Breeds - Del-Reys Schwur - Lora Leigh - E-Book

Breeds - Del-Reys Schwur E-Book

Lora Leigh

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Beschreibung

Kann die Liebe seinen Verrat überwinden?Del-Rey Delgado ist hart, verschlossen und kompromisslos. Der Kojoten-Breed ist nur auf eines stolz: dass er seine Versprechen niemals bricht. Doch als die junge Anya Corbin furchtlos in eine verrufene Bar spaziert und ihn um Hilfe bittet, tut er, was er tun muss, um seine zukünftige Gefährtin an sich zu binden: Er schwört ihr einen Eid, von dem er weiß, dass er ihn niemals halten kann - und dass sein Verrat Anya das Herz brechen wird ..."Erotisch und spannend ... Sie werden lachen, sie werden erröten und sie werden weinen!" Romance Junkies Band 13 der Breeds-Serie von New-York-Times-Bestseller-Autorin Lora Leigh

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Seitenzahl: 611

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Inhalt

TitelZu diesem BuchProlog1234567891011121314151617181920212223242526EpilogDie AutorinLora Leigh bei LYXImpressum

LORA LEIGH

Del-Reys Schwur

Breeds

Roman

Ins Deutsche übertragen von Silvia Gleißner

Zu diesem Buch

Als Anya Kobrin in eine verrufene Bar in Russland spaziert und furchtlos um Del-Rey Delgados Hilfe bittet, ist es um den Kojoten-Breed geschehen. Er weiß sofort, dass die junge Frau seine Gefährtin ist. Anya fleht ihn an, die gefangenen Breeds in dem Labor, in dem sie arbeitet, zu retten – dabei jedoch ihren Vater, der Chef des Sicherheitsteams ist, zu verschonen. Aber Del-Rey ist ein Einzelgänger, verschlossen und hart, er ist nur für eines bekannt: dass er niemals seine Versprechen bricht. Und doch weiß er, dass er sein Wort gegenüber Anya nicht halten wird. Sechs Jahre später ist es soweit: Del-Rey und sein Team befreien die gefangenen Breeds, dabei wird Anyas Vater angeschossen – von Del Rey. Und obwohl Anya über all die Zeit tiefere Gefühle für den Kojoten-Breed entwickelt hat, kann sie ihm diesen Verrat nicht verzeihen. Um seine Gefährtin an sich zu binden, sieht Del-Rey nur eine Möglichkeit: Er entführt die junge Frau und bringt sie zur Basis der Kojoten. Doch kann er ihr Vertrauen und ihre Liebe jemals wiedergewinnen?

Prolog

Del-Rey Delgado, der Geistkojote, war der Alpha des Teams aus achtundzwanzig Söldnern, die er von überall aus den Rängen des Councils um sich versammelt hatte. Kojoten-Breeds, die er gerettet, Männer, die er selbst ausgebildet hatte – hartgesottene Soldaten mit kalten Augen, die in der Welt des Untergrunds nur als Team Zero bekannt waren, die Söldnertruppe, die bereit war, auch die selbstmörderischsten Missionen zu übernehmen.

Sie hatten Erbinnen gerettet, Despoten ermordet und als Sicherheitstruppe für einige der größten Führungspersönlichkeiten der Welt fungiert. Für Männer, die nie erfuhren, dass sie es mit Schattenwesen zu tun hatten, nicht geboren, sondern gezüchtet.

Einige wenige Male hatten sie sogar Mitglieder des Councils selbst geschützt. Eine Weile, aber lange genug, um an die benötigten Informationen zu kommen und dabei ihren Ruf zu wahren. Diese Führungspersönlichkeiten hatten immer ihr Leben verloren, sobald die Bezahlung eingestrichen war.

Wie Del-Rey seinen Männern gesagt hatte, kam die Rache immer erst nach der Rechnung, und zur Unterstützung ihrer Pläne brauchten sie eine überaus große Menge Geld.

Pläne wie die Rettung anderer Kojoten, die es geschafft hatten, Kontakt zu Del-Reys Schattentruppe aufzunehmen. Heute blickte er in bezaubernde blaue Augen und fragte sich, ob das Genetics Council mit ihm nicht doch wahrhaft eine Kreatur ohne Seele geschaffen hatte. Denn als er in die Augen der jungen Kindfrau sah, wusste er: Am Ende würde er sie verraten.

Sechzehn Jahre alt und schön wie ein Sonnenaufgang. Langes rotgoldenes Haar fiel in einem seidigen Zopf über ihre Schultern, als sie eine der dreckigsten, miesesten und abgefucktesten Bars in Russland betrat. Verdammt, sie musste echt Mut haben, tatsächlich hierherzukommen.

Sie war ein frischer Windhauch, ein einzelnes schwaches Flämmchen der Unschuld inmitten korruptester Männer. Er klopfte mit den Fingernägeln auf die Bar, als Zeichen für seinen Stellvertreter Brimstone, und blickte zur Tür, als es im ganzen Raum still wurde.

Selbst eine Fünfjährige hätte genug Instinkt besessen, in dieser Situation das Weite zu suchen. Doch dieses Mädchen lief nicht davon. Mit hocherhobenem Kopf kam sie herein und bewegte sich majestätisch durch den Raum.

Sie war eine Massenvergewaltigung in Wartestellung.

Er nickte seinen Männern zu und verfolgte, wie sie sich von Tischen und schattigen Ecken des Raumes weg auf sie zubewegten, sie umringten, während Del-Rey und Brim von der Bar zum Hinterzimmer gingen, das er für dieses erste Zusammentreffen gewählt hatte.

Er wartete bereits, als sie durch die Tür geschoben wurde, saß an der Ecke des kleinen Tisches, ein Bein auf dem Boden, das andere träge hin und her wippend, während er sie musterte. Runde Augen, leicht geöffnete, rosige Lippen, scharfe Atemzüge. Und ein Anflug von Furcht in diesen Augen.

Sie hätte schon zuvor gut bekannt mit Furcht sein sollen, bevor sie es hierher geschafft hatte.

Mit dem Fuß schob er ihr einen Stuhl zu.

»Setzen!«, befahl er und ließ absichtlich das Tier in sich in der Stimme durchklingen.

Aber lief sie weg? Nein, tat sie nicht. Sie ging langsam zu dem Stuhl, setzte sich und schenkte ihm ein schwaches Lächeln. »Del-Rey«, flüsterte sie. »Das ist spanisch, wissen Sie, für ›des Königs‹.«

Er runzelte die Stirn. Er war durchaus eines Königs, längst verraten und tot. Er hatte nicht die Absicht, in die Fußstapfen dieses genetischen Vorfahren zu treten.

Er beugte sich vor, stützte den Ellbogen aufs Knie und ließ langsam den Blick über sie schweifen. Sehr langsam. Über fragile jugendliche und zugleich frauliche Züge. Ein verdammtes Kind. Ach du Schande, das Labor in Sibirien musste ernsthaft verzweifelt – oder verdorben – sein, ihm ein Kind zu schicken.

»Ich werde dich töten, bevor ich hier weggehe«, seufzte er und sah, wie ihr Lächeln erstarb.

»Mich töten?« Nervös fuhr sie mit der Zunge über ihre Lippen und erwiderte seinen Blick mit einem Anflug von Wachsamkeit. »Sie hatten mir Sicherheit versprochen.«

»Und du hast mir geglaubt?« Der Hauch eines Lächelns spielte um seine Lippen. »Wie töricht von dir.«

»Aber Sie brechen nie ein Versprechen.« Sie blinzelte und sah ihn derart unschuldig an, dass er fast lachen musste.

Stattdessen zog er nur eine Augenbraue hoch, als Warnung, dass ihre Informationen vielleicht nicht ganz korrekt gewesen waren.

Sie blickte hinab auf ihre Hände, verschränkte die Finger und hob erneut den Blick. »In dem Labor, in dem mein Vater als Sicherheitsbeamter arbeitet, gibt es fünf Frauen.« Sie kaute besorgt auf ihrer Unterlippe, bevor sie fortfuhr. »Sie sagten, sie hätten Ihnen eine Nachricht geschickt, und Sie hätten geschworen, dass Sie die Kontaktperson, die Ihnen geschickt wird, nicht verletzen würden.«

Er legte den Kopf schief und kniff die Augen zusammen. »Es gibt keine weiblichen Kojoten.«

»Es gibt fünf«, widersprach sie. »Sharone, sie hat Sie kontaktiert und in den verschlüsselten Mails mit Ihnen kommuniziert. Und noch vier weitere. Zwillinge, Emma und Ashley. Und zwei jüngere, Marcy und Chanda. Die Nesthäkchen der Gruppe.«

Sein Blick war neugierig geworden. »Wo sind die Männer der Gruppe? Kojoten lassen keine Frauen für sich sprechen, kleines Mädchen.«

Sie schluckte. »Die Männer werden strenger bewacht. Die Wissenschaftler haben mich gern. Ich bin eine von wenigen Frauen im Labor, und ich bin mit ihnen aufgewachsen.«

Wie interessant. Sie musste lügen; eine andere Option gab es nicht. Verdammt, ein Kind zu töten war eine der wenigen Sünden, die er in seinem Leben noch nicht begangen hatte, doch dieses Kind hier kannte sein Gesicht. Er konnte nicht riskieren, identifiziert zu werden.

»Sharone sagte, Sie würden sie retten.« Sie sah ihn an, und etwas, das mehr als Sorge war, verdunkelte ihre blauen Augen. Sogar ein Anflug von Zorn mochte in den hübschen Tiefen zu sehen sein. »Wissen Sie, welche Risiken wir eingegangen sind, um Sie zu kontaktieren? Um zu diesem Treffen zu kommen?«

Oh ja, eindeutig Zorn. Er sah sie an, ehrlich erstaunt. Sogar seine Männer überlegten es sich zweimal, bevor sie ihn verbal derart angingen. Ganz sicher hatte es keiner mehr gewagt, seit er erwachsen war. Vielleicht sogar zuvor nicht.

»Ihr habt viel riskiert«, pflichtete er ihr bei. »Aber ich habe euch in der Mail vorgewarnt, dass ich jeden töten werde, der versucht, mich aufs Kreuz zu legen. Wer auch immer dich in dieses Komplott mit hineingezogen hat, Kind, hat deinem Leben ein Ende gemacht.«

Zeigte sie Furcht? Nein. Stattdessen öffnete sie langsam ihre Jacke und holte mehrere Fotos heraus. Ihre Hände zitterten, als sie sie ihm gab.

Ihr Gesicht war blass, aber ihre Augen waren immer noch voll Zorn. Er warf einen Blick auf die Fotos und runzelte beim Anblick der fünf jungen Frauen die Stirn. Eindeutig Kojotinnen, wenn das gezwungene Lächeln, das ihre gekrümmten Reißzähne enthüllte, ein Hinweis war.

»Die könnten getürkt sein.« Er warf sie auf den Tisch.

Sie holte hörbar Luft. »Wenn ich nicht zurückkehre, wird die Nachricht nach Sanctuary zu den Raubkatzen-Breeds gehen, dass der Geistkojote mich ermordet hat. Ich kam zu Ihnen im Zeichen der im Breed-Law neu aufgestellten Ideale, zu dem Sie laut Ihrer Mail angeblich stehen. Diese Nachricht wird meinen Namen, mein Alter, das Labor, aus dem ich stamme, und eine Nachricht enthalten: ›Breed-Law überlebt nicht immer. Meister kontrollieren die Marionetten, und die Marionetten flüstern vom Lohn des Todes‹.«

Schockierend. Del-Rey starrte sie an, als sie den Code und die Information flüsterte, mit der jeder lebende freie Raubkatzen-Breed hinter ihm her sein würde. Vielleicht war es doch kein Trick.

Er konnte keine Täuschung wittern. Aber seine Sinne konnten getäuscht werden – Kojoten wussten genau, wie man die Sinne von Menschen und Breeds gleichermaßen täuschte. Ein Mensch konnte das lernen, wenn er denn schlau genug war.

Anya Kobrin war schlau genug. Sechzehn Jahre alt und bereits aktiv im Sicherheitsdienst und der Verwaltung im Chernow-Labor in Sibirien. Er kannte den Ort und inzwischen auch viele der dort Beschäftigten, doch die Breeds dort zu befreien, würde weit härter werden.

»So etwas geht nicht über Nacht.« Er ließ jeden Gedanken daran, sie zu töten, fallen. »Es könnte Jahre dauern. Ich gehe nicht blind da rein, und ich bringe keine Kinder in Gefahr. Und ganz bestimmt traue ich keinen blauen Augen und einem aufrichtigen Gesicht. Geh nach Hause. Ich melde mich, wenn ich mich entschieden habe.«

Sie sah ihn alarmiert an. »So lange kann es nicht warten. Es gibt über fünfzig Kojoten-Breeds hier. Und täglich sterben welche.« Verzweiflung trat in ihr Gesicht. »Sie können sie nicht einfach sterben lassen.«

»Und ich kenne Kojoten, Mädchen«, knurrte er zurück. »Ich kenne ihre Hinterlist, und ich weiß, wie leicht sie hübsche kleine Mädchen täuschen können. Wir warten und beobachten. Ich melde mich. Bis dahin ist die Sicherheit dieser jungen Frauen deine oberste Priorität.« Er zeigte auf die Fotos. »Du hast nur diese Aufgabe, ist das klar? Die Männer werden Bescheid wissen. Wissen sie auch, dass du hier bist?«

Sie schüttelte schnell den Kopf. »Nur Sharone weiß es. Den anderen haben wir es nicht gesagt.«

»Belasst es dabei«, befahl er, beugte sich vor, sah ihr in die großen blauen Augen und bedachte sie mit einem Blick, den die meisten Männer nur Sekunden vor ihrem Tod sahen. »Hintergehe mich, Anya Kobrin, und du stirbst. Du stirbst, dein Vater stirbt und sämtliche Freunde oder Mitglieder deiner Familie, die ich aufstöbern kann, werden ebenfalls sterben. Glaubst du mir?«

Sie leckte sich über die Lippen und nickte. »Ich würde damit rechnen. Aber ich werde Sie nicht hintergehen.«

Er nickte knapp. »Meine Männer geleiten dich aus der Stadt. Geh nach Hause, und warte, bis ich Kontakt aufnehme.«

»Bald?«, fragte sie und stand langsam auf. »Bitte bald. Bisher wurden die Mädchen nicht misshandelt, hauptsächlich deshalb, weil mein Vater dafür sorgt. Aber sie werden älter«, flüsterte sie. »Die drei ältesten sind bereits über achtzehn. Er wird sie nicht mehr lange schützen können.«

»Dann solltest du deinen Vater und deine Freundinnen besser überzeugen«, knurrte er. »Denn ich springe nicht durch Reifen und bringe mich und meine Männer so leichthin in Gefahr, wie ich es deiner Ansicht nach wohl tun sollte. Kojotinnen sind ein gewisses Risiko wert. Die Männer dort, die bereit sind, für die Freiheit zu tun, was sie tun müssen, sind das Risiko wert. Aber zweifle nie daran, dass es dort Spione gibt, und bevor ich komme, bringe ich in Erfahrung, wer sie sind. Und ich werde wissen, liebreizende Anya, ob du Freund oder Feind bist. Sorge dafür, dass du auf der Freund-Seite der Gleichung stehst. Ich habe kein Problem damit, eine Frau zu töten, wenn sie mich hintergeht.«

Sie erwiderte seinen Blick und reckte dann das Kinn, entschlossen und feminin überheblich. Himmel und Hölle, die Kleine hätte selbst eine Breed werden sollen. So verwegen. So couragiert.

»Wenn eins dieser Mädchen stirbt, bevor du dich entscheidest«, flüsterte sie mit bebender Stimme, »dann bist du derjenige, der besser vorsichtig sein sollte, Del-Rey, wer auch immer du bist. In deinen Augen mag ich ein Kind sein, aber ich wäre ein wirklich übler Feind.«

Sie drohte ihm? Am liebsten wollte er loslachen über ihre schiere Dreistigkeit. Doch stattdessen schmunzelte er nur, klopfte an die Wand und wartete, dass Brim hereinkam.

»Bringt sie hier raus, schnell und leise«, befahl er. »Bringt sie zum Bahnhof zurück. Sie fährt zurück in ihr nettes, sicheres Zuhause.«

Brim warf dem Mädchen einen harten Blick zu, nickte dann und trat beiseite, damit sie hinausgehen konnte. Sie trat an ihm vorbei, drehte sich dann um und sah Del-Rey an.

»Du solltest mal lächeln«, sagte sie sanft und überraschte ihn damit schon wieder. »Ich wette, du siehst wirklich niedlich aus, wenn du lächelst.«

Er unterdrückte sein Lächeln, bis sie weg war, und schüttelte dann den Kopf, ein breites Grinsen auf den Lippen. Dieser kleine Wicht. Mit dem hätte er sicher eine Menge Schwierigkeiten am Hals, das konnte er sehen. Und eine hübsche Herausforderung.

Zwei Jahre später

»Das ist Wahnsinn.« Anya sprang von ihrem Stuhl auf und sah den Mann an, der eintrat. »Ihr müsst schneller vorgehen.«

Del-Rey. Dunkelblondes Haar fiel ihm bis auf die Schultern, schwarze Augen, so tief, dass sie manchmal nur einen Hauch von Blau reflektierten.

Bei ihrem Ausbruch hob er eine dunkelblonde Augenbraue und musterte sie kühl. Er musterte sie so, wie er es zwei Jahre zuvor getan hatte, als sie ihn zum ersten Mal getroffen hatte. Das halbe Dutzend Mal, das sie ihn seither gesehen hatte, hatte nichts daran geändert, wie er mit ihr umging.

Aber etwas in ihr hatte sich verändert. Sie träumte zu oft von ihm. Dachte zu oft an ihn.

»Ich habe dir gesagt, dass das nicht so schnell geht«, warnte er sie. »Dieses Labor ist nicht gerade einfach zugänglich, Schätzchen. Wir tun unser Bestes. Und wenn deine Kojotenfreundin so schlau ist, wie ich vermute, dann wusste sie, dass die Wartezeit lang wird.«

»Breeds werden auf der ganzen Welt befreit«, widersprach sie leidenschaftlich. »Es wurden Labore geknackt, die genauso stark gesichert sind.«

»Und das hat sehr viele Leben gekostet«, warnte er. »Im Augenblick ist euer Labor sicher vor den Tötungen, die bei den anderen Breeds Alltag sind. Kojoten werden nicht getötet, es sei denn, sie beginnen Gnade zu zeigen. Bisher sind die Mitglieder deiner Gruppe zu jung, um in großer Gefahr zu sein.«

»Man beginnt bereits, die älteren zu verlegen.« Sie ballte die Fäuste und dachte an die Gruppe, die vor über einem Monat gegangen war. »Wir können nicht mehr warten.«

»Sechs wurden verlegt, und sobald sie die russische Grenze überquerten, wurden sie befreit. Drei starben, weil sie ihre Wärter bei unserem Rettungsversuch vorwarnten.« Er nahm den Camcorder vom Tisch, schaltete ihn ein und stellte ihn vor sie hin. »Ich glaube, du kanntest sie.«

Schock und Verrat. Anyas Augen weiteten sich, als sie die Aufnahme ansah. Drei der Kojoten, die sie und Sharone zahllose Male beschützt hatten, hatten die anderen verraten, als der Rettungstrupp kam. Sie hatten die Waffen auf ihre Mit-Breeds gerichtet. Und mit harten Augen und kalter Stimme gaben sie dabei Council-Müll von sich.

»Die anderen drei sind am Leben und im Augenblick in Sicherheit«, beteuerte er, als das Video zu Ende war.

»Holt die Mädchen auf demselben Weg raus.« Verzweifelt sah sie ihn an. »Ich kann ihre Verlegung arrangieren.«

Er schüttelte den Kopf. »Vergisst du da nicht etwas, kleine Anya?«

Die Frage überraschte sie.

»Was meinst du damit?«

»Dein Vater hat dir diese Mädchen als Leibwache zuteilen lassen. Ich glaube, du hast ein Angebot vom Genetics Council selbst erhalten, ein Büro zu leiten, das die Verwaltungs- und Sicherheitsaufgaben koordinieren sollte, damit ihre Organisation noch geheimer bleibt.«

Sie runzelte die Stirn. Es stimmte, sie hatte ein solches Angebot erhalten, doch woher wusste er das?

»Doktor Chernow und Doktor Sobolowa haben darum gebeten, dass ich dem gegenwärtigen Labor zugeteilt bleibe, bis ich zweiundzwanzig bin.« Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. »Sie legten dem GC Beweise vor, dass ich nicht annähernd so kompetent in den neuen Programmen bin wie erhofft.«

Natürlich war das Absicht gewesen. Ihr Vater hatte sie vorgewarnt, dass ein solches Angebot kommen könnte, und Anya hatte dafür gesorgt, den Anschein zu erwecken, als hinke sie in gewissen Bereichen hinterher.

»Tatsächlich«, meinte er gedehnt. Ihr kam es so vor, als läge in diesem einen Wort eine ganze Menge Spott. Aber der Mann spottete häufig und wirkte immer hart. Doch manchmal sah sie auch Belustigung und vielleicht einen Anflug von Weichheit in seinen Zügen.

»Tatsächlich.« Sie verdrehte die Augen. »Was absolut am Thema vorbeigeht, dass ich eine Verlegung der Mädchen arrangieren könnte. Es wäre ganz einfach.«

»Nein.« Seine Stimme war kühl. Entschieden. »Hier sind drei Fotos. Kennst du diese Männer?«

Sie betrachtete die Fotos mit gerunzelter Stirn und zeigte dann auf eins. »Das ist Aleski Dornowo. Er ist Breed-Ausbilder und Exmitglied eines russischen Elite-Killerkommandos. Er war viele Jahre lang gewissermaßen Teil verdeckter Operationen.« Sie tippte auf das nächste. »Graco; er ist einer der älteren Breeds im Labor. Sehr still. Kälter als die anderen. Und das ist Cavalier. Er ist innerlich tot«, sagte sie traurig. »Er kam aus einem anderen Labor, kurz vor den Befreiungen. Ich hörte, es sei ein brutales Labor gewesen.«

»Und eures ist nicht so?«, fragte er sie.

Sie schüttelte langsam den Kopf und sah zu ihm auf. Sie fühlte den Schmerz bei dem Gedanken daran, was die Breeds erlitten. »Nein. Dr. Chernow und Dr. Sobolowa glauben, dass Loyalität mit Loyalität anfängt. Sie beginnen die Ausbildung mit Belohnungen für korrektes Verhalten. Sie weigern sich, Experimente an den Breeds durchzuführen, die sie erschaffen haben, und argumentieren, dass das zum Verlust dieser Loyalität führen würde. Sie stehen in ihren Fachbereichen in sehr hohem Ansehen. Das Council verweigert ihnen nur selten etwas, worum sie bitten. Sie töten nur zu Beispielzwecken.« Sie spürte die Tränen, die ihr in den Augenwinkeln brannten. »Aber sie töten dennoch.«

»Du bist zu weichherzig«, spottete er. »Tod gibt es jeden Tag. Dieser Mann«, er tippte auf Cavaliers Foto, »beobachte ihn genau.«

»Ist er ein Feind?« Sie sah zu ihm auf und fühlte, wie ihr das Herz schwer wurde. Sie mochte Cavalier. Sie sprach nie mit ihm, denn in der Nähe der männlichen Kojoten durfte sie sich nicht aufhalten, aber in seinen Augen stand etwas Gequältes und Trauriges.

»Freund oder Feind habe ich noch nicht entschieden. Sag Sharone, sie soll ihn genau im Auge behalten. Sie hat mehr Umgang mit den männlichen Breeds, als dir erlaubt ist. Richtig?«

»Richtig«, bestätigte sie bedrückt. »Du kommst noch nicht, um sie zu befreien, oder?«

»Noch nicht«, antwortete er. »Erst trennen wir die Spreu vom Weizen, bevor wir die Ernte einfahren. Es gibt keinen anderen Weg, Anya. Nicht, ohne deine Sicherheit und die der Breed-Frauen zu garantieren, die du so unbedingt schützen willst.«

Sharone hatte sie gewarnt, dass es ihn Jahre kosten würde, das Ganze richtig durchzuziehen. Sie hatte das nicht geglaubt. Doch jetzt glaubte sie es.

»Graco ist allerdings ein Spion«, warnte er sie da. »Wir haben Beweise dafür. Lass ihn versetzen, sobald du es einrichten kannst, ohne Verdacht zu erregen.«

Sie nickte. »Vater und die Wissenschaftler entscheiden das. Aber für gewöhnlich folgen sie Vaters Empfehlungen.«

Ihr Vater war Sicherheitschef und leitender Ausbilder, und er hörte auf ihre Meinung und schätzte sie. Die Tatsache, dass sie ihn hinterging, verfolgte sie häufig. Die Angst, dass er für ihre Taten mit seinem Leben bezahlen könnte, war eine Konstante.

»Ihr werdet meinen Vater nicht töten?«, fragte sie wieder. Sie fragte ihn jedes Mal, wenn sie sich trafen, nur um sicherzugehen. »Ihr werdet ihn nicht verletzen?«

»Dein Vater wird nicht sterben«, versprach er ihr. »Ich habe dir versprochen, dass ich deiner Familie keinen Schaden zufügen werde, Anya.«

Sie holte hörbar Luft. »Ich sorge für Gracos Versetzung und benachrichtige dich, wenn es arrangiert ist.«

»Sei tapfer, Anya.« Seine Worte und die tiefer werdende Stimme überraschten sie. »Nichts, was es wert ist, ist schnell zu haben.«

Sie nickte niedergeschlagen. »Freiheit ist es wert, darum zu kämpfen«, flüsterte sie. »Sie ist es wert, dafür zu sterben.«

Ihre Freundinnen waren keine Tiere. Die Kojoten, die in dem Labor, in dem sie arbeitete und lebte, gezüchtet worden waren, waren erschaffen, um Befehle zu befolgen und kalt und hart zu sein, doch Anya hatte über die Jahre so viel mehr in ihnen gesehen. Und sie hoffte inständig, dass sie sie bald befreien konnte.

Vier Jahre später

Del-Rey musterte die junge Frau, die an der anderen Seite des Tisches stand, während er und seine Lieutenants die Diagramme studierten, die sie mitgebracht hatte. Elektrische Leitungen, Wasserrohre, Zugänge durch Tunnel unter dem Labor, Sicherheitslücken – sie hatte alles geliefert, was sie brauchen würden. Doch ein wesentlicher Schlüssel fehlte, und er wagte nicht, ihr das zu sagen.

Ein Ass.

Jede große Mission brauchte ein Ass. Die eine Karte, die jeden Widerstand übertrumpfen würde – und dieser Trumpf war Anya selbst. Ihr Vater war Sicherheitschef und leitender Ausbilder. Zwei Cousins leiteten Sicherheitsteams. Verschiedene Verwandte arbeiteten innerhalb des Labors. Sie war das Nesthäkchen der Familie, gehegt von Vater und Cousins, und die Kojoten, die im Labor verblieben waren, betrachteten sie als ihren wertvollsten Schatz.

Sie würden für sie sterben, mit ihr sterben oder bei dem Versuch sterben, sie zu schützen. Es wäre ihnen egal. Wenn sie sagte, Geht durch die Hölle für mich, dann würden diese Männer und die fünf Frauen in dem verdammten Labor mit einem Lächeln in die Tiefen der Erde hinabsteigen.

Zwanzig waren noch übrig. Wenn sie davonkamen, würden sie sich den vierzig Leuten anschließen, die er über die Jahre bereits versammelt hatte. Alles männliche Kojoten, hartgesotten und kalt wie der Tod. Sie hatten nur ihre Ehre – auch wenn man ihnen eingebläut hatte, dass man ihnen die weggezüchtet habe – und die Prinzipien, die sie verbanden.

Seine Männer waren denen drinnen zahlenmäßig überlegen, doch er wettete, dass die Breeds in diesem Labor jubeln würden, wenn er sein Ass ausspielte. Es gab dort nicht einen einzigen, der sich wohl damit fühlte, sie zurückzulassen.

Aber er kannte den Preis für die junge Frau, die über die letzten sechs Jahre zu einem wesentlichen Teil seines Lebens geworden war. Sie hatte die Spreu vom Weizen getrennt und sichergestellt, dass nur noch loyale Breeds übrig waren. Sie hatte ihren Teil getan. Er hatte ihren Bedingungen zugestimmt, und er war dabei, die Abmachung zu brechen, bevor sie überhaupt begonnen hatte, und sie würde es nicht einmal bemerken, bis es zu spät war.

»Vater und meine Cousins Iwan und Donan werden ihre Teams hier haben.« Sie deutete auf die ungefähren Bereiche, die die Sicherheitsteams für schwach hielten. »Sie wissen nichts von den Tunneln, die vom Labor zu dieser Höhle führen.« Sie zeigte auf die Höhle. »Ich habe Vater gefragt, ob die Wissenschaftler denn keinen sicheren unterirdischen Zugang hätten, und er sagte Nein. Es gibt keinen anderen Zugang. Aber ich habe den Tunnel selbst gefunden und bin ihm gefolgt.«

Und sie war verdammt stolz auf sich. Herrgott, er war stolz auf sie, obwohl ihm der Gedanke, was hätte passieren können, wäre sie erwischt worden, den Magen umdrehte.

»Wir müssen es bald tun«, sagte sie. »Genug von deinen Ausreden. Wir haben nur noch Monate, bis das Council mich nach St. Petersburg versetzt, zur Verwaltungsausbildung in den Büros der Geheimdienstkräfte der Föderation. Wenn das passiert, waren all die Jahre umsonst.«

»Und wenn es passiert, was dann?«, fragte er sie. »Was wird aus den Menschen, die in deinem Labor gearbeitet haben?«

»Vater wird sich um mich kümmern«, erklärte sie zuversichtlich. »Er versucht bereits zusammen mit den Wissenschaftlern hier, den Beschluss widerrufen zu lassen. Wenn die Breeds dort fliehen, werden neue Sicherheitskräfte zugeteilt werden. Sie werden den Fehler, der in ihr neues Sicherheitssystem programmiert werden wird, finden und glauben, dass mein Trainer über meine offensichtliche Inkompetenz hinweggesehen habe, um durch seinen Schützling selbst in einem besseren Licht dazustehen. Ich habe gesehen, was sie tun, wenn so etwas passiert. Sie lassen sowohl Ausbilder als auch Schützling fallen, und die können dann von Glück sagen, wenn sie Arbeit in den Fabriken finden.«

»Eine Fabrik ist also in Ordnung für dich?«, fragte er neugierig.

Ein Lächeln, schelmisch und neckend, spielte um ihre Lippen. »In dem Fall werde ich Vater dazu überreden, nach Amerika zu gehen. Da ist es viel wärmer als in Sibirien.«

Das war wohl wahr, und nach Amerika würde sie in der Tat gebracht werden. Ihr Vater würde allerdings nicht mit ihr reisen. Del-Rey hingegen schon. Er hatte Pläne. Pläne, die er bereits in Gang gesetzt hatte, und Anya passte in viele davon. Sobald diese Rettungsmission erledigt war, würden sie nach Colorado gehen, die Wolf-Breeds um ein Bündnis bitten und sich der Gesellschaft der Breeds anschließen.

Es würde nicht leicht werden, die Wölfe von einem Bündnis zu überzeugen, doch er hatte Beweise ihrer Arbeit in den letzten Jahren. Zehn Jahre, die sie in den Schatten gelebt hatten, nicht mehr als Geister gewesen waren, frei und doch gefesselt durch den Zwang, vor jedermann verbergen zu müssen, wer und was sie waren.

»Ich nehme bald Kontakt zu dir auf«, sagte er.

Er belog sie, und das nicht zum ersten Mal. Sechs lange Jahre hatte er diese wunderschöne Kindfrau belogen. Er hatte zugesehen, wie sie herangewachsen war von einem schlaksigen Teenager, voller Feuer und dürstend nach der Freiheit ihrer Freundinnen. Aus der Ferne hatte er zugesehen, wie sie Pläne ausarbeitete und seine Anweisungen umsetzte.

Sie war ein verdammtes Genie, wenn es um Verwaltung und Personal ging. Sie war so intuitiv, dass sie eine Gruppe fast augenblicklich mit nur einem einzigen Blick einschätzen konnte. Das hatte sie schon mit seinen Leuten gemacht, und er hatte die Zähne zusammenbeißen müssen, als sie ihm mitteilte, dass mehrere seiner Männer viel zu verdammt faul waren. Herrgott, sie waren Kojoten; sie brauchten ein paar Mängel, sonst wären sie schließlich verdammte Wölfe.

Aber sie hatte etwas an sich, was er nie recht fassen konnte und was ihn zu ihr hinzog. Obwohl sie selbst zu jung war, um ihn amüsant zu finden oder sich zu ihm hingezogen zu fühlen, hatte sie ihn angezogen.

»Ich will nicht ›bald‹ kontaktiert werden, Del-Rey«, widersprach sie heftig. »Bis zu meinem Geburtstag sind es nur noch wenige Monate. Noch länger aufschieben geht nicht.«

»Ich kontaktiere dich, bevor du versetzt wirst«, erklärte er mit Bestimmtheit. »Die Befreiung findet vorher statt, das verspreche ich dir. Es ist an der Zeit, dass du mir vertraust, Anya.«

In ihrem finsteren Blick stand Verwirrung. »Aber das tue ich doch. Ich habe dir immer vertraut, und du hast das Ganze immer verzögert. Langsam fange ich an, mir Sorgen zu machen.«

»Keine Sorge, Kleine.« Bevor er sich davon abhalten konnte, streckte er die Hand aus und berührte ihre Wange mit den Fingerspitzen.

Und in dem Moment loderte sie auf: diese Verbindung, dieses Etwas, was er über die Jahre wachsen gefühlt hatte. Auch sie spürte es. Er sah, wie sich ihre Wimpern senkten, ihre Lippen voller und sinnlicher wurden. Zarte Röte füllte ihre Wangen, und die Erregung, die ihren jungen Körper bei jedem ihrer Treffen erfüllte, loderte zu voller und lebendiger Hitze auf.

Er war ein Breed. Er konnte ihre Feuchte wittern, die süßen Säfte, die sich zwischen ihren Schenkeln sammelten und ihren Körper für ihn bereit machten.

Sie war kein Kind mehr. Sie war zweiundzwanzig Jahre alt, alt genug. Reif genug, so hoffte er inständig, denn er war immer noch ein Breed und ein harter Mann. Eine schlechte Kombination, wenn die Lust ihn innerlich auffraß.

Als sie mit den Zähnen an ihrer Unterlippe zupfte, wollte er am liebsten daran knabbern. Als sie sie mit der Zunge befeuchtete, stöhnte er fast auf angesichts der Erektion in seinen Jeans.

»Sag deinen Leuten, dass sie warten sollen«, warnte er sie. »Ich kontaktiere dich, und wir vereinbaren Datum und Zeit. Einverstanden?«

Sie nickte langsam. »Und du wirst meiner Familie nichts antun?«, fragte sie wieder einmal. »Sie glauben nicht an das, was hier läuft, Del-Rey. Das ist ihr Job. Sie sind Soldaten. Sie befolgen ihre Befehle, genau wie deine Männer. Versprich mir, dass du ihnen nichts tust.«

»Das habe ich doch schon geschworen, Anya.« Er strich mit seinen Fingerrücken über ihre seidige Wange. »Meine Männer wissen, wer von den Sicherheitsleuten zu deiner Familie gehört. Wir werden wissen, wo sie sich während des Angriffs aufhalten werden. Es wird alles gut gehen. Versprochen.«

Und wieder belog er sie. Ihr Vater und ihre Cousins waren Soldaten, doch sie hätten die Verantwortung übernehmen können, die Anya auf ihre eigenen jungen Schultern geladen hatte. Sie hätten den Breeds Tausende Male helfen können, doch sie hatten es nicht getan. Sie hatten Befehle befolgt.

Man würde alles versuchen, sie nicht zu töten, aber sie würden leiden dafür, dass sie zugelassen hatten, dass diese junge Frau die Risiken auf sich genommen hatte, die sie für den Job einging, den sie machte.

»Vertrau mir«, flüsterte er noch einmal.

Der Duft ihrer Erregung steigerte sich im weichen Timbre seiner Stimme. Das Verlangen, das in ihre Augen trat, erfüllte ihn mit schmerzlichem Bedauern.

»Ich vertraue dir.« Ein zitterndes Lächeln auf ihren Lippen. »Ich werde dir immer vertrauen, Del-Rey.«

Traurigerweise war ihm klar, dass sie das bald zurücknehmen würde. Anya kannte leidenschaftliche Loyalität, doch sie wusste auch, wie man hasste. Sie war eine Frau, deren Leidenschaften immer tief gehen würden, ganz gleich in welche Richtung. Und in nicht allzu langer Zeit würde sie nur noch Hass für den Mann kennen, den sie nun mit solcher Sehnsucht ansah.

Bedauern. Es brannte in ihm. Ein Gefühl, das er noch nie im Leben empfunden hatte – und es war ein Gefühl, das er gar nicht mochte.

1

Anya war da, wo sie sein sollte, doch es lief nicht wie geplant. Nichts war wie geplant verlaufen. Als sie an jenem Abend ins Labor zurückkehrte, erfolgte der Angriff innerhalb weniger Stunden.

Es gab keine Vorwarnung. Keinen Anruf. Alarme plärrten los, Zellentüren gingen auf, Sicherungsmechanismen wurden überbrückt und die Schlösser der Waffenkammern deaktiviert.

Sie drängte die Wissenschaftler hinter eine sichere verborgene Wand, die sie vor einem Monat entdeckt hatte. Offensichtlich waren sie nicht lange genug hier gewesen, um alle Geheimnisse des Labors herauszufinden. Dr. Chernow hatte vor zehn Jahren die alternden Wissenschaftler ausgetauscht und seinen Schützling Sobolowa, eine wesentlich jüngere Wissenschaftlerin, mitgebracht.

»Bleibt hier drin, und rührt euch nicht«, befahl sie ihnen. »Bleibt hier, bis ihr nur noch Stille hört.«

Bleich und zitternd vor Schock gehorchten die beiden Wissenschaftler und kauerten sich in den kleinen Raum, während Anya die gesicherte Tür schloss und zu den Ausgängen eilte, die zu dem kalten öden Land über der Erde führten.

»Anya, verschwinde von hier.« Sofia Iwanowa, eine der Verwaltungsassistentinnen, griff sie am Arm und zog sie in einen anderen Flur. »Geh da lang.« Sie zeigte auf die Stufen. »Die sind frei. Ich decke dir den Rücken.«

Ihr den Rücken decken? Anya warf einen Blick über die Schulter und sah die Ärzte mit gezogenen Waffen aus dem Labor stürmen. Sie feuerten auf das Personal? Schock durchfuhr sie und brannte sich in ihr Gedächtnis. Sie kannte diese Männer und Frauen doch. Sie kannte sie gut. Und jetzt schossen sie auf die flüchtenden Angestellten?

»Lauf schon, verdammt!« Sofia schob sie in Richtung Ausgang. »Verschwinde von hier, bevor ich dich erschießen muss.«

Anya rannte. Sie stürmte los, und Wut nährte die Angst und den Schock, der durch ihren adrenalingetränkten Verstand jagte. Das hier war exakt der Plan, den sie Del-Rey für die Befreiungsmission gegeben hatte. Hatte er ihr nicht vertraut? Er hatte nur Stunden nach ihrer Rückkehr angegriffen und ihr keine Zeit gelassen, dafür zu sorgen, dass ihr Vater und ihre Cousins nicht hier waren.

Nein, es musste etwas anderes sein, entschied sie verzweifelt, während sie die Stufen hinaufrannte. Sie griff eine ältere Frau, eine der Sekretärinnen, am Arm und schob sie vor sich her.

»Schneller, Marie«, drängte sie die Frau, als diese schluchzte und beinahe stürzte. »Wir müssen uns beeilen.«

Andere Angestellte rannten an ihnen vorbei, während Anya Marie am Arm packte und regelrecht die Stufen hinaufzerrte. Marie hatte Kinder und Enkel. Einen kranken Ehemann. Sie wurde gebraucht. Und außerdem brachte sie den Breeds immer Kekse. Sie war freundlich und sanft.

Die Tür war aus den Angeln gebrochen und lag auf der Seite, während Sicherheitsleute die Angestellten hindurchwinkten und zur Eile drängten. Die Wachen hatten Masken über den Gesichtern, um sich vor dem schneidenden Wind zu schützen. Draußen war es bitterkalt, und Marie hatte weder Jacke noch Mantel.

»Los, zur Kaserne«, befahl sie der Frau. »Da ist es warm und sicherer. Dort verstecken wir uns.«

Sie lief hinaus in die Kälte und registrierte die Schüsse, die lauten Stimmen, das Aufeinanderprallen der Kräfte. Und dann registrierte sie nur noch den harten Arm, der sich um ihre Taille legte, sie an eine breite Brust zog – und das Messer an ihrer Kehle.

Sie konnte fühlen, wie sich die kalte Klinge an ihre Kehle presste, in die Haut drückte, nur einen Hauch davon entfernt, sie tatsächlich zu schneiden.

»Kobrin, ich habe deine Tochter.«

Sie kannte die Stimme, die da laut durch das Tal hallte. Sie kannte das Grollen darin, und sie spürte das Schluchzen, das ihr aus der Kehle wollte.

Verrat. Er hatte sie verraten.

Qual durchfuhr sie derart schmerzvoll, dass sie nur nach Luft schnappen konnte, als ihr die Realität bewusst wurde.

Die Schüsse verstummten langsam. Keine Angestellten mehr, die durch die Türen eilten. Aber sie konnte sie am Eingang hören und die Anspannung in der Luft spüren.

Del-Rey. Oh Gott, sie hatte ihm doch vertraut. Sie hatte ihm so sehr vertraut.

»Wir legen die Waffen nieder«, rief ihr Vater. »Nimm die Breeds. Geh. Wir stellen uns euch nicht in den Weg, aber lass Anya gehen.«

Sie starrte in das bleiche Gesicht ihres Vaters; ihre Cousins bewegten sich neben ihm. Sie hatten alle drei heute Nacht Dienst. Ihre Freunde waren hier, diejenigen, die ihr geholfen hätten, hätte sie sie darum gebeten, doch das hatte sie nicht getan.

Ein Schuss fiel, und ihr erster Cousin stürzte zu Boden, umklammerte sein Bein und schrie vor Schmerz auf. Zwei weitere Schüsse kurz hintereinander, und auch die anderen beiden wanden sich am Boden.

»Hör auf!«, schrie sie und krallte die Hände in den Arm um ihre Taille. »Nein. Nein. Tu das nicht!«

Wut und Schmerz packten sie. Elend sah sie ihren Vater an und schluchzte vor Scham darüber, was sie getan hatte.

»Transporter landet in sechzig Sekunden, Boss.« Das war der, den Del-Rey Brim nannte. Manchmal hatte er ihn auch Brimstone gerufen.

Sie hatten sie alle hintergangen. Die kleine Gruppe Männer, mit denen sie Freundschaft geschlossen hatte, denen sie vertraut, denen sie das Leben ihres Vaters und ihrer Cousins anvertraut hatte.

»Wie kannst du das nur tun?«, fragte sie schluchzend. »Hol dich der Teufel, wie kannst du das tun?«

»Anya, bleib ruhig, Kind«, rief ihr Vater. »Denk an deine Selbstbeherrschung, Tochter. Deine Cousins leben.«

»Vorerst«, rief Del-Rey gedehnt zurück. »Sag mir, Kobrin, du bist doch hier, seit der erste Breed erschaffen wurde – hast du je daran gedacht, ihnen zu helfen?«

»Sie sind am Leben«, rief ihr Vater zurück. »Ich habe keinen getötet. Das hier war kein Schlachthaus.«

Del-Rey lachte leise hinter ihr. »Ich denke, ich werde deine Tochter mitnehmen, Kobrin. Als Versicherung, glaube ich. Du wirst eure russische Luftwaffe nicht benachrichtigen, und du wirst niemandem mitteilen, was hier geschehen ist, und das sechs Stunden lang. Andernfalls stirbt sie. Haben wir uns verstanden?«

»Lass sie hier«, rief ihr Vater verzweifelt. »Ich schwöre dir, niemand wird euch folgen.«

Del-Rey lachte. »Nein, niemand wird mir folgen. Ich habe die Krönung aller jungen Schützlinge des Genetics Council. Deine Tochter, Kobrin. Zwing mich nicht, sie zu töten.«

Noch ein Schuss, und ihr Vater stolperte und fiel, während Anya nach ihm schrie. Sie streckte die Hände aus und formte die Finger zu Krallen, während sie von den Füßen gehoben wurde und zugleich das Geräusch eines näher kommenden Helijets hörbar wurde.

Sie schrie nach ihrem Vater und schlug auf den Arm ein, der sie festhielt. Sie trat um sich, fluchte und schluchzte.

Wut loderte in ihr, und das Gefühl, verraten worden zu sein, brannte sich in ihren Verstand. Er hatte gelogen. Vom ersten Moment an hatte er gelogen, und das würde sie ihm nie verzeihen.

»Abzug!«, befahl Del-Rey und stürmte in den hinteren Bereich des Transporters, hinter den anderen Männern, die an Bord des riesigen schwarzen Fliegers zusammengeströmt waren. »Cavalier, bring diesen Bastard vom Boden hoch.«

Cavalier. Sie hatte seinen Transport vor einem Jahr arrangiert. Wie viele andere waren noch hier? Wie viele, denen sie vertraut hatte, hatten sie hintergangen?

»Hör auf, dich zu wehren, Anya.« Del-Rey hielt sie fest und ließ sich auf der Metallbank nieder, umfing sie sicher mit seinen Armen, und der Transporter hob ab.

Sie konnte nicht hinaussehen. Sie hatte ihren Vater aus den Augen verloren. Ihre Familie.

»Du Bastard!«, schrie sie, schlug noch erbitterter um sich, und ihre Fäuste trafen sein Gesicht. »Du Hundesohn. Du verdammter Bastard. Wie konntest du? Wie konntest du?«

»Wie konnten sie?«, knurrte er und drehte sie zu sich herum. Seine schwarzen Augen loderten vor Zorn, und er entblößte die tödlichen Reißzähne. »Wie können sie es wagen, es einem Kind zu überlassen, das alles durchzuziehen? Wie können sie es wagen, dich derart in Gefahr zu bringen, wie sie es getan haben? Sie haben nur eine Kugel im Bein statt im Kopf. Dafür sollten sie verdammt dankbar sein.«

Sie schlug ihm ins Gesicht. Ihre Hand knallte an seine Wange, kräftig genug, um ihre Handfläche brennen zu lassen, bevor sie noch einmal zuschlug. Wütende, zornige Aufschreie blieben ihr in der Kehle stecken, als er ihre Arme zur Seite riss und sie mit einem Knurren aus tiefer Kehle festhielt.

Und dann drückte er seine Lippen auf ihre. Sie wollte wieder aufschreien, doch er nutzte die Gelegenheit, um seine Zunge zwischen ihre Lippen zu drängen. Würze füllte ihren Mund. Sie schluckte und schluchzte im Kuss, weil es ein guter Kuss war. Weil seine Lippen über ihre strichen, wie sie es sich immer vorgestellt hatte. Weil er nach Wärme und Leidenschaft schmeckte, und weil er sie belogen hatte. Er hatte sie verraten. Und jetzt raubte er ihr den Verstand.

Sie schluchzte immer noch, als er den Kopf hob und sie an seine Brust zog. Seine Hand legte sich über ihren Kopf und drückte ihn an sich, als sie mit geballten Fäusten gegen seine Schultern trommelte.

Sie hasste ihn. Sie hasste ihn. Oh Gott, sie hasste ihn so sehr. Und sie liebte ihn. Und ihr war, als sei ihre Seele zerfetzt worden. Ihr Kojotenkrieger hatte sie betrogen. Er hatte gelogen, immer wieder, und jedes Versprechen gebrochen, das er ihr je gegeben hatte. Er hatte ihr die Unschuld gestohlen, bevor er sie küsste, und sie fragte sich, ob sie ihm das jemals verzeihen konnte.

Del-Rey blickte über ihren Kopf zu den Kojoten, die nun zu ihm gehörten. Breeds, die ihn mit ausdruckslosen und harten Blicken musterten. Sie waren eine Bedrohung – er konnte es wittern; seine Männer konnten es fühlen, als sie ihn umringten.

»Meins«, erklärte er ihnen in kaltem Befehlston. »Diese Frau ist meins.«

Die fünf weiblichen Kojoten erwiderten seinen Blick. Sie waren seiner Ansicht nach die gefährlichsten, vor allem die älteste, Sharone.

Ihr Blick huschte über die schluchzende Anya.

»Du hast dich geirrt«, erklärte sie rundheraus. »Du hättest ihre Familie in Ruhe lassen sollen.«

»Sie haben sie in Gefahr gebracht. Sie haben Glück, dass sie noch leben.«

»Nein, mein Freund.« Sie schüttelte den Kopf. »Du hast Glück, wenn du weiterlebst. Du hast sie hintergangen, und das wird sie nicht vergessen. Sie wird es nicht vergeben. Wir sehen die Weisheit in dem, was du getan hast. Die Vergeltung, die wir alle als notwendig empfanden. Aber wir haben die Hände stillgehalten, denn sie gehört auch zu uns.« Sie zeigte auf die Breeds, die aus der unterirdischen Einrichtung gekommen waren. »Und sie wird dafür sorgen, dass du für das bezahlst, was du heute Nacht getan hast.«

Die zarte Anya? Sie würde toben und ihn wohl eine Weile hassen, aber er hatte ihre Familie am Leben gelassen. Er würde sie dazu bringen, zu verstehen.

»Geh mir aus dem Weg«, befahl er Sharone und meinte damit auch alle anderen. »Du hast mir und meinen Rudeln Loyalität geschworen. Nicht diesem Mädchen. Wenn es um sie geht, wirst du dich nicht einmischen.«

»Dann wirst du garantieren, dass sie keinerlei Schaden erleidet«, erklärte Sharone grimmig. »Wir folgen dir, Alpha, aber sie« – sie nickte in Anyas Richtung – »sie ist eine von uns. Misshandle sie, und du misshandelst uns alle. Vergiss das nie!«

Sie misshandeln? Er hatte nicht die geringste Absicht, sie zu misshandeln. Vielleicht sie zu lieben. Auf jeden Fall sie mit der Zeit von ihrem Zorn abzubringen. Und sie zu vögeln, bis sie beide vor Lust schrien, das war sicher. Sie würde ihm verzeihen. Dafür würde er sorgen. Schließlich hatte er ihren Vater und ihre Cousins nicht getötet. Sie lebten noch. Sie würden lediglich Schmerzen leiden. Große Schmerzen. Und es waren Schmerzen, die sie verdient hatten.

Er strich mit der Hand über Anyas offenes Haar. Ohne den Zopf fiel es ihr lang über die Schultern. Er umfasste ihren Hinterkopf und lehnte seinen eigenen an die Wand des Transportflugzeugs.

Ihm war bewusst, dass seine eigenen Männer ihn musterten und seine Entscheidung infrage stellten. Sie hatten die Klugheit seiner Entscheidung schon infrage gestellt, als er ihnen zum ersten Mal erklärt hatte, was er plante. Vor sechs Monaten hatte er die Hälfte seiner Männer nach Colorado geschickt, um insgeheim die Höhlen zu sichern, die die Basis der Wolf-Breeds, Haven, überblickten. Sie bereiteten dort alles für seine Ankunft vor. Doch es war unerlässlich, im Verborgenen dort anzukommen. Das bedeutete, sie mussten den Transporter stehen lassen und in kleinen Gruppen dort eintreffen. Das ließ sich leicht erledigen.

Anya ließ sich vielleicht nicht so einfach kontrollieren, und auch seine eigene Reaktion auf sie stellte sich als weit weniger einfach zu kontrollieren heraus, als er es sich vorgestellt hatte.

Erneut senkte er den Kopf und berührte ihre Lippen mit seinen. Seine Zunge sehnte sich brennend nach ihrem Aroma. Drängend nach einem weiteren heißen und leidenschaftlichen Kuss, nach dem Gefühl ihrer Lippen, die an ihm saugten und das pralle Gefühl seiner Zunge linderten.

Ihm waren die Augen, die zusahen, bewusst, doch er konnte sich nicht von ihr lösen.

»Sie hätten dich besser schützen sollen, Kleines«, flüsterte er an ihren vollen Lippen. »Sie haben meine Rache sehr wohl verdient.«

Sie sah ihn an. Ihre Augen waren dunkel vor Kummer und Schmerz, und ein erschöpftes Schluchzen drang aus ihrer Kehle.

»Du hast mich betrogen. Du hast mich angelogen«, flüsterte sie. »Ich werde dir nie wieder vertrauen, Del-Rey. Ich kann dir nie mehr vertrauen.«

Er schnitt ihr die Worte ab. Er konnte es nicht ertragen, sie zu hören, und er konnte den Schmerz und den Zorn in ihren Augen und ihrer Stimme nicht ertragen. Er raubte ihr einen Kuss, und ihre Lippen öffneten sich hilflos für ihn. Er konnte fühlen, wie sie sich gegen das Verlangen wehrte, und er fühlte, wie sie ihm nachgab und dabei kapitulierend aufstöhnte. Und noch während er sie küsste, wurde ihm klar, dass etwas in ihm nicht mehr ganz so war wie zuvor. Ein Hunger, ein Verlangen, ein drängendes Inferno der Lust baute sich in ihm auf, das keinen Sinn ergab und jeder Beschreibung spottete.

Doch er brauchte diese Frau, um es zu überstehen. Und Del-Rey sorgte immer dafür, dass er hatte, was er zum Überleben brauchte. Er schob es auf den Kojotenteil seiner Genetik. Zumindest zum Teil. Vielleicht sollte er seiner menschlichen Seite die Schuld geben, dachte er müde. Das würde Anya vielleicht eher akzeptieren.

Drei Tage später

Drei Tage. Sie brannte. Flammen leckten über ihre Haut. Wut, Verwirrung, Vertrauensbruch und Schmerz nagten an ihrem Verstand, während die schlimmste Erregung, die sie sich je hätte vorstellen können, ihren Körper beherrschte.

Es musste das Aroma seines Kusses sein, dachte sie. Sie sehnte sich danach. Es brachte sie schier um, das Verlangen nach diesem Kuss. Und immer wieder zwang er ihn ihr auf, als würde sie seinen Kuss inzwischen tatsächlich wollen.

Sie tigerte hin und her im Schlafzimmer der Hütte, in der sie eingeschlossen war. Sie trug die weiche Baumwollhose und das T-Shirt, das Sharone ihr zuvor gebracht hatte.

Sie hatte Sharone angefleht, ihr dabei zu helfen, zu fliehen. Sie hatte alles ausgeklügelt. Sie musste nur eine Stadt erreichen und die Botschaft aufsuchen; dort würde man sich um alles Weitere kümmern. Man würde ihren Vater kontaktieren, und dann könnte sie nach Hause. Dann könnte sie vergessen, dass Del-Rey Delgado überhaupt existierte.

Und Sharone war dabei gewesen. Anya hatte es in ihren Augen gesehen – bis Del-Rey wütend hereingekommen war und Sharone hinausgezogen hatte.

Jetzt war sie allein. Allein, um nachzudenken und sich Sorgen zu machen. Gott, ihr Vater lag irgendwo blutend im Schnee – und ihre Cousins mit ihm. Ihre Cousins hatten Familien, Kinder – wer würde jetzt für sie sorgen? Die Zeiten waren im Moment nicht gut in Russland; der Wirtschaft ging es schlecht. Sie würden ihr Zuhause verlieren. Sie würden draußen in der Kälte stehen. Ihr Vater.

Sie schniefte. Wer würde ihm jetzt seinen Wodka bringen, wenn er müde und ausgelaugt war von seinen Versuchen, die Wissenschaftler und Mitglieder des Councils zu manipulieren? Wer würde sein Bein verbinden?

Wieder liefen ihr Tränen übers Gesicht. Sie sollte sich besser beherrschen können. Ihr Vater hatte sie für ihren Mangel an Selbstbeherrschung gescholten. Doch so war er eben. Sie hatte rotes Haar, wie ihre Mutter, sagte er ihr oft. Und ihre Mutter hatte gelernt, dass es ihr und anderen für gewöhnlich mehr half, die Beherrschung zu behalten, als sie zu verlieren.

Doch jetzt konnte sie ihre Emotionen nicht kontrollieren. Seit diese Schüsse gefallen waren, war sie dazu nicht mehr in der Lage gewesen. Seit Del-Rey sie geküsst hatte. Seit die Welt um sie herum explodiert war. Seit etwas in ihr zerrissen war.

Sie presste die Hände auf ihren Bauch. Ihre Bauchmuskeln verkrampften sich, und sie fühlte die Feuchte zwischen ihren Schenkeln pulsieren. Ihre Brustwarzen waren so empfindlich, dass das Reiben des T-Shirts darüber eine Qual war. Ihre Klitoris war prall und schmerzte. Selbst wenn sie sich selbst berührt hatte, war sie nie derart erregt gewesen.

Was hatte er mit ihr gemacht? Er musste etwas mit ihr angestellt haben. Eine andere Erklärung gab es nicht.

Sie tigerte im Zimmer auf und ab und fluchte vor sich hin. Tobte und weinte dann. Sie beschimpfte Del-Rey Delgado. »Des Königs«, murmelte sie verächtlich. An dem Bastard war überhaupt nichts königlich.

»Was hast du mit mir gemacht?«, schrie sie auf, hob eine Holzschale auf, eines der wenigen Dinge, die noch im Schlafzimmer standen, und warf sie gegen die Tür.

Sie zerbrach nicht, sondern prallte mit einem dröhnenden Knall an die Tür und fiel dann auf den Teppich, während sie am Ende des Bettes niedersank, sich zusammenrollte und stöhnte über das Verlangen, das in ihr brannte.

Sie schloss die Augen und schwor, sie konnte seinen Kuss schmecken, seine Hände auf ihrer Haut fühlen. Eine Berührung, sagte sie sich. Eine Berührung konnte sie zulassen, nur um das Verlangen zu stillen, das durch ihren Leib tobte. Vielleicht noch einen Kuss mehr.

»Nein!«, würgte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Auch nicht eine Berührung. Eine Berührung würde zu einer nächsten führen, und dann würde sie ihn anflehen. Gott helfe ihr, wenn er sie je wieder küssen sollte. Das würde sie nicht überstehen.

Und sie wollte die Küsse dieses Lügners nicht. Lügen. Sechs Jahre voller Lügen. Versprechen, die er eins nach dem anderen gebrochen hatte. Dass man sie vor der Befreiung vorwarnen würde. Dass sie Zeit hätte, dafür zu sorgen, dass ihr Vater und ihre Cousins in Sicherheit waren. Dass sie Zeit hätte, dafür zu sorgen, dass das Personal sicher davonkommen konnte und nicht in einer Massenflucht zertrampelt wurde.

Sie hatte gesehen, wie diese Ärzte automatische Waffen schwangen und auf die unschuldigen Verwaltungsangestellten und Labortechniker richteten, als diese fliehen wollten.

Sie hoffte, die Ärzte waren tot. Sie hoffte, sie schmorten in der Hölle. Anders als Del-Rey. Oh, den wollte sie nicht tot sehen. Sie wollte ihn lebendig. Lebendig und gesund, damit sie ihn persönlich umbringen konnte.

Sie wimmerte auf, als ein erneuter Schub der Erregung sie wie ein Schlag traf, in Magen, Vagina, Klitoris. Es war, als würde ihr ein rasender Elektroschock verpasst. Es knisterte und brannte und ließ sie vor Verlangen nach Luft schnappen, als die Tür aufging.

Sie rollte sich auf die Füße, stolperte und starrte den Mann an, der sie mit diesen schwarzen Teufelsaugen musterte.

»Was hast du mit mir gemacht?« Sie ballte die Fäuste.

»Ich weiß es nicht.« Er schüttelte müde den Kopf. »Was auch immer es ist, ich habe es mir selbst auch angetan.«

»Du Bastard!« Es war nichts mehr da, was sie nach ihm werfen konnte. In den letzten drei Tagen hatte sie mit allem geworfen, was sie finden konnte, und das letzte Stück, diese verdammte Schale, lag nun zu seinen Füßen. »Du lügst. So wie du all die Jahre gelogen hast, lügst du jetzt auch.«

»Nein, Anya.«

Der Klang ihres Namens auf seinen Lippen war zu viel. Sie knurrte und krümmte die Finger zu Klauen, als sie auf ihn losging. Sie würde ihm die Lügenaugen auskratzen. Sie würde ihm dieselben Schmerzen zufügen wie er ihr.

Er fing ihre Hände nur ein paar Zentimeter vor seinem Gesicht ab.

»Hör auf damit, Anya, das hilft nicht.«

»Denkst du, das weiß ich nicht?«, zischte sie erbost und wehrte sich gegen ihn. Ihr Körper und Geist waren hin- und hergerissen durch widerstreitende Gefühle und Bedürfnisse. »Du hast mich hintergangen, Del-Rey. Du hast gelogen.«

»Ich weiß, Baby.« Er hielt ihre Hände mit einer Hand fest, berührte mit der anderen ihre Wange und strich mit dem Daumen über ihre Lippen. »Wir werden damit fertig, versprochen. Aber ich brauche deinen Kuss. Jetzt.«

»Nein«, stöhnte sie, ein lang gezogenes Schluchzen aus Verlangen und Verzweiflung, als sie die Wange an seine Handfläche drückte und an seinem Daumen knabberte.

Oh Gott, er schmeckte so gut. So gut. Ihre Zunge strich über die Fingerkuppe, und ihre Wimpern flatterten.

»Noch einen Kuss«, grollte er. »Dann gehen wir der Sache auf den Grund. Versprochen.«

»Noch einen Kuss«, keuchte sie. »Einen.«

Sie streckte die Hände nach ihm aus. Sie brauchte ihn. Ihre Lippen öffneten sich unter seinen, nahmen seine Zunge auf und den Geschmack, nach dem sie sich so verzweifelt sehnte. Sie sog sie in ihren Mund und hörte sein Stöhnen der Wonne. Sie bog sich in seine Arme und flehte wortlos nach mehr.

Ein Kuss mehr war nicht genug. Sie brauchte seine Berührung. Unbedingt. So sehr, dass sie seine Hand nahm und unter ihr Shirt schob. Und dann tauchten ihre Hände unter sein Hemd, berührten heiße und feste Haut, während sie spürte, wie seine Hand ihre pralle Brust umfasste.

Oh, das war gut. Sein Daumen rieb über ihre Brustwarze, und das war noch besser. Er hob sie in seine Arme, und nur eine Sekunde später streckte sie sich rücklings auf dem Bett aus, während er ihr das Shirt über den Kopf zog.

Ihre Hände gruben sich in sein Haar, als seine Lippen ihre Brustwarze bedeckten. Sie zerrte an seinem Hemd, bis er den Kopf hob, es sich vom Leib riss und sich dann ihrer anderen Brustwarze widmete.

Unter seiner Haut lagen harte sehnige Muskeln. Sie bewegten sich unter ihren Handflächen, ihren Nägeln, und sie spürte, wie seine Hände ihre Baumwollhose entlangfuhren.

Es war ausweglos. Sie konnte die wütende Lust zwischen ihnen fühlen, wie Elektrizität, die sie verband und sie gegenseitig auflud, bis sie innerlich brannte, und sie wusste, sie würde nicht genug von ihm bekommen. Sie brauchte mehr von ihm.

Eine Sekunde später fand sie sich auf dem Bauch liegend wieder. Ihre Finger gruben sich in die Laken, als sie die Augen öffnete und verwirrt und benommen auf das Bett starrte. Ihre Hüften wurden hochgehoben. Harte Hände glitten durch ihre empfindsamen Schamlippen, und sie war so feucht. So feucht und heiß. Und es fühlte sich so wundervoll an, dass sie sich der Liebkosung entgegenreckte.

»Sag mir, dass du mich willst«, grollte er hinter ihr.

»Ich will dich«, schluchzte sie die Antwort in das Bett, und Tränen liefen ihr wieder übers Gesicht, als sie ihn hinter sich spürte. »Ich will dich.«

Kräftig und warm schob sich seine Eichel zwischen ihre feuchten Schamlippen.

Nicht so. Sie presste den Kopf auf das Bett. Nicht so, wo sie sich nicht an ihm festhalten und kein Gefühl von Kontrolle oder Fokus finden konnte.

Warum so?

Er drang in sie, und die Lust machte sie verrückt. Sie bog den Rücken durch, als sie die heiße Dehnung spürte, und ein Schrei drang über ihre Lippen, teils Protest, teils Begierde.

Sie spürte ein Pulsieren flüssiger Hitze, das sie füllte und das Brennen in ihr noch steigerte. Sie fühlte, wie ihre Vagina pulsierte und ihn in sich drängen wollte. Mit jedem heißen Impuls wurde sie empfindsamer, begieriger, verlangender.

Sie sollte ihm sagen, dass sie noch Jungfrau war. Sie sollte ihm sagen, dass sie das noch nie zuvor getan hatte.

Ein Schrei drang aus ihrer Kehle, als er mit drei harten Stößen in sie drang. Jeder einzelne Zentimeter. Und er war so kräftig, als er sich in sie stieß, sie dehnte und ihr Jungfernhäutchen zerriss, ohne den Schmerz, den sie erwartet hatte, doch mit einer Wirkung, die sie sich nie hätte vorstellen können.

Sie spreizte ihre Schenkel weiter, neigte ihre Hüften nach hinten, und er erhob sich über ihr, die kräftigen Arme neben ihrem Kopf aufgestützt, als er begann, sich in sie zu stoßen. Seine Lippen lagen an ihrer Schulter. Harte kleine Küsse, erhitzt und leidenschaftlich an ihrem Nacken.

Sie war ganz von ihm erfüllt, spürte jede kräftige Ader an seinem Schaft, jedes Pulsieren des Blutes darin, und es machte sie fertig. Sie brauchte – wollte – mehr.

Und er gab ihr mehr. Sie spürte, wie ihr Körper sich anspannte, während er immer wieder in sie eindrang. Ihre Muskeln um seinen Schaft spannten sich an, ihre Klitoris pochte, pulsierte, und dann explodierte alles in ihr in einer Flut aus Licht und Farben, die sie seinen Namen schreien ließ.

Sie bebte in ihrem Orgasmus, zuckte unter ihm, während seine harten Stöße noch schneller wurden, und sie noch mehr dieser flüssigen Hitze in sich pulsieren fühlte.

Eine Sekunde später hörte sie ihn knurren, und dann spürte sie etwas Schockierendes. Etwas, wovon sie wusste, dass es nicht natürlich sein konnte. Das konnte nicht wahr sein. Sein Schaft begann an einer Stelle anzuschwellen. Er wurde größer, dehnte sie noch weiter, während sie spürte, wie sein Samen sich in sie ergoss.

Animalische Genetik, kam ihr der weit entfernte Gedanke. Er hing in ihr fest. Fest und zuverlässig von den Muskeln ihrer Vagina gehalten, und plötzlich knurrte er in animalischer Leidenschaft, und sie spürte, wie seine Zähne sich in ihre Schulter bohrten.

Sie sollte vor Schmerz aufschreien. Doch sie schrie vor Lust. Ein weiterer, noch heftigerer Orgasmus durchfuhr sie, ließ sie erbeben, entriss ihr ihre Sinne und ließ sie ganz verloren zurück, mit nichts, niemandem, an dem sie sich festhalten konnte. Gestürzt in eine Lust, so gewaltig und brutal, dass sie sich fragte, ob sie sie überstehen würde.

Del-Rey knurrte hinter ihr. Seine Zähne hielten immer noch ihre Haut gepackt, und sein Schwanz war noch immer in ihr verankert. Sie schluchzte seinen Namen. Sie wollte ihn anflehen, sie festzuhalten, doch die letzten Reste ihres Stolzes hielten sie davon ab.

Die Art, wie er sie genommen hatte, war so unpersönlich, und er musste es aus einem bestimmten Grund so getan haben. Sie war nicht wichtig. Derselbe Grund, aus dem er ihre Familie niedergeschossen hatte, derselbe Grund, aus dem er sie so viele Jahre lang belogen hatte. Weil Anya Kobrin und die zerbrechliche Liebe, die in ihr für ihn gewachsen war, nicht wichtig waren.

Und damit war sie allein, der Gnade eines Mannes ausgeliefert, von dem sie nun wusste, dass er keine Gnade kannte.

Del-Rey hatte einen schweren taktischen Fehler begangen, das war ihm klar. Der Zorn, der in ihm über die Jahre geschwelt hatte, hatte die intensive und alles überdauernde Loyalität, die Anya für ihre Familie und ihre Freunde empfand, nicht berücksichtigt. Del-Rey war ein Mann, der an Vergeltung glaubte. Ein solcher Mann war er sein ganzes Leben lang gewesen, bis er nun hier saß, in die Finsternis seiner eigenen Seele starrte und ihm klar wurde, er hatte einen Schatz verletzt, von dem er gar nicht gewusst hatte, dass er ihn in Händen gehalten hatte.

Seit dem ersten Augenblick ihrer Begegnung hatte er gewusst, dass er sie verraten würde. Es war der Lauf der Welt. Vollständig vertrauen konnte er nicht. Er überließ die volle Kontrolle oder volles Vertrauen nie jemand anderem, ausgenommen Brim. Genauso hatte er gewusst, dass die Anführer der Wärter Vergeltung erfahren würden, so wie er sie immer ausgeteilt hatte. Zuvor hatte er immer getötet. Wegen Anya hatte er sich zurückgehalten. Er hatte nicht getötet, sondern nur verwundet. Ihr Vater und ihre Cousins würden wissen, dass sie fair behandelt worden waren. Sie waren Krieger. Krieg hatte andere Regeln als die Märchen, in denen junge Frauen wie Anya lebten.

Sie schlief. Endlich. Del-Rey saß in dem Sessel neben ihrem Bett, angezogen, den Kopf in den Händen, die Ellbogen auf den Knien ruhend. Dort hatte er sich niedergelassen, sobald er sich aus ihr zurückziehen konnte, nachdem die Schwellung seines Schaftes weit genug zurückgegangen war, um sich von ihr zu lösen. Er hatte sich hastig die Jeans wieder über die Hüften gezogen und sich dorthin gesetzt. Um nicht umzufallen.

Und da war er geblieben, seit sie sich wortlos auf der Seite eingerollt, die Decke über ihre Schultern gezogen und lautlos geweint hatte, bis sie eingeschlafen war.

Sie hatte nicht wieder geschluchzt. Sie hatte ihn nicht verflucht oder beschimpft. Sie hatte sich in sich selbst zurückgezogen, und er hatte keine Ahnung, wie er sie zurückholen sollte.

Er senkte die Hände und starrte sie an. Große Hände. Die Hände eines Kriegers. Eines Killers. Diese Hände hatten sie unter ihm festgehalten. Seine Zähne hatten sie festgehalten. Sein Schwanz hatte hart und tief in ihr gehangen.

Das hatte er noch nie getan. In seinem ganzen Sexualleben hatte er das noch nie bei einer Frau getan. Warum bei dieser Frau?

Er stand auf und knöpfte die Jeans zu, bevor er sein T-Shirt anzog. Er konnte hören, wie Brim, sein Stellvertreter, die Stufen zum Schlafzimmer im ersten Stock hinaufstieg. Del-Rey öffnete die Tür, gerade als der Mann sie erreichte.

Besorgte hellblaue Augen sahen ihn an.

»Die Fahrzeuge sind hier«, berichtete Brim. »Aber diese Frauen unten sind stinksauer. Pass auf dich auf.«

Er konnte es ihnen nicht verübeln. Himmel noch mal, irgendwer sollte ihn erschießen.

»Hast du Kontakt zu Haven aufgenommen?«

»Funksprüche sind raus, aber noch keine Antwort«, berichtete Brim und sog dann mit zusammengekniffenen Augen die Luft ein. »Hier stimmt was nicht, Del-Rey. Du hast die Kleine gevögelt?«

Del-Rey knurrte. Anya ging ihn nichts an.

Brim schüttelte den Kopf. »Ihr Duft hat sich verändert, verlagert, und deiner auch. Irgendwas Abgefahrenes läuft hier.«

Das war ja die Untertreibung des Jahrhunderts. Er warf einen Blick zurück auf Anya.

»Mach dich bereit zum Ausrücken«, wies er seinen Stellvertreter an. »Lass sie noch einen Funkspruch nach Haven schicken. Ich brauche die Ärztin von dort. Auf der Stelle. Das darf nicht noch einmal passieren, Brim. Ich habe keine verdammte Ahnung, was hier drin geschehen ist, aber es darf nicht noch einmal passieren.«

Er schloss die Tür und ging zurück zum Bett.

»Anya.« Er flüsterte ihren Namen, und sie fuhr zusammen.

War seine Berührung so schrecklich? Die größte Wonne, die er je in seinem Leben erfahren hatte, und jetzt zuckte sie vor ihm zurück.

»Zieh dich an. Die Fahrzeuge sind hier, und wir rücken ab. Jetzt. Ich nehme an, du willst nicht riskieren, dass ich einen Versuch mache, dich anzuziehen.«

Er versuchte, sie wütend zu machen. Aber es funktionierte nicht. Sie schob die Decken von sich, als würde ihr die Erschöpfung, die sie gefangen hielt, Schmerzen bereiten. Er sah zu, wie sie ihre Sachen aufsammelte, ins Badezimmer ging und die Tür hinter sich schloss.

Er hörte sie nicht schluchzen oder weinen. Aber er konnte sie wittern, und was er witterte, schnitt ihm in die Seele. Irgendwie hatte er es fertiggebracht, diese feurige Flamme, die so sehr ein Teil von ihr war, auszulöschen. In diesem Augenblick roch Anya nach Niederlage. Und Del-Rey fühlte es. Zum ersten Mal im Leben erfuhr er den Geschmack von Niederlage.

2

Drei Wochen später