8,99 €
Richard Rosen setzt den Reigen seiner Jungsgeschichten, den er mit "Sommerhitze" begonnen hat, mit weiteren aufregenden Begegnungen fort: Bastian schlendert neugierig über das Zirkusgelände und sinkt wenig später in die kräftigen Artistenarme der Flying Ghiradellis, Marvin ist ganz versessen auf den Schnurrbart des türkischen Gemüsehändlers, Sören entdeckt auf dem staubigen Dachboden das Geheimnis von Herrn Ridder, und Christoph macht nachts im Garten eine verheißungsvolle Bekanntschaft. Wieder gelingt es dem Autor, die Begeisterung seiner jungen Helden über im Grunde ganz einfache Genüsse überaus sinnlich zu inszenieren.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 189
Veröffentlichungsjahr: 2015
Richard Rosen
Daddy Boys
Männerschwarm Verlag Hamburg 2015
Impressum
Fantasien nehmen keine Rücksicht auf die Wirklichkeit, das macht sie so wertvoll. Wer sich durch die Darstellungen dieses Texts zur Nachahmung veranlasst fühlt, soll sich deshalb klar darüber sein, dass die Realität beim Sex Schutzmaßnahmen verlangt, auf die in der Fantasie verzichten werden kann: Safer Sex!
Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet die Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet überhttp://dnb.ddb.de abrufbar.
Richard Rosen
Daddy Boys
© Männerschwarm Verlag, Hamburg 2015
Umschlaggestaltung: Carsten Kudlik, Bremen, unter Verwendung eines Fotos von Anja Müller Druck: Interpress, Budapest
1. Auflage 2015
ISBN der Printausgabe: 978-3-86300-190-2 ISBN der Ebook-Ausgabe: 978-3-86300-195-7
Männerschwarm Verlag GmbH – Steindamm 105 – 20099 Hamburg
http://www.maennerschwarm.de
Verlagstext
Richard Rosen setzt den Reigen seiner Jungsgeschichten, den er mit “Sommerhitze” begonnen hat, mit weiteren aufregenden Begegnungen fort: Bastian schlendert neugierig über das Zirkusgelände und sinkt wenig später in die kräftigen Artistenarme der Flying Ghiradellis, Marvin ist ganz versessen auf den Schnurrbart des türkischen Gemüsehändlers, Sören entdeckt auf dem staubigen Dachboden das Geheimnis von Herrn Ridder, und Christoph macht nachts im Garten eine verheißungsvolle Bekanntschaft. Wieder gelingt es dem Autor, die Begeisterung seiner jungen Helden über im Grunde ganz einfache Genüsse überaus sinnlich zu inszenieren.
Inhalt
Von allein wäre Marvin …
Sören war sich nicht sicher
Hey, mein Freund …
Na, was suchst du …
Unter den Kolonnaden …
Der klirrende Lärm …
Das Herz schlug Christoph bis zum Hals
Von allein wäre Marvin wohl kaum auf den Gedanken gekommen, Herrn Öztürk zu küssen. Aber manchmal bringen uns andere auf tolle Ideen, ohne selbst etwas davon zu merken. In diesem Fall war das Vera. Marvin hörte ihr zu, in der Küche – und da wusste er plötzlich, was er wollte.
«Aber dieser Schnurrbart», kicherte Vera, «der kratzt doch bestimmt furchtbar beim Küssen. Das wär ja nichts für mich!»
Marvin stand neben dem Küchentisch und wollte seine Mutter eigentlich nur kurz etwas fragen. Aber es war immer schwierig, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ganz besonders, wenn ihre Freundin Vera da war. Meistens redeten die beiden Frauen über Männer. Sie zogen über die Männer her, die sie kannten oder gekannt hatten (besonders über Marvins Vater). Über Männer, die sie nicht kannten, sprachen sie anders – mit aufgeregten, leisen Stimmen und mit leuchtenden Augen. Ganz besonders strahlten sie, wenn sie über Männer redeten, die ganz weit weg und ganz unerreichbar waren – Brad Pitt zum Beispiel oder auch George Clooney. Herr Öztürk war der einzige Mann, über den sie sich so aufgeregt unterhielten, obwohl sie ihn kannten. Er sah ja auch wirklich sehr gut aus. Marvin war da ganz ihrer Meinung.
Herr Öztürk war schön. Anders konnte man das nicht nennen.
Vera begann auch gleich, noch einmal die Liste abzuarbeiten, die Marvin schon so oft gehört hatte, dass er sie singen konnte. «Diese Schultern!», seufzte sie, «Sind die nicht unglaublich?» – und Marvins Mutter machte sofort weiter: «Diese Augen! Irgendwie kitzeln sie mich, wenn er mich anguckt! Und dieses Lächeln!»
Den Rest hörte Marvin nicht mehr. Er wollte ja nicht zu spät kommen. Denn Herr Öztürk machte immer nur eine Stunde Mittagspause. Und seit ein paar Tagen leistete ihm Marvin dabei Gesellschaft.
Seine Mutter und Vera wussten davon nichts und dabei sollte es nach Marvins Meinung auch bleiben. Auch Frau Öztürk hatte keine Ahnung. Sie stand ja vorne im Laden, während ihr Mann seine Pause machte.
«Hallo, Marvin», sagte Herr Öztürk ruhig – und da war es auch gleich wieder, dieses breite Lächeln unter dem schwarzen, üppigen Schnurrbart, das Marvin immer ganz kribbelig machte. Vielleicht kam das nicht nur davon, wie Herr Öztürk lächelte, vielleicht lag es auch daran, wie Herr Öztürk ihn dabei mit seinen dunklen Augen ansah. Schwarz waren diese Augen, pechschwarz sogar, und doch leuchteten sie auf geheimnisvolle Weise stärker als Marvins blaue Augen. Ihr Blick war ruhig – und zugleich doch irgendwie auch … herausfordernd, so als ob Herr Öztürk auf etwas wartete.
Marvin schluckte. Wie immer konnte er erst einmal gar nichts sagen. Aber das war okay – das spürte er. Herr Öztürk redete ja auch nicht viel und deshalb fand er es wohl in Ordnung, dass Marvin oft so schweigsam war, wenn sie zusammen saßen.
Während er langsam ruhiger wurde, blickte Marvin sich um. Er sah, dass die Mauer aus leeren Kisten, hinter der sie saßen, seit gestern noch weiter an Höhe gewonnen hatte. Seit Marvin Herrn Öztürk in seiner Mittagspause Gesellschaft leistete, waren jeden Tag neue Kisten dazu gekommen. In einem Gemüseladen gab es halt jeden Tag neue leere Kisten, und irgendwo mussten sie ja gelagert werden. Jetzt hatte die Mauer eine Höhe erreicht, dass niemand mehr in diese Ecke des Hinterhofs gucken konnte. Sogar die Fenster von Marvins Zimmer waren hinter ihr verschwunden, und er wohnte mit seiner Mutter doch im obersten Stockwerk.
Marvin lehnte sich zurück und genoss die Sonne, die auf seiner Haut brannte. Ruhig war es hinter dieser Wand aus Kisten, fast still und gemütlich. Die Ecke war zu einem Versteck geworden.
Langsam wandte Marvin den Kopf und sah Herrn Öztürk an. Eigentlich wollte er etwas sagen, aber noch immer kam kein Ton über seine Lippen. Der Mann schien das zu verstehen. Er grinste noch etwas breiter und sagte dann: «Heiß hier!». Ganz ruhig sagte er das, so wie er immer sprach. Und dann zog er den weißen Kittel aus, den er jeden Tag im Laden anhatte.
Marvin schluckte wieder. Plötzlich war er noch aufgeregter als zuvor, denn ohne diesen weiten Kittel hatte er Herrn Öztürk noch nie gesehen. Nervös rutschte der Junge auf seinem Platz hin und her. Erst wagte er gar nicht aufzusehen, aber dann nahm er sich doch ein Herz. Herr Öztürk saß ruhig in der Sonne und schien Marvin vergessen zu haben. Seine Augen waren geschlossen und der Kopf lag leicht auf der Seite, so als höre er in sich hinein. Das gab Marvin Zeit, seinen Blick wandern zu lassen.
Er hatte sich schon oft gefragt, wie alt Herr Öztürk wohl war, und doch keine rechte Antwort darauf gefunden. Überrascht sah er jetzt, dass wohl nur knapp zehn Jahre zwischen ihnen lagen. Ohne seinen Kittel und mit geschlossenen Augen, entspannt, wirkte Herr Öztürk noch fast jungenhaft. Nur der Schnurrbart passte halt nicht dazu. Aber er lebte so ganz anders als Marvin: mit Frau, einem eigenen Geschäft, sesshaft und so erwachsen. Marvin fühlte sich im Vergleich noch ganz unfertig, suchend und halbgar – und gerade dieser Kontrast machte den jungen Mann für ihn besonders attraktiv.
Herr Öztürk trug ein ärmelloses Unterhemd, das Arme und Schultern frei ließ. Das Hemd war leuchtend weiß, so weiß, dass es für einen Moment Marvins Augen blendete. Aber vielleicht lag das auch nur an dem Kontrast zwischen dem hellen Stoff und der dunklen Haut von Herrn Öztürk. Der war immer so braun wie Marvin nach drei Wochen Mittelmeer-Urlaub.
Arme und Schultern waren so stark, dass Marvin vor Überraschung die Luft anhielt. So stark hatte er sich Herrn Öztürk nicht vorgestellt. Rundung fügte sich da an Rundung und die braune Haut spannte sich, obwohl Herr Öztürk doch ganz still saß und sich nicht bewegte. Auch der blendend weiße Stoff dehnte sich, denn die starken Brustmuskeln zogen ihn in die Breite. An einigen Stellen schienen dunkle Haare durch den Stoff zu schimmern, und rechts und links saßen zwei kleine spitze Berge – das waren Herrn Öztürks Brustwarzen, die dem Stoff Widerstand leisteten.
Marvin spürte ein merkwürdiges Kratzen im Hals und er musste sich räuspern. Das Geräusch schien Herrn Öztürk aus seinem Traum zurückzuholen. Der Mann hob den Kopf und grinste Marvin noch einmal freundlich an.
«Apfel?», sagte er dann.
Marvin nickte wortlos. Mit ruhigen Bewegungen griff Herr Öztürk nach einem Apfel und holte dann ein Messer aus der Tasche seines Kittels hervor. Mit jeder Bewegung verschoben sich die Muskeln unter Herr Öztürks brauner Haut – der Bizeps spannte sich und wurde für einen kurzen Moment ganz groß – dann wölbte sich die Schulter – oder der Muskel hinten am Arm wurde plötzlich stark und dick, um gleich darauf wieder zu verschwinden. Eigentlich tat Herr Öztürk nichts Besonderes. Er schnitt langsam ein Stück aus dem Apfel heraus; aber Marvin beobachtete ihn dabei so genau, als gebe es nichts Wichtigeres auf der Welt.
Marvin hätte nicht sagen können, warum dieses Ritual für ihn so aufregend war. Denn eigentlich war ja gar nichts dabei. Herr Öztürk nahm einen Apfel, schnitt ihn in einzelne Spalten und dann aßen sie die auf – mehr passierte nicht.
Aber Marvin hatte trotzdem gleich beim ersten Mal einen ganz trockenen Hals bekommen vor Aufregung. Und dann ganz schnell auch einen steifen Schwanz. Das war schon komisch, denn Herr Öztürk gab ihm ja einfach nur eine Apfelspalte – und die aß Marvin dann auf. Dabei guckte Herr Öztürk ihm zu. Dann nahm der Mann sich selbst ein Stück Apfel. Er aß es auf, während Marvin ihn still beobachtete. So ging es hin und her, bis der Apfel gerecht geteilt war – erst bekam Marvin ein Stück, dann Herr Öztürk, dann wieder Marvin. Dabei wurde nicht gesprochen. Das war alles. Aber Marvin hielt es doch für so aufregend und spannend, dass er jedes Mal ganz enttäuscht war, wenn das letzte Apfelstück in seinem Mund verschwand.
Auch Herr Öztürk bekam bei ihrem Ritual mit dem Apfel einen Steifen. Jedenfalls meinte Marvin das. Ganz sicher war er sich allerdings nicht, denn natürlich konnte er dem Mann ja nicht andauernd auf den Schritt starren. Außerdem schlug Herr Öztürk meist nach einiger Zeit das eine Bein über das andere, während er den Apfel teilte. So war Marvin manchmal doch im Zweifel, ob er sich das mit Herrn Öztürks steifem Schwanz nicht doch nur einbildete. Vielleicht war die eindrucksvolle Beule, die er sah, ja nichts anderes als eine Falte im Stoff der Hose.
Nervös rutschte Marvin auf seinem Platz hin und her. Während der Apfel scheibchenweise kleiner und kleiner wurde, wuchs mit der Aufregung des Jungen aber auch seine Ratlosigkeit. Bestürzt merkte er, dass er gar keinen Plan hatte. Er wollte heute einen Schritt weiter gehen – aber wie sollte das geschehen? Er konnte doch nicht einfach aufstehen und … ja, er wusste ja noch nicht einmal genau, wie man jemanden richtig küsst, mit Zunge. Für einen solchen Kuss musste man verdammt sicher sein oder mutig. Marvin war weder das eine noch das andere. Und die Worte, die man vor so einem Kuss brauchte, die kannte er schon gar nicht. Marvin sah sich schon wieder unverrichteter Dinge davon schleichen, aufgeregt und mit steifem Schwanz, aber ohne Kuss, wie auch schon an den anderen Tagen, wie immer.
Aber der Zufall kam ihm zur Hilfe.
Bei dem letzten Apfelstück, das Marvin zustand, passierte Herrn Öztürk ein Missgeschick: Er verlor die dünne Scheibe und sie fiel nach unten auf den Boden. Marvin hatte die Hand schon ausgestreckt und berührte plötzlich Herrn Öztürks Daumen und Zeigefinger. Ein kleiner Stromschlag schien von dieser Berührung auszugehen. Erschreckt erstarrten beide für eine Sekunde; dann zog der Mann schnell seine Hand zurück.
