Western Cape – Südafrika - Ulrich Rosenbaum - E-Book

Western Cape – Südafrika E-Book

Ulrich Rosenbaum

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Beschreibung

Eine der klassischen Routen für Reisende, die zum ersten Mal Südafrika besuchen, führt von Kapstadt nach Port Elizabeth, seit 2020 offiziell Gqeberha, oder umgekehrt. Das trendige Kapstadt mit den Weinanbaugebieten im Hinterland und die an der Küste des Indischen Ozeans entlangführende Garden Route sind weltbekannt. Doch auch hier finden sich etliche Highlights, die es noch nicht in alle Reiseprogramme und Reiseführer geschafft haben. Und wer die Hauptrouten verlässt, um zum Beispiel die Westküste und die Cederberge, den Overberg und die Südküste oder gar die Weiten der Karoo zu erkunden, der wird manch Spektakuläres entdecken. Die 50 Orte und Attraktionen im Südwesten Südafrikas, die Ihnen der Autor in diesem Buch vorstellt, bereichern jedes Reiseprogramm. Sei es, dass Sie mit dem Auto gemütlich von Ort zu Ort reisen oder sich in einem Ferien- oder Gästehaus einmieten und die nähere und weitere Umgebung etwas besser kennenlernen möchten. Das Land hat vieles zu bieten – beeindruckende Landschaften und wilde Tiere, Felsenküsten und kilometerlange Strände, Orte, die Geschichte atmen, eine hervorragende Küche und erstklassige Weine, stilvolle Hotels und Gästehäuser. Und überall sind Sie herzlich willkommen!

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Seitenzahl: 205

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Ulrich Rosenbaum

WESTERN CAPE

Südafrika

IMPRESSUM

Western Cape, Südafrika

50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade

Ulrich Rosenbaum

© 2022 360° medien

Nachtigallenweg 1 I 40822 Mettmann

360grad-medien.de

Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Der Inhalt des Werkes wurde sorgfältig recherchiert, ist jedoch teilweise der Subjektivität unterworfen und bleibt ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

Redaktion und Lektorat: 360° medien

Satz und Layout: Elke Gräfe

Gedruckt und gebunden:

LD Medienhaus GmbH & Co. KG I Feldbachacker 16 I 44149 Dortmund

www.ld-medienhaus.de

Bildnachweis: siehe Seite 256

ISBN: 978-3-96855-416-7

Hergestellt in Deutschland

360grad-medien.de

Ulrich Rosenbaum

WESTERN CAPE

Südafrika

VORWORT

„Als die Holländer im Kastell die Sonnenuhr ausrichteten, orientierten sie sich an den Koordinaten von Amsterdam. Deshalb geht sie 10 Minuten nach. Und das ist der Grund dafür, dass bis heute in Kapstadt eine solch entspannte Atmosphäre herrscht!“ So erklärte einstmals der Guide im Kastell bei meinem ersten Besuch die unwiderstehliche Anziehungskraft der 1651 gegründeten „Mother City“ Südafrikas.

Und Kapstadt ist unwiderstehlich. Auch wenn die Atmosphäre im Laufe der Geschichte nicht immer entspannt war, so ist doch eines festzuhalten: Kapstadt war und ist ein Magnet! Lange Zeit für Zuwanderer aus Europa auf der Suche nach Reichtum und Glück, in jüngeren Jahren auch für viele Schwarzafrikaner auf der Suche nach Arbeit und bescheidenem Wohlstand. Und da die europäischen Siedler mit einheimischen Frauen Kinder zeugten, zudem aus Asien und Ostafrika Sklaven ins Land holten, entstand das vielsprachige „Kaapse“-Völkergemisch, das die Atmosphäre so nachhaltig prägt.

Heute ist Kapstadt ein Ziel für Reisende aus aller Welt, die im Nordwinter Sonne und Wärme suchen, die sich in Camps Bay unter die Jeunesse Dorée oder im Gay-Viertel De Waterkant unter die Feiernden mischen, die Sterneküche zu unschlagbaren Preisen genießen oder einfach nur die Stadt vom Tafelberg betrachten und sich am Kap der Kap der Guten Hoffnung fotografieren lassen wollen.

In diesem Buch möchte ich Ihnen Anregungen geben, auch einmal hinter die Kulissen zu schauen, kulturellen Facetten kennenzulernen, die nicht in jedem Reiseprogramm stehen, afrikanischer Kunst und afrikanischen Künstlern zu begegnen, für die Vibe und kosmopolitische Atmosphäre Kapstadts ebenfalls eine magische Anziehungskraft besitzen.

