Concept Maps und Concept Mapping in der Pflege - Dave Zanon-Di Nardo - E-Book

Concept Maps und Concept Mapping in der Pflege E-Book

Dave Zanon-Di Nardo

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Beschreibung

Komplexe Pflegesituationen analysieren und visualisieren Concept Maps sind grafische Darstellungen von Zusammenhängen in komplexen Pflegesituationen. Sie zeigen Muster auf aus den Merkmalen und Kennzeichen einer Situation und visualisieren damit das spezifische Bild der Patientin?/?des Patienten. Im Prozess des Concept Mappings kann somit die fallbezogene Pflegesituation im Rahmen des Pflegeprozesses differenziert analysiert und beurteilt werden. Concept Maps visualisieren gebündelt fallbezogene Assessmentdaten sowie Pflegediagnosen und deren Beziehungen zueinander. Das erlaubt es, Pflegeinterventionen zur Lösung oder Linderung aktueller und potenzieller Gesundheitsprobleme abzuleiten und Pflegeziele und erwünschte Pflegeergebnisse zu benennen. So wird das Buch zu einer wertvollen Toolbox für Lehrende, Ausbildung und Studium der Pflege und des Pflegeprozesses. Die Autor_innen klären in Teil I die Grundlagen von Concept Maps und Concept Mapping und präsentieren in Teil II konkrete Beispiele der Umsetzung.  Aus dem Inhalt  •Concept Maps als Muster in Pflegesituationen  •Concept Mapping im Pflegeprozess  •Didaktische Methoden des Concept Mappings  •Evaluation der Concept Maps  Die Arbeitsmaterialien zu diesem Buch können nach erfolgter Registrierung von der Hogrefe Website heruntergeladen werden.

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Seitenzahl: 340

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dave Zanon-Di Nardo

Claudia Leoni-Scheiber

Concept Maps und Concept Mapping in der Pflege

Komplexe Pflegesituationen erfassen und strukturieren

Unter Mitarbeit von

Olimbija Berisha

Tanja Kauer

Barbara Müller

Lisa Marie Schubert

Gerhard Waas

Concept Maps und Concept Mapping in der Pflege

Dave Zanon-Di Nardo und Claudia Leoni-Scheiber

Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Pflege:

André Fringer, Winterthur; Jürgen Osterbrink, Salzburg; Doris Schaeffer, Bielefeld; Christine Sowinski, Köln; Angelika Zegelin, Dortmund

Dave Zanon Di-Nardo, MScN, EdN, RN ist Lehrer für Pflege am XUND Bildungszentrum Gesundheit Zentralschweiz Luzern

[email protected]

Dr. phil. Claudia Leoni-Scheiber, MScN, MSc, UMIT TIROL – Koordinatorin am fhg (Fachhochschule Gesundheit Tirol), Standort Reutte, für den primärqualifizierenden Bachelorstudiengang für Gesundheits- und Krankenpflege

[email protected]

Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt. Der Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

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Hogrefe AG

Lektorat Pflege

z. Hd. Jürgen Georg

Länggass-Strasse 76

3012 Bern

Schweiz

Tel. +41 31 300 45 00

[email protected]

www.hogrefe.ch

Lektorat: Barbara Müller

Bearbeitung: Barbara Müller

Herstellung: Daniel Berger

Umschlagabbildung: Panuwat Dangsungnoen, Getty Images

Umschlag: Claude Borer, Riehen

Satz: Claudia Wild, Konstanz

Format: EPUB

1. Auflage 2023

© 2023 Hogrefe Verlag, Bern

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95702-9)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-75702-5)

ISBN 978-3-456-85702-2

https://doi.org/10.1024/85702-000

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort und Danksagung

GeleitwortJürgen Georg

Teil I: Concept Maps – Concept Mapping – Pflegeprozess

1 Concept Maps in PflegesituationenDave Zanon-Di Nardo

1.1 Muster und Zusammenhänge entdecken

1.2 Bildhaft Geschichten erzählen

1.3 Concept Maps als Gedankenlandkarten

1.4 Pflegesituationen als Lebensreise

1.5 Reaktionsmuster verstehen

2 Concept Maps und Concept Mapping – eine BegriffsklärungDave Zanon-Di Nardo

2.1 Concept Map

2.1.1 Wissenschaftsbasierte Definitionen

2.1.2 Exkurs zur Entstehungsgeschichte

2.2 Concept Mapping

2.2.1 Concept Mapping lernen

2.2.2 Schritte der Einführung in Concept Mapping

2.2.3 Konzepte und verbindende Worte erkennen

2.2.4 Textverständnis durch Concept Mapping

2.2.5 Optionen der Erstellung

2.3 Concept Mapping in der Bildung

2.3.1 Ebene der Lernenden

2.3.2 Ebene der Lehrenden

2.3.3 Curriculare Ebene

2.4 Lerneffekte durch Concept Mapping

2.4.1 Propositionen bilden

2.4.2 Empirische Erkenntnisse

2.5 Konstruktivistische Sichtweise

2.5.1 Pädagogisch relevante Grundsätze

2.5.2 Empfehlungen zur Unterrichtsgestaltung

3 Concept Mapping im PflegeprozessClaudia Leoni-Scheiber

3.1 Concept Mapping im Advanced Nursing Process Claudia Leoni-Scheiber

3.1.1 Definition: Advanced Nursing Process

3.1.2 Die NNN-Taxonomie

3.1.3 Concept Mapping anhand validierter Assessmenttools

3.1.4 Concept Mapping zur klinischen Entscheidungsfindung

3.1.5 Concept Mapping: Familien- und Gemeindeperspektive

3.2 Fallbezogene Concept Maps zur Förderung der klinischen EntscheidungsfindungDave Zanon-Di Nardo

3.2.1 Die selbst erlebte Pflegesituation

3.2.2 Die vorgegebene typische Fallsituation

3.2.3 Methoden der Fallarbeit

3.2.4 Assessment mit Concept Maps darstellen und Pflegediagnosen generieren

3.2.5 Ergebnis- und Interventionsplanung

3.2.6 Qualitätskriterien fallbezogener Concept Maps

3.2.7 Evaluation von Concept Maps zum pflegediagnostischen Prozess

Teil II: Beispiele aus der Praxis

4 Kategorie 1: Diverse Methoden

4.1 NANDA-I-Pflegediagnose und PflegeplanungDave Zanon-Di Nardo

4.1.1 Einleitung mit Einsatzmöglichkeiten

4.1.2 Fallvorstellung mit Fallvignette

4.1.3 Analyse zur Fallvignette

4.1.4 Fallvorstellung mit Basisassessment (Gordon, 2013)

4.1.5 Analyse zu Basisassessment (Gordon, 2013)

4.1.6 Die Pflegeplanung

4.2 NNN-Pflegeplan: Tagung Pflegeklassifikationssysteme WienClaudia Leoni-Scheiber

4.2.1 Das Fallbeispiel Ehepaar Brüggler

4.2.2 Aus dem Fallbeispiel abgeleitete Pflegediagnosen

4.2.3 Exemplarischer NNN-Pflegeplan

4.3 Kreisfragen – das Lernen mit zirkulären FragenGerhard Waas

4.3.1 Grundlagen

4.3.2 Einführung in die Kreisfragen

4.3.3 Erfahrungen

4.3.4 Resümee

4.4 Implementierung in der PflegeausbildungDave Zanon-Di Nardo, Olimbija Berisha, Tanja Kauer

4.4.1 Ergebnis: Präsentationen

4.4.2 Diskussion und Schlussfolgerung

5 Kategorie 2: Optionen der Evaluation

5.1 Evaluationskriterien: ACENDIO Konferenz Groningen

5.2 Concept Mapping als PrüfungsformBarbara Müller

5.2.1 Struktureller Rahmen: der Studiengang Bachelor Pflege

5.2.2 Inhaltlicher Rahmen: Modul und Lehre

5.2.3 Prüfung: Fallarbeiten

5.2.4 Erkenntnisse zum Schluss

6 SyntheseDave Zanon-Di Nardo, Claudia Leoni-Scheiber

6.1 Teil II: Herausforderungen von Concept Mapping

6.2 Teil II: Argumente für Concept Mapping

6.3 Folgerungen aus Teil II

6.4 Rückschluss zu Teil I und Abschluss

Anhang

Verzeichnis der Autor*innen

Hinweise zu Zusatzmaterialien

Sachwortverzeichnis

|9|Vorwort und Danksagung

Concept Maps visualisieren Verbindungen, helfen vernetzte Beziehungen zu erfassen. Dieses Buch richtet sich an alle Auszubildenden und Studierenden in Pflegeausbildungen und Studiengängen der Pflege, an alle Lehrenden und Dozent*innen der Pflege und an alle Pflegefachpersonen, die mit Concept Maps komplexe Pflegesituationen analysieren und besser verstehen möchten.

Concept Maps sind individuell erstellte grafische Darstellungen von Zusammenhängen und Ideen in komplexen Pflegesituationen. Sie sind ein Hilfsmittel, um das eigene Denken zu unterstützen und die wesentlichen Elemente und Muster einer Situation zu erkennen. Das Erkennen von Zusammenhängen in einer ganzheitlichen Denkweise ermöglicht es, die relevanten Pflegeinterventionen zu planen, um Patientinnen und Patienten bedarfsgerecht in ihrem Lebensalltag zu unterstützen.

Wir haben uns bemüht, unsere Aussagen mit Evidenz aus der Literatur zu belegen, erheben aber nicht den Anspruch, dass diese abschließend ist. Es geht uns um das Teilen unserer Erfahrungen in der Lehre und wir haben die Quellen angegeben, die wir als nützlich angesehen haben. Es werden deshalb auch ältere Quellen verwendet, aus der Primärliteratur derjenigen, welche die Methode begründet haben.

Das Buch soll sowohl theoretische Begründungen und Anleitungen zur Verfügung stellen (Teil I: Grundlagen) wie auch mit Praxisbeispielen illustrieren (Teil II), wie die Umsetzung gestaltet werden kann.

Hinweise: Alle im Buch vorkommenden Fallbeispiele sind pseudonymisiert und so verfremdet, dass keine Rückschlüsse auf die ursprüngliche Situation möglich sind. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind somit zufällig. Unter Patientinnen und Patienten verstehen wir Menschen in jeglichen Settings, die Pflege benötigen (Pflegeempfängerinnen und -empfänger), die Bewohnenden der geriatrischen Langzeitpflege, die Klientinnen und Klienten in der häuslichen Pflege, Gäste von Hospizen, Patientinnen und Patienten in Spitälern etc. Wir verwenden in diesem Buch einheitlich die Begriffe Patientinnen und Patienten für alle Settings. Das Buch richtet sich an Auszubildende und Studierende der Pflege, wir sprechen daher auch an vielen Stellen von Lernenden. Es richtet sich auch an die Lehrer*innen und Dozent*innen der Pflege, wir verwenden dafür meistens den Begriff Lehrende. In kursiver Schrift hervorgehoben werden spezifische Titel von NANDA-I-Pflegediagnosen, NOC-Ergebnissen, NIC-Interventionen sowie die zentralen Begriffe der Concept Maps.

Wir danken! Ein großes und herzliches Dankeschön, geht an alle unsere mitwirkenden Co-Autorinnen und Co-Autoren für ihre sehr wertvollen Beiträge der Praxisbeispiele. Wir danken herzlich Barbara Müller für das Lektorat der Texte und die freundliche Begleitung während der gesamten Zeit unseres Buchprojekts. Ein besonderer Dank geht an unsere lieben Familien, an Olivia, Klaus, Anna-Lena, Manuel und Sandro und unser soziales Umfeld für die große Geduld und Unterstützung während dem langen Schreibprozess des Buches.

Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser viel Freude beim Zeichnen von eigenen |10|Concept Maps. Entdecken Sie den großen Nutzen von Concept Maps für sich und insbesondere für Ihre Patientinnen und Patienten, die davon profitieren, wenn Pflegende das Concept Mapping anwenden.

Der Autor und die Autorin:

Dave Zanon-Di Nardo

[email protected]

Beckenried, im Januar 2022

Claudia Leoni-Scheiber

[email protected]

Lechaschau, im Januar 2022

|11|Geleitwort

Jürgen Georg

Sie kennen vermutlich diese Situation: Während eines Spaziergangs kommen Sie an einem Fluss vorbei, dessen Wasser ruhig dahinfließt. Am Ufer liegen flache Steine, schon juckt es in Ihren Fingern. Sie greifen den Stein und werfen ihn so flach und kräftig in den Fluss wie möglich und fangen an zu zählen: eins, zwei, drei, vier, … vorbei. – Der Stein versinkt, aber Sie tauchen auf und tauen auf. Sie bringen andere Steine noch ein paar Mal zum Tanzen und gehen dann mit freudig wippendem Schritt von dannen.

Vielleicht erinnern Sie sich auch daran, was Ihnen durch den Kopf ging, als Sie das erste Mal ein Mind Map gesehen haben. Vielleicht hat auch Sie diese Methode begeistert, weil sie so hilfreich ist, um Geist und Gedanken zu ordnen, Ideen zu verknüpfen, Komplexes übersichtlich zu machen und aus einzelnen Puzzleteilen ein Bild zusammenzufügen. Sie ahnen vielleicht, wie fasziniert ich war, als zum ersten Mal eine „Concept Map“ in der elften US-Auflage des Pflegediagnosenhandbuchs von Doenges et al. (2008) auftauchte und Hugh Schuster (2008) die Grundlagen der Concept Maps und die Methode des Concept Mappings beschrieb. Diese Werke waren meine Steine und ich habe mich mit ihnen in den Folgejahren an „Flüsse und Seen“ in Form von Artikeln, Buchbeiträgen (Georg, 2010, 2015, 2016, 2019) und Seminaren gestellt und habe versucht, die Steine der Concept Maps und des Concept Mappings zum Tanzen zu bringen.

Wie dieses Buch zeigt, sind diese Tänzchen möglicherweise nicht ganz unbemerkt geblieben. Ich freue mich daher sehr, dass sich die Autor*innen Dave Zanon-Di Nardo und Claudia Leoni-Scheiber sowie die Mitautor*innen Barbara Müller, Ilimbia Berisha, Tanja Kauer, Lisa Marie Schubert und Gerhard Waas die Steine der Concept Maps und des Concept Mappings auch für sich entdeckt haben und auf rund 200 Seiten zum Springen und Tanzen gebracht haben. Anstelle eines bescheidenen Tänzchens ist dieses Werk zu einem ganzen Wiener Opernball herangereift. Ich danke Ihnen als Lesenden, dass Sie sich mit dem Kauf oder der Ausleihe des Werkes Concept Maps und Concept Mapping eine Eintrittskarte für diesen „Opernball“ erworben haben und darf Ihnen ein erkenntnisreiches und für Sie begeisterndes Lesevergnügen wünschen.

Dave Zanon-Di Nardo und Claudia Leoni-Scheiber bereichern mit ihrem Werk die Literatur zum Pflegeprozess, zur Pflegediagnostik, zu Pflegeklassifikationen und zur klinischen Entscheidungsfindung. Concept Maps helfen Pflegefachpersonen, Informationen aus dem Pflegeassessment zu ordnen, zu strukturieren, zu visualisieren und in Beziehung zu setzen. Sie helfen, Pflegekonzepte zu differenzieren in problem-, risiko-, syndrom- und entwicklungsbezogene Pflegediagnosen. Sie erleichtern, Pflegediagnosen zu erkennen, zu benennen und ihre Einfluss-, Risiko- und Schutzfaktoren als Basis für pflegerische Interventionen zu identifizieren. Sie ermöglichen, ihre Merkmale und Symptome zu erkennen und als Beschreibungen eines Ist-Zustandes zu nutzen, von dem aus sie Pflegeziele und zukünftige Soll-Zustände oder Pflegeergebnisse ableiten können. Claudia Leoni-Scheiber zeigt anschaulich, wie man Concept Maps und Concept Mapping im „Pfle|12|geprozess für Fortgeschrittene“, dem Advanced Nursing Process nutzt, um standardisierte Pflege(basis)assessmentinstrumente für die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit zu nutzen und Klassifikationen und Fachsprachen für Pflegediagnosen (NANDA-I), Pflegeinterventionen (NIC) und Pflegeergebnisse (NOC) zur Pflegeprozesssteuerung verwendet.

Alle Autor*innen bemühen sich erfolgreich darum, auch Neulinge in Pflegeausbildung oder -studium mit Concept Mapping vertraut zu machen, Pflege denken und kritisch reflektieren zu lernen, kognitive Netze aufzubauen, Bilder oder Landkarten von Pflegesituationen zu zeichnen, den Blick für Zusammenhänge zu schärfen und sie an ihre Rolle als klinische Entscheider*innen gekonnt, kreativ und wissenschaftlich fundiert heranzuführen. Pflegelehrerinnen und Pflegelehrern zeigen sie, wie Lehrende das vermeintlich tot gerittene Pferd des Pflegeprozesses wiederbeleben können, indem sie einen anschaulichen Bauplan des Hauses der Pflege mit all ihren Pflegekonzept-Bausteinen ausbreiten und in Pflegemodelle einordnen. Sie erklären, wie Pflegekonzepte verstehbar, benennbar und unterscheidbar werden. Manchen Autor*innen gelingt es auch, die Pflegediagnostik als lustvolles Detektivspiel zu vermitteln, in dem es Indizien (Symptome) zu sammeln und Motive (Einflussfaktoren) zu verstehen und den Täter (Pflegediagnosen) zu ermitteln gilt. Willkommen beim „Tatort“ Pflegediagnostik.

Dave Zanon-Di Nardo öffnet für Innovator*innen ein Fenster und erlaubt mit dem Outcome-Present-State-Testing-Modell (Kuiper, 2023) einen Ausblick, wie man den Pflegeprozess neu, vernetzter und ergebnisorientierter denken und ausführen kann. Er lässt auch ahnen, wie zukünftig Advanced Nursing Practitioner und Pflegeexpert*innen das Concept Mapping nutzen können, um Geschichten von Patient*innen anschaulicher und verstehbarer zu machen. Wie sie Assessmentinformationen mit Theorien mittlerer Reichweite und Concept Maps visualisieren, theoretisch rahmen (framen) und besser erklären können: sowohl für den Pflegeprozess, als auch für die Patientenedukation und Transitionsplanung. – Kurzum, das Praxisbuch Concept Maps und Concept Mapping bietet für Pflegende aller Fachbereiche, in Praxis, Lehre und Management, ein ausgezeichnetes Tool, um die methodische Werkzeugkiste von Pflegefachpersonen zu erweitern. Mit ihm können sie sich ein besseres Bild der Patient*innensituation machen und klüger entscheiden, wie der Pflegeprozess besser gesteuert wird und seine Elemente effektiver ineinandergreifen.

In einem Lied von Kurt Kaiser (1976) findet sich die schöne Zeile: „Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und leise; und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise“. In diesem Sinn wünsche ich dem Werk und der Idee der Concept Maps und des Concept Mappings eine weite Verbreitung und Anwendung in der Pflege. Allen, die es nutzen werden, wünsche ich, dass sie mit freudig wippendem Gang aus dem Dienst gehen, weil sich ihre Kreise und Handlungsmöglichkeiten erweitert haben und weil sich für einzelne Patient*innen ein Kreis geschlossen hat, weil gesundheitliche Probleme gelöst, Risiken abgewendet oder gesundheitliche Ressourcen entwickelt wurden.

Jürgen Georg ist Pflegefachmann, -lehrer und -wissenschaftler (MScN). Programmleiter Pflege beim Hogrefe Verlag in Bern und Dozent zum Thema „Pflegediagnosen und -diagnostik“

Kontakt: [email protected]

Literatur

Doenges, M., Moorhouse, F. & Geissler-Murr, E. (2008). Nurse’s Pocket Guide – Diagnoses, Prioritized Interventions and Rationales (11. ed). Philadelphia: FAD.

Georg, J. (2010). Concept Mapping. NOVAcura, 41(1), 46–48.

Georg, J. (2015). Concept Mapping und kritisches Denken. PADUA, 10(5), 311–313.

|13|Georg, J. (2016). Concept Mapping. In M.Müller Staub, K.Schalek &P.König (Hrsg.), Pflegeklassifikationen. Anwendung in der Praxis, Bildung und elektronischer Pflegedokumentation (S. 359–363). Bern: Hogrefe.

Georg, J. (2019). Concept Mapping, Concept-Maps und Concept-Webs. In M. E.Doenges, M. F.Moorhouse & A. C.Murr, Pflegediagnosen und Pflegemaßnahmen (S. 84–88, 6. Aufl.). Bern: Hogrefe.

Kaiser, K. (1976). Pass it on (dt.: Ins Wasser fällt ein Stein). Brentwood: New Spring Publishing.

Kuiper, R. A., O‘Donnell, S., Pesut, D. J. & Turrise, S. (2023). Das OPT-Pflegeprozess-Modell. Essentials der klinischen Entscheidungsfindung und reflektierten Pflegepraxis für Pflegefachpersonen und -studierende.Bern: Hogrefe.

McHugh Schuster, P. (2008). Concept Mapping. Philadelphia: FAD.

|15|Teil I: Concept Maps – Concept Mapping – Pflegeprozess

Der Teil I zu den Grundlagen beginnt mit dem Kapitel 1, das aufzeigt, um was es beim Arbeiten mit Concept Maps in Pflegesituationen geht, nämlich dem Erkennen von Mustern. Kapitel 2 definiert, was Concept Maps sind und was Concept Mapping ist. Dabei werden der theoretische Hintergrund und die Lerneffekte von Concept Mapping mit vielen Beispielen vorgestellt. Auch wird die Geschichte der Entstehung von Concept Mapping mit der psychologischen und pädagogischen Literatur erläutert. Es werden didaktische Hinweise gegeben zum Erstellen von Concept Maps und zur Implementierung in Lernarrangements. Im darauffolgenden Kapitel 3 werden die Bezüge zum Pflegeprozess und zum Advanced Nursing Process hergestellt mit vielen Anleitungen zu fallbezogenem Concept Mapping in der Pflegeausbildung.

Abbildung 1-1:  Concept Map mit der Übersicht zum Aufbau des Teil I

|17|1  Concept Maps in Pflegesituationen

Dave Zanon-Di Nardo

Um was geht es beim Arbeiten mit Concept Maps und Concept Mapping in Pflegesituationen? Es geht zuerst einmal um das Entdecken von Mustern und Zusammenhängen (Kap. 1.1) und um die Möglichkeit, mit Concept Maps bildhaft Geschichten zu erzählen (Kap. 1.2). Danach erfolgt der Hinweis, dass Concept Maps auch Gedankenlandkarten sind (Kap. 1.3). Was hat dies mit Pflegesituationen zu tun? Es geht darum, Lebensgeschichten (Kap. 1.4) nachvollziehen zu können und deren mögliche Zusammenhänge bildhaft mit Hilfe von Concept Maps zu erahnen und die menschlichen Reaktionsmuster (Kap. 1.5) dadurch besser zu verstehen, um relevante Pflegeinterventionen abzuleiten. Die Kapitelübersicht ist auch in einer Concept Map dargestellt (Abbildung 1-2).

Abbildung 1-2:  Aufbau des Kapitels 1

|18|1.1  Muster und Zusammenhänge entdecken

Das Zeichnen von Concept Maps fördert das Entdecken von Mustern und Zusammenhängen. Als Hilfsmittel im Pflegeprozess eingesetzt, führt dies zu einer besseren Problemanalyse und -lösung. Die zentralen Probleme und ebenso die Potenziale, Ressourcen, Stärken von Patientinnen, Patienten, ihren Angehörigen, der beteiligten interprofessionellen Dienste und insbesondere der Unterstützungsmöglichkeiten durch Pflegende werden aktiv einbezogen. Mit Concept Maps lassen sich die oft unsichtbaren Denkprozesse in ihren einzelnen Schritten sichtbar machen. Die komplexe menschliche Lebenswelt lässt sich so in ihren Fragmenten darstellen. Dies hilft, die Dinge besser zu beschreiben, zu erkennen und zu verstehen. Das Zeichnen von Concept Maps vereint analytische wie auch kreative Lernprozesse. Es vereint wichtige Sinne wie das Sehen und das Bewegen der Hand und der Augen während des Zeichnens.

Ein simples Beispiel: Eine Concept Map zu möglichen Wirkungszusammenhängen und Mustern bei einer Begegnung mit Unbekanntem oder Neuem im unserem Leben. Zum Beispiel kann eine Einladung für ein Überraschungsweekend sehr unterschiedliche Reaktionsmuster auslösen (Abbildung 1-3 und Abbildung 1-4).

Abbildung 1-3:  Unbekanntes, Neues weckt Neugier und Vorfreude

Abbildung 1-4:  Unbekanntes, Neues macht Angst, Stress und bewirkt Vorsicht

Es könnte Neugier und Vorfreude auslösen. Es könnte aber auch anders sein (unbekannte Orte, fremde Menschen, unbeliebte Dinge, etc.).

|19|1.2  Bildhaft Geschichten erzählen

Mit Concept Maps kann man Geschichten erzählen. Wir Menschen lieben Geschichten mit ihren Abläufen und oft überraschenden Zusammenhängen, die sich oft erst im zeitlichen Verlauf erschließen. Das Geschichtenerzählen gehört seit Urzeiten zum Menschen. Noch bevor es die Schrift gab, wurden Gedanken ausschließlich mündlich (und wohl auch nonverbal) überliefert. Mit Geschichten werden Emotionen und vergangene Erfahrungen wieder lebendig. Geschichten werden gerne erzählt und geteilt. Sie rufen innere Bilder in unseren Köpfen hervor. Sie ermöglichen dadurch Miterleben, Teilhaben und Identifizieren. Lebensgeschichten haben einen zeitlichen Ablauf, vom Anfang bis zum Schluss oder mittendrin, zwischen einem Davor und einem Danach. In einer erzählten Geschichte zeigt sich oft eine eigene Logik und es hilft uns, im Erzählen und Zuhören, Erlebtes zu verarbeiten und besser zu verstehen. In Lebensgeschichten kommen Emotionen wie Freude, Zuneigung, Trauer, Wut, Enttäuschung und Hoffnung vor. Concept Maps können solche Geschichten in ihrem Ablauf bildlich darstellen.

Die Fragmente einer einfachen Wegbeschreibung sollen hier zur Illustrierung einer grafischen Darstellung dienen: Der Text dieser Wegbeschreibung lautet: „Von der Hauptstraße biegst du beim Restaurant Engel rechts ab und gehst in südlicher Richtung an der großen schönen Eiche vorbei bis ganz oben auf den Hügel“ (Abbildung 1-5).

Abbildung 1-5:  Beispiel der Fragmente einer Wegbeschreibung als Concept Map dargestellt

1.3  Concept Maps als Gedankenlandkarten

Eine Concept Map als Begriffs-Karte hat Ähnlichkeit mit der grafischen Darstellung einer Reise mit ihren Verbindungen zwischen zwei und mehreren Orten (Begriffen), die zueinander in einem Zusammenhang stehen. Im Alltag sind solche grafischen Darstellungen als Land- oder Straßenkarten, als Pläne des öffentlichen Verkehrs oder als Tafeln mit Wegweiser überall zu finden. So wie beim Reisen die Landkarten dabei helfen, sich zu orientieren, können uns bei gedanklichen Reisen auch Gedankenlandkarten (Georg, 2018) in Form von Concept Maps helfen, unsere Gedanken zu ordnen. Nachfolgend ein Beispiel einer Gedankenreise mit einer Gedankenlandkarte. Die Ausgangs|20|lage ist ein kleines Gedicht zum Begriff Gedanken in Form eines Elfchens1 (Abbildung 1-6):

Abbildung 1-6:  Das „Gleiche“ als Gedankenlandkarte mit möglichen gedanklichen Verbindungen

Gedanken

sind frei

Wahrnehmungen und Reaktionen

wirr – geordnet – fantasievoll – emotional

menschlich

1.4  Pflegesituationen als Lebensreise

In Pflegesituationen haben wir es mit solchen Lebensgeschichten zu tun. Wir begegnen einander auf unserer Reise durchs Leben. Mit Concept Maps können die einzelnen Stationen mit den prägenden Elementen einer Lebensgeschichte als Bild veranschaulicht dargestellt werden (Abbildung 1-7). Es lassen sich nur Fragmente als Mosaikteile darstellen, das ganze Bild kann nur erahnt werden, es sind Momentaufnahmen. Durch Concept Maps können mögliche Zusammenhänge gesucht und dargestellt werden, z. B.: Welche Folgen haben Lebensereignisse? Weshalb zeigt sich diese Reaktion? Welche Folgen könnten wie beeinflusst werden?

1.5  Reaktionsmuster verstehen

In einer komplexen, vernetzten Welt helfen uns grafisch aufbereitete Informationen oft effizienter als lange Texte. Eine Redewendung besagt, dass Bilder mehr sagen als 1000 Worte. Concept Maps sind solche bildlichen Gedankenlandkarten, die unser Denken unterstützen |21|und uns beim Verarbeiten von komplexen Daten helfen können.

Abbildung 1-7:  Lebensgeschichten als Mosaik mit sichtbaren und unsichtbaren Fragmenten

Pflegefachpersonen haben es oft mit komplexen Pflegesituationen zu tun. Die Zusammenhänge auf der körperlichen Ebene sind dabei für sich allein oft schon komplex genug und klare Muster sind bei sich überlappenden Symptomen auf den ersten Blick auch für erfahrene Pflegende nicht immer leicht erkennbar. Da die Pflegenden die Reaktionen eines Menschen aus einer ganzheitlichen Sichtweise zu betrachten beabsichtigen, gilt es immer, auch ein Krankheitsgeschehen in Verbindung mit der psychosozialen Ebene zu betrachten.

Ein weiteres Beispiel: Die nachfolgende Concept Map (Abbildung 1-8) zeigt grafisch mögliche Verbindungen mehrerer solcher Dimensionen auf: Ein Mensch wird möglicherweise innerhalb seiner Lebensgeschichte mit unerwarteten Krankheitsgeschichten konfrontiert (rote Felder). Diese führen zu einem individuellen Krankheitserleben (z. B. einem körperlichen Schmerz oder einer Atemnot) und dem Erleben von psychosozialen Auswirkungen (z. B. nicht am sozialen Leben der Familie teilhaben können, Angst vor Abhängigkeit haben) (blaue Felder). Das Krankheitserleben und die psychosozialen Auswirkungen lösen vielfältige veränderte menschliche Reaktionen aus, die sich überlappen und sich mit den normalen Reaktionen dieses Menschen decken oder auch unterscheiden. Diese können als Reaktionsmuster gebündelt betrachtet werden (z. B. Wut auf sich oder Personen der Umgebung – als erste passende oder unpassende Coping-Strategie, um mit der Krankheitssituation umzugehen) (gelbe Felder). Durch das Erkennen von solchen möglichen Zusammenhängen können Pflegende geeignete Pflegeinterventionen ableiten. Bezogen auf den Pflegeprozess sind die roten und blauen Begriffe Bestandteile des Pflegeassessments und der gelbe Begriff steht für eine mögliche Pflegediagnose, die möglicherweise zu einer Pflegeintervention führen kann.

Fazit: Wir wissen, dass sich diese Ebenen gegenseitig aufeinander auswirken und es braucht |22|ein großes Fachwissen und einen großen Erfahrungshintergrund, um daraus die pflegerelevanten Schlüsse zu ziehen. Es kann zu Fehlinterpretationen kommen oder es kann sein, dass gefährliche Veränderungen zu spät erkannt werden. Wie kann in der Pflegeausbildung die systematische Analyse dieser Situationen geschult werden, damit in der beruflichen Praxis ein rasches und kompetentes Handeln erfolgen kann? Wie können Studierende in der Pflegeausbildung lernen, die typischen Muster im Krankheitsgeschehen und im Verhalten von Menschen im Überblick besser zu erkennen, um den Zusammenhängen entsprechend gezielt darauf zu reagieren? In diesem Praxisbuch wird die Methode Concept Mapping als ein praxistaugliches, wie auch pädagogisch begründetes Hilfsmittel dazu vorgestellt. Mit Hilfe von Concept Mapping wird der pflegediagnostische Prozess gelernt, in Verbindung mit der für alle Pflegenden gemeinsamen, internationalen Pflegefachsprache des Advanced Nursing Process (Verwendung von validierten Konzepten innerhalb der Phasen des Pflegeprozesses) (siehe Kap. 3.1).

Abbildung 1-8:  Concept Maps in einer Pflegesituation

1

Ein Elfchen besteht aus elf Worten: erste Zeile ein Wort, zweite Zeile zwei Worte dazu, dritte Zeile drei Worte dazu, vierte Zeile vier Worte dazu und fünfte Zeile wieder ein (abschließendes) Wort dazu.

Literatur

Georg, J. (2018). Concept-Mapping, Concept-Maps und Concept-Webs. In M. E.Doenges, M. F.Moorhouse &A. C.Murr (Hrsg.). Pflegediagnosen und Pflegemaßnahmen (S. 84–88). Bern: Hogrefe.

|23|2  Concept Maps und Concept Mapping – eine Begriffsklärung

Dave Zanon-Di Nardo

Concept Map und Concept Mapping sind Begriffe, die ähnlich klingen und doch nicht das gleiche bedeuten. In diesem Kapitel 2 erfahren Sie zunächst, was eine Concept Map ist. Danach folgen die Grundlagen über das Erstellen von Concept Maps. Diese Tätigkeit wird als Concept Mapping bezeichnet. Concept Mapping ist der Herstellungsprozess für eine Concept Map. Weiter werden im Kapitel 2 auch die Bezüge zu Bildungsprozessen hergestellt mit den Lerneffekten, die dabei erreicht werden und der Verbindung zum Konstruktivismus (Abbildung 2-1).

Abbildung 2-1:  Aufbau des Kapitels 2

2.1  Concept Map

Eine Concept Map ist eine grafische Darstellung von Wissen mit mindestens zwei oder mehreren Begriffen, den Concepts, die in einer bedeutsamen Beziehung zueinanderstehen. Die Beziehung(en) zwischen den Concepts werden mit beschrifteten Pfeilen verbunden dargestellt und ergeben eine vernetzte Karte – eine Map.

|24|Als Concept Map dargestellt sieht dies so aus (Abbildung 2-2).

Abbildung 2-2:  Bestandteile einer Concept Map

Unterschied zu Mindmap und Cluster

Die Darstellungen dieser beschrifteten Zusammenhänge, die auch mehrere Zentren haben können, bilden den Hauptunterschied zur Mindmap. Bei einer Mindmap werden von einem Zentrum ausgehend einzelne Äste gezeichnet, die sich danach weiter verzweigen können (ähnlich einer Baumstruktur). Vernetzungen zwischen den Ästen werden nicht zwingend eingezeichnet. Auch beim Clustern, bei dem die Begriffe mit Verbindungslinien meistens ohne Pfeile verbunden sind, sind die Erklärungen von Zusammenhängen mit Pfeilen nicht zwingend nötig. Eine Concept Map kann hingegen eine Ähnlichkeit haben zu einem mehrdimensionalen Flussdiagramm. Bei einer Concept Map müssen die Verbindungen beschriftet und somit erläutert werden.

Beispiel einer einfachen Concept Map

Ein Beispiel einer einfachen Concept Map veranschaulicht eine mögliche Beziehung zwischen den menschlichen Reaktionen (Concepts) Angst und Schmerzen (Abbildung 2-3). Die Aussage ist: Angst verstärkt Schmerzen und Schmerzen machen Angst. Diese Aussage kann in einem Concept Map grafisch dargestellt werden. Die Concept Map hilft wiederum sich weitere Gedanken dazu zu machen und diese mit weiterem Wissen zu erweitern. Es kann geprüft werden, welche Beziehungen richtig sind oder auch falsch, ein vorhandenens Vorwissen kann dargestellt und später erweitert werden, um wichtige Zusammenhänge zu erkennen. Auszubildende und Studierende in der Pflegeausbildung erlernen durch solche Visualisierungen wichtige physiologische und pathophysiologische Zusammenhänge und können diese als Muster menschlicher Reaktionen in einer holistischen Denkweise verknüpfen sowie ihr vorhandenes Vorwissen dadurch erweitern.

Abbildung 2-3:  Concept Map über Wissen zu Angst und Schmerz

|25|Die Anatomie einer guten Concept Map

Eine gute Concept Map enthält relevante Begriffe (Concepts), verbindende Pfeile und eine Beschriftung der Pfeile, die die Bedeutung der Verbindung prägnant erklären. Komplexe Konzepte werden dabei mit wichtigen Stichworten (Begriffe, Concepts) auf einer Blattseite dargestellt, und ihre Beziehungen zueinander werden mit beschrifteten Pfeilen sichtbar gemacht. Die Bedeutung dieser Pfeile wird dabei mit ein bis drei Worten beschriftet, einem Adverb, Verb und einer Präposition (z. B. „wird verstärkt durch“) oder nur einem Verb (z. B. „bewirkt“). Dies ist das Grundgerüst – die Anatomie (Abbildung 2-4) – einer Concept Map, wie es in diesem Buch in allen Beispielen verwendet wird.

Abbildung 2-4:  Anatomie einer Concept Map

Vor- und Nachteile von Concept Maps

Ein großer Vorteil von Concept Maps sind die Möglichkeiten der expliziten Abbildung von Zusammenhängen zwischen Ideen innerhalb eines Wissensgebiets und die Möglichkeit, die Art der Beziehung zwischen den Konzeptbegriffen mit beschrifteten Verbindungspfeilen darzustellen. Concept Mapping ist relativ einfach zu erlernen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Zusammenhänge zwischen Konzeptbegriffen mehrfach vernetzt in einer Verflechtung von Wechselbeziehungen dargestellt werden können. Als Nachteil mag aufgeführt werden, dass die Entwicklung einer guten Concept Map oft mehrere Überarbeitungen und Neuzeichnungen erfordern, damit alle wichtigen und relevanten Beziehungen klar und übersichtlich dargestellt sind. Dies ist ein zeitaufwendiger Prozess. Weiter können Concept Maps manchmal schwer interpretierbar sein, wegen den vielen Linien und der vielen Begriffe, die auf dem Map dargestellt sind (Jonassen et al., 1993).

|26|2.1.1  Wissenschaftsbasierte Definitionen

Concept Maps finden Anwendung nicht nur in den Erziehungs- und Pflegewissenschaften, sondern auch in vielen anderen Wissenschaften wie z. B. den Natur- (Biologie), Ingenieur- (Informatik), Management- oder anderen Sozialwissenschaften. Entsprechend lassen sich in der Fachliteratur zahlreiche Definitionen zu Concept Maps finden. Die bereits beschriebenen Merkmale sind darin enthalten. Je nach Anwendungsgebiet gibt es entsprechende Ergänzungen. Es werden nachfolgend vier Definitionen exemplarisch vorgestellt. Die vierte und letzte Definition hat einen pflegewissenschaftlichen Bezug und ist auf die Fallarbeit ausgerichtet.

Die beiden amerikanischen Erziehungswissenschaftler Joseph Donald Novak und Bob Gowin (1984) sind die ursprünglichen Entwickler von Concept Maps. Ihre Definition von Concept Map ist hier an erste Stelle aufgeführt, weil sie disziplinübergreifend und präzise ist. Ein weiterer Grund ist auch die Wertschätzung gegenüber den beiden Begründer von Concept Maps. Eine Concept Map ist nach ihrer Definition ein schematisches Hilfsmittel zur Darstellung einer Anzahl von Konzepten mit ihren Bedeutungen, die in einem Begriffsrahmen von Propositionen eingebettet sind. Concept Maps dienen dazu, sinnvolle Beziehungen zwischen Konzepten in Form von Propositionen darzustellen. Propositionen sind zwei oder mehrere Konzeptbezeichnungen, die durch Wörter zu einer semantischen Einheit verbunden sind. In ihrer einfachsten Form besteht eine Concept Map aus zwei Konzepten, die durch ein verbindendes Wort zu einer Proposition verbunden sind. Solche Propositionen bilden Aussagen als bedeutungsvolle Einheiten. Eine Proposition ist in der sprachwissenschaftlichen Bedeutung der Inhalt eines Satzes (Duden, 2021) oder, genauer ausgedrückt, der Inhaltskern eines Satzes – das, was inhaltsmäßig im Satz gesagt wird und entweder wahr oder unwahr sein kann (Leibniz Universität Hannover, 2020). Die Aussage im Satz: „Angst verstärkt Schmerzen und Schmerzen machen Angst“ (Abb. 2-3), enthält demnach zum Beispiel zwei Propositionen. Die Angst verstärkt Schmerzen und als zweite Proposition Schmerzen machen Angst. Im Gedächtnis wird Wissen in Form von Propositionen vernetzt abgespeichert und bilden damit wichtige Bedingungen des Lernens in Bildungsprozessen.

Der amerikanische Bildungswissenschaftler David H. Jonassen, die Mitautorin Katherine Beissner und der Mitautor Michael Yacci (1993) definieren Concept Maps als zweidimensionale Darstellungen (auf einer Ebene oder Fläche) von Beziehungen zwischen Ideen innerhalb eines Inhaltsbereichs. Concept Maps werden hierarchisch angeordnet mit dem breitesten Konzept, dem Überbegriff zuoberst auf dem Blatt und den untergeordneten, detaillierteren Unterbegriffen darunter. Die Konzeptbegriffe werden mit Linien verbunden, die beschriftet werden. Die Beschriftungen der Verbindungslinien beschreiben die Art der Verbindung zwischen den Konzepten. Auch wenn die Concept Map primär hierarchisch gestaltet ist, sollen Mehrfachverknüpfungen zwischen den Konzepten identifiziert werden. Diese werden mit mehreren beschrifteten Linien verbunden, um darzustellen, wie die Konzeptbegriffe miteinander zusammenhängen.

Der bekannte neuseeländische Pädagoge und Erziehungswissenschaftler John Hattie (Hattie, 2013