Schlimmste in den Menschen gesehen, aber mich hat immer mehr beeindruckt, wie gut das Beste in Menschen sein kann. Ich arbeite andauernd mit Leuten aus wirklich bedauernswerten Familienverhältnissen, denen schlimmstes traumatisches Mindmapping übel zugesetzt hat, ohne je eine negative Sichtweise auf die Welt zu entwickeln. Das liegt daran, dass ich gelernt habe, ihnen zu helfen, ihr Leben zum Besseren zu wenden. Meistens bin ich in der glücklichen Situation, Menschen aus stark dysfunktionalen Familien zu beobachten, wie sie ihr Leben unfassbar verbessern. Solange meine Klienten Fortschritte machen, kann ich weder über »Burnout« noch über »Mitgefühlsmüdigkeit« klagen. Ich hoffe, dass das Lesen von Brain Talk Ihnen eine ähnlich positive Einstellung vermittelt.

Ein paar Empfehlungen zur Lektüre. Ausgehend von meiner Erfahrung als Therapeut und Ausbilder von Therapeuten und nach zahlreichen Vorträgen, die ich über Mindmapping gehalten habe, mache ich Ihnen an dieser Stelle einige Vorschläge, wie Sie dieses Buch am besten lesen sollten. Ich hoffe, Sie beherzigen diese Vorschläge und wenden sie durchgehend an. Ich kann gar nicht genug darauf pochen, da Sie nur so wirklich alles aus der Lektüre herausholen, was dieses Buch zu bieten hat.

Vorab: Brain Talk sollte anders gelesen werden als meine anderen Bücher. WiderstehenSie dem Drang, sich Notizen zu machen oder einzelne Wörter oder Zeilen zu unterstreichen. (Junge, was für eine Veränderung! Früher habe ich das Unterstreichen ausdrücklich empfohlen.) Dieses Buch sollte nicht als Ansammlung guterIdeen verstanden werden. Ganze Textpassagen auswendig zu lernen, macht ebenso wenig Sinn wie zu versuchen, das Ganze in eine für Sie gewohnte Terminologie zu übertragen. Widerstehen Sie dem Impuls, die Inhalte mit deduktiver Logik zu beleuchten. Halten Sie sich selbst davon ab, in Gedanken Gegenargumente zu entwickeln. All diese oben beschriebenen Denkweisen finden in der linken Hirnhemisphäre statt, die für Sprache und analytisches Denken zuständig ist. Obwohl ich meine linke Hirnhemisphäre ausgesprochen gerne nutze, um mir Zusammenhänge zu erklären, ist sie störend, wenn es darum geht, Mindmapping zu verstehen und traumatisches Mindmapping aufzulösen.

Die rechte Hirnhälfte funktioniert über Bilder. Bilder sind ihre »Sprache«. Sie dreht lebendige, dynamische Filme, die gleichzeitig kritische Details und holistische Bedeutung enthalten. Die Lektüre von Brain Talk ist als Aktivität für Ihre rechte Hirnhemisphäre gedacht. (Wobei mir natürlich bewusst ist, dass Lesen an sich eine linkshemisphärische Tätigkeit ist und der Sprache bedarf.)

Sie werden am meisten von Brain Talk profitieren, wenn Sie sich das, was Sie lesen, immer wieder bildhaft vorstellen. Sie sollten sich die beschriebenen Ausschnitte beim Lesen ansehen. Lesen Sie im Geist einer jeden Personen, die Sie im Lauf dieses Buches kennenlernen, indem Sie sie vor sich sehen. Auf diese Art und Weise können Sie mehr lernen und sich an mehr erinnern, als wenn Sie versuchen würden, sich das Gelesene als Text einzuprägen.

Lässt man persönliche Erinnerungen wie einen Film vor dem geistigen Auge abspielen und betrachtet sie dabei durch die Linse des Mindmappings, kann es sein, dass sich die Bedeutung dieser Ereignisse drastisch verändert. Das ist besonders dann nützlich, wenn Sie sich bedeutende Ereignisse aus Ihrer Vergangenheit oder Ihrem jetzigen Leben vergegenwärtigen. Beobachten Sie sich und andere Menschen in diesen Szenen. Schauen Sie sich diese Bilder an, anstatt Theorien oder intellektuelle Betrachtungsweisen zu entwickeln. Obwohl Mindmapping ein sehr intuitiver Prozess ist, wird es Sie dennoch einige Mühe kosten. Wiederholung ist ebenso notwendig wie die Bereitschaft, Dinge zu sehen, vor denen Sie vielleicht normalerweise die Augen lieber verschließen würden.

Sie können selbst bestimmen, in welcher Intensität und Tiefe Sie sich Brain Talk zu Gemüte führen. In erster Linie richtet sich das Buchan die Allgemeinheit. Es war jedoch von Anfang an als »Crossover-Buch« für Menschen gedacht, die im Bereich der geistigen Gesundheit tätig sind, also Therapeuten, Lehrende, Forscher und Studenten. Den wissenschaftlichen Hintergrund und die relevanten Quellen, die Sie brauchen, finden Sie in den vier Anhängen. Stellen Sie sich dieses Buch als neurowissenschaftliche Version von Die Psychologie sexueller Leidenschaft mit einem deutlich spürbaren Einfluss von Constructing the Sexual Crucible vor. Es ist so gut lesbar wie ersteres und hat über 400 Quellenangaben wie letzteres.

Wenn Sie eine leichte Lektüre bevorzugen oder den Ansatz an sich selbst ausprobieren wollen, bleiben Sie einfach beim Haupttext und lesen Sie das Buch von Anfang bis zum Ende.