Vor allem aber will dieses Buch einladen, sich im Hinterland der Metropole auf weniger bekannte Seiten dieses unendlich abwechslungsreichen Landes einzulassen: In der heutigen Provinz Western Cape und angrenzenden Regionen. Auf die sonnendurchfluteten Winelands rund um die historische Stadt Stellenbosch, auf die windumtosten felsigen Küstenlandschaften des „Overbergs“, wo Südafrika so gar nicht afrikanisch wirkt, auf die Strand- und Berglandschaften der Westküste und der Garden Route, schließlich auf die an Wüstenlandschaften erinnernde Kleine und die Große Karoo mit ihren verschlafen scheinenden Städtchen, die einen ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter besitzen. Die 50 Tipps wenden sich an Reisende, die sich für Südafrika und seine Menschen interessieren, die auf genussvolle Weise auch einmal hinter die Kulissen schauen möchten, die aus dem Auto aussteigen und wandern möchten. Und last, but not least, die in diesem traditionellen Siedlerland einige der letzten Reste der afrikanischen Wildnis mit ihren botanischen Schätzen und ihrer Tierwelt kennenlernen möchten.

Viel Freude und Spaß auf Ihrer Reise durch ein einzigartiges Land!

Ulrich Rosenbaum

INHALTSVERZEICHNIS

UNTERWEGS IM WESTERN CAPE

TOP TEN DER SEHENSWÜRDIGKEITEN

KURIOSES & BESONDERHEITEN

KAPSTADT

  1.MOCAA: Kunst im Silo

  2.Kultviertel Woodstock

  3.Muslime am Kap: das Stadtviertel Bo Kaap

  4.Jüdisches Museum

  5.Groote Schuur: das Herz Kapstadts

  6.Townshiptouren etwas anders

  7.Constantia: wo der Weinbau begann

WINELANDS

  8.Stellenbosch: der Postkartenblick

  9.Ein Kleinod: der Dylan Lewis Sculpture Garden

10.Reuben Ryffel und Margot Janse: Köche aus Franschhoek

11.Vergelegen: ein herrschaftliches Weingut

12.Die Gärten von Babylon: Babylonstoren

13.Paarl: ein Denkmal für eine Sprache

14.Tulbagh: ein Fake macht Furore

OVERBERG

15.Zum Untergang geweiht? die Pinguine von Betty‘s Bay

16.Zwischen Himmel und Erde: die Kapelle des Weins

17.Gans Bay: auf der Suche nach dem Weißen Hai

18.Kap Agulhas: der südlichste Punkt Afrikas

19.De Hoop: die Hoffnung stirbt zuletzt!

