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Das manualisierte Gruppenprogramm CAN Stop richtet sich an junge Menschen, die einen problematischen Cannabiskonsum aufweisen. Ziel ist es, Teilnehmende dabei zu motivieren, ihren Konsum zu überdenken und zu reduzieren oder dauerhaft zu beenden. Das Programm besteht aus acht 90-minütigen Sitzungen und basiert auf den Prinzipien der Verhaltenstherapie und des Motivational Interviewings. An dem stark strukturierten Programm nehmen durchschnittlich acht Teilnehmende im Alter von 14 bis 21 Jahren teil. Das Programm ist in verschiedensten Settings anwendbar und wurde erfolgreich in der ambulanten Jugend- und Suchthilfe, im medizinischen Versorgungsbereich und in Jugendhaftanstalten durchgeführt. Das Manual liegt in je einer Variante für stationäre und für ambulante Gruppen vor und enthält einen umfangreichen Anhang mit Arbeitsmaterialien. Diese können nach erfolgter Registrierung von der Website des Hogrefe Verlags heruntergeladen werden.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Rainer Thomasius
Christiane Baldus
Kerstin Moré
Alejandra Miranda Eggers
Nina Weymann
Olaf Reis
CAN Stop
Ein Gruppenprogramm für junge Cannabiskonsumenten
Prof. Dr. Rainer Thomasius, geb. 1957. 1978–1985 Studium der Medizin in Hamburg. Seit 2006 Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) sowie des Bereichs Suchtstörungen an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik (UKE).
Dr. Christiane Baldus, geb. 1977. 1996–2002 Studium der Psychologie in Jena, State College und Tübingen. Seit 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ).
Dipl. Psych. Kerstin Moré, geb. 1967. 1988–1994 Studium der Psychologie in Bremen. 2008–2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter der Universitätsmedizin Rostock.
Dipl.-Psych. Alejandra Miranda Eggers, geb. 1974. 1994–1999 Studium der Psychologie in Kiel. 2008–2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ).
Dr. Nina Weymann, geb. 1978. 1999–2005 Studium der Psychologie in Trier und Freiburg. 2008–2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ).
PD Dr. Olaf Reis, geb. 1963. 1984–1989 Studium der Psychologie in Jena. Seit 2003 Forschungskoordinator / Abteilungsleiter Forschung an der Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter der Universitätsmedizin Rostock.
Das Projekt CAN Stop wurde durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert.
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Satz: ARThür Grafik-Design & Kunst, Weimar
Format: EPUB
1. Auflage 2022
© 2022 Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen
(E-Book-ISBN [PDF] 978-3-8409-2594-8; E-Book-ISBN [EPUB] 978-3-8444-2594-9)
ISBN 978-3-8017-2594-5
https://doi.org/10.1026/02594-000
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Einleitung
Teil 1 Grundlagen und Rahmenbedingungen
Kapitel 1 Überblick über das CAN Stop-Gruppentraining
1.1 Ziele und Zielgruppe des CAN Stop-Gruppentrainings
1.2 Überblick über die Sitzungen des CAN Stop-Gruppentrainings
1.3 Die CAN Stop-Studie
Kapitel 2 Theoretische Grundlagen
2.1 Änderungsmotivation und motivierende Gesprächsführung
2.2 Das sozial-kognitive Rückfallmodell
2.3 Phasen der Gruppenbildung und Rollenverteilung
2.4 Cannabiskonsum und Entwicklung im Jugendalter
2.5 Stressbewältigung und Cannabiskonsum
Kapitel 3 Was Sie über Cannabis wissen sollten
3.1 Die Pflanze
3.2 Konsum und Verbreitung
3.3 Wirkung
3.4 Cannabis und das Gehirn
3.5 Risiken und Folgen des Cannabiskonsums
3.6 Cannabiskonsumstörung/Schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit
3.7 Rechtliche Situation
3.8 Cannabis und Alkohol
Kapitel 4 Trainerhaltung und Interaktion
4.1 Vertrauen schaffen
4.2 Feedback geben und annehmen
4.3 Motivation fördern
4.4 Umgang mit schwierigen Situationen
4.5 Umgang mit gleichzeitigem Alkoholkonsum und/oder Nikotinkonsum
4.6 Schweigepflicht und mögliche Dilemmata
Kapitel 5 Rahmenbedingungen für eine gelungene Umsetzung
5.1 Gruppengröße und Gruppenzusammensetzung
5.2 Umfang und Frequenz der Sitzungen
5.3 Unterschiede zwischen ambulanten und stationären CAN Stop-Gruppen
5.4 Struktur der einzelnen Sitzungen
5.5 Voraussetzungen, Gestaltung und notwendige Ausstattung
5.6 Die „goldenen“ CAN Stop-Regeln
Teil 2 Das CAN Stop-Trainingsmanual
Kapitel 6 Die acht Sitzungen des CAN Stop-Gruppentrainings – ambulante Gruppen
6.1 Sitzung 1: You CAN Stop!
6.1.1 Begrüßung der Teilnehmenden und kurzer Überblick
6.1.2 Namensrunde
6.1.3 Einführung in die Signalkarten
6.1.4 Einführung der Gruppenregeln
6.1.5 Kennenlernrunde
6.1.6 Einführung in das CAN Stop-Konsumprotokoll + Wandposter
6.1.7 Vier-Felder-Schema: Abstinenz und Konsum
6.1.8 Konsumprotokoll und Signalkarten
6.2 Sitzung 2: Wissen ist Macht
6.2.1 Begrüßung der Teilnehmenden, Anzeigen der Stimmungslage und kurzer Überblick über die Sitzung
6.2.2 Kurzauswertung Konsumprotokoll und Wandposter
6.2.3 Cannabis-Quiz
6.2.4 Wissensvermittlung: Cannabis im Gehirn
6.2.5 Abhängigkeitsentwicklung
6.2.6 Lieblingsmusik, Signalkarten und Gruppenbewertung
6.3 Sitzung 3: Finde Deine Stärken!
6.3.1 Begrüßung, Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
6.3.2 Besprechung der Konsumprotokolle
6.3.3 Komplimentenrunde
6.3.4 Übung „(M)eine Stärke ist …“
6.3.5 Übung „Reise zu meinen Stärken: Wer kann was?“
6.3.6 Arbeitsblatt „Ich kenne meine Stärken“
6.3.7 Signalkarten und Gruppenbewertung
6.4 Sitzung 4: Express your emotions!
6.4.1 Begrüßung, Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
6.4.2 Pantomimische Darstellung von Gefühlen
6.4.3 Psychoedukation: Stress und Gefühle
6.4.4 Sammeln von Konsumsituationen und Gefühlen
6.4.5 Aktivierungsübung: Gemeinsam Aufstehen
6.4.6 Flaschendrehen: Strategien zum Ausdruck und Umgang mit Gefühlen
6.4.7 Arbeitsblatt „Meine Strategien im Umgang mit Gefühlen und Stress“
6.4.8 Freizeitsymbole, Signalkarten und Gruppenbewertung
6.5 Sitzung 5: Konsumiert nicht jeder mal Cannabis?
6.5.1 Begrüßung, Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
6.5.2 Quiz: Konsumiert nicht jeder mal Cannabis?
6.5.3 Cannabiskonsum im eigenen Freundeskreis
6.5.4 Cannabis konsumieren, Peers und Freizeitgestaltung
6.5.5 Abstinente Netzwerke: „Spider’s Web“
6.5.6 Hausaufgabe: Was ist der Plan?
6.5.7 Signalkarten und Gruppenbewertung
6.6 Sitzung 6: Just say ‘No!’
6.6.1 Begrüßung, Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
6.6.2 Besprechung der Hausaufgaben „Was ist der Plan?“
6.6.3 Soziale Versuchungssituationen und sozialer Druck
6.6.4 Spontanes Reagieren
6.6.5 Sammeln der hilfreichen Strategien und Eintrag auf das Arbeitsblatt „Just say ‘No!’“
6.6.6 Jam Session
6.6.7 Signalkarten und Gruppenbewertung
6.7 Sitzung 7: Rückfallmanagement
6.7.1 Begrüßung. Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
6.7.2 Typische Konsum-/Risikosituationen
6.7.3 „Engelchen-Teufelchen“-Dialoge – Einführung
6.7.4 „Engelchen-Teufelchen“-Dialoge – Umsetzung
6.7.5 Arbeitsblatt „Umgang mit Risikosituationen und Craving“
6.7.6 Hausaufgaben
6.7.7 Signalkarten und Gruppenbewertung
6.8 Sitzung 8: Emergency and Goodbye
6.8.1 Begrüßung, Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
6.8.2 Auswertung der Hausaufgaben
6.8.3 Einführung Notfallkoffer, Sammeln der Strategien am vorbereiteten Flipchart
6.8.4 Notfallkoffer erstellen
6.8.5 Rückmeldungen und Teilnahmezertifikate
6.8.6 Signalkarten und Gruppenbewertung
Kapitel 7 Die acht Sitzungen des CAN Stop-Gruppentrainings – stationäre Gruppen
7.1 Sitzung 1: You CAN Stop!
7.1.1 Begrüßung der Teilnehmenden und kurzer Überblick
7.1.2 Namensrunde
7.1.3 Einführung in die Signalkarten
7.1.4 Einführung der Gruppenregeln
7.1.5 Kennenlernrunde
7.1.6 Einführung in das CAN Stop-Suchtdruckprotokoll + Wandposter
7.1.7 Vier-Felder-Schema: Abstinenz und Konsum
7.1.8 Suchtdruckprotokoll und Signalkarten
7.2 Sitzung 2: Wissen ist Macht
7.2.1 Begrüßung der Teilnehmenden, Anzeigen der Stimmungslage und kurzer Überblick über die Sitzung
7.2.2 Kurzauswertung Suchtdruckprotokoll und Wandposter
7.2.3 Cannabis-Quiz
7.2.4 Wissensvermittlung: Cannabis und Gehirn
7.2.5 Abhängigkeitsentwicklung
7.2.6 Lieblingsmusik, Signalkarten und Gruppenbewertung
7.3 Sitzung 3: Finde Deine Stärken!
7.3.1 Begrüßung, Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
7.3.2 Besprechung der Suchtdruckprotokolle
7.3.3 Komplimentenrunde
7.3.4 Übung „(M)eine Stärke ist …“
7.3.5 Übung „Reise zu meinen Stärken: Wer kann was?“
7.3.6 Arbeitsblatt „Ich kenne meine Stärken“
7.3.7 Signalkarten und Gruppenbewertung
7.4 Sitzung 4: Express your emotions!
7.4.1 Begrüßung, Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
7.4.2 Pantomimische Darstellung von Gefühlen
7.4.3 Psychoedukation: Stress und Gefühle
7.4.4 Sammeln von Konsumsituationen und Gefühlen
7.4.5 Aktivierungsübung: Gemeinsam Aufstehen
7.4.6 Flaschendrehen: Strategien zum Ausdruck und Umgang mit Gefühlen
7.4.7 Arbeitsblatt „Meine Strategien im Umgang mit Gefühlen und Stress“
7.4.8 Freizeitsymbole, Signalkarten und Gruppenbewertung
7.5 Sitzung 5: Konsumiert nicht jeder mal Cannabis?
7.5.1 Begrüßung, Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
7.5.2 Quiz: Konsumiert nicht jeder mal Cannabis?
7.5.3 Cannabiskonsum im eigenen Freundeskreis
7.5.4 Cannabiskonsum, Peers und Freizeitgestaltung
7.5.5 Abstinente Netzwerke: „Spider’s Web“
7.5.6 Hausaufgabe: Was ist der Plan?
7.5.7 Signalkarten und Gruppenbewertung
7.6 Sitzung 6: Just say ‘No!’
7.6.1 Begrüßung, Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
7.6.2 Soziale Versuchungssituationen und sozialer Druck
7.6.3 Spontanes Reagieren
7.6.4 Sammeln der hilfreichen Strategien und Eintrag auf das Arbeitsblatt „Just say ‘No!’“
7.6.5 Jam Session
7.6.6 Signalkarten und Gruppenbewertung
7.7 Sitzung 7: Rückfallmanagement
7.7.1 Begrüßung, Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
7.7.2 Typische Konsum-/Risikosituationen
7.7.3 „Engelchen-Teufelchen“-Dialoge – Einführung
7.7.4 „Engelchen-Teufelchen“-Dialoge – Umsetzung
7.7.5 Arbeitsblatt „Umgang mit Risikosituationen und Craving“
7.7.6 Hausaufgaben
7.7.7 Signalkarten und Gruppenbewertung
7.8 Sitzung 8: Emergency and Goodbye
7.8.1 Begrüßung, Signalkarten, kurzer Überblick über die Sitzung und Wandposter
7.8.2 Auswertung der Hausaufgaben
7.8.3 Einführung Notfallkoffer, Sammeln der Strategien am vorbereiteten Flipchart
7.8.4 Notfallkoffer erstellen
7.8.5 Rückmeldungen und Teilnahmezertifikat
7.8.6 Signalkarten und Gruppenbewertung
Literatur
Anhang
Hinweise zu den Online-Materialien
Mit dem Programm „CAN Stop“ ist ein neues Gruppentraining für junge Cannabiskonsumenten1 im Alter zwischen 14 und 21 Jahren entstanden. Es unterstützt sie darin, den eigenen Cannabiskonsum zu überdenken und eine Veränderungsmotivation zu entwickeln. Das Ziel des Programms ist, dass die Teilnehmenden ihren Cannabiskonsum entweder reduzieren oder dauerhaft beenden.
Im Bundesmodellprojekt CAN Stop2 wurde die Wirksamkeit von CAN Stop an über 300 Probanden wissenschaftlich evaluiert. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass Teilnehmende am CAN Stop Programm ihren Cannabiskonsum reduzieren. Das Besondere an diesem Training ist, dass es auch durch sogenannte „Laientrainer“ durchgeführt werden kann. Anders als bei anderen einschlägigen Interventionen müssen Can Stop-Trainer also weder therapeutische Vorkenntnisse noch einen bestimmten beruflichen oder ausbildungsbezogenen Hintergrund haben. Wichtig ist allein, dass sie im Kontakt mit jungen Cannabiskonsumenten stehen und die Zielrichtung des Trainings teilen. Diese Niedrigschwelligkeit hat mehrere Vorteile: CAN Stop kann flexibel und kostensparend in verschiedenen Settings durchgeführt werden, in denen sich unsere Zielgruppe aufhält. Ein Setting ist ein spezifischer Kontext, in dem Trainer und Konsumenten einander begegnen: das können stationäre Einrichtungen der Jugendhilfe, Bildungseinrichtungen, Einrichtungen des medizinischen Hilfesystems oder der Justiz sein. Die Durchführung von CAN Stop ist nicht notwendigerweise an die Anwesenheit bestimmter Fachkräfte (z. B. Psychologen, Ärzte) gekoppelt. Damit verbindet es Vorteile aufsuchender Arbeit mit denen individualisierter Prävention (Reis, 2012). Sei es Personal aus der Krankenpflege, seien es Mitarbeiter im pädagogischen oder sozialpädagogischen Dienst, ehrenamtliche Laien oder Justizvollzugsbeamte – sie alle haben das CAN Stop-Training schon erfolgreich durchgeführt.
Das vorliegende Manual richtet sich an Personen, die das CAN Stop-Training durchführen möchten. Diese sollten außerdem gewillt sein, sich für einen Tag darin schulen zu lassen (Informationen zu Schulungen finden Sie unter www.dzskj.de). Bei ausreichender Manualtreue werden die CAN Stop-Trainer damit befähigt, das Gruppentraining in sehr guter Qualität durchzuführen. Das Manual dient darüber hinaus als Ratgeber bei auftretenden Schwierigkeiten im Trainingsverlauf. Wir haben das Manual sehr genau ausgearbeitet. Damit ist es möglich, CAN Stop „nah am Original“ anzubieten, sodass es den Bedingungen der zuvor durchgeführten Evaluationsstudie entspricht. Nur mit dieser Manualtreue kann davon ausgegangen werden, dass sich die wissenschaftlich erwiesenen Erfolge des Programms auch einstellen werden.
Das CAN Stop Manual ist in zwei Hauptteile unterteilt. Teil Eins bietet Hintergrundinformationen zum Programm, Teil Zwei seine Inhalte. Daneben enthält das Manual einen umfangreichen Anhang mit Arbeitsmaterialien. Da das Risikomanagement in verschiedenen Settings unterschiedlich sein kann, z. B. was den Zugang zu Cannabis angeht, haben wir zwei Varianten des Programms erarbeitet. Es gibt eine Variante für stationäre Gruppen und eine Variante für ambulante Gruppen.
In Teil 1 finden Sie Hintergrundinformationen zum Programm:
Informationen zum CAN Stop Programm und zur CAN Stop-Studie
Theoretische Grundlagen des Trainings
|10|Wissen zur Wirkungsweise von Cannabis
Wissen zum Umgang mit Cannabis konsumierenden Jugendlichen
Rahmenbedingungen und Gestaltung der Gruppeninteraktion durch die Trainer
In Teil 2 finden Sie Informationen zur Durchführung des CAN Stop-Trainings:
Durchführung der acht CAN Stop Sitzungen für ambulante Gruppen
Durchführung der acht CAN Stop Sitzungen für stationäre Gruppen
Das CAN Stop-Training erhebt den Anspruch, ohne eine therapeutische Vorbildung oder -erfahrung durchführbar zu sein. Deshalb sollen in den ersten Kapiteln dieses Buches Basiswissen und -fertigkeiten vermittelt werden. Oft verfügen potenzielle Trainer in verschiedenen Settings über unterschiedlich viel Wissen. Es ist also möglich, dass Sie bereits über die hier dargestellten Grundlagen verfügen. Doch auch in diesem Fall empfehlen wir, die ersten Kapitel sorgfältig durchzuarbeiten. Die dort enthaltenen Hinweise zur therapeutischen Haltung, zum Umgang mit Widerständen oder zum Hintergrundwissen über Cannabis sind unverzichtbar, um das CAN Stop-Training erfolgreich durchzuführen.
Grundsätzlich kann fast jeder CAN Stop-Trainer werden (Weymann et al., 2011). Folgende Grundbedingungen sollten jedoch erfüllt werden:
Wir halten Cannabiskonsum von jungen Menschen – insbesondere von Minderjährigen – für gefährlich und gesundheitsschädigend. Deshalb betrachten wir Cannabisabstinenz als das anzustrebende Ziel. Jeder Schritt von Teilnehmenden in diese Richtung sollte als Fortschritt gewürdigt werden.
Ein Studien- oder therapeutischer Abschluss ist nicht erforderlich, aber Sie sollten bereit sein, sich fortlaufend, d. h. über dieses Manual hinaus, Fakten und neueste Erkenntnisse über Cannabis anzueignen und diese jugendgerecht zu vermitteln.
Sie sollten bereit sein, sich mit Jugendlichen auseinanderzusetzen. Dafür will Ihnen dieses Manual einige Techniken und Hilfestellungen an die Hand geben.
Sie sollten nicht erwarten, dass die Jugendlichen sich durch und nach CAN Stop sofort ändern – Veränderungen brauchen Zeit und Geduld.
Allen zukünftigen Can Stop-Trainern wünschen wir viel Spaß und Freude bei der Lektüre und der Umsetzung des Manuals.
Um die Lesbarkeit des Manuals zu erhöhen, wird auf die simultane Nennung der weiblichen und männlichen Form verzichtet. Wir sprechen wenn möglich meist von „Teilnehmenden“, aber auch von „Trainern“ und „Cannabiskonsumenten“. Damit sind jeweils alle Menschen gemeint.
Das Projekt CAN Stop wurde von Februar 2008 bis Dezember 2011 gefördert (Förderkennzeichen BMG-IIA5 - 2507DSN209).
Entwickelt wurde das CAN Stop-Training für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 21 Jahren mit problematischem Cannabiskonsum. Was ist darunter zu verstehen? Für die Teilnahme am Training gilt: Der Konsum wird dann als problematisch verstanden, wenn ihn eine Bezugsperson, eine andere relevante Person oder Teilnehmende selbst aus irgendeinem Grund für problematisch hält. Das kann aus aus folgenden Gründen der Fall sein:
Durch den Cannabiskonsum werden wichtige Pflichten bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause vernachlässigt.
Cannabis wird häufig und/oder in größeren Mengen konsumiert.
Vorherige Kontroll- oder Konsumreduktionsversuche sind fehlgeschlagen.
Die konsumierte Cannabismenge muss gesteigert werden, um die gewünschte Wirkung weiterhin zu erzielen.
Bei Konsumverzicht treten Symptome wie Nervosität, Ein- oder Durchschlafprobleme, Anspannung, Angst oder depressive Verstimmungen auf.
Freundschaften und Freizeitaktivitäten werden wegen des Cannabiskonsums aufgegeben oder eingeschränkt.
Es mag noch andere Gründe geben, den Cannabiskonsum für „problematisch“ zu halten. Häufig liegt das Motiv für die Teilnahme an CAN Stop gar nicht beim Teilnehmenden selbst, sondern beim Partner, den Eltern oder gerichtlichen Auflagen. Auch wenn jemand an CAN Stop nur teilnimmt, weil er sich von anderen gedrängt fühlt, handelt es sich um „problematischen“ Konsum, denn der Konsum belastet mindestens die Beziehung zum Partner oder zu den Eltern oder führte zu Problemen mit Polizei und Justiz. CAN Stop richtet sich jedoch nicht an junge Menschen, die neben Cannabis noch andere illegale Drogen konsumieren und deren Hauptproblem dabei eine andere illegale Droge als Cannabis ist.
Das übergeordnete Ziel des Gruppentrainings „CAN Stop“ wurde bereits benannt: Die Teilnehmenden sollen ihren Cannabiskonsum reduzieren oder dauerhaft beenden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden folgende Unterziele festgelegt:
Stärkung der Motivation für die Teilnahme am Kurs
Offenlegung von kurzfristigen Vorteilen und langfristigen Nachteilen des Konsums in der Lebenswelt der Teilnehmenden
Distanzierung von bisherigen Konsummustern
Entwicklung einer Motivation zum Konsumverzicht
Verbesserung der Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden
Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegenüber konsumierenden Freunden
Vermittlung von Methoden zur Aufrechterhaltung der erreichten Ergebnisse nach dem Training
Die Erreichung eines Unterzieles macht das Erreichen weiterer Unterziele wahrscheinlicher. Anders gesagt: alle Ziele hängen miteinander zusammen. Wer mit seinen Gefühlen besser umgehen kann, wird auch unabhängiger von seinen Freunden sein. Wer unabhängiger von seinen Freunden ist, wird eher „Nein“ sagen können. Wer „Nein“ zum Konsum sagen kann, wird nicht so schnell wieder rückfällig.
Unterziele sind verschieden, je nachdem, ob CAN Stop im stationären, „geschlossenen“ Setting (Kliniken, stationäre Jugend- und Suchthilfeeinrichtungen und Jugendstrafanstalten) durchgeführt wird, wo zumeist ein allgemeines Konsumverbot gilt, oder die Teilnehmenden schon abstinent sind. In solchen und ähnlichen Fällen müssen einzelne Unterziele neu gewichtet werden, und es bedarf einer Modifikation im Manual. In ambulanten Gruppen in „offenen“ Settings (z. B. Jugendclubs, ambulante Suchtberatung), |14|in denen die Teilnehmenden in der Regel noch konsumieren, geht es darum, den Konsum über das ganze Training hinweg zu beobachten und zu verändern. Im stationären Kontext steht der Umgang mit Suchtdruck, mit Abstinenz und der Aufrechterhaltung der Abstinenz bei gleichzeitigem Zuwachs von persönlichen Freiheiten im Vordergrund. Die beiden unterschiedlichen Varianten des CAN Stop Manuals finden sich in Kapitel 6 (CAN Stop für ambulante Gruppen bzw. offene Settings) und Kapitel 7 (CAN Stop für stationäre Gruppen bzw. geschlossene Settings). Im folgenden werden zunächst die Inhalte der einzelnen Gruppensitzungen im Überblick vorgestellt.
Die Inhalte der acht Gruppensitzungen sind auf die Ziele des Programms abgestimmt. Sie werden im Folgenden beschrieben.
Sitzung 1:You CAN Stop!
In der ersten Sitzung bekommen die Teilnehmenden einen Einblick in das CAN Stop-Gruppentraining. Der Trainer informiert über den Ablauf des Trainings und die Gruppenregeln. Es folgt ein erstes Kennenlernen und gegenseitiges Vorstellen der Teilnehmenden untereinander, mit dem Ziel der Schaffung einer vertrauensvollen Atmosphäre. Das CAN Stop-Konsumprotokoll, in dem die Teilnehmenden regelmäßig während des gesamten Trainings ihr Cannabiskonsumverhalten bzw. ihren Cannabissuchtdruck dokumentieren, wird eingeführt und mithilfe von Beispielen erläutert. Im zweiten Teil der Sitzung werden die Teilnehmenden dazu angeregt, sich mit den Vor- und Nachteilen der Abstinenz und ihres Cannabiskonsums auseinanderzusetzen.
Sitzung 2: Wissen ist Macht
In der zweiten Sitzung geht es um Informationsvermittlung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Auswirkungen von Cannabiskonsum auf das Gehirn sowie auf gesundheitlichen Risiken. Die Teilnehmenden bearbeiten einen Quizbogen mit 15 Fragen, u. a. zu Herkunft, Wirksubstanz, Wirkungsweise, Wirkung in Abhängigkeit von Konsumart, Abhängigkeit, gesundheitlichen Folgen, Nachweisbarkeit, Auslösung von Psychosen und zur rechtlichen Situation. Anhand von Bildern und jugendgerechten Erklärungen mit Beispielen erhalten die Teilnehmenden Informationen zum sogenannten Belohnungssystem und den Auswirkungen von Cannabis auf Prozesse im Gehirn. Des Weiteren erarbeiten die Teilnehmenden die Kriterien der Cannabisabhängigkeit und schätzen anhand einer Skala ihren eigenen Konsum als „unproblematisch“, „missbräuchlich“ oder „abhängig“ ein.
Sitzung 3: Finde Deine Stärken!
In der dritten Sitzung werden zuvor eingeführte Konsum- bzw Suchtdruckprotokolle ausführlich ausgewertet und besprochen. Erste Erfolge in Bezug auf eine Konsumreduktion werden ggf. positiv vermerkt. Der weitere Schwerpunkt der Sitzung liegt in der Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken, die zu einer Konsumreduktion bzw. -abstinenz unterstützend genutzt werden können. Alle Teilnehmenden werden dazu angeleitet, spielerisch eigene Stärken zu entdecken und Ressourcen (wieder) zu aktivieren. Ziel ist es, ein positives Selbstbild zu fördern und eine Stärkung des Selbstvertrauens zu erreichen.
Sitzung 4: Express your emotions!
In der vierten Sitzung geht es um eine Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit dem Thema „Gefühle und Stress“. Schwierigkeiten im Umgang mit den eigenen Gefühlen und Stress stellen häufig Auslöser für den Konsum dar. Die Teilnehmenden werden dazu angehalten, eigene Konsumsituationen besser kennenzulernen und einen Zusammenhang zwischen ihrem Suchtmittelkonsum und ihrem Umgang mit Gefühlen zu erkennen. Im zweiten Teil der Sitzung erarbeiten die Teilnehmenden gemeinsam in der Gruppe alternative Strategien im Umgang mit Emotionen. Dabei sollen alle Teilnehmende für sich passende Strategien entdecken und umsetzen.
Sitzung 5: Konsumiert nicht jeder mal Cannabis?
In der fünften Sitzung geht es zunächst um die Erkenntnis, dass auch in der Altersgruppe der Teilnehmenden regelmäßige Cannabiskonsumenten in der Minderheit sind, Cannabiskonsum also nicht „normal“ ist. Im Anschluss wird das soziale Umfeld der Teilnehmenden thematisiert. Dabei reflektieren die Teilnehmenden insbesondere die Wechselwirkung zwischen Freundesgruppen, evtl. Partnerschaften und Konsum. Abstinente Kontakte und cannabisunabhängige Interessen werden ge|15|würdigt und gefördert. Dabei werden mit Unterstützung der Gruppe konkrete Schritte zur (Wieder-)Aufnahme dieser Kontakte und Interessen unternommen.
Sitzung 6: Just say ‘No’!
In der sechsten Sitzung liegt der Schwerpunkt auf sozialen Verführungssituationen und den dazugehörigen Abgrenzungsstrategien („Nein“ sagen können). Die Teilnehmenden arbeiten ihre individuellen sozialen Verführungssituationen für Cannabiskonsum heraus. Ziel ist, dass alle Teilnehmenden ein Gespür dafür gewinnen, in welchen sozialen Situationen sie gefährdet sind zu konsumieren. Auf dieser Grundlage werden Strategien entwickelt, soziale Verführungssituationen zu umgehen bzw. den Konsum direkt im Kontakt mit konsumierenden Peers abzulehnen.
Sitzung 7: Rückfallmanagement
Ziel der siebten Sitzung ist die Auseinandersetzung mit Vorboten bzw. Frühwarnzeichen eines erneuten Cannabiskonsums. Die Teilnehmenden erforschen ihre individuellen Konsum- und Risikosituationen, ordnen sie verschiedenen Risikobereichen zu und bewerten individuell ihre Risikothemen. Die Teilnehmenden erfahren mithilfe der Metapher „Engelchen-Teufelchen“-Dialog und einem Rollenspiel die Zusammenhänge zwischen Gedanken und erneutem Cannabiskonsum. Spielerisch werden kognitive und verhaltensorientierte Strategien für die Bewältigung von zukünftigen Risikosituationen erarbeitet.
Sitzung 8: Emergency and Goodbye
In der achten Sitzung stehen die Festigung der bisher erlernten Strategien und die Erarbeitung eines Notfallplans im Vordergrund. Der Unterschied zwischen einem „Ausrutscher“ und einem „Rückfall“ wird vermittelt. Die Teilnehmenden überlegen sich mögliche Belohnungen für eine zukünftige Abstinenz und verknüpfen ihre Abstinenzwünsche bzw. Reduktionswünsche mit einem konkreten Symbol. Schließlich gestalten die Teilnehmenden einen individuellen „Notfallkoffer“ mit Bewältigungsstrategien für Risiko- und Rückfallsituationen und Gründen für die zukünftige Abstinenz oder Konsumreduktion. Zum Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Teilnahmezertifikat.
Von Februar 2008 bis August 2011 wurde das hier vorgestellte Programm im Projekt „CAN Stop: Psychoedukation und Rückfallprävention für junge Menschen mit problematischem Cannabiskonsum – Entwicklung und Evalutation eines Gruppenbehandlungsprogamms“ am DZSKJ (Deutsches Zentrum für Suchtfragen im Kindes- und Jugendalter am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) und der Universität Rostock (Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter der Universität Rostock) entwickelt und evaluiert. Die Studie wurde durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert (Förderkennzeichen BMG-IIA5-2507DSN209) und von den Ethikkommissionen der Universität Hamburg und der Universität Rostock geprüft und genehmigt. Es sollte ein wirksames und praxisnahes und dabei manualisiertes Gruppentraining speziell für Jugendliche und junge Erwachsene mit problematischem Cannabiskonsum entstehen. Im Gegensatz zu anderen therapeutisch orientierten Programmen sollte es auch in niedrigschwellig erreichbaren Einrichtungen der Jugend- und Suchthilfe einsetzbar sein, einfach und ökonomisch auch von Nicht-Therapeuten – sogenannten Laientrainern – durchführbar sein, um möglichst viele Adressaten möglichst früh kostengünstig zu erreichen. Die verhaltenstherapeutisch orientierten Interventionen und psychoedukativen Inhalte wurden speziell auf Cannabis konsumierende Jugendliche zugeschnitten und so gestaltet, dass sie auch von Trainern ohne therapeutische Ausbildung eingesetzt werden können.
Das Forschungsdesign entspricht einer multizentrischen, kontrollierten Prä-Post-Katamnese-Untersuchung in einem naturalistischen Längsschnittdesign (Baldus, Miranda, Weymann, Reis, Moré & Thomasius, 2011). Dabei wurden Daten von jungen Cannabiskonsumenten erhoben, die das CAN Stop Gruppentraining zusätzlich zu der sonst in der jeweiligen Einrichtung üblichen Behandlung bzw. Betreuung („treatment as usual“, TAU) erhielten. Diese wurden mit Kontrolldaten verglichen, die von Cannabiskonsumenten stammten, die ausschließlich mit TAU behandelt wurden. Untersucht wurden demnach die zusätzlichen Effekte des CAN Stop Gruppentrainings. Um die Frage zu klären, ob das Training in verschiedenen Settings anwendbar ist, wurde es in der ambulanten Jugend- und Suchthilfe, einem ambulanten medizinischen Setting, einem stationären medizinisches Setting und in Jugendstrafanstalten evaluiert.
|16|Nach Überprüfung der Einschlusskriterien (u. a. Alter zwischen 14 und 21 Jahren, vorhergehender regelmäßiger, als problematisch eingestufter Cannabiskonsum und eine Bereitschaft der Teilnehmenden, ihren Konsum kritisch zu überdenken) und Ausschlusskriterien (Vorliegen einer akuten Psychose oder akute Suizidalität) wurden 336 Probanden in die Studie aufgenommen. Sie wurden einer der zwei Studienbedingungen zugeordnet: dem standardisierten CAN Stop Gruppentraining (n = 159) oder der Treatment-as-usual-Gruppe (n = 147). Die Evaluation erfolgte zu drei Messzeitpunkten: Die erste Messung fand vor dem Gruppentraining statt (t0; entspricht der Messung „Prä“), die zweite Messung unmittelbar nach dem Gruppentraining (t1, entspricht der Messung „Post“), d. h. 8 – 10 Wochen nach t0. Die dritte und letzte Messung durchliefen die Studienteilnehmenden sechs Monate nach Ende des Gruppentrainings (t2, entspricht der Katamnese). In analogen Zeitabständen wurden die Probanden der Kontrollgruppe befragt. Schließlich wurde statistisch geprüft, ob das zusätzliche CAN Stop-Training den üblichen Regimes überlegen war. Dafür wurde Zielkriterien festgelegt, nach denen beide Gruppen verglichen wurden. Darüber hinaus wurde die Zufriedenheit der Teilnehmenden mit dem Gruppentrainings sowie die Akzeptanz von CAN Stop nach Abschluss des Gruppentrainings erhoben.
Sowohl die Datensammlung als auch die Durchführung des CAN Stop-Trainings wurden von Einrichtungen, die regelhaft in Kontakt mit Jugendlichen mit problematischem Cannabiskonsum standen, durchgeführt. In einem ersten Schritt wurden die Einrichtungen über das Vorhaben informiert und erhielten eine detaillierte Anweisung zum Modus der Datenerhebung. Die Can Stop-Trainer waren Mitarbeitende der kontaktierten Einrichtungen und erhielten eine eintägige Schulung im CAN Stop-Training, sofern die Einrichtung der Trainingsgruppe zugelost worden war. Für die Durchführung wurde keine therapeutische Ausbildung oder ein Hochschulabschluss verlangt. Es konnten insgesamt 40 Kooperationseinrichtungen in 11 Bundesländern (Bremen, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig Holstein, Thüringen) gefunden werden, die mal CAN und/oder mal TAU durchführten.
Alle Interessenten, die über Flyer oder Mitarbeiter teilnehmender Einrichtungen angesprochen wurden, wurden vor der Teilnahme über die Inhalte und Ziele der Studie durch die Mitarbeiter der Einrichtungen aufgeklärt. Es wurde ihr schriftliches Einverständnis zur Teilnahme eingeholt. Bei minderjährigen Studienteilnehmenden wurden darüber hinaus die Sorgeberechtigten aufgeklärt, die ebenfalls schriftlich ihr Einverständnis zur Studienteilnahme erteilen mussten.