Als Behandler, Therapeut oder Wissenschaftler können Sie das Buch ebenfalls von Anfang bis Ende lesen. Werfen Sie aber auch einen Blick auf den Index, der eine andere thematische Gliederung bietet. Wenn Sie die Information über das Stichwortverzeichnis zur Hilfe nehmen, wird aus Brain Talk ein ganz anderes Buch, das sich nach den methodischen Aspekten der Crucible® Neurobiologischen Therapie richtet.

Wenn es für Sie kaum etwas Interessanteres als die Neurowissenschaft gibt, werden die Anhänge Sie in den siebten Himmel katapultieren. Sie können einfach zwischen dem Haupttext und den wirklich bemerkenswerten Forschungsergebnissen hin- und herspringen.

Ich hoffe, dass ich mit Brain Talk verdeutlichen kann, wie untrennbar wir alle miteinander verbunden sind, und dass wir nicht nur mit unserem Verhalten, sondern auch mit unserem Verstand Auswirkungen auf die Gehirne unserer Mitmenschen haben. Wenn Sie Ihre innere Welt in Ordnung bringen, können Sie die Welt um sich herum verbessern. Gesetze und deren Durchsetzung werden isoliert niemals sexuellen und emotionalen Missbrauch, Rassismus, Terrorismus und anderen Formen der Diskriminierung, Verfolgung und Ausbeutung ein Ende bereiten. Dafür müssen wir in unseren Geist und in unsere Herzen schauen. Denn dort beginnt die Welt, in der wir alle leben wollen.

Dr. David Schnarch

Evergreen, Colorado

2. Januar 2018

TEIL 1Mindmapping verstehen

1. Was ist Mindmapping?

In meiner Karriere als Psychotherapeut habe ich viele hilfreiche Erkenntnisse gewonnen. Würden Sie mich allerdings auffordern, einen Aspekt zu benennen, der mein Leben und meine Arbeit besonders transformiert hat, hätte die brandaktuelle Neurowissenschaft des Mindmappings einen Platz ganz oben auf der Liste. Als ich das erste Mal von Mindmapping erfuhr, ging es mir ähnlich wie in dem Moment, als ich den Orgasmus entdeckte. Was Sex ist, wusste ich lange bevor mir klar war, was Orgasmen sind. Als ich dann selbst einen erlebte, konnte ich nicht fassen, dass mir keiner dieses Geheimnis verraten hatte! Wie konnte es die ganze Zeit so etwas geben, ohne dass mir jemand davon erzählt hatte!?

Ganz ähnlich erging es mir, als ich um das Jahr 2000 herum in neurobiologischen Forschungsberichten über Mindmapping stolperte. Ich war fassungslos! Während meiner Ausbildung spielte das Thema in der Psychologie keine Rolle, und das setzt sich bis heute größtenteils fort. Mindmapping existierte nicht einmal als Konzept, bevor zwei Primatenforscher in den 1980ern die Überlegung aufstellten, ob Schimpansen verstehen, dass andere Schimpansen vielleicht andere Ansichten oder eigene Gedanken haben. Sie bezeichneten diesen Prozess als »Theory of Mind«, doch ich nenne es Mindmapping.

Mindmapping ist in keiner psychotherapeutischen Disziplin wesentlicher Teil der Ausbildung. Man braucht es nicht, um als Psychologe, Psychiater, Sozialarbeiter oder seelsorgerischer Berater zugelassen zu werden. Es gibt nur wenige Therapeuten, die überhaupt irgendetwas darüber wissen. Doch wir Menschen machen seit Hunderttausenden – wenn nicht sogar Millionen – von Jahren Mindmapping miteinander, wir lesen andauernd in beinahe jeder Situation im Geist unserer Mitmenschen, denn das ist eine grundlegende Funktion des menschlichen Gehirns. Überrascht Sie meine schockierte Reaktion auf den ersten Artikel in einer Fachzeitung da noch? Finden Sie nicht auch, dass Therapeuten darüber Bescheid wissen sollten?

In der Einleitung definierte ich Mindmapping als die Fähigkeit Ihres Gehirns, eine mentale Landkarte vom Geist einer anderen Person anzufertigen. Das bezieht sich auch auf die Fähigkeit, im eigenen Geist zu lesen. Das klingt zwar kurz und bündig, ist jedoch nicht besonders aufschlussreich. Daher werde ich jetzt Mindmapping genauer erklären, damit Sie verstehen, warum es so wichtig ist.

Das Antriebsrad von Beziehungen

Mindmapping ist ein intuitiver Prozess. Wann auch immer Sie mit einem anderen Menschen interagieren, erzeugt Ihr Gehirn automatisch geistige Bilder seiner Psyche. Ihr Gehirn schaut sich dann diese Bilder an und bildet Rückschlüsse über ihn. »Was will er? Wie ist sie? Ist er schlau oder gerissen? Will sie mit mir ins Bett? Warum schaut er mich an (oder warum schaut er mich nicht an)? Soll ich sie ansprechen? Sollte ich Angst vor diesem Kerl haben?« Dann nutzt Ihr Gehirn diese Beobachtungen, um vorauszusagen, was die anderen tun werden und die eigenen Vorstellungen und Verhaltensweisen entsprechend anzupassen. In erster Linie geht es beim Mindmapping darum, das Verhalten anderer Menschen vorherzusagen.

So wie die meisten Menschen haben auch Sie Bilder vom Geist Ihres Vaters und Ihrer Mutter (oder Ihrer Stiefeltern) im Kopf. Sie wissen, wie sie denken. Sie sehen, wie sie sich selbst wahrnehmen und was sie voneinander halten. Sie wissen auch, womit sie sich selbst belügen, in welchen Bereichen sie sich selbst gegenüber blind sind und wie sie sich selbst verherrlichen. Sie erkennen die Bereiche, an denen sie Sie nicht wirklich sehen können, aber denken, dass sie es tun. Sie wissen sogar, wie sie auf Fremde oder andere Familienmitglieder reagieren. Kurzum, Sie wissen, wie sie ticken. Sie bekommen all diese Informationen von den geistigen Landkarten in Ihrem Kopf. Diese nutzen Sie dann, um vorauszusagen, was sie in einer Situation tun werden, und entscheiden, wie Sie auf sie zugehen werden.

Angenommen, Sie wollen, dass Ihre Eltern Ihnen ein Eis kaufen oder, wenn Sie etwas älter sind, die Schlüssel zum Auto und Geld zum Tanken geben. Dann fängt Ihr Gehirn an, die Bilder, die Sie von ihnen haben, abzuarbeiten und entwickelt einen Plan: »Wen sollte ich zuerst fragen? Welche Strategie ist geeignet, um zu bekommen, was ich will? Wann ist der beste Moment, sie zu fragen? Wie kann ich sie umstimmen, wenn sie am Anfang Nein sagen?«

Beim Mindmapping geht es um die gehirnbasierte Psychologie der Interaktion mit anderen Menschen. Sobald Sie Mindmapping in Ihrem täglichen Leben erkennen, gelingt es Ihnen besser, die Motivation der anderen zu erkennen und ihr Verhalten vorherzusagen, ob es nun Ihr Partner, Ihre Kinder, Ihre Eltern oder Geschwister, Ihr Chef oder Ihre Kollegen sind. In zwischenmenschlichen Beziehungen, besonders solchen, die mit Spannung, Drama, Konflikten, hohem Risiko oder enormer Bedeutung beladen sind, gibt es kein wertvolleres Werkzeug.

Wir sind von Natur aus Psychologen

Mindmapping befriedigt das in uns angelegte Verlangen, herauszufinden, was in anderen Menschen vor sich geht. Angenommen, Sie laufen eine Straße entlang, und Ihnen kommt ein Mann entgegen. Im Bruchteil einer Sekunde beurteilen Sie seine Kleidung. Sie beobachten, wie er geht. Sie bemerken, was er anschaut. Ist sein Blick auf Sie oder die Person hinter Ihnen gerichtet, oder schaut er in eine andere Richtung? Sie haben seinen Gesichtsausdruck im Blick, besonders Augen und Mund. Sie versuchen, seine Stimmung zu erahnen. Allmählich schreiben Sie ihm eine Persönlichkeit zu. Ausgehend von der Information, die Sie innerhalb eines kurzen Augenblicks herausgefunden haben, entscheiden Sie, ob Sie den Blick senken und ihn ignorieren oder ob Sie ihm im Vorübergehen in die Augen sehen. Der erste Akt dieses Dramas dauert einen einzigen Augenblick und spielt sich jedes Mal ab, wenn Ihnen ein Fremder begegnet. Wenn Sie am Ende des Häuserblocks angelangt sind, haben Sie im Vorübergehen ein halbes Dutzend solcher Mindmaps erstellt, ohne ein einziges Wort mit denen, die Ihnen entgegenkommen, zu wechseln.

Menschen sind von Natur aus Psychologen. Wir sind so gut im Mindmapping, dass ausgebildete Therapeuten nicht unbedingt besser darin sind als ganz normale Menschen. Tatsächlich habe ich nach 30 Jahren als Therapeut und Ausbilder anderer Therapeuten festgestellt, dass Menschen, die sich Beratung suchen, häufig bessere Mindmapper sind als ihre Therapeuten und sie häufig deren Mindmapping-Radar überlisten.

Mindmapping ist ein angeborener Überlebensmechanismus, den wir von Reptilien geerbt haben. Wir müssen wissen, wie andere Leute ticken, um unsere eigene Sicherheit und unser Wohlbefinden zu garantieren. Wir müssen verstehen, was in ihnen vor sich geht, um ihr Verhalten vorauszusagen. Es geht vor allem darum, abschätzen zu können, was sie tun werden. Dazu sind keine besonderen Fähigkeiten oder Anstrengungen nötig. Auch Ihr IQ spielt dabei keine Rolle.

Menschen sind ziemlich berechenbar. Wenn Sie wissen, was ihre Überzeugungen, Werte und Absichten sind und wenn Sie wissen, was sie wissen, dann können Sie mit ziemlich hoher Genauigkeit vorhersagen, was sie tun werden. Beim Mindmapping geht es darum, herauszubekommen, was jemand wirklich will. Je besser Sie die Motive und Vorhaben anderer kennen, umso besser können Sie voraussehen, was er oder sie als Nächstes tun wird.

Wenn Sie tollen Sex wollen …

Jedes Mal, wenn Sie einen Raum voller fremder Personen betreten, läuft Ihr Mindmapping auf Hochtouren. Zuerst werden Sie sich ein Bild von allen Anwesenden im Raum machen. Sie schreiben ihnen Persönlichkeiten, Ansichten und sozialen Status zu. Das hilft Ihnen dabei, festzustellen, wie Sie dazu passen: »Welche Frau ist die schönste? Wer hat hier das Sagen? Mit wem sollte ich sprechen? Welche Rolle spiele ich? Hat mich jemand bemerkt? Hat jemand Interesse an mir?« Ihr Verstand will wissen, wo Sie in der sozialen Hierarchie stehen. Mindmapping hilft Ihnen dabei, genau das herauszufinden.

Das ist nur ein Beispiel von vielen. Tatsächlich würde ich Sie gerne dazu auffordern, sich eine Interaktion von mindestens zwei Personen vorzustellen, in der Mindmapping keine Rolle spielt. Wenn Sie zum Beispiel jemandem effektiv etwas beibringen wollen, müssen Sie herausfinden, wie diese Person am besten lernt. Manche Menschen lernen übers Sehen, andere übers Hören, und anderen fällt das Lernen am leichtesten, wenn der Körper beteiligt ist. Gute Lehrer machen sich ein Bild vom Verstand ihrer Schüler, um zu sehen, wie sie individuell Information aufnehmen, was funktioniert und was nicht. Sie bemerken, wann sie die Lernenden ermutigen sollten, an einem Problem dranzubleiben, und wann der Zeitpunkt gekommen ist, eine Pause einzulegen. Ohne Mindmapping wäre das nicht möglich.

Um Empathie mit anderen zu empfinden, muss man sich in das einfühlen, was sie fühlen, und verstehen, warum sie es fühlen. Dabei geht es aber nicht einfach nur darum, zu »fühlen, was sie fühlen«. Sie müssen sich ein Bild machen, was den anderen Menschen durch den Kopf geht, um sie zu verstehen. Anstatt sozusagen »in die Haut eines anderen zu schlüpfen«, wie man so schön zu sagen pflegt, ist es zutreffender formuliert, wenn man sagt, man »zieht Rückschlüsse ausgehend von dem Bild, das man vom Geist eines anderen hat«. Es gilt, herauszufinden, wie jemand tickt. Ohne die Fähigkeit zum Mindmapping ist das nicht denkbar.

Möchte man anderen wirklich Unterstützung und Orientierung anbieten, muss man erkennen, wann man damit aufhören sollte. Es geht darum, zu erkennen, wann man grenzüberschreitend oder aufdringlich wirkt. Angenommen, das Fahrrad Ihres Sohnes hat einen Platten und Sie bieten ihm an, ihm bei der Reparatur zu helfen. Das stößt bei ihm auf Widerstand: »Das kann schon ich alleine!« Sie wissen zwar, dass er keinen blassen Schimmer hat, wie man einen Fahrradschlauch flickt, doch Ihre Hilfe will er nicht. Jetzt müssen Sie wie alle guten Eltern die Kunst beherrschen, anderen zu helfen, ohne ihr Gefühl von Eigenständigkeit zu verletzen. In unserem Beispiel hilft Mindmapping Ihnen dabei, abzuschätzen, wann Sie Ihrem Sohn Hilfe anbieten und wann Sie ihn in Ruhe werkeln lassen sollten.

Bei Geschäftsverhandlungen müssen Sie wissen, was Ihren Kunden, Lieferanten oder Geschäftspartnern am wichtigsten ist. Sie müssen herausfinden, was sie bereit sind, aufzugeben und worauf sie bestehen. Sie versuchen, ihre Persönlichkeiten zu analysieren, um herauszufinden, wie Sie am besten mit ihnen umgehen können. Sind sie zahm oder kämpferisch? Wenn sie »Auf keinen Fall!« sagen, meinen sie es wirklich so oder bluffen sie nur? Um das herauszufinden, versuchen Sie, in ihrem Geist zu lesen, wie sie Sie wahrnehmen. Sie werden besser verhandeln können, wenn Sie Ihr Mindmapping verfeinern.

Wenn Sie auf der Suche nach einem passenden Partner durch die dornige Welt des Datings manövrieren, werden Sie das Interesse der potenziellen Kandidaten richtig einschätzen müssen. Wenn eine Frau Ihren Blick erwidert, schaut Sie sie an, weil Ihr Hosenladen offen steht oder weil sie von Ihnen angesprochen werden möchte? Um diese entscheidende Frage zu beantworten, werden Sie in ihrem Geist lesen müssen (und Ihren Hosenstall unauffällig überprüfen). Wenn sich herausstellt, dass sie Sie aus beiden Gründen anschaut, und Sie Interesse an ihr haben, könnte heute Ihr Glückstag sein!

Wenn Sie überlegen, für Ihren Ehemann zum Geburtstag eine Überraschungsparty zu schmeißen, sollten Sie besser vorher schon einschätzen können, wie er reagieren wird. Wird er sich freuen oder peinlich berührt im Erdboden versinken wollen? Wenn Sie ihn nicht so gut kennen, wie Sie denken, verderben Sie ihm vielleicht seinen Freudentag. Das Gleiche gilt, wenn Sie Ihrer Frau sexy Unterwäsche kaufen wollen. Sie sollten schon wissen, ob sie sich eher mit der schüchternen Susi, einer Krankenschwester oder einer Domina identifizieren kann. Wenn Sie das falsche Outfit aussuchen, könnte diese Geste, die Leidenschaft hervorrufen sollte, den Haussegen schief hängen lassen. Mindmapping kann Sie vor einer Woche eisigen Schweigens bewahren.

Wenn Sie die Bedeutung von Mindmapping unterschätzen, werden Sie zwei Schritte hinter allen anderen herhinken. Lassen Sie mich an einem Beispiel verdeutlichen, was ich damit meine: Angenommen, Sie haben einen gut bezahlten Job und Sie geben gerne Geld für teures Essen, schöne Kleidung und alle möglichen technischen Spielereien aus. Ihr Ehemann ist genau das Gegenteil. In Ihren Augen ist er ein absoluter Geizkragen und Sie finden ihn extrem kontrollierend. Sie streiten sich oft aufgrund der unterschiedlichen Einstellungen zum Umgang mit Geld. Um weitere Auseinandersetzungen zu vermeiden, verstecken Sie Ihre letzten Neuerwerbungen vor Ihrem Ehemann, und um das zu tun, müssen Sie in seinem Geist lesen können. Wenn Sie wissen, dass er nicht mal dann den Abwasch machen würde, wenn sein Überleben davon abhinge, können Sie Ihre Shoppingbeute getrost unter dem Küchenwaschbecken verstecken, da er sich niemals in diese Ecke des Hauses verirren würde. Wenn er Ihr Geheimversteck dann zufällig doch entdeckt, können Sie immer noch behaupten, es wären früh gekaufte Weihnachtsgeschenke.

Aus Sicht Ihres Ehemanns sieht das Ganze ungefähr so aus: Er geht verantwortungsbewusst mit dem Geld um und stellt sofortige Bedürfnisbefriedigung hinten an, falls noch etwas Besseres seinen Weg kreuzt. Geld sollte man gewinnbringend anlegen. Die Ehefrau einzubeziehen, wenn es um die Auswahl der Investitionen geht, führt meistens ohnehin nur zu Streit. Er vertraut ihrem Urteilsvermögen nicht, und sie in die Entscheidungen miteinzubeziehen, macht es noch schwieriger für ihn, zu tun, was er möchte. Um damit durchzukommen, muss er investieren, ohne dass seine Frau davon Wind bekommt. Er weiß, dass sie in ihren Finanzen nie Bilanz zieht und sich nicht die Mühe macht, die gemeinsamen Steuererklärungen durchzusehen. Er ist ziemlich sicher, dass seine Ehefrau es nie herausfinden wird. Und wenn doch, werden sich die Wogen schnell wieder glätten, wenn sie ungehindert etwas Geld ausgeben kann. Letztlich entscheidet er sich, es einfach für sich zu behalten.

Wie gesagt, wenn Sie die Wichtigkeit von Mindmapping in Ihrem Alltag unterschätzen, hinken Sie immer zwei Schritte hinterher. Sie werden Gelegenheiten verpassen, erfolgreich zu verhandeln, wunderbare Überraschungspartys zu schmeißen, effektiv zu lehren, produktiven emotionalen Support anzubieten und viele andere Dinge zu genießen, die das Leben so lebenswert machen. Plant Ihr Partner drei Schritte im Voraus, werden Sie umso benachteiligter sein.

Zweifeln Sie immer noch an der Hauptrolle, die Mindmapping im alltäglichen Leben spielt? Ein letztes Beispiel wird Sie vielleicht doch noch überzeugen. Der Schlüssel für überwältigend schönen Sex liegt im Mindmapping. Aufgepumpte Arme und ein fitnessgestählter Hintern bringen Sie nur bis zu einem gewissen Punkt und nicht weiter. Wenn Sie einem anderen Menschen während des sexuellen Akts Zugang zu Ihren inneren Prozessen gewähren, ermöglichen Sie sich gegenseitig Zugang zu Kopf, Herz, Seele und Gehirn. Wie wäre es mit einem Orgasmus, während Sie sich gegenseitig in die Augen sehen? Mindmapping ist ein wesentlicher Bestandteil des besten Sex᾽, den Sie je haben werden, ob Sie nun eine tiefe emotionale Verbindung aufbauen oder geheime Fantasien ausleben.

Es ist kein Zufall, dass unser Geist der Teil von uns ist, den wir während des Sex’ am ehesten verstecken. Es ist viel einfacher, jemandem den Körper zu zeigen, als zu offenbaren, was uns sexuell wirklich auf Touren bringt. Um Routinesex in knisternde Leidenschaft zu verwandeln, müssen Sie Ihren Geist offenbaren und Ihrem Partner Einblick in Ihre Erotik erlauben.

Habe ich jetzt Ihre volle Aufmerksamkeit?

Überall. Alle. Immer.

Mindmapping findet die ganze Zeit um Sie herum statt (ungefähr so, wie Menschen Orgasmen erleben – meistens mit geschlossenen Augen). Sobald Sie die Anzeichen erkennen – ich werde Ihnen zeigen, wie das geht –, werden Sie Mindmapping entdecken, wohin Sie auch schauen. Es findet in guten und leider auch in schlechten Beziehungen statt. Hatten Sie erwartet, dass ich sage, dass Mindmapping nur in guten Beziehungen stattfindet und nicht in schlechten? Mit allen Vor- und Nachteilen, in guten wie in schlechten Zeiten, ist Mindmapping Bestandteil all Ihrer Interaktionen mit Ihrem Partner, mit Ihren Kindern und Eltern, Mitschülern, Kunden und Kollegen und allen anderen.

Aufgrund seiner überragenden Bedeutung ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass Mindmapping an sich weder gut noch schlecht ist. Wie Sie sehen werden, ist es Bestandteil der absolut besten Dinge, zu denen Menschen in der Lage sind, und leider auch der absolut schlechtesten. Negativer Gebrauch von Mindmapping findet ebenso oft statt wie der positive. Mindmapping ist an sich wertneutral. Das wird verständlicher, wenn Sie die zugrunde liegende Neurowissenschaft kennen, die diese großartige Fähigkeit erklärt, die wir alle als selbstverständlich betrachten. Diese wissenschaftlichen Grundlagen werde ich im nächsten Kapitel genau erläutern.

2. Die Neurowissenschaft des Mindmappings

Mindmapping ist die wissenschaftliche Grundlage dessen, was der Volksmund gern als »Alltagspsychologie« bezeichnet. Mithilfe von gängigen Schlussfolgerungen und grundsätzlichen Vermutungen über die menschliche Natur hat die Alltagspsychologie einfache, direkte Erklärungen geliefert, um unsere Fähigkeit, das Verhalten der anderen vorauszuahnen, zu erklären. »Die Menschen suchen nach Freude und vermeiden Schmerzen« wäre ein gutes Beispiel einer solchen alltagspsychologischen Annahme.

Es ist allerdings ein erheblicher Forschungsaufwand betrieben worden, um zu ergründen, wie unser Gehirn Vorhersagen über das Verhalten anderer Menschen generiert. Tatsächlich haben wir es hier mit einem der neuesten Bereiche der modernen Neurowissenschaft zu tun. Es gibt noch viel zu entdecken. Doch nachdem ich Hunderte Forschungsartikel verschlungen habe, bin ich begeistert darüber, wie gut wir bereits über die Mechanismen, mit denen unser Gehirn diese unglaubliche Leistung vollbringt, Bescheid wissen.

Theory of Mind

Der wissenschaftliche Ursprung des Mindmappings geht auf den Artikel »Does The Chimpanzee Have a Theory of Mind?«, den die Primatenforscher David Premack und Guy Woodruff 1978 in der Fachzeitschrift Behavior Brain Science veröffentlichten, zurück. Sie prägten darin den Ausdruck »Theory of Mind«, mit dem sie die Erkenntnis bezeichneten, dass andere Menschen Überzeugungen und Wünsche haben, die von unseren abweichen können, und dass wir das Verhalten anderer vorhersagen können, indem wir herausfinden, was ihnen durch den Kopf geht.

Premack und Woodruff überlegten, ob Schimpansen die Fähigkeit zur »Theory of Mind« (die ich Mindmapping nenne) besitzen. Um das herauszufinden, zeigten sie einer 14 Jahre alten Schimpansin namens Sarah eine Reihe Videos, in denen ein Mann gezeigt wurde, der versuchte, verschiedene Probleme zu lösen (zum Beispiel aus einem abgeschlossenen Käfig zu entkommen etc.). Danach zeigten sie ihr Fotos möglicher Lösungen einiger dieser Probleme (auf einem Foto war ein Schlüssel zu sehen). Nachdem Sarah durchweg das richtige Foto auswählte, nahmen Premack und Woodruff an, dass sie das im Video dargestellte Problem erkannte, die Bedürfnisse des Manns verstand und ausgehend von seinem mentalen Zustand eine Auswahl traf.

Da Schimpansen jedoch nicht sprechen können, ist es schwierig, ihre Absicht mit absoluter Sicherheit zu belegen. In einer anderen Studie wurden Schimpansen angeregt, unter Bechern versteckte Erdnüsse auszusuchen, doch die Schimpansen gingen wahllos vor, selbst wenn die Forscher mit dem Finger auf die Becher mit den Erdnüssen zeigten. Noch heute wird diskutiert, ob Schimpansen die Fähigkeit zum Mindmapping haben und im Geist anderer lesen können oder nicht.

In den 1980ern machte die Forschung große Sprünge vorwärts, als Kinderpsychologen anfingen, die Fähigkeit zum Mindmapping bei Säuglingen und Kleinkindern zu untersuchen. Die Ergebnisse fielen erstaunlich klar und teilweise überraschend aus. Der berühmte Kinderexperte Jean Piaget hatte beispielsweise behauptet, Kinder seien so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie bis zum Alter von ungefähr acht Jahren keinerlei Interesse an den geistigen Vorgängen anderer hätten. Allerdings bestätigten zahlreiche Studien immer wieder ein Ergebnis: Die meisten Kinder entwickeln bereits im Alter von vier Jahren erstaunliche Fähigkeiten, im Geist anderer zu lesen.

Dank der technischen und wissenschaftlichen Fortschritte der letzten Jahre gibt es nun eine solide Grundlage für die Erforschung des Mindmappings. Bevor wir in die neurowissenschaftlichen Grundlagen des Mindmappings eintauchen, sollten Sie drei grundlegende Fakten kennen:

Die Rolle des Mindmappings im Hinblick auf zahlreiche Störungen wie Autismus, Schizophrenie, Alkoholismus, Depression und andere wurde mit allerneusten MRI-, fMRI- und PET-Hirnscannern untersucht.Die Neurophysiologie und Neurochemie des Mindmappings ist erstaunlich gut erforscht. (Mich hat das ziemlich überrascht.) Das geht so weit, dass hieraus ein neuer, faszinierender Bereich der Neurowissenschaft entstanden ist: die interpersonelle Neurobiologie, die erklärt, wie die Handlungen, Gedanken und Gefühle anderer Menschen zum Guten wie zum Schlechten unser Gehirn gestalten – und umgekehrt. Trotz aller Raffinesse, die die Fähigkeit, im Geist eines anderen zu lesen, erfordert, ist sie dennoch enorm widerstandsfähig. Mindmapping zu unterbinden, ist gar nicht so einfach. Obwohl es einige Hirnverletzungen und Störungen gibt, die diese Fähigkeit beschädigen können, ist die überwiegende Mehrzahl der Menschen in der Lage, sich mithilfe von Mindmapping ein Bild von den inneren Vorgängen anderer zu verschaffen. Wenn Sie raten müssen, ob ein völlig Fremder im Geist eines anderen lesen kann oder nicht, liegen Sie viel eher richtig, wenn Sie davon ausgehen, dass er es tut, zumindest, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Mindmapping ist eine Überlebensfähigkeit

Woher kommt unsere Fähigkeit zum Mindmapping? Wo liegen ihre biologischen Ursprünge und evolutionären Zwecke? Diese Fragen führen uns direkt zum Kern der menschlichen Natur, und die Antworten werden Sie vielleicht überraschen.