20.Stillbaai und Blombos: die ältesten Kunstwerke der Welt…

21.Genadendal: Ort der Versöhnung

ROUTE

22.Durch die Buschmannsschlucht ins Breedetal

23.Ein Blickfang im Breedetal: die Bosjes Hochzeitskapelle

24.Südafrika ohne Stress: Montagu

25.Kunststopp in der Kleinen Karoo: Barrydale

26.Die Straußenbarone von Oudtshoorn

27.Swartberge: Straßen zur Hölle

GARDENROUTE

28.Mossel Bay: Entdeckungen am Pinnacle Point

29.Gondwana und Botlierskop: Wildreservate privat

30.Klippen und ein Traumstrand auf der Halbinsel Robberg

31.Tsitsikamma: mit und ohne Adrenalin

32.Baviaanskloof: die Alternative zur Garden Route

33.Elefanten, soweit das Auge reicht: der Addo-Nationalpark

34.Wander-Dünen: das Alexandria Dune Field

WESTKÜSTE

35.!Khwa ttu: auf den Spuren eines verlorenen Volkes

36.West Coast Fossil Park: afrikanische Tierwelt vor fünf Millionen Jahren

37.Paternoster: ehemaliges Fischerdorf und das beste Restaurant der Welt

38.Flamingos und Trockenfisch: am Berg River in Velddrif

39.Cederberg Wilderness Area

40.Aus den Cederbergen in die Welt: der Rooibostee

41.Sevilla Rock Art Trail: Felskunst der San

42.Die Kaptölpel von Lamberts Bay

43.Nieuwoudtville: Blumenteppiche im Bokkeveld

KAROO

44.Inverdoorn-Naturreservat

45.Sutherland: wo die Sterne so nahe sind

46.Karoo-Nationalpark: Tafelberge und wilde Tiere

47.Graaff Reinet: Hauptstadt der Karoo

48.Nieu Bethesda: der älteste Fisch der Welt

49.Mountain-Zebra-Nationalpark

50.Die Tuishuise in Cradock: eine viktorianische Straße

REGISTER

BILDNACHWEIS

Hinweise: Während der Recherche zu diesem Buch änderten Lokale und Besucherattraktionen aufgrund der Corona-Pandemie immer wieder ihre Arbeitsweise. Darum wurde bei den Service-Informationen auf die Angabe von Öffnungszeiten, Preisen etc. verzichtet. Allen Reisenden sei empfohlen, sich aktuell vor Ort bzw. auf den aufgeführten Internetseiten zu informieren.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsneutrale Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform beinhaltet keine Wertung.

Weingut Boplaas

UNTERWEGS IM WESTERN CAPE

Südafrikas Reize erschließen sich erst, wenn man über Land reist. Auf Nebenstraßen, auf Entdeckungsfahrten über schmale Pisten in Naturreservaten. Im Folgenden werden ein paar Tipps zur organisatorischen Gestaltung eines Road Trips, einer Reise mit dem Auto, vorgestellt.

Die erste Frage sollte immer die nach den eigenen Ansprüchen an die Reise sein. Will man die Ruhe genießen, chillen, etwas Wein trinken? Oder mit den Robben schnorcheln, sogar einen Bungee-sprung versuchen? Oder eine mehrtägige Wanderung unternehmen? Oder in einem Gourmettempel tafeln, zu unschlagbar günstigen Preisen? Touren müssen oft vorgebucht, Plätze in den Restaurants reserviert werden.

Erst wenn das Gerüst der Reise steht, ist es sinnvoll, die Übernachtungsorte festzulegen. Das ist nicht schwer, denn in Südafrika gibt es Unterkünfte in Hülle und Fülle. Auch im kleinsten Ort findet man neben traditionellen Hotels eine üppige Auswahl von Gästezimmern (Bed & Breakfast), Lodges, Ferienwohnungen und -häusern. Manche haben erstaunlich gute Restaurants! Aber nicht alle: Südafrikaner lieben Unterkünfte zur Selbstverpflegung (Self Catering), die immer eine voll eingerichtete Küche mit Geschirr und den notwendigen Utensilien haben. Und natürlich einen Grill mit Feuerstelle, denn der abendliche Braai ist in Südafrika heilig – irgendwo in der Grauzone zwischen Nationalsport und Religion angesiedelt! Auch die Nationalparks und Naturreservate bieten eine große Zahl von Unterkünften verschiedener Kategorie, landschaftlich meist wunderschön gelegen.

An der Route 62

Constantia, Blick über Weinberge

Sehr zu empfehlen ist auch ein Aufenthalt auf einer Gästefarm. Da der Besitz von landwirtschaftlichen Anwesen mit Hunderten und Tausenden von Hektar Fläche in Südafrika schon lange keine Lizenz zum Gelddrucken mehr ist, bieten viele Farmen Gästezimmer, Ferienwohnungen und -häuser an. Manchmal mit Frühstück und Mahlzeiten, manchmal ohne. Auf den Farmen sind oft Wanderwege markiert. Viele bieten auch andere Aktivitäten wie Reiten oder Kinderprogramme an.

Buchbar sind die Unterkünfte, auch kleinere, über die gängigen Buchungsportale. Führende südafrikanische Portale sind sa-venues.com, afristay.com, roomsforafrica.com. Wer in den Nationalparks übernachten möchte, kann seine Unterkünfte bequem auf der Seite der Nationalparks bis zu einem Jahr im Voraus buchen: sanparks.org

Südafrika besitzt ein dichtes und gut ausgebautes Straßennetz. Keine Angst vor Linksverkehr und vor nicht asphaltierten Nebenstraßen, den Gravel Roads oder Dirt Roads. Die meisten sind auch mit normalen Pkws zu befahren, in Südafrika als „Sedan“ bezeichnet. Für längere Passagen auf Schotterstraßen und Bergpässe sind SUVs mit hoher Bodenfreiheit sinnvoll. Geländewagen, kurz 4x4s, benötigt man nur auf wenigen Strecken wie zum Beispiel durch das Tal Baviaanskloof.

Mietwagen sind preiswert. Reiseprofis buchen die Autos bereits in Deutschland. Vor allem, weil die Zusatzversicherungen für Vollkasko erheblich kostengünstiger sind als im Land selbst. Es ist zweckmäßig, die Fahrzeuge bei einer großen Firma mit vielen Niederlassungen zu reservieren. Größte Anbieter in Südafrika ist zur Zeit Avis.

Küste bei Paternoster

Blessbock

Reisen wäre ein angenehmer Zeitvertreib, müsste man kein Gepäck mitnehmen und es im Auto aus Sicherheitsgründen nicht von außen uneinsehbar verstauen. Familienfreundliche Kombifahrzeuge wie in Deutschland gibt es in Südafrika nicht. So muss der Gepäckraum bei der Auswahl des Mietwagens unbedingt berücksichtigt werden!

Für Mittel- und Nordeuropäer ungewohnt ist, dass die freie Natur nicht frei zugänglich ist. Für Wanderungen braucht man sehr häufig ein Permit, eine Erlaubnis – manchmal kostenfrei, oft gegen eine geringe Gebühr, gleichgültig ob auf privatem oder öffentlichen Gelände. Wandern wird in Südafrika als aktive sportliche Betätigung angesehen. So haben auch als einfach ausgewiesene Wanderwege manchmal Passagen, an denen mal so eben ein paar Felsen hochzuklettern sind. Deshalb sollte man sich in einsamen Gegenden nie allein auf eine Wanderung begeben. Aber zu zweit oder in einer kleinen Gruppe macht es ohnehin mehr Spaß!

TOP 10

DER SEHENSWÜRDIGKEITEN IN SÜDAFRIKA

1Das Wahrzeichen – der Tafelberg Seit jeher begrüßt die Silhouette des Tafelbergs die Besucher von Kapstadt, einst die Seefahrer, die auf ihrer langen Reise zwischen Europa und Asien in der Tafelbucht eine Rast einlegten, heute die Besucher aus aller Welt. Wenn sich nicht gerade ein Tischtuch über den Berg legt, die Table Cloth genannte, charakteristische Wolkenformation, bietet sich vom 1086 Meter hohen Gipfelplateau ein grandioser Blick über die Metropole, die Tafelbucht und das Hinterland bis zum Weinbaugebiet des Kaps und den Bergketten am Horizont. Sportliche Naturen sind zu Fuß in zwei bis drei Stunden oben, seit 1929 ist der Berg jedoch auch durch eine Seilbahn erschlossen. tablemountain.net

2Der Ursprung – Kapstadts Company’s Garden Es war im Jahr 1652, als die Holländische Ostindische Kompanie einen Gemüsegarten anlegen ließ, um die durchreisenden Schiffe nach und von Ostasien mit Lebensmitteln zu versorgen. Ein von Jan van Riebeeck, dem ersten Kommandeur der Kolonie, gepflanzter Birnbaum steht bis heute, ansonsten sind Obst und Gemüse einer gepflegten Parkanlage gewichen. Am Rande des Parks schlägt das politische Herz Südafrikas: Im Parlamentsgebäude finden seit 1885 die großen Debatten statt. Nach einem Großbrand Anfang 2022 wird das Gebäude in historischer Pracht neu entstehen. Die Parkanlage lädt ein zu Spaziergängen, aber auch zu einem Besuch zwei imposanter Museen, des naturhistorischen Südafrika-Museums und der Nationalgalerie. capetown.travel

3Wo Kapstadt brodelt – die Waterfront Bis in die 1980er-Jahre wurden im alten Kapstädter Hafen Schiffe gelöscht und Waren gestapelt, dann mussten die alten Hafenanlagen dem technischen Fortschritt in Seefahrt und Logistik weichen. Die Kräne und Lagerhäuser verfielen, wurden abgerissen oder modernisiert und etwas ganz Neues entstand: das touristische Herz Kapstadts mit Hotels und Restaurants jeglichen Stils von Fast Food bis Fine Dining. Zu jeder Tageszeit tummelt sich an der Waterfront ein buntes Volk aus aller Welt, Bands spielen, Galerien preisen Gemälde und Skulpturen an, man kann Boot fahren, mit einem Hubschrauber fliegen, das Aquarium besuchen und in der weitläufigen Mall nach Herzenslust shoppen, bis die Kreditkarte platzt. waterfront.co.za

4Neues Leben im Zentrum – Long Street und Bree Street Lange war der Central Business District einem schleichenden Verfall preisgegeben, dann erwachte er nach der Jahrtausendwende zu neuem Leben. Die Long Street, eine der Achsen der Altstadt, wurde zum Magneten. Tagsüber warten Kunstgalerien und hippe Läden – Kapstadt war nicht ohne Grund schon einmal Designhauptstadt der Welt! Wenn sich der Tag dann neigt, flutet das junge Kapstadt die Bars und die Clubs – bis zum frühen Morgen. Und wenn sich der Hunger meldet, ist die parallel verlaufende Bree Street die angesagte Adresse. Von der einfachen Milchbar in einem Bibelladen über Burger- und Veggiebistros bis zum besternten Gourmettempel reiht sich hier Restaurant an Restaurant. capetown.travel

5Ein anrüchiger Ort – Robben Island Dass ein Gefängnis von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben wird, verdankt es nicht seiner glorreichen Vergangenheit, sondern den Verdiensten seiner Insassen. Schon seit dem 17. Jahrhundert diente die Insel in der Tafelbucht als Verbannungsort für Sträflinge, politisch Verfemte und Leprakranke. Zwischen 1961 und 1991 wurden hier Apartheidsgegner und Angehörige des verbotenen ANC festgesetzt. Die Bootstouren zur Besichtigung der Insel starten an der Victoria & Alfred Waterfront. Bei der Führung durch die Gefängnisinsel wird auch die Zelle gezeigt, in der der spätere Präsident Nelson Mandela 18 Jahre seiner insgesamt 27 Jahre andauernde Haft verbrachte. robben-island.org.za

6Das Kap der Guten Hoffnung Weder ist es die südliche Spitze Afrikas noch treffen hier der Atlantische und der Indische Ozean aufeinander. Und doch ist es ein Sehnsuchtsziel: das Kap der Guten Hoffnung. Einst markierte es den Wendepunkt für die Segelschiffe zwischen Europa und Asien, heute ist das etwa 50 Kilometer südlich von Kapstadt gelegene Kliff ein Höhepunkt aller Südafrikareisen. Vom Leuchtturm 238 Meter über dem Meer entfaltet sich ein weites Panorama. Der umgebende Nationalpark lädt auch zum Wandern ein. Gerne wird der Ausflug zum Kap mit einem Besuch der Pinguinkolonie am Strand von Boulders am Rande der Stadt Simonstown verbunden. sanparks.org/parks/table_mountain/tourism/attractions.php

7Historisches Stellenbosch Wie kein anderer Ort hat sich die zweitälteste Stadt Südafrikas, bereits 1685 gegründet, ihren historischen Charme bewahrt. Eichenalleen und Häuser aus dem 19. Jahrhundert säumen die Straßen rund um die Groote Kerk. Galerien und Boutiquen, Restaurants, Straßencafés, Weinbars, Studentenkneipen laden ein zum Bummeln und Flanieren – auch nach Einbruch der Dunkelheit ist dies gefahrlos möglich. Stellenbosch besitzt die renommierteste Universität des Landes; die vielen Studenten sorgen für die frische und beschwingte Atmosphäre der Stadt. Wozu sicher auch das eine oder andere Glas Wein aus dem bekanntesten südafrikanischen Anbaugebiet beitragen mag! visitstellenbosch.org

8Ein Kleinod – der Westküsten-Nationalpark Ein weitgehend baumloses Stück Land rund um die Lagune von Langebaan, etwa 90 Kilometer nördlich von Kapstadt, wurde unter Naturschutz gestellt, um die Fynbos-Vegetation vor der Überbauung mit Ferienhäusern zu schützen. Die Beobachtung wilder Tiere spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, der Nationalpark bietet sich vor allem für Spaziergänge und Wanderungen an. Besonders attraktiv ist der Park in August und September, wenn sich am Ende der Regenzeiten die Landschaft in ein farbiges Blütenmeer verwandelt. Die ökologisch wertvollsten Gebiete des Parks sind freilich nicht zugänglich: mehrere der Küste vorgelagerte Inseln, ungestörte Brutplätze für zahllose Wasservögel und Robben. sanparks.org/parks/west_coast/

9Die Metropole der Wale – Hermanus Das ehemalige Bauern- und Fischerdorf an der Südküste ist dank seines milden Klimas ein Paradies für betuchte Ruheständler – und zugleich die Wal-Hauptstadt Südafrikas. Seit den 1990er-Jahren kündigt der Walschreier publikumswirksam an, wenn ein Wal gesichtet wurde. Von Juni bis November kommen die Riesensäuger aus den antarktischen Gewässern hier sehr nahe an die Küste heran, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Und seit die Jagd auf Wale weltweit geächtet wird, werden es jedes Jahr mehr. Die gewaltigen Tiere lassen sich sowohl von den Klippen, an deren Rand ein kilometerlanger, bequemer Spazierweg entlangführt, als auch vom Boot aus hervorragend beobachten. hermanus-tourism.co.za

10Mitten im Wald – Knysna George Rex, angeblich ein illegitimer Abkömmling des britischen Königs Georg III., gründete vor mehr als 200 Jahren inmitten ausgedehnter Wälder an einer Lagune den Holzfällerhafen Knysna. Die Wälder sind immer noch imposant, in ihnen leben sogar noch ein paar Elefanten. Später wurde in der Umgebung auch Gold gefunden, doch ist Knysna heute vor allem ein beliebter Urlaubsort – mit Golfplätzen, erstklassigen Hotels und Gästehäusern, Restaurants, einer Craft-Brauerei und wunderbaren Stränden in der Umgebung. Bekannt ist Knysna auch für seine Austern, die jedes Jahr im Juli während des Knysna Oyster Festivals zelebriert werden – aber auch in der übrigen Zeit gerne mit einem Glas Weißwein genossen werden. visitknysna.co.za

KURIOSES & BESONDERHEITEN

IN SÜDAFRIKA

Kult am Kap – der Gatsby Ein kulinarischer Geniestreich war es sicherlich nicht, der Rashad Pandy im Jahre 1976 gelang. Für ein paar Kumpels, die ihm beim Bau seines neuen Hauses halfen, packte der Besitzer eines Fish&Chips-Ladens Pommes Frites, Fleischwurst und Atjar, scharf eingelegtes Gemüse, zwischen die Deckel eines Weißbrots – und der Gatsby war geboren. Schnell begann das preiswerte Monster-Sandwich seinen Siegeszug durch die Cape Flats und Kapstadt. Was auch damit zu tun hat, dass bedingt durch die Umsiedlungspolitik der Apartheid „takeaways“ in den 1970ern wie Pilze aus dem Boden schossen. Bis heute ist der Gatsby beliebt: ein 30 bis 40 Zentimeter langes Weißbrot, gefüllt mit Fisch, Wurst oder Fleisch, Salat, Pommes Frites und Saucen aller Art in vielerlei Varianten – der „klassische“ Imbiss für gut gelaunte Partygänger.

Super Fisheries, 63 Old Klipfontein Road, Athlone, Cape Town, 7764, Tel. +27 21 696 9833

Es ist wieder da – das Quagga

Einst bevölkerte es in großer Zahl die Savannen, dann wurde es so lange gejagt, bis 1877 das letzte Exemplar in freier Wildbahn starb: das Quagga, das größte afrikanische Zebra und inoffizielles Wappentier Südafrikas. Der Tierpräparator Johannes Rau entdeckte, dass das Quagga keine eigene Art, sondern nur eine Unterart des Steppenzebras war. 1987 begann er ein einzigartiges Experiment: die Rückzüchtung eines ausgestorbenen Tieres. Die Bemühungen waren erfolgreich, und heute leben wieder etliche Herden von „Rau-Quaggas“ in einer Reihe privater Wildreservate, u. a. im Naturreservat des Weinguts Vergelegen und auf der Farm Bartolomäus Klip nordöstlich von Kapstadt.

Elandsberg Farms and Nature Reserve, Hermon 7308, Tel. +27 22 448 1087, bartholomeusklip.com,quaggaproject.org

Malerisches Elim

Eigentlich kein Touristenziel, aber doch ein lohnender Stop an der Straße von Hermanus in Richtung Kap Agulhas: Elim, ein Dorf, das von Missionaren der Herrnhuter Brüdergemeinde gegründet wurde, um der bedrängten einheimischen Bevölkerung unter widrigen Umständen ein Leben in Würde zu ermöglichen. Eine fast 200 Jahre alte Wassermühle kann besichtigt werden; im Dorf steht auch das älteste Denkmal Südafrikas, das an die Abschaffung der Sklaverei erinnert. Mit großem Vergnügen steigen die Männer aus Elim den Südafrikanern aufs Dach – als begehrte Fachleute für die Errichtung von Reetdächern werden sie im ganzen Land engagiert; doch trotz der Wanderarbeit ist die Dorfgemeinschaft erstaunlich intakt geblieben.

Elim Tourism Office, Church Square, Elim 7284, Tel. +27 82 678 0450

Der Railway Market in Elgin

Jahrzehntelang versorgte Elgin Europa im Frühjahr und Sommer mit frischen Äpfeln, doch mussten viele Apfelbäume Weinreben weichen. Denn Weißweinen ist das Klima hier deutlich zuträglicher als in den Vinelands um Stellenbosch, Franschhoek und Paarl. So haben etliche der bekanntesten Weingüter Südafrikas bei Elgin Flächen zur Abrundung ihres Sortiments erworben. Probieren lassen sich die edlen Tropfen im populären Elgin Railway Market, einer Art-déco-Halle mit Marktständen, Bars und Food-Outlets, die vor allem am Wochenende zum Leben erwacht. Samstags fahren in der Saison Dampfzüge von Kapstadt nach Elgin. Und auf abenteuerlustige Naturen wartet in den nahen Bergen eine der populärsten Ziplines Südafrikas.

The Market, Oak Avenue, Elgin 7180, Tel. +27 21 204 1158, ceresrail.co.za,elginrailwaymarket.co.za,canopytour.co.za,elgingrabouw.co.za

Eine Fata Morgana in der Karoo – Matjiesfontein

Der Sultan von Sansibar, der Diamantenkönig Cecil Rhodes, die Schriftstellerin Olive Schreiner und britische Admiräle zählten zu den illustren Gästen von Matjiesfontein, einer Sommerfrische aus der Retorte mitten im Nirgendwo an der Eisenbahn von Kapstadt nach Johannesburg. Geschaffen wurde sie von dem geschäftstüchtigen Schotten James Logan, der Villen und das bis heute bestehende Hotel Lord Milner bauen ließ, dazu den ersten Cricketplatz, die erste elektrische Straßenbeleuchtung und rohrleitungsgestützte Wasserversorgung in ganz Südafrika. Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Ort aus der Mode, doch die historischen Gebäude sind erhalten, behutsam restauriert und modernisiert. Und so lässt sich mitten in der Karoo ein städtebauliches Fossil aus einer untergegangenen Zeit bewundern. matjiesfontein.com

Jazz – die Schwingungen Kapstadts

Jazz gehört zu Kapstadt wie Techno zu Berlin. In den gefühlvollen Rhythmen Abdullah Ibrahims und seiner Nachfolger spiegeln sich Kreativität und Lebensgefühl der aus zahllosen Ethnien zusammengewachsenen Coloured Community am Kap. Die volkstümliche Variante lässt sich zum Neuen Jahr und zum Karneval bewundern, wenn die „Kaapse Klopse“ genannten Kapellen mit Tausenden von bunt gewandeten Musikern auf den Straße aufspielen. Etliche Jazzbands der Cape Flats haben Weltniveau und das Internationale Jazzfestival von Kapstadt, das jeden März stattfindet, wird von Enthusiasten hoch gerühmt. Dabei hat Jazz das ganze Jahr Saison, kein Tag vergeht in Kapstadt ohne hochkarätigen Live-Jazz. capetownjazz.weebly.com

KAPSTADT

Die älteste Stadt Südafrikas ist mit ihrer leichten Lebensart ein Touristenmagnet. Keine Südafrikareise ohne den Blick vom Tafelberg, einen Besuch der Victoria & Alfred Waterfront am alten Hafen oder der Bars in der Long Street, ohne Ausflüge zum Kap der Guten Hoffnung oder zur früheren Gefängnisinsel Robben Island. Doch hat Kapstadt viele teils stille, teils schrille Winkel, die einen Besuch nicht minder lohnen.

Kapstadt, Blick über Bo Kaap auf den Signal Hill

KAPSTADT

  1.MOCAA: Kunst im Silo

  2.Kultviertel Woodstock

  3.Muslime am Kap: das Stadtviertel Bo Kaap

  4.Jüdisches Museum

  5.Groote Schuur: das Herz Kapstadts

  6.Townshiptouren etwas anders

  7.Constantia: wo der Weinbau begann

1.MOCAA: KUNST IM SILO

Die Architektur ist sensationell. Im Herbst 2017 eröffnete in einem alten Getreidesilo an der Waterfront des Kapstädter Hafens das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa, kurz MOCAA. Die langen Schlangen vor den Kassen kurz nach der Eröffnung sind Vergangenheit. Doch das größte Museum für zeitgenössische Kunst in Afrika ist stets einen Besuch wert.

Die Idee war verwegen und die Realisierung zog sich hin. In die Betonmauern eines alten Getreidespeichers im Kapstädter Hafengelände sollte ein Museum für zeitgenössische Kunst einziehen. Denn die lebensbejahende Atmosphäre Kapstadts zog seit jeher Künstler an, verstärkt seit der politischen Wende in den 1990er-Jahren. Von Europa und Nordamerika nahezu unbemerkt, hat sich in Südafrika eine lebendige Kunstszene entwickelt. Nur fehlte lange Zeit der passende Rahmen, der Welt die Werke spektakulär und repräsentativ vor Augen zu führen.

Silo, Museum und Luxushotel

So traf es sich gut, dass Jochen Zeitz, der als Vorstandsvorsitzender in den Jahren 1993 bis 2011 den Sportschuhhersteller Puma zu Weltruf geführt hatte, einen Ort für seine Sammlung afrikanischer Kunst suchte. An der Waterfront in Kapstadt fand er die passende Immobilie. Zeitz stellte dem neuen Museum seine Sammlung als Leihgabe für 20 Jahre zur Verfügung. Im Jahr 2017 konnte das Museum endlich öffnen.

Der Entwurf des Gebäudes stammt aus dem Architekturstudio des britischen Designers Thomas Heatherwick. Die Betonröhren des alten Silos, 27 Meter hoch, wurden aufgeschnitten und teilweise entfernt. Die Wände der verbleibenden mussten verstärkt werden, um die Last des Bauwerkes tragen zu können. Das auf diese Weise entstandene Atrium wird durch blasenförmige Fenster von oben beleuchtet. Über rundum laufende Verbindungsflure sind die einzelnen Ausstellungsräume in den früheren Getreidesilos zugänglich.

Atrium des Zeitz MOCAA

Das MOCAA ist als Ort einer lebendigen Auseinandersetzung mit aktueller Kunst aus Afrika gedacht. Stets werden mehrere Ausstellungen parallel präsentiert. Die permanente Sammlung des Museums tritt dabei in den Hintergrund, wird zeitweise auch völlig aus den Sälen entfernt.

Auch wenn alle Künstler, deren Werke gezeigt werden, aus Afrika stammen oder zumindest einen afrikanischen Hintergrund haben, so ist die präsentierte Kunst nicht afrikanisch in einem folkloristischen Sinn. Fetische und Masken aus Westafrika, Shona-Skulpturen aus Simbabwe oder Kunstwerke, die eine afrikanische Spiritualität ausdrücken, wird man hier vergeblich suchen. Die präsentierte Kunst steht im Kontext der globalen Szene zeitgenössischer Kunst.

Julien Sinzogan, Choc de culture

Und dennoch sind viele Werke, seien es nun Bilder, Fotografien, Skulpturen, Installationen oder Videos, genuin afrikanisch. Politische Themen sind in vielerlei Gestalt präsent. Manchmal platt und plakativ, oft aber auch sehr eindringlich, werden politische und gesellschaftliche Entwicklungen in Südafrika, Simbabwe und anderen Ländern mit künstlerischen Mitteln kommentiert.

William Kentridge, Videoinstallation

Ein Besuch im MOCAA ist immer eine Entdeckungsreise. Kein Besucher aus Europa besucht das Museum, um bestimmte Werke zu sehen, von denen er schon gehört hat. Die Namen der Künstler sind dem Betrachter in der Regel unbekannt. So sollte man sich nach Lust und Laune durch die Säle treiben lassen, innehalten, sich in einzelne Werke versenken oder auch einmal eine Videopräsentation mit Musik auf sich wirken lassen. Und dabei die Welt außerhalb der dicken Mauern des Silos einmal vergessen. So kann zeitgenössische Kunst auf bestechende Weise neue Perspektiven eröffnen und inspirieren.

Marlene Steyn, Comfort her – come for her

INFO

Lage: Das MOCAA befindet sich im Silo District auf dem Gelände der Victoria & Alfred Waterfront in Kapstadt,

Anschrift: South Arm Road, Waterfront, Cape Town, 8001, Tel. +27 87 350 4777

Hinweis: Für alle, die während eines längeren Aufenthaltes das Museum mehr als einmal besuchen möchten, empfiehlt sich ein Jahresticket (Membership), das sich bereits beim zweiten Besuch bezahlt macht.

Tipp für Freunde zeitgenössischer Kunst: