Chirurgie beim Kleinsäuger - Dr. Milena Thöle - E-Book

Chirurgie beim Kleinsäuger E-Book

Dr. Milena Thöle

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Beschreibung

Gerüstet von Anästhesie bis Zystotomie Kleinsäuger sind voll im Trend und somit stehen auch Weichteiloperationen regelmäßig auf dem OP-Plan. Das Wissen über chirurgische Eingriffe bei Kaninchen und Meerschweinchen gehört heute zum Repertoire jedes modernen Kleintierpraktikers. Dieser Band der Reihe VET PRAXIS bietet wertvolles prä- intra- und postoperatives Grundlagenwissen sowie professionell aufbereitete und dokumentierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen der wichtigsten weichteilchirurgischen Eingriffe mit vielen Tipps und Tricks für die Praxis. Studenten und Berufsanfänger erhalten so einen anschaulichen Zugang zur Kleinsäugerchirurgie. Aber auch erfahrene Praktiker können sich schnell und unkompliziert über gängige und alternative OP-Techniken sowie mögliche Zugänge im Magen-Darm-, Harn-, und Geschlechtstrakt informieren.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 252

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Milena Thöle | Yvonne Eckert

Chirurgie beim Kleinsäuger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Für Jakob, Julius und Felix Augustus“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de/ abrufbar.

ISBN 978-3-89993-979-8 (print)ISBN 978-3-8426-8966-4 (PDF)ISBN 978-3-8426-9151-3 (EPUB)

AutorinnenDr. med. vet. Milena ThöleFachtierärztin für Heimtiere/KleinsäugerTierklinik PosthausenRothlaker Straße 128870 [email protected]

Dr. med. vet. Yvonne EckertFachtierärztin für Heimtiere/KleinsäugerKlinik für Heimtiere, Reptilien, Zier- und WildvögelStiftung Tierärztliche Hochschule HannoverBünteweg 930559 [email protected]

© 2021 Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte liegen beim Verlag.

Jede Verwertung außerhalb der gesetzlich geregelten Fälle ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt auch für jede Reproduktion von Teilen des Buches. Produkt- und Unternehmensbezeichnungen können markenrechtlich geschützt sein, ohne dass diese im Buch besonders gekennzeichnet sind. Die beschriebenen Eigenschaften und Wirkungsweisen der genannten pharmakologischen Präparate basieren auf den Erfahrungen der Autoren, die größte Sorgfalt darauf verwendet haben, dass alle therapeutischen Angaben dem Wissens- und Forschungsstand zum Zeitpunkt der Drucklegung des Buches entsprechen. Ungeachtet dessen sind bei der Auswahl, Anwendung und Dosierung von Therapien, Medikamenten und anderen Produkten in jedem Fall die den Produkten beigefügten Informationen sowie Fachinformationen der Hersteller zu beachten; im Zweifelsfall ist ein geeigneter Spezialist zu konsultieren. Der Verlag und die Autoren übernehmen keine Haftung für Produkteigenschaften, Lieferhindernisse, fehlerhafte Anwendung oder bei eventuell auftretenden Unfällen und Schadensfällen. Jeder Benutzer ist zur sorgfältigen Prüfung der durchzuführenden Medikation verpflichtet. Für jede Medikation, Dosierung oder Applikation ist der Benutzer verantwortlich.

Projektleitung: Sabine Poppe, HannoverLektorat: Martina Kunze, EhringshausenFotos der Autorinnen: Hauke Thöle (li.) und Christoph Eckert (re.)Umschlaggestaltung und Bildbearbeitung: Jessica Mora-Lara, Hannover

Inhaltsverzeichnis

 

Geleitwort

Vorwort

1Der kleinsäugergeeignete Operationsraum

1.1Chirurgische Instrumente

1.2Geräte und Monitoring

1.3Optische Vergrößerung

1.4Retraktoren

2Präoperatives Management

2.1Anamnese und Allgemeinuntersuchung

2.2Weiterführende Diagnostik

2.2.1Blutentnahme bei Kaninchen und Meerschweinchen

2.3Unterbringung und Akklimatisation

2.4Stabilisation kritischer Patienten

2.4.1Intravenöse Katheter bei Kaninchen und Meerschweinchen

2.5Prämedikation

2.5.1Sedativa

2.5.2Analgetika

2.5.3Anticholinergika

2.5.4Unterstützung des Magen-Darm-Traktes

3Anästhesie und Analgesie

3.1Allgemeinanästhesie

3.1.1Injektionsanästhesie

3.1.2Inhalationsanästhesie

3.1.3Sicherung der Atemwege

3.1.4Lokalanästhesie

3.1.5Intraoperatives Wärmemanagement

3.1.6Intraoperative Flüssigkeitssubstitution

3.1.7Beurteilung der Narkosetiefe

3.1.8Narkoseüberwachung

3.1.9Narkosezwischenfälle

3.1.10Narkoseprotokolle

3.2Analgesie

3.2.1Schmerzerkennung bei Kaninchen und Meerschweinchen

3.2.2Auswirkungen des Schmerzes

3.2.3Analgesie im Rahmen einer Operation

3.2.4Nichtsteroidale Antiphlogistika

3.2.5Metamizol

3.2.6Opioide

4Postoperatives Management

4.1Antagonisierung der Anästhetika und geeignete Unterbringung

4.2Postoperatives Wärmemanagement

4.3Postoperative Therapie

4.4Verzögerte Aufwachphase

5Nahtmaterial und Nahttechniken

5.1Anforderungen an das Nahtmaterial

5.1.1Fadenstärke

5.1.2Fadenmaterialien und -struktur

5.1.3Resorptionsverhalten der Fäden

5.1.4Nadeln

5.2Nahttechniken

5.2.1Einzelknopfhefte

5.2.2Sultansche Diagonalhefte

5.2.3Kürschnernaht

5.2.4Lembertnaht

5.2.5Intrakutannaht

5.3Komplikationen und Wundheilungsstörungen

5.4Alternative Materialien und Verfahren

5.4.1Gewebekleber

5.4.2Hautklammern

5.4.3Metallclips

5.4.4Elektrochirurgie

6Der abdominale Zugang

6.1Vorbereitung des Operationsfeldes

6.2Allgemeine Techniken

6.3Ausführung: Schritt für Schritt

7Der abdominale Situs – Kaninchen

8Der abdominale Situs – Meerschweinchen

9Operationen des Magen-Darm-Traktes

9.1Gastrotomie

9.1.1Indikationen

9.1.2Kontraindikationen

9.1.3OP-Technik – Schritt für Schritt

9.1.4Komplikationen

9.1.5Nachbehandlung

9.2Gastropexie

9.2.1Indikationen

9.2.2Kontraindikationen

9.2.3OP-Technik – Schritt für Schritt

9.2.4Komplikationen

9.2.5Nachbehandlung

9.3Obstruktiver Ileus – Operationstechnik ohne Eröffnung des Darms

9.3.1Indikation zur Operation

9.3.2Kontraindikationen

9.3.3OP-Technik – Schritt für Schritt

9.3.4Komplikationen

9.3.5Nachbehandlung

9.4Enterotomie

9.4.1Indikationen

9.4.2Kontraindikationen

9.4.3OP-Technik – Schritt für Schritt

9.4.4Komplikationen

9.4.5Nachbehandlung

9.5Lobektomie/partielle Hepatektomie

9.5.1Indikationen

9.5.2Kontraindikationen

9.5.3OP-Technik – Schritt für Schritt

9.5.4Komplikationen

9.5.5Nachbehandlung

10Operationen des Harntraktes

10.1Nephrotomie

10.1.1Indikationen

10.1.2Kontraindikationen

10.1.3OP-Technik – Schritt für Schritt

10.1.4Komplikationen

10.1.5Nachbehandlung

10.2Nephr(oureter)ektomie

10.2.1Indikationen

10.2.2Kontraindikationen

10.2.3OP-Technik – Schritt für Schritt

10.2.4Komplikationen

10.2.5Nachbehandlung

10.3Pyelolithotomie/Ureterotomie

10.3.1Indikationen

10.3.2Kontraindikationen

10.3.3OP-Technik – Schritt für Schritt

10.3.4Komplikationen

10.3.5Nachbehandlung

10.4Zystotomie

10.4.1Indikationen

10.4.2Kontraindikationen

10.4.3OP-Technik – Schritt für Schritt

10.4.4Komplikationen

10.4.5Nachbehandlung

10.5Urethrotomie

10.5.1Indikationen

10.5.2Kontraindikationen

10.5.3OP-Technik – Schritt für Schritt

10.5.4Komplikationen

10.5.5Nachbehandlung

11Operationen des Geschlechtstraktes

11.1Ovariohysterektomie beim Kaninchen

11.1.1Indikationen

11.1.2Kontraindikationen

11.1.3Alternativen zur chirurgischen Kastration

11.1.4Alternative Ovariektomie?

11.1.5OP-Technik – Schritt für Schritt

11.1.6Komplikationen

11.1.7Nachbehandlung

11.2Ovariohysterektomie beim Meerschweinchen

11.2.1Indikationen

11.2.2Kontraindikationen

11.2.3Alternativen zur chirurgischen Kastration

11.2.4Vorteile des abdominalen Zugangs gegenüber der Ovariektomie über die Flanke

11.2.5Nachteile des abdominalen Zugangs gegenüber der Ovariektomie über die Flanke

11.2.6OP-Technik – Schritt für Schritt

11.2.7Komplikationen

11.2.8Nachbehandlung

11.3Ovariektomie beim Meerschweinchen über die Flanke

11.3.1Indikationen

11.3.2Kontraindikationen

11.3.3Alternativen zur chirurgischen Kastration

11.3.4Vorteile des Zugangs über die Flanke gegenüber der medianen Laparotomie

11.3.5Nachteile des Zugangs über die Flanke gegenüber der medianen Laparotomie

11.3.6OP-Technik – Schritt für Schritt

11.3.7Komplikationen

11.3.8Nachbehandlung

11.4Kastration männlicher Kaninchen und Meerschweinche

11.4.1Indikationen

11.4.2Kontraindikationen

11.4.3Alternativen zur chirurgischen Kastration

11.4.4Unbedeckte Kastration männlicher Kaninchen

11.4.5Halbbedeckte Kastration bei männlichen Meerschweinchen

11.5Mastektomie

11.5.1Indikationen

11.5.2Kontraindikationen

11.5.3OP-Technik – Schritt für Schritt

11.5.4Komplikationen

11.5.5Nachbehandlung

Anhang

Anamnesebogen

Nachsorgeempfehlung

Literatur

Sachverzeichnis

 

 

 

ZUSATZMATERIAL ONLINE

Die Autorinnen haben einen Anamnesebogen sowie eine Nachsorgeempfehlung für Sie zusammengestellt (s. Anhang). Als Tierärzt*innen oder Student*innen der Tiermedizin können Sie sich unter Vorlage eines entsprechenden Nachweises jederzeit kostenfrei auf www.vetline.de anmelden und beide Dokumente unter folgendem Link als PDF downloaden: www.vetline.de/download_9798_thoele_eckert

Geleitwort

Kleinsäuger erfreuen sich stark zunehmender Beliebtheit in deutschen Haushalten und werden vermehrt in Tierarztpraxen vorgestellt. Kaninchen und Meerschweine werden nicht mehr nur als „Kindertiere“ gehalten, sondern haben neben oder anstelle von Hund und Katze in vielen Familien den Stellenwert eines Familienmitgliedes. Die Erwartungen der Tierhalter an Diagnostik und Operationen gehen inzwischen weit über Impfungen und Kastrationen hinaus. Sie wollen richtige Heimtiermedizin!