Da Mindmapping zwischen Menschen, Hunden und zu einem geringeren Grad auch unter Delfinen und Elefanten vorkommt, könnte man annehmen, dass wir es von unseren Säugetiervorfahren geerbt haben. Das mag Ihnen plausibel erscheinen, wenn Sie (wie die Vertreter der bindungsorientierten Ansätze) davon ausgehen, dass Bindung die primäre Antriebskraft menschlicher Beziehungen ist. In dem Fall nehmen Sie wahrscheinlich an, dass das menschliche Gehirn die Fähigkeit zum Mindmapping entwickelt hat, um positive, emotionale Verbindungen zwischen den Menschen zu begünstigen. Mitgefühl und Empathie wären ohne Mindmapping schließlich nicht vorstellbar.

Falls Sie davon überzeugt sind, muss ich Sie leider enttäuschen. Die Ursprünge des Mindmappings stammen nämlich von den Reptilien. Ja, Sie haben richtig gelesen. Diese ausgeklügelte Fähigkeit, die uns so durch und durch menschlich erscheint, stammt hauptsächlich aus dem Teil des Gehirns, den wir mit Schlangen, Eidechsen und Fröschen gemeinsam haben. Wenn Sie sich dann bewusst machen, dass Reptilien mit ihren Sexualpartnern und Nachkommen keine Bindungen eingehen, wie wir Menschen es tun, wird der ursprüngliche Zweck des Mindmappings noch deutlicher: Überleben. Obwohl Mindmapping menschliche Bindungen erleichtern kann, dient es in erster Linie dem Überleben.

Reptilien und Amphibien haben ein sehr primitives System, mit dem sie das Verhalten ihrer Artgenossen vorhersagen. Stellen Sie sich einen Frosch vor, wie er auf seinem Seerosenblatt auf dem Teich hockt und die anderen Frösche um sich herum beäugt. Er versucht, die Informationen herauszufiltern, die seine Überlebenschancen erhöhen. Er will wissen: »Was fressen die anderen Frösche? Ist es eine gute Idee, das auch zu essen? Schaut mich der große Frosch da hinten die ganze Zeit so an, weil er mich auffressen oder sich mit mir paaren möchte? Muss ich ihn umbringen oder werden wir Sex haben?«(Erinnert beinahe an manche Ehen, oder?) Um Antworten auf diese Fragen zu finden, verlässt sich der Frosch auf hochspezialisierte Gehirnzellen, die nichts anderes tun, als zwei Körperteile der anderen Frösche zu beobachten, nämlich ihre Augen und Münder. Indem er nur die Augen und Münder der anderen Frösche verfolgt, kann er mehr oder weniger genau voraussagen, was die anderen Frösche tun werden.

Und so handhabt es auch die Schlange. Wenn sie eine Maus in die Ecke drängt, beobachtet sie die Augen der Maus, um herauszubekommen, in welche Richtung die Maus wohl rennen wird. Schlangen, die sich immer wieder irren, gehen leer aus und die Wahrscheinlichkeit ihres Langzeitüberlebens verringert sich. Ihr Leben hängt wahrscheinlich nicht unmittelbar von Ihrer Fähigkeit ab, im Geist anderer zu lesen, die Gesundheit Ihrer Beziehung zu Ihrem Partner, Ihren Kindern, Eltern und Kollegen allerdings schon. Wenn Sie jedoch in Ihrer Beziehung körperlichen Missbrauch erleben und Ihr Partner eine menschliche Giftschlange ist, kann der Moment kommen, in dem Ihre Fähigkeit zum Mindmapping über Leben und Tod bestimmt.

Forscher gehen allgemein von der Vorstellung aus, das menschliche Gehirn ließe sich in drei Teile gliedern: das »Reptilien«- oder Stammhirn in Ihrem Hinterkopf, das »Säugetier«- oder Zwischenhirn in der Mitte und den einzigartig menschlichen Teil, den präfrontalen Kortex direkt hinter der Stirn. Wie sich herausgestellt hat, haben Sie Zellen im Reptilienanteil Ihres Gehirns, die die Münder und Augen anderer Menschen beobachten. Schauen wir anderen in die Augen oder auf den Mund, werden diese Zellen umgehend aktiv und liefern uns wichtige Information, die uns hilft, herauszufinden, was diese Menschen vorhaben.

Das Reptiliengehirn ist noch mit weiteren Teilen am Mindmapping-System beteiligt, ebenso ganz andere Bereiche. Es ist ein komplexes, modulares, über das ganze Gehirn verteiltes System. Einige Prozesse des Mindmappings, wie zum Beispiel das Verständnis von Sarkasmus, beziehen den präfrontalen Kortex, den am höchsten entwickelten Teil des Gehirns, mit ein. Doch andere Mindmapping-Funktionen, die Sie sich vielleicht als ziemlich raffiniert vorstellen – wie das Erkennen von Lügen – vollziehen sich eigentlich in Ihrem Reptilienhirn.

Rebecca Saxe, Privatdozentin für Kognitive Neurowissenschaft im Fachbereich Neurowissenschaft und Kognitive Studien des MIT, hat ihre ganze Karriere der Untersuchung eines einzigen Bereichs im menschlichen Stammhirn gewidmet, nämlich dem TPJ (temporoparietaler Übergang). In ihren Untersuchungen identifizierte Saxe den TPJ als wichtigen Teil des Mindmapping-Systems im Gehirn, der dazu dient, zu verstehen, was andere Menschen denken und fühlen. Saxe verglich es mit einem modularen, integrierten Computerchip, der unter anderem Lügen als solche erkennt. Das Aufdecken von Täuschungen erfolgt über eine grundlegende Hirnfunktion, die keine raffinierten, kognitiven Prozesse wie ableitende Logik beinhaltet. Wenn jemand lügt oder etwas Irreführendes tut, werden die Neuronen im Reptilienhirn mit einem Schlag aktiviert – und: BÄM! Alarmstufe rot!

Die Auswirkungen dieser Funktionsweise sind immens. Mindmapping ist zu einem großen Teil (aber nicht ausschließlich) ein »Bottom-up-Prozess«, der vom primitivsten Teil des Gehirns ausgeht, womit auch erklärt wäre, warum es so robust ist. In den folgenden Kapiteln wird noch deutlicher, welch weitreichende Folgen dies hat, doch an dieser Stelle sei gesagt: Zum einen erklärt das, wie Menschen, die in hochgradig destruktiven Familien aufgewachsen sind, trotzdem die Fähigkeit entwickeln, im Geist ihrer Mitmenschen zu lesen. (Darauf werde ich im vierten Kapitel eingehen.) Andererseits erklärt es, wie es kommt, dass Kinder Dinge im Geist ihrer Eltern sehen, die sie eigentlich nicht wissen wollen. (Das achte Kapitel wird sich mit dem Thema traumatisches Mindmapping befassen.)

Aber die letzte bemerkenswerte Auswirkung hat mit der menschlichen Natur und den Liebesbeziehungen von Erwachsenen zu tun: Es ist fest im Menschen angelegt, Betrug, Lügen, Irreführung und Manipulation zu erkennen, passend zu unserer Fähigkeit, zu täuschen und zu manipulieren. Erleichtert dies stabile Langzeitbindungen? Oberflächlich betrachtet nicht, denn wer möchte schon mit einem manipulativen Partner zusammen sein? Solche Beziehungen bieten weder viel Sicherheit noch Geborgenheit.

Die meisten Ehepartner geben allerdings zu, dass »Notlügen« – zum Beispiel Ihre Antwort auf die Frage Ihrer Frau, ob sie in ihrem neuen Kleid moppelig aussieht – in verbindlichen, lang anhaltenden Beziehungen unerlässlich sind. Das Gleiche gilt natürlich, wenn Sie versuchen, Ihrem Partner im Streit »verständlich zu machen«, wie klug Ihr Standpunkt ist, was entweder soziale Intelligenz oder Manipulation genannt wird. Das hängt natürlich davon ab, ob Sie es tun oder Ihr Partner.

Traurig, aber wahr: Manch einer schafft es nur über Lügen, Betrug und Manipulation, den Fortbestand einer Beziehung zu garantieren. Wie ich im nächsten Kapitel beschreiben werde, kann man ohne Mindmapping weder erfolgreich lügen, noch manipulieren oder betrügen. Manche von uns müssen dafür sorgen, dass ihre Partner unwissend bleiben oder in einem Verwirrungszustand verharren, da sie sofort aus der Tür wären, wenn klar wird, wer wir wirklich sind. Wenn Sie Ihre Ehe eigentlich monogam führen, Sie aber dennoch eine außereheliche Affäre haben, wäre Ihre Beziehung ohne Lügen, Betrügen und Manipulation sofort vorbei. Fast die Hälfte aller Ehepaare berichten von außerehelichen Affären – und sie lügen beinahe gewohnheitsmäßig, um ihre Ehen zu »retten«.

Das unterstreicht, wie wichtig Mindmapping in emotional verbindlichen Beziehungen ist und liefert verblüffende Erkenntnisse über die menschliche Natur. Ich hoffe, dass Ihnen die Ironie darin nicht entgeht. Ich sagte bereits, dass Menschen die Fähigkeit zum Mindmapping nicht entwickelt hätten, um menschliche Verbindung zu erleichtern, zumindest nicht im Sinne von »Sicherheit und Geborgenheit«, wie es heute gerne interpretiert wird. Mindmapping ist eine Überlebensfähigkeit. Es ist wertneutral. Sie oder Ihr Partner könnten eine Affäre nicht verbergen, wenn Sie nicht im Geist des anderen lesen könnten. Umgekehrt gilt das natürlich auch für den Versuch, herauszufinden, ob Ihr Partner Sie zum Narren hält.

Ich arbeite häufig mit Paaren, die die Folgen von Affären verarbeiten müssen, und mir ist nur allzu bewusst, wie stark Beziehungen davon untergraben werden und dass am Ende häufig eine Scheidung steht. Letzten Endes ist es so: Mindmapping leistet bei Affären (und einer ganzen Palette anderer schlechter Verhaltensweisen, die Ehen destabilisieren) Beihilfe. Außerdem begünstigt Mindmapping das Lügen und Betrügen, auf das sich viele Menschen verlassen, damit ihre Beziehungen nicht zerbrechen. In seinem Film Lügen macht erfinderisch gibt der Comedian Ricky Gervais einen traurigen und lustigen Kommentar darüber zum Besten, wie Beziehungen wären, wenn Menschen ihr Innenleben nicht voreinander verbergen könnten.

Die praktischen Grundlagen des Mindmappings

Für mich ist Mindmapping auch deswegen ein so faszinierendes Forschungsgebiet, da es die unglaublich raffinierten Prozesse, die das Gehirn durchläuft, um Dinge zu erreichen, die für uns ganz selbstverständlich sind, so deutlich offenlegt. Wenn Sie zum Beispiel im Geist eines anderen Menschen lesen wollen, muss Ihr Gehirn die Übersicht behalten, welche Gedanken in Ihrem Verstand von wem stammen. Stellen Sie sich Ihre eigenen Gedanken und Gefühle vor oder die der anderen Person? Nun ist es so, dass ein Teil Ihres Reptiliengehirns verantwortlich dafür ist, den Inhalt Ihres eigenen Verstands zu repräsentieren, während ein anderes Areal den Überblick über den Verstand des anderen behält.

Ihr Gehirn verlässt sich auf zwei getrennte, aber verwandte »Aufmerksamkeitsnetzwerke«, die abwechselnd Ihre Konzentration fokussieren. Ihr dorsales System verfolgt andere Menschen, während Ihr ventrales System