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Seit Langem ist die Bretagne eine beliebte Ferienregion mit wunderbaren Stränden und romantischen Orten am Meer. Manche Attraktion ist weltbekannt: der Mont-Saint-Michel an der Pforte zur Bretagne, einst Pilgerziel der französischen Könige, heute der Reisenden aus aller Welt, die Hafenstadt Saint-Malo, Ausgangspunkt etlicher Entdeckungsreisen in die Neue Welt, die geheimnisvollen steinzeitlichen Monumente in Carnac. Andere Schönheiten schlummern eher im Verborgenen: Dorfkirchen mit Wand- und Deckengemälden vom Feinsten und den Skulpturen der Kalvarienberge, Salzgärten und Moorlandschaften, spektakulär gelegene Burgen und Festungen, die von weniger friedlichen Zeiten berichten. Die 50 Orte und Attraktionen in der Bretagne, die Ihnen der Autor in diesem Buch vorstellt, bereichern jedes Reiseprogramm. Sei es, dass Sie mit dem Auto gemütlich von Ort zu Ort reisen oder längere Zeit in einem Ferienhaus verbringen und die nähere und weitere Umgebung etwas besser kennenlernen möchten. Die Halbinsel hat vieles zu bieten – Felsenküsten und Sandstrände ohne Ende, baumlose Inseln vor der Küste und schattige Wege am Ufer alter Kanäle, malerische Häfen und Orte, die Geschichte atmen, inspirierende Wander- und Fahrradwege. Dazu eine erstklassige Küche mit zahllosen Spezialitäten aus dem Meer. Und überall sind Sie herzlich willkommen.
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Seitenzahl: 191
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Ulrich Rosenbaum
BRETAGNE
IMPRESSUM
Bretagne
50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade
Ulrich Rosenbaum
© 2022 360° medien
Nachtigallenweg 1 I 40822 Mettmann
360grad-medien.de
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Redaktion und Lektorat: 360° medien
Satz und Layout: Lucas Walter
Gedruckt und gebunden:
LD Medienhaus GmbH & Co. KG I Feldbachacker 16 I 44149 Dortmund
www.ld-medienhaus.de
Bildnachweis: siehe Seite 256
ISBN: 978-3-96855-408-2
Hergestellt in Deutschland
360grad-medien.de
Ulrich Rosenbaum
BRETAGNE
VORWORT
Weit hinaus in den Atlantik ragt die bretonische Halbinsel, letzter abgeschliffener Rest eines versunkenen Gebirgszuges. Die Nähe des Meeres ist überall zu spüren. Sandstrände und Klippen wechseln sich ab, von zahllosen Inseln und einer Kette von Leuchttürmen geschützt. Rau und herb zeigen sich die bretonischen Küstenlandschaften im Norden und Westen. Granitgraue Häuser in Dörfern und Städten versprühen einen düster gedämpften und dennoch liebenswerten Charme. Der Süden hingegen gibt sich heiter und hell: Die Häuser sind weiß gestrichen, Hortensien und Kamelien setzen knallbunte Akzente, die lichten Kiefernwälder und langen Dünenstrände wirken nahezu mediterran.
Die Nähe zum Meer prägt die Geschichte und die Menschen. Die keltische Welt in Irland, Cornwall und Wales, nur über das Meer erreichbar, stand den Bretonen kulturell über viele Jahrhunderte näher als Frankreich. Bretonische Bauernhäuser erinnern an jene in Irland. Sagen, Märchen und Überlieferungen weisen auf Wurzeln jenseits des Ärmelkanals, ebenso wie die tief verwurzelte Volksfrömmigkeit, die sich bis heute in einer Vielzahl von steinernen Kreuzen, Kapellen und Kirchen zeigt. Und dies, obwohl die Bretagne seit dem frühen Mittelalter politisch eng mit Frankreich verbunden war, schon lange bevor das bretonische Herzogtum vor 500 Jahren an die französischen Krone fiel.
Das Meer brachte seit jeher Nahrung. Schon als Christoph Kolumbus noch lebte, segelten Fischer aus der Bretagne bis zu den Küsten Neufundlands, um dem Kabeljau nachzustellen. Dank wagemutiger Kapitäne und risikofreudiger Reeder kamen Hafenstädte wie Saint-Malo, Nantes und Lorient zu bescheidenem Wohlstand. Doch gegen Ende des 19. Jahrhunderts galt die bretonische Halbinsel als arm, hinterwäldlerisch und exotisch – und wirkte deshalb wie ein Magnet auf Maler und Künstler, die das Authentische suchten.
Ohne das Meer wäre die Bretagne kaum das beliebte Reise- und Ferienziel, als das sie sich heute präsentieren kann. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde es in den höheren Kreisen der Gesellschaft populär, einige Wochen des Sommers am Meer zu verbringen. Armselige Fischdörfer wurden zu Sommerfrischen, aus dem Nichts wuchsen mondäne Seebäder mit Grandhotels, Spielkasinos und stattlichen Privatvillen. Heute ist der Tourismus der beherrschende Wirtschaftszweig zwischen Nantes, dem Mont-Saint-Michel und Brest.
Selbst wenn im Juli und August manche Küstenstädtchen überlaufen sind, so gibt es abseits der Rennstrecken der Urlauber viel Interessantes zu entdecken: Aussichtsberge mit 360-Grad-Rundumblick und verwunschene Dorfkirchen, Steinzeitgräber und zeitgenössische Skulpturenparks, malerische Flusstäler und sturmumtoste Felseninseln. Dieses Buch möchte Sie inspirieren, in der Bretagne auch einmal abseits der Rennstrecken auf Entdeckungsreise zu gehen.
„Degemer mat e Breizh!“ – Willkommen in der Bretagne!
Pointe du Raz
INHALTSVERZEICHNIS
ENTDECKUNGEN IN DER BRETAGNE
TOP TEN IN DER BRETAGNE
KURIOSES & BESONDERHEITEN
DAS TOR ZUR BRETAGNE
1.Vitré: Stadt der Tuchhändler
2.Fougères: die größte Burg Frankreich
3.Saint-Just: Ausflug ins Neolithikum
4.La Gacilly: Kapitale der Naturkosmetik
5.Der Wald von Brocéliande: bei Morgane, Viviane und Lancelot
6.Josselin: das Schloss der Rohan
ST-MALO UND DIE BUCHT DES MONT-ST-MICHEL
7.Die Bucht von Mont-Saint-Michel: Wandern im Wattenmeer
8.Cancale: Austernschlürfen im Akkord
9.Combourg: ein Schloss der Romantik
10.Die Malouinières bei Saint-Malo:Herrensitze der Korsaren
11.Dinard: Freilichtmuseum der Belle Epoque
12.Dinan: Spaziergang ins Mittelalter
DIE BRETONISCHE NORDKÜSTE
13.Cap Fréhel: Klippen, ein düsteres Fort und ein goldener Strand
14.Kermaria-an-Isquit: der Tanz der Toten
15.Paimpol und Ploubazlanec: die Islandfischer
16.Île de Bréhat: Insel der Entschleunigung
17.Tréguier: Rundtour zu den Gärten des Trégor
18.Plougrescant: das Haus zwischen den Felsen
19.Sieben Inseln: Stippvisite im Vogelparadies
20.Cairn de Barnenez: der Parthenon der Jungsteinzeit
21.Château de Taureau: eine Festung im Meer
22.Saint-Pol-de-Léon: Kathedrale und Kreisker
DER WILDE WESTEN DER BRETAGNE
23.Meneham und Brignogan:Strandräuber und Algensammler
24.Pays de Léon: die Straße der Leuchttürme
25.Insel Ouessant: Melancholie der Stürme
26.Brest: ein Bad im Grünen
27.Landerneau: Supermarkt für große Kunst
28.Guimiliau: Frömmigkeit, in Granit gemeißelt
29.Die Monts d’Arrée: das Dach der Bretagne
30.Das Tal der Heiligen: Kolosse aus Stein
31.Ménez Hom: Berg der Legenden
32.Halbinsel Crozon: die Essenz der Bretagne
33.Locronan: ein Dorf wie im Film
34.Insel Sein: mitten im Wind
35.Le Guilvinec: die Heimkehr der Fischer
36.Îles de Glénan: die Karibik der Bretagne
37.Concarneau: die Stadt der Kommissare
38.Pont-Aven: unter den Augen des gelben Christus
DIE SÜDKÜSTE UND DER GOLF VON MORBIHAN
39.Le Faouët: sakrale Kunst im Reich des Königs Morvan
40.Lorient: das Tor zur Welt
41.Port-Louis: der Traum von Indien
42.Pontivy: Kunst in den Kapellen
43.Kerguéhennec: Kunst im Schloss
44.Golf von Morbihan: Île aux Moines und Île d’Arz
45.Gavrinis: Bootsfahrt in die Steinzeit
46.Halbinsel Rhuys: Spuren des Mittelalters
ZUR MÜNDUNG DER LOIRE
47.Guérande: das Salz der Bretagne
48.La Grande Brière: Stille über dem Moor
49.Nantes: ein Denkmal gegen die Sklaverei
50.Nantes: Maschinen und bizarre Kunst
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BILDNACHWEIS
Hinweise: Während der Recherche zu diesem Buch änderten Lokale und Besucherattraktionen aufgrund der Corona-Pandemie immer wieder ihre Arbeitsweise. Darum wurde bei den Service-Informationen auf die Angabe von Öffnungszeiten, Preise etc. verzichtet. Allen Bretagne-Reisenden sei empfohlen, sich aktuell vor Ort bzw. auf den aufgeführten Internetseiten zu informieren.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsneutrale Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform beinhaltet keine Wertung.
Markttag
ENTDECKUNGEN IN DER BRETAGNE
Märkte ...
Der Tourist ist in der Bretagne kein unbekanntes Wesen. Aristokraten und Großbürger entdeckten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Küsten der Bretagne, bauten Grand Hotels und repräsentative Villen, um im Sommer ein paar Wochen am Meer zu verbringen. Seeluft und – in Maßen – das Baden im Salzwasser wurden als der Gesundheit zuträglich angesehen. Die Bretagne galt zudem als exotisch und schön.
Im 20. Jahrhundert wurde eine Urlaubsreise ans Meer auch in der französischen Mittelschicht populär. Fischerorte wurden zu Seebädern, und jeden Sommer überfluteten die Menschen die Strände. Heute gilt der Sommerurlaub den Franzosen als demokratisches Gut und der Tourismus ist in der Bretagne der wichtigste Wirtschaftszweig.
Von Bettenburgen wie an der Küste des Languedoc ist die Halbinsel im Westen Frankreichs weitgehend verschont geblieben. Die Bretagne punktet mit nostalgischem Charme, mit romantischen Städten und Dörfern, mit wilden Steilküsten und fantastischen goldenen Sandstränden, mit ihrer herb-melancholischen Atmosphäre und viel Sonne! Denn nur das Image des bretonischen Klimas ist verregnet – in der Realität können etliche Seebäder jährlich mehr als 2000 Sonnenstunden aufweisen, deutlich mehr als Deutschland!
... Bars...
Zur Region Bretagne zählen die vier Départements Ille-et-Vilaine im Osten, Côtes-d’Armor an der Nordküste, Finistère im Westen und Morbihan im Süden. Das Département Loire-Atlantique rund um die historische bretonische Hauptstadt Nantes gehört politisch nicht dazu, eine Entscheidung der Vichy-Regierung aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die seither nicht revidiert wurde. Obwohl sich Umfragen zufolge drei Viertel der Bewohner als Bretonen fühlen!
Mit dem Auto in die Bretagne zu reisen, ist weit! Von Frankfurt bis Saint-Malo sind es etwa 1000 Kilometer - und hier fängt die Bretagne gerade erst einmal an! Mit der Bahn führen alle Wege über Paris. Hochgeschwindigkeitszüge fahren in zwei Stunden von Paris nach Rennes und Nantes und etwas langsamer weiter nach Saint-Malo, Brest, Quimper und La Baule.
Wer in der Bretagne mehr als die unmittelbare Unterkunft erkunden will, kommt aber ums Auto nicht herum. Mietwagen waren lange Zeit in Frankreich sehr erschwinglich, sind aber in Folge der Coronakrise deutlich teurer geworden. Frühe Planung und Buchung sind deshalb sinnvoll. Das öffentliche Verkehrsnetz wird in der Bretagne ständig ausgebaut, orientiert sich aber in erster Linie an den Bedürfnissen der ansässigen Bevölkerung. Die wenigsten Strände sind bequem mit einem Linienbus zu erreichen.
Alle größeren Städte sind mit Schnellstraßen verbunden. Und kein Politiker hat sich bisher getraut, wie im übrigen Frankreich für die Benutzung Autobahngebühren zu verlangen! Auch das Netz der Nebenstraßen ist dicht gewebt und in passablem Zustand. Nur ist es zuweilen unübersichtlich – ein gutes Navigationsgerät hilft. Wer die herkömmliche Art vorzieht, kann sich mit den Michelin-Karten im Maßstab 1:200.000 oder den Blättern des Nationalen Geografischen Instituts IGN gut orientieren.
Um eine Unterkunft muss sich in der Bretagne niemand Sorgen machen, es gibt sie reichlich und überall und in jeder denkbaren Form – vom luxuriösen Grand- oder Schlosshotel über Ferienhäuser und -wohnungen bis zu zahllosen Campingplätzen. Auf Empfehlungen für Unterkünfte wurde in diesem Buch weitgehend verzichtet. Die bekannten Buchungsportale im Internet bieten eine große Auswahl, ebenso wie die eingeführten Ferienhaus-Anbieter. Äußerst beliebt wird auch in der Bretagne der Urlaub mit dem Wohnmobil. Auch wenn viele Parkplätze an den Stränden durch niedrig hängende Balken für höhere Fahrzeuge versperren!
... Crêperien ...
Um das leibliche Wohl braucht sich in der Bretagne auch niemand Sorgen zu machen, sonst gäbe es keine Touristen, sondern einen Volksaufstand. Wir sind schließlich in Frankreich! Schon die Wochenmärkte, die es in jedem größeren Dorf gibt, sind eine kulinarische Augenweide. Die Zahl der Restaurants ist unübersehbar. Allein 35 Restaurants erhielten 2022 Sterne der Gourmetbibel Guide Michelin, zwei davon zwei! Und auch sonst lässt sich in der Bretagne vortrefflich speisen, natürlich Fisch und Meeresfrüchte jeglicher Art, aber auch die traditionellen bretonischen Crêpes und Galettes, die jeder einmal probieren sollte.
... und Meeresfrüchte sind in der Bretagne allgegenwärtig.
Was tun in der Bretagne? Das Buch gibt Ihnen eine Reihe von Vorschlägen zu Besichtigungen und Unternehmungen. Wer gerne zu Fuß unterwegs ist, findet ein dichtes Netz von ausgeschilderten Wanderwege:, Fernwanderwege, die als GR bezeichnet werden, ebenso wie kürzere Strecken oder Spaziergänge. In der letzten Jahren hat sich die Bretagne stark um einen Ausbau des Radwegenetzes bemüht. Voies Vertes – Grüne Wege – ziehen sich über die gesamte Halbinsel: die Küste entlang, auf den Trassen aufgelassener Bahnstrecken oder auf den alten Treidelpfaden am Ufer der Kanäle. Auch in kleinen Orten in der Bretagne lassen sich Fahrräder und E-Bikes problemlos mieten.
Und da die Bretagne nun einmal am Meer liegt, ist sie auch ein Paradies für Wassersportler. Die Halbinsel hat Strände ohne Ende. Segeln ist Nationalsport. In (fast) jedem Seebad gibt es eine Base Nautique, die Segelboote, Kajaks und Surfbretter verleiht und Kurse anbietet, sei es im Kitesurfen, Strandsegeln oder was auch immer als ultimative Aktivität en vogue ist. Und vergessen Sie nicht – Meerluft macht süchtig nach mehr!
TOP 10
DER SEHENSWÜRDIGKEITEN IN DER BRETAGNE
1Rennes: Verstecken muss sie sich nicht, die heutige Hauptstadt der Bretagne. Auch wenn sie keinen Sonnenplatz an der Küste einnimmt. Die Altstadt besticht durch ihre schönen Fachwerkhäuser. Am Place du Parlement mit dem Parlamentsgebäude verbinden sich großbürgerliche Eleganz und royale Pracht. An regnerischen Tagen locken mehrere Museen, darunter das Museum der Bretagne in einem spektakulären Neubau des Starchitekten Christian de Portzamparc. Und rund um die denkmalgeschützten Halles Martenot findet seit 400 Jahren jeden Samstagvormittag der größte Wochenmarkt der Bretagne statt. tourisme-rennes.com
2Mont Saint-Michel: Auch wenn er de jure noch in der Normandie liegt, kommt doch kaum ein Besucher der Bretagne an ihm vorbei, dem Klosterberg Mont Saint-Michel auf einer Felseninsel im Meer. Unvergleichlich ist seine Silhouette, gleich, ob im Morgen-, Mittags- oder Abendlicht. Könige, Herzöge und Kreuzritter des Mittelalters pilgerten einst durch das Watt zum Erzengel Michael, brachten Reliquien und Geschenke aus dem Heiligen Land. Unermesslich war einst der Reichtum der Abtei, die den Felsen krönt. Der Glanz mag verblichen sein, doch imposant sind die jahrhundertealten Bauten bis heute! ot-montsaintmichel.com
3Saint-Malo: Neu erstanden aus den Ruinen des Zweiten Weltkriegs, aber im altem Gewande präsentiert sich das historische Zentrum von Saint-Malo. Nahezu unversehrt wirkt die Hafenstadt mit ihren Stadtmauern, ihren engen Gassen, ihren Häusern mit granitgrauen Fassaden und steilen Schieferdächern – ein einzigartiges Ensemble. Über Jahrhundert war die Hafenstadt Ausgangspunkt von Entdeckungsreisen, wurde wohlhabend durch Fernhandel, Freibeuterei und den Fischfang vor Neufundland. Heute ist es nicht nur ein beliebtes Ziel für kulturell interessierte Reisende, sondern dank seiner wunderbaren Sandstrände auch für Gäste, die ein paar erholsame Tage am Meer verbringen möchten saint-malo-tourisme.com; st-malo.com
4Côte de Granit Rose: Rosengranit gibt es nicht nur in Ägypten, sondern auch an der bretonischen Nordküste. Beim früheren Fischerdorf Ploumanac’h öffnet sich an der Nordküste eine geologische Wundertüte. Höchst pittoresk liegen rotleuchtende Grantitfelsen am Strand, abgeschliffen von Wind und Meer. Der Hut Napoleons, das Liebesnest, ein Pilz – die Fantasie schlägt Purzelbäume. Ein Wanderweg führt durch das Felsenchaos – in der Umgebung locken beliebte Badeorte wie Perros-Guirec oder Trégastel Plage mit zahllosen Buchten und Sandstränden. bretagne-cotedegranitrose.com
5Pointe du Raz: Ein wilder, weit in den Atlantik ragender Felssporn, schutzlos den Gewalten des anbrandenden Meeres und dem Wind ausgesetzt, ist die äußerste Spitze der felsigen Halbinsel Sizun. Auch wenn es sich nicht um das westlichste Kap der Bretagne handelt – scheinbar ist hier die Welt zu Ende. Raue Landschaft, kahle Heideflächen, steil abfallende Klippen, nahebei ein gischtumtoster Strand. „Natur in hoher Dosis“ , wie es einst der Schriftsteller Gustave Flaubert lakonisch ausdrückte. capsizuntourisme.fr; pointeduraz.com
6Quimper: Die Zwillingstürme der Kathedrale des heiligen Corentin sind das Wahrzeichen der alten Hauptstadt des Königreichs der Cornouaille. Heute Verwaltungssitz des Départements Finistère, lädt sie ein zu romantischen Spaziergängen durch die Altstadt, zu einem Besuch des Museums der schönen Künste mit einer vorzüglichen Sammlung bretonischer Malerei, zu Ausflügen in den äußersten Südwesten der bretonischen Halbinsel. Nicht zu vergessen der malerische „Butterplatz“ – Place au beurre – an dem nicht weniger als neun Creperien die bretonische Nationalspeise in vielerlei Variation anbieten. quimper-tourisme.bzh
7Carnac: Kilometerlang erstrecken sich die Reihen der Hinkelsteine, die durch den Comic-Helden Obelix zu Weltruhm gelangt sind. Das Alter der Steinreihen von Carnac wird auf 5000 bis 7000 Jahre geschätzt. Über Sinn und Bedeutung sprießen die Spekulationen; was bekannt ist, wird im Prähistorischen Museum von Carnac mustergültig in Szene gesetzt. Mit mehr als 3000 aufrecht stehenden Menhiren ist Carnac der größte steinzeitliche Fundort Europas. Und die feinsandigen, von Kiefern gesäumten Strände von Carnac-Plage, vielleicht die schönsten der Bretagne, versprühen mediterranes Flair. ot-carnac.fr
8Belle Île : Der große Maler Claude Monet verliebte sich in diese Insel, ebenso wie Sarah Bernhard, die exzentrische Schauspieler-Ikone der Belle-Époque. Sie wurden gefangen vom Charme der größten bretonischen Insel, die jedem Besucher eine Fülle von Anziehungspunkten bietet: malerische Häfen, verschwiegene und weniger verschwiegene Strände, Klippen und ein grün-buntes Mosaik aus Feldern und Wäldern. Die nahezu 85 Quadratkilometer teilen sich 5000 ständige Einwohner – im Sommer ein Vielfaches davon. Denn die gut erreichbare Insel vor der bretonischen Südküste ist ideal für Entdeckungstouren zu Fuß oder mit dem Rad. belle-ile.com
9Nantes: In der ehemaligen Residenz der bretonischen Herzöge beendete Heinrich IV. mit dem Edikt von Nantes die Verfolgung der Protestanten. Die Stadt an der Loire wurde zum wichtigsten Seehafen Frankreichs, später zu einem bedeutenden Industriestandort. Vom Strukturwandel hart getroffen, erfindet sich die westfranzösische Metropole, seit 1941 administrativ vom Rest der Bretagne getrennt, seit einigen Jahrzehnten neu. Heute brilliert sie mit ihrem sehenswerten historischen Zentrum ebenso wie mit wegweisender zeitgenössischer Architektur an der Peripherie. Und jeden Sommer wird sie zum Schauplatz des bedeutenden Kulturfestivals „Le Voyage à Nantes“. levoyageanantes.fr
10Wanderweg GR 34: 1700 Kilometer lang ist der längste Wanderweg der Bretagne, der rund um die Halbinsel führt – immer am Meer entlang! Vom Mont-Saint-Michel bis nach Saint-Nazaire an der Mündung der Loire. Er folgt den alten Zöllnerpfaden, die nach der Revolution 1791 angelegt wurden, um Schmuggler und Strandräuber zu bekämpfen. Er passiert Strände und Dünen, führt am Rande steiler Klippen entlang, bietet fantastische Panoramablicke und immer ein Hautnah-Naturerlebnis. Egal, ob man längere Mehrtageswanderungen unternimmt oder nur ein kurzes Teilstück begeht. Der Weg ist in das Netz der französischen Fernwanderwege integriert, seit 2008 in seiner ganzen Länge markiert und in sechs „Topoguides“ im Detail beschrieben.
KURIOSES & BESONDERHEITEN
AUS DER BRETAGNE
Bécherel – das Dorf der Bücher
Nicht einmal 700 Einwohner, dafür aber 15 Buchhandlungen: Bécherel, ein Dorf eine halbe Autostunde von Rennes entfernt, ist stolz darauf, als erster französischer Ort zur Cité du Livre ernannt worden zu sein. Liebhaber alter Bücher können stundenlang in den Antiquariaten stöbern. Daneben haben eine Reihe von Kunsthandwerkern Ateliers in den alten Häusern eingerichtet. Besonders attraktiv ist der große Büchermarkt, der jeden ersten Sonntag im Monat stattfindet. mairie-de-becherel.bzh
Dinan – das Haus der Harfe
Kaum ein anderes Instrument wird stärker mit der bretonischen Musik verbunden als die Keltische Harfe. Dabei war sie über Jahrhunderte aus der Bretagne verschwunden. Ihre Renaissance ist dem Musiker Alan Stivell verdanken, dessen Vater Harfen baute und der in den 1970er-Jahren eine internationale Karriere startete. Mitten in der Altstadt von Dinan dreht sich in einem alten Fachwerkhaus alles um die Harfe, im Maison de la Harpe. Hier sind nicht nur zahlreiche Exemplare des traditionsreichen Instruments ausgestellt, sondern es werden auch regelmäßig Vorführungen und Konzerte organisiert. www.harpe-celtique.fr.
Callat – auf den Spuren des Bretonischen Hundes
Eine Schönheit ist er nicht unbedingt, der Epagneul Breton, auf Deutsch Bretonischer Vorstehhund oder schlicht und einfach Bretone. Dafür robust, zuverlässig, ausdauernd, intelligent und charaktervoll, ein ausgezeichneter Jagdhund mit einem exzellenten Geruchssinn. Erste Hinweise auf die heutige Zuchtrasse finden sich schon im Altertum, weitere auf mittelalterlichen Gemälden und Stickereien. Heute ist der Bretone der verbreitetste Vorstehhund in Frankreich, mit etlichen Zuchtbetrieben in der zentralen Bretagne. Im Dorf Callat ist ihm ein kleines Museum gewidmet, das Maison de l’épagneul breton.
mairie-callac.fr/fr/tourisme/la-maison-de-l’epagneul-breton
Die Ölsardine – eine bretonische Erfindung
Überall in der Bretagne trifft man sie an, die Geschäfte der ‚conserveries‘, die bis heute Ölsardinen, Thunfisch- und Makrelenkonserven nach althergebrachter Art herstellen. Sie sind die letzten Überlebenden einer Branche, die im 19. Jahrhundert einmal Weltmarktführer war. Nicht nur ist die Konservendose eine französische Erfindung, es war auch ein Kaufmann aus Nantes, der im Jahre 1824 als erster Sardinen in Blechdosen pressen ließ. Um 1900 gab es um die 150 Konservenfabriken in den bretonischen Hafenstädtchen! Die zunehmende Konkurrenz anderer Fischfangnationen und Überfischung machten den meisten ein Ende. Die wenigen, die bis heute überlebten, bieten eine erstklassige Qualität.
Bretonisch in Streifen – die Marinière
Wer kennt ihn nicht, den typischen Ringelpulli aus der Bretagne mit den schmalen blauen Streifen! Im Jahre 1858 wurde er qua Dekret zum offiziellen Unterhemd der französischen Marine – angeblich, um Matrosen, die über Bord gegangen waren, besser erkennen und leichter retten zu können. Erstmals nach Ende des Ersten Weltkriegs durch Coco Chanel für die Haute Couture entdeckt, später durch Stars wie Brigitte Bardot und Jean Seberg popularisiert, ist das unverwüstliche Design immer wieder in den Kollektionen der Modeschöpfer präsent. Bis heute werden die Pullis in der Bretagne produziert und auf den Märkten und in Boutiquen angeboten.
Nantes – das Erbe Le Corbusiers
Nicht nur in Marseille, auch in Nantes schuf der Jahrhundertarchitekt Le Corbusier im Jahr 1955 eines seiner städtebaulichen Zukunftsprojekte: Das Maison radieuse in Rezé, einem Vorort von Nantes, vereinigt unter seinem Dach 294 Wohnungen. Als senkrechte „Stadt“ wurde es für etwa 1400 Einwohner geplant – mit einem Kindergarten auf der Dachterrasse in 52 Meter Höhe. Jeden Mittwoch und Samstag, in den Schulferien auch freitags, können Besucher mit einer Führung das ambitionierte Wohnsilo und eine Musterwohnung besichtigen. reze.fr/pratique/culture/visiter-maison-radieuse/
Rennes - das Museum des FRAC
Um die Regionen zu stärken, wurden in den 1980er-Jahren auf Initiative des französischen Kulturministeriums 23 Regionalfonds für zeitgenössische Kunst gegründet (FRAC). Seit 2012 ist das Museum des FRAC der Bretagne in Rennes in einem eindrucksvollen Neubau der Architektin und Designerin Odile Decq untergebracht. Neben dem Kunstpalast stehen 72 massive Granitsäulen der Künstlerin Aurélie Nemours, die „Alignements des 21. Jahrhunderts“. Der FRAC verfügt über einen regelmäßigen Ankaufsetat, und so ist die Sammlung inzwischen auf mehr als 5000 Objekte angewachsen.
fracbretagne.fr
Burg von Fougères
1.Vitré: Stadt der Tuchhändler
2.Fougères: die größte Burg Frankreich
3.Saint-Just: Ausflug ins Neolithikum
4.La Gacilly: Kapitale der Naturkosmetik
5.Der Wald von Brocéliande: bei Morgane, Viviane und Lancelot
6.Josselin: das Schloss der Rohan
1.VITRÉ: STADT DER TUCHHÄNDLER
Vor 500 Jahren war Vitré eine bedeutende Stadt. Der Handel mit Textilien – insbesondere Segeltuch, in der Zeit der Entdeckungsreisen ein begehrtes Gut – war die Quelle des Wohlstands. Kaufleute aus Vitré bereisten die ganze Welt. Heute präsentiert sich die Stadt als historisches Kleinod, hinter dessen Mauern man viele romantische Winkel entdecken kann.
Im Innenhof der Burg
Die große Zeit von Vitré begann im 15. Jahrhundert. Im Jahr 1472 schlossen sich 39 Kaufleute zu einer Bruderschaft zusammen. Ihre wichtigste Ware waren Segeltuch und andere Gewebe aus Hanf, die in Dörfern der Umgebung gefertigt wurden. Die Kaufherren organisierten die Produktion und den Export der stark nachgefragten Textilien zunächst über die Märkte in Rennes, Nantes und Saint-Malo, später unterhielten sie Handelsbeziehungen zu allen bekannten Kontinenten.
Eine der großen Persönlichkeiten aus Vitré war der Weltreisende Pierre-Olivier Malherbe (1569-1616). Um den Kaufmannsberuf zu erlernen, wurde er aus Vitré in das Kontor seines Onkels im andalusischen Sanlucar de Barrameda geschickt. Von dort umrundete er auf der Suche nach neuen Handelsmöglichkeiten in 17 Jahren die Erde. Er wurde an den Höfen des Kaisers von China und des Großmoguls Akbar in Indien empfangen. Zurück in Frankreich berichtete er König Heinrich IV. von seinen Reisen und versuchte, ihn von den Vorzügen eines starken Überseehandels zu überzeugen.
Aber mit dem Fernhandel begann auch der Siegeszug der Baumwolle, die Hanf als Material für Textilien mehr und mehr verdrängte. Die Handelsströme versiegten allmählich – hinzu kam die Vertreibung der Hugenotten nach 1685 aus der überwiegend protestantischen Stadt. Vitré verfiel in eine Art Dornröschenschlaf. So hat sich die Altstadt an vielen Stellen ein Stadtbild bewahren können, wie es sich im 16. und 17. Jahrhundert herausgebildet hat. Und heute präsentiert sie sich als höchst romantischer Ort!
Notre-Dame, Ansicht von Süden
Der spektakulärste Platz von Vitré ist die Burg, die mit ihren massigen Türmen und festen Mauern sehr theatralisch auf einer Felskuppe über dem Fluss Vilaine thront. Der erste Vorgängerbau entstand im Jahr 1008, als Vitré Sitz einer Baronnie wurde, die die Handelsstraßen und das Umland kontrollierte. Ihr heutiges Gesicht erhielt die Burg jedoch erst im 15. Jahrhundert. Damals folgte Feldzug auf Feldzug und die Wehranlagen mussten mit hohen Türmen und festen Mauern gegen die immer wirksamere Artillerie verstärkt werden. Im 17. Jahrhundert begann die Burg zu verfallen. In den verbliebenen Räumen wurde ein Museum eingerichtet; die Hauptattraktion aber bieten die wehrhaften Türme und Mauern, die mit ein wenig Fantasie das Mittelalter wieder lebendig werden lassen.
Mächtige Türme prägen die Silhouette der Burg.