Die beiden Autorinnen sind bzw. waren langjährige Mitarbeiterinnen der Heimtierklinik der TiHo Hannover. Diese unter Prof. Michael Fehr 2006 gegründete (und bis dato geleitete) Klinik ist die einzige auf Kleinsäuger, Reptilien und Vögel spezialisierte Uniklinik in Deutschland. Mit dem Umzug 2009 ins neue Klinikum am Bünteweg konnte in dieser modernen Lehrklinik nicht nur die Ausbildung der Studenten in einem der Nachfrage entsprechenden Rahmen aufgebaut werden. Forschung und Lehre wurden weit über die Propädeutik hinaus zeitgemäß und vor allem praxisbezogen ausgebaut. In den vergangenen Jahren ist das Wissen über Krankheiten und die Behandlung unserer Kleinsäugerpatienten explosionsartig gewachsen. Vergleicht man nur mal die Patientenzahlen aus früheren Dissertation mit denen von heute, erkennt man nicht nur den Zuwachs an Erkenntnissen und Therapieformen, sondern auch die große Nachfrage aus der Praxis, von überweisenden Tierärzten und betroffenen Tierhaltern.

Erfreulicherweise ist dieses gesammelte Wissen aber nicht im hochmodernen Elfenbeinturm der TiHo geblieben! Durch Internships konnte interessierten Nachwuchskräften die Möglichkeit zur Spezialisierung auf Kleinsäugermedizin gegeben werden, die Klinik ist Weiterbildungsstätte für die Facharztausbildung und die Zahl der abgeschlossenen Dissertationen spricht für sich. Für mich als Praktiker ist aber an dieser Stelle besonders hervorzuheben, dass nicht zuletzt auch durch das persönliche Engagement der beiden Autorinnen dieser Fundus an Wissen, Techniken und Operationsverfahren an uns Praktiker in zahlreichen Publikationen, auf Kongressen und Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen weitergegeben wurde.

Dieses Buch ist durch seine Praxisnähe nicht nur ein akademisches Druckwerk für den Bücherschrank, sondern ein alltagstaugliches (Verzeihung!) Kochbuch, auf das wir Praktiker lange gewartet haben. Mit detaillierten „Schritt-für-Schritt“-Anweisungen tut sich für den „nachhilfebedürftigen“ Praktiker ein Quell an Fakten und Praxistipps für die tägliche Praxis auf. Nicht nur als Nachschlagewerk für Praxis und Klinik ist dieses Buch wichtig. Es ist auch ein großes medizinisches Vergnügen, dieses gut geschriebene und bebilderte Buch zu lesen! Eine weite Verbreitung in allen Fachkreisen, vor allem aber in den Haustierarztpraxen, ist ihm zu wünschen!

Meschede, im Oktober 2020

Dr. med. vet. Stefan Gabriel, Fachtierarzt für Heimtiere

Vorwort

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

warum auch immer Sie zu diesem Buch gegriffen haben, sei es aus einem großen speziellen Interesse für die Heimtiermedizin heraus oder einfach, weil Heimtiere zu Ihrem Hauptschwerpunkt, der Kleintierpraxis, einfach dazu gehören und Sie diesbezüglich Ihr Wissen erweitern wollen, wir wünschen Ihnen auf jeden Fall viel Freude damit.

Schon zu unserer Studienzeit und auch später während unserer Fachtierarztausbildung fiel uns ein deutlicher Mangel an detaillierter, deutschsprachiger Literatur zum Thema Heimtierchirurgie auf. Nach einigen Jahren in der Heimtiermedizin wuchs in uns daher der Wunsch, anderen interessierten Kolleginnen und Kollegen gängige Operationstechniken bei Kaninchen und Meerschweinchen praxisorientiert zu vermitteln. Mit diesem Buch möchten wir unser erarbeitetes Wissen mit Ihnen teilen und Ihnen die Weichteilchirurgie bei Kaninchen und Meerschweinchen näherbringen.

Der Schwerpunkt des Werkes liegt darauf, verschiedene Weichteiloperationen Schritt für Schritt und mit Praxistipps versehen darzustellen. Auf Symptome, Ätiologien und Möglichkeiten der Diagnostik einzelner Krankheitsbilder wird vor der eigentlichen Operationstechnik näher eingegangen. Außerdem haben wir unter anderem die Grundlagen der Anästhesie und Analgesie, die Vor- und Nachsorge von Operationen, heimtiergeeignete Nahttechniken sowie den abdominalen Situs von Kaninchen und Meerschweinchen zusammengestellt und aufbereitet.

Wir hoffen sehr, dass Ihnen unser Buch im Praxisalltag die Durchführung von Operationen beim Kaninchen und Meerschweinchen erleichtert und Ihnen auch die vielleicht vorhandene Scheu vor der – im Studium doch meist stiefmütterlich behandelten – Heimtiermedizin nimmt. Auch unsere kleinsten Patienten verdienen von uns die bestmögliche tierärztliche Betreuung und wir wünschen uns, mit diesem Werk einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Heimtiermedizin zu leisten.

Danksagung

An dieser Stelle möchten wir uns vor allem bei unseren Ehemännern Hauke und Christoph und unseren Familien für ihre unermüdliche Unterstützung, sei es bei der Korrektur, der Kinderbetreuung oder auch nur durch das Ertragen der endlosen Abende am Schreibtisch, bedanken.

Unser besonderer Dank gilt Prof. Dr. Michael Fehr, Prof. Dr. Sabine Kästner, Dr. Phillip Schmierer, Dr. Lena Carolin Voigt sowie Dr. Stefan Gabriel für ihre fachliche Beratung und konstruktive Kritik an unserem Manuskript. Unseren Kollegen der Klinik für Heimtiere, Reptilien, Zier- und Wildvögel sowie der Tierklinik Posthausen danken wir für ihre Hilfe bei der Abbildungserstellung. Herzlichen Dank auch an das Skills Lab der TiHo für die Bereitstellung der in Kapitel 5 verwendeten Nahtpads. Weiterhin danken wir der Tierklinik Posthausen für die Überlassung der im Buch enthaltenen Röntgen- und Ultraschallbilder.

Vielen Dank an Frau Martina Kunze für die gute Zusammenarbeit und das Lektorieren unseres Manuskriptes. Ein besonders großer Dank gilt Frau Sabine Poppe und der Schlüterschen Verlagsgesellschaft für die wunderbare und herzliche Betreuung während der Entstehungszeit dieses Buches und für die Möglichkeit, mit der Veröffentlichung dieses Werkes einen lang gehegten Traum in Erfüllung gehen zu lassen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!

 

Posthausen und Hannover, im Oktober 2020

Milena Thöle und Yvonne Eckert

1Der kleinsäugergeeignete Operationsraum

 

 

 

 

Aufgrund der geringen Körpergröße von Kaninchen und Meerschweinchen sind zur adäquaten Ausstattung für den kleinsäugergeeigneten Operationsraum (OP) nachfolgende Punkte besonders zu beachten: chirurgische Instrumente, erforderliche Geräte, Monitoring, optische Vergrößerung und der Einsatz von Retraktoren.

1.1Chirurgische Instrumente

Der Großteil der Operationen bei Kaninchen und Meerschweinchen kann mit dem üblicherweise verfügbaren chirurgischen Instrumentarium durchgeführt werden. Kleine chirurgische Instrumente sind zu bevorzugen, z. B. aus der Humanmedizin: Pädiatrie, Ophthalmologie oder Gefäßchirurgie. Spezielle mikrochirurgische Instrumente werden unter entsprechender optischer Vergrößerung benutzt und sind meist optimal für Eingriffe bei Kaninchen und Meerschweinchen geeignet. Nachteile bei Nutzung von mikrochirurgischen Instrumenten sind die hohen Anschaffungskosten und die häufig fehlende Routine bei ihrer Anwendung.

Elektrochirurgische Geräte können zum Schneiden oder zur Blutstillung bei Kleinsäugern zum Einsatz kommen, Drahtelektroden sind zu bevorzugen. Zur Koagulation können vor allem Kugelelektroden oder bipolare Klemmen zur Koagulation einzelner Gefäße verwendet werden (Kap. 5.4.4).

Eingesetzte Gaze und Tupfer sollten klein sein oder entsprechend durch Zuschneiden angepasst werden, damit sie optimal in den kleinen Operationsfeldern genutzt werden können (Abb. 1-1).

Standard-Besteck für Weichteiloperationen bei Kaninchen und Meerschweinchen (Abb. 1-2):

• circa 8 Tuchklemmen zur Befestigung des Abdecktuches (optional), z. B. Backhaus

• Skalpellklingen (z. B. Nr. 15)

• Skalpellgriff

• Metzenbaumscheren klein und mittel

• 1 × Fadenschere gebogen

Abb. 1-1 Beispiele für kleinsäugergeeignete Stieltupfer und Vlies-Wundkompressen unterschiedlicher Größe

Abb. 1-2 Beispiel für kleinsäugergeeignete Instrumente für abdominale Weichteiloperationen: 2 Allis-Gewebefasszangen (1), 2 chirurgische Pinzetten (2), 2 anatomische Pinzetten klein und groß (3), 2 gerade Mosquitoklemmen klein und groß (4), 2 Tuchklemmen nach Jones (5), 1 Knopfsonde (6), 1 scharfer Löffel (7), 1 Metzenbaumschere (8), 1 Fadenschere (9), 1 Skalpellklinge Nr. 15 (10), 1 Skalpellgriff (11), 1 Nadelhalter nach Mayo-Hegar (12)

• 1 × Nadelhalter, z. B. nach Mayo-Hegar

• 1 × Knopfsonde

• 1 × Knopfkanüle

• circa 4 chirurgische und anatomische Pinzetten

• Klemmen, z. B. 6 Mosquitoklemmen gerade und gebogen, 8 Hirschhornklemmen, 1 Pean

• 2 × Gewebefasszangen, z. B. Allis

• 2–3 Darmklemmen

• 2 chirurgische Löffel (klein und mittel)

• Stieltupfer

• Vlies-Wundkompressen

• Sauger

• warme sterile Kochsalz- oder Ringer-Laktat-Lösung; ggf. Behältnis, z. B. sterile Nierenschale

• Nahtmaterial (4/0, 5/0 und 6/0 USP)

1.2Geräte und Monitoring

Zur Überwachung der Patienten sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

• ein beheizbarer Operationstisch, um dem intraoperativen Wärmeverlust entgegenzuwirken. Alternativ können auch verschiedene Wärmematten, Wärmekissen oder Warmwasser-zirkulierende Wärmepads verwendet werden. Generell ist darauf zu achten, den Tierkörper vor direkten Kontakt mit der Wärmequelle zu schützen, um Verbrennungen zu vermeiden (Kap. 3.1.5).

• Spritzenpumpen für die intraoperative intravenöse Flüssigkeitssubstitution, da hiermit auch geringe Volumina dosiert appliziert werden können. Ein Flüssigkeitswärmer ist zudem sinnvoll, damit die Flüssigkeiten angepasst an die Körpertemperatur in den Blutkreislauf gelangen (Kap. 3.1.6).

• Nicht alle kommerziell zu erwerbende Narkoseüberwachungssysteme sind auf die geringe Körpergröße der Patienten abgestimmt. Die genutzten Monitore sollten hohe Herzfrequenzen messen können sowie die Sauerstoffsättigung, den inspiratorischen und exspiratorischen CO2-Gehalt der Atemluft, die Atemfrequenz und die Körperkerntemperatur. Eine indirekte, nichtinvasive Blutdruckmessung ist mit speziellen Geräten auch bei Patienten mit Körpergewichten unter 1 kg möglich (Kap. 3.1.8).

• Bei allen chirurgischen Eingriffen sollte stets auf eine optimale Beleuchtung geachtet werden: Neben einer adäquaten Lichtquelle von oben kann das Operationsfeld durch zusätzliche fokale Lichtquellen und/oder Stirnlampen ausgeleuchtet werden, um Organe, Gefäße und das Gewebe optimal darzustellen.