Nach Entwicklung des CAN Stop Manuals wurde im November/Dezember 2008 im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf zunächst eine Pilotgruppe zur Überprüfung der Umsetzbarkeit durchgeführt. Anschließend erfolgte die erste Datenerhebung mittels verschiedener Diagnoseverfahren. Mithilfe eines standardisierten Interviews wurden soziodemografische Daten der Studienteilnehmenden erhoben und mithilfe eines Screening-Fragebogens akut psychotische Symptome sowie Suizidalität erfasst (Prüfung des Ausschlusskriteriums akute Psychose und akute Suizidalität). Danach wurden alle Probanden mithilfe eines Selbstauskunftsbogens zur Drogenanamnese (in Anlehnung an die Dokumentationsstandards der DG-Sucht) befragt und darüber hinaus mittels verschiedener Fragebögen zur Schwere der Abhängigkeit von Cannabis (Severty of Dependence Scale; Gossop, Darke, Griffiths, Hando, Powis, Hall & Strang, 1995), zu allgemeinen psychosozialen Problemen (Youth Self Report bzw. Young Adult Self-Report; Arbeitsgruppe Deutsche Child Behaviour Checklist, 1998), zu Wirkerwartungen in Hinblick auf Cannabis (Comprehensive Cannabis Expectancy Questionaire; Jäschke, 2006), zur Beziehung zu Peers (Unterskala Freunde des Kiddo-Kindl; Ravens-Sieberer, 2001), zu Familienbeziehungen (Familienbogen-Selbstbeurteilungsbogen; Cierpka & Frevert, 1994), zur Veränderungsmotivation (Fragebogen zur Erfassung der Veränderungsbereitschaft; Hasler & Buddeberg, 2001; sowie die Zieleskala der Heidelberger Skalen zur Abstinenzzuversicht bzw. Kontrollzuversicht; Körkel, Schindler & Hannig, 2003) und eine selbst erarbeitete Skala zur Peer resistance und zu cannabisbedingten Problemen befragt. Nach Beendigung des Gruppentrainings (bei Studienteilnehmenden der Kontrollbedingung zu einem äquivalenten Zeitpunkt) erfolgte die zweite Datenerhebung und 6 Monate danach die dritte Datenerhebung, bei der die gleichen Erhebungsinstrumente verwendet wurden. Zusätzlich wurden bei der Interventionsgruppe nach den Gruppensitzungen Daten zur Beurteilung derselben erhoben (modifizierter Fragebogen zur Beurteilung der Behandlung; Mattejat & Remschmidt, 1999).
Außerdem wurden die Teilnehmenden des Gruppentrainings im Anschluss an jede einzelne Sitzung gebeten, diese zu beurteilen. Die Beurteilung erfolgte |17|anhand eines selbst entwickelten Skala, deren Abstufung und Beurteilungsrichtung mit Emoticons gekennzeichnet waren. Mit dieser schätzten die Teilnehmenden ihre Zufriedenheit mit der Gruppenstunde ein.
Die Trainer waren aufgefordert, sich genau an das Manual zu halten. Zur Überprüfung der Adhärenz wurden die Gruppensitzungen videografiert. Den Trainern stand telefonisch jederzeit ein Mitarbeitender der zwei Projektzentren für Rückfragen und Supervision zur Verfügung. Um den Einfluss der verschiedenen Can Stop-Trainer auf den Erfolg des Trainings zu kontrollieren, wurden mithilfe von Fragebögen eine Reihe von Trainermerkmalen (Ausbildung, Berufserfahrung, Einstellung zu Cannabis, Kompetenzen, Persönlichkeitseigenschaften) erfasst (Weymann, Baldus, Miranda-Eggers, Moré, Reis, Thomasius & Essien, 2011). Schließlich wurden auch die Trainer nach Beendigung des Gruppentraining um eine Einschätzung des Erfolgs des Trainings mithilfe eines modifizierten Fragebogens zur Behandlungszufriedenheit (Mattejat & Remschmidt, 1999) gebeten.
Es zeigte sich ein signifikanter Rückgang der durchschnittlichen Anzahl der Cannabiskonsumtage während des letzten Monats im Trainingszeitraum (t0 bis t1). Der Rückgang betraf alle Settings und wurde nur in der CAN Stop-Gruppe beoabchtet, in der TAU-Gruppe jedoch nicht. Dieser Effekt wird zu t2 etwas schwächer, der Unterschied zwischen beiden Gruppen ist jedoch nach wie vor statistisch bedeutsam. Das heißt, auch nach dem Ende des Trainings verringern ehemalige CAN Stop-Teilnehmende ihren Konsum stärker als diejenigen Studienteilnehmenden, die TAU durchliefen, wenn man den Konsum zwischen t2 und dem Konsum vor Beginn des Trainings (t0) vergleicht.
CAN Stop-Teilnehmende (n = 159) zeigten sich weiterhin in der in Abbildung 1 dargestellten Abstufung, die mit Emoticons veranschaulicht wurde, insgesamt recht zufrieden.