1.3Optische Vergrößerung

Kaninchen und Meerschweinchen sind sehr kleine Patienten. Dies kann den chirurgischen Eingriff auch für erfahrene Chirurgen erschweren. Abhilfe können hier verschiedene Vergrößerungssysteme schaffen. Vergrößerungslampen aus dem Hobbybedarf sind oft schon günstig zu erwerben, weisen jedoch häufig eine geringe Qualität auf. Im medizinischen Bereich sind Binokularlupen oder Operationsmikroskope von sehr guter Qualität verfügbar. Für Anfänger sollten zunächst 2-fache Vergrößerungen genutzt werden, bevor eine stärkere Vergrößerung (3- bis 5-fach) erfolgt. Der Chirurg sollte mit dem intraoperativen Einsatz von Vergrößerungsgeräten vertraut sein und die nötigen Fähigkeiten für den routinierten Einsatz hierfür besitzen.

1.4Retraktoren

Selbst ein sehr erfahrener chirurgischer Assistent kann die Sicht des Chirurgen auf das Operationsfeld aufgrund der kleinen Körpergröße der Patienten zusätzlich erschweren. Um dies zu verhindern, können verschiedene Retraktoren bei Operationen an Kaninchen und Meerschweinchen eingesetzt werden. Neben kleinen Balfour-Retraktoren aus der Pädiatrie wird häufig der veterinärmedizinische Lone Star Retractor® (Lone Star Medical Products, Stafford, TX USA) genutzt (Abb. 1-3). Hierbei handelt es sich um einen Plastikring, der durch flexible Gummiringe auf die passende Größe und Lokalisation ausgerichtet werden kann. Bei der Anwendung sollte darauf geachtet werden, dass die Haken nicht in allen Gewebetypen zum Einsatz kommen können und dass umliegende Strukturen (z. B. angrenzende Organe oder Blutgefäße) nicht verletzt werden. Insgesamt kann der Einsatz von Retraktoren umliegendes Gewebe aus dem Operationsfeld fernhalten und die abdominale Exploration erleichtern.

Abb. 1-3 Lone Star Retractor® (Lone Star Medical Products, Stafford, TX USA)

2Präoperatives Management

 

 

 

 

2.1Anamnese und Allgemeinuntersuchung

Neben einem genauen Vorbericht (Anamnesebogen im Anhang), sollte vor jedem operativen Eingriff eine gründliche Allgemeinuntersuchung (Tab. 2-1) erfolgen. Besonders wichtig ist dabei die Erhebung des grammgenauen Körpergewichts am Tag der Anästhesie. Nur so können Medikamente und Anästhetika genau dosiert und eventuell tödlich verlaufende Überdosierungen vermieden werden. Vor allem adipöse Tiere können ein erhöhtes Narkoserisiko aufweisen, da bei diesen Patienten Probleme mit der Atmung, der Herzfunktion und dem Stoffwechsel vorliegen können oder sie diese während der Narkose entwickeln können. Auch der Nachschlaf kann bei diesen Tieren aufgrund der Umverteilung der Anästhetika verlängert sein. Die körpergewichtsbezogene Berechnung der Anästhetikadosierung kann beim übergewichtigen Tier eine relative Überdosierung bedeuten und muss daher entsprechend reduziert werden, z.B. indem sie für das geschätzte Idealgewicht des Tieres berechnet wird.

Viele Erkrankungen bei Kaninchen und Meerschweinchen werden von diesen Beutetieren erfolgreich verborgen und auch schwere Krankheitszustände können den Patientenbesitzern ggf. nicht auffallen, was eine gründliche Untersuchung durch den Tierarzt umso bedeutsamer macht. Kaninchen und Meerschweinchen leiden besonders häufig an Erkrankungen des Atmungs- und Verdauungstraktes, weshalb diese Organsysteme besonders sorgfältig untersucht werden sollten. Bei Kaninchen liegt oftmals eine Erkrankung der oberen und unteren Atemwege mit Pasteurella multocida und anderen Keimen vor. Auch Meerschweinchen leiden nicht selten an bakteriellen oder viralen Atemwegsinfekten (Abb. 2-1). Ebenso können raumfordernde intrathorakale Prozesse, wie z.B. Thymome beim Kaninchen, die Lungenfunktion einschränken. Jede Beeinträchtigung des funktionellen Lungengewebes kann während der Anästhesie zu einer respiratorischen Insuffizienz führen und muss daher, wenn möglich, vor einer Operation behandelt werden. Weiterhin reagiert der sensible Magen-Darm-Trakt bei diesen Tieren sehr empfindlich auf Nahrungsentzug (z.B. durch eine krankheitsbedingte Inappetenz) oder auf Schmerzen. Dysbakterien, Tympanien und eine reduzierte Darmmotorik sind nicht selten die Folge. Eine anästhesiebedingte Hypomotilität kann in solchen Fällen die bestehende Problematik noch verschlimmern. Muss die anstehende Operation nicht unmittelbar erfolgen, empfiehlt es sich daher auch hier, den Patienten zunächst zu stabilisieren (z.B. durch Analgetika, durch Eingeben eines geeigneten Nahrungsbreies, durch Prokinetika etc.) und erst nach Besserung der Magen-Darm-Probleme eine Allgemeinanästhesie durchzuführen.

Ziel ist es, die Narkosefähigkeit des Patienten nach erfolgter Allgemeinuntersuchung einzuschätzen und die Besitzer über das vorliegende Narkoserisiko aufzuklären. Eine Einteilung nach den gängigen ASA-Klassifikationen (American Society of Anaesthesiologists) kann auch bei Kaninchen und Meerschweinchen erfolgen. Je nach Krankheitszustand muss der Patient vor einer Anästhesie zunächst stabilisiert und therapiert werden (Kap. 2.4). Bei einigen Erkrankungen ist es zudem sinnvoll, das Narkoseregime individuell auf das erkrankte Tier anzupassen.

Tab. 2-1 Physiologische Befunde einiger ausgewählter Parameter bei Kaninchen und Meerschweinchen (nach Meredith 2014, Pignon und Mayer 2021)

Parameter

Kaninchen

Meerschwein

Hautturgor

Hautfalte verstreicht sofort

Hautfalte verstreicht sofort

Rektale Körpertemperatur

38,5–40,0 °C

37,2–39,5 °C

Herzfrequenz

150–300/min

240–310/min

Atemfrequenz

30–60/min

40–120/min

Kapillarrückfüllungszeit

< 2 Sekunden

< 2 Sekunden

Abb. 2-1 Rechtsanliegendes laterolaterales Röntgenbild eines männlichen Meer­schweinchens (Alter unbekannt) mit Dyspnoe. Die homogene Verschattung des Lungengewebes muss vor einer All­gemeinanästhesie zunächst abgeklärt und ggf. behandelt werden.

Zur ASA-Klassifikation 1 und 2 gehören gesunde Patienten oder Patienten mit einer leichten Allgemeinerkrankung. Bei diesen Tieren ist keine besondere Anpassung des Anästhesieregimes vorzunehmen. In ASA 3 eingeteilte Tiere leiden an einer schweren Allgemeinerkrankung und müssen vor einer Anästhesie stabilisiert werden (z.B. mittels intravenöser Infusionstherapie, Kap. 2.4). Kaninchen und Meerschweinchen, welche in Gruppe ASA 4 und 5 eingeteilt werden, sind so schwer erkrankt, dass eine ständige Lebensbedrohung besteht oder sie sogar ohne Operation als moribund gelten. Neben der Stabilisierung des Patienten (entsprechend ASA 3) sollten die Besitzer über das erhöhte Narkoserisiko umfassend aufgeklärt werden. Bei Kaninchen in ASA-Stufe 3–5 wird das Risiko im Rahmen der Operation zu versterben als ca. 10-mal höher eingeschätzt als bei Kaninchen der ASA Stufe 1–2. Zur ASA-Stufe E zählen Notfallpatienten, z.B. ein Kaninchen mit einer Leberlappentorsion.

2.2Weiterführende Diagnostik

Bei Auffälligkeiten in der Allgemeinuntersuchung ist die Durchführung weiterführender Untersuchungen anzuraten.

Vor allem durch eine Blutuntersuchung (rotes Blutbild, Elektrolyte, klinische Chemie) können viele Erkrankungen beim Heimtier erkannt werden. Leber- oder Nierenerkrankungen sowie Elektrolytverschiebungen und Anämien können das Anästhesierisiko deutlich erhöhen, wenn sie unbehandelt bleiben oder das Anästhesieregime nicht dementsprechend angepasst wird. Eine präoperative Blutuntersuchung ist daher bei jedem Narkosepatienten empfehlenswert, aber vor allem anzuraten bei:

• älteren Tieren

• adipösen Tieren

• Tieren, die viel Körpergewicht verloren haben (Gefahr eines Lipomobilisationssyndroms/Leberversagens)

• Tieren im Schock (Erkennbar u. a. an Dehydratation und Hypothermie)

• bei Urolithiasis

• bei Kaninchen mit bekannter Enzephalitozoon- cuniculi-Infektion (Gefahr einer chronischen Niereninsuffizienz)

Auch röntgenologische und sonografische Untersuchungen können dabei helfen, den Zustand des Patienten zu beurteilen. Vor allem zur Beurteilung des Lungenfeldes und des Magen-Darm-Traktes, zur Diagnose von Metastasen in Lunge oder Knochen sowie zur Urolithiasisdiagnostik ist die röntgenologische Untersuchung gut geeignet. Die Sonografie ist unter anderem zur Beurteilung von Lage, Größe und Struktur intraabdominaler Organe sowie der Herzfunktion sinnvoll. Weiterhin kommen auch bei Meerschweinchen und Kaninchen vermehrt die Computer- sowie die Magnetresonanztomografie zum Einsatz.

2.2.1Blutentnahme bei Kaninchen und Meerschweinchen

Das Blutvolumen der meisten Heimtiere beträgt ca. 60–80 ml Blut pro kg Körpergewicht. Generell sollten niemals mehr als 7–10 % des Blutvolumens, also 4–8 ml Blut pro kg Körpergewicht, entnommen werden. Für die meisten Untersuchungen wird allerdings nur 0,3–1 ml Blut benötigt. Neben der hier dargestellten Blutentnahmetechnik beim Kaninchen aus der A. auricularis medialis ist bei dieser Tierart auch eine Blutentnahme aus der V. saphena lateralis gut möglich.

BENÖTIGTE MATERIALIEN

• Kanülen (21 G, 22 G) mit abgebrochenem Konus

• Rasierer (beim Kaninchen meist keine Rasur nötig)

• alkoholhaltiges Hautdesinfektionsmittel

• Probenröhrchen (Serum-, Lithium-Heparin- oder EDTA-Röhrchen)

• Pflaster

• Vlies-Tupferrolle (Kaninchen)

2.2.1.1 Blutentnahme beim Kaninchen (A. auricularis medialis) – Schritt für Schritt

Schritt 1 Die A. auricularis medialis verläuft mittig auf der Ohrmuschel und muss nicht gestaut werden. Nach Desinfektion der Haut und Scheiteln der Haare ist die Arterie gut sichtbar (Abb. 2-2). Durch sanftes Streichen mit einem sauberen Tupfer über die Arterie kann die Sichtbarkeit verbessert werden.

Schritt 2 Die Kanüle wird parallel zur Oberfläche der Arterie nur wenige Millimeter tief eingestochen und das Blut entnommen (Abb. 2-3). Da das Blut aus einer Arterie entnommen wird, ist im Regelfall mit einem sehr schnellen Blutfluss zu rechnen.

Schritt 3 Nach erfolgter Blutentnahme wird ein Druckverband aus Pflaster und Vlies-Tupferrolle angelegt (Abb. 2-4). Somit können Nachblutungen und die Entstehung von Hämatomen verhindert werden. Nach ca. 15 Minuten kann der Verband entfernt werden.

Abb. 2-2 Blutentnahme beim Kaninchen: Nach Desinfektion der Haut und Scheiteln der Haare ist die Arterie gut sichtbar (Pfeil).

Abb. 2-3 Blutentnahme beim Kaninchen: Die Kanüle wird parallel zur Oberfläche der Arterie nur wenige Millimeter tief eingestochen und das Blut entnommen.

Abb. 2-4 Blutentnahme beim Kaninchen: Nach der Blutentnahme wird ein Druckverband aus Pflaster und Vlies-Tupferrolle angelegt.

Abb. 2-5 Blutentnahme beim Meerschweinchen: Die Hintergliedmaße ist oberhalb des Knies fixiert. Die V. saphena lateralis liegt kaudal und mittig am Unterschenkel (Pfeil). Die Haut wurde in diesem Bereich geschoren und desinfiziert.

Abb. 2-6 Blutentnahme beim Meerschweinchen: Die Kanüle wird flach über der Vene eingestochen.

Abb. 2-7 Blutentnahme beim Meerschweinchen: Anlegen eines Pflasterverbandes

2.2.1.2 Blutentnahme beim Meerschweinchen (V. saphena lateralis) – Schritt für Schritt

Schritt 1 Die Haut wird im Bereich der Vene geschoren und desinfiziert. Die Hintergliedmaße wird oberhalb des Knies fixiert und von kaudal gestaut. Bei der Blutentnahme muss beachtet werden, dass die V. saphena lateralis beim Meerschweinchen weit kaudal und mittig am Unterschenkel zu finden ist Abb. 2-5).

Schritt 2 Die Kanüle wird anschließend flach über der Vene eingestochen (Abb. 2-6). Dabei muss aufgrund der dicken Meerschweinchenhaut ein relativ hoher Widerstand überwunden werden. Der Blutfluss ist erfahrungsgemäß recht langsam und die Blutgerinnung tritt schnell ein.

Schritt 3 Nach erfolgter Blutentnahme wird ein Pflasterverband angelegt, der nach spätestens 15 Minuten entfernt werden sollte (Abb. 2-7).

2.3Unterbringung und Akklimatisation

Unbekannte Geräusche, Gerüche, eine neue Umgebung sowie die Nähe zu Beutegreifern wie Katze, Hund oder Frettchen können Kaninchen und Meerschweinchen in hochgradige Stresszustände versetzen. Meist führen die Fahrt zum Tierarzt, die Allgemeinuntersuchung und eventuelle weitere diagnostische Maßnahmen zu einer zusätzlichen starken Stressbelastung und einem hochgradigen Anstieg von Katecholaminen im Blut. Dies kann sich negativ auf die Anästhesie und die Menge der benötigten Anästhetika auswirken. Um die Stressbelastung präoperativ möglichst gering zu halten, ist es wichtig, jegliches Handling und die Fixation der Tiere ruhig und vorsichtig durchzuführen. Weiterhin ist es ratsam, den Tieren über mindestens 1–2 Stunden vor der Narkoseinduktion Ruhe zu gönnen. Dies sollte in einer möglichst ruhigen und geschützten Umgebung (z.B. in einem Käfig mit Häuschen oder der Transportbox), fern von möglichen Fressfeinden geschehen (Abb. 2-8). Wenn die Situation des Patienten und die Abläufe in der Praxis oder Klinik es zulassen, sollten alle Untersuchungen am Tag vor der geplanten Operation abgeschlossen und das Tier über Nacht stationär aufgenommen werden. Damit lässt sich der Stresslevel am Tag der Operation deutlich senken. Auch geeignete Rückzugsmöglichkeiten (eigene Häuschen, Schlafsäcke bei Meerschweinchen etc.), gewohnte Gerüche durch Einstreu oder Handtücher aus dem eigenen Käfig sowie die Unterstützung durch das Partnertier können dazu beitragen, Stress zu minimieren bzw. abzubauen. Das gewohnte Futter und Wasser in bekannter Darreichungsform (Tränke oder Napf) sollte den Tieren bis unmittelbar vor der Narkoseeinleitung zur freien Verfügung stehen. Da Kaninchen und Meerschweinchen einen starken kardialen Sphinkter besitzen und dementsprechend nicht Erbrechen können, ist ein präoperatives Fasten nicht nötig. Ein Nahrungsentzug wirkt sich sogar negativ auf den sensiblen Magen-Darm-Trakt sowie auf den Säure-Basen-Haushalt dieser Tiere aus. Da allerdings häufig Futterreste im Mundraum verbleiben, empfiehlt es sich, die Maulhöhle vor der Sedation und Narkoseeinleitung vorsichtig mit wenigen Millilitern Wasser auszuspülen. Somit kann eine mögliche Aspiration von Fremdmaterial während der Anästhesie verhindert werden (Abb. 2-9).

Abb. 2-8 Die Unterbringung in einer geschützten Umgebung mit Rückzugsmöglichkeit, fern von Fressfeinden und mit Angebot von gewohntem Futter kann dabei helfen, Stress abzubauen und die Anästhesie sicherer zu machen.

2.4Stabilisation kritischer Patienten

Viele akute Notfälle (z.B. obstruktiver Ileus beim Kaninchen, Magendrehung beim Meerschweinchen) und andere schwere Erkrankungen gehen mit einer deutlichen Dehydratation (reduzierter Hautturgor, Tab. 2-2) und einem Schockgeschehen einher. Dies zeigt sich in der, bei diesen Tieren zügig auftretenden, Hypothermie (Tab. 2-1) und in besonders schweren Fällen auch in einer deutlichen Bradykardie und Hypotonie (Tab. 2-1). Oberste Priorität muss daher vor einer Narkose die gezielte Aufwärmung des Patienten (z.B. in einem Inkubator oder mittels Wärmekissen oder Wärmematten) haben. Weiterhin muss eine intravenöse Rehydratation erfolgen (Tab. 2-3). Eine subkutane Applikation von Flüssigkeit ist oftmals nicht zielführend, da kritische Patienten das subkutane Flüssigkeitsdepot nicht resorbieren können. Als Infusionslösung sind handelsübliche Vollelektrolytlösungen (gepufferte kristalloide Lösung) geeignet. Auf eine Zugabe von Glukose in die Infusion sollte bei Kaninchen und Meerschweinchen ohne Indikation verzichtet werden, da diese Tiere bei schweren Krankheitszuständen oftmals eine Hyperglykämie zeigen. Ausnahmen davon bilden natürlich hypoglykämische Zustände, welche bei Kaninchen und Meerschweinchen seltener vorkommen (z.B. bei einem Insulinom).

Abb. 2-9 Ein vorsichtiges Ausspülen der Maulhöhle mit wenigen Millilitern Wasser vor der Narkoseeinleitung kann das Risiko der Aspiration von Futterresten minimieren.

Tab. 2-2 Feststellung des Dehydratationsgrades bei Kaninchen und Meerschweinchen

Dehydratationsgrad

Klinische Symptome

< 5 %

klinisch nicht feststellbar, nur anamnestisch zu vermuten

5–6 %

leicht verzögertes Verstreichen einer Hautfalte

6–8 %

trockene Schleimhäute, deutlich verzögertes Verstreichen einer Hautfalte

> 10 %

trockene Schleimhäute, eingesunkene Bulbi oculi, stark reduziertes Allgemeinbefinden, Hautfalte steht, Perfusionsstörungen, Bradykardie

> 12 %

wie 10 %, lebensbedrohlich

> 15 %

wie 10 %, moribund

Tab. 2-3 Intravenöse Flüssigkeitstherapie bei Kaninchen und Meerschweinchen

2.4.1Intravenöse Katheter bei Kaninchen und Meerschweinchen

Nicht nur zur präoperativen Stabilisation schwerkranker Patienten ist ein intravenöser Zugang nötig. Er ist auch während der Narkose wichtig, um Infusionslösungen und Anästhetika zu applizieren oder im Fall eines Narkosezwischenfalls schnell und gezielt Notfallmedikamente einsetzen zu können. Daher ist das Legen eines intravenösen Katheters bei jedem Meerschweinchen und Kaninchen in Allgemeinanästhesie zu empfehlen. Besonders beim Kaninchen ist dies an der sehr gut zugänglichen Ohrrandvene leicht möglich. Aber auch beim Meerschweinchen ist ein intravenöser Zugang gut durchführbar. Neben den hier beschriebenen Techniken zur Katheterisierung der Ohrrandvene sowie der V. cephalica antebrachii ist sowohl bei Kaninchen als auch beim Meerschwein die V. saphena lateralis zur Platzierung eines Katheters geeignet.

Nach der Beendigung des operativen Eingriffes kann der Katheter entfernt werden, sobald das Tier gut hydriert und bei gutem Allgemeinbefinden ist. Sollte auch postoperativ eine fortgesetzte intravenöse Therapie nötig sein, kann der Katheter bis zu 72 Stunden in situ verbleiben, wenn er regelmäßig kontrolliert und mindestens zweimal täglich mit heparinisierter Kochsalzlösung gespült wird.

BENÖTIGTE MATERIALIEN

• Venenverweilkatheter (z.B. 22 G)

• lokalanästhetische Creme (bei nichtanästhesierten Tieren anzuwenden)

• Rasierer

• alkoholhaltiges Hautdesinfektionsmittel

• Spritze mit steriler Spüllösung (Vollelektrolyt- oder Kochsalzlösung)

• Klebesteifen und selbsthaftende Bandage

• Vlies-Tupferrolle (Kaninchen)

2.4.1.1 Legen eines Venenverweilkatheters beim Kaninchen (V. auricularis lateralis) – Schritt für Schritt

Schritt 1 Nach vorsichtiger Rasur des kaudalen Ohrrandes kann bei nicht anästhesierten Tieren zunächst eine auf der Haut wirksame lokalanästhetische Creme (Einwirkzeit ca. 5–10 Minuten) aufgebracht werden. Anschließend wird die Punktionsstelle desinfiziert und die Vene am kaudalen Rand des Ohres durch den Helfer gestaut (Abb. 2-10).

Schritt 2 Die Venenpunktion erfolgt bei vorgeschobenem Mandrin in einem Bereich, in dem die Vene möglichst gerade verläuft. Anschließend kann der Mandrin vorsichtig zurückgezogen und der Katheter in die Vene vorgeschoben werden (Abb. 2-11).

Abb. 2-10 Venenverweilkatheter beim Kaninchen: Stauung der lateralen Ohrrandvene

Abb. 2-11 Venenverweilkatheter beim Kaninchen: Vorschieben des Katheters in die laterale Ohrrandvene

Abb. 2-12 Venenverweilkatheter beim Kaninchen: Kontrolle der Durchgängigkeit des Katheters am Kaninchenohr mittels steriler Spüllösung

Abb. 2-13 Venenverweilkatheter beim Kaninchen: Befestigung des Katheters am Kaninchenohr

Abb. 2-14 Venenverweilkatheter beim Kaninchen: Überprüfung der Durchgängigkeit nach Fixierung des Katheters am Kaninchenohr

Schritt 3 Die Kontrolle der Durchgängigkeit erfolgt mittels steriler Spüllösung (Abb. 2-12). Sollten Venenklappen das Vorschieben des Katheters erschweren, kann ein vorsichtiges Vorspülen auch dabei helfen, den Katheter richtig zu platzieren.

Schritt 4 Der Katheter wird mittels Klebestreifen am Ohr befestigt (Abb. 2-13). Eine Vlies-Tupferrolle dient als Widerlager am halbschalenartig geformten Ohr des Kaninchens.

Schritt 5 Anschließend schützt eine selbsthaftende Bandage den korrekten Sitz des Katheters. Eine erneute Überprüfung der Durchgängigkeit nach Fixierung des Katheters ist anzuraten (Abb. 2-14).

2.4.1.2 Legen eines Venenverweilkatheters beim Meerschweinchen (V. cephalica antebrachii) – Schritt für Schritt

Schritt 1 Nach vorsichtiger Rasur der Vordergliedmaße kann bei nicht anästhesierten Tieren zunächst eine auf der Haut wirksame lokalanästhetische Creme (Einwirkzeit ca. 5–10 Minuten) aufgebracht werden. Anschließend wird die Punktionsstelle desinfiziert und die Gliedmaße durch den Helfer hinter dem Ellenbogen fixiert. Die gut gefüllte Vene verläuft relativ weit lateral, schräg über den Unterarm (Abb. 2-15) und kann von kraniomedial gestaut werden.

Schritt 2